Kerstin Preiwuß
25.08.2010 | 14:00 1

angst zeichnet die wand ab

Lyrik

angst zeichnet die wand ab
hinter der ich sitze
draußen fällt regen
messbares kichern der nymphen
oder der sirenen
höre ich sie weil ich innendrin selig bin?

das glaube nicht
was unentwegt klingt
sind wörter, schnell
wachsende weiden
wund von innen
nach außen gekrümmt

liegt’s brustbein offen
klafter in den bäumen
borke übersprungener knochen

sieh mich an
sieh mich an bis zum grund
du kannst mich einsehen bis zum grund
bloß hab ein einsehen mit mir
niemand der es verdient
nicht geborgen zu sein

Kerstin Preiwuß, geboren 1980, erhielt 2010 ein Stipendium des Deutschen Literaturfonds. Zuletzt veröffentlichte sie in Neue Rundschau und Zwischen den Zeilen

Kommentare (1)

j.kelim 18.04.2012 | 13:10

Kerstin Preiwuß

Angst zeichnet die wand ab

…sieh mich an
sieh mich an bis zum grund
du kannst mich einsehen bis zum grund
bloß hab ein einsehen mit mir
niemand der es verdient
nicht geborgen zu sein

Wenn ich diese Zeilen lese, sehe ich direkt eine Mutter vor mir die genau diese Zeilen ihrem Kind gegenüber äußert, sie will ihrem Kind begreiflich machen, wie schwer sie es als Mutter hat und ebenfalls Liebe und Geborgenheit vermisst und sie möchte, dass das Kind die Bedürfnisse der Mutter einsieht, um in Zukunft etwas mehr Rücksicht auf die Bedürfnisse Mutter zu nehmen.