Der Kapitalismus und die Flüchtlinge

Kommentar Scheitert der Sozialismus am menschlichen Egoismus? Das ist die falsche Frage. Denn Egoismus und Altruismus sind philosophische Konzepte, keine wissenschaftlichen.
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Eingebetteter Medieninhalt

Geflüchtete im Berliner LaGeSo

Die gute Nachricht vorweg: Das Ende ist nah. Längst hat der Kapitalismus seine historische Rolle erfüllt und die Produktionsmittel für den allumfänglichen Überfluss zu schaffen, der eine sozialistische Gesellschaft erst möglich macht. Denn der Hauptgrund dafür, dass der Mensch des Menschen Wolf wird, dass er Reichtum egoistisch akkumuliert statt ihn mit anderen zu teilen, ist längst gelöst. Während beispielsweise Millionen Menschen vom Hungertod bedroht werden, produziert die industrialisierte Landwirtschaft genug, um das dreifache der gegenwärtigen Weltbevölkerung zu ernähren. Der Kapitalismus hat sich mit seiner Effizienz selbst seine Existenzberechtigung, den Kern kapitalistischer Mangelwirtschaft zerstört. Angebot und Nachfrage, die in ihm den Wert einer Ware bestimmen, können in Zeiten des Überangebots keinen Profit mehr generieren. Der historische Kapitalismus hat längst das 100.000jährige Problem beseitigt, das den menschlichen Egoismus legitimiert: das Ungleichgewicht zwischen wenig Angebot und großer Nachfrage. Ist das Angebot aber höher als die Nachfrage, brechen die Preise ein. Für die heutige Welt, deren Fabriken immer nur mehr und mehr produzieren, bedeutet das: Die Güter des täglichen Bedarfs, sogar die langfristigen, sind wertlos. Jährlich werden dennoch Milliarden Tonnen Nahrungsmittel vernichtet, werden Lagerüberschüsse zerstört, wird mit zu pseudoreligiösen heiligen Messen pervertierter Werbung ein Konsumwahnsinn zelebriert, der von jedem den Kauf eines neuen Handys spätestens alle zwei, eines neuen Autos alle fünf und eines Hauses alle zehn Jahre verlangt. Modefetischismus und künstliche Obsoleszenz, Raubbau und Wegwerfirrsinn sollen die Preise stabil halten, sie dem eigentlichen Gang der dem Kapitalismus eigenen Logik entziehen. Sollen Mangel suggerieren, wo keiner ist: die künstliche Verknappung. Die sofort mögliche Beseitigung des Welthungers, die problemlose Versorgung der Kranken dieser Welt mit Medikamenten und ihrer Armen mit Reichtum bedeutet für die Agenten dieses Systems nicht mehr und nicht weniger, als in kalten Termini die Nachfrage mehr als zu befriedigen, den Markt zu übersättigen, den ihren Profit, ihren Reichtum, ihre Macht begründenden Mechanismus auszuhebeln. Egoismus und das Verlangen nach Konsum würden sinnlos, wäre Wohlstand, wäre die Allverfügbarkeit der Waren ein allgemeiner Zustand, wenn jede und jeder mehr hätten, als sie fressen könnten. Wenn egoistisches Handeln zum Nachteil anderer keinen Vorteil für sich selbst, die eigene Familie oder Gruppe bedeutet, wird es vom Überlebensinstinkt zum Wahnsinn der Gier.

Kapitalistische Landwirtschaft lässt sich nicht mit einer Welt ohne Hunger vereinbaren. Kapitalistischer Fortschritt lässt sich nicht mit einer Welt vereinbaren, in der die Qualität der Waren sie nicht nach kurzer Zeit im Mülleimer landen lässt. Kapitalismus lässt sich nicht mit einer Welt ohne Krieg, Leid und Elend vereinbaren. Mord, Armut, Hunger, Krieg, Umweltzerstörung, Leid und Elend mag es auch ohne Kapitalismus geben – aber den Kapitalismus nicht ohne sie. In unserer Welt kann jedem Menschen geholfen werden, kann jeder und jedem ein würdiges Leben garantiert werden.

Die Refugees kommen zu uns nicht als Bittsteller. Sie kommen, um sich ihren Anteil zu holen.

12:43 29.03.2016
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

David Danys

Pfarrers Kind und Müllers Vieh, // Gedeihen selten oder nie.
David Danys

Kommentare