Der Mensch im Mittelpunkt

Grundeinkommen Ein Beitrag zum Thema 'Mensch, oder Geld und Arbeit' aus alternativ-emanzipatorisch linker Sicht
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Ein Grundsatz meiner Ethik beinhaltet, dass der Mensch im Mittelpunkt steht, nicht das Geld, nicht die Arbeit. Anders gesagt: der Mensch gilt als Mensch qua Existenz, nicht als 'Humankapital', nicht als 'Humanroboter'.

Dergestalt sehe ich den Gebrauch des Wortes 'Arbeitsmarkt' im Grundsatzprogramm der Partei Die Linke kritisch. Im Programmabschnitt 4.1 'Wie wollen wir leben? Gute Arbeit, soziale Sicherheit und Gerechtigkeit' steht, im Unterabschnitt 'Aktive Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik':

"Wir wollen eine aktive Arbeitsmarktpolitik, die sich in besonderem Maße für all diejenigen Menschen engagiert, die schlechte Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Die Kenntnisse, Kompetenzen und Fähigkeiten älterer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen nachhaltig in den Arbeitsmarkt integriert werden."

Ich denke, in Der Linken sollte nicht von 'Arbeitsmarkt' und 'Arbeitsmarktpolitik' gesprochen werden, sondern von 'Arbeitswelt' und 'Arbeitsplatzpolitik', um nicht indirekt der kapitalistischen Markt- und Verwertungslogik das Wort zu reden.

Denn: 'Arbeitskraft ist keine Ware'. Parallel zum Motto und der gleichnamigen Kampagne in Der Linken: 'Gesundheit ist keine Ware' (siehe auch im Unterabschnitt 'Soziale Sicherheit im demokratischen Sozialstaat'). Zusammengenommen: 'Der Mensch ist keine Ware'.

Weiter steht Programmabschnitt 4.1:

"Wir diskutieren darüber, inwieweit mit einem öffentlich geförderten Beschäftigungssektor über die Arbeitsmarktpolitik hinaus die Beschäftigung im Non-Profit-Bereich dauerhaft fortentwickelt und gestärkt werden kann."

Das weist darauf hin, wo die Problematik liegt: Im kapitalistischen Profitstreben. Was keinen Profit bringt, was sich kapitalistisch nicht rechnet und was kostet, wird schlecht bis nicht bezahlt und kaum wertgeschätzt. Die zwei Drittel unbezahlt geleisteten Arbeiten stecken gerade im Non-Profit-Bereich, in den vier Sparten: 1. Soziales mit Haushalt, Familie, Erziehung, Betreuung, Pflege, 2. ehrenamtliches, bürgerschaftliches und politisches Engagement, 3. Kreatives, Kunst, Kultur, Sport, Unterhaltung, Bildung, Selbstbildung, 4. Freie Kooperation im IT-Bereich mit Programmierung bei Free Software und Open Source; Wissensproduktion in Wikipedia, Foren, Blogs usw.; Dienstleistungen wie Administration, Moderation, Service, Pflege usw.; Kreatives.

Siehe zur Kritik an der kapitalistischen Dynamik in der ersten Sparte beispielsweise den kürzlichen Redebeitrag Pflege-Neuausrichtungsgesetz zementiert Zweiklassenpflege.

Wenn auch nur ein Teil dieser vielen Arbeiten bezahlt und sozialversichert würde, dann gäbe es keine Erwerbslosigkeit mehr. Auch dergestalt ist kritisch anzumerken, dass in Der Linken nur von Erwerbslosigkeit gesprochen werden sollte, nicht von Arbeitslosigkeit. Wobei ich wie immer mehr Menschen denke, dass sich auch ungeachtet der kapitalistischen Markt-, Verwertungs- und Profit-Logik die Zentrierung auf die klassische Erwerbsarbeit aufgrund der soziokulturellen und technologischen Veränderungen immer weniger halten lässt.

Mein Fazit: Die Linke ist auf dem richtigen Weg, wobei aus alternativ-emanzipatorisch linker Sicht zu wünschen ist, dass sie sich ganz aus dem real existierend kapitalistischen Irrweg löst.

Diesen Beitrag habe ich als Mitglied der Partei Die Linke im Zuge der Parteidebatte im Netz heuer schon einmal veröffentlicht. Er soll die Diskussion zum Freitags-Artikel 'Ein Stück vom großen Brotlaib' ergänzen.

12:27 20.11.2012
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Geschrieben von

Red Bavarian

Die Vergangenheit analysieren, die Gegenwart gestalten, die Zukunft erdenken.
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