Fabian Heppe, Marius Mühlhausen
07.06.2012 | 16:00 46

"Wie unabhängig sind wir?"

Im Gespräch Der Neoliberalismus ist noch immer sehr mächtig, aber schon lange nicht mehr erfolgreich. Warum, erklärt der britische Soziologe Colin Crouch

Der Freitag: Warum vertrauen die Menschen in der aktuellen Krise vor allem den Ökonomen und Technokraten? Die erleben im Moment ja geradezu eine Renaissance.

Colin Crouch: Tatsächlich wird ökonomisches Wissen heute in einer Weise gewürdigt, die mir völlig unverständlich ist. Gerade weil sich Wirtschaftswissenschaften auf einer intellektuellen Ebene mit den Dingen befassen, die weit vom realen, vom sozialen Leben entfernt ist. Ökonomen sind sehr abstrakte Menschen; sie gleichen eher Mathematikern. Und dennoch finden ihre Forschungsergebnisse und ihre abstrakte Theorie großen Nachhall in der Politik. Und sie werden auch von den Entscheidern im Finanzsektor verehrt. Diese Kluft zwischen ihrer Theorie und dem Leben ist sehr merkwürdig, schlicht eine Absurdität der letzten Jahrzehnte.

Aber hätte die Krise nicht automatisch die Macht der Ökonomen eindämmen müssen? Als eine Art logische Konsequenz.

Ja, das wäre in der Tat logisch gewesen. Doch gerade die von den mächtigen Euroländern geforderte Austeritätspolitik in den Krisenländern zeigt: In schlechten Zeiten greift die Politik auf einfältige, plumpe neoliberale Denkmuster zurück. Es zeigt sich also mal wieder, dass der Neoliberalismus das Ergebnis einer Ideenlosigkeit ist.

Das schreiben Sie ja in Ihrem neuen Buch Das befremdliche Überleben des Neoliberalismus. Darin sagen Sie auch, dass der Neoliberalisms aus der Krise gestärkt hervorging. Vielleicht ist er am Ende doch erfolgreich?

Das ist das Perfide: Weder war er noch wird er je erfolgreich sein. Aber der Neoliberalismus ist mächtig, das schon. Zwei Eigenschaften haben ihm geholfen, so populär zu werden: erstens stellt er, ähnlich wie der Marxismus, eine Art Gebrauchsanleitung dar, die nicht nur einfach zu lesen ist, sondern auch anwendbar erscheint. Es gibt nur einige, wenige Grundannahmen, und von denen ausgehend, kann man sich die Wirklichkeit so zusammenbasteln, wie es einem beliebt. Der Neoliberalismus ist einfältig und keinesfalls modern. Viel entscheidender aber ist: dass die neoliberale Politik zweitens die Interessen der Reichen, also Mächtigen, abbildet; der Neoliberalismus sagt schlicht, was sie zu hören wünschen. Und sie wollen hören, dass ihre Steuern niedrig bleiben, dass man keinen Arbeitnehmerschutz oder gerechte Löhne braucht. Sie wollen hören, dass der Abbau des Sozialstaats Wachstum generiert. Ich bin davon überzeugt: Würde der Neoliberalismus nicht genau das sagen, was die Mächtigen gutheißen, wir würden die Ansichten dieser Ökonomen überhaupt nicht beachten. Es geht um Macht, um Interessen, aber nicht um Erfolg.

Und die Politik schaut dabei nur zu?

Max Webers einst vorausschauende Beschreibung der Politik als Berufsfeld ist heute längst zur Realität geworden. Politiker haben meist ihr ganzes Leben nichts anderes als politische Karrieren verfolgt. Sie verlassen die Universität, arbeiten in parteinahen Think-Tanks und warten darauf, in ein parlamentarisches Amt gehievt zu werden. Oft sind das nicht mehr als political animals, die den Strukturen und Abläufen, die sie vorfinden, wenig entgegenzusetzen haben.

1968 wurden Intellektuelle wie Jean-Paul Sartre zum Vorbild einer Bewegung, weil sie ihren Unmut über das System äußerten. Wo bleiben die Intellektuellen heute?

Ich glaube, dass nicht nur althergebrachte Intellektuelle wichtig sind, sondern auch praktizierende Ärzte, Lehrer, einfach alle Menschen, die über Wissen verfügen. Das muss nicht notwendigerweise politisches Wissen sein. Es geht mir vielmehr darum, dass sie in der Lage sind, orthodoxe Glaubenslehren wie den Neoliberalismus anzuzweifeln. Es geht um ein Klima, in dem alternative Themen und Meinungen zu den Mächtigen gelangen, gedeihen und wachsen, um schließlich zu deren Forderungen zu werden. In Großbritannien sind es gerade auch Rockstars, Schauspieler und Comedians, die offen Kritik üben. Sie spielen eine wichtige Rolle und haben heute mehr Einfluss als Intellektuelle, weil sie eine breitere Öffentlichkeit erreichen.

Im letzten Jahr haben ja Harvard-Studenten eine Vorlesung von Gregory Mankiw verlassen, um gegen seine neoliberale Wirtschaftslehre zu protestieren. Mankiw ist immerhin einer der wichtigsten Makroökonomen der USA und war Berater von George W. Bush. Haben Sie das Gefühl, dass es an den Unis heute wieder politischer zugeht?

Nach den Studentenrevolten der 68er-Bewegung ist es in den Hörsälen sichtlich ruhiger geworden. Die Studierenden haben sich angepasst und verhielten sich systemkonformer als früher. Doch seit den jüngsten Krisen spüre ich eine zunehmende Skepsis. Das Vertrauen, der Glaube der jüngeren Generationen in das etablierte System ist gebrochen. Das hat bestimmt auch mit einer kritischeren Einstellung gegenüber dem Neoliberalismus zu tun, obwohl ich davor zurückschrecke, über die Studenten pauschal zu urteilen. Das habe ich damals nicht getan und das mache ich auch heute nicht.

Aber ähnlich wie die Intellektuellen schweigen auch die meisten Universitätsprofessoren. Sie melden sich in gesellschaftlichen Debatten kaum mehr zu Wort.

Viele von ihnen durchlaufen im Moment eine Art fordistischen Prozess, wie ihn vor einem Jahrhundert viele Arbeiter erleben mussten. Der Druck wächst und ihre Arbeit wird an der Produktion von Artikeln in Fachzeitschriften gemessen. Nur das dient der Karriere. Das erschwert es freilich, überhaupt an allgemeinen, öffentlichen Debatten teilzunehmen. Junge Kollegen stehen nun vor der Wahl, einen solchen Artikel zu verfassen oder sich lieber in einer Debatte zu Wort zu melden. Die meisten entscheiden sich für ersteres und bleiben lieber still.

Im Moment erlangen neue soziale Bewegungen wie Occupy große Aufmerksamkeit, obwohl sie ohne einen geistigen Vordenker oder Star auszukommen scheinen. Sind das moderne und adäquate Protestformen, die wir in der Postdemokratie brauchen?

Absolut. Dieser Wandel ist nicht nur richtig und gesund, sondern auch urdemokratisch. Diese Bewegungen brauchen keine Kult- oder Symbolfiguren. Überhaupt hat ­niemand eine solche tragende Rolle verdient. Es ist für diese Protestgruppen fruchtbarer, wenn sie von einer Vielzahl von Aktivisten ­getragen werden. Sie sind praxis-tauglich, denn sie schaffen es, viele ganz unterschiedliche Bürger mit unterschiedlichstem Wissen zu vereinen. Vielleicht haben sie jetzt bereits mehr erreicht als die Intellektuellen der 68er-Bewegung. Denn die wachsende soziale Ungleichheit, die Macht des Kapitals, die Aushöhlung der Demokratie, das sind die Herausforderungen unserer Zeit. Nicht zuletzt Occupy hat es geschafft, dass die Politik nun Stellung beziehen muss und diese Themen mehr in den Fokus rücken. Vor fünf Jahren hat ­niemand über so etwas geredet. Es waren Randnotizen, mehr nicht. Heute dagegen treiben sie ­weltweit Aktivisten auf die Straße.

Dabei kann die Occupy-Bewegung, von außen betrachtet jedenfalls, in ihren Forderungen sehr vage und zerstückelt wirken.

Mag sein, aber das liegt gewissermaßen im Wesen solcher Bewegungen und ist kein Manko. Soziale Bewegungen sind meist flüchtig, sie verlaufen mit der Zeit. Nur in den seltensten Fällen besitzen sie eine Kontinuität. Sie bleiben aber ein wichtiges Gesellschaftsphänomen, weil sie Klarheit schaffen. Und mein Gefühl sagt mir, dass eine Organisation oder Struktur letztlich eine Bewegung diskreditieren, vielleicht sogar schwächen würde. Ihre Stärke liegt in ihrer Vielfalt, sie können jederzeit überall auftreten. Dadurch sind sie unverzichtbar, um das neo­liberale System zu überwinden. Wir brauchen sie.

Wofür denn genau?

Das wirkliche Problem liegt nicht darin, dass es einen Mangel an Ideen gibt, sondern dass wir die Machtverhältnisse in einer globalisierten Welt mit deregulierten Finanzmärkten durchbrechen müssen. Die globale Finanzelite, dieser kleine Kreis von Menschen in abgeschotteten Bürotürmen, nimmt Einfluss auf andere Wirtschaftsbereiche und auf die Politik. Das muss zum Kern-thema werden.

Um welche Punkte müsste es denn dabei konkret gehen?

Diese Gruppe von Geld-Spielern ist sehr selbstbewusst und fühlt sich uns überlegen. Sie sind davon überzeugt, dass sie das Geschehen in ihrem Sinne beeinflussen können. Der Rest sind für sie Marionetten. Aber dieser Rest ist groß; es müssen soziale Bewegungen sein, die dieser Elite vor Augen führt, dass es so nicht weiter gehen kann. Die Finanzeliten müssen einsehen, dass auch sie Kompromisse zu schließen haben. Die schlichten Spardiktate, wie sie zurzeit Griechenland erfährt, sind nicht nur zu simpel, sondern höchst unsozial. Wir müssen mit unseren alternativen Ideen erfolgreich sein; die Politiker müssen gezwungen werden zuzuhören. Natürlich sind die Forderungen der Bewegungen oft vage, aber sie erschaffen ein politisches Klima, in dem Alternativen formuliert werden. Für deren Umsetzung brauchen wir dann vor allem einen Schulterschluss der politischen Linken.

Ihre Essays ließen in der Ver­gangenheit oft wenig Grund zur Hoffnung. Können Sie heute positiver in die Zukunft schauen?

Das hoffe ich! Meine Art zu schreiben bezieht sich auf die Idee der Dystopie, dem Gegenteil der Utopie. Ich will, dass die Leser am Ende denken: „Oh nein! So ist es wirklich?“ Schlussendlich will ich überzeugt werden, dass ich falsch liege. Ich will die Menschen mit meinen Ansichten warnen, sie sollen erkennen, dass der aktuelle Weg der falsche ist. Aber es ist zu früh zu sagen, ob ich recht behalte. Bedauerlicherweise wurde meine These, dass der Neoliberalismus gestärkt aus der Krise hervor­gegangen ist, auch durch die politischen Maßnahmen und Reaktionen in der Eurokrise be­stätigt. Ich hoffe sehr, ich werde da noch eines Besseren belehrt.

Aber in Amerika und England sind die Unis sehr stark mit der Privatwirtschaft verknüpft und werden von ihr finanziert. Gibt es dort eigentlich noch so etwas wie eine freie Lehre?

Diese zunehmende Offenheit der Universitäten gegenüber Wirtschaftsunternehmen verstört mich. Zumal das Besondere an dieser Macht doch ist, dass mächtige und einflussreiche Personen sie fast nie aktiv ausüben und direkt einsetzen müssen – es genügt, dass die anderen davon wissen. Das ist an den Universitäten nicht anders als anderswo und erschwert es deshalb ungemein, Einflussnahme konkret nachzuweisen und zu verstehen. Aber die Universitäten müssen sich immer fragen: Wie unabhängig sind wir?

Colin Crouch, geb. 1944, ist ein britischer Politikwissenschaftler und Soziologe, der 2004 mit dem Buch

 

Post-Democrazy

 

international bekannt wurde. Darin vertrat er die These, dass die öffentliche Inszenierung der Politik eine des Scheins ist, während die eigentlichen Entscheidungen in die Hinterzimmer verdrängt worden sind. 2011 erschien sein neues Buch

The Strange Non-Death of Neoliberalism

(Das befremdliche Überleben des Neoliberalismus. Postdemokratie II).

Crouch legt darin dar, wie die aktuelle Finanzkrise den Neoliberalismus gefestigt und gestärkt hat. Das Gespräch führten

Fabian Heppe und

 

Marius Mühlhausen

 

Kommentare (46)

Avatar
Ehemaliger Nutzer 07.06.2012 | 21:46

Wir lernen zum Thema Geld in der Schule gar nichts und auf der Hochschule verwirrenden Unsinn.

Dies ist Machtpolitik, weil dieses Wissen die Eliten der Hochfinanz haben um es gegen uns zu benutzen, uns auszubeuten und abhängig zu machen.

Der Marxismus gehört zu diesen Trickkisten, er erklärt zum Thema Geld so gut wie gar nichts!

Wer wissen will kann sich mit dem Thema "Freiwirtschaft" "Silvio Gesell Die Natürliche Wirtschaftsordnung" beschäftigen und bekommt danach eine ungefähre Orientierung über das Problem und die Lösung.

wwalkie 07.06.2012 | 22:02

Na ja, lieber Freitag Headliner! "Vielleicht hat Occupy schon heute mehr erreicht als die 68er", formulieren Sie. Crouch hingegen hatte formuliert: "Es ist für diese Protestgruppen fruchtbarer, wenn sie von einer Vielzahl von Aktivisten ­getragen werden. Sie sind praxis-tauglich, denn sie schaffen es, viele ganz unterschiedliche Bürger mit unterschiedlichstem Wissen zu vereinen. Vielleicht haben sie jetzt bereits mehr erreicht als die Intellektuellen der 68er-Bewegung.". Crouch meint also, dass die Occupier mehr Menschen erreichen als die 68er, was ich bestreite, was aber nicht zwingend heißt, dass sie mehr in Sachen Emanzipation erreichen. Und selbst diese Aussage scheint mir sehr candid zu sein. Er selbst fährt fort: "Jüngere Kollegen stehen vor der Wahl, einen solchen Artikel (einen der Karriere förderlichen) zu verfassen oder sich lieber in eienr Debatte zu Wort zu melden. Die meisten entscheiden sich für ersteres und bleiben lieber still." Ja, was denn nun? Also doch eher angepasst als revoluzzig?

Überhaupt bin ich perplex: "Die Finanzeliten müssen einsehen, dass es so nicht weiter gehen kann. Die schlichten Spardiktate, wie sie zurzeit Griechenland erfährt, sind nicht nur zu simpel, sondern höchst unsozial ... die Politiker müssen gezwungen werden zuzuhören..." Echt? Da kann man ja nur auf die Einsichtskompetenz der Finanzeliten hoffen. Und die Zuhörfähigkeit der Politiker.

Uwe Theel 08.06.2012 | 02:14

@ winfired schrieb am 07.06.2012 um 19:46

Wir lernen zum Thema Geld in der Schule gar nichts und auf der Hochschule verwirrenden Unsinn.

Damit könnten Sie ja recht haben, obwohl ich ahne, das Sie da etwas ganz anderes meinen, als Sie sagen, besonders, wenn sie weiter schreiben

Der Marxismus gehört zu diesen Trickkisten, er erklärt zum Thema Geld so gut wie gar nichts!

weiß ich nicht, ob ich lachen oder Mitleid mit Ihnen haben soll:

Es mutet schon absurd an, zu behaupten, dass die bürgerliche Volks- und Betriebswirtschaft in die Trickkiste des Marxismus griffe, um Ihre Geschäfte zu erledigen, die Sie gleichzeitig zu bedauern scheinen.

Völlig aberwitzig aber, zu behaupten Marx habe zum Geldbegrif und seiner Praxis praktisch nichts gesagt.

Gehen Sie einmal auf die Internetseite

www.mlwerke.de/index.shtml

und geben Sie dort das Stichwort "Geld" zur Suche nur in den Werken von Marx und Engels ein. Wenn Sie dann alle Fundstellen im Zusammenhang gelesen haben, werden Sie, so fürchte ich, noch immer nichts begriffen haben, aber den Sommerurlaub werden Sie bestimmt haben ausfallen lassen müssen, was aber beides nicht an Marx liegen würde.

Sancta Simlicitas!

P.S.: Marx gegen Silvio Gesell aus dem Spiel kicken zu wollen, ohne zu sagen, wie denn das gemeint sei, gehen solle, reflektiert für mich nur unbelesenes Blendertum Ihrerseits.

claudia 08.06.2012 | 09:54

>>Da kann man ja nur auf die Einsichtskompetenz der Finanzeliten hoffen.
Vielleicht hilft Beten.

Der seit vielen Jahren oft kolportierte Satz bringt die kultivierte Hilflosigkeit immer wieder auf den Punkt:
>>"Die Finanzeliten müssen einsehen,...
Die müssen halt einfach irgendwann mal was einsehen. Wenn nicht gestern, dann heute. Wenn nicht heute, dann morgen. Wenn nicht morgen, dann eben übermorgen.
Ich versuche immer, wenn das vorgebracht wird, mir vorzustellen, die Franzosen hätten 1789 gesagt: "Der König muss doch einsehen..."

Wer ist das überhaupt, die "Finanzelite"?
Wenn ich überraschend 10 Mio. erben würde oder den Jackpot gewänne und ein Anlageberater sagte mir: "Wir haben da ganz tolle Finanzprodukte, die Ihnen ein komfortables Leben ohne eigene Mühe bescheren": Wäre ich dann Finanzelite? Was müsste ich dann einsehen? Dass der Finanzdienstleister ein asoziales Arschloch ist? Dass ich die Asche komplett einer Umweltorganisation spenden sollte und mich weiter mit Leiharbeit durchfretten? Würde dann alles gut?

Oder sollten wir doch lieber fragen, wie die produzierten "Werte" überhaupt zustande kommen? Und ob sich daraus Antworten zur Machtfrage ableiten lassen?
Solche Fragen kann ich aber eher stellen, wenn ich nicht "Finanzelite" bin, sondern Mehrwerterzeuger. Da sind Einsichten und Erkenntnisse möglich, die das Bewusst-Sein als Besitzelite nicht zulässt.

gewissen 08.06.2012 | 10:43

@ "In Großbritannien sind es gerade auch Rockstars, Schauspieler und Comedians, die offen Kritik üben. Sie spielen eine wichtige Rolle und haben heute mehr Einfluss als Intellektuelle, weil sie eine breitere Öffentlichkeit erreichen."

Gar nichts von diesem Einfluss wird nutzen, den Kapitalismus selbst auch nur zu gefährden, gar zu beseitigen, nicht einmal die Protagonisten selbst wollen dies. So wird hier nichts bewegt, wie immer.
Kritische Informationen, Literatur, Kommentare wie den aktuellen gibt es in Überfluss, es hilft nichts, nicht einmal auf die Lügen und Widersprüche des Kapitalismus hinzuweisen weckt Zweifel in den Hirnen der Machthaber. Frage an die Spezialisten der bürgerlichen Ökonomie: Wieso ist ein Kartellamt in der freien Marktwirtschaft erlaubt oder nötig? Wieso kostet die Herberge in der Hauptsaison doppelt soviel wie in der Nebensaison, die wirtschaftliche Kalkulation ist doch die gleiche. Übrigens ein gutes Beispiel für die Unmoralität des "freien Marktes".

Avatar
Ehemaliger Nutzer 08.06.2012 | 11:52

Das sind genau die Ansichten, die sich jeder auf dieser Welt zu Gemüte führen sollte! Ausgezeichnete und völlig richtige Gedanken von Herrn Crouch.
Und die Bewegung wird immer grösser werden! Lasst uns den Neoliberalen und den Finanzhaien die Rote Karte zeigen - im wahrsten Sinne des Wortes.

claudia 08.06.2012 | 12:10

>>Lasst uns den Neoliberalen und den Finanzhaien die Rote Karte zeigen - im wahrsten Sinne des Wortes.
Das Zeigen von Karten beruht auf der Übereinkunft, dass die Spieler hinschauen und das Urteil des Schiedsrichters akzeptieren.

Wenn es so einfach wäre, dann hätte doch "attac" schon vor 10 Jahren das Schlimmste verhindert?

Mit "Spielern", die wegschauen und es nicht nötig haben sich von uns etwas sagen zu lassen müssen wir anders verfahren.

Das könnten wir mittlerweile aus der Erfahrung gelernt haben.

Kurt Seifert 08.06.2012 | 15:30

In den Aussagen des ehrenwerten Colin Crouch sind allzu viele linksliberale Allgemeinplätze zu finden. Leider haben die beiden Interviewer zu wenig nachgefragt. Was soll beispielsweise der Satz: "Und mein Gefühl sagt mir, dass eine Organisation oder Struktur letztlich eine Bewegung diskreditieren, vielleicht sogar schwächen würde"? Wer trägt denn das Feuer weiter, wenn die Flamme einer Bewegung erloschen ist? Wer hält die Erinnerung wach - für ein anderes Mal, unter möglicherweise besseren Bedingungen des Gelingens? Was wären Arbeiterstreiks ohne Gewerkschaften, was Proteste gegen Castor-Transporte ohne Umweltorganisationen?

In diesem Zusammenhang empfehle ich die "Flugschrift" von Michael Jäger, Redakteur des "Freitag", und Thomas Seibert. Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Rosa-Luxemburg-Stiftung: "alle zusammen. jede für sich. die demokratie der plätze" (VSA Verlag, Hamburg 2012). Darin geht es vor allem um die Organisationsfrage: Wie können sich die "Aktivist_innen" zusammentun und dem "nihilistischen Sog", der in unserer Gesellschaft herrscht (dass es nämlich keine Alternative geben soll und man sich mit dem anzufinden habe), entgegentreten, ohne die anderen, die Passiven, als "Spiesser" zu verachten, wie dies die Achtundsechziger taten? Die Flugschrift umfasst 72 Seiten, in es in sich haben. Meine Empfehlung: unbedingt lesen!

claudia 08.06.2012 | 15:58

>>Ich kann das hier leider auch nicht darstellen, da es wahrscheinlich wieder wegmoderiert würde.
Man kann alles schreiben, bevor es gelöscht wird (Der Beitrag sollte natürlich so sachlich gehalten sein, dass keine formalen Gründe für das "Wegmoderieren" geliefert werden).

So besteht die Chance, dass doch ein paar Leute es lesen...
Ich habe das auch schon in anderen Foren geschrieben: Wer vor lauter Angst, dass mal was gelöscht werden könnte gleich stumm bleibt, handelt nicht rational.

claudia 08.06.2012 | 16:48

Dass eine organisierte, durchsetzungsstarke Gegenmacht aufgebaut werden muss, wenn was erreicht werden soll, das sehe ich auch so. Kurzzeitig aufflackernde Proteste verhallen immer wieder, wenn nicht an einer organisierten, aktionsfähigen Gegenmacht gewerkelt wird. Und die Erkenntnis: "Hat wieder mal nichts gebracht" wirkt kontraproduktiv, weil sie die Resignation fördert.

Das Beispiel mit den Gewerkschaften halte ich für richtig: Ohne streikfähige Organisation erleben wir eine permanente Kaufkraftsenkung der Löhne. Das sieht man ja in der Leiharbeit: Der Apell "gleicher Lohn für gleiche Arbeit" verhallt ohne Effekt, denn einen Grund zum Entgegenkommen hätten die Leihfirmen (und ihre Kunden) erst dann, wenn sie mit einem Streik bedroht werden könnten, der ihren Geschäften "wehtut".

---
Was müsste eine globale Organisation gegen die "Finanzmacht" für ein Ziel haben?
Das Hauptproblem sehe ich in der privaten Akkumulation von erarbeitetem Mehrwert. Die Privataneignung von Arbeitsergebnissen verleiht ihren Besitzern ihre Macht. Dieser stete Zustrom von Machtmitteln an eine Minderheit muss also gekappt und die Ergebnisse menschlicher Arbeit demokratischer Verfügung zugänglich gemacht werden. Wenn das in Angriff genommen wird, können auch Ziele des Arbeitens definiert werden. (Es muss ja nicht immer nur das gemacht werden, was Renditejunkies am Besten in Kram passt)
Keine leichte Aufgabe, aber machbar, wenn eine Mehrheit es will.

"Die nichtbesitzende Mehrheit gegen die Übermacht des Privatreichtums": Das ist auch sehr wesentlich eine Sache der Bildungsarbeit, die der stetig hämmernden Propaganda der Machtausüber entgegengesetzt werden muss.
Und schon die geht nicht ohne Organisiertheit.

Damit sind wir gar nicht so weit vom genannten Beispiel der gewerkschaftlichen Organisation entfernt, nur eben mit sehr viel weitreichenderen Zielen. Und mit demokratischer Kontrolle der gewählten Funktionäre, damit die nicht der Korruption anheimfallen. Denn solange es Privatreichtum gibt, wird er logischerweise auch zur Korruption eingesetzt.

nowaysir 08.06.2012 | 16:53

Ach ja, das leidige Thema Gesell vs. Marx.

Lieber wilfired, Sie verwechseln da etwas um nicht zu sagen versuchen etwas zu umschreiben ohne es wirklich begriffen zu haben.

Gesell sieht Geld als technischen Gegenstand, mit natürlichen Eigenschaften! Er sieht Geld im Vergleich zu anderen Waren als Ware, die man „horten“ kann. (Geldverknappung = günstige Vertragsbedingungen)

Gesell geht - im Unterschied zu den Waren - nicht von den stofflich-körperlichen Eigenschaften des Geldes aus. Er sieht keinen Unterschied zwischen den Eigenschaften der Waren und ihren gesellschaftlichen Eigenschaften. Der Witz aber daran ist, dass er nicht nur ohne theoretische Erklärung auskommt, sondern seine „Erklärung“ bildet vielmehr den Hintergrund der gesamten Argumentation.

Im Gegensatz dazu Marx, er erläutert den Doppelcharakter der Warenwelt, dies widerum hält Gesell für nicht notwendig, ihm erscheinen die Verhältnisse als natürlich und
vorausgesetzt.

Desweiteren musste ich laut über das Neoliberalismus gebashe von Colin Crouch lachen.

Nehmen wir einfach einmal die Geldpolitik der Reagan-Administration. Diese stand im krassen Gegensatz zu neoliberalen Dogmen (kein Staat, Markt regelt sich selbst). Robert Brenner spricht hier nicht umsonst von einem "verkapptem Keynesianismus". Der Neoliberalismus ist nichts anderes als ein weiterer Krisenaufschub bis - das Wort sagt es - zur nächsten Krise. Wenn man ehrlich ist, der Keynesianismus ist bereits in den 70ern gescheitert, durch Defecit-Spending und Aufblähung der privaten Kredite konnte eine Krise nur verhindert werden (keine Abwertung von Kapital), die folgende Stagflation war nichts anderes als die Strukturkrise durch Interventionen zu bekämpfen, die zur Überwindung kurzfristiger Konjunktureinbrüche geeignet waren.

Herr Crouch macht den Fehler wie so viele, die sich am Neoliberalismus abmühen, ohne auf den eigentlichen Widerspruch der kapitalistischen Produktionsweise (Ware, Geld, abstrakte Arbeit) auch nur im Ansatz einzugehen.

Geld, so lernen wir, ist dazu da um den Austausch von Gütern zu vereinfachen...so kann uns die Wirtschaft mit Gütern versorgen. Jeder Mensch, der auch nur halbwegs Verstand besitzt, wird merken, dass dieser Widerspruch sich an der Realität nicht verifizieren lässt: ein Unternehmen produziert nicht deshalb Waren, weil es die Gesellschaft mit denselbigen versorgen will, sodern um Gewinn zu machen --> die Produktion von Waren ist also nur das Mittel für einen vorausgesetzten Zweck: aus Geld noch mehr Geld zu machen.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 08.06.2012 | 19:52

"Man kann alles schreiben, bevor es gelöscht wird"

Kann man nicht - ich bin bei "SPON" und "Der Zeit" rausgeflogen, weil ich Texte geschrieben habe, die den sogenannten "Moderatoren" nicht gefallen haben! Und die wurden ohne Begründung erst gar nicht veröffentlicht! Okay - kapitalistische Blätter mit Zensur in den Kommentaren!
Aber auch beim Freitag ist jetzt zum zweiten Mal etwas zensiert worden - und es ging nicht um Netiquette. Wenn man mich nicht über Gründe informiert, mag ich das überhaupt nicht - dann kann ich mir Kommentare und Beiträge auch ersparen.

Karola 08.06.2012 | 21:38

Da Crouch fragt: "Vielleicht hat Occupy schon heute mehr erreicht als die 68 ? möchte ich diese beantworten wie ich sehe.

Die Aufgabe der 68 war, im Nachinein gesehen, darauf hinzuweisen, dass Nazideutschland zu Ende ist und Demokratie gelebt werden muss. Sie haben nicht alles hingenommen, was Autoritäten, zumeist auch noch aus alten Nazikadern, ihnen erzählt haben.

Und sie haben der Bevölkerung gezeigt, dass Widerstand möglich ist und Demokratie eingefordert. Sie haben sie beim Wort genommen.
Wieviele haben noch weit in die 80 iger bei Demonstration oder auch in der politischen Debatte gehört, sie sollten doch in den Osten gehen, was ja nichts anderes bedeutete, als dass viele die Demokratie immer noch nicht verstanden hatten.

Occupy holt sich die Demokratie zurück, die durch die Neoliberalisierung langsam zerstört werden soll.

Occupy ist eine Bewegung in der Demokratie, die weiterhin Gleichheit, Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden einfordert, weil sie sieht, dass diese Eigenschaften gefährlich bedroht sind.

Ein super Interview. Danke Freitag.

DrLecter 09.06.2012 | 07:57

Immer brav um den heissen Brei herum...

Ich mag Crouch und vor allem sein Buch über die Post-Demokratie.

Allerdings habe ich grössere Probleme seinen Bemerkungen über Occupy zu folgen. Deren angeblich so grosser Einfluss soll ja sogar grösser als der der 68er sein?
Wurde nicht recht schnell nach 68, und wegen 68, ein Willy Brandt gewählt?
Während die Partei die heute der damaligen SPD entspricht, also Die Linke, in der Versenkung verschwindet, während die FDP wieder Zuwächse zu verzeichnen hat?

„Die globale Finanzelite…nimmt Einfluss …auf die Politik.“ Leider stehen natürlich auch die Medien Konzerne auf dieser Seite und beide zusammen benutzen ihre Macht um eine Veränderung der bestehenden Verhältnisse unmöglich zu machen. Meinungsmache und Manipulation sind die besten Hauptwerkzeuge in einer Demokratie, in der ein dummes, und mit einfachsten Mitteln dumm zu haltendes Volk zu entscheiden hat.

Wäre es nicht sinnvoller gewesen Herrn Crouch zu fragen, wie man dieses grundlegende Problem angehen kann? Denn ohne vorher dies Problem zu überwinden, wird es keine Änderung geben!
Denn seine Aussage, „dass der Neoliberalisms aus der Krise gestärkt hervorging“ die ist ja leider wahr.

Aber dies ist nun mal das Forum wo man sich um die eigentlichen Fragen lieber herumdrückt, und sich statt dessen gerne in die eigene Tasche lügt, gell?

tlacuache 09.06.2012 | 10:46

"DrLecter schrieb am 09.06.2012 um 05:57"

Irgendwie überkam mich auch eine gewisse Blutleere beim lesen des "Inerwiews".
Ihr Hinweis ..."Leider stehen natürlich auch die Medien Konzerne auf dieser Seite und beide zusammen benutzen ihre Macht um eine Veränderung der bestehenden Verhältnisse unmöglich zu machen"...
ist vollkommen berechtigt und den Rest besorgt die Lobby in der EU und im weissen Haus.

www.weforum.org/events/world-economic-forum-annual-meeting-2012

www.opensecrets.org/pacs/superpacs.php

www.bilderbergmeetings.org/index.php
+ Teilnehmerliste:
en.wikipedia.org/wiki/List_of_Bilderberg_participants

Wenn der Hahn nicht in der Lage ist den Eierdieb beim Namen zu nennen muss es ja auch wieder mit "Fachartikeln" und "Vergütungsklauseln" zu tun haben, oder man schwofelt zu viel mit Studentinnen beim Café...

Und DA läuft der Hase:
de.wikipedia.org/wiki/Power_Structure_Research

P.S.
Ein wenig Kontrolle kann nicht schaden, aber liest ja keiner...
www.lobbycontrol.de/blog/index.php/2012/05/eu-parlament-rugt-lobbyverflechtungen-bei-der-eu-lebensmittelbehorde-efsa-vorsitzende-nimmt-lobbyjob-an/

j.kelim 09.06.2012 | 14:53

Die Occupy Bewegung ist ein Strohfeuer und verbrennt sich selbst. Denn nichts verändert sich, solange dasjenige Mensch seinen Umgang mit sich selbst nicht ändert. Das Problem ist, dass der Mensch auf die Annehmlichkeiten und Ersatzbefriedigungen, die ihm in der Konsumgesellschaft angeboten werden, nicht verzichten will. Die Abhängigkeit von Sinnlichen Genüssen und der Identifikationen von Produkten ist dermaßen groß, dass die angst weniger zu sein durch ein geschrumpftes Ego, in Abwägung gegenüber einem satten Ego, immer das gesättigte, unersättliches Ego gewinnt.

fahrwax 09.06.2012 | 16:15

Leider weis ich nicht mehr, auf wessen Mist es gewachsen ist:

Man hüte sich vor allen Religionen, vor allem vor denen, die sich hinter dem Anstrich der Wissenschaftlichkeit tarnen.
Die Wirtschaftswissenschaften sind Ersatzreligion, Marxismus ist es ebenfalls.
Paralel dazu entwickeln alle Institutionen, Parteien Gewerkschaften, Staaten, Verbände, eine Eigendynamik der Selbsterhaltung die ihre propagierten Ziele grundsätzlich konterkariert.
Vor diesem Hintergrund ist Occupy derzeit nicht zu instrumentalsieren: ein wirklicher Fortschritt.
Auseinandersetzungen vor dem Hintergrund von religiösen Glaubenssätzen sind Zeitverschwendung.

DrLecter 10.06.2012 | 08:57

Leider zählt im Grunde nur der alte Satz:

"Wenn Wahlen etwas ändern würden, dann wären sie verboten!"

Aber das ganze infantile, politisch korrekte Gut-Menschen Volk will das halt nicht in seinen Schädel reinlassen. Denn dann müsste man anfangen selber darüber nachzudenken was zu tun ist, anstatt irgendwelche Rezepte nach zu plappern; wenn es sein muss auch welche aus dem 19. Jahrhundert.
Links zu sein scheint heutzutage darin zu bestehen bestimmte Phrasen auswendig zu können.

Aber bitte! Mein Geld ist es nicht. Ich besitze seit Jahren nichts mehr in Euro, und Steuern bezahl ich auch keine...
Und ihr (sie nicht tlacuache) bekommt die Zukunft und das Europa, das ihr verdient.

Josef Knecht 11.06.2012 | 13:01

Das vorgehen der Bewegung finde ich richtig und ist tatsächlich um ein vielfaches anders als die 68er. Nämlich, die Förderung der Eigenverantwortung und nicht das abgegeben oder Schuldbar machen von politischen Gestallten, ist entscheidend. Diese Gestallten sind Austauschbar, was bleibt ist ein System, das sich bereits seit Generationen immerwieder neu in Richtung Feudalismus einpendelt. Diese struckturellen Fehler gilt es zu beenden bzw. zu überwinden, dies ist ein ganz entscheidener Punkt. Und gerade dahingehend hat Occupy schon heute mehr erreicht als die 68er - nämlich die SYSTEMFRAGE zu stellen. Dieses ringen um Alternativen zum derzeitigen politischen System, ohne alte Dogmen zu gebrauchen oder Flügelkämpfe, machen mir diese Bewegung sympatisch.

"same shit, different demo" hinter diesen Wortspiel verbirgt sich das vielleicht in Deutschland größte Potienzial, die verknüpfung von Anti-Atom-, Friedens- und Demokratie uvm. -bewegungen, Sozialverbänden etc..

Die Intellektuellen schweigen sich aus oder es gibt sie nicht mehr und meldet sich doch manch einer, so singt oft Hohelied des Kapitalusmus, statt dem Humanismus zu dienen.

Lethe 11.06.2012 | 19:14

Eine andere Welt ist möglich, klar. Aber sie braucht solche Vordenker wie Colin Crouch

Nein. Was wir brauchen, sind Denker, die ein funktionierendes Konzept dafür entwickeln, wie wir Leute, die an die Macht wollen, von der Macht abhalten können, ohne selbst Macht einsetzen zu müssen. Wie wir die agilen, wendigen, findigen, engagierten, schnellen Menschen davon abhalten können, die Welt in ihrem Sinne auf Kosten der trägen, langsamen und desinteressierten Menschen zu optimieren.

Anders gesagt, eine andere Welt ist eine Phantasmagorie.

DrLecter 12.06.2012 | 08:23

Während ihr jetzt gerade aufsteht, komm ich schon vom Mittagessen!

Leider heisst das, dass die Spiele der EM um 1:00 bzw 3:45 stattfinden.
Gott segen meinen Computer, der das für mich aufzeichnet und mir ermöglich, meine Prioritäten zu haben. Politik in den Zeiten der Post-Demokratie kann man nicht mehr ernst nehmen. Alles was man tun kann, ist vorzuplanen um dem nächsten Desaster nicht ausgeliefert zu sein. ;-)

DrLecter 12.06.2012 | 08:33

„Diese struckturellen Fehler gilt es zu beenden bzw. zu überwinden,“
Und: „Und gerade dahingehend hat Occupy schon heute mehr erreicht als die 68er - nämlich die SYSTEMFRAGE zu stellen.“

Sehr lustig, wirklich! Lachen, tief aus dem Bauch heraus ist gesund!
Aber bitte… wer gerne träumt, den soll man lassen.

Die Systemfrage wird seit Jahrhunderten gestellt…. Und ausser bei euch hat es sich überall herumgesprochen, dass alle möglichen Antworten darauf leider noch schlechter sind.

PS: Falls deine Bildung so weit nicht reicht, lass mich dich daran erinnern, dass es nach 68 den ambivalenten Terrorismus gab. Heute hingegen habe ich weder einen Bankster noch einen der korruopten Politiker an einem Laternenpfahl baumeln sehen.
Deine grossen Sprüche kannst du dir also sparen. Man kann natürlich alles mögliche davon halten, aber immerhin haben einige der 68er ihr Leben rsikiert und dabei verloren. Und da schreibst du Komiker „Occupy heute schon heute mehr erreicht als die 68er - nämlich die SYSTEMFRAGE zu stellen“.

Mann oh Mann…..

Lethe 12.06.2012 | 15:09

Nämlich, die Förderung der Eigenverantwortung und nicht das abgegeben oder Schuldbar machen von politischen Gestallten, ist entscheidend.

"Eigenverantwortung" bedeutet unter den Bedingungen von struktureller Gewalt nichts anderes als die Aufkündigung des Solidaritätsprinzips. "Eigenverantwortung" heißt: "Es interessiert uns nicht, ob du lebst oder stirbst, aber wenn du stirbst, dann bitte so leise, dass du niemanden störst."

Strukturelle Gewalt kannst du auch nicht treffen. Aber du kannst Personen kritisieren, die auf der Klaviatur der strukturellen Gewalt

Wenn occupy dafür steht, kann die Bewegung mir gestohlen bleiben.

tlacuache 12.06.2012 | 15:55

"Josef Knecht schrieb am 11.06.2012 um 11:01"
..."Diese Gestallten sind Austauschbar"...
Wer jetzt? die Bestallten oder die Gestalten?
Ladie Di hat sich vor bestallungen die Gestalten noch ausgesucht, das soll jetzt alles nicht mehr zählen?
Dutschke und Ohnesorg bestallten sich durch Occupy mit 9 mm.
Aber Ackermann und Merkel feiern zusammen Geburtstag, "occupy" sozusagen...

Josef Knecht 14.06.2012 | 18:06

Ich halte nichts von politischen Köpfen, was zählt die Idee oder der Inhalt des gesagten. Die meisten 68er haben nicht die Systemfrage gestellt. Ein paar Studenten haben ihr Lustspiel gespielt, haben Mao oder Guevara zitiert und haben statt nach neuen Lösungen zu suchen im Kommunismus ihr heil gesucht. Eine REFORM der bestehenden Zustände wollten Sie. Am Beispiel der Partei "die Grünen" kann man sehr gut sehen das die 68er Bewegung keine strukturellen Veränderungen gebracht hat. Adolf Hitler ist durch die selben legitimatisierten Wahlen an die Macht gekommen wie Brandt, Schmidt, Kohl, Schröder + Fischer, Merkel etc..

Seit 1848 gibt es in Deutschland eine parlamentarische Tradition. Wenn es funktionieren würde, würde ich sagen Ok. Aber es funktioniert nicht und das mit Nachweis. Es ist auch nicht klug Gesellschaftmodelle aus den Schubladen zu nehmen und sie anzuwenden. Wenn man einen Erkenntnissgewinn aus den letzten Jahrhunderten realisiert, erkennt man das SPALLTUNG von Gesellschaften zu Krieg, Mord und Totschlag führt. Um aber Zusammenhalt zwischen den Menschen zu fördern müssen alle miteinander sprechen, dan klapps vielleicht auch mit der Demokratie.

Man hört manchmal den Begriff der "geistigen Revolution", genau das steckt hinter occupy, democracia real ya, etc. Sapere Aude - benutze deinen Verstandt.

Ein Wort noch zur Gewalltgeilheit einiger Kommentatoren. Benno Ohnesorg oder Rudi Dutschke zu hofieren, weil sie erschossen wurden, ist kein schönes Anzeichen.