Selbstreflexion

Philosophie Spieglein, Spieglein an der Wand, wen habe ich in dir erkannt?

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community.
Ihre Freitag-Redaktion

Hiermit setze ich meine lockere philosophische Reihe nach meinem Blog-Artikel 'Universum Mensch' fort und erlaube mir, mich dem Vers-Wettbewerb zweier Meister des Chan-Buddhismus aus dem 7. Jahrhundert anzuschließen.

Oden Salomos (Odes of Solomon), Ode 13:

"Seht, der Herr ist unser Spiegel. Öffnet die Augen und seht sie in Ihm; und lernt, wie euer Gesicht beschaffen ist; und lobpreist Seinen Geist; und wischt den Schmutz aus eurem Gesicht; und liebt Seine Heiligkeit und kleidet euch damit; und seid allzeit ohne Makel vor Ihm."

Shen-Xiu:

Der Körper ist ein Bodhi-Baum.
Der Geist ist ein klarer Standspiegel.
Poliere ihn allzeit eifrig,
damit sich da kein Staub ansammelt.

Hui-Neng:

Bodhi hat im Grunde keinen Baum.
Der klare Spiegel steht auch nicht da.
Im Grunde gibt es kein einziges Ding.
Wo kann sich da Staub ansammeln?

Red Bavarian:

Zuerst brauchst du Gott und seinen Spiegel.
Später kannst du den Spiegel selber halten.
Zuletzt brauchst du den Spiegel nicht mehr.
Denn dein eigener Geist ist dein Spiegel.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Red Bavarian

Die Vergangenheit analysieren, die Gegenwart gestalten, die Zukunft erdenken.

Red Bavarian