Warum Hillary Clinton erneut scheitern könnte

Elizabeth Warren Eigentlich schien Hillary Clintons erneute Präsidentschaftskandidatur ausgemacht. Ein Sicherheitsskandal bringt das nun ins Wanken – und eine gefährliche Konkurrentin
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Warum Hillary Clinton erneut scheitern könnte
Elizabeth Warren ist gelernte Juristin und arbeitete im US-Präsidialamt als Beraterin Obamas bevor sie 2012 Senatorin in Massachusetts wurde

Foto: SAUL LOEB/AFP/Getty Images

Dass Hillary Clinton zu den Vorwahlen um die nächste Präsidentschaft antreten wird, ist kein großes Geheimnis mehr. Auch wenn die ehemalige Außenministerin und First Lady ihre Kandidatur noch nicht offiziell gemacht hat, weiß jeder, dass sie die erste Präsidentin der Vereinigten Staaten werden möchte. Doch nun hat sie sich in einen handfesten Sicherheitsskandal verstrickt. Während ihrer Amtszeit als Außenministerin habe sie ausschließlich eine private Emailadresse verwendet, berichtete jetzt die New York Times. Bereits vor einigen Jahren waren sich alle einig, dass niemand Clinton aufhalten könne. Bekanntlich kam schon damals, 2008, mit Barack Obama alles anders.

Auch dieses Mal könnte Hillary Clinton scheitern und, unabhängig von dem jüngsten Email-Skandal, ihren zweiten Obama erleben – und zwar mit der Senatorin Elizabeth Warren. Viele, vor allem vom links-liberalen Flügel der Demokraten, arbeiten tagtäglich daran, die Senatorin zu einer Kandidatur überzeugen.

Denn Warren ist links, populär, authentisch. Sie vertritt eine Vision. Niemand stellt amerikanische Banken härter an den Pranger, als es Warren tut. Keiner verlangt stärkere staatliche Eingriffe, um der sozialen Ungleichheit in den Staaten entgegenzuwirken. Warren kaufen die Menschen ab, dass es sie stört, wenn "die Reichen immer reicher und die Mächtigen immer mächtiger" werden. Clinton hat das Geld, Warren die Authenzität. Als Tochter eines Hausmeisters und einer Versandhausmitarbeiterin erlebte sie zahlreiche Lebenskrisen und weiß, was es heißt trotzdem den amerikanischen Traum zu leben. Einen Traum, den es laut ihr heute nur noch selten gibt. Trotz aller Widerstände schaffte es die früh geschiedene alleinerziehende Mutter von zwei Kindern zu einer angesehenen Professorin.

Jahre später gar zur Gründerin der höchsten Finanz-Verbraucherschutzbehörde des Landes. Berufen von Barack Obama, sorgte sie für viel Wirbel in der Bankenwelt. Für so viel Wirbel, dass sie nur wenige Jahre später als erste Frau zur Senatorin für Massachusetts gewählt wurde. Als diese setzt sie sich konsequent und medienwirksam für die "middle class" ein. Nicht umsonst wird sie häufig als der "Albtraum der Wall Street" charakterisiert. Ihr neues Buch "a fighting chance", liest sich wie ein Schreiben zur Kandidatur.

"I am not running"

Letztendlich könnte sie die Rolle des glaubwürdigen Außenseiters übernehmen – und Amerikaner lieben Underdogs. Nicht zuletzt ist es aber ihr Charisma und ihre Rhetorik, die sie als Studentin sämtliche Debattenpreise gewinnen ließ und sie nun im ganzen Land bekannt macht. Ihre direkte Art kommt an, wie auch die Klickzahlen ihrer vielen Reden unter Beweis stellen. Aufzeichnungen dieser werden des Öfteren zu viralen YouTube-Hits.

Ganz gleich, ob sie den Präsident für die Besetzung von Posten mit Lobbyisten oder Drohungen der Republikaner kritisiert. Sie scheut sich nicht klare Worte zu wählen und ist "sleazy lobbyists, cowardly politicians and banks that cheat our families" satt, wie sie es ausdrückt.

"Washington is wrigged! But we can change that" ist einer ihrer bekanntesten Slogans. Einer, der sich gut für eine Kampagne eignen würde. Ebenso wie die Tatsache, dass sie nicht gerade als Freundin der Clintons gilt. Im Gegenteil, in der Wirtschaftspolitik von Hillary und Bill Clinton sieht sie kaum Unterschiede zu den Republikanern. Gerne charakterisiert sie die Frontfrau der Demokraten als als charakterlos. Diese Abneigung beruht auf Gegenseitigkeit. Eine große Rolle würde die Senatorin in einer Clinton-Regierung deshalb wohl nicht spielen. Nicht nur aus diesem Grund wäre eine Kandidatur, dessen sind sich alle Kommentatoren einig, ihre vielleicht letzte Chance. Warren ist 66 und wäre bei den nächsten Wahlen über 70 Jahre alt. Ob sie sich dann noch um das Oval Office bewirbt, ist fraglich. Wohl deshalb fahren ihre Unterstützer schon jetzt alle Geschütze auf.

Seit Wochen sammelt eine Online-Kampagne hunderttausende Unterschriften und Spenden, während über 90 Künstler von Michael Moore, Mark Ruffalo über Olivia Wilde bis Adam Horowitz unter dem Motto "Artists for Warren" für ihre Bewerbung trommeln. Zudem veröffentlichten im Dezember letzten Jahres rund 300 Ex-Wahlkampfmitarbeiter Obamas ein Rundschreiben, in dem sie Warren aufforderten sich um das Präsidentenamt zu bewerben. Angesprochen auf die vielen Zuschriften erwiderte Warren kürzlich: "Americans understand that the game is rigged, and they've had enough of it. They're ready to fight back. They want a Washington that works for them. They want to see some real change, and I think that's what we need to work on."

Ob sie damit bewusst spielt, um ihren Einfluss zu stärken, oder tatsächlich in das Rennen um die nächste Präsidentschaft eintritt, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Fakt ist, dass sie wohl die einzige Kandidatin der Demokraten wäre, der man eine "fighting chance" gegen Hillary Clinton zutrauen würde.

19:42 02.03.2015
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

David Gutensohn

Wurde an der Deutschen Journalistenschule ausgebildet und war freier Autor u.a. für Der Freitag. Heute arbeitet er als Redakteur bei ZEIT ONLINE
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