Alles auf Schwarz

Porträt Sheldon Adelson ist Casino-Mogul und hat als Großspender derzeit viel Einfluss auf Donald Trumps Israel-Politik

Vor drei Jahren verbrachte der milliardenschwere Casino-Besitzer Sheldon Adelson mehrere Tage in einem Gerichtssaal und musste erleben, wie sein Glücksspielimperium Schaden nahm. Ein Vertreter des Gaming Control Board von Nevada saß in einer der hinteren Reihen des Gerichts in Las Vegas und hörte zu. Die Richter befassten sich mit Indizien, die darauf hindeuteten, dass Adelson chinesische Vertreter geschmiert hatte und seine Casinos in Macau mit dem organisierten Verbrechen kollaborierten. Der Verlust der Geschäftslizenz in den USA lag in der Luft. Für Adelson ein wirtschaftliches Desaster, nachdem er 150 Millionen Dollar für den vergeblichen Versuch verschwendet hatte, 2012 die Wiederwahl des „sozialistischen“ und „gegen Israel gerichteten“ Präsidenten Barack Obama zu verhindern.

Doch ist die Gefahr längst gebannt. Adelsons Einfluss auf die US-Regierung könnte derzeit größer kaum sein. Der 84-Jährige sympathisiert mit Benjamin Netanjahus Eskalation im Gazastreifen und den umstrittenen Entscheidungen Donald Trumps – wie dem Bruch des Nuklearabkommens mit Iran, der Verlegung der US-Botschaft in Israel nach Jerusalem oder der Ernennung des Oberfalken John Bolton zum Sicherheitsberater. „Mit seinen Geldspenden hat sich Adelson als einflussreiche Figur in der amerikanischen Politik etabliert“, meint Logan Bayroff von der liberalen Pro-Israel-Vereinigung J Street. „Er vertritt sehr feste, sehr rechte und gefährliche Positionen, die in den höchsten Regierungskreisen Gehör finden.“

Im Prozess von 2015 schluckte der Milliardär seinen gewaltigen Stolz herunter und zahlte mehrere Millionen, damit das Verfahren eingestellt wurde. Er konnte so verhindern, dass Korruptionsvorwürfe in einer gesonderten Verhandlung überprüft wurden. Seine Casinos blieben in Betrieb und halfen ein Vermögen (gegenwärtig 35 Milliarden Dollar) derart aufzustocken, dass Adelson unter den reichsten Amerikanern auf Platz 14 gelandet ist. Er hat einen Teil des Geldes dazu verwendet, um durch politische Einflussnahme sein Geschäft vor der Konkurrenz durch Glücksspiel im Internet zu schützen. Doch nichts fördert er mehr als die Verflechtung der Republikanischen Partei mit Israel und den Beistand für Premier Netanjahu, der viel tut, um die Gründung eines palästinensischen Staates zu verhindern. Adelson spendete 82 Millionen Dollar für Trumps Wahlkampf und – während der Vorwahlen 2016 – für andere republikanische Bewerber. Dieses Engagement führte dazu, dass ihm die jetzige Regierung aufmerksam zuhörte, als er auf die Ernennung Boltons zum Nationalen Sicherheitsberater drängte, weil er wusste, dass der alles daran setzen würde, das Weiße Haus zur Kündigung des Iran-Abkommens zu bewegen. Laut New York Times ist Adelson Mitglied eines „inoffiziellen Nationalen Sicherheitsrates“, der Bolton berät. Einen Tag nachdem Donald Trump verkündete, die USA würden sich aus dem Iran-Abkommen zurückziehen, soll Adelson im Weißen Haus ein privates Treffen mit dem Präsidenten, mit Bolton und Vizepräsident Pence veranstaltet haben.

Der Casino-Magnat wirkte beharrlich darauf hin, die US-Botschaft in Israel von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen. Er war so begeistert, als die Entscheidung fiel, dass er anbot, einen Teil der Kosten zu übernehmen, und ein Flugzeug bereitstellte, um eine offizielle Delegation Guatemalas nach Israel zu fliegen, nachdem dessen Regierung bekannt gegeben hatte, die eigene Botschaft ebenfalls nach Jerusalem zu verlagern.

Daniel Levy, einst Mitglied des israelischen Teams bei Verhandlungen mit den Palästinensern und Berater des damaligen Premiers Ehud Barak, meint: „Adelson ist ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt, wenn es darum geht, die Extremisten bei den israelischen Rechten mit amerikanischen Israel-Hardlinern und Neokonservativen zusammenzubringen.“ Tatsächlich half er bei der Finanzierung des neuen Hauptquartiers einer der einflussreichsten Pro-Israel-Lobby-Gruppen in Washington, dem American Israel Public Affairs Committee, und spendete Millionen für „Birthright-Reisen“ junger jüdischer Amerikaner nach Israel. Das israelische Blatt Haaretz hat jüngst enthüllt, dass Adelson Nachforschungen eines privaten israelischen Nachrichtendienstes über die US-Aktivistin Linda Sarsour finanziert. Die Co-Vorsitzende der Women’s-March-Bewegung engagiert sich für die Rechte der Palästinenser und unterstützt einen Boykott Israels. Jener Dienst soll Verbindungen zu Polizei und Armee unterhalten.

Was ihn selbst angeht, so kann Adelson mit Kritik nicht besonders gut umgehen. 2015 kaufte er heimlich die Las-Vegas-Zeitung Review Journal, die bis dahin das Geschäftsgebaren des Milliardärs moniert hatte. Mehrere Journalisten verließen daraufhin die Redaktion und beschwerten sich über Einmischung in interne Belange sowie Budgetkürzungen bei der Berichterstattung über die Glücksspielindustrie.

In Israel selbst ist der Mäzen weniger aktiv, doch gehört ihm dort die größte Zeitung Israel HaYom, die so eng mit Netanjahus Regierung verbunden ist, dass manche sie in Anlehnung an den Spitznamen des Premiers auch „Bibipaper“ nennen. Allerdings ist Adelsons Einmischung – er ist kein israelischer Staatsbürger – nicht immer willkommen, und das vor allem deshalb, weil viele Israelis seine Vision für den jüdischen Staat nicht teilen. 2014 hatte er bei einer Debatte über die Folgen der permanenten Annexion von Teilen der Westbank für die Demokratie erklärt: „Israel wird kein demokratischer Staat sein. Na und?“

Chris McGreal ist Korrespondent der Zeitung The Guardian in Washington

06:00 28.07.2018

Ihnen gefällt der Artikel?

Dann lesen Sie noch mehr Beiträge und testen Sie die nächsten drei Ausgaben des Freitag kostenlos:

Abobreaker Startseite 3NOP plus Verl. ZU Baumwolltasche

Kommentare 5