Sternenhimmel

Universum Die Faszination der Sterne — ein Querschnitt durch die Jahrtausende
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In letzter Zeit habe ich mich wieder mehr mit dem Universum beschäftigt. Genauer gesagt, mit dem externen Universum als Ergänzung zum internen Universum, wahrnehmbar im menschlichen Geist.

Die Größe des Universums sprengt schier die Vorstellungskraft. Es ist nach den neuesten Erkenntnissen vor rund 14 Milliarden Jahren aus dem Urknall entstanden und umfasst schätzungsweise rund 100 Milliarden Galaxien, von denen jede wiederum viele Milliarden Sterne umfassen kann. In unserer Galaxis (die Milchstraße) beispielsweise tummeln sich rund 300 Milliarden Sterne.

Die Sterne habe die Menschen von jeher fasziniert, was mythologisch, kulturell und künstlerisch über die Jahrtausende verarbeitet worden ist und sich in Sternbildern manifestiert hat. Angefangen von steinzeitlichen Darstellungen bis zu den heute wissenschaftlich festgelegten Himmelsabschnitten, die neben Kreationen der Neuzeit letztlich wiederum bis in die Antike zurückgehen. Nämlich auf den von Claudius Ptolemäus in der Mitte des 2. Jahrhunderts verfassten Sternenkatalog Almagest, der in Europa über die arabische Astronomie bekannt wurde. Die Wurzeln der Sternbilder können teilweise weiter nach Ägypten und Mesopotamien zurückverfolgt werden. Neben diesen bekannten westlichen Sternbildern sind vor allem die anders gestalteten chinesischen Sternenkonstellationen bekannt.

Schauen wir uns die einzelnen Punkte an, wobei ich das Sternbild Orion als Beispiel nehme:

1. Kultur:

Jedes Sternbild hat eine Geschichte, und die klassischen sind mit Mythologien verbunden, wo unter anderem Orion eine Sagengestalt ist, die im gleichnamigen Sternbild verewigt ist, und wozu es Sternsagen gibt. Eine informative Website dazu ist Ian Ridpath's StarTales (auf Englisch), neben den einzelnen Wikipedia-Artikeln.

2. Kunst:

Die dazu gibt es kunstvolle Darstellungen auf alten Globen und Atlanten bis ins 19. Jahrhundert hinein, wie die Uranographia von Johann Elert Bode oder der Celestial Atlas von Alexander Jamieson, wo beiderseits sowohl die griechische Mythologie wie auch die neueren Kreationen künstlerisch dargestellt werden.

3. Forschung der Neuzeit:

Neben Ptolemäus in der Antike waren dabei auch Astronomen in der Neuzeit kreativ, indem sie wie Bayer, Plancius und Hevelius Lücken am Firmament aufgefüllt haben und in der Verbindung mit der Seefahrt den südlichen Sternenhimmel, der ja von Europa aus nicht zu sehen war, kartographiert haben, wie Keyser, de Houtman und Lacaille. Letzterer hat auch Gerätschaften und Erfindungen der Neuzeit wie das Teleskop und den Chemischen Ofen ins Firmament gesetzt.

4. Wissenschaft:

Während die vorgenannten Werke noch eine Kombination von darstellerischer Kunst und astronomischer Wissenschaft waren, kamen im 19. Jahrhundert nüchternere Bilder aus Strichmantschgerln — englisch: pictures of matchstick men — auf. Schließlich wurden aus den fantasievollen Imaginationen 88 Himmelsabschnitte, die offiziell und wissenschaftlich festgelegt wurden. Daneben gibt es auch historische Sternbilder und Asterismen, das heißt heute inoffizielle Sternbilder, die in alten Sternenatlanten wie den vorgenannten noch zu sehen waren.

5. Astronomische Objekte:

Während die Astronomen bis ins 16. Jahrhundert rein auf Augenbeobachtungen angewiesen waren, kamen im 17. Jahrhundert Teleskope auf, womit am Firmament mehr astronomische Objekte beobachtet werden konnten. Im Himmelsabschnitt Orion beispielsweise der farbenfrohe Orionnebel oder der Pferdekopfnebel, der an das Sternbild Pegasus erinnert.

6. Programme:

Heutzutage gibt es auch Astronomieprogramme für die Allgemeinheit, wie beispielsweise Stellarium, mit dem man den Sternenhimmel mit den verschiedenen astronomischen Objekten in Echtzeitsimulation am Computer darstellen kann, inklusive neuer darstellender Kunst.

Vorgestern, wo noch ein klarer Himmel herrschte, habe ich die Programmdarstellung mit dem tatsächlichen Himmel verglichen und festgestellt, dass sie stimmt. Übrigens kann man mit bloßem Auge unter besten Sichtbedingungen Sterne mit einer scheinbaren Helligkeit (Magnitude) bis circa 6 mag erkennen, was zwischen 7000 und 9000 Sterne ergibt, wenn man alle dergestalt sichtbaren rund um den Globus zusammenzählt.

7. Astrophilia:

Ich habe die Sternbilder in meinen Kalender aufgenommen. Heute, am 14.01.2013, ist der Tag Großer Bär Winter 14, Erde Neumond. Das heißt, der 24. Tag nach der Wintersonnwende (der astronomische Winteranfang) im Jahre 14 meiner Zeitrechnung und der 3. Tag nach dem letzten Neumond. Um den Kreis zum Beispielssternbild zu schließen: Orion Winter 14 ist übrigens am 10.02.2013, ein Neumondtag.

Die Mystokatz (meine philosophische Partnerin) sagt, dass sie es schade findet, dass die Astronomie so männerorientiert ist. Ich stimme ihr da zu. Am Firmament sind auch Frauen zu finden: Andromeda (darin unsere gleichnamige Nachbargalaxie), Kassiopeia und Hydra (die weibliche, große Wasserschlange neben der männlichen, kleinen, dem Hydrus).

Fazit:

Die Möglichkeiten, sich mit dem Sternenhimmel zu beschäftigen, sind schier endlos, und sie wurden über die Jahrtausende genutzt. In dieser Endlosigkeit spiegelt sich der menschliche Geist wie das Universum wider.

20:29 14.01.2013
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Geschrieben von

Red Bavarian

Die Vergangenheit analysieren, die Gegenwart gestalten, die Zukunft erdenken.
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