Georg Fülberth
31.07.2011 | 10:00 106

Apokalypse und Kalkül

Sommer 61 In den USA deutet sich ein Kurswechsel an, der auf die Hinnahme der Demarkationslinien in Europa hinausläuft und zum politischen Vorspiel des Mauerbaus gehört

Im Sommer 1961 war ein großer Teil der Bevölkerung in Ost- und Westdeutschland alarmiert. Die 60-Jährigen erinnerten sich noch an den Ausbruch des Ersten Weltkriegs am 4. August 1914, die 40-Jährigen an den September 1939. Von den 20-Jährigen hatten viele in den Luftschutzbunkern zerbombter Städte gesessen. Nun konnte das wiederkommen. Die Lage erinnerte eher an 1914 als an 1939: eine Eskalation, an deren Ende ein Krieg alternativlos schien. Der war aber nur noch als atomare Katastrophe vorstellbar. Niemand konnte ihn gewinnen – anders als 1918 oder 1945. Deshalb mussten alle Beteiligten ihn zu vermeiden suchen. So stellte sich die objektive Lage dar. Subjektiv sah das anders aus. In der Springer-Presse und in einer tumultuarischen Vortrags­tournee forderte der amerikanische Publizist William S. Schlamm seit Ende der fünfziger Jahre die Bereitschaft zum atomaren Waffengang. Vorher schon hatte US-Außenminister John Forster Dulles (bis 1961 im Amt) „brinkmanship“ propagiert: eine Risikopolitik am Rande des Krieges. Rundfunk, Fernsehen und Zeitungen meldeten jeden Tag die Zahl derer, die von Ost- nach Westdeutschland wechselten. Wenn das so weiterging, schien der ökonomische und dann auch der staatliche Zusammenbruch der DDR unausweichlich.

Die ostpolitische Doktrin der Regierung Adenauer zielte zu jener Zeit auf die Wiederherstellung eines gesamtdeutschen Staates in den Grenzen von 1937, einschließlich Schlesiens und Ostpreußens, die inzwischen zur Volksrepublik Polen und der Sowjetunion gehörten. Wenn die UdSSR das nicht tolerierte, musste dies unter den Bedingungen des atomaren Patts zur wechselseitigen Vernichtung führen. Weil das so war, wirkte die Rhetorik derer im Westen, die die Möglichkeit irgendeines Sieges suggerierten, anachronistisch.

Westberlin – kein Kriegsgrund

Selbst wer einen kühlen Kopf bewahrte, musste gestikulieren. US-Präsident Kennedy wirkte zumindest vordergründig nicht wie einer, der eine Konfrontation vermeiden wollte. Dabei hatte er durchaus eine Bestandsaufnahme der amerikanischen Außenpolitik vorgenommen, die einen Kurswechsel nahe legte: Hinnahme der Demarkationslinien in Europa bei gleichzeitiger Forcierung des Systemkonflikts in der Dritten Welt. Die Distanz zu Adenauers „Politik der Stärke“, mit der (zumindest der offiziellen Version nach) in relativ kurzer Frist die Wiedervereinigung möglich sein sollte, deutete sich an. Beide Elemente: einerseits Anheizen, andererseits vernünftiges Kalkül verbanden sich in einer Rede Kennedys am 25. Juli 1961. Hier nannte er drei „Essentials“, bei deren Verletzung die USA zu den Waffen greifen würden: den freien Zugang zwischen der Bundesrepublik und Westberlin, zweitens die Präsenz der westlichen Besatzungsmächte dort, schließlich den Fortbestand der bisherigen politischen Ordnung in diesem Teil der Stadt. Es fehlte ein vierter Punkt: freier Übergang zwischen Ost- und Westberlin. Kennedy hatte klar gemacht, eine etwaige Sperrung werde für ihn kein Kriegsgrund sein.

Als sich die Warschauer Vertragsstaaten vom 3. bis 5. August 1961 in Moskau trafen, wussten sie, wie weit sie gehen konnten. Deutlich vorher, am 15. Juni, hatte Walter Ulbricht auf einer Pressekonferenz erklärt: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.“ Ab dem 13. August galt das als Lüge oder zumindest als klassisches Dementi. Aber diese Aussage hatte ihrerseits eine Vorgeschichte. Sie war die Antwort auf eine Frage der Korrespondentin der Frankfurter Rundschau, Annemarie Doherr: „Herr Vorsitzender, bedeutet die Bildung einer freien Stadt Ihrer Meinung nach, dass die Staatsgrenze am Brandenburger Tor errichtet wird? Und sind Sie entschlossen, dieser Tatsache mit allen Konsequenzen Rechnung zu tragen?“ Hier wurde, wenngleich in Frageform, ausgesprochen, was schon denkbar war und wohl insgeheim von vielen gegen die Gefahr einer unkontrollierbar werdenden Situation, die in einen Krieg entgleiten konnte, abgewogen wurde. Das ständige Ansteigen der Übersiedlungen entsprach ebenfalls dieser Überlegung: man beeilte sich wegzukommen, bevor das fast schon Unvermeidliche geschah: Schließung der Grenze.

Als es dann passiert war, schwoll der apokalyptische Lärm zunächst noch einmal an. In Westmedien wurden die Politiker der DDR als Kriminelle bezeichnet. Die SED nannte die Grenzanlagen in der Folgezeit einen „antifaschistischen Schutzwall“. Darüber ist viel gelacht worden. Aber noch 1968 skandierte Karl Dietrich Wolff, der durchaus nichtkommunistische Bundesvorsitzende des SDS: „Kapitalismus führt zum Faschismus./Kapitalismus muss weg!“ Wer dieser Auffassung war, musste eine Mauer, mit der die Ausdehnung einer als so gefährlich angesehenen Gesellschaftsordnung nach Osten verhindert werden sollte, als kleineres Übel ansehen. So dachten die meisten Linksradikalen in der Bundesrepublik nicht, aber den Kommunisten in der DDR hätten sie eine solche – immerhin durch die Erfahrungen zwischen 1933 und 1945 gestützte – Auffassung als guten Glauben abnehmen müssen.

Zugleich gab es nach dem 13. August inmitten des Getöses Besonnenheit. Zwar forderte Willy Brandt den US-Präsidenten zu irgendeinem entschlossenen Handeln auf, aber mit seiner eigenen öffentlichen Erregung kanalisierte er auch die Empörung der Westberliner. Adenauer ließ sich Zeit mit einer Reise in die eingeschlossene Halbstadt. Einerseits, weil er sich von der dortigen Bevölkerung nicht die Quittung für seine vorderhand gescheiterte Politik abholen wollte, andererseits weil er die Emotionen nicht noch zu steigern beabsichtigte. Die Mauer verschaffte der Bundesrepublik in den nächsten Jahren tatsächlich die Chance, ein anderes Land zu werden. Die Investitionen in Schulen und Universitäten nahmen zu, denn es kamen keine Facharbeiter, Abiturienten und Ärzte mehr aus der DDR. 1963 forderte Egon Bahr einen „Wandel durch Annäherung“ unter Zurkenntnisnahme inzwischen geschaffener Tatsachen. Eine kirchliche Denkschrift wies darauf hin, dass an eine Wiedervereinigung nur zu denken sei, wenn das Territorium vor allem Polens unangetastet bleibe.

Das letzte Wort

Die Achtundsechziger machen heute für sich geltend, zur demokratischen Zivilisierung der Bundesrepublik beigetragen zu haben. Da ist etwas dran. Die andere Hälfte der Wahrheit besteht darin, dass die Mauer Westdeutschland zur Selbstprüfung zwang. Jetzt erst wurde die Stellung ehemaliger Nazis im öffentlichen Leben nicht nur von linken Randgruppen, sondern auch in Mainstream-Zeitungen thematisiert. Wenn die Bundesrepublik am Ziel der Wiedervereinigung festhielt, musste sie ihre Nachbarn davon überzeugen, dass sich ihre politische Kultur vom alten Reich getrennt hatte. Ohne die Mauer wäre sie entweder nie oder doch viel später darauf gekommen. Erst durch sie bequemte man sich auch in Bonn dazu, an einer gesamteuropäischen Sicherheitsarchitektur mitzuwirken.

1989/1990 trat dann doch ein, was Chruschtschow und Ulbricht 1961 hatten verhindern wollen. Aber die Umstände waren inzwischen andere geworden. Die Bundesrepublik erhob keinen Anspruch mehr auf die ehemaligen deutschen Gebiete östlich von Oder und Neiße. Was auch immer man von ihrer neuen Politiker-Generation halten mochte: die Skepsis Mitterrands und die Warnungen Thatchers vor einem Reich in der Mitte Europas fanden weniger Gehör als vor 1968 und 1961. Nach heutigen Maßstäben hätten einige Akteure von 1961 den Friedensnobelpreis verdient: Chruschtschow und Kennedy, vielleicht auch Adenauer und Ulbricht. Ohne ihr verdecktes Kalkül und dessen Folgen hätte Willy Brandt diese Auszeichnung 1971 nicht entgegennehmen können. An Mauer und Stacheldraht starben mehrere hundert Menschen. Wer meint, dagegen sollten nicht die Millionen Toten eines vielleicht durch sie vermiedenen Dritten Weltkriegs aufgerechnet werden, mag um des lieben Friedens willen das letzte Wort behalten.

Georg Fülberth ist Politiker, Politikwissenschaftler und Buchautor, 2011 erschien von ihm Das Kapital kompakt Papyrossa, Köln 2011

Kommentare (106)

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Ehemaliger Nutzer 31.07.2011 | 15:12

Ein gut recherchierter und wahrheitstreuer Artikel.
Ich habe diesbezüglich schon immer diese Einstellung gehabt.
Ich habe kluge Amerikaner gehört, die den Bau der Mauer schon eher veranlaßt hätten, weil sie sich den Aderlass nicht hätten gefallen lassen.
Gerade Westberlin hat auf Kosten der DDR in Saus und Braus gelebt.
Ich habe von Westdeutschen gehört, dass diese sich über Westberlin in Westdeutschland diesbezüglich auch ein exquisietes Leben eingerichtet haben. Die ganzen DDR-Produkte haben sie durch den Umtausch zum Nulltarif erhalten.
Ich möchte hier nur an das Billy-Regale erinnern, was durch Ein-Euro- Jobber in der DDR und in DDR-Gefängnissen gebaut wurden.
DDR-Bürger konnte sich selbst solch ein Regal nicht kaufen.

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richard-der-hayek 31.07.2011 | 16:19

"Die Achtundsechziger machen heute für sich geltend, zur demokratischen Zivilisierung der Bundesrepublik beigetragen zu haben. Da ist etwas dran. Die andere Hälfte der Wahrheit besteht darin, dass die Mauer Westdeutschland zur Selbstprüfung zwang. Jetzt erst wurde die Stellung ehemaliger Nazis im öffentlichen Leben nicht nur von linken Randgruppen, sondern auch in Mainstream-Zeitungen thematisiert. Wenn die Bundesrepublik am Ziel der Wiedervereinigung festhielt, musste sie ihre Nachbarn davon überzeugen, dass sich ihre politische Kultur vom alten Reich getrennt hatte. Ohne die Mauer wäre sie entweder nie oder doch viel später darauf gekommen. Erst durch sie bequemte man sich auch in Bonn dazu, an einer gesamteuropäischen Sicherheitsarchitektur mitzuwirken."

Irgendwie muß doch, auf Lenin komm raus, dem kommunistischen System Gutes nachgesagt werden. Es waren also nicht die jungen Leute aus der Mittel- bis Arbeiterschicht der BRD, die durch das Wirtschaftswunder zu Bildung und eigenem Urteil und Denken kamen, sondern der hehre Einfluß der großen und ruhmreichen SU durch den Mauerbau war auch dabei.
Als ob die BRD die Nachbarn durch vorbildliche Westintegration von ihrer Abkehr des Nazitums hätte überzeugen müssen. Daß die BRD so nebenbei voll kapitalistisch wurde, hat die SU dann nicht gestört, Hauptsache keine Nazis mehr.

Das ist solch schwachsinnige Geschichtsklitterung, meine ursprünglich deutlich vorhandenen Sympathien für die Linke werden immer weniger. Sich so einen Blödsinn aus den Tasten zu saugen tut weh.

Es war der Zusammenbruch der SU und die sichere Vermutunt, daß Gorbatschow den sowjetischen Besatzern nicht den Befehl gibt, etwa die Leipziger Montagsdemonstrationen zusammen zu schießen, die zur Wiedervereinigung nötig waren. Und die diversen Milliarden, die Kohl dann der SU überwies.
Die Lösung der BRD von Nazitum war dem Gorbatschow so egal wie nur was, und wenn sie, wie der Autor vermutet, weit schlechter gewesen wäre, ohne Mauer, hätte das auch absolut nichts geändert.

Die 68er waren so stark, daß die herrschende Klasse dann doch nachgeben mußte, es waren zu viele, und vor allem keine oder nicht nur "Linksradikale", Herr Fülberth, und diese Menschen hatten alles im Kopf, nur keine Wiedervereinigung, weder die protestierenden Studenten noch die Reichen Politiker oder gar Springer.
Das ist alles so konstruiert, damit ja dem kommunististischem Konstrukt unter dem Vorwand der "neutralen" Betrachtung ein paar positive Krümel zugeschoben werden können.

Laßt euch doch eingraben und ausstellen !

Magda 31.07.2011 | 16:39

Lieber Hayek, das Hauptproblem ist bei Ihnen der Mangel an Kenntnissen.

"Es war der Zusammenbruch der SU und die sichere Vermutunt, daß Gorbatschow den sowjetischen Besatzern nicht den Befehl gibt, etwa die Leipziger Montagsdemonstrationen zusammen zu schießen, die zur Wiedervereinigung nötig waren. Und die diversen Milliarden, die Kohl dann der SU überwies. "

Die Sowjetunion ist da noch nicht zusammengebrochen, sondern später. "Sichere Vermutungen" gibt es nicht. Dass Kohl viel Geld überwiesen hat, ist richtig.

1 Punkt richtig. Wenns ums Geld geht wirds immer korrekt.

"Sich so einen Blödsinn aus den Tasten zu saugen tut weh." - Das glaube ich Ihnen.

Resümee - Ob sich Leute eingraben lassen oder ausstellen. Sie werden damit leben müssen, dass es Leute gibt - wie auch Fülberth mit seinem fundierten Beitrag - die anders denken, politisch nämlich und nicht einem kenntnislosen Ressentiment folgen.

gweberbv 31.07.2011 | 17:11

Der Bau der Berliner Mauer und die Abriegelung der Westgrenze der DDR ist freilich einem Dritten Weltkrieg vorzuziehen. Das galt sicher 1961 und das würde 2061 immernoch gelten.

Der Autor unterstellt aber implizit, dass es für die Führung der UDSSR eben nur diese beiden Möglichkeiten gab: Entweder die DDR durch Isolation zu stabilisieren oder aber auf deren Verlust an den Klassenfeind mit Krieg zu antworten.

Ähnlich wie 1945 für die Regierung der USA die Kapitulation Japans nur durch Einsatz von Atombomben oder aber durch eine - für alle Seiten - weit verlustreichere Invasion erreichbar schien.

Es steht zu vermuten, dass damals von den entscheidenden Akteuren tatsächlich nichts anderes als akzeptabel angesehen wurde. Aus heutiger Sicht lässt sich jedoch sagen, dass es damals die für die UDSSR die "beste" Entscheidung gewesen wäre, den Verlust der DDR hinzunehmen und überhaupt den ganzen kalten Krieg aufzugeben. Denn 30 Jahre später brach deren System trotz aller Anstrengungen, inklusive Verbrechen, zusammen.

Dass bei den Abwägungen damals irgendwelche Nazi-Geschichten eine Rolle gespielt haben sollen, kann ich nicht nachvollziehen. Selbst die israelische Regierung ließ sich durch Ex-Nazis in Adenauers direkter Umgebung nicht von einer "Aussöhnung" abhalten.

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richard-der-hayek 31.07.2011 | 17:44

Als Gorbatschov an die Macht kam, war die SU bereits unten durch und über längere Zeit nicht mehr zu halten gewesen.
Oder haben Sie genaue (Wirtschafts)-Daten ?

Die anderen Punkte -daß 68 wirklich niemand an eine Wiedervereinigung dachte- lassen Sie weg, damit Sie ihre SU in Stellung bringen können, um dann den ganzen Kommentar als Ressentiment zu qualifizieren - auf diese Methode habe ich, etwa bei Rahab, schon öfters hingewiesen.

Oder wollen Sie kenntnisreich darlegen, daß Dutschke Co ihre Reden stets mit einem "in Namen der Wiedervereinigung" beendeten ?

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Ehemaliger Nutzer 31.07.2011 | 18:19

Im Film "Helden wie wir" werden einige der DDR-Klischees durch den Kakao gezogen. Hier ab Sekunde 40.



Flach gelegen vor Lachen habe ich als "Teddy ins Gefängnis geworfen wurde" und er mit seinen Kumpels Adolf Hennecke und dem kleinen Trompeter Adolf Hitler austrickste.

Fülberth schreibt gegen die ähnlich dünnen Legenden der populären BRD-Geschichtsschreibung, die mir die dralle Feres, der gelackte Knopp und der geifernde Knabe bis zum heutigen Tage andienen wollen. Es ist zugegebener Maßen schwierig von seinen eingeübten Anschauungen abzukommen - aber es ist möglich.
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Ehemaliger Nutzer 31.07.2011 | 18:26

@ Richard der Hayek

>>>Oder wollen Sie kenntnisreich darlegen, daß Dutschke Co ihre Reden stets mit einem "in Namen der Wiedervereinigung" beendeten ?

Worin liegt jetzt Ihr Problem? Soweit ich Sie verstanden habe, erregen Sie sich über Fülberths Meinung, dass der Mauerbau einen demokratisierenden Einfluss auf die alte Bundesrepublik ausgeübt haben könnte.

Was soll dann aber der oben stehende Satz? Fülberth und auch kein anderer hier im Thread hat behauptet, dass die 68er für die "Wiedervereinigung" gewesen seien.

Könnten Sie das ein wenig ordnen, damit ich verstehe, worauf Sie hinaus wollen?

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richard-der-hayek 31.07.2011 | 18:49

Das war ein Fehlschluß meinerseits.
Man könnte eventuell argumentieren, daß Fülberth "die Bundesrepublik mußte ihre Nachbarn überzeugen.." und da sind die 68er ja auch dabei.

Es ist in jedem Falle äußerster Quatsch zu behaupten, die jeweilige Regierung, oder auch nur irgendwer hätte das Abrücken von dem Nazierbe wegen des Mauerbaus verstärkt, damit die Wiedervereinigung leichter möglich ist.

Genauso wenig kann man behaupten, daß ohne die Mauer ! die 4er-Mächte bei der Wiedervereinigung Schwierigkeiten gemacht hätten.
Auf Lenin und / oder Stalin komm raus: jeder Quatsch, den diese Regimes damals machten, muß hintenrum für irgendwas gut gewesen sein.

Ich werde bald einen Versand für Lenin-Denkmäler aufmachen, für den Garten oder neben die Garage: zwischen 1m und 2,4m, fein ziseliert mit frei bestimmbarer Inschrift: wenn jemand Interesse hat...

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Ehemaliger Nutzer 31.07.2011 | 19:30

@Richard der Hayek,
ich möchte auf Ihre Kommentare nicht näher eingehen nur soviel, zwischen Westdeutschland und der DDR war keine Mauer, es war eine Grenze des Zweiten Weltkrieges und die ging vom hohen Norden bis zum Schwarzen Meer. Die DDR und die BRD sind nicht vom Himmel gefallen, sondern sind auch ein Produkt des Zweiten Weltkrieges.
Mit dieser Tatsache mußte man nun sachlich umgehen und leben.
Jeder hatte nun seine eigene Vereinigung der beiden deutschen Teile, Stalin so und die USA eben so. Adenauer hatte es besonders eilig und gründete eben mit Hilfe der USA die BRD. Ein Vereinungsvorschlag von den Sowjets war dadurch zunichte gemacht worden.
Vielleicht haben die Sowjets 1945 einen Fehler begangen, indem sie den 3 Westmächten ein Stück Berlin abtraten. Zum Tausch wurde den Sowjets von den Alliierten ja einige Städte wie Magdeburg, Dessau, Bernburg usw. gegeben.
Vielleicht liegt hier der eigentlich Fehler. Was anschließend ablief, wissen wir ältere Generation, der Kalte Krieg und der wurde intensiv durch Westdeutschland begangen, mit dem RIAS usw. fing es an.
Der Westen mußte dafür sorgen, dem Osten ein sogenanntes Wirtschaftswunder entgegen zu setzen. Das war mit dem Marshallplan bis zum Anschlag im Hintern auch möglich.
Auf dem Gebiet der DDR war die Industrie zu 80% zerstört, den Rest schleppten die Sowjets weg. Im Westen war die Industrie zu 70% erhalten und die Alliierten schleppten eben nichts weg.
Die Westdeutschen merkten aber bald, dass die Grenze ihr Freund war, wenn sie sich darüber auch empören konnten. Westdeutschland war ein Hochlohnland und die Billigprudukte kamen aber durch die Grenze hindurch. Die Billiglöhner aus dem Osten hat sie den Westdeutschen schön vom Hals gehalten. Die Westdeutschen waren auch nicht fleißiger als die Ostdeutschen, weil die erst einmal vieles aufbauen mußten.
Nach der Wende begriffen viele Westdeutsche erst einmal, was sie hinter der Grenze für ein bequemes Leben hatten.
Auch Westberlin ging es an den Kragen.
Eines sollten Sie auch begreifen, in dem Haus wo die DDR-Oberen wohnten, hätte keine westdeutsche Obrigkeit leben wollen. Also immer schön sachlich bleiben.
Die Schulden der DDR nach der Wende beliefen sich auf 18 Milliarden DM. Was sind denn heute 18 Miliarden Euro, die HRE hätte sie in ein paar Monaten durch den Schornstein gejagt.
Forderungen der DDR gegenüber Anderen beliefen sich auf 167 Valuta, die die BRD anschließend bis zum letzten Pfennig eintrieb. Die alte BRD hatte zur Wendezeit fast 1 Billion Schulden, die USA 10 Billionen, d.h., beide Staaten waren in Ihrer eigenen Währung pleite.
Aber die konnte man ja abwerten und neues Geld drucken und schon ging die Verschuldung munter weiter. Die DDR hätte ja auch ihr Geld drucken können, da hätten sich die Westdeutschen vielleicht tot gelacht, weil es Spielgeld war. Die USA drucken seit Jahren auch Spielgeld, weil der Dollar überhaupt nichts mehr wert ist.
Über den Osten konnte man sich lustig machen, weil er zusammengebrochen war und selbst war man kein Deut besser.
Der neue Gott ist Wachstum und Produktion, obwohl man von allem Erzeugten Eindrittel wegwirft. Es ist von allem zu viel vorhanden, auch Geld.
Auf dem Grab des Kapitalisten wird einmal stehen "zuviel war nicht genug".
Aber trotzden läuft man dieser Wahnsinnidee hinter her, einfach nur paranoid.
Man sägt sich den Ast ab, auf dem man selber sitzt.

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richard-der-hayek 31.07.2011 | 19:48

Über den sogenannten Eisernen Vorhang brauchen Sie mich nicht aufzuklären, ich bin in dieser Zeit aufgewachsen.
Für die 68er war ich zu jung, ich habe das nur so ein bischen mitbekommen.
In Berlin wars die Mauer, daß es auf der ganzen Länge keine Mauer, sondern Stacheldraht mit Wachtürmen, der Todesstreifen war, weiß ich auch, und daß es Folge des 2.WK war weiß ich auch.nGanz brauchen Sie mich nicht aufzuklären.

Wandlitz war sarkastisch gemeint, dieses "Paradies" der Parteioberen hätte jeden (west)-deutschen Mittelständler zum Lachen gebracht.
Um die DDR.Schulden ging es nicht, die SU konnte ihren (Zwangs)-Machtbereich nicht mehr aufrechterhalten.

Zum Grinsen ist, daß Sie, in Ihrem Eifer, den Kommunismus oder von mir auch aus Sozialismus zu verteidigen, die Wirtschaftsmärchen der Neoliberalen anbringen: das sogenannte Wirtschaftswunder hatte nichts mit den Startvorteilen zu tun, sondern mit Erhards kluger Wirtschaftspolitik, die damals allerdings auch noch möglich war.
Da das sozialistische System nicht funktioniert, hättte der Marshall-Plan der DDR auch nichts geholfen.
Es ist doch wirklich kompletter Unsinn, den sehr deutlichen Unterschied der Wirtschaftsleistung der BRD und der DDR, etwa 1980 oder 1989, auf die Anfangsbedingungen vor 40 Jahren zurückführen zu wollen. Dieses Abtransport-Märchen erzählen die Wirtschaftsgrößen doch nur, um von den guten und reichlichen Löhnen damals abzulenken, die der wirkliche Grund für das Wirtschafttswunder waren.
Brauchen Sie auch eine Statue ? In apartem Rot ?

j-ap 31.07.2011 | 20:17

Das Problem mit der Mauer ist, daß sie die meisten schlicht und isoliert als »die Mauer« betrachten und nicht als die innere Konsequenz der Logik der Blockkonfrontation, die sie nunmal gewesen ist.

So schwachsinnig es ist, sie, wie Fülberth, zu einer Art nationalpädagogischem Programm zu verklären, die das Ziel verfolgte, die Westdeutschen etwas schneller zu demokratisieren, so richtig ist es, darauf hinzuweisen, daß die Mauer sehr wohl verhindert hat, daß der Kalte Krieg sehr viel (thermonuklear) wärmer wurde.

ed2murrow 31.07.2011 | 20:28

Werter Georg Fülberth,

mit

„An Mauer und Stacheldraht starben mehrere hundert Menschen. Wer meint, dagegen sollten nicht die Millionen Toten eines vielleicht durch sie vermiedenen Dritten Weltkriegs aufgerechnet werden, mag um des lieben Friedens willen das letzte Wort behalten“

haben Sie Ihren Artikel, gleich ob er zutreffend sein mag oder nicht, zu Schanden geritten. Denn ich erlaube mir nicht nur, nicht aufzurechnen, sondern Ihren Satz konsequent zu Ende zu denken: Hätte es den Dritten Weltkrieg gegeben, würden wir uns nicht mit dem Problem der Überbevölkerung herumschlagen. Und ich füge hinzu: Sie hätte es dabei wahrscheinlich getroffen, bei mir wäre höchstens die Geburt ausgeblieben.

Jetzt bin ich mir nicht sicher, ob Ihr Zynismus biographiebedingt ist oder an der jahrzehntelangen Beschäftigung mit in sich geschlossenen Systemen liegt. Oder ob das Credo, dass Menschenleben nicht relativierbar, nicht einmal in Relation zu setzen ist, nicht seinerseits keine Chance hat, sich angesichts solcher Fortsetzungen zu behaupten. Denn alleine mit dem Satz haben Sie ein Stück Kalten Krieg lauwarm serviert, sanktioniert mit einem maßlosen „um des Friedens willen“. Sie haben den Esprit von 61 tatsächlich verinnerlicht.

Damit entkernen Sie jegliche Nachhaltigkeit Ihrer möglichen Anliegen. Sie hätten dem Artikel nicht einen Subtitel „Letzte Worte“ sondern den Titel „Epilog“ geben sollen. Er wäre in jeder Hinsicht angemessen.

e2m

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Ehemaliger Nutzer 31.07.2011 | 20:56

@Richard der Hayek,

auf der einen Seite haben Sie nichts mitbekommen (zu jung), auf der anderen Seite ziehen Sie aufplusternd vom Leder.
Na selbstverständlich muß man sich auf den Ausgangspunkt beziehen, dass ist doch bei jeder Sportart auch so.
Nun zu Ihrer Thematik Kommunismus und Sozialismus. Es nehme es Ihnen nicht übel, weil Sie vielleicht Westdeutscher sind. Diese Worte sind in den westdeutschen Gehirnen so eingebrannt worden, dass man hier auch schon von einer Krakheit sprechen muss. Wenn man keine Kenntnis von einer Sache hat, sollte man sich zurück halten.
Zeigen Sie mir auf der Welt einen Staat, wo der Kommunismus geherrscht oder eben aufgebaut wurde. Es gibt keinen einzigen davon. Es war eine Vorstellung von Marx. Selbst hiervor hatte er große Bedenken. Wobei der Kommunismus die reinste Gesellschaftsordnung wäre. Die ist aber mit den Menschen nicht durchführbar, weil der Mensch von Natur gierig und habsüchtig ist.
Nun zum Sozialismus.
Wenn wir von der DDR sprechen, dann hat hier nie der Sozialismus geherrscht, sondern der stalinistische Sozialismus also der Stalinismus und der war ein Verbrechen.
Wenn Sie Zeit haben, dann lesen Sie das von der Uni Bremen recherchierte Wirtschaftssystem der DDR, da werden Sie andere Dinge noch zu lesen bekommen, warum das Wirtschaftssytem nicht richtig funktionieren konnte. Hunderttausende von Waggons von Dingen wurden in Richtung Sowjetunion abtransportiert und die halbe Million von Sowjetsoldaten, hatte die DDR auch noch beköstigen müssen, abgesehen von den hohen Reparationskosten.
Ich habe es hier schon einmal erwähnt, weil ich Zeuge bin.
Ich war zu einem Prozeßrechnerlehrgang in Minsk. Hier stand ein Hotel mit 16 Stockwerken.
Dieses Gebäude, nebst Inneneinrichtung wurde durch die DDR gebaut und nicht nur in Minsk standen diese Hotels!
Labidare Antwort der Sowjets? Wer Minsk zerstört, der sollte es auch wieder aufbauen und die Westdeutschen?
Die haben ihren Wohlstand gefrönt und konnten das große Maul aufreißen.

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Ehemaliger Nutzer 31.07.2011 | 20:56

@Richard der Hayek,

auf der einen Seite haben Sie nichts mitbekommen (zu jung), auf der anderen Seite ziehen Sie aufplusternd vom Leder.
Na selbstverständlich muß man sich auf den Ausgangspunkt beziehen, dass ist doch bei jeder Sportart auch so.
Nun zu Ihrer Thematik Kommunismus und Sozialismus. Es nehme es Ihnen nicht übel, weil Sie vielleicht Westdeutscher sind. Diese Worte sind in den westdeutschen Gehirnen so eingebrannt worden, dass man hier auch schon von einer Krankheit sprechen muss. Wenn man keine Kenntnis von einer Sache hat, sollte man sich zurück halten.
Zeigen Sie mir auf der Welt einen Staat, wo der Kommunismus geherrscht oder eben aufgebaut wurde. Es gibt keinen einzigen davon. Es war eine Vorstellung von Marx. Selbst hiervor hatte er große Bedenken. Wobei der Kommunismus die reinste Gesellschaftsordnung wäre. Die ist aber mit den Menschen nicht durchführbar, weil der Mensch von Natur gierig und habsüchtig ist.
Nun zum Sozialismus.
Wenn wir von der DDR sprechen, dann hat hier nie der Sozialismus geherrscht, sondern der stalinistische Sozialismus also der Stalinismus und der war ein Verbrechen.
Wenn Sie Zeit haben, dann lesen Sie das von der Uni Bremen recherchierte Wirtschaftssystem der DDR, da werden Sie andere Dinge noch zu lesen bekommen, warum das Wirtschaftssytem nicht richtig funktionieren konnte. Hunderttausende von Waggons von Dingen wurden in Richtung Sowjetunion abtransportiert und die halbe Million von Sowjetsoldaten, hatte die DDR auch noch beköstigen müssen, abgesehen von den hohen Reparationskosten.
Ich habe es hier schon einmal erwähnt, weil ich Zeuge bin.
Ich war zu einem Prozeßrechnerlehrgang in Minsk. Hier stand ein Hotel mit 16 Stockwerken.
Dieses Gebäude, nebst Inneneinrichtung wurde durch die DDR gebaut und nicht nur in Minsk standen diese Hotels!
Labidare Antwort der Sowjets? Wer Minsk zerstört, der sollte es auch wieder aufbauen und die Westdeutschen?
Die haben ihren Wohlstand gefrönt und konnten das große Maul aufreißen.

Magda 31.07.2011 | 21:25

@ j-ap - "Das Problem mit der Mauer ist, daß sie die meisten schlicht und isoliert als »die Mauer« betrachten und nicht als die innere Konsequenz der Logik der Blockkonfrontation, die sie nunmal gewesen ist."

Wem sagen Sie das, verehrter j-ap. Dass die Mauer westliche Politiker zum Umdenken gebracht hat - einschließlich der Anerkennung der DDR und des "Wandels durch Annäherung" (Egon Bahr) gehört dazu, auch wenn Georg Fülberth das - auch für meine Verhältnisse - ein bisschen zu positiv sieht. Denn die Westdeutschen waren lange Zeit nicht zu "demokratisieren", die waren überzeugt, dass ihr System das Beste aller Welten ist. Und all die anderen nichts als Nestbeschmutzer, die besser nach drüben gehen sollten.

Was mir sauer aufstößt, ist, dass ich als "kalte Kriegerin" und unverbesserliches rotes Relikt gelte mit Leninaffinität gelte, wenn ich das konstatiere. Sagen Sie es, ist es "geadelt" in allen Foren. Sehen Sie, das ist schon wieder der reine Zonenbetrieb. Nur, dass die Mauer anderswo ist und die Betonmaurer auch.

Magda 31.07.2011 | 21:47

@ edmurrow -
Georg Fülberth hat dem gegenwärtigen Zynismus, einen eigenen kleinen Zynismus, wenn überhaupt, entgegengesetzt.

Ich denke, in der ständigen Beschwörung der "Opfer der Mauer" liegt auch ein Zynismus. Denn dies zu tun ohne den Charakter dieser Mauer als Grenze zwischen zwei Blöcken zu kennzeichnen, macht aus diesen Opfern nichts als Beweismittel. Dafür, dass die DDR kein Staat war, sondern ein Gebilde mit einer willkürlich gezogenen Mauer drumrum. Das fällt Ihnen aber überhaupt nicht auf.

j-ap 31.07.2011 | 22:05

»Und all die anderen nichts als Nestbeschmutzer, die besser nach drüben gehen sollten.«

Ja, diese Figur ist mir noch sehr gut in Erinnerung, wiewohl meine Biographie nur bis Ende 1982 zurückreicht, ich also, als die Mauer uffjing, gerade noch so jung war, daß ich das Geschehen nicht überriß.

Der Spalt aber, den die Mauer nicht: machte, sondern: für den sie stand, geht auch durch meine Familie.

Da gab es nämlich auch Leute, die nicht von Ost nach West geflüchtet sind, sondern von West nach Ost aufgebrochen waren in den Jahren 1946/47 und die, auch das gehört dazu, bis zum Ende SED-Mitglieder waren. Welche im weiteren Sinne biographischen Konflikte später daran und darum ausgetragen wurden, wurde mir erst lange nach der »Wende« klar.

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Ehemaliger Nutzer 31.07.2011 | 22:20

@ed2murrow,

man kann wie Sie immer nur klug daherreden. Haben Sie sich diesbezüglich eigentlich Gedanken gemacht, ob die Berliner Mauer zur Befriedung diente?
Ich bin der Meinung, sie diente zur Befriedung, denn die ganzen Schmutzigkeiten aus Richtung Westberlin unterblieben, ganz zu Schweigen von dem ganzen Schmuggel von Waffen, Geld und Drogen.
Was ich verbrecherisch fand, war der Sender RIAS von den Amerikanern. Dieser Sender beeinflußte Jugendliche derart, dass diese kopflos die Wahnsinntat begingen, über die Mauer zu flüchten.
Mit ihrer Flucht brachten sie aber 18Jährige Grenzsoldaten in Gewissenkonflikte, was diese in diesem Moment tun müßten.
Egon Bahr sagte einmal, als die USA den RIAS aufgaben und er sich um das Relikt kümmern mußte. Wenn der RIAS nicht gewesen wäre, hätte es auch den Aufstand in der DDR 1953 nicht gegeben.
Dieser Sender war nur dazu da, die DDR-Bevölkerung gegen das System aufzuhetzen. Das an der Grenze dann junge Menschen ums Leben kamen, dass interessierte dem RIAS einen Dreck.

Streifzug 31.07.2011 | 22:49

Abseits aller wenn, würde, könnte, hätte, geschichtlich immer unsinnig, da diese massiv multifaktoriell, manifestierte die Mauer die Auftrennung eines Systems in zwei, deren Unterscheidung nur aus dem Wechsel zweier Komponenten bestand:

Aus
Kapital/Staat/Arbeit
wurde
Staat/Kapital/Arbeit

"Wenn das so weiterging, schien der ökonomische und dann auch der staatliche Zusammenbruch der DDR unausweichlich."

Der Druck, auch der militärische Druck, erzeugte eine Mauer als Leitplanke, hinein in Falle und Pferch eines Systems, welches statt alternativ nur vertauscht war. Die Zerstörung einer möglichen Alternative wurde zementiert und endete 89 als em>Abwicklung.
ed2murrow 31.07.2011 | 22:56

@ magda

Sie können natürlich meinen Kommentar lesen, wie immer es Ihnen beliebt.

Tatsache bleibt, dass ich nicht die Frage der Opfer (oder deren Anzahl) dort zum Gegenstand meiner Erwägung gemacht habe, sondern den von Georg Fülberth wohl als pointiert empfundenen Schlenker einer "Aufrechnung Maueropfer vs. gedachten Opfern eines Weltkriegs". Mir fällt daran sehr wohl etwas auf : Die innewohnende Logik, dass ÜBERHAUPT Menschenleben zu wichten, zu sondern, zu quantifizieren sei. Mit der Bemerkung hat der Politologe nichts anderes getan, als gleich noch jenes Luftsicherheitsgesetz mit zu rechtfertigen, das den Abschuß einer Verkehrsmaschine samt seiner Passagiere vorsah, um größeren Schaden etwa durch Einlenkung in ein Gebäude zu verhindern. Das Bundesverfassungsgericht hat dazu ausdrücklich festgestellt, dass dieser (!) Staat, nämlich das jetzige Deutschland nicht das Recht habe, eigene Bürger ans Leben zu gehen, weder in qualitativer noch in quantitativer Hinsicht. Dass dies ein Politologe, der möglicherweise auch keine Probleme mit der Durchsetzung der Undurchdringbarkeit jener Mauer hat, anders sieht, liegt in der Natur des Blickwinkels.

koslowski 31.07.2011 | 22:59

Folgt man Fülberth, müssten wir den Mauerbauern dankbar sei: ohne sie eine gefährliche Destabilisierung in Europa, keine Zunahme der Investitionen in Bildung und Ausbildung, kein '68, keine Zivilisierung der politischen Kultur und keine Abrechnung mit der Nazi-Vergangenheit. Gibt es posthume Friedensnobelpreise?
Ich hielt Fülberth für einen seriösen Wissenschaftler und habe seine Texte immer wieder mal im Unterricht eingesetzt, weil in den Schulbüchern bis in die 80er Jahre hinein alternative, linke Positionen fehlten. Doch hier schreibt er, bei allem Verständnis für die Lust an der Provokation, Unsinn.

ebertus 31.07.2011 | 23:00

Als West-Berliner war ich 1961 und mit vierzehn Jahren noch zu jung, um "politisch zu verstehen, geschweige denn dies zu reflektieren. Nur, wir Kinder konnten dann nicht mehr Ringbahn fahren...

Also angelesen, wie wohl die Mehrzahl hier! Und der Text von Fülberth ist so einer von der Sorte, die "querfront" zum Nachdenken anregen könnte: oder eben gewisse Reflexe erzeugen; durchaus auf sehr unterschiedlichem, intellektuellen Niveau dann, diese Reflexe.

Für meinen Teil erkenne ich es als Aufarbeitung von Tatsachenwahrheiten, ergänzt durch subjektive Setzungen. Nichts, was nicht schon x-mal diskutiert wurde, wenn auch nicht immer in jeder Facette bzw. deren Prägnanz.

Die Geschichtsschreibung der Sieger mag etwas anders aussehen, aber insgesamt und nach dem Opening hätte ich mehr den Blick nach vorn erwartet, nicht mit 1989/90 im letzten Absatz abzuschließen. Das "Ende der Geschichte" war das ja dann gerade nicht, und nach rund zehn Jahren "warming up", so gegen die Jahrtausendwende die letzten Beißhemmungen gefallen, die möglichen, willigen Allianzen neu formatiert, die "Feinde" entsprechend markiert.

Magda 31.07.2011 | 23:04

"An Mauer und Stacheldraht starben mehrere hundert Menschen. Wer meint, dagegen sollten nicht die Millionen Toten eines vielleicht durch sie vermiedenen Dritten Weltkriegs aufgerechnet werden, mag um des lieben Friedens willen das letzte Wort behalten."

Sie lesen die Ironie nicht mit, weil Sie nicht wollen. Es ist überhaupt keine Aufrechnung.

Und mit der Durchsetzung der Undurchdringlichkeit von Mauern haben viele Staaten überhaupt keine Problem, das wissen aber Sie auch.

Magda 31.07.2011 | 23:20

@ Koslowski - Die Destabilisierung in Europa ist ein Faktum, auch wenn der Mauerbau eine schlimme "Notbremse" war. Stimmt auch, dass zwei Jahre später mit der Kubakrise die nächste Gratwanderung am Abgrund des Krieges kam.

Außerdem, es erfolgen so viele irrsinnige Zuschreibungen, was die DDR betrifft, da können Sie auch mal was "einstecken", wenn es provokativ daher kommt. :-))
Fülberth hat sich ja aus der DDR-Seite völlig rausgehalten. Ich werde dazu mal was schreiben an anderer Stelle. Da fingen dann - entgegen allen "Hoffnungen" die Repressionen an. Das ist dann die Geschichte der Desillusionierungen.

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richard-der-hayek 31.07.2011 | 23:22

"Die Mauer hat den 3. Weltkrieg verhindert"
Das ist eine so unsägliche Verklärung, das klingt, als ob eine Flut die Menschheit bedroht hätte und die Mauer, die auch Opfer forderte, Schlimmeres verhütet hätte.

Die SU hat Millionen von Menschen in ein politisches System genötigt, das keiner dort wollte. Deshalb mußten sie eingesperrt werden. Dann zu sagen, dadurch wurde der 3. weltkrieg verhindert, ist so, als ob jemand so schwer verprügelt wird, daß er einen Arm verliert, aber zum Glück ist er nicht gestorben.
Der SU war es also möglich, ihre Terrorzone durch diesen Todesstreifen weit im Westen zu halten. Was wäre ohne die Mauer gewesen ? Die Menschen wären davongelaufen, da kann der Westen ja nichts machen. Dann wäre die SU-Zone halt kleiner geblieben.
So mancher Linker hat halt noch die SED-Propagande, Neues Deutschland hies es doch, im Kopf und versucht es jetzt zu verklären, irgendwelche möchtegern-intellektuellen Scheinbegründungen an den Haaren herbei zu ziehen.

ed2murrow 31.07.2011 | 23:24

Es steht Ihnen doch frei, das als Ironie zu bezeichnen. Menschen, die das ganz ernst auffassen, wie unser Sündenpfuhl-Matto oder dieser e2m, der es als blanken Zynismus auffaßt, gibt es schon genug :)

In Bezug auf Verkehrverbote für die eigenen Leute fallen mir im Moment nur Myanmar, Nord-Korea und die Galapagos ein. Letztere, weil die Tiere unter Naturschutz stehen und nicht exportiert werden dürfen. Aber ergänzen Sie mich ruhig.

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richard-der-hayek 31.07.2011 | 23:53

@Streifzug
Das sind diese unerträglich blöden möchtegern-intellektuellen "Erkenntnisse": simple Umdrehung anhand der Worte:
die Bedeutungen der Worte "ausdringen" und "eindringen" sind aber nicht symmetrisch: wenn jemand eindringt, will er meist was haben, was dem anderen gehört. Mindestens verletzt er das Hoheitsrecht des Gebietes.
Wenn jemand aus dem Ostblock "ausdringen" wollte, hatte er keine Lust mehr, sich als Ochse der kommunistischen Apparatschicks mißbrauchen zu lassen und wollte sein Menschenrecht auf Freizügigkeit einlösen.
Durch den weiteren Zusammenhang, Pragmatik glaub ich heißt das, haben diese Worte sehr verschiedene Bedeutungen.

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Ehemaliger Nutzer 01.08.2011 | 00:08

@Richard der Hayek,

Sie schwatzen genau so weiter, ohne jegliche Ahnung von der Materie zu haben. Die Eierschalen noch hinter den Ohren, sich aber hier wichtig machen wollen.
Wenn wir hier von Grenzen sprechen, dann waren das höchst brisante Grenzen, wo sich zwei Lager (Gesellschaftordnungen) feindlich gegenüber standen.
Nur die Aufrüstung beider Seiten hatte es verhindert, dass eine Tragödie ausbrach und diese Tragödie hätte sich einzig und allein in Deutschland abgespielt.
Ich finde es unerhört, dass Sie nicht imstande sind, die furchtbaren Fehler des Westens hier offen anzusprechen. Das ist eben der Kalte Krieg, der noch nicht aus Ihrer Birne ist.
Man hört von Ihnen nur das übliche rote Gesülze, was Sie vielleicht durch Ihre Eltern noch eingesimpft bekommen haben.
Sie schimpfen nur in Richtung Osten. Schauen Sie sich Ihre Bündnispartner an, besonders die USA, wieviele Verbrechen sie begangen haben. Schauen Sie sich die alte BRD an, wo Tausende Andersdenkende in den Knast wanderten.
Nein, Sie alle hier labern nur in eine Richtung, Ihren eigenen Dreck wollen Sie nicht begreifen und auch nicht damit konfrontiert werden.
Der alte Feind ist weg und jetzt müssen neue Feinde ran und die hat man auch gefunden. Die DDR hat an keine Kriege teilgenommen, die BRD ist fest dabei, von einem Chaos ins nächste sich zu begeben.
Labern Sie mal über Guantanamo!
Labern Sie mal über die vielen Toten, die die Amerikaner im Irak und Afghanistan zu verantworten haben.
Alles ödes Gewäsch, aber das beherrschen die Westdeutschen am besten. Sie bezeichnen die DDR als Zone. Sie haben doch selbst in einer Westzone gelebt, was schwatzen Sie denn so dämlich daher! Das ist es eben, Dummheit und Stolz wachsen auf einem Holz.
Schauen Sie sich die USA zu Mexiko an. Tausende von Kilometern bauen die USA eine Grenze aus Stachelkdraht, damit keine Leute von dort in die USA kommen.
Und? Labern Sie doch einmal darüber?

GeroSteiner 01.08.2011 | 00:18

@Matto
Meine Güte.
Der RIAS (Rundfunk im amerikanischen Sektor) ist an Allem Schuld.
Das erinnert so ein bisschen an das von Orson Welles inszenierte Hörspiel, dass am 30. Oktober 1938 der amerikanische Radiosender CBS ausstrahlte, das in Form einer fiktiven Reportage die Landung von Marsmenschen im Bundesstaat New Jersey schilderte. Der täuschend echt aufgezogene Bericht versetzte damals viele Menschen in Panik.
Wie war das denn nun mit dem "Schwarzen Kanal" von Karl Eduard von Schnitzler, den man in der DDR nur "Karl Eduard von Schni" nannte, weil das die Zeit war, die man brauchte um umzuschalten? Hat der etwa die Republik gerockt?
Nicht zu vergessen AFN (American Forces Network) genannt "88FN" der auf 87,8 MHz sendete und damals der beste Musiksender in Westberlin war. Was hat der denn alles angerichtet?

Magda 01.08.2011 | 00:29

@ Gero - vielleicht kann man sich drauf einigen, dass der RIAS seinen Einfluss genutzt hat. Ich habe ihn ja immer gehört und war zu DDR-Zeiten absolut auf dessen Wellenlänge. Aber, er war halt auch ein Propagandasender. Und die waren besser und vielfältiger als der Osten mit seiner eisernen Agitprop-Mischung. Das ist ja der Gag, dass das niemand sehen will. Es ist wie in der Gegenwart auch.

Schnolfi 01.08.2011 | 00:41

@Matto
Ich hatte heute abend wegen Unkenntnis hier meinen Kommentar falsch abgedrückt. Nun blicke ich es etwas besser. Drum nochmal das Ganze:

Ich bin mit Ihrer Darstellung von Auszügen der Geschichte der BRD, der DDR und der Wiedervereinigung komplett einverstanden, zumal ich gestern abend mir eine Aufzeichnung einer Sendung eines sehr bekannten Kabarettisten über gerade dieses Thema angesehen habe (Wegen des schlechten Wetters bereits zum zweiten Male (;-)), und - was nicht verschwiegen werden sollte - weil die Sendung spitze war..

GeroSteiner 01.08.2011 | 02:25

@Magda
Wir brauchen uns nicht einigen, ich schätze Deine Meinung auch so.
:-)
Natürlich hat der RIAS seinen Einfluss genutzt, alle anderen Sender aber auch. Dass das Springer Haus an der Grenze jeden Tag Plakat-Propaganda betrieben hat, ist auch nicht unvergessen.
Heute unterliegen wir doch immer noch der übelsten Propaganda und kaum einer bekommt es mit. Wir sind eben immer noch die dumme Herde, die gelenkt werden muss, die durch geeignete Publikationen in der Meinung bestärkt wird, dass es gut sei, Bundeswehrsoldaten in Afghanistan zu haben, dass es gut sei, unser Steuergeld den Gläubigern von Griechenland (den Banken) in den Rachen zu werfen, während der Bevölkerung ...

GeroSteiner 01.08.2011 | 02:57

@ed
Geschenkt.
Die beiden Männer vor dem roten Knopf haben nicht 'wegen', sondern 'trotz' der Mauer nicht draufgedrückt.
Das war damals, vor 50 Jahren, noch die Nachwirkung der Bilder von Hirshima und Nagasaki.
Seitdem aber Selbstmordattentäter über unsere vernetzte Welt gekommen sind, bin ich davon überzeugt, dass sich bei einem bestimmten 'Mindset' auch irgendein Grund fände, die Welt in bester Absicht und der Tradition der Koalition der Willigen atomar zu verwüsten.

Genau so, wie jemand in Oslo als Botschaft eine Bombe im Regierungsviertel zündet, weil er auf seiner Meinung nach Misstände im Land aufmerksam machen will, kann ich mir vorstellen, dass wenn Bomben im Konsens von irgednwelchen Grüppchen hochgejagt werden, alle der Meinung sind, dass das für eine gute Sache sei. Das passiert dann nicht durch das eigene Militär, wie bei dem Beipiel mit der Flugzeugentführung, sondern durch Andere oder Fremde.
Die Bilder von Hiroshima sind mittlerweile verblasst. Es lagern immer noch genügend strategische Atomwaffen in Europa und in Deutschland in der Eifel. Das von George W. Bush aufgelegte Programm zur Entwicklung von "Mini-Atombomben" ist von Obama offiziell gestoppt, aber die Spezialisten im Pentagon fuchteln in ihren Planspielen damit immer noch rum.

weinsztein 01.08.2011 | 06:05

Lieber Koslowski,

man muss Mauerbauern nicht dankbar sein oder ihnen gar Friedensnobelpreise verleihen.

Bis zum Mauerbau gab es, vor allem per RIAS, Aufrufe an unsere Brüder und Schwestern, die DDR zu verlassen, dies sogar mit Zielgruppenansprache, wenn im Westen mal die Ärzte knapp oder bestimmte Facharbeitergruppen benötigt wurden. Das war die Zeit, als unsere Lehrer uns anhielten, abends Kerzen ins Fenster zu stellen, als Gruß gen Osten.

Was vor der Mauer die Bundesrepublik an Kosten für Bildung und Berufsausbildung einsparte, ging in Hunderte Milliarden. (Das Institut für Weltwirtschaft hat mas mal, glaube ich, ziemlich genau ausgerechnet.)

Die DDR und die BRD standen damals, Schaufenster gegen Schaufenster, im Zentrum der Systemauseinandersetzung.

Nachdem Mauerbau musste Westdeutschland tatsächlich verstärkt in die Bildung investieren, die erst wirksam wurden nach 1969 mit Amtsantritt Willy Brandts, als das bürgerliche Bildungsprivileg zwar nicht durchbrochen aber doch gelöchert wurde.
Explodierte in den 70-ern nicht die Zahl der Studentinnen und Studenten, weil es endlich immer mehr Kinder aus Arbeiterfamilien an die Unis schafften?

Abrechnungen mit alten Nazis gab es in der BRD tatsächlich erst nach dem Mauerbau, wenn auch sehr zögerlich, was die CDU allerdings nicht hinderte, mit Kurt Georg Kiesinger einen alten Nazi als Spitze einer Großen Koaltion durchzusetzen.

War das Entstehen der 68-er Bewegung nicht auch dem Drängen (evtl. damals Deinem und meinem) von StudentInnen geschuldet, die ein paar Fragen an die Elterngeneration hatten?

Und hatte die Zivilisierung der westdeutschen politischen Kultur ihre Hochzeit nicht erst nach 1968, nachdem ein paar Fragen an die Eltern geklärt waren?

Im damals zugespitzten Systemstreit, Anfang der 60-er Jahre, 16 Jahre nach dem Ende der Nazizeit, als sich alte Nazis noch in bundesdeutschen Ministerien tummelten und sowohl Kanzleramts- und Außenpolitik wie Geheimdienstaktivitäten mitbestimmten, stand die noch recht junge DDR vor der Frage, ein großes gesellschaftliches Experiment aufzugeben oder eine Mauer zu bauen.

apatit 01.08.2011 | 10:00

… es soll ja eiskalte Krieger gegeben haben, die sich gebrüstet haben, durch die enormen Rüstungsausgaben mit immer schrecklicheren Waffen, den Kommunismus besiegt zu haben. Waffen und Krieg, Krieg und Waffen. Da blieb wegen der maroden ökonomischen Situation im Osten kein Geld übrig für die Banane. Und der Mensch ist nun mal so. Warum haben meine Schwestern u. Brüder im Westen dieser Lebensstandart und ich lecke an den Salzhering im Osten? Banal, aber unterhalten Sie sich mal mit Leuten, bei dehnen heute noch der Fall “Rot“, nicht abgeschlossen ist. So einfach kann man es sich mit der Mauer nicht machen, stimmt.

apatit 01.08.2011 | 10:11

Die Terrororganisation Al-Kaida ist nach Einschätzung des Bundesnachrichtendienstes (BND) nicht mehr in der Lage, gigantische Anschläge wie vor knapp zehn Jahren in den USA zu verüben.
„Al-Kaida ist nach unserer Einschätzung zu großen Anschlägen nach Art des 11. September heute nicht mehr fähig“, sagte BND-Präsident Ernst Uhrlau der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Der Kern des Terrornetzwerks in Afghanistan und Pakistan sei dezimiert und durchlöchert worden.
Quelle: Focus
Bin mal gespannt, wer nun als Rechtfertigungsgrund für die modernen Kreuzzüge herhalten muss? Z.B. Kuba, entwickelt neue Rumsorte mit ultra scharfen Peperoni, damit noch der letzte unbelehrbaren “Wessi“ einen roten Arsch bekommt! Sofortiges Eingreifen ist geboten …

apatit 01.08.2011 | 10:27

"Mitte der 70er Jahre ersetzt die Sowjetunion ihre auf Westeuropa gerichteten atomaren Mittelstreckenraketen durch moderne SS-20-Raketen mit größerer Sprengkraft. Die Bundesregierung unter Helmut Schmidt sieht dadurch das strategische Gleichgewicht in Europa in Gefahr. In seiner vielbeachteten Rede im Londoner International Institute for Strategic Studies fordert Schmidt 1977 die NATO zu Gegenmaßnahmen auf, um das qualitative und quantitative Übergewicht der Sowjetunion im Bereich der Mittelstreckenraketen auszugleichen. Mit dieser Zielsetzung verabschieden die Außen- und Verteidigungsminister der NATO-Mitgliedstaaten am 12. Dezember 1979 in Brüssel den NATO-Doppelbeschluss." Dafür bekommen heute noch Leute Preise, sind Helden und werden museal gehuldigt. Da fällt mir nicht`s mehr ein!

Streifzug 01.08.2011 | 10:38

Lieber weinsztein,

du schreibst:

"... stand die noch recht junge DDR vor der Frage, ein großes gesellschaftliches Experiment aufzugeben oder eine Mauer zu bauen."

Meiner Meinung nach, ich habe es schon etwas weiter oben geschrieben, gab die DDR das große gesellschaftliche Experiment auf, als sie eine Mauer bauten.

Der Druck unter dem sie stand (nicht nur sie) ist Fakt. Er wurde natürlich auch mit dem Ziel aufgebaut, das mögliche gesellschaftliche Experiment zu zerstören.

Vergleichbar den ökonomischen Zwängen, welche die SPD zu selbstzerstörerischen Maßnahmen wie Hartz IV trieb.

Die Lehre daraus ist enorm wichtig, sollte es jedenfalls sein, denn die kommenden Herausvorderungen, verursacht durch die Bankenkrise, die nun in eine Schuldenkrise der Gesellschaft gewandelt wird, sind enorm.
Magda 01.08.2011 | 10:56

@ weinsztein und Streifzug - das finde ich interessant.
@ weinstzein - Dein Argument haben wir zu DDR -Zeiten, wenn wir die Mauer in irgendeiner Form in uns rechtfertigen wollten, auch verwendet. Und es war auch so, aber es stimmt trotzdem auch das, was
@Streifzug meint.
Es wurde nicht besser mit Mauer - auch wirtschaftlich nicht - und das bekamen die Menschen sehr schnell zu spüren. Es gab dann noch paar Auf's und Ab's, aber die Partei - und Staatsführung war so gewöhnt, ohne Kontrolle und ohne Folgen zu "herrschen", dass keine wirklich glaubhafte Aufbruchstimmung entstehen konnte. Darüber will ich auch mal schreiben.
Und aus dem Umgang mit der DDR kann man - im Nachhinein - noch einiges lernen.

apatit 01.08.2011 | 10:58

koslowski, “Wer meint, dagegen sollten nicht die Millionen Toten eines vielleicht durch sie vermiedenen Dritten Weltkriegs aufgerechnet werden, mag um des lieben Friedens willen das letzte Wort behalten.“
Ist das Blut von tausenden Vietnamesen oder Chilenen weniger Wert als das von den Mauertoten? Eine grenzwertige Frage, deswegen würde ich mich sehr zurückhalten mit Huldigung und Preisen, die manche bekommen und meinen, da einen Unterschied herausarbeiten zu müssen! Da ist bei mir die Kotzgrenze erreicht. So ein Unsinn ist das nicht!

Magda 01.08.2011 | 11:03

"Die DDR hielt Millionen Andersdenkender im Knast: in der DDR eben."

Alle Länder des Ostblocks hatten absolut dichte Grenzen. Nur die DDR wird hier andauernd als das "Reich des Bösen" gebasht, weil Westdeutschland sich als Sieger fühlen will.

Was Sie Stalins Expansionsdrang nennen, hatte seine Ursache im Einmarsch der Hitlerarmee in die Sowjetunion. Die Sowjetunion hat die Hauptlast dieses Krieges getragen, mit Millionen Opfern.
Dass Stalin in "Einflussgebieten" dachte und dabei auch mit der "Ostzone" pokerte -das war unbestritten seine Politik. Bei Ihnen habe ich das Gefühl, Ihnen wäre es doch lieber gewesen, Hitler hätte die "bolschewistische Bestie" besiegt.

Nebenher: Es gab auch in der Sowjetunion eine Entstalinisierung, die Politik wurde pragmatischer. Aber es war nun mal ein Kampf zwischen zwei Systemen.

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Ehemaliger Nutzer 01.08.2011 | 12:01

@Richard der Hayek,

zwischen uns beiden besteht das Problem, dass ich von Tatsachen spreche und Sie Verleumdungen und Verdächtigungen betreiben.
Woher nehmen Sie die dreiste Lüge, dass Stalin Expansion betrieb.
Die Sowjetunion ist von Nazi-Deutschland grundlos überfallen worden, sie hat sich gewehrt und das Resultat waren 50 Millionen Tote, die meisten hatten aber die Völker der Sowjetunion zu beklagen. Und die Täter, also die Kriegsverbrecher und Schreibtischmörder dieser Tragödie, machten sich in der BRD einen Bunten, d.h. sie wurden kaum angeklagt.
Es ist doch zu verstehen, dass diese Völker jetzt sehr mißtrauisch in Richtung Westen sehen. Solch eine Tragödie werden sie sich nicht wieder gefallen lassen und das ist auch berechtigt.
Wer jetzt Russland angreift, wird sich gewaltig die Finger verbrennen.
Wer hat den die meisten Stützpunkte in der Welt?
Wer hat den die meisten Länder überfallen und dort für sich Diktatoren eingesetzt. Wer setzt sich über alles Recht in der Welt hinweg.
Wer mißachtet selbst Menschenrechte, fordert sie aber von anderen.
Alle diese Dinge und noch viel mehr finden wir doch im Westen, besonders bei seinem Vorbild den USA.
Wer exportiert denn Mordwaffen in alle Herren Länder, obwohl es in Grundgesetz verboten ist?
Sie beweisen, dass Sie geschichtlich ein Grünling sind, auf der anderen Seite aber selbsbewußt den Rachen aufreißen.
Mit BRD habe ich für Sie einen anderen berechtigten Namen: Bananen Republik Deutschland. Der paßt besser zu diesem menschenfeindlichen und korrupten System.

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Ehemaliger Nutzer 01.08.2011 | 12:06

@ J-AP

>>>innere Konsequenz der Logik der Blockkonfrontation

Genau. Von diesem Punkte ausgehend kann aber die antikommunistische Pressure Group im "wiedervereinigten" Deutschland nicht mehr arbeiten. Daran hängen öffentliche Posten, Parteiprogramme, bequeme Biografien, Grundbuchstreitigkeiten,....

>>>So schwachsinnig es ist, sie, wie Fülberth, zu einer Art nationalpädagogischem Programm zu verklären

Ich lese den Artikel von Fülberth anders. Er zeigt die Dialektik des geschichtlichen Prozesses, in dem er die Wirkung des "Mauerbaus" auf die bundesdeutsche Geschichte zeigt. An keiner Stelle behauptet Fülberth, dass die Mauer mit der Absicht gebaut worden sei, ein "nationalpädagogisches Programm" zu verwirklichen.

>>>Da gab es nämlich auch Leute, die nicht von Ost nach West geflüchtet sind, sondern von West nach Ost aufgebrochen waren in den Jahren 1946/47

Vor allem nach dem KPD-Verbot 1953 in der BRD sind viele Bürger der Bundesrepublik in die DDR gekommen. Manche sind dann nach 1968 (Gründung DKP) wieder in die Bundesrepublik zurück, manche aus kommunistischem Idealismus/ Pflichtbewusstsein, manche als 5. Kolonne des MfS, manche zutiefst enttäuscht vom real existierenden Sozialismus. Diese Biografien sind mit dem weiter oben vom Gegensatzpaar Matto/ Hayek dokumentierten Schema nicht zu fassen.

>>>Welche im weiteren Sinne biographischen Konflikte später daran und darum ausgetragen wurden, wurde mir erst lange nach der »Wende« klar.

Diese "biografischen Konflikte" haben eine Intensität, die in den Massenmedien nicht präsent sind und von denen der konventionelle "Wessi" nicht einmal ahnt, dass es diese gibt. Diesen Konflikten und den daraus resultierenden Erfahrungen Respekt zu zollen, ist der obengenannten "Pressure Group" auch nicht möglich.

20 Jahre nach der Wende muss ich mir weiterhin täglich eine Propaganda von Leuten anhören, die nichts gelernt haben. Das Spiegelbild sind dann jene "Ossis", die die DDR mit sehr simplen Bildern verteidigen.

Fülberth bietet Ansatzpunkte, sich dem "Mauerbau" als einem historischen Ereignis zu nähern, ohne endlos weiter Rohstoffe für ein "Mauergewerbe" abzubauen. Die Mauer ist einfach alle, die Ressource ist erschöpft.

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Ehemaliger Nutzer 01.08.2011 | 12:19

@ GeroSteiner schrieb am 31.07.2011 um 22:18

>>>Wie war das denn nun mit dem "Schwarzen Kanal" von Karl Eduard von Schnitzler, den man in der DDR nur "Karl Eduard von Schni" nannte

Den Namen kannte ich noch nicht. Es war einfach der "Sudel-Ede".

Sein "Schwarzer Kanal" war natürlich eine Überdosis, die bei regelmäßiger Einnnahme zu schweren Halluzinationen über den Zustand der Bundesrepublik führte.

Aber die bundesdeutschen Medien gaben ihm doch auch reichlich Stoff.

Krish 01.08.2011 | 12:49

Man muss diesem Artikel den Vorwurf machen zu eurozentristisch zu sein. Sicher war der Bau der Mauer die endgültige Zementierung der innerdeutschen Grenze. Die beiden Berlin-Krisen zeigten, dass in Deutschland der Status-Quo nicht zu verändern war.

Am Rande des Atomkriegs war man aber viel eher in Kuba ein gutes Jahr später. Die Opfer dieses Krieges starben vor allem in der von Ihnen nur beiläufig erwähnten "Dritten Welt", zum Beispiel im asiatischen Vietnam. Man sollte sogar besser sagen "sterben", denn der orangene Agent tötet noch heute.

Der Mauerbau war sicherlich ein wichtiger Moment des Kalten Krieges, aber eben mehr auch nicht, anders als man nach dem Lesen Ihres Artikels glauben könnte. Und ihr Bild des Mauerbaus als "Friedensprojekt" ist nicht nur zynisch wegen der zahlreichen Menschen die beim Versuch sie zu überqueren starben. Er ignoriert, dass der Druck, der an der innerdeutschen Grenze nicht entweichen konnte, sich mit voller Wucht in Vietnam und unzähligen weiteren außereuropäischen Staaten entlud, die als Schlachtfeld des Systemkonflikts missbraucht wurden und die zum Teil noch heute darunter leiden...

GeroSteiner 01.08.2011 | 14:32

@Magda
@ed2murrow

Ich bin mit meiner Einschätzung von der eher zu vernachlässigenden Wirkung des RIAS doch falsch gelegen. Daraus resultierten meine beiden obigen Kommentare.

In meiner Berliner Zeit bis 91 war der RIAS einfach nicht mein Sender. Ich will auch nichts relativieren, aber dass das Hören von Radiosendern mit Strafe belegt war, ist für mich noch nie nachvollziehbar gewesen, weil mich so etwas nicht gestört hätte, genauso wenig wie der Umstand, dass jemand von einem Radiosender in seiner Meinung zu irgendwas beeinflusst werden könnte. Dies liegt vielleicht daran, dass ich Karl Eduard von Schnitzler (Sudel-Ede) genausowenig ernst genommen habe, wie alle anderen Hetzer.

Eben fand ich zur Geschichte des RIAS einen Artikel von Dietrich von Thadden, der am RIAS Berlin von 1983 bis 1986 das Nachrichten-Ressort geleitet hat: "Viele prominente deutsche Journalisten haben ihr Handwerk beim RIAS gelernt, wie z. B. Jürgen Graf, Peter Schulze, Egon Bahr, Klaus Harprecht, Claus Bölling, Richard Löwenthal oder Friedrich Luft. Den Machthabern in Ostberlin war RIAS natürlich immer ein Dorn im Auge. In der DDR wurde RIAS-Hören zeitweise schwer bestraft und es gab Propagandasprüche wie: „Enten haben kurze Beine, RIAS hat besonders kleine“ oder „Der RIAS lügt – die Wahrheit siegt“ oder „Stellt Dein Nachbar RIAS ein, sag energisch: Lass’ das sein“ oder „Im RIAS kommt erst die Musik und dann die Hetze für den Krieg“ oder „Am Lügengift aus RIAS’ Munde ging mancher arme Tropf zugrunde“."

Unwissenheit schützt vor Strafe nicht, lesen kann helfen, ja,ja; aber mir war bis eben tatsächlich nicht bewusst, dass die Sende- und Programmaufsicht für Rias Berlin beim „United States Information Service“ lag. RIAS war für mich gefühlt "öffentlich rechtlich", aus welchen Gründen auch immer. Daher meine eher lockere Einschätzung.

Dietrich von Thadden schreibt, dass "Die ausschließlich deutschen Arbeitnehmer wurden vom US Außenministerium bezahlt und unterlagen amerikanischem Arbeitsrecht. Erst Mitte der 50er Jahre beteiligte sich die Bundesregierung an den Kosten. Die deutschen Journalisten wurden in der ersten Zeit von amerikanischen Kontrolloffizieren genau beobachtet. So mussten die Texte aller Nachrichtensendungen vor Sendebeginn vorgelegt werden. Die Sieger trauten den Besiegten zunächst keineswegs."

Seht bitte meine Kommentare im oben umrissenen Kontext. Das musste ich dazu noch loswerden.

Magda 01.08.2011 | 14:56

Das mit der USIA wollte ich nicht schreiben, weil ich dachte, das ist bekannt.
Es gab dort auch eine MC Carthy Zeit.
So ist z. B. der Claus Bölling, der später in der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik bei der DDR residierte, in den 50er Jahren beim RIAS rausgeflogen, weil er Mitglied der KP war.

Nichtssdestotrotz - sie hatten gute Literatursendungen. Hans Georg Soldat war da verantwortlich und der hat später - als der RIAS mit dem ostdeutschen Kultursender (Name vergessen) zusammengegangen ist - sich davon empört abgewandt. Teils verstand ich ihn, weil so ein "Schwenk" auch ziemlich hart ist, aber dann fand ich ihn auch borniert.

www.hgsoldat.de/artikel.htm
Aber lesen tue ich ihn noch immer gern.

gweberbv 01.08.2011 | 15:28

@weinsztein

"Was vor der Mauer die Bundesrepublik an Kosten für Bildung und Berufsausbildung einsparte, ging in Hunderte Milliarden."

Hunderte Mrd sind selbst heute ein stolzes Sümmchen. In den 50ern umso mehr. Vermutlich mehr als der gesamte Bundeshaushalt seit Gründung der BRD bis zum Mauerbau.

"Explodierte in den 70-ern nicht die Zahl der Studentinnen und Studenten, weil es endlich immer mehr Kinder aus Arbeiterfamilien an die Unis schafften?"

War das in Frankreich oder den USA anders? Die Ausweitung der universitären Bildung über die Elitenzirkel hinaus, ist doch kein deutsches Phänomen. Das fand überall statt.

GeroSteiner 01.08.2011 | 16:18

Am 25. Juni 1992 beschlossen die Ministerpräsidenten der Länder, den Sender RIAS 1, den DeutschlandFunk und DS-Kultur in einen nationalen Hörfunk zu überführen. Ausgenommen davon war der Sender RIAS 2, der seit dem 1. Juni 1992 als Berliner Privatsender R.S. 2 sendet. R.S. 2 wird ausschließlich durch Werbung finanziert. en dann als Letzte im Dezember 1993 den Staatsvertrag zum DeutschlandRadio, das heute mit zwei Programmen aus Berlin und Köln sendet. Das DeutschlandRadio kommt aus Berlin, der DeutschlandFunk kommt aus Köln.

GeroSteiner 01.08.2011 | 16:20

Jetzt nochmal als ganzen Satz...
Am 25. Juni 1992 beschlossen die Ministerpräsidenten der Länder, den Sender RIAS 1, den DeutschlandFunk und DS-Kultur in einen nationalen Hörfunk zu überführen. Ausgenommen davon war der Sender RIAS 2, der seit dem 1. Juni 1992 als Berliner Privatsender R.S. 2 sendet. R.S. 2 wird ausschließlich durch Werbung finanziert. Die Landesvertretung von Thüringen unterschrieb dann als Letzte im Dezember 1993 den Staatsvertrag zum DeutschlandRadio, das heute mit zwei Programmen aus Berlin und Köln sendet. Das DeutschlandRadio kommt aus Berlin, der DeutschlandFunk kommt aus Köln.

Magda 01.08.2011 | 17:38

Ja, aber ...

"Während RIAS und DLF wesentlich durch die Zeit der Teilung geprägt waren, wurde DS Kultur im Sommer 1990 ins Leben gerufen.
Hervorgegangen ist er aus den Programmen Radio DDR II und Deutschlandsender.
DS Kultur sollte als Reformsender des demokratischen Umbruchs den staatlich gelenkten Rundfunk der DDR ablösen. Am 16. Juni 1990 nahm der DS Kultur mit Sitz in Berlin seinen Betrieb auf. Gegründet wurde das Programm auch mit Unterstützung des "Runden Tisches", eines quasi-parlamentarischen Gremiums, das sich aus alten und neuen politischen Kräften ostdeutscher Provenienz zusammensetzte.

www.dradio.de/wir/index%20Info/737492/
Hier ist noch ein Link zur Geschichte.

Das waren verrückte Zeiten. Und da stießen tatsächlich Welten aufeinander. Ich war nicht beim Rundfunk, hatte aber eine Bekannte, die dort arbeitete. Musste Dir mal vorstellen, RIAS und der bekämpfte Ostfunk. Da haben sie was zusammengeschmissen. Und am Anfang war das Programm auch absolut Mist. Auch viel beleidigter Ost-Mist.

Magda 01.08.2011 | 19:51

Hör bloß auf, da fallen mir meine eigenen "Sünden" ein. Ich hatte die alten Genossen - immer wenn sie warnten - dauernd im Verdacht, dass die sich nur retten wollen als sie die Folgen dieser schnellen Einheit beschworen. Sie hatten Recht, viele Bürgerrechtler, die heute ganz anders drauf sind, hatten Recht. Ich selbst war eher der Meinung, eine deutsche Einheit erspare viel Chaos und wirken könnte man dann auch in einem Gesamtdeutschland.
Es hätte ein anderer Einheitsprozess stattfinden müssen. Ganz anders, aber ich behaupte nicht, dass ich das alles so glatt gesehen habe.

GeroSteiner 01.08.2011 | 20:43

@ed2murrow
Besten Dank. Für mich der Kernpunkt aus dem Essay von Lutz Herden:
"Fataler- oder bezeichnenderweise entsteht beim Rückblick auf die hier rekapitulierten medienpolitischen Weichenstellungen der Jahre 1990/91 der Eindruck, es habe auch auf diesem Feld keine Alternativen gegeben. Wohl werden bis heute allenthalben Verluste und Fehlentwicklungen beklagt, andererseits jedoch als unvermeidliche Konzession an herrschenden Zeitdruck und bestehende Machtverhältnisse schöngeredet. Jedes Alternativkonzept steht sofort im Geruch des Illusionären, der utopischen Träumerei, des Irrealen. Insofern läßt sich über die Wiedervereinigung in Sachen Rundfunkwesen nur das gleiche wie über den rasanten Vollzug der Wirtschafts- und Währungsunion oder die Brachial-Privatisierungen und Liquidierungen in der ostdeutschen Industrielandschaft durch die Treuhandanstalt sagen.
Was aus der DDR kam und mit ihrem politischen, ökonomischen und Rechtssystem in Verbindung stand, hatte zu verschwinden."

ed2murrow 01.08.2011 | 21:29

@ GeroSteiner

"Was aus der DDR kam und mit ihrem politischen, ökonomischen und Rechtssystem in Verbindung stand, hatte zu verschwinden."

Ich hatte diesen Satz im Hinterkopf, als ich den Kommentar schrieb, der zu Beginn des Kommentarastes steht. Auch der Kalte war ein Krieg, was in der Wiedervereinigung in Teilen exekutiert wurde, war ein Sieg (das halte ich wertungsfrei als Tatsache fest!). Und das spielte sich in Gutteilen auf bürokratischer Ebene ab. Für mich also ein Grund mehr, den menschenverachtenden Duktus im Schlußsatz des Artikels zu kritisieren, besieht man ihn vom Ergebnis.

koslowski 02.08.2011 | 14:27

@Weinsztein 04:05

Lieber weinsztein,
es lohnt sich, die "Erklärung der Historischen Kommission der Partei DIE LINKE" zu lesen ( bit.ly/rcprkQ ), die zur "Legitimität" des "großen gesellschaftlichen Experiments" das sagt, was aus der Sicht historisch informierter demokratischer Sozialisten heute dazu gesagt werden muss. Fülberth vertritt die traditionelle Lesart der DKP und jener Gruppen in der Partei DIE LINKE, die nichts dazu lernen will.

Zu deinen anderen Punkten: Da machst du den Fehler, Phänomenen, die in einem zeitlichen Zusammenhang stehen, einen kausalen Zusammenhang zu unterstellen. Die Bildungsreformen der 70er Jahre haben mit dem Mauerbau nichts zu tun, eher schon der Import sog. "Gastarbeiter" und der Einstieg in die Transformation der BRD in eine Einwanderergesellschaft. Wenn der Mauerbau indirekt irgendwelche positive Effekte auf Politik und Gesellschaft Westdeutschlands gehabt haben sollte - würde das etwas am historischen Urteil über den 13.08.61 ändern? Und schließlich die 68er: Mich hat die Liquidierung des "Prager Frühlings" durch Truppen des Warschauer Pakts ebenso empört und politisiert wie der Krieg der USA in Vietnam oder die Notstandgesetze. Die DDR mit ihrer Mauer war für die Agitation revolutionsbewegter Studenten eine schwere Belastung. Als ich mit anderen vor dem Werktor der Hohwaldt-Werft in Hamburg Flugblätter verteilten, wurden wir vom Proletariat verprügelt und es riet uns, doch nach drüben zu gehen, wenn wir Sehnsucht nach dem "Sozialismus" hätten.
Gruß
Koslowski

koslowski 02.08.2011 | 15:18

@j-ap 12:34

Nach meiner Erinnerung richteten sich unsere Flugblätter, die vom ASTA der Uni Hamburg produziert worden waren, gegen die Berichterstattung der Springer-Presse über das Attentat auf Dutschke. Es muss im Frühsommer 1968 gewesen sein. „Sozialismus“ war auf diesen Flugblättern eher eine Metapher für eine andere Gesellschaft als die der BRD, kein Begriff, mit dem ich konkrete politische und ökonomische Vorstellungen verband. Klar war mir nur, dass diese andere Gesellschaft mit der der DDR nichts zu tun haben und die uneingelösten Versprechen der bürgerlichen Gesellschaft verwirklichen würde. Ich war damals Kennedy-Fan, wurde nach dem 21.August 1968 Fan des Prager Frühlings und trat 1969 in die SPD ein ( zu der sicher auch viele der prügelnden Howaldt-Arbeiter gehörten). Sie sehen: Ich war damals etwas konfus und auf der Suche nach Sinn jenseits von Adenauer und Ulbricht. Eine gute Zeit, alles schien möglich. Der Untergang von SU und DDR allerdings nicht, deshalb SPD, weil sie eine neue Ostpolitik auf den Weg brachte, mehr Demokratie wagen, den Sozialstaat ausbauen und die Bildung zum Bürgerrecht machen wollte. Pardon, ich komme vom Thema ab.
Gruß
Koslowski

zelotti 02.08.2011 | 16:32

Der 68er Mythos ist natürlich falsch. 1968 stand die NPD vor dem Einzug in den Bundestag, es sah nach Rechtsruck aus, und die Presse beschimpfte die 68er. Aber die 68er haben den Elitendiskurs dominieren können und sich durchsetzen. Das ging vielfach mit großem Geschrei vonstatten und morschen Traditionen wurde der Rest gegeben. Die Mauer war insofern hilfreich, als der Osten diskreditiert war und nicht mehr als Bedrohung wahrgenommen werden konnte. Der linke Student war eben nicht mehr der Ostagent und mit der neuen Linken konnte die DDR nichts anfangen. Die DDR war ausgeblendet.

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frauvongutenberg 03.08.2011 | 22:31

Oh, ihr armen in diesen alt-stalinistischen Begrifflichkeiten verstaubten Leute, wie ihr eure ideologische Verbohrtheit lebenslänglich aushalten und euch ständig mit den alten SED-Stasi-Hits beschallen müsst :

"Die Wahrheit besteht darin, dass die Mauer Westdeutschland zur Selbstprüfung zwang".

Und als Krönung erheben sich dann noch die Originalmitläufer aus ihren Zombiegrüften und playbacken sich durch die Kommentare:

"Gerade Westberlin hat auf Kosten der DDR in Saus und Braus gelebt".

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Ehemaliger Nutzer 05.08.2011 | 13:09

@ koslowski schrieb am 02.08.2011 um 13:18

Das Pendant zum Einmarsch der Roten Armee in Prag ist für mich nicht der Vietnam-Krieg, sondern das Halten Italiens im NATO-Block.

Beide Systeme reagierten auf Ihre Art repressiv, als sich in Prag und in Rom Alternativen zur jeweiligen Blockmitgliedschaft realisieren wollten.

Dass die Ereignisse in Italien in der Öffentlichkeit nicht ähnlich negativ erinnert werden wie die in Prag, hat nichts mit den konkreten Ereignissen zu tun, die waren brutal identisch, sondern mit der besseren Propaganda des Westens.

Ich schreibe das noch einmal bewusst vereinfachend und ohne das Besserwissen der Gegenwart, um deutlich zu machen, dass es in der harten Realität der politischen Auseinandersetzung des Kalten Krieges realistische und idealistische Ansatzpunkte gab, eine "Mauer" gegen den Zugriff des kapitalistischen Machtapparates zu unterhalten.

Von diesen harten Realitäten sehen diejenigen gern oder leichtfertigerweise ab, die nur ein Buch darüber schreiben oder kommentieren, sich selbst aber glücklicherweise aus diesen Auseinandersetzungen heraushalten konnten.

Es ist ein großes Glück und letztlich ein historischer Zufall, dass die Mauer auf diese populäre und unterhaltsame Weise fiel. Es hätte viel schlimmer kommen können.

Auch den Realismus der DDR-Führung und des DDR-Machtapparates sich seinem Untergang zu ergeben, zu würdigen, könnte ein Ansatzpunkt für eine politische Alternative zur allfälligen "Befreiung der DDR durch die BRD" sein.

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Ehemaliger Nutzer 05.08.2011 | 13:35

@ Matto

So ein >>>Stuss, wie Sie behaupten ist der Gedanke von "Krish" keinesfalls.

An der direkten Grenze zwischen Warschauer Vertrag und NATO in Europa, war klar: Jedes Überschreiten der Grenze führt zum Welt-Krieg. An anderen diffuseren Grenzen aber konnte regionale Kriege geführt werden, ohne das diese unmittelbar zur globalen Eskalation führten.

"Krish" vereinfacht allerdings die Lage an der direkten Konfrontationslinie NATO/ Warschauer Vertrag. Jedes Überschreiten dieser Linie, auch das Nichtmilitärische, wurde von beiden Seiten immer als Mittel im "Kalten Krieg" betrachtet. Insofern konnte es nie einen "normalen" Grenzverkehr geben, solange es die Mauer gab. Die Forderung danach, so harmlos sie daherkam, barg immer das Ende von DDR und BRD in sich.

Die daraus entstehende neue politische Situation "Deutschland" war von 1945-1989 politisch nicht möglich. Vielleicht wäre sie schon 1987 möglich gewesen, oder 1988 aber früher keinesfalls. Dass wir diese Zeit ohne einen Krieg in Europa überstanden haben, wäre der Ausgangspunkt einer politischen Diskussion, die mehr wäre als das fortdauernde öde Geschwätz, wer für oder gegen die "deutsche Einheit" war.

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Ehemaliger Nutzer 11.08.2011 | 11:01

Gestern abend, 19.15 Uhr, auch im DLF gab es ein Gespräch zum Thema "Mauer". Die Zusammenstellung der Gesprächspartner ließ nur das übliche Repetieren erwarten.

Eberhard Diegen, Marianne Birthler, Michael Stürmer, Jakob Hein, Günther Schabowski hatte "aus gesundheitlichen Gründen" abgesagt.

Warum Jakob Hein dabei war, weiß ich nicht, er hatte nichts oder nur banale Sachen zu bemerken, die anderen brachten das übliche.

Diepgen hatte erkannt, dass die Argumentation, die "Mauer" auch als Ergebnis des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion zu verstehen, nicht ohne Weiteres wegzuwischen ist. Er konzentrierte sich darauf Gesine Lötzsch zu diffamieren und nahm durch seine bedächtigte Redeweise sehr viel meiner kostbaren Zeit in Anspruch ohne meinem Hirn neuen Denkstoff zu geben.

Ich habe sehr gelitten.

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Ehemaliger Nutzer 12.08.2011 | 00:06

@ Magda

>>>Ach nicht nur bei diesem Thema, denke ich.

In dem Falle ging es nicht nur um das Thema, sondern um diese üble Taktik von Diepgen, Zeit zu schinden. Sie kennen das bestimmt auch: Man weiß schon was der Redner sagen wird, aber er flicht noch eine Arabeske und noch eine Floskel ein und zieht das Ganze endlos in die Länge. Das ist für das denkende Hirn eine Zumutung, denn es braucht doch Stoff zum Denken und bekommt nur Luft.

Wenn einer einen Gedanken schon oft geäußert hat und den immer wieder äußert, bemerke ich das am sogenannten "Anschmatzen". Der Redner befeuchtet sich die Lippen und den Gaumen mit Speichel, schmatzt dann kurz an, der Meister nutzt dazu auch die Polypen im Nasen-Rachen-Raum, und beginnt zu labern. Diepgen ist so ein Typ.