namreH
29.09.2015 | 23:33 10

Menschenrechte - in guten Händen bei UNO ?

Vorsitz: Saudi-Arabien Eine Meldung, die fast nicht zur Kenntnis genommen wurde, die aber durch die geplante Hinrichtung und Kreuzigung eines Jugendlichen in S.A.(!) ins Blckfeld gerät.

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied namreH

Das hat mich umgehauen: Mehr zufällig kam ich auf diese Meldung – und zwar durch den neuen Parteichef der Labour in GB. http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-09/labour-jeremy-corbyn-grossbritannien.

Das machte mich noch wissbegieriger: http://www.gegenfrage.com/saudi-arabien-menschenrechte/

Es ist kein Aprilscherz und auch keine Satire: Obwohl Saudi-Arabien mit Menschenrechten, wie etwa Meinungsfreiheit oder körperliche Unversehrtheit, bekanntermaßen nicht sonderlich viel am Hut hat, ist Faisal bin Hassan Trad, Saudi-Arabiens Botschafter bei den Vereinten Nationen in Genf, zum neuen Vorsitzenden eines fünfköpfigen Gremiums im UN-Menschenrechtsrat gewählt worden. Das Land hat die „wohl schlechteste Bilanz der Welt“, was Rechte von Frauen, Minderheiten und Andersdenkenden angeht. Kritiker, darunter die Frau des inhaftierten Bloggers Raif Badawi, der aufgrund abweichender Meinung zu 1.000 Peitschenhieben verurteilt wurde und seither in einem Folterknast dahinsiecht, bezeichnete die neue Position Saudi-Arabiens in den UN als „skandalös“

Dazu ist auch dieser Artikel lesenswert. http://www.statusquo-news.de/skandal-saudi-arabien-uebernimmt-vorsitz-im-un-menschenrechtsrat/

Habe ich eigentlich die Meldung in unsern „Qualitätsmedien“übersehen???

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (10)

Magda 30.09.2015 | 10:04

Es ist in den sozialen Medien lange in der Debatte. Zu Beginn hielten das viele für einen Hoax. Aber, es sieht so aus, als wolle man die Saudis irgendwie bei Laune halten aus strategischen Gründen.

http://www.nzz.ch/international/naher-osten-und-nordafrika/raketen-auf-hochzeitsgesellschaft-1.18621825

Dafür gibt es eher neue Horrormeldungen..

Aber in diesem Bericht in der "Welt" ist es kritisch erwähnt.

http://www.welt.de/politik/ausland/article146781343/Saudi-Arabien-koepfte-2015-mehr-Menschen-als-der-IS.html

namreH 30.09.2015 | 13:29

Danke für die Antwort. Die Sache mit der Todesstrafe ist die eine Sache - und schlimm genug - im Grunde saddistische Selbstbefriedigung, wie sie erfolgen soll. Aber ich meine natürlich die Beauftragung in der UNO - und da hatte ich bisher keinen kritischen Kommentar gelesen. Das wäre doch mal eine mutige Tat gewesen, wenn der deutsche Vorgänger bei der Amtsübergabe etwas gesagt hätte. Aber das ist wohl die traurige Wahrheit: Öl ist wichtiger als Humanität.

namreH 30.09.2015 | 14:35

Ich habe noch ein bisschen gegoogelt: Seit 2006 also „Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen statt vorher UN-Menschenrechtskommission.

Der Rat ist ein Unterorgan der UN-Generalversammlung. Der Vorsitzende wird mit absoluter Mehrheit in der Vollversammlung gewählt. Bezeichnend ist für mich folgender Passus:

Auch nach der Reform des Rates gelangten Menschenrechte verletzende Staaten wie China, Tunesien, Saudi-Arabien, Kuba und Nigeria in den Besitz einer Stimme im Menschenrechtsrat, da sich jedes UN-Mitgliedsland ohne Auswahlkriterien für den Rat bewerben kann und die Mitglieder durch eine einfache Mehrheit der UN-Vollversammlung gewählt werden, in welcher Demokratien mit Gewaltentrennung in einer Minderheit sind. Dies steht im Gegensatz zum Anspruch des Rates, ihre Mitglieder müssten höchsten Menschenrechtsstandards entsprechen. Die im Westen geltenden Werte – von der Pressefreiheit bis zum Recht auf körperliche Unversehrtheit – werden Berichten westlicher Ratsmitglieder zufolge offensiv in Frage gestellt.[12] So sprach auch der ehemalige UN-Sonderberichterstatter über Folter Manfred Nowak beispielsweise davon, dass im Menschenrechtsrat jene „Staaten, die die Menschenrechte am meisten verletzen, [...] die Mehrheit“ hätten.[13][14]

Na ja, dann ist ja alles klar, warum mit der UNO hier kein Blumentopf zu gewinnen ist.

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Ehemaliger Nutzer 30.09.2015 | 16:33

Es gibt auch eine andere Sichtweise:

die Überführung von "Wissen, Recht und Ordnung" in andere Gesellschaften dadurch, dass man diese befähigt, über andere zu urteilen - mittels derer Gesetze.

Hier wird eine Person eines Landes an eine wichtige Stelle gesetzt, die den Auftrag hat, die Menschenrechte mithilfe internationaler Unterstützung in das eigene Land zu tragen. Es könnte einen Versuch wert sein.

Vielleicht ist Faisal bin Hassan Trad ja ein gemäßigter, der das bewirken kann. Denn erst durch Kenntnis (der internationalen Menschenrechte) kann man diese verbreiten.

Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Die Alternative ist, "diesen" Ländern z.B. einen Schweden (Gott vergelts: einen Ami) vor die Nase zu setzen, den sie als besserwisserisch abtun - hier haben wir dann eher die Konfrontation.

namreH 30.09.2015 | 18:07

Das ist aber eine sehr optimistische Interpretation. Im übrigen spricht die Statistik der Verurteilungen eine deutlich Sprache.

Verurteilungen des UN-Menschenrechtsrats nach Ländern, 2006–2015

https://de.wikipedia.org/wiki/UN-Menschenrechtsrat

Land

Anzahl

Israel

61

Syrien

15

Myanmar

12

Nordkorea

8

Iran

4

Weißrussland

4

Eritrea

3

Sri Lanka

3

Sudan

2

Libyen

2

Honduras

1

Quelle: UN Watch[22]

)Leider jkonnte ich die Tabelle nicht besser einfügen)

Magda 30.09.2015 | 19:56

Aber ich meine natürlich die Beauftragung in der UNO - und da hatte ich bisher keinen kritischen Kommentar gelesen.

Das ist in dem Beitrag in der Welt aber thematisiert.

Zitat: Nichtsdestotrotz wurde der saudische UN-Botschafter, Faisal Bin Hassan Trad, am Sonntag für eine Schlüsselposition im UN-Menschenrechtsrat berufen. Ein paar Tage nur, nachdem bekannt geworden war, dass al-Nimrs Berufung gegen sein Todesurteil abgelehnt worden war. Eine "skandalöse" Entscheidungnennt das etwa die Nichtregierungsorganisation "UN Watch".

namreH 01.10.2015 | 11:40

Bevor der Blog verschwindet will ich nur noch betonen, was mich bewogen hat, ihn zu schreiben. Letztlich die Trauer um eine Welteinrichtung, die nach den Weltkriegen geschaffen wurde (nach dem 1. Weltkrieg war es der Völkerbund), um die Erde sicherer zu machen – letztlich, um Kriege unmöglich zu machen und Humanität zu stärken. Was ist daraus geworden? Das Beispiel mit dem Vorsitz im Gremium für Menschenrechte zeigt nur zu deutlich, wie weit Anspruch und Wirklichkeit auseinanderklaffen. (den Bock zum Gärtner machen).

Ich denke, die entscheidende Wende kam mit der wahrscheinlichen Ermordung von Dag Hammarskjöld am 18. Sept. 1961: … war ein parteiloser schwedischer Staatssekretär unter sozialdemokratisch geführten Regierungen und zweiter UN-Generalsekretär. Hammarskjöld wurde 1961, kurz nach seinem Tode, der Friedensnobelpreis verliehen. Er starb bei einem Flugzeugabsturz in Afrika, dessen Ursache ungeklärt blieb. Dabei wollte er im Konflikt um die rohstoffreiche abgespaltene Region Katanga des gerade unabhängig gewordenen Kongo vermitteln, was auch als Kongo-Krise oder Kongo-Wirren bekannt wurde. Indizien und Zeugenaussagen deuten darauf hin, dass sein Tod Ergebnis eines Komplotts von Geheimdiensten oder Wirtschaftsunternehmen westlicher Staaten gewesen sein könnte, denen sein Engagement im Weg gewesen sei. https://de.wikipedia.org/wiki/Dag_Hammarskj%C3%B6ld

Kein Wunder, dass es danach kein UNO-GenGeneralsekretär mehr gewagt hat, gegen die wirklichen „Lenker“ der Welt zu agieren!