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Heute habe ich den Artikel 'Revolutionärin ohne Theorie' gelesen. Ja, wir müssen nach und nach Abschied nehmen von den damaligen Revolutionärinnen und Revolutionären. Mir sind sie Vorbilder: die 53er, die 68er, die 84er, die 89er, in der Ex-DDR und in der Alt-BRD.

Ja, die Kinder vom Heißen Herbst 89. Als lebenslanger BRD-Bürger kann ich mir das 89er Feeling in der DDR nicht eingängig vorstellen. Ich war in der Wendezeit unbeleckt von den großen Ereignissen mit meiner eigenen Wende beschäftigt: vom chaotischen Nichtschichtler zum grünen Mittelschichtler.

Derzeit wird der Heiße Herbst 2010 ausgerufen. Diesmal geht es um die Agenda-2010-Ideologie mit allem Drum und Dran, um die neoliberal-neokonservative Wende der Neo-BRD. Die 2000er haben mich transformiert: vom grünen Mittelschichtler zum linken Unterschichtler. Chaos - Ordnung - Chaos.

Wie ist im genannten Artikel zu lesen: »Das Volk ist verrückt geworden – die Regierung hat den Verstand verloren.«

Wie wahr. Mitunter überkommen mich surreale Anwandlungen: Hat die DDR die BRD geschluckt? Ist die CDU die SED? Sind die wahren Revolutionäre Guido Westerwelle und Thilo Sarrazin?

Sie machen auf die Hartz4'ler und auf die Migranten aufmerksam. Auf Minderheiten. Halten sie der demokratischen Mehrheitsbevölkerung denn nicht den Spiegel vor? Wenn die Hartz4'ler und die Migranten erst einmal über 50% kommen, dann seid ihr, die Normalbürger, die Minderheit, ganz demokratisch.

Zurück zur harten Realität: Ja, Menschen sterben. Wir müssen Abschied von ihnen nehmen. Aber wir müssen nicht von ihren Ideen Abschied nehmen. Im Gegenteil, wir können sie weitertragen und weitergeben, Generation um Generation. Die Idee von der Freiheit und der Würde des Menschen, von den Menschen- und Bürgerrechten.

Wie werden diese Ideen heute verzerrt: Die Freiheit der Reichen und Mächtigen, die Armen und Schwachen auszubeuten. Die Würde, am Rand des Existenzminimums leben zu dürfen, statt verhungern zu müssen. Die Menschen- und Bürgerrechte, die das westliche Militär den Menschen in Afghanistan mit Krieg bringen will.

Es heißt im genannten Artikel weiter: »„Damals waren die Leute zu begeistern, heute würden sie weghören“, sagte Reich noch, ein wenig nostalgisch.«

Hören sie weg? Ist es nur Nostalgie, an damals zu denken? Ich nehme es niemandem übel, wenn sie oder er nicht aufbegehrt. Das bedeutet nämlich, Risiken eingehen und seine Sicherheit gefährden. Auch in der BRD. Es muss keine Diktatur sein, wo man im Zuchthaus landet oder gar ermordet wird, wenn man Widerstand leistet. Die feinkörnigen Mechanismen unserer Realdemokratie reichen aus, um die Menschen dementsprechend zur Staatsräson zu bringen.

Dennoch: Wo Unrecht grassiert, ist Widerstand Pflicht. Ob in der DDR, oder in der BRD.

12:36 27.09.2010
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Geschrieben von

Red Bavarian

Die Vergangenheit analysieren, die Gegenwart gestalten, die Zukunft erdenken.
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