Nochmal "Die 2. Chance"

Jetzt in Portugal So langsam schießen sie sich auf Portugal ein - unsere Qualitätsmedien, Diesmal führt Spiegel-Online die Attacke an
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Bei Griechenland habe ich einige Beiträge unter der Überschrift "Die 2. Chance" geschrieben.

Jetzt ist Portugal dran - und dieses wunderbare Land liegt mir noch mehr am Herzen, weil ich dort nicht nur als durchreisender Tourist war, sondern viele Jahre - seit 1990 Jahr für Jahr und im Ruhestand von 1995 bis 2007 dann mehrere Monate im Jahr -auf dem eigenen Grundstück.

Aus der NZZ über die NACHDENKSEITEN

http://www.nachdenkseiten.de/?p=28637#h04

In Portugal entscheidet die Mehrheit – und Spiegel-Online kann es nicht fassen

11. November 2015 l Heiner Flassbeck l Europa, Wirtschaftspolitik

In Portugal ist die konservative Minderheitsregierung gestern wie erwartet gestürzt worden. Immerhin ist damit dem Ergebnis der Wahlen Rechnung getragen worden. Nun ist es am Staatspräsidenten zu entscheiden wie es weiter geht.

Nicht zu fassen ist allerdings die Einseitigkeit, mit der ein Medium wie Spiegel-Online diese normale demokratische Entscheidung kommentiert. Stefan Schultz fehlen schier die Worte angesichts der Tatsache, dass eine Mehrheit im Parlament sich anmaßt, die Macht zu übernehmen und wirklich etwas zu ändern.

Da werden dann reihenweise konservative Ökonomen aufmarschieren gelassen, die unisono genau wissen, dass jetzt der Untergang ganz nahe ist. Folglich ist es für den Kommentator nur konsequent, dem Leser gequirlten Käse als ökonomische Meinung zu verkaufen: „Die meisten Ökonomen glauben, dass die Reformen und Einsparungen vorangehen müssten, um die Wirtschaft dauerhaft zu stabilisieren. Die hohen Schulden müssen demnach sinken, der angeschlagene Bankensektor braucht rasche Reformen, die Produktivität des Exportsektors muss weiter steigen.“

Diese „meisten Ökonomen“, lieber Herr Schultz, sind, wenn es sie wirklich gibt, komplette Idioten, denn wer nach all den Jahren von Stagnation und Rezession in Europa immer noch nicht begriffen hat, dass „Reformen und Einsparungen“ niemals „vorangehen“ gehen können bei der Stabilisierung einer Wirtschaft, dem ist nicht zu helfen. Und dass „hohe Schulden“ nicht sinken können, wenn niemand anderes Schulden macht, das wird Spiegel-Online wahrscheinlich in hundert Jahren noch nicht verstanden haben.

Gespannt darf man sein, ob der Präsident nun die Sozialisten mit der Regierungsbildung beauftragt, oder sich für ein halbjähriges "Interregnum" entscheidet mit einer konservativen Regierung ohne Mehrheit. Denn Neuwahlen können aus Verfassungsgründen frühestens in einem halben Jahr erfolgen.

Ich wünsche den Portugiesen der Nelkenrevolution, dass sie sich schrittweise aus der ihnen auferlegten "Unmündigkeit" befreien.

01:28 13.11.2015
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

namreH

Habe das Gefühl: glücklicherweise nehmen auf meiner Stirn die Zornesfalten ab und die Denkerfalten zu. Wenn meine Enkelin das merkt, stimmt es auch!
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