datmut

frei?, freiheitsliebend!, altmodisch?, anachronistisch, anspruchslos?, zufrieden, anarchistisch?, ja!, positiv?, die Welt kann schoen sein!
Schreiber 0 Leser 0
Avatar
RE: Regeln statt Moral - die bessere Variante in der Krise | 27.05.2009 | 12:01

Lieber schlesinger,

“Ich gebe gerne zu, dass ich mich in dem von Ihnen genannten Detail nicht auskenne. Übers Wochenende will ich aber einen Blick darauf werfen.“

Ich habe natuerlich vollstes Verstaendnis dafuer, dass eine schoene Bergtour allemal erbaulicher ist als derartigen Recherchen nachzugehen. Trotzdem wollte ich Sie noch einmal an diese Absichtserklaerung erinnern. Gerade die Beurteilung durch einen Historiker wuerde mich in diesem Zusammenhang naemlich brennend interessieren. Mit meiner Bemerkung: „Dann sind sie vielleicht einer Meinung mit mir, dass wir gerade die Konsequenzen eines vor nunmehr fast 100 Jahren begangenen und bis heute fortwaehrenden Verfassungsbruchs der USA zu spueren bekommen.“ Bezog ich mich natuerlich auf die Gruendung der FED im Jahre 1913.

Falls Sie es schon vermutet haben sollten, so bestaetige ich hiermit gerne, dass es mir in erster Linie darum geht die Diskussion von der rein intellektuellen Ebene – so erfrischend und erbaulich zu lesen die Dialoge auf dieser Ebene auch immer sein moegen – in die banaleren Gefielde der praktischen Umsetzbarkeit umzuleiten. Zu diesem Zweck greife ich ihre weiter oben gemachte Anmerkung auf: „Ein Beitrag zu konkret ausformulierten checks and balances bezogen auf Finanzwirtschaft wäre ein sehr ambitionierter Versuch, dessen Kunst darin bestünde, dieses weite Feld konzentriert und fachlich versiert vorzutragen. Im Finanzmetier bin ich nicht firm, um in Vorlage gehen zu können.“

Nun fehlt auch mir die entsprechende Ausbildung im Finanzmetier. Andererseits bin ich seit vielen Jahren interessierter und faszinierter Beobachter desselben. Im Laufe der Jahre habe ich dabei mehr und mehr den Eindruck bekommen dass es um die sogenannten Finanzexperten ganz schlecht bestellt ist. Mit deren Beurteilung der wirtschaftlichen Situation konnte ich in den seltensten Faellen uebereinstimmen. Einen Kollaps unseres Waehrungssystems erwarte ich nun schon seit vielen Jahren. Die immense beispiellose Verschuldung saemtlicher Sektoren (staatlich, kommunal, privat) in grossen Teilen der OECD – allen voran in den USA – scheint mir schon seit langem ein sicherer Weg in den Abrund zu sein. Von Seiten der sogenannten Finanzexperten waren in dieser Hinsicht kaum warnende Stimmen zu vernehmen, wenn man mal von ein paar Aussenseitern absieht, die von den etablierten Experten als notorische Untergangspropheten abgekanzelt wurden. Insbesondere die Maechtigsten in diesem Spiel – Herr Bernanke und vorher Herr Greenspan – schienen und scheinen mir geradezu mit Blindheit geschlagen.

RE: Regeln statt Moral - die bessere Variante in der Krise | 27.05.2009 | 12:01

... Derartige Ueberlegungen bestaerken mich in der Ansicht, dass man fuer den von ihnen so genannten ambitionierten Versuch leichten Herzens auf die Vorlage aus dem Kreis der Finanzexperten verzichten kann. Da scheint mir eine weit verbreitete Blindheit und ideologische Verblendung vorzuherrschen die wenig Anlass zu der Hoffnung gibt, dass von dieser Seite viel brauchbares zu erwarten waere. Insbesondere scheint mir beim Gros dieser Experten eine starke Indoktrinierung vorzuherrschen die unvertraeglich mit dem gesunden Menschenverstand ist. Ohne jetzt eine Diskussion darueber ausloesen zu wollen was man denn nun unter gesundem Menschenverstand zu verstehen habe moechte ich deswegen anregen, dass wir den ambitionierten Versuch allein mit diesem Ruestzeug wagen sollten.

Was halten Sie davon? Falls Sie diesen Versuch nicht schon im Ansatz verwerfen bin ich gerne bereit mit Ueberlegungen grundsaetzlicher Art in Vorlage zu gehen – es sei denn, Sie kommen mir zuvor. ;-)

Ich hab natuerlich schon eine gewisse Vorstellung wohin es damit gehen soll. Aber mir liegt mehr daran dies diskutierend zu erarbeiten. Mir schwebt dabei ein oekonomisches System vor das dem von Ihnen am Schluss ihres Blogs formulierten Grundsatz ziemlich nahe kommt: „...diejenigen politischen und ökonomischen Systeme allen anderen Varianten vorziehen sollte, die die geringsten Ansprüche an die individuelle Moral stellen.“

RE: Regeln statt Moral - die bessere Variante in der Krise | 24.05.2009 | 03:03

Lieber Schlesinger,
"Niemand bei der HypoReal Estate oder andernorts wurde zum Abschluss hochriskanter Geschäfte wider besseren Wissens genötigt."
Ich habe meine Zweifel ob diese Behauptung einer Ueberpruefung in der Praxis standhaelt. Eine vom Chef angemahnte Eigenkapitalrendite von 25% ist eine klare Ansage (DB-Chef Ackermann). Die kann man nur mit hochriskanten Geschaeften und viel Glueck erzielen. Dass - wer dann entsprechend diesen Vorgaben handelt - wider besseren Wissens gehandelt hat ist anzunehmen. Andernfalls koennte es nur mangelnde Qualifikation gewesen sein.

RE: Regeln statt Moral - die bessere Variante in der Krise | 19.05.2009 | 19:14

Sehr erfrischender Artikel bei all dem Moralmief und Moralgeredemief der sich im Umfeld der Wirtschaftskrise ausbreitet.

Zwei Anmerkungen in ihrem Artikel lassen mich hoffen, dass Sie in der Beurteilung der Situation nicht gaenzlich von meiner eigenen abweichen. Ich zitiere:
"Reden ist Silber - regeln ist Gold
...
Das wußten die Verfassungsväter der USA besser als alle anderen"

Beziehen Sie sich dabei auf Section 10 des 1. Artikels der amerikanischen Verfassung?
www.constitution.org/constit_.htm
"Article I, Section. 10. No State shall enter into any Treaty, Alliance, or Confederation; grant Letters of Marque and Reprisal; coin Money; emit Bills of Credit; make any Thing but gold and silver Coin a Tender in Payment of Debts; pass any Bill of Attainder, ex post facto Law, or Law impairing the Obligation of Contracts, or grant any Title of Nobility."

Dann sind sie vielleicht einer Meinung mit mir, dass wir gerade die Konsequenzen eines vor nunmehr fast 100 Jahren begangenen und bis heute fortwaehrenden Verfassungsbruchs der USA zu spueren bekommen. Damals wurden die Selbstregelungskraefte eines auf der Realwirtschaft basierenden Geldsystems zugunsten eines durch interessierte Kreise beliebig manipulierbaren zentralen Planungssystems geopfert. Liege ich mit meiner Einschaetzung Ihrer Position richtig oder lese ich da nur was zwischen den Zeilen was Sie gar nicht gemeint hatten? Meine eigene Position bezueglich der aktuellen Krise habe ich in meinem ersten und bisher einzigen Blog-Beitrag in diesem Forum kund getan. (s. www.freitag.de/community/blogs/datmut/wege-aus-der-krise-hier-gehts-lang)