La Liberté guidant le peuple

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Während in Deutschland das Faschings-/Karnevals-/Fasnachts-Volk auf den Straßen marschiert, und in den arabischen Ländern die Revolutionäre auf den Straßen marschieren, marschieren bei mir die Gedanken auf den Straßen meines Kopfes.

'La Liberté guidant le peuple' - 'Die Freiheit führt das Volk'. So heißt das Gemälde des französischen Malers Eugène Delacroix von 1830 anlässlich der Julirevolution damals in Frankreich.

Wenn ich es mir betrachte, so wird mir zwar kälter ob der gewaltsam hinlagenden Radikaldemokraten. Aber wenn ich die zentrale Symbolgestalt - die personfizierte Freiheit, La Liberté - betrachte, dann wird mir in meiner Eiszeit-Stimmung schon wärmer. Nein, nicht wegen der freizügigen Darstellung, sondern weil ich an Die Linke - La Gauche, La Sinistra, La Izquierda - denke.

Die Tricolore passt auch. Nein, nicht als Nationalflagge, denn ich trage nie Nationalflaggen, sondern wegen der Farben: rot wie die Standardfahne Der Linken, weiß wie die Fahne der Linken Liste in meiner Stadt, blau wie die Friedensfahne Der Linken.

Waffen mag ich nicht. Stattdessen gebe ich der Frau die Erklärung der Menschenrechte, dem Mann mit dem Kastorhut die Bayerische Verfassung, dem Burschen das Grundgesetz der BRD in die Hände. Das habe ich übrigens als Büchlein daheim, überreicht von einem Genossen.

Tote mag ich auch nicht. Stattdessen stelle ich mir vor, wie die führenden Köpfe ihre selbigen hängen lassend am Boden hocken. Gegenpersonen zu den aufrechten: eine Frau, ihre Niederlage aussitzend; einen Mann, seine zerfetzte Doktorarbeit anstarrend; einen Burschen, seinen abgekauften Schneid suchend.

Wie hat Karl Marx 1843/44 geschrieben, zitiert aus 'Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einleitung': »Wenn alle innern Bedingungen erfüllt sind, wird der deutsche Auferstehungstag verkündet werden durch das Schmettern des gallischen Hahns.«

Alternativ frei nach Karl Marx: »Für Deutschland ist die Kritik der Fasnacht im wesentlichen beendigt, und die Kritik der Fasnacht ist die Voraussetzung aller Kritik.« - und: »Das närrische Elend ist in einem der Ausdruck des wirklichen Elendes und in einem die Protestation gegen das wirkliche Elend. Die Fasnacht ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volkes.«

Noch wird im ganzen Römischen Reich Deutscher Nation 'Helau!' und 'Alaaf!' geschmettert. Gute (Fas)nacht, ganz Deutschland? Nein: im kleinen gallischen Dorf La Gauche wird geschmettert: Vive la révolution!

14:27 28.02.2011
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Geschrieben von

Red Bavarian

Die Vergangenheit analysieren, die Gegenwart gestalten, die Zukunft erdenken.
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