A–Z Unsummen

Geld 27 Millionen Euro hat Uli Hoeneß dem Fiskus vorenthalten. Für viele ist diese Summe kaum vorstellbar. Unser Lexikon zeigt, wo sonst noch die Zahlen durch die Decke gehen
Ausgabe 12/2014

A

Ameisen & Co Superkleine Insekten gibt’s so viele – in Unsummen! –, dass vermutlich noch gar nicht alle gezählt werden konnten. Die allerkleinsten sind die Männchen einer Zwergwespenart mit einer Körperlänge von nur 0,139 Millimetern. Weil sie ihre Eier in den Eiern anderer Insekten deponieren und diese damit killen, setzt man ihre Art in der biologischen Schädlingsbekämpfung ein. Mikroskopisch klein ist auch die Pharaoameise, die mit ihren 0,8 bis 1 Millimetern oft als kleinste Ameise der Welt bezeichnet wird. Doch sie kann enorme Schäden anrichten. Im 19. Jahrhundert gelangte sie auch nach Europa. Weil sie auf Eiweiß – etwa Eiter und Blut – steht, nistet sie sich sehr gern in Krankenhäusern ein, wo sie gefährliche Keime verbreitet. In Deutschland ist sie bisher aber nur in Tropenhäusern und Zoos aufgefallen. Die kleinste Fliege der Welt, 0,4 Millimeter, nistet ihren Nachwuchs übrigens wiede-rum gern in Ameisen ein. Tobias Prüwer

B

Bausünden Die katholische Kirche kennt sich mit Prunk ja aus. Trotzdem mussten Gläubige und Würdenträger schlucken angesichts des Palastes, den sich Limburgs Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst hat bauen lassen: Bis zu 40 Millionen Euro könnte der Komplex kosten. Auch die säkularen öffentlichen Kassen werden für Bausünden aller Art strapaziert. Gerne auch mal für solche, deren Kosten erst während der Bauarbeiten so richtig steigen. Da ist, ganz prominent, natürlich der Berliner Flughafen, an dessen stetig wachsende Kosten man sich ja leider schon fast gewöhnt hat. Aktueller Stand: mehr als fünf Milliarden Euro. Angefangen hatte alles mal bei 1,7 Milliarden. Auch andere Metropolen haben ihre Baugruben, in denen das Geld versickert. Die Hamburger Elbphilharmonie zum Beispiel: Stattliche 789 Millionen Euro Steuergelder gehen dafür wohl drauf – statt geplanter 77 Millionen. Oder das höchst umstrittene Bahnhofsprojekt Stuttgart 21: Die Kosten dafür schätzt die Bahn insgesamt auf knapp sechs Milliarden, der Spiegel berichtete dagegen, dass vermutlich mindestens 6,8 Milliarden dafür zusammenkommen werden. Benjamin Knödler

F

Fremdwährungen Handeln zählt nicht zu meinen Stärken. Als ich es in Kopenhagen doch einmal versuchte, war der Triumph kurz. Mit meinen ersten Kronen ging ich auf den Loppelmarked (Flohmarkt) und feilschte mit einer reizenden alten Dame um eine hellblaue Schüssel dänischen Fabrikats. Ich erbat mir Bedenkzeit, drehte eine Runde, kehrte mit entschlossener Miene zurück und traf mich mit ihr zwei Enkelgeschichten später bei 25 Kronen. Strike! Die Dame lacht vermutlich heute noch, wenn sie von der Touristin erzählt, die mit ihr eine halbe Stunde um ganze 67 Cent gerungen hat. Fremdwährungen laden dazu ein, ständig zu viel oder zu wenig auszugeben. Ein Euro entspricht 29.541 Vietnamesischen Dong – das lässt sich im Kopf nun mal nicht so schnell überschlagen. Und wer will schon abends an der Bar den Taschenrechner ziehen? Wie es kam, dass ich in Istanbul einmal die teuerste Bloody Mary der Welt trank, spare ich mir für ein „A–Z Geheimtipps“ auf. In London hat man jedenfalls mehr Freude, wenn man sich vormacht, der Wechselkurs stünde 1:1. Ein Bier für gefühlte 7,50 trinkt sich entspannter als eines für neun Euro. Christine Käppeler

G

Guinness-Buch der Rekorde Ein Regenpfeifer ist schuld. Weil der Chef der irischen Guinness-Brauerei 1951 diesen Vogel auf der Jagd partout nicht erlegen konnte, wollte er wissen, ob es sich vielleicht um den schnellsten Vogel der Welt handelte. Er fand kein Referenzwerk – und die Idee fürs Guinness-Buch der Rekorde war geboren. Vier Jahre später erschien die erste Edition der Liste, in der Unsummen aller Art aufgeführt sind. Hier kann man nachschlagen, wenn man etwa wissen will, aus wie vielen Teilen das größte Schlagzeug der Welt besteht: 340. Ein New Yorker hält derzeit die meisten Guinness-Weltrekorde, in 179 verschiedenen Kategorien. Es ist das am häufigsten verkaufte urheberrechtlich geschützte Buch der Welt – und bekam daraufhin einen eigenen Eintrag in sich selbst. TP

I

Inflation 320 Milliarden Mark kostete ein Frühstücksei in Deutschland am 15. November 1923 – kurz vorher wäre es noch für sieben Pfennig zu haben gewesen. Das Land stand nach der Kriegsniederlage wirtschaftlich mit dem Rücken zur Wand und wusste sich nicht anders zu helfen, als neues Geld zu drucken. Die Folge: Die Preise explodierten, Sparguthaben wurden wertlos und die Schulden, die der Staat bei den Bürgern über Kriegsanleihen aufgetürmt hatte, verschwanden. Seither sitzt die Angst vor einer neuen Hyperinflation tief. Dabei ist ein bisschen Inflation gar nicht schlecht. Sie motiviert zum Geldausgeben und hält die Wirtschaft am Laufen. Man sollte es nur nicht übertreiben. Julian Heißler

M

Moskau Tokio, Zürich, Singapur sind die Klassiker: Sie liegen in den Rankings der teuersten Städte der Welt seit Jahren ganz weit vorn. Inzwischen drängt die russische Hauptstadt heftig nach. Was die Lebenshaltungskosten angeht, liegt Moskau im Weltvergleich schon auf Platz 2. Im Großraum Europa ist sie sogar die mit Abstand teuerste Metropole, ermittelte die Unternehmensberatung Mercer. Zunehmend entdecken auch ausländische Investoren Moskau als Spekulationsspielfeld. Knapp sechs Milliarden Dollar wurden dort allein 2013 in Shopping Malls, Businesszentren und Hotels verbaut. So groß ist der Andrang, dass auch im Umland, jenseits des Moskauer Autobahnrings, immer mehr Kräne stehen. Dort werden gerade neue Bauprojekte für rund eine Million je Quadratmeter gestartet. Vom „neuen Moskau“ sprechen die Russen. Katja Kullmann

R

Regenwald 13 Millionen Hektar ist eine schwer vorstellbare Zahl. Aber so viel Wald geht laut einem Bericht der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, FAO, jedes Jahr verloren. In der – in diesem Zusammenhang gerne verwendeten – Maßeinheit Fußballfelder macht das 36 Fußballfelder pro Minute! Der überwiegende Teil des zerstörten Waldes ist Regenwald, der abgeholzt wird. Allein im brasilianischen Amazonasgebiet sind zwischen Juli 2012 und Juli 2013 insgesamt 5.843 Quadratkilometer Regenwald verloren gegangen. Die frei gewordenen Flächen werden etwa zur Rinderzucht oder zum Anbau von Soja genutzt. Das Holz wird zu Möbeln oder Papier. In Indonesien oder Malaysia wird der Regenwald häufig auch für Palmölplantagen gerodet. Das wiederum befindet sich in vielen Pflegeprodukten, aber auch in Lebensmitteln wie Margarine oder Keksen. BK

S

Spezialitäten Es klingt ziemlich ausgedacht, aber japanische Kobe-Rinder bekommen nicht nur ein spezielles Kraftfutter, sondern auch Bier und Sake verabreicht. Sie werden ausgiebig massiert und mit klassischer Musik beschallt. Ihr Fleisch schmeckt deshalb angeblich besonders gut – und kostet mindestens 600 Euro pro Kilo. Kostpielig ist auch der Verzehr von Kugelfisch. Unser knubbeliger Freund ist eine Delikatesse in Japan und wird dort Fugu genannt. Er enthält das Gift Tetrodotoxin. Mindestens fünf Todesfälle jährlich gehen auf sein Konto, eine Portion kostet um die 100 Euro. Kopi Luwak ist wiederum ein Feinschmecker-Kaffee, dessen Bohnen per Hand aus dem Kot einer Baumkatzenart aufgelesen werden. 1.600 Euro kostet das Rohkilo, rund zwölf Euro eine Tasse. Iranischer Almas Beluga Kaviar kostet 30.000 Euro je Kilo, wird in einer Dose aus purem Gold serviert – und auf schnödem Toastbrot gegessen. Felix Tota

T

Transfers Im Sommer 2013 geriet der Edelfußballer Cristiano Ronaldo etwas ins Schwitzen. Die Frage war: Würde er der teuerste Spieler aller Zeiten bleiben? 94 Millionen Euro hatte Real Madrid einst für die Dienste des Portugiesen bezahlt. Nun buhlte sein Verein um den Waliser Gareth Bale, der womöglich noch mehr kosten würde. Am Ende kostete Bale dann aber „nur“ 91 Millionen. Damit rangiert er auf der ewigen Rekordsummenliste auf Platz zwei. Schon lange bewegen sich die Transfersummen im Fußballgeschäft in Sphären jenseits des guten Geschmacks. Allein die Clubs der englischen Premier League gaben in der Saison 2013/2014 mehr als 917 Millionen Euro für Spieler aus. Zum Vergleich: Die Vereine der Bundesliga bezahlten auch immerhin knapp 294 Millionen für neue Kicker. Diese Entwicklung hat etwas Beängstigendes an sich. Denn da werden Menschen mal eben mit einem Geldwert versehen – und werden fortan an diesen absurden Kosten gemessen. BK

U

Umsonst „Unkosten, Herrschaften, gibt es nicht. Nur Kosten!“, dekretierte mein jovialer BWL-Lehrer zu Beginn meines gymnasialen Tunnels. „Und damit Sie klar sehen: Es gibt auch keine Unsummen und andere ökonomische Undinge. Sonst werden Sie hier ganz UMSONST gewesen sein.“ Mit dieser Ankündigung legte er uns drei lange Jahre in die Galeere von Soll und Haben, lange bevor dieses Begriffspaar mir bei dem 19.-Jahrhundert-Schriftsteller Gustav Freytag wieder begegnete. Wir BWL-Schülerinnen und -Schüler ergaben uns also dem Charme einer GmbH & Co. KG und den Infinitesimalen des Aktienrechts. Ganz zu schweigen vom unvergleichlichen Eros, den ein Betriebsabrechnungsbogen verströmte, wenn er in langen Klausurstunden „ganz unten“ aufgegangen war! Mehr wort- als theoriegewaltig versuchten wir aber hie und da, die Gaußsche Normalverteilungen zu widerlegen. Ein Glas Wasser in der Wüste, wollte uns der Lehrer die Angebotsgesetze des Marktes nahebringen, sei in der Wüste so viel mehr wert als am heimischen Wasserhahn. Sagten wir doch: Unsummen! Ulrike Baureithel

Z

Zweiundvierzig „42“: Die Antwort ist ganz einfach und soll doch den Sinn des Lebens, des Universums und des ganzen Rests umfassen. So ist es in Douglas Adams’ fünfbändigem Roman Per Anhalter durch die Galaxis erzählt, einem Science-Fiction-Klassiker und zugleich Parodie des Genres. Darin soll der von Außerirdischen erdachte Riesencomputer Deep Thought, die größte je gebaute Kalkulationsmaschine, die Antwort auf den Sinn des Lebens geben. Das ganze All fiebert nach einer Erklärung. Nach schlappen 7,5 Millionen Jahren Rechenzeit ist der Prozessor ergebnisbereit. Nur leider haben inzwischen alle die Frage vergessen, die dem Computer gestellt worden war, und keiner kann mit der Zahl 42 etwas anfangen. Damit die Unsumme an Rechenleistung nicht ganz verblasen ist, rät Deep Thought, einen noch gigantischeren Computer zu errichten, der die Frage rekonstruieren kann. So wird die Erde von den Aliens als PC (neu) erschaffen. Aber dann wird der Planet im Rahmen eines Weltraumverkehrsprojekts gesprengt, um einer Hyperraumumgehungsstraße Platz zu machen. Was die gekostet hat, ist nicht überliefert. TP

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