Griechenland in doppelter Not

Flüchtlingskriese Das war schon im vorigen Jahr absehbar: Griechenland traf und trifft es am schlimmsten mit den Problemen der Flüchtlingswellen nach Europa. Wiedergutmachung jetzt !
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Wir haben ja schon viele schlimme Flüchtlings-Bilder gesehen - aber was jetzt zu sehen ist von der nördlichen Grenze Griechenlands übertrifft das noch.

Wie schäbig, darüber zu diskutieren, ob und wie man den Gurgelgriff, der den Griechen schon seit einiger Zeit die Luft zum Atmen raubt, ein wenig zu lockern bereit sei.

Erforderlich ist - was schon längst fällig gewesen wäre: Massive Unterstützung als Hilfe zur Selbsthilfe.

Bei einem anderen Beitrag habe ich hier im Freitag in einem Kommentar eine alternative Strategie angerissen, die sowohl das Flüchtlingsproblem für Europa entscharft hätte, als auch darauf ausgerichtet gewesen wäre, dass ein Großteil der Flüchtlinge gerne - unter Friedensbedingungen natürlich - zurück in ihre Heimat ziehen würde. Vielleicht ist es noch nicht zu spät dafür.

"Vor einiger Zeit – es war wohl im Herbst 2015 - brachte Arte „interessante Erinnerungen“ - einen ganzen Abend lang - an die Jahre in den 70 iger und 80 iger, als die sog. „Gastarbeiter“ nach Deutschland kamen (z. T. angeworben von ausgeschickten Emissären von großen Firmen und auch von staatlichen Stellen der Arbeitsvermittlung.) Darunter waren bekanntermaßen eine große Anzahl von Türken (also Moslime). Die Mehrzahl kam aber doch aus Europa - vor allem Italien, Spanien, Portugal.

Gut, die Ausgangslage war eine andere, als heute bei den Flüchtlingen aus dem Vorderen Orient

Im Grunde genommen war das Verbindende damals das, was heute so diskriminierend denen vorgeworfen wird, die bei uns als „Wirtschaftsflüchtlinge“ klassifiziert werden. Denn sie flüchteten sehr wohl – eben vor Armut, Arbeitslosigkeit usw. Und es gab eindeutige Nachfrage in den wohlhabenderen Ländern – besonders in Deutschland - nach Arbeitskräften

Als die jetzige Flüchtlingsbewegung zu rollen begann, habe ich sie sehr frühzeitig mit den Erfahrungen jener Zeit in Beziehung gebracht.

Ich weiß noch recht gut, wie in den 70igern bei uns gestritten wurde über die Bezeichnungen Gast – bzw. Fremdarbeiter. Mir gefiel damals „Gastarbeiter“ besser – vor allem bei denen, die vorhatten wieder „nach Hause“ zu gehen, wenn sie hier von ihrem Lohn eine erhoffte Summe Geld gespart hatten.

Ich habe später von denen einige Portugiesen in Portugal getroffen – als wir jedes Jahr – natürlich unter anderen Bedingungen - dort „zu Gast“ waren( in unserer kleinen - von Portugiesen längst verlassenen - Quinta, die wir mit ihrem verfallenen Häuschen erwarben und mit der Zeit in unser kleines „Paradies“ verwandelten).

Was ich sagen will ist dies: Diejenigen Portugiesen erinnerten sich am positivsten an jene Zeit in der „Fremde“, die – jedenfalls annähernd - bei uns als Gäste behandelt wurden. Nach zwei oder drei Jahren war uns klar – als bei uns in Deutschland die Anzeichen von Xenophobie stärker wurden -dass wir umgekehrt so etwas von diesen Portugiesen uns gegenüber dort nicht befürchten mussten.

Quintessenz meines Vergleiches: Auch trotz der anderen Ausgangslage jetzt, habe ich von Anbeginn immer gehofft, es möge doch gelingen die zu uns Flüchtenden als „Gäste“ aufzunehmen, weil sie in großer Anzahl durchaus gerne wieder in ihre Heimat gingen, wenn ihre Lage dort es zuließe – und zwar nach Möglichkeit mit ersparten Mitteln, die sie sich hier erarbeitet hätten, um zu Hause sich eine (neue) Existenz aufzubauen---was im großen Stil natürlich nur mit internationalen Hilfsmitteln mancherlei Art glingen könnte.

Am Anfang haben wir, die wir diese Idee verfolgten, auch gemeint, man solle denen vor Krieg und Terror Flüchtenden eigentlich versuchen, vowiegend in den Ländern nördlich des Mittelmeers diesen Gaststatus zu organisieren (mit Hilfsmittel der EU bzw der UNO) – gleichsam in „Sichtweite“ ihrer Heimat. Dieses Szenarium hätte in den Gastländern dort gleichzeitig Investitionen geschaffen und Arbeitsplätze (gerade auch für Griechenland z. B.).

Ich brauche nicht zu betonen, dass natürlich auch dieses Modell nur human funktioniert hätte unter der Voraussetzung der Befriedung des Vorderen Orients als politische Priorität mit Aussicht auf Erfolg.

Ob es zu diesem Szenarium unter den jetzigen Entwicklungen zu spät ist? Ich weiß es nicht. Aber eine Option wäre es noch, wenn es gelänge das Problem primär unter humanistischem Vorzeichen zu sehen und lösen zu wollen."

Soweit mein früherer Kommentar.

Aktualisiert füge ich hinzu: Die Chancen sind insofern gestiegen, als der Waffenstillstand da ist und nun auch voraussichtlich am 9. März die UNO-Gespräche beginnen werden. Es besteht durchaus Hoffnung auf die notwendige Befriedung als Voraussetzung einer freiwilligen Rückwanderung ....dann sicher auch bei manchen, die jetzt bei uns Zuflucht fanden. Eine solche Rückwanderung würde sich sowieso über längere Zeit hinziehen.

00:57 07.03.2016
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Geschrieben von

namreH

Habe das Gefühl: glücklicherweise nehmen auf meiner Stirn die Zornesfalten ab und die Denkerfalten zu. Wenn meine Enkelin das merkt, stimmt es auch!
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Kommentare 3