Die Zukunft der Stromversorgung

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Viele können sich noch an die Stromversorgungsprobleme in den Vereinigten Staaten erinnern. New York stand zeitweise komplett im Dunkeln und kein elektrisches Gerät verrichtete seinen Dienst. Um diesem Drama zu entkommen, haben wir eine zentrale Stromversorgung, die zu jedem Zeitpunkt sicherstellt, dass mehr Strom zur Verfügung steht, als gebraucht wird. Dadurch werden Knappheiten überbrückt, aber zu welchem Preis? Wir verschwenden Ressourcen und betreiben Atomkraftwerke, die teilweise umsonst (allerdings nicht kostenlos!) Strom liefern.

In der Zukunft könnte sich das ändern, denn wie auch in der Wirtschaft bieten dezentrale Organisationen Vorteile, die kein zentrales Konstrukt erbringen kann. Doch wie sieht eine dezentrale Stromversorgung aus? Bei einer unabhängig gesteuerten Stromversorgung gibt es nur noch wenige zentrale Kraftwerke, die eine Grundlast abdecken. Auf der anderen Seite werden kleine Kraftwerke, dies können beispielsweise Blockheizkraftwerke sein, eingesetzt, die zum einen Strom für den Hausbesitzer liefern, aber auf der anderen Seite zu einem Gesamtsystem verbunden werden können, um im Engpass auch Strom für andere zu produzieren.

Ein Vorreiter auf diesem Gebiet ist das Automobilunternehmen Volkswagen. Zusammen mit dem Hamburger Ökostromversorger Lichtblick will der Konzern über 100.000 der eigens entwickelten Volkskraftwerke ausliefern. Diese minimalistischen Kraftwerke können in jedem Keller eines Einfamilienhauses stehen und dort aus Erdgas Strom und Wärme erzeugen. Aufgebaut sind diese Energieproduzenten auf den bekannten „EcoBlue“-Motoren, allerdings arbeiten sie nicht wie ihre Brüder mit Benzin, sondern wie bereits erwähnt mit Erdgas.

Damit können Hausbesitzer ein Stück Unabhängigkeit erlangen und helfen sogar anderen, denn die Systeme können im Falle eines Engpasses unter die Kontrolle von Lichtblick gestellt werden. Dadurch schließen sich alle Kraftwerke zu einem Schwarm zusammen und produzieren für das gesamte Netz. Damit dem Hausbesitzer aber keine Nachteile entgegenstehen, haben alle Volkskraftwerke einen Puffer, der dafür sorgt, dass die häuslichen Betreiber immer ihren Bedarf decken können. Insgesamt liefern 100000 Kraftwerke bis zu 2000 Megawatt. Damit könnte das eine oder andere Atomkraftwerke bereits abgestellt werden.

Das Engpassverhalten der dezentralen Versorgung ist zudem außergewöhnlich, denn während ein Braunkohlekraftwerk ca. 8 Stunden für die „Warm-Up“-Phase benötigt und ein Atomkraftwerk sogar bis zu einem Tag, sind die Volkskraftwerke bereits in zwei Minuten fertig zum Stromerzeugen. Dennoch müssen sich auch diese zwei Minuten erkauft werden, damit niemand etwas von der drohenden Unterversorgung bemerkt. Hierzu wird z.B. der Ausbau unseres aktuellen Stromnetzes fällig, damit unsere Strukturen intelligent reagieren können. Mit einem sogenannten Smart Grid wäre es leichter den aktuellen Strombedarf gezielt zu ermitteln, da ein Smart Meter schneller an aktuelle Verbrauchsdaten gelangt und diese an die organisatorischen Strukturen weiterleiten kann. Zudem sollen günstige Stromtarife vom intelligenten Stromzähler mittels Internet ausgewählt werden.

Alles in Allem würde dies ein Plus an Effizienz und Umweltverträglichkeit bedeuten, gekoppelt mit einem Minus an Kosten. Aber warum haben wir die Vorteile noch nicht realisiert? Dies liegt nicht unbedingt an der Politik, denn diese fördert Smart Grids ziemlich stark. Vielmehr sind es die großen Energielieferanten, die dem Unterfangen im Wege stehen. Atomkraftwerke sind in einer dezentralen Struktur nicht mehr effizient einsetzbar. Außerdem sind den Unternehmen die Investitionen ein Dorn im Auge, denn Netz- und Erzeugerausfall müssen genauso abgesichert sein, wie das Risiko bei der Erzeugung von Ökostrom. Daher müssen wir alle gemeinsam für eine bessere Zukunft arbeiten, damit auch Effizienz eine Lobby bekommt.

18:46 10.02.2012
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Geschrieben von

davidde

Aus vergangenen Fehlern lernen um die Zukunft zu verbessern.
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