Keine Windräder im Pfälzerwald

Naturschutz Einer der letzten weitgehend unberührten und einzigartigen Naturräume Deutschlands soll den Profitinteressen der "grünen" Energiekonzerne geopfert werden.
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Da mir das Thema sehr am Herzen liegt - und nachdem ich gerade bei heise online über einen schon etwas älteren Bericht über eine Protestveranstaltung am Forsthaus Taubensuhl vom 23.03.2013 gestoplert bin - und mich über einige Kommentare im dazu eingerichteten Diskussionsforum richtig aufregen musste, ein Beitrag zum Thema: Wer schützt die Natur vor den modernen "Naturschützern"?

Worum geht es? Und was macht es so schwierig? Ich behaupte, wer noch nie im Pfälzerwald gewesen ist, kann nur schwer mitreden, weil er gar nicht ahnen kann, welch ein einzigartiges und unheimlich schönes Gebiet dieses Mittelgebirge eigentlich darstellt. Ich bin auch Aufgrund dessen ein begeisterter Landschaftsfotograf, liebe meine Heimat, auch und gerade weil ich sie fast bis ins kleinste Detail kenne. Die Wikipedia-Artikel über den Pfälzerwald sowie Naturpark und das Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen können sicher nur eine begrenzte Übersicht bieten, aber einen ersten Eindruck vermitteln. Die folgenden Absätze entstammen einem nicht veröffentlichten, weil nicht opportunen Leserbrief an die Pirmasenser Zeitung, mit dem ich auf ähnlich "einfache" Argumente anderer Leserbriefschreiber einging:

Wie simpel: der Strom komme ja nicht aus der Steckdose; ergo seien die Tage eines Windradfreien Naturpark Pfälzerwald-Nordvogesens nun einmal gezählt! So etwas kommt meist von Personen, die wie ich leider permanent erleben muss, meist völlig von der Natur entfremdet sind. Nicht auch nur annähernd zu schätzen wissen, in welch einer einzigartigen, schönen und unberührten Natur wir hier eigentlich leben! Personen, die in den meisten Fällen wohl noch nie die Aussichten vom Luitpoldturm, Winschertfels, Orensfels, Rehbergturm, der Madenburg, dem Drachenfels, dem Stäffelsberg, der Kalmit, der Wegelnburg usw. genossen haben (evtl. auch wegen des fehlenden Parkplatzes in 50m Entfernung...) - und daher schlicht und ergreifend gar nicht wissen können, worum es eigentlich geht! Wäre der energiepolitische Zeitgeist auch ein anderer - dann würden die selben Personen mit dem selben abgedroschenen und blöden "Steckdosenargument" auch weitere Müllheizkraftwerke wie in Fehrbach, eben auch Atomkraftwerke vor der Haustür dulden - oder gar die komplette Planierung des Pfälzerwaldes fordern! Vermeintlich offensichtliche Sachzwänge und ideologisch unterfütterte Mantras sind nämlich eine feine Sache - man kann sich dann die Mühe des genaueren Nachdenkens sparen!

Und dann diese konstruierten, angeblichen Widersprüche - und welch absurde Dramatik von wegen "alternativlos": Als gingen weltweit die Lichter aus, wenn wir den Naturpark Pfälzerwald-Nordvogesen prinzipiell von Windrädern frei hielten! Es ist einfach nur eine zutiefst verlogene Debatte, in der wieder einmal nur noch ökonomische Interessen zählen. Kein naturverbundener Mensch, der auch nur annähernd den unbezahlbaren Wert einer unberührten Waldlandschaft wie der direkt vor unserer Haustüre zu schätzen wüsste, könnte auf die Idee kommen, 150-250 Meter hohe Ungetüme darin aufzustellen - für ein paar Euro und Watt Strom! Und dies noch als "grün" oder "umweltfreundlich" bezeichnen. Es geht um gewaltige, das Landschaftsbild zerstörende Monster, für deren Materialgewinnung, Herstellung, Transport, Aufbau und Wartung allein schon weit mehr Energie verbraucht wird, als diese in einer sehr langen Zeit zu liefern Imstande sind. Wenn Sie wegen permanenter Flaute nicht eh mal tagelang still unnütz in der Landschaft rumstehen (wie z. B. bei Riedelberg oder auf der Gerstfeldhöhe permanent zu beobachten ist - und was auch im Pfälzerwald oft der Fall sein wird!). Für den Aufbau sind dazu breite Schneisen für die Transportfahrzeuge in alte Waldbestände sowie um die Windräder noch einmal riesige, kreisrunde Freiflächen zu schlagen, zu planieren und teils asphaltierte Wege anzulegen. Intakter Wald und Boden wird also systematisch vernichtet... Ebenso müssen dann Stromleitungen gelegt oder gespannt werden. Dazu Absperrung der gerodeten Flächen wegen Eiswurf. Und dann die Eingriffe im Bereich der Tierwelt: Man nimmt unzählige getötete Zug- und Greifvögel im Kauf. Ebenso verstörtes und vertriebenes Wild aufgrund der enormen Geräuschentwicklungen dieser gigantischen Rotoren. Alles inmitten eines Naturparks! Im Nachhinein ergibt übrigens so auch die von Anfang an einseitig gesteuerte Meinungsmache gegen die Schaffung eines Nationalparks umsomehr Sinn: hätte dieser doch Pläne in der Hinsicht gänzlich durchkreuzt. Es geht wie gesagt nur noch ums Geld - auch unter Anwendung altbekannter Methoden: Divide et impera. Dazu noch systematisch die von etlichen Exklaven zerklüftete Gebietsstrukutur der Gegend ausnutzend (siehe die Pläne von Annweiler und Landau). Ein paar klamme Verbandsgemeindebürgermeister möchten sich und ihre Gemeindeflächen dann für nen "Klicker und n' Knopp" an die auch nur auf Gewinnmaximierung schielenden Windenergiekonzerne verkaufen, anstatt z. B. endlich von den Parteigenossen in Bund und Ländern höhere Steuereinnahmen zu fordern und sich für eine gerechtere Steuerpolitik einzusetzen. So dass gerade "leere Kassen" nicht mehr der bequeme Sachzwang dafür werden, noch das allerletzte Tafelsilber zu verhökern!

Aber Hauptsache, der "Strom kommt weiter aus der Steckdose"... Damit der vermeintlich ökologisch denkende, im Ökomarkt einkaufende Wohlstandsbürger im warmen Sommer beruhigt mit Windstrom die Klimaanlage durchlaufen lassen kann...! Man könnte drüber lachen, wenn es nicht so verdammt traurig wäre...

Soviel zur "Konserve", nun noch zu den beiden wesentlichen "Argumenten" im heise-Forum:

1. "Wasch mir den Pelz... / St. Florian": Kann nur von Menschen kommen, die rein ideologisch und bar jeglicher Sachkenntnis über die Gebietsstruktur agitieren. Es ist gerade ja gerade das Wesen des Pfälzerwaldes, dass er eines der am dünnsten besiedelten Gebiete Deutschlands ist! Da hier eben auch so gut wie niemand lebt, ist folglich auch keine Notwendigkeit vorhanden, hier eine eigene Energieversorgungsinfrastruktur über Windkraftanlagen einzurichten. Im Gegenteil: Gerade die "reicheren" Regionen entlang des Rheines und die Energiekonzerne wollen den weitgehend unbesiedelten Pfälzerwald für ihren Nutzen opfern, sie betrifft es ja auch unmittelbar nicht. Es ist jedenfalls auch sehr interessant, dass angeblich grün oder ökologisch denkende Menschen das St. Floriansprinzip in dem Sinn deuten, dass der Wald nun halt einmal eben niederzubrennen sei - anstatt ihn zu verteidigen.

Erschwerend kommt gerade hinzu, dass das Gebiet des Pfälzerwaldes wie bereits erwähnt aus unzähligen Waldexklaven von Gemeinden besteht, die teilweise weit außerhalb des betreffenden Gebietes liegen, so bspw. auch der Stadtwald von Landau, in dem das Forsthaus Taubensuhl liegt. Reiche Gemeinden wie Annweiler oder die touristisch stark besuchten Weindörfer entlang des Haardtrandes und der Deutschen Weinstraße machen es auch gerade bei der Planung zur ultimativen Bedingung, dass von eben dort auch keine Windräder zu sehen sein dürfen, weil sie eben selbst nicht ohne Grund in touristischer Hinsicht eine stark negative Wirkung dieser Monster befürchten (was einem Eingeständnis gleichkommt). Dadurch, dass man nun von Seiten der Landesregierung auch noch allein den (meist finanziell extrem ausgebluteten) Gemeinden die Hoheit über die Entscheidung überlässt, spielt man wieder einmal die einen gegen die anderen aufgrund neoliberaler Sachzwänge (= finanzieller Nöte) auf den untersten Ebenen perfide (aus rein ideologischen Gründen) zu Profitzwecken aus!

2. "Atomkraftwerk": Auch hier - die Bewohner des Pfälzerwaldes selbst benötigen schlicht keine Strommengen, die denen eines AKW entsprechen! Und der konstruierte Gegensatz ist auch an plakativer Dümmlichkeit nicht mehr zu überbieten bzw. entspricht der selben antidemokratischen TINA/Alternativlos-Logik der Marke Merkel / Thatcher: Dieser Gegensatz existiert schlicht nicht; die Frage lautet allein, wo kann man Windräder natur- und landschaftsschonend aufstellen - und wo eben nicht!

Von mir angefertigte Fotos meiner Heimat.

http://propfaelzerwald.de

21:43 22.04.2013
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Geschrieben von

Dennis82

linker, realist, zyniker, sozialromantiker, umverteiler, steuerrechtler, ex-staatsdiener.
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Dennis82

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