Militarismus und Feminismus

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Der Blog-Beitrag '"Alphamädchen" an die Front?', der sowohl hier wie auf der Mädchenmannschaft-Site erschienen ist, hat ja da wie dort Debatten-Wellen geschlagen. Ich möchte nun meine Gedanken zu den zwei Themenkreisen näher und strukturiert darlegen.

1. Militarismus

1.1 Ethik

Meine Ethik speist sich leitfadenmäßig aus drei Quellen: dem Humanismus, dem Sozialismus, dem Universalismus. Humanistisch heißt, der Mensch als Individuum, die Würde des Menschen. Sozialistisch heißt der Mensch als Gesellschaftswesen, gleiche Rechte und Chancen für alle Menschen. Universalistisch heißt, der Mensch als spirituelles Wesen, die Liebe zu allem Lebendigen.

1.2 Antimilitarismus

Ich bin antimilitaristisch eingestellt. Das heißt, ich bin gegen Militär, gegen Krieg, gegen Aufrüstung überhaupt. Konflikte sollen mit politischen, juristischen und zivilen Mitteln gelöst werden, unter Achtung der Menschenrechte und der internationalen Konventionen.

1.3 Die Linke

Der Grundlinie meiner Partei Die Linke stimme ich zu. Aus dem 1. Programmentwurf '4. Wie schaffen wir Frieden? Abrüstung, kollektive Sicherheit und gemeinsame Entwicklung' zitiert:

»DIE LINKE gründet ihre internationalistische Politik auf vier Prinzipien: Frieden durch kollektive und gegenseitige Sicherheit, Abrüstung und strukturelle Nichtangriffsfähigkeit. Solidarische Politik der Überwindung von Armut, Unterentwicklung und Umweltzerstörung. Einsatz für eine soziale, demokratische und friedliche Europäische Union. Reform und Stärkung der UNO.«

2. Feminismus

2.1 Ethik

Den Feminismus sehe ich im ethischen Rahmen, wie in 1.1 ausgeführt. Die Gleichstellung von Frau und Mann in Rechten, Pflichten und Verantwortung ergibt sich daraus.

2.2 Emanzipation

Die Emanzipation als Befreiung von Abhängigkeiten und als Gleichstellung erfordert, dass sich Frauen und Männer aufeinander zu bewegen und zusammenarbeiten. Im Mittelpunkt steht der Mensch als selbstbestimmendes Individuum im Rahmen der Gesamtgesellschaft.

Wichtig ist auch die Emanzipation der Männer, die noch zu wünschen übrig lässt. Wenn sich die Männer nicht bewegen, dann müssen sich die Frauen die ganze Strecke entlang bewegen. Am Ende haben wir eine rein männliche Gesellschaft, die halb aus biologisch weiblichen Männern, halb aus biologisch männlichen Männern, besteht.

Die Emanzipation fängt von klein auf an. Kinder sollen als Kinder erzogen werden, nicht kleine Frauen und kleine Männer sein müssen. Zu durchbrechen sind auch besonders die traditionellen Muster von Zwang und Gewalt, sowohl gegen Mädeln, wie auch gegen Buben.

2.3 Die Linke

Der Grundlinie meiner Partei Die Linke stimme ich auch da zu. Aus dem 1. Programmentwurf 'Gleichheit und Geschlechtergerechtigkeit' zitiert:

»... DIE LINKE versteht sich als Partei mit sozialistischem und feministischem Anspruch. ...«

2.3 Frauen beim Militär

Da ergibt sich ein gewisses Dilemma, wenn man für die Gleichstellung von Frauen und Männern, aber gegen das Militär ist. Ich sage: niemand - ob Frau oder Mann - darf zum Militär gezwungen (Wehrpflicht), gedrängt (konservativ-gesellschaftliches Prestige, Patriotismus), geworben (Rekrutierer, Jugendoffiziere in Schulen), getäuscht (vorgeblich für Menschenrechte und Frieden, tatsächlich für geostrategische und neoliberal-neokonservative Machtinteressen) oder sozial genötigt (Soldatenberuf als primäre Chance auf Job, Ausbildung, Karriere, Lebensunterhalt) werden.

Auch die Bundeswehr ist Militär. Vom höchsten General bis zum einfachen Soldaten ist da jeder ein strikter Befehlsempfänger. Die militärische Ausbildung de-individualisiert und de-zivilisiert. Im Einsatzfall heißt es auch töten und getötet werden. Einsatz heißt auch Krieg. Und Krieg heißt auch Gewalt, Leid und Tod. Die Ausbildung mit ihrem harten Drill ist die Vorbereitung dafür. Weder das alt-bundesrepublikanische Credo vom "Bürger in Uniform", noch das neo-bundesrepublikanische Credo von der "Bundeswehr als Wirtschaftsunternehmen" ändert daran etwas.

Ein erhöhter Frauenanteil wird an diesem Grundcharakter des Militärs ebenfalls nichts ändern.

2.4 Afghanistan

Für Afghanistan verweise ich auf Malalai Joya, und zitiere aus dem Büchlein (Stand: 30. Mai 2008) Der Linken 'Den Krieg beenden - Frieden für Afghanistan', S. 19: "Malalai Joya ist die wichtigste Ansprechpartnerin der Linksfraktion in Afghanistan / Malalai Joya ist die bekannteste Politikerin Afghanistans. Sie kämpft für die Rechte der afghanischen Frauen und gegen die Macht von Islamisten und Warlords. Dafür erhielt sie von den Wählerinnen und Wählern der westafghanischen Provinz Farah bei den Parlamentswahlen 2005 ein überzeugendes Mandat. Den Einsatz ausländischer Armeen in ihrem Land lehnt Malalai Joya ab. Mit deutlichen Worten kritisiert sie die Politik der afghanischen Regierung und der internationalen Gemeinschaft: »Die westlichen Medien sprechen von Demokratie und der Befreiung Afghanistans, stattdessen sind die USA und ihre Verbündeten damit beschäftigt, unser verwundetes Land in ein Land der Kriegsherren, der Verbrecher und der Drogenbarone zu verwandeln.« / Immer wieder weist sie darauf hin, dass sich die soziale Situation der Frauen in Afghanistan durch die internationale Intervention nicht verbessert hat: ..."

2.5 Fazit

Vor dem couragiert und engagiert friedenspolitischen Einsatz von Malalai Joya und vielen anderen Frauen rund um die Welt habe ich größten Respekt.

Aber karrieristischen "Alphamädchen" an der Front kann ich nichts abgewinnen. Wobei ich glaube, dass das vielmehr eine Wunschvorstellung von maskulistisch-militaristischen "Frauenflüsterern" ist als von Feministinnen. Da vertraue ich nämlich den Frauen, dass sie sich nicht von diesen "Alphamännchen" einseifen lassen.

16:20 23.10.2010
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Red Bavarian

Die Vergangenheit analysieren, die Gegenwart gestalten, die Zukunft erdenken.
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