Am Anfang war das Geld

Verschwendung Während der Papst Bescheidenheit predigt, protzt Bischof Tebartz-van Elst bei seinem Neubau. Nun die Schelte aus Rom - und die Frage: Ist Verzeihen seliger denn Feuern?
Jürgen Busche | Ausgabe 43/2013 5

Die zahlreichen Diskussionen über das Gebaren des Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst offenbaren zunächst nur eines: das normale Desinteresse an kirchlichen Dingen. Die Geistlichen sind nur Dienstleister, und soweit man ihre Dienste nicht in Anspruch nimmt, braucht man nichts von ihnen wissen. Damit sind die meisten zufrieden. Jetzt aber nicht. Dabei kann auffallen, wie sehr die Verschwendungsbereitschaft des für sein Amt doch recht jungen Würdenträgers die Tatsache in den Hintergrund gedrängt hat, dass dieser Bischof wegen einer Falschaussage Ärger mit der Justiz hat. Prunksucht ist einfach das bessere Thema. Und das gerade in einem Moment, da ein neuer Papst mit einer ganz neuen Bescheidenheit prunkt.

Um den Bischofssitz in Limburg geht es, den Architekturexperten jetzt schon rühmen. Nun ist zwar nicht bekannt geworden, dass Papst Franziskus gedenkt, den Petersdom in Rom möglichst rasch an einen Event-Manager zu vermieten, um den Segen Urbi et Orbi fortan vom Dach einer Baracke neben der Ruine des Kolosseums zu verkünden. Aber 31 Millionen Euro für das kleine Limburg erscheinen doch etwas happig, sind aber wenig im Vergleich zu den Zahlen, die seit einigen Jahren herumschwirren, wenn von Geld die Rede ist. Es bleibt bei der Badewanne für 15.000 Euro, und damit ist das Thema vollends bei dem angekommen, was den Deutschen am liebsten ist: die kleinliche Missgunst, wenn irgendeiner fremdes Geld für sich selbst ausgibt.

Da konnte die Gegenbewegung nicht ausbleiben. Jetzt wird allenthalben mehr von Barmherzigkeit geredet, als es sonst in der Öffentlichkeit geschieht. Seid barmherzig mit Bischof Franz-Peter, der da am Boden liegt! Das ist schön und ziert ungemein. Allerdings trifft es nicht ganz die Stimmung aller in Limburg, die sich des Nachfolgers von Bischof Kamphaus als eines recht unbarmherzigen Herrn erinnern. Kamphaus war ein störrischer Gewissensmensch – er hatte von den deutschen Bischöfen gegen die Weisungen aus Rom am längsten an der Schwangerschaftsberatung festgehalten – und wurde in seinem Bistum verehrt. Er wohnte, lange vor Franziskus, nicht in einem Palais, sondern im Priesterseminar. Er hatte sich Mitarbeiter herangezogen, die zu ihm passten. Tebartz-van Elst, ein Protegé des Kardinals Meisner in Köln, sollte da mit eiserner Hand aufräumen. Und das tat er.

Bevor jetzt der Gescholtene vom Papst in Rom empfangen wurde, musste dieser mit Meisner sprechen, der ebenfalls herbeigeeilt war. Einem rheinischen Ondit zufolge kann das Erzbistum Köln allein den Vatikanstaat finanzieren. Wer vom Schrein der Heiligen Drei Könige anreist, kann immer ein Kästchen Gold mit sich führen, was für den Nachfolger Petri, eines armen Fischers, kein unerheblicher Aspekt bei der unabweisbaren Begegnung ist. Die 20 Minuten, die Franziskus dann für Tebartz-van Elst übrig hatte, mögen diesem Ablauf der Ereignisse Rechnung getragen haben: Wer schon mit dem Koch gesprochen hat, was soll der sich noch mit dem Kellner abgeben.

Papst Franziskus ist und bleibt ein Prediger der Bescheidenheit, über den die Christen in aller Welt nur glücklich sein können. Aber auch Robert Zollitsch, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, hat recht, wenn er anmerkt, dass er die Strecken, für die der neue Papst einen Kleinwagen benutzt, selbstverständlich zu Fuß geht, per pedes apostelorum, wie es früher hieß. Es hat ja Jesus von Nazareth mit einprägsamen Worten das Festhalten an irdischem Besitz gegeißelt. Aber er hat auch gesagt: „Schafft euch Freunde mit dem schnöden Mammon.“ Um sich auf diese Weise Freunde zu schaffen, braucht man allerdings zunächst diesen Mammon, schnöde oder nicht. Er stinkt nicht, sagte der Kaiser.

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