Heiner Flassbeck
Ausgabe 1315 | 27.03.2015 | 06:00 62

Angela Merkels teurer Irrweg

Krise Der Euro ist schwach, die Arbeitslosigkeit hoch, Zinsen und Wachstum liegen nahe null. Europas Wirtschaft stürzt ab, weil es Deutschland zum Vorbild nimmt

Glaubt man 95 Prozent aller Kommentare zur Lage in Europa, dann gibt es ein paar tausend Dinge, die in diesem Europa gerade schiefgehen. Von der Korruption in Griechenland über die Bürokratie in Frankreich und die laxe Steuerdisziplin in Italien bis zur Unfähigkeit eines großen Landes, seinen Hauptstadtflugplatz zu bauen: Die Liste institutionellen Versagens scheint unendlich lang zu sein. Wer Europa retten will, muss Zeus, Herkules und Sisyphus zugleich sein.

Das aber ist grandioser Unsinn! Es gibt einen einzigen Vorgang, mit dem man alle scheinbar unerklärlichen Phänomene ohne Weiteres erklären kann. Europa versucht, unter der geistigen Führung Berlins, seine Probleme exakt auf die gleiche Weise zu lösen wie Deutschland. Die deutsche Lösung hieß, man mag es so oft drehen und wenden, wie man will: Lohnsenkung.

Die Logik der Lohnsenkung zwischen Ländern ist genau die gleiche wie zwischen Unternehmen. Ein Unternehmen allein kann damit seine Lage verbessern. Das ist das ganze Geheimnis der deutschen Agendapolitik vom Beginn des Jahrhunderts. Senken aber alle Firmen die Löhne zugleich, geht es schief. Senkt nur ein Unternehmen die Löhne, bleibt seine eigene Nachfrage intakt, denn die Nachfrage der eigenen Arbeitnehmer, deren Einkommen gesunken ist, spielt in der Regel keine entscheidende Rolle. Senken jedoch alle Unternehmen die Löhne, sinkt bei allen Unternehmen sofort die Nachfrage, weil ja alle Arbeitnehmer unmittelbar mit einer Einschränkung ihrer Ausgaben reagieren.

Heiner Flassbeck ist Volkswirt. Zusammen mit Costas Lapavitsas hat er gerade das Buch Nur Deutschland kann den Euro retten veröffentlicht

 

Alle Unternehmen versuchen daraufhin ihre Lage dadurch zu verbessern, dass sie die Preise senken. Das gelingt natürlich nicht, aber die Preise beginnen insgesamt zu sinken, man nennt das dann Deflation. Das verbessert die Einkommenssituation der Arbeitnehmer zwar wieder ein wenig, aber doch nicht so stark, dass die Unternehmen das alte Niveau der Nachfrage wieder zurückgewinnen können. Sie entlassen daher Arbeitskräfte. Weil die Preise sinken, das Wachstum versiegt und die Arbeitslosigkeit steigt, senkt die Zentralbank die Zinsen so weit, wie es nur irgendwie geht.

Sind sie bei null, geht es nicht mehr weiter. Nun hofft die Lohnsenkungsregion darauf, dass im Rest der Welt die Löhne nicht auch sinken und ihre eigene Währung nicht aufgewertet wird. Weil man woanders zunächst die Löhne nicht gesenkt hat und die europäische Notenbank die Zinsen auf null gebracht hat, sinkt sogar der Wert der eigenen Währung für einige Zeit, sodass die Löhne, gerechnet in internationaler Währung, richtig stark abnehmen. Wenn das nicht der Durchbruch ist! Jetzt ist ganz Europa endlich da, wo die Deutschen waren, als ihre Erfolgsgeschichte begann.

Es gewinnt immer nur einer

Jetzt müssen wir nur noch fest die Daumen drücken, dass die anderen nicht so schnell merken, wie die Europäer sie mit niedrigen Löhnen an die Wand drängen. Die anderen müssen jetzt nämlich zehn Jahre aushalten, dass die Europäer ihnen Marktanteile und Arbeitsplätze abjagen, ja, dass die Europäer ihre Arbeitslosigkeit exportieren. Sie müssen immer höhere Leistungsbilanzdefizite machen, sich immer mehr bei uns verschulden, damit wir endlich wachsen können. Da passt es gut, dass wir mit ihnen Freihandelsabkommen aushandeln, wo sie unterschreiben, dass sie nichts tun werden gegen die überlegenen europäischen Unternehmen mit ihren niedrigen Löhnen.

Es gewinnt immer der eine, was der andere verliert, so war es schon immer auf der Welt. Früher führte man Kriege, um anderen ihre Schätze abzujagen, oder man setzte die eigene Flotte ein, um die „Handelswege“ zu sichern. Das nannte man Merkantilismus: Nur das macht reich, was ich anderen abgejagt habe. Heute geht man subtiler vor. Im Merkelantismus erklärt man den anderen, dass sie sich verschulden sollen, weil das, bei niedrigen Zinsen zumal, einfach das Beste für sie ist. Man weiß doch, dass Amerikaner ohnehin nicht gerne sparen und Asiaten gerne einmal die Welt sehen möchten. Also produzieren die Deutschen und bald alle Europäer alles Wichtige für die anderen, damit die sich mal einen schönen Lenz machen können.

Und die Schulden der anderen? Darüber wollen wir jetzt nicht reden, gerade jetzt nicht, wo wir doch eine so tolle Lösung für alle Probleme Europas gefunden haben.

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 13/15.

Kommentare (62)

Comparse 27.03.2015 | 09:46

Das klingt alles sehr logisch und würde sogar von einem 5 Klässler verstanden werden.

Ich frage mich daher, ob Merkel und Co. nicht doch wissen, dass sie auf einem toten Pferd sitzen.

Und wenn sie es wissen, warum reiten sie es trotzdem? Dafür muss es einen Grund geben. Nur aus Dummheit oder Fahrlässigkeit oder falschem Stolz allein?

Das wäre wirklich fatal.

Frau Merkel hat einen Schwur geleistet - bei einem Meineid sollte man ihr auch die Konsequenzen präsentieren.

Aber die Konsequenzen werden wieder nur die kleinen Leute tragen müssen.

Geschichte wiederholt sich. Entweder als Tragödie oder als Farce. (frei nach K. Marx)

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Ehemaliger Nutzer 27.03.2015 | 12:05

"Früher führte man Kriege, um anderen ihre Schätze abzujagen, oder man setzte die eigene Flotte ein, um die „Handelswege“ zu sichern. " Früher ist witzig; siehe USA oder die Beteiligung GERs an den aktuellen Wirtschaftskriegen. Ist kongruent. Das Schützen der Handelswege ist heute offizieller und aktueller als früher, siehe Werbung der Bundesweht, sichern der Bananenwege.

"Und wenn sie es wissen, warum reiten sie es trotzdem? Dafür muss es einen Grund geben. Nur aus Dummheit oder Fahrlässigkeit oder falschem Stolz allein?"

Sie reiten es, weil da ein anderes Ziel im Hintergrund ist, das nicht öffentlich - wie viele Dinge - behandelt wird. Bei der Stratfor, siehe meinen Artikel hier dazu, werden Deutschland 2 Rollen zugewiesen: entweder mit den USA oder, was die unbedingt vermeiden wollen, enger mit Russland. Das genau ist der Grund für die Ukraine Auseinandersetzung und die Schwächung der russischen Wirtschaft.

Innerhalb der EU verfolgt GER derzeit den Weg, mit ihrer starken Außenhandelsbilanz die anderen Länder extrem zu schwächen, die müssen ja ihr eigenen Importe stärken und haben so eine negative Außenhandelsbilanz, sollen dann über Kredite von GER die Waren finanieren. Wenn der Finanzmark zusammenbricht, dann bleiben die Schulden natürlich bestehen. Der Hauptkreditor ist dann immer noch GER, so dass die Macht gestärkt wird: Guthaben wird stärker gestrichen als Schulden ;-), die Macht Deutschlands wird von einem Zusammenbruch der Wirtschaft auf ein Maximum steigen, nicht nur innerhalb der EU.

Dazu passend das Bild von Merkel mit den Nazis auf der Titelseite des Spiegel. Nur sagt das auch da niemand...

Richard Zietz 27.03.2015 | 14:32

Klingt krass unlogisch, ist krass unlogisch – und doch exakt die Quintessenz der Gier, die die Eliten seit der neoliberalen Wende der 90er zum Handlungsmaßstab, zum »TINA«-Prinzip geadelt haben.

Motto: Wenn viele verlieren, gewinnt doch einer. Viele versuchen, hinter dem »Gesetz der Gier« eine Logik zu erkennen, einen tieferen Sinn. Die Logik ist schlichtweg die, nach dem nächsten Schritt als bester dazustehen. Die deutsche Industrie hat das – wenn auch mit den bekannten »Kollateralschäden« geschafft. Nun befinden wir uns in der zweiten Runde. Die anderen ziehen nach. Frage: Wird man die Kosten auch in der dritten, nun anstehenden Runde externalisieren, auf dritte abwälzen können? Die Idee, dass die darbenden Europäer als Event-Ausrichter für erlebnishungrige (und liquide) Fernostler fungieren, hat was Anheimelndes. In Wahrheit wird es wohl eher so sein, dass à la longue auch die Märkte für Produkte »made in Germany« versiegen.

Was dann? Die (leider) naheliegende Möglichkeit ist, dass dann das Zeitalter der Protektionisten, der neuen heißen Handels- und Opiumkriege beginnt. Wenn es hier nichts mehr zu räubern gibt, muß man eben woanders räubern. Versucht man, einen sinnvollen Schluss für die ganze Entwicklung zu suchen, müßte man vorschlagen, dass man gleich in das Zeitalter der Pyramidenbauten überwechselt: unermeßlich reiche Pharaoen (Oligarchen), die sich unermesslich prunkvolle Status-Denkmäler bauen lassen – von einer Sklaven-Population, die nicht mehr benötigt als so viel in der Schale, dass am nächsten Tag weiter Steine aufgeschichtet werden können.

So gesehen fände das »Gesetz der Gier« dann seinen ihm gemäßen und würdigen Abschluss: das neoliberale »Ende der Geschichte«.

SigismundRuestig 27.03.2015 | 14:42

Weiter so: Wollen wir das wirklich?Die aktuellen Debatten über Bildungspolitik, Wahlmüdigkeit, Materialmängel in der Bundeswehr und renovierungsbedürftige Schulen, Brücken, Kasernen, Schwimmbäder etc. sowie aktuell über mangelhaften Klimaschutz stellen nur die Spitze des Eisbergs dar.
Tatsächlich haben sich unter Merkels Kanzlerschaft 14 marode Politikfelder aufgemacht:
1. Militärpolitik: marodes Material und Kasernen trotz vorhandenem Budget
2. Infrastrukturpolitik: marode Straßen, Brücken, Schulen, Schwimmbäder; steinzeitliche Digitalisierung (Fehlsteuerung von Finanzmitteln)
3. Flüchtlings/Asylpolitik: unwürdige Unterbringung (ausländerfeindliche Parolen anstelle weitsichtiger Vorkehrungen)
4. Investitionspolitik: Investitionsschutzklauseln (TTIP, CETA, ...) anstelle "Eigentum verpflichtet"
5. Umwelt/Klimapolitik: Verfehlung des 2Grad-Ziels anstelle mutiger Entscheidungen
6. Bildungspolitik: Mittelmaß anstelle Humboldt'scher Ideale, geringe Akademikerrate
7. Rentenpolitik: absehbare Altersarmut anstelle eines akzeptablen Rentenniveaus (rentenfremde Leistungen aus der Rentenkasse, ...)
8. Familienpolitik: niedrige Geburtenrate bei fehlgesteuerter Familienförderung
9. Verfassungspolitik: Vorrang von vorgeblichen Sicherheitsinteressen vor Bürgerrechten
10. Solidaritätspolitik: Schere zwischen arm und reich klafft immer weiter auseinander (sowohl beim Vermögen als auch beim Einkommen)
11. Steuerpolitik: Steuerhinterziehung, Steueroasen, Steuerungerechtigkeit (Erbschaftssteuer etc.) schmälern Staatseinkommen
12. Finanzmarktregulierungspolitik: zögerliche, unzureichende Regulierungsschritte beschneiden kaum das weiterhin bestehende Primat der Finanzmärkte (zu Lasten der Steuerzahler im Crash-Fall)
13. EURO-Rettungspolitik: entgegen anderslautender Zusicherungen gehen Risiken zu Lasten der deutschen Steuerzahler, Sparer, Rentner und Vorteile zugunsten der Finanzbranche (zur Erinnerung: " die Griechen-Rettung wird die Deutschen nichts kosten!")
14. Innenpolitik: wachsende Staatsverdrossenheit
Singer Songwriter Sigismund Ruestig verleiht diesen Mängeln in seinen Protestsongs Ausdruck.
http://youtu.be/-5X2P5J6MiAhttp://youtu.be/QqoSPmtOYc8
Viel Spaß beim Anhören!

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Ehemaliger Nutzer 27.03.2015 | 14:49

Man kann nicht oft genug betonen, welche Rolle die über alles erhabene Frau Merkel in der Eurokrise spielt:

Merkel ist diejenige Spitzenheuchlerin, die publikumswirksam vor den Kameras stets die liebe Liesel gibt und so tut, als ob sie kein Wässerchen trüben könnte – aber bei strategischen Entscheidungen massiv und gezielt auf Goldman-Sachs setzt:

Ottmar Issing

Alexander Dibelius (bei wikipedia)

Dibelius, Merkels Goldman-Goldkehlchen, ist übrigens derjenige Top-Banker, der schon 2010 öffentlich eine gesellschaftliche Verantwortung der Banken für das Gemeinwohl verneinte.

Merkel wird/wurde jahrelang durch die NSA ausgerechnet übers Regierungshandy ausspioniert, in diesem Zuge also in allerhöchstem Maße transparent und erpressbar. Offenbar hat sie sich aber vorbildlich geführt – nicht umsonst erhielt sie den fettesten US-Verdienstorden.

Die Macht dieser Frau findet im Rahmen der treuen, diskreten Erfüllung von Schlüsselaufträgen der Finanzmarkt-Paten statt. Nichts anderes.

Die Euro-Krise war die Banken-Krise und die wiederum war die Immobilien-Krise. Und nun haben es die Schwächsten auszubaden.

Gratuliere, Frau Merkel. Eine bessere Wahl hätte Deutschland nicht treffen können.

Und dass sie sich jetzt überall als die große, unermüdliche Euro-Retterin abdrucken lässt, ist an Verlogenheit und Dreistigkeit nicht zu überbieten. An Gerhard Schröder ist sie schon lange vorbeigezogen.

Aber es funktioniert ja.

Ihr ureigenstes Können besteht darin, Dinge derart meisterlich und geschickt zu regeln, dass immer irgendwer anderes den Dreck am Stecken hat.

Und noch immer wird im Zusammenhang mit dieser Frau bloß von einer Politikerin gesprochen.

Ihre anderen Großaufträge, die sie zu beackern hat, sind der Verkauf der Demokratie mittels TTIP etc., sowie der Einkauf der Ex-SU-Staaten westlich von Russlands Grenzen. Letzteres um den Preis eines neuen Wettrüstens und eines neuen kalten Krieges – wenn er kalt bleibt – zumindest hier in Europa.

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Ehemaliger Nutzer 27.03.2015 | 16:16

Sie bleibt sich treu: undurchschaubar, widersprüchlich und zumindest scheinbar unlogisch (eine Frau halt, scnr :-)

(Dem Anschein nach) zum ersten Mal hat Merkel etwas gegen den Willen ihres Herrchens in Washington getan und den Beitritt zur AIIB offenbar mitgetragen.

Bisher im Mainstream wenig beachtet, schreibt Wikipedia darüber:

"Während das Bundesministerium der Finanzen die Unterstützung Deutschlands der neuen Initiative nur als Randnotiz veröffentlichte, erwarten Finanzexperten, dass diese Initiative die globalen Machtverhältnisse im Finanzsystem signifikant verändern wird."

Die Bank richtet sich mehr oder weniger direkt gegen die von den USA dominierten Institutionen IWF und Weltbank und wird den Dollar als Leitwährung sehr wahrscheinlich sehr schwächen und damit auch den finanziellen Druck den die USA ausüben können. Das Imperium beginnt zu zerfallen, denn wenn der Druck nachlässt, werden auch andere Gepisackte Morgenluft wittern und Mut zum Widerstand finden...

Da auch Briten, Franzosen, Italiener und Schweizer bei der AIIB mitmachen, könnte es eine abgesprochene Sache gewesen sein. Etwas was man sich öfter wünschen würde, etwa um der NSA Einhalt zu gebieten oder für ein gemeinsames Verteidigungsbündnis außerhalb der NATO.

Allerdings sollte man nicht zuviel von Merkel erwarten, das TTIP verteidigt sie ja vehement. Ich bezweifle, dass sie ein Erweckungserlebnis hatte.

Ich schätze, dass sie auch beim Euro ein doppeltes Spiel spielt. Zumindest mittlerweile (ihre Unterschift steht ja z.B. auch noch unterm ESM). Sie schickt ihren sadistischen Sozius vor, um den Euro "versehentlich" gegen die Wand zu fahren (sicherheitshalber hat man schonmal das Wort "Graccident" geprägt).

Ob sie das bewusst macht, ob sie einfach nur pokert, ob sie sich vom Wähler getrieben fühlt, ob die USA oder goldman die in der Hand haben, ob sie hintenrum eigentlich immer noch an der Rettung zimmert, wer weiß? Wahrscheinlich ändert sie täglich ihre Meinung, so wie beim Atomausstieg.

Rosbaud 27.03.2015 | 16:59

Ich frage mich daher, ob Merkel und Co. nicht doch wissen, dass sie auf einem toten Pferd sitzen.

Und wenn sie es wissen, warum reiten sie es trotzdem? Dafür muss es einen Grund geben. Nur aus Dummheit oder Fahrlässigkeit oder falschem Stolz allein?

Der Grund ist einfach: Die hinter Merkel versammelte deutsche "Wirtschaftskompetenz" ist überzeugt, mit ihrem Austeritätswahn richtig zu liegen.

Pregetter Otmar 27.03.2015 | 18:29

ad) Flassbeck - ja, alles bekannt und korrekt.

Die (Volks-)Wirtschaft ist ein NULL-SUMMEN-SPIEL, d.h. es gilt:

- mein Exportüberschuss = dein Importdefizit

- mein Gewinn = dein Verlust

- mein Vermögen(szuwachs) = deine Schulden(zunahme)!

die Bilanz ist immer ausgeglichen!

Anders gesagt:

- die Welt/Eurozone kann sich n i e ...verschulden, eben weil auf deser Ebene das Vermögen IMMER = den Schulden ist, eine Bilanz - eben.

- die Crux ... liegt aber in der V e r t e i l u n g des Vermögens auf vwl. Ebene - oder eben hier auf Eurozonen-Niveau, wo eben den deutschen Exportforderungen . . . die Schuldnerpositionen der Südländer, der Importdefizitländer, diesen gegenüberstehen.

Wiederum - es ist eine Bilanz. Und es ist deshalb "nicht brüllend intellegent" ... auf die Schuldnerländer, von denen man ja seinen Wohlstand klaut ..., draufzudreschen.

D.h. der (vermeintliche) Wohstand Deutschlands beruht auf der steigenden Verschuldung der Importdefizitländer - und das ist die ökonom. Tatsache, die weder das "schwäbische Ehepaar" - Merkel/Schäuble - noch weniger die GUTachterInnen in den Wirtschaftsforschungsinstituten "wahr" ... haben wollen.

Nicht wissen ist nicht schlimm, nicht wissen wollen .... schon!

Was Flassbeck aber nicht "verstanden" hat - verstehen wollte? - ist, dass eben unser PRIVATES Geldsystem zu (fast) 100% aus Schulden generiert (Buchgeldschöpfung aus dem Nichts) wird - und es auf vwl. Ebene daher n i e eine Tilgung, sondern immer nur eine Umschuldung geben kann! Dies ist aber auch nix Neues, da dies jeder weiß, dem bekannt ist, wie man a.) einen Kredit und b.) die Zinsen dazu (egal ob von Banken- oder Unternehmenssicht!) verbucht.

Er reiht sich damit aus meiner Sichtweise (wie eh die meisten "gelernten Volkswirte" - Norbert Häring ist hier eine wohltuende Ausnahme z.B.) in die Reihe der "ExpertInnen" ein - die in ihren Modellen (weiter)leben . . . und die Geldschöpfung nicht bis hin zur Quelle = wer darf das Geld in einem Staat erzeugen? ... durchdenken.

Schade - irgendwie ... ;-)

Pregetter Otmar 27.03.2015 | 19:25

Dazu bedarf es keines "konstruierten Weltbildes" (an welches haben Sie gedacht?) und noch weniger einer eigenen WI-Theorie . . . sondern es reichen Buchhaltungskenntnisse (und dies sind ja die ökonomischen Fakten, wie das Geld erzeugt wird!) auf dem Niveau der 2. Klasse Handelsschulde völlig aus - nämlich:

1. Geld wird ausschliesslich als Schuld/Kredit erzeugt

(Buchung: Forderung Kunde X / Verbundlichkeit Kunde X)

2. Der Zins ist nicht - originär - in der Geldmenge enthalten, was man anhand der Buchung (Sichtweise der Banken) ersehen kann:

(Buchung: Forderung Kunde X / Zinserlös Geschäftsbank).

Ergo dessen ...,

gibt es in der Wirtschaft IMMER mehr Schulden (Forderung Kunde X - Konto bei den Banken) als Geld (Geldmenge) die in der Wirtschaft zirkuliert. Die Differenz ist der Zins - der eben wiederum n u r als Kredit erzeugt werden kann - und daraus ergibt sich ein nicht nachhaltiges Pyramidenspiel.

Aber das wussten schon viele Wi-forscher, wie z. B. Hyman Mynska u.v.a.

Flassbeck hat seine Meinung zum "Geldsystem" in langen Ausführungen auf seiner Homepage dargelegt. Darauf beruht meine Meinung über seinen "Zugan g" ... ;-)

Rosbaud 27.03.2015 | 20:28

Dazu bedarf es keines "konstruierten Weltbildes" (an welches haben Sie gedacht?) ...

Ich könnte mir zum Beispiel die Freiwirtschaftslehre von Silvio Gesell vorstellen.

... es reichen Buchhaltungskenntnisse (und dies sind ja die ökonomischen Fakten, wie das Geld erzeugt wird!) auf dem Niveau der 2. Klasse Handelsschulde völlig aus ...

Man bastelt sich die Welt gerne so einfach, wie man sie braucht.

Wehner 28.03.2015 | 00:26

Ja. Der witz ist jedoch der, daß die anderen eine ausdehnung der europäischen wirtschaft auf ihre kosten nicht hinnehmen werden. Die europäer jedoch haben die -strategisch vom US-Kapital bestimmte- Ausdehnung der deutschen wirtschaft auf ihre kosten hingenommen. Wie richtig festgestellt, wird der trick jedoch für Europa nicht klappen.

dann wird es wohl so sein,daß nächstes Jahr die aufgeblasenen Börsen einbrechen werden und damit der gersamte Verschuldungs und Gelddruckschwindel zusammenbricht. Die politische reaktion in deutschland wird wiederum stereotyp sein: verbesserung der wettbewerbsfähigkeit durch Lohnsenkung ! es war eben eine Lebenslüge, zu behaupten, es gebe stetiges Wachstum ohne krisen, indem der Staat in der krise geld druckt oder sich verschuldet. Deutschland ist so in den letzten jahren , auch durch geschicktes Managment, um eine rezession , bei der erstmal die gewinne einbrechen und damit die renditen, herumgekommen. im falle des crashs wird dies jedoch nicht dabei bleiben. Und die eben angesprochene Gwinnreduzierung ist auch der grund dafür, warum die Lobby des Großkapitals vom Staat die Inszenierung eines künstlichen Wachstums verlangte: Das Großkapital und die Unternehmer wollen keine reduzierten Gewinne, sondern ständig steigende gewinne. Das ist der Punkt. es handelt sich bei der Politik des Gelddruckens und Schuldenmachens also um eine erfüllungspolitik gegenüber den Unternehmern.

Wehner 28.03.2015 | 01:00

Wie natürlich auch die Politik der Lohndrückerei logischerweise eine erfüllungspolitik für unternehmerinteressen ist. Es wird hier alles so gemacht, wie die von der geldmafia diktierten USA es vorgeben. es wird gar noch der Hetertosex politisch bekämpft, weil die USA dies vorgeben. Und das ist das Geheimnis von Merkels raute: Gleichwohl es offensichtlich ist, wer hier regiert und befiehlt, wird sie immer wieder gewählt. Die Staatsmedien lullen die Leute ein, scheinbar war dies nie leichter als heute. Die Leute verstehen einfach nicht, daß fast alles Propaganda ist. die 69er hatten immerhin klar verstanden, daß Springer der Knecht der US-Oberschicht war und ist. Nur: bis heute siend viele weitere Springers aquriert worden.

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Ehemaliger Nutzer 28.03.2015 | 16:34

Der für die Bürger teure Irrweg von SPD&Grünen

Nur so wird es richtig.

Die Agenda 2010 stammte originär von SPD&Grünen.

1999 G. Schröder: "Wir müssen einen Niedriglohnsektor schaffen."

2005 G. Schröder: "Wir haben unseren Arbeitsmarkt liberalisiert. Wir haben einen der besten Niedriglohnsektoren aufgebaut, den es in Europa gibt."

1998 gab es ca. 16,4% Niedriglöhner, 2008 waren es ca. 23%.

SPD&Grüne hintertrieben und verhinderten geschlagene 12 Jahre den erst durch sie notwendig gewordenen gesetzlichen Mindestlohn.

Die massive und rabiate Lohndrückerei in Deutschland ist auf dem Mist von SPD&Grünen gewachsen. Beide stehen dem Grunde nach heute immer noch dazu.

Frau Merkel wäre ohne die SPD als Steigbügelhalter 2005 nicht Kanzlerin geworden, so wie auch 2013 nicht.

Wer nicht von der SPD redet, muss über Merkel schweigen.

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Ehemaliger Nutzer 28.03.2015 | 17:10

Genau betrachtet steckt die deutsche Wirtschaftswissenschaft im 18. Jahrhundert fest.

Was Sie nicht sagen. In welchem Jahrhundert steckt dann die griechische Wirtschaftswissenschaft fest? Vor oder nach B.C. ?

Beim Austeritätswahn ist Deutschland federführend. In den angelsächsischen Ländern herrscht eine andere Marktphilosophie vor.

Bevorzugen Sie die Marktphilosophie in USA, Großbritanien, Australien, Kananda...etc.pp ??

Rosbaud 28.03.2015 | 20:38

Es ging mir nicht um den wirtschaftswissenschaftlichen Hintergrund des Austeritätsansatzes, sondern darum, dass in den USA jede Menge Geld in die Wirtschaft gepumpt wurde, um sie wieder flott zu bekommen (was auch einigermaßen geklappt hat), während in Europa unter der Regie, unter der Federführung von Deutschland die Brüning-Festspiele aufgeführt wurden, mit Rezession und drohender Deflation, mit Not und Elend für Millionen Menschen.

Selbst der Skandal um die Studie von Reinhardt/Rogoff bewirkte kein Umsteuern.

Rosbaud 28.03.2015 | 21:09

Was Sie nicht sagen. In welchem Jahrhundert steckt dann die griechische Wirtschaftswissenschaft fest? Vor oder nach B.C. ?

Griechenland wurde von zwei Parteien (ND und PASOK) in Grund und Boden gewirtschaftet, mit denen die deutsche Rüstungsindustrie glänzende Geschäfte gemacht hat. Auch auf anderen Geschäftsfeldern liefen die Geschäfte gut. Das griechische Wirtschaftsgebaren scheint kein Problem gewesen zu sein.

Bevorzugen Sie die Marktphilosophie in USA, Großbritanien, Australien, Kananda...etc.pp ??

Ich bevorzuge eine Marktphilosophie, in der die Realwirtschaft im Vordergrund steht und nicht die Finanzalchemie!

Kommentar beantworten

iDog 28.03.2015 | 21:14

Ich hab son komisches Gefühl , dass der Flassbeck hier versucht witzig zu sein ... ?? ist ihm absolut nicht gelungen ... oder der Witz war wirklich schlecht.

"Es gewinnt immer der eine, was der andere verliert, so war es schon immer auf der Welt" hört sich nach meiner Oma an - die ist etwa 75 verstorben, mit gefühlten 98 Jahren.

Wenn er wenigstens geschrieben hätte : Es gewinnt immer der eine, was der andere verliert, so war es schon immer im Kapitalismus. Na dann wüssten wir wenigstens , dass er kein schleimiger Opportunist ist. Aber diese "Kinderstunde" hier, Herr Flassbeck, ich hoffe, Sie haben da kein Geld für genommen.

iDog 29.03.2015 | 13:46

Mitnichten, ich halte Flassbecks Ansichten hier mit Verlaub und wie gesagt für eine "Kinderstunde" und in der Form also unangemessen. Sidn wir Kinder? Das ist Low level Info at it's best und in sofern Vernebelung, als dass er nicht den Mut aufbringt auch die an sich notwendigen Konsequenzen seiner Aussagen zu benennen. Nein, die soll der unterschätze Leser wahrscheinlich selber erkennen und dann ohne wirksamen Hebel in einer totalitär agierenden Wirschaftsordnung einfordern. Bravo Herr Flassbeck.

Vielleicht sollten sie sich entsprechende Aussagen anderer Ökonomen mal relativ dazu anschauen. Und da reicht schon ein Herr Krugman zB. auf dessen blog, um zu begreifen, was das hier für ein opportunes und unmutiges "Experten"-Geschwafel ist.

Sollen wir vielleicht alle glauben , dass es eines Flassbecks bedürfe, um diese Allgemeinplätze zu begreifen. Sollen wir vielleicht daran erinnert werden, dass unser "Regim" diese Allgemeinplätze selbstverständlich kennt, und trotzdem handelt als kenne sie diese nicht? Ich denke nein.

Und was Sie selbst angeht: von was für "halbgaren Selfmadetheorien" schreiben sie da? Ich habe Herrn Flasbeck in seiner Absicht nicht ernst nehmen können. Na und? Was ficht Sie das an? Stört das vielleicht Ihre devote Expertengläubigkeit, oder können sie einfach nur intellektuelle Unterforderung von seriösen Essays nicht unterscheiden?

Rosbaud 29.03.2015 | 15:20

Was die "halbgaren Wirtschaftstheorien" anbelangt, meinte ich Ihre Äußerungen in anderen Threads, aktuell zum Beispiel bei Politik im Defizit, wo Sie folgende "ewige" Wahrheit verkünden:

Dieser Staat ist ein Instrument der Marktwirtschaft, von Anfang an gewesen, und die Marktwirtschaft eins dieses "Staates" - Siamesische Zwillinge. Die gegenseitige Dependenz ist total. Denken Sie sich eins davon weg und schon wird das andere komplett sinnlos und ineffektiv, sozusagen von allen Aufgabe befreit - zumindest komplett inkompetent.

Das ist nicht ganz falsch, aber in seiner apodiktischen Form auch nicht ganz richtig. Sie vernachlässigen nämlich das, was ich als menschlichen Faktor bezeichnen würde. Der auch von Ihnen zitierte Karl Polanyi hat es vor fast 70 Jahren schon auf den Punkt gebracht:

„Zusammen mit der Freiheit von der Versklavung durch den Markt gewinnt der Mensch eine wichtigere Freiheit. Seine Phantasie ist wieder frei – zuversichtlich, dass er die Fülle der Freiheit, die er zu planen, zu organisieren und sicherzustellen bereit ist, besitzen kann – sich seine Gesellschaft zu erschaffen und zu gestalten.“

Es gilt, diese humane Freiheitssehnsucht wieder zu wecken und die falsche Freiheit der Kapitalbesitzer, zu tun und zu lassen, was sie wollen, auf ein gesellschaftsverträgliches Maß zu reduzieren.

Dazu scheint mir der von Flassbeck vertretene Keynesianismus gut geeignet zu sein.

Wie sehen denn die Konsequenzen aus Ihrer Analyse aus?

iDog 29.03.2015 | 16:09

Nun, wenn sie Polanyi kennen , dann wird ihnen klar sein , dass die der Marktwirtschaft nachgeordnete Gesellschaft "uns", dem anhängigen Bürger, jede Möglichkeit verwehrt "seine Gesellschaft zu erschaffen und zu gestalten." Das macht logischerweise der "Markt".

Die Konsequenz nach Polanyi zumindest wäre, abstrakt gehalten, die Marktwirtschaft wieder der Gesellschaft nachzuordnen. Die aber hatte schon Frau Thatcher als nicht (mehr) existent bezeichnet - Sie erinnern sich vielleicht.

Was die konkreteren Konsequenzen angeht, habe ich, denke ich, in dem Thread, auf den sie sich hier beziehen, einiges geschrieben. Ich bitte Sie dort nachzulesen... und vielleicht auch besser dort zu dem Thema zu kommentieren.

Rosbaud 29.03.2015 | 17:43

Das ist ja die Crux unserer Zeit, die Politik muss sich den Primat wieder zurückerobern. Bank-, Konzernherren und Finanzalchemisten muss ein starker Staat Grenzen aufzeigen. Sie haben ja recht, wenn Sie darauf verweisen, dass es seit Jahrzehnten genau anders herum läuft (Neoliberalismus!). Aber das ist keine von Gott gefügte Ordnung, sondern Menschenwerk. Die derzeitige Spielanordnung kann also durch Menschenhand auch wieder verändert werden. Mir ist aber klar, dass die Menschen in Deutschland immer noch mehr zu verlieren haben als ihre Ketten. Mit dem Ruf nach einer grundlegenden Veränderung kann man hierzulande keinen Blumentopf ernten.

Ich wähle weiterhin die Linkspartei, trete für die Ideen von Flassbeck ein und warte ansonsten auf ein Wunder!

dos 29.03.2015 | 19:40

Echt irre wird der Flausenbeck mit der Zeit, erwartbar zwar, aber beängstigend bereit, vom 'wissenschaftlichen' Habit in den Schamanismus zu wechseln:

"Es gibt einen einzigen Vorgang, mit dem man alle scheinbar unerklärlichen Phänomene ohne Weiteres erklären kann."
"Von der Korruption in Griechenland über die Bürokratie in Frankreich und die laxe Steuerdisziplin in Italien bis zur Unfähigkeit eines großen Landes, seinen Hauptstadtflugplatz zu bauen: Die Liste institutionellen Versagens scheint unendlich lang zu sein. Wer Europa retten will, muss Zeus, Herkules und Sisyphus zugleich sein"

Dieser 'Vorgang' soll die Lohnsenkung sein.

Mir scheint das 'institutionelle Versagen' jedoch an Leuten wie ihm zu liegen, die erst die Institutionen mit ihrer Unfähigkeit verstopfen (s. seine Karriere, oder die H. W. Sinns usw.), um dann, wenn nix mehr geht, endlich ihr Hobby/monokausales Mantra auspacken zu können. (In diesem Fall ahistorische u. extreme Äquivalenz- u. Verschuldungstheoreme).

Ich habe solche Mantren seit den 70gern (also ab dem Alter von 12/13 Jahren) immer wieder kritisiert:
Vom Mantra, der Widerspruch zw. Lohnarbeit und Kapital sei so prädominant , daß etwas anderes als eine linksgestimmte AK gar nicht dafür in Frage komme, soetwas wie den Schah zu beseitigen usw. ('revolutionäres Subjekt' usw.) und daß der Koran ('71-'73; na, DIE Kuhaugen hättet ihr sehen sollen, als ich den Koran in die Curricula aufnehmen (lassen) wollte) neben Marx, den Liberalen, der Bibel und tausenden anderer Schriften zu lesen sei, über H. W. Sinn in den 80gern, der meinte, jedwedes Vermögen, erst recht geldnahes bzw. Geldvermögen, tauche früher oder später auf der Nachfrageseite auf usw. (etwas, wovon er sich erst seit ein paar Jahren distanziert) bis hin zu den 'Eliten', die glauben, mit kaputten Prozessoren ein weltweites Unternehmen der Microelektronik führen zu können oder bis hin zum BER:

Wo Leute als Entscheider, Berater o. Journalisten hergenommen werden, die für logisch und empirisch auf der Hand liegende Zusammenhänge Jahrzehnte brauchen, um sie überhaupt erstmal zu rekognizieren, von einer positiven Verwendung noch gar nicht zu sprechen, braucht man sich nicht zu wundern, wenn es allerorten kracht.

Aus dem See der Irrtümer hier nur ein winziger Tropfen mal abgefüllt und unters Mikroskop gelegt:
Wenn Draghis Euro-Politik zum "Euro-Verfall" gegenüber dem Dollar führt, warum sanken/sinken dann weltweit die Währungen gegenüber dem Dollar, - ohne einen Draghi bzw. seine Voodoo-Maßnahmen im Rücken?


iDog 30.03.2015 | 20:15

Eine Redewendung hier in Frankreich sagt , dass man ja wohl eine Katzt auch ruhig Katze nennen können müsste.

Genau das aber passiert nicht - daher der Konjunktiv. Ein Beispiel sollte genügen: die Banken werden gerette aber man nennt es lieber Griechenlandrettung. Was soll der Mist? Die Tage meinte jemand, das wär ja dann ehrlich. Geht also nicht.

Wir sind längst da angekommen, wo nur nicht Vollidioten den Müll glauben, der in den meisten Medien verbereitet werden. Und selbst wenn das dann die meisten sein sollten, ist das ja kein Grund sie zu belügen. Daher: wo sind die Flassbecks dieser Welt, die sich trauen eine Katze auch Katze zu nennen? Unser Flassbeck hier gehört nicht dazu, soviel steht fest.

Und Wortmagie? Sicher, ist ein Anfang! Die Wahrheit ist mitunter die scharfste Waffe, daher fürchten sich auch so viele davor und tun alles um sie zu unterdrücken.

Rosbaud 30.03.2015 | 23:34

Glasperlenspiel

Die "Flassbecks" sind doch unermüdlich dabei, Katzen auch als Katzen zu bezeichnen. Dass mit der Griechenlandrettung hauptsächlich die eigenen Banken und Finanzmarkthasardeure aus dem Feuer genommen wurden, konnte man landab, landauf hören und lesen. Der geniale Coup, aus der Finanzmarkt- und Bankenkrise eine Staatsschuldenkrise zu machen, wurde in den linken Kreisen häufig thematisiert. Aus verständlichen Gründen natürlich nur mit geringer Breitenwirkung.

Flassbeck war da immer mit dabei. Er hat bereits 2004 den Glasperlenspielcharakter der herrschenden Marktorthodoxie analysiert und den dann 2008 tatsächlich eintretenden Megacrash vorhergesagt ("große Falsifikation"):

Vor diesem Hintergrund und der andauernden wirtschaftlichen Krise darf das Fach nicht sich selbst überlassen bleiben. Andere Wissenschaften und die Wissenschaftspolitik müssen sich einmischen und mithelfen zu kontrollieren, ob einfachste Grundsätze wissenschaftlicher Arbeit gewahrt bleiben oder ob das Fach zu einer reinen Kunstlehre entartet, die ideologische Zugangsschranken für Nicht-Gläubige schafft. Philosophie und Erkenntnistheorie dürfen nicht vor der Geheimsprache der Glasperlenspieler zurückschrecken, sondern müssen darauf insistieren, dass die herrschende Ökonomie ihre Aussagen wie jede andere Wissenschaft an der Realität überprüft und damit der Falsifikation (wieder) zugänglich macht. Geschieht das nicht, müssen wir wohl auf eine "große Falsifikation" warten, wie sie schon einmal, Ende der 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts, die Sinnlosigkeit des Glasperlenspiel innerhalb weniger Wochen jedermann vor Augen geführt hat.

https://www.blaetter.de/archiv/jahrgaenge/2004/september/glasperlenspiel-oder-oekonomie

iDog 31.03.2015 | 02:14

"... die eigenen Banken und Finanzmarkthasardeure aus dem Feuer genommen wurden, " ist genau die Art der "Katzen", die ich meine. Ja die haben die Flassbecks drauf. Und sie anscheinende auch. Sorry, aber das ist Bullshit: "die eignen Banken" ... wollen Sie mich hier für dumm verkaufen? ... oder wollen sie nur meine Zeit verschwenden?

Wer braucht schin niemanden, der uns erzählt wie sinnlos das alles ist? Sie?

Hjoburg 31.03.2015 | 10:26

Alleine die Frage, ob die Herrschenden es gewußt haben, zeigt doch welch "Obirgkeitsdenken" noch immer in Deutschland herrscht. Natürlich wussten die Herrschenden was sie taten,(wenn nicht dann sollten sie komplett zurücktreten) warum sonst wurde just in dem Moment, als der Euro eingeführt wurde, der größte Niedriglohnsektor in Deutschland eingeführt? Um alles niederkonkurrieren zu können. Deutschland wird heute international schon als 2. China in Europa bezeichnet. Man wusste und weiß auch, was das für Auswirkungen auf den Rest der Eurozone haben wird, deshalb hält man an der gescheiterten Austerität bis heute fest. Man hat ja auch nicht Länder gerettet, sondern Banken welche sich verspekuliert hatten. Auch das wussten und wissen die Verantwortlichen.

Magda 31.03.2015 | 11:25

Na, jetzt bin ich ein bisschen spät dran. Das stimmt natürlich. Die USA sind einfach auf einem anderen Ast. Die brauchen Geld, Geld, Geld und finden das auch für Deutschland gut. Draghi machts ja auch für die EU. In Le Monde diplomatique ist ein guter Beitrag.

Der versucht sich auch daran, warum Deutschland diesem Weg so eisern folgt.

Die Sache mit der Studie habe ich bei Krugmann auch gelesen. War mir aber nicht so präsent. Ja, wenn die Ideologie "stimmt", dann brauchts auch wissenschaftlich gar nicht mehr zu stimmen.

Rosbaud 31.03.2015 | 12:16

Hoppla, jetzt wird er aber aggressiv, der Oberchecker!

Sie sind nicht in der Lage, Ihr Anliegen klar und verständlich rüberzubringen, verlangen das aber von den "Flassbecks" und mir. Ich bin jetzt Ihrer Forderung nachgekommen. Das Ergebnis scheint Ihnen nicht zu schmecken.

Für Sie noch den weisen Rat von Karl Popper:

"Wer’s nicht einfach und klar sagen kann, der soll schweigen und weiterarbeiten, bis er’s klar sagen kann."

Costa Esmeralda 01.04.2015 | 00:07

Warum reden wir nicht Tacheles mit Mme. Es ist ihr "Merkelsches Totspardiktat" (im wörtlichen Sinne), das Deutschland und Europa kaputt macht, seit 2010 mit Beginn der Griechenlandkrise. Und das gespielt im Deutschen Polit-Trio zusammen mit Schäuble und Weidmann (Geige, Bratsche Bass). Man muss das laut und deutlich und immer wieder sagen, nicht verschämt hinter der Hand. BERLIN ist schwerhörig bis zum Gehtnichtmehr. Nur ein gewaltiger Chor der Zivilgesellschaft kann dieses Trio zum Schweigen bringen.

iDog 01.04.2015 | 00:38

Sorry, sie täuschen sich, "er" wird nicht agressiv, sondern "er" lässt sich nicht vertscheißern. Das ist alles.

Welcher "Forderung" sind sie nachgekommen? Sie geben keine Antwort auf die implizite Frage wer denn "eigene Banken" haben könnte oder sein könnten. Sind sie Aktionär der Deutschen Bank?

Ihren Popper lassen sie mal ruhig da wo er hingehört. Ich sage hier ganz klar, was ich sagen möchte, und darf Sie daran erinnern, dass Sie es waren, dem das nicht passte, der aber außer dümmlichen Anwürfen nichts zu bieten hatte, sondern mir nach meiner Einlassung zu Polanyi über die der Marktwirtschaft nachgeordneten Gesellschaft erklären wollten, der Staat müsse eben wieder stärker werden. Welchen Staat meinen sie denn da? Wie soll er denn stärker werden in dieser Konstellation, in der nicht mal ein Flassbeck sich erlauben kann eine Katze Katze zu nennen und Sie völlig sinnfrei von "eigenen Banken" schreiben?

Anderweitig wunderen Sie sich darüber, dass ihrer Meinung nach begründete Kritik an der akuten Verelendungsspolitik kein "Umsteuern" bewirkt. Da fehlt für mich jede Kohärenz. Um es schlicht zu sagen: Sie schlagen also vor, dass der Staat wieder stärker werden soll, der die Regulierungen abgeschafft hat, die zur Ermächtigungen der Banken und zu den vorgeblichen Gründen der Elendsausterität erst geführt haben?

Vielleicht finden Sie ja auch dazu ein Zitat von Herrn Popper. Würde mich nicht wundern.

Sie sollten sich nochmal Gedanken über die Tatsache machen , dass die Krise der einen immer das Geschäftsmodell der anderen ist - zumindest im Kapitalismus. Das sagt ja sogar Herr Flassbeck, wenn auch nicht so direkt. Wieso also sollte jemand sein eignes Geschäftsmodell ändern oder gar bekämpfen, nur weil andere daran scheitern müssen. Das, lieber Herr Rosbaus, ist im Kapitalismus nicht vorgesehen soweit ich informiert bin.

Folglich braucht man nicht auf die als Retter zu warten, die die Katastrophe inszenieren haben oder von diesen abhängig sind.

Zu näheren Einlassungen dazu habe ich ihnen den bezüglichen Thread empfohlen. Hat Sie nicht interessiert. Ich denke das sagt alles. Sie wollen ein wenig rumfrotzeln nehme ich an. Das haben Sie jetzt hinter sich. Jetzt dürfewn Sie etwas gehaltvolles schreiben. Ich gebe Ihnen die Erlaubnis.

Rosbaud 01.04.2015 | 10:10

Das ist wieder der übliche unpräzise Sermon.

Ich weiß nicht, was Sie an den „eigenen Banken“ so auf die Palme bringt, jedem mitlesenden Foristen wird klar sein, dass damit einfach nur die deutschen Banken gemeint waren, egal ob Privat- oder Landesbanken. Es ging nicht um die Beschreibung eines Eigentumsverhältnisses.

Dann noch die Frage: Wenn Sie eine demokratische Veränderung durch die Wahl einer Regierung ausschließen, die andere Prioritäten setzt, wie schaut denn dann Ihr Lösungsansatz aus?

PS: Wo bezeichnet denn Flassbeck Katzen nicht als Katzen?

iDog 01.04.2015 | 11:49

"Es ging nicht um die Beschreibung eines Eigentumsverhältnisses."

Genau das ist das Problem. Darum sollte es aber gehen. Denn wie ja auch sicher Sie wissen wurde den Eigentümeren der Banken und damit den Profiteuren der "Eurokrise" das Risiko von öffentlicher Hand abgenommen. Und befindet sich jetzt wo wärend die Kapitalisten ihres Risikos ledig wieder Geld zählen gehen?

Es wird also der Kapitalismus gerettet indem man das ihm implizite Risiko an die weitergibt, die er sowieso ausbeutet? Nein , das ist zu simpel, es wurde vielmehr ein Herrschaftssystem gerettet, das sich verspekuliert hatte und beinahe baden gegeangen wäre im eigenen Blut.

Um diese Art der Krisen zu vermeiden müssten von demokratischem Standpunkt betrachtet nicht nur private Banken komplett abgeschafft werden, sondern auch das Geldsystem geändert werden. Dazu gibt es slebstverständlich keinerlei politischen Willen, nicht mal bei den sogenannten "Linkesten" dieser Republik. Alle sind also Herrschaftskonformisten und hängen wie die Junkies an diesen Hebeln der Herrschaft. Junker hat nicht von ungefähr gessagt, man wisse natürlich wie der Eurokrise beizukommen sei, wolle aber mit entsprechenden Maßnahmen nicht den Verlust der eigenen Macht riskieren.

Ihr Versuch solche Aussagen als "unpräzise Sermon" abzutun weisst nur auf Ihre eigenen Kompetenzen zum Thema hin, es sei denn Sie erfüllen hier elediglich in bekanntes stumpfes ideologisches Programm.

Sie gehen nicht auf die wesentlichen Anmerkungen meinerseits ein. Villeicht weil Ihnen nichts dazu einfällt. Nehmen Sie sich doch einmal die Zeit zu etwas echter Recherche anstatt einem Überflieger wie Flassbeck hinterherzuhecheln.

Herr Rosbaud, ich hatte sie gebeten mal etwas gehaltvolles zu schreiben. Sie schaffen das offensichtlich nicht. Ich aber habe nicht genug Zeit und auch keine Lust, Ihnen hier weiter das Licht zu halten. Sie können sich bei Bedarf an meine Artikel und Kommentare halten.

Rosbaud 01.04.2015 | 13:41

Ich bin es auch leid, auf ein Potpourri von Argumenten eingehen zu sollen, die in linken Kreisen längst Standard sind, aber von Ihnen als Offenbarung präsentiert werden. Das Einzige, was mich interessiert hat, war Ihr Lösungsansatz, und da habe ich jetzt vernommen, dass es Ihnen um die Abschaffung privater Banken, überhaupt des Geldsystems geht, an anderer Stelle kritisieren Sie auch das Zinssystem. Da drängt sich mir der Gedanke auf, dass ich mit meiner Vermutung am Anfang unserer Diskussion doch recht gehabt habe: Ich habe es mit einem Gesell-Jünger zu tun!

iDog 01.04.2015 | 14:19

Ja, schauen Sie sich ruhig noch ein wenig in ihren eigenen Schubladen um. Damit vermeidet man garantiert jede Erkenntnis.

Lösungen von der Stange gibt es nicht. Reformierbar ist der Kapitalismus auch nicht. Es gibt nicht einmal den Willen Lösungen zu finden, denn jede Lösung wäre das Ende dieser Art der Herrschaft. Ich nehme an, das haben sie wenigstens verstanden. Jetzt bleibt Ihnen nur noch sich die Frage zu beantworten, ob sie diese aktuelle Herrschaft persönlich wollen oder nicht. So einfach ist das. Ich will sie nicht. Ich bevorzuge demokratische Methoden vor einer Finanz- und Marktdiktatur.

Bei all dem bleibt zu bemerken, dass es nur subjektive Wahrheiten und Meinungen gibt. Sie können also für sich selber meinetwegen so viel und so oft Recht haben wie Sie nur wollen. Viel Spaß dabei.

Und damit erteile ich Ihnen das berühmte letzte Wort. Da können Sie sich dann noch ein letzte Mal erblöden.

pleifel 04.04.2015 | 17:27

Werter Rosbaud,

"Dazu scheint mir der von Flassbeck vertretene Keynesianismus gut geeignet zu sein." Kann man so sehen, ist aber nur die andere Seite der Falschmünze (System). Auch die Gesellsche Freiwirtschaftslehre steht mit ihrer Zinskritik nur auf "einem" Bein, da sie vergessen hat, dass die Arbeitswertlehre (Wertschöpfungsfaktor) der Unterbau des Ganzen ist und immer noch, was sich nicht geändert hat, mit dem Eigentum und den Produktionsmitteln zusammenhängt.

Aber Keynesianismus ist immer noch besser als die jetzige Politökonomie, die ja die einfachsten Wirkursachen unterschlägt, nur um anfechtbare Prinzipien zu vertreidigen.

Rosbaud 05.04.2015 | 14:06

Ich habe durchaus auch Sympathien für weitergehende Ansätze, nur sehe ich keine realistische Möglichkeit ihrer Umsetzung.

Keynesianismus war immerhin die führende Wirtschaftstheorie während des "goldenen Zeitalters des Kapitalismus" (Kriegsende bis etwa Mitte der 1970er Jahre). Danach begann der Siegeszug des Neoliberalismus, der sich zunehmend negativ auf Demokratie, Sozialstaat und Arbeitswelt auswirkt. Die Vertreter dieser Ecclesia militans schrecken auch vor Kriegen nicht mehr zurück, um weiterhin das Hochamt ihrer Glaubenslehre feiern zu können.

Ich denke, man sollte es mal mit einem weiterentwickelten, modernisierten Keynesianismus versuchen. Wenn das nicht klappt, gilt wirklich, was Robert Kurz in seinem Schwarzbuch Kapitalismus schreibt, dann steht das letzte große Abenteuer der Menschheit an: die Überwindung des Kapitalismus jenseits der alten Rezepte!

karamasoff 06.04.2015 | 02:28

Das erinnert mich jetzt an einen Text (und an Zappa^^).

"Die KlassenVolksverbrüderung gipfelt darin, daß – an einem eigens von der Regierung bestimmten Tage – die Reichen zugunsten der Armen auf Vor- und Nachtisch verzichten. Der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit hat dazu geführt, daß man die halbe Hungerration noch einmal teilt. Alles übrige ist Produkt der manipulierten Statistik."

Das war 19931-33 und es war ein Text von Trotzki

"Nur ein gewaltiger Chor der Zivilgesellschaft kann dieses Trio zum Schweigen bringen."

Zum Vergleich:

"Wird ....nicht rechtzeitig durch innerdeutsche Kräfte aufgehalten, so wird Europa in wenigen Jahren neuerlich in Krieg gestürzt."

Ich befürchte aber, daß der "gewaltige Chor", die innerdeutschen Kräfte erneut wieder als Programm der kleinbürgerlichen Illusionen in elende bürokratische Maskeraden und von der Wirklichkeit abgetrennt , in Ritualhandlungen aufgelöst werden.

Mit Merkel-Haue alleine ist es nicht getan.

The torture never stops

Costa Esmeralda 06.04.2015 | 18:35

Lieber Karamasoff,

Du sprichst mir, wie Du wohl weisst, aus dem Herzen. Ich weiss auch kaum mehr, was man mit Deutschland machen sollte, um es zur Vernunft zu bringen.

Fast habe ich es aufgegeben, in meiner Heimat ein freiheits-stiftendes Projekt mit Asylanten und Emigranten zu versuchen. Deshalb bin ich jetzt dabei, eine Freiheits-Uni der ehemaligen Sklavenvölker Lateinamerikas mit aufzubauen. Etwas, das wir in Deutschland nicht mehr auf die Reihe kriegen. Die Verkrustungen werden langsam wie in Stein gemeisselt.

Dir trotz alledem viel Optimismus und noch einen schönen Ostermontag!

LG aus Panamá, CE