Rosa Prinzessinnen und harte Burschen

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Ich habe heute den Artikel 'Es ist rosa, es glitzert und Jungen mögen es auch!' auf der Mädchenmannschaft-Site gelesen.

Das liest sich mir wie aus einer Traumwelt. Prinzessinnen-Träume. Hatte ich als kleines Kind auch.

Zudem denke ich an den Film 'Mein Leben in Rosarot'. Der Ausgangspunkt: Der kleine Ludovic wäre lieber ein Mädel. Der tragikomische und anrührende Film ist ursprünglich für Kinder und Jugendliche konzipiert, hat aber auch viele Erwachsene angesprochen.

Logisch, denn der Traum vom Akzeptiert-Werden und Sein-Dürfen, wie man ist, zieht sich oft durchs ganze Leben, wenn man ihn nicht verwirklichen kann, weil man sich mit den real existierenden Verhältnissen arrangieren und sich anpassen muss.

Im Mädchenmannschaft-Artikel heißt es: »Während es für Mädchen noch relativ einfach ist, Jungensachen zu machen, ist es umgekehrt fast unmöglich. Dass „Du Mädchen“ so zum Schimpfwort wird, ist eines der traurigen Symptome.«

Ja, leider. Ich habe schon in meinem Blog-Artikel 'Militarismus und Feminismus' geschrieben:

»Die Emanzipation als Befreiung von Abhängigkeiten und als Gleichstellung erfordert, dass sich Frauen und Männer aufeinander zu bewegen und zusammenarbeiten. Im Mittelpunkt steht der Mensch als selbstbestimmendes Individuum im Rahmen der Gesamtgesellschaft.

Wichtig ist auch die Emanzipation der Männer, die noch zu wünschen übrig lässt. Wenn sich die Männer nicht bewegen, dann müssen sich die Frauen die ganze Strecke entlang bewegen. Am Ende haben wir eine rein männliche Gesellschaft, die halb aus biologisch weiblichen Männern, halb aus biologisch männlichen Männern, besteht.

Die Emanzipation fängt von klein auf an. Kinder sollen als Kinder erzogen werden, nicht kleine Frauen und kleine Männer sein müssen. Zu durchbrechen sind auch besonders die traditionellen Muster von Zwang und Gewalt, sowohl gegen Mädeln, wie auch gegen Buben.«

Die Geschlechterfrage, die Emanzipation, den Feminismus habe ich als Kind und als Teenager zwangsläufig auf meine individuelle Art rezipiert. Als mein Rollenvorbild hat sich damals das starke Mädel verfestigt. Das liegt zwischen der rosa Prinzessin und dem harten Burschen. In meinen Blog-Artikel 'Nichts sagen können' kann man auch diesen Aspekt erkennen.

Zurück zum Kind, auf das im Mädchenmannschaft-Artikel Bezug genommen wird und zu einen Kommentar: »... , bedeutet eine Vorliebe für rosa Kleider und Glitzer zunächst einfach eine Vorliebe für rosa Kleider und Glitzer, nicht mehr.«

Ja, es kommt vielmehr auf die Kinder als Individuen an. Allein die beschriebene Vorliebe ist in unserer immer noch stark geschlechterfixierten Gesellschaft schon problematisch. Richtig schwierig bis grausam wird es bei transsexuellen und intersexuellen Kindern, worunter in Deutschland rund 2% der Kinder fallen.

Eine neue, offenere Zeit wäre schön, wie im Mädchenmannschaft-Artikel abschließend bemerkt wird. Aber die kommt nicht von selber, sondern die muss hart erarbeitet werden.

16:35 24.10.2010
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Geschrieben von

Red Bavarian

Die Vergangenheit analysieren, die Gegenwart gestalten, die Zukunft erdenken.
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