Elke Wittich
Ausgabe 1016 | 14.03.2016 | 06:00 25

Arme gegen Arme

Sozialneid Lebensmittel für Bedürftige werden bei den Tafeln knapper. Wegen der Flüchtlinge, heißt es

Am liebsten spendet die Bundesbürgerin das, was ohnehin wegmuss. Kein Kleidungsstück ist zu unmodern, um nicht in einer Sammelstelle zu landen. Bestimmt freut sich jemand anderes wahnsinnig darüber, es zu tragen. Wer arm ist, soll dankbar sein. Wer arm ist, hat kein Recht darauf, sich nach der Mode oder dem eigenen Geschmack zu kleiden. Das gilt natürlich auch für Flüchtlinge, berichtete neulich eine Freundin. Sie brachte eine fast neue Markentasche zu einem Spendepunkt, wo ihr eine Helferin erklärte: „Die Tasche ist doch viel zu gut zum Abgeben.“

Bedürftige übernehmen eine wichtige gesellschaftliche Funktion: Irgendwo müssen die Reste unseres Überflusses ja hin! Ungeliebte Kleidungsstücke direkt in den Müll zu werfen, ist nicht gut für die Ökobilanz. Mit dem Essen verhält es sich ähnlich. Wer selber nichts hat, soll oder muss halt das verzehren, was die anderen nicht mehr haben wollen. Was gar nicht geht: dass jemand im Spendenpullover und einer (eh nie richtig en vogue gewesenen) Spendenjeans in einen Supermarkt geht und sich mit Lust auf ein saftiges Steak und frische Bohnen die feinen Zutaten einfach kauft.

Schließlich gibt es Organisationen, die diejenigen, die eine schmale Rente, Hartz IV oder andere Leistungen beziehen, rundum versorgen. Wie die 1993 in Berlin gegründeten, heute bundesweit aktiven Tafeln, die jährlich gut über 100.000 Tonnen Lebensmittelspenden verteilen – was nicht immer ohne Skandale abging. Da war zum Beispiel der Inhaber einer Bäckereikette, der erklärte, er denke nicht daran, übrig gebliebene Backwaren an Arme zu verteilen, sondern gebe diese Lebensmittel lieber an einen brandenburgischen Schweinemastbetrieb ab.

Und nun also das: Vor ein paar Tagen hat der Bundesverband Deutsche Tafel eine, gelinde gesagt, unbedacht formulierte Alarmmeldung herausgegeben. Wegen der Flüchtlinge werde das Spendenessen für deutsche Bedürftige knapper. Rund 1,5 Millionen Menschen decken sich regelmäßig bei den Tafeln mit Lebensmitteln ein. Nun kämen mindestens 250.000 Asylbewerber hinzu. Da komme bei denjenigen, die Schlange stehen, die Frage auf, wer „Vorrang bei der Verpflegung“ habe. Prompt empört sich der einschlägige Teil der deutschen Bevölkerung an den einschlägigen Orten – im Internet. Ohne freilich zu thematisieren, dass deutsche Bedürftige, etwa deutsche Obdachlose, von deutschen Mitbürgern ab und an auf deutsche Art zusammengeschlagen oder zu Tode getreten werden. Die Sorge, dass nach „unseren Frauen“ nun auch „unsere sozial Schwachen“ unter den Asylbewerbern zu leiden haben, ist jedenfalls groß.

Verwundert erinnern wir uns an eine Tafel im bayrischen Dachau, die vergangenen Herbst keine Lebensmittel mehr an Geflüchtete ausgab. Die Begründung lautete: Weil die Asylbewerber Geld für Lebensmittel erhielten, sollten sie auch lernen, mit dem Geld umzugehen.

Worüber es noch nie flächendeckend Aufregung gab, ist der Umstand, dass in einem der reichsten Länder der Welt zigtausende Menschen nicht einfach in einen Laden gehen können, um sich die Nahrungsmittel zu kaufen, auf die sie gerade Lust haben. Sondern dass sie in einer Ausgabestelle anstehen und geduldig auf das warten müssen, was für sie übrig geblieben ist – bevor es sowieso im Müll gelandet wäre.

Solange die Lage ist, wie sie ist, hilft tatsächlich nur, zu spenden. Am besten auf eine Art, die wirklich etwas kostet: Geld nämlich. Oder Zeit.

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 10/16.

Kommentare (25)

Michaela 14.03.2016 | 12:56

Die kaufkräftigen Nutzmenschen spenden ca. 50% ihrer Lebenzeit und Lebenskraft der feudalen Oberschicht und jenen die die politisch das Volk verwalten - also den Milliardären, den feudalen Politikmillionären und dem bürokratischen Fußvolk.

25% opfern sie debilen Konsumtriggern die man ihnen täglich ins Hirn hämmert.

Vielleicht bleibt noch ein Viertel des Lebens übrig - ich wage zu behaupten, das sind schon die Kleingewinner der Gesellschaft.

Global gibt es wohl Wenige denen ein Viertel Ihres Lebens für wahre Freude bleibt.

Die meisten Menschen müssen Elend ertragen, damit eine winzige Oberschicht ihre Langeweile vertreiben kann.

Reinhold Schramm 14.03.2016 | 22:01

Die soziale Frage muss ins Zentrum der Politik!

Die Tafeln sind keine sozialpolitische Alternative!

Es bedarf einer nachhaltigen Umverteilung von oben nach unten! Der materielle Reichtum jeder Gesellschaft ist ein Ergebnis der wert- und mehrwertschöpfenden Arbeit der differenziert (technisch-wissenschaftlichen) werktätigen -und meist eigentumslosen- Bevölkerungsmehrheit!

Reinhold Schramm 15.03.2016 | 04:53

"Was sind denn Werktätige?"(Provo., und zu faul selbst nachzusehen.)

Ein Mensch, der durch eigene Arbeit seinen Lebensunterhalt verdient, den Reichtum der Gesellschaft vergrößert und nicht auf Kosten fremder Arbeitskraft, nicht von Ausbeutung anderer lebt. -- Sozial kann ein Werktätiger sowohl der Arbeiterklasse, der werktätigen Bauernschaft, der Intelligenz angehören oder kleiner Warenproduzent sein.

pleifel 15.03.2016 | 09:58

"Die Tafeln sind keine sozialpolitische Alternative!"
Das kann man nicht genug betonen. Die Tafeln sind aber das Ergebnis einer verfehlten Politik und unserer Überflussgesellschaft.

@Elke Wittich: "Worüber es noch nie flächendeckend Aufregung gab, ist der Umstand, dass in einem der reichsten Länder der Welt zigtausende Menschen nicht einfach in einen Laden gehen können, um sich die Nahrungsmittel zu kaufen, auf die sie gerade Lust haben."
und
"Wegen der Flüchtlinge werde das Spendenessen für deutsche Bedürftige knapper."

Beides ist korekt. Es kommt tatsächlich an einzelnen Tafeln dadurch zu Versorgungslücken. Vereinzelt kann der Andrang von den Ehrenamtlichen auch nicht mehr bewältigt werden.

Aber abgesehen von der Menge suggeriert die Formulierung, dass es sich um Lebensmittelspenden im üblichen Sinne handelt. Also hier gibt jemand etwas ab aus Idealismus, Mitleid, Pflichtgefühl usw. und zieht keine Vorteile daraus. Bei den Abgabeunternehmen ist das zumindest heute ein Geschäftsmodell.

Nicht nur, dass sich das gut "verkaufen" lässt und Publicity bringt, nein, die eigene Entsorgung fällt noch weg oder reduziert sich zumindest und kann noch von der Steuer abgeschrieben werden. Also sollte man es auch so nennen wie es ist, nämlich als geschäftsmäßige Lebensmittelentsorgung!

Bingocrash 15.03.2016 | 19:05

Irgendwie schizo. Ich bin der Auffassung, das die Tafeln notwendig sind, absolut.

Andererseits: Diese Menschen, die dort tätig sind, werden irgendwie davon abgehalten, sich gerade um das "Überflüssigmachen" dieser Tafeln zu kümmern, weil es in der superreichen Gesellschaft eine Schande darstellt. Weiterhin werden die Tafeln politisch instrumentalisiert, in der ein oder anderen Weise. Zuletzt der Hinweis darauf, daß die Tafeln mittlerweile (auch bundesweit) eine beachtliche Dimension erreicht haben, es hängen u.a. 450 Euro Jobs dran. Tendenziell handeln die Tafeln so, das sie an dem "Markt" - den es ja irgendwie gibt (wenn auch ohne Geld) - teilnehmen, um SICH SELBST zur dauerhaften Existenz zu verhelfen. Ursprünglich wurden die Tafeln neben der vordergründigen Hilfe so konzipiert, das sie sich selbst überflüssig machen und einen Teil ihrer Kraft zur Abschaffung solcher menschenverachtender Geschichten aufwenden sollten. Stattdessen gibt es einen Bundesverband ...

Politisch gesehen sind Tafeln zur Aufrechterhaltung der bestehenden Verhältnisse (sozialer Abbau, Niedriglöhne usw.) nicht nur erwünscht, sonder werden auch "indirekt" und geheim missbraucht (offiziell: gefördert) durch politische und wirtschaftliche Interessen.

Das sich das untere Drittel der Bevölkerung sich gegenseitig niedermacht (statt sich zu solidarisieren!) - das ist nicht nur ein alter Hut in Deutschland.

Es bleibt dann noch zu klären, woran die Unsolidarität liegt ... aber damit wird wieder ein Zank-Faß aufgemacht wo sich wieder gegenseitig alle in die Pfanne hauen, schon der multiplen Ursachen wegen ...

Ich kann nur hoffen, das diese Hetze nicht allzukrass abläuft, wie sich schon manche wünschen, nämlich, daß die "anständigen Armen" (aber deutsch!) den fiesen Ausländern die Leviten lesen

pleifel 15.03.2016 | 19:24

Gut zusammengefasst!
Es ist für einen Bürger einfacher, seine Schlüsse aus dem ihm/ ihr bekannten Umfeld zu ziehen und die einfachen Lösungen scheinen dann die plausiblen zu sein. Das Große und Ganze ist irgendwie diffus und unereichbar, deshalb versucht man sich gegen die Arbeitslosen abzugrenzen und nun kommen auch noch die Migranten dazu.

Da in den Kommunen an allen Ecken und Kanten gespart werden muss, fällt auch objektiv auf, das Gelder umgeleitet werden (müssen), zumal der Bund nicht adäquat ausgleicht. Dumm ist nur, dass leider zu wenige bemerken, dass sie mit ihrem Verhalten die eigenen Interessen schwächen und an der falschen Stelle ansetzen.

Das Ergebnis ist dann eine AfD, die auch noch in ihrem sogenannten Programm Themen vertritt, die den Bedürfnissen eines Großteils ihrer Wähler völlig entgegensteht. Ein absurdes "Bühnenstück" wird da zurzeit aufgeführt.

Reinhold Schramm 15.03.2016 | 22:26

"Irgendwelche Ideen?"

Ja, aber, alles muss zuvor durch den Kopf! Ohne Theorie und ohne tägliche Praxis: keine Erkenntnis, kein Bewusstsein, keine Richtung und auch keinen Weg! Alles ist mit -persönlicher- täglicher Arbeit verbunden!

Info.-Empfehlung:

Studie zur Herausbildung der marxistisch-leninistischen Theorie der Revolution als materialistisch-dialektischer Entwicklungstheorie und zur Kritik gegenrevolutionärer Ideologien der Gegenwart. Von Otto Finger: Philosophie der Revolution. Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1975.

[Wenn nicht auch schon die letzten Exemplare bei der modifizierten Bücherverbrennung - nach der ostdeutschen Implosion, - über die modernen Verbrennungsanlagen -, nachhaltig beseitigt wurden?]

Jon Doe 16.03.2016 | 11:42

Naja, das liegt teilweise auch an der Politk bzw. die Umsetzung dieser. Um mal ein Beispiel aus meinen Umfeld zu nennen.
Ich gehe einmal die Woche mit unserer Tochter (2 Jahre alt) zum Babyturnen. Momentan ist das Hauptthema in welchen Kindergarten die Kleinen kommen. Wie bekannt sein sollte, herrscht ein Platzmangel. Die Kommune hat es gerade geschafft (Unter Qualitätsverlusten) genug Plätze für alle Kinder anzubieten.
Nun ist Kindergartenplatz nicht gleich Kindergartenplatz. Es gibt Kindergärten die sind Begehrter als andere. So haben viele Eltern Ihre Kinder an den beliebtesten Kindergärten angemeldet welche nun über eine Warteliste die Plätze verteilen. Wer sich als erster angemeldet hat, bekommt eben den Platz, die letzten beißen die Hunde. Das sorgt bisweilen schon für Unmut.
Nun geschah aber folgendes. In unsere Kommune sind viele Flüchtlinge mit Kleinkindern gekommen. In Rahmen der Integration sollen gerade die Kleinkinder in den Kindergarten.
Dafür werden diese bei der Verteilung bevorzugt.

Ich möchte garnicht wiedergeben wie ungehalten die Eltern über diesen Sachverhalt sind.
Das Sozialsystem wurde die letzten 15 jahre massiv geschliefen und nun finden Verteilungskämpfe um die Überreste statt.
Das betrifft nicht nur die Armen sondern eben auch die Mittelschicht, die staatliche Angebote wie Schulen, Kitas usw. nutzt.

Mit der gegenwärtigen neoliberalen Politk, ist die Aufnahme aber auch die Integration von großen Mengen Flüchtlingen ohne eine Spaltung der Bevölkerung nicht möglich.
Den Bürger vorzuwerfen, das Sie einfach und falsche Schlüsse ziehen, halte ich für vermessen. Schließlich wird der neoliberale Kurs von allen Parteien getragen.

pleifel 16.03.2016 | 12:28

Sie führen ja selbst die Gründe auf, warum bereits ohne die Flüchtlinge die Probleme entstanden sind. Ihr Beispiel mit dem Kindergarten betrifft aktuell auch die Situation bei meinem Enkel.

Den Bürgern ist aus meiner Warte nur vorzuwerfen, dass bereits vorhandene Mängel, die sich auch in anderen öffentlichen Bereichen zeigen, nicht bei den Flüchtlingen abzuladen, sondern die wahren Verantwortlichen "anzugreifen". Eine Folge daraus, wenn auch keine angenehme, ist die Existenz der AfD.

Richtig ist natürlich, dass diese vorhandenen Mängel nun durch die Flüchtlinge offensichtlicher und unerträglicher werden. Noch aber könnte die Politik dem begegnen, wenn sie, was auch längst binnenökonomisch aufgrund der Nachfrage angebracht wäre, eine Investitionswelle lostritt, die längst überfällig ist.

Über eine Aufstellung der Prioritäten dürften wir leicht Einigung erzielen, denke ich mal.

Jon Doe 16.03.2016 | 13:19

Natürlich könnte die Politik mittels einer Investitionswelle eingreifen aber das wird Sie nicht machen. Im Gegenteil, werden die Kosten durch die Massenmigration ohne ein mehr an Finanzmitteln den Ländern und Kommunen aufgedrückt werden, so das dieser Verteilungskampf noch unerträglicher wird. Dies wird dann natürlich der AfD weiteren Vorschub liefern.
Was als Gegenpol gebraucht werden würde, wäre eine starke Linke in Form einer aktiven und mutigen SPD, die auf die Belange der Bevölkerung eingeht um sich um eine echte soziale Alternative bemüht. Die ist aber erstmal nicht in Sicht, dementsprechend stehen nun unsoziale Zeiten an.

Wenn die Bessergestellten sich dem Solidarsystem verweigern, warum soll den dann die schwindende und unter Druck geratene Mittelschicht sich um die sozial Schwachen kümmern?
Nein, eine linke Alternative hatte Ihre Chance, nun ist sich jeder der Nächste...

pinats 16.03.2016 | 17:01

was für ein tendenziöser, gelinde gesagt: ignoranter artikel!

da werden die zuwendungen für die tafeln nicht erhöht, obwohl eine viertel million menschen hinzukommen, von denen die meisten essensgeld oder, so sie in einer unterkunft leben, vollverpflegung erhalten. die tafeln machen auf diesen umstand aufmerksam und meinen, dass irgendwann das essen alle ist.

und die autorin hat nichts weiter hinzuzufügen, außer das d ja ein reiches land ist. liebe elke wittich, habe sie außer moral und ideologischer abwehrreaktion, die jede kritik entweder in die diskriminierende ecke stellt oder als menschenfeindlich verunglimpft, eigentlich etwas zu bieten? sie ändern die realistische lage mit ihrem artikel nicht, schon gar nicht mit lächerlichen sprüchen, dem reichen ländle. wer ist denn reich in d? und können sie eine sozial verträgliche umverteilung in der nächsten woche bewerkstelligen? nein? dann lassen sie ihre dämlichen theses von der gleichheit aller menschen und dem wohlstand für alle quatsch. denn war einmal. und märchen sollte man nicht in nachrichtenzeitungen lesen.

Reinhold Schramm 17.03.2016 | 00:21

Nein!

In der Praxis sehe ich das z. Z. nirgens auf der Welt [großflächtig? - auch nicht kleinflächtig] funktionieren! Auch nicht auf regionaler und nationaler Ebene. Der historische Realsozialismus wurde -weltweit- ökonomisch, ideologisch und gesellschaftspolitisch, erfolgreich von den Antikommunisten im Realsozialismus und der internationalen Administration der Bourgeoisien vernichtet!

Ein realer und zugleich objektiver -bisheriger und weltweiter- Sieg der Monopol-Bourgeoisien und deren gesellschaftspolitischen Administrationen -- des (moralisch:) mörderischen Finanz- und Monopolkapitals!

Mit diesem Wissen gilt es den Kampf gegen das Kapital und die Administration [der Bourgeoisien, des Finanz- und Monopolkapitals] zu führen, zu organisieren, in der Praxis zu realisieren, umzusetzen!

Lethe 17.03.2016 | 10:06

Nun, ich würde das alles etwas anders formulieren, weniger ideologisch, mehr an das Lebensgefühl von Menschen angelehnt, aber im Prinzip sehe ich die Umstände sehr ähnlich. Nur ziehe ich andere Schlussfolgerungen. Während ich Ihre Ausführungen als eine Art Appell à la Es hat noch nie funktioniert, lasst es uns also mit noch mehr Ernsthaftigkeit weiter versuchen verstehe, denke ich mir dass es noch nie funktioniert hat und auch nie funktionieren wird, so dass es auch nicht mehr versucht werden müsste. Es sei denn, es tauchte ein politisches Genie auf, dem es auf wundersame Weise gelingt, sowohl die ausbeuterischen Sachverhalte so transparent öffentlich zu machen, dass niemand mehr das Bewusstsein seiner Ausgeliefertheit verdrängen kann, und zugleich das daraus entstehende Ohnmachtsgefühl für politische Veränderungen nutzbar zu machen, also Leute dazu zu bewegen, an einer Leine zu ziehen, die eigentlich überhaupt nicht miteinander können. Wenn dieses Genie dann noch immun gegen die Verlockungen der Macht wäre, könnte es vorübergehend klappen.

Leider gab es so ein Genie noch nie, und ich kann auch derzeit keines erkennen, noch nicht mal potentiell. Und an crowd oder cloud intelligence glaube ich nicht.

Michaela 17.03.2016 | 12:16

Das "Politosophieren" mag eine unterhaltsame Beschäftigung sein, mehr als Selbstzweck ist sie nicht.

Im Rücken der Gesellschaft erheben sich die verseuchten Quellen, die verseuchten Böden und die völlig verwüsteten Landstriche.

Die Gesellschaft selbst hat sich lange schon entschieden.

Es ist rechtens, das ein einziger Mensch alles und der Rest nichts besitzt.

Es ist naiv zu glauben, eine gerechte, solidarische Gesellschaft wäre möglich, folglich versuchen wir das auch en masse gar nicht, jene die es träumen dürfen froh sein, wenn wir sie nicht psychiatrisieren - sprich unter Drogen gesetzt wegschließen.

Die Gütigen sind werktätig, die Verschlagenen sind ausbeutend, da die Verschlagenen die Gütigen beherrschen, vernichten auch die Gütigen ihre und ihrer Nachkommen Zukunft.

Es ist so schlicht, es ist so einfach - einzig der Irrsinn bedarf des komplexen Konstrukts, da, grinste er uns nackt ins Gesicht, der kollektive Wahn wohl in das komplette Chaos mündete - wobei - was ist Krieg? - nichts anderes - und Krieg herrscht ständig auf dieser Bühne des menschlichen Spiels.

Es bedarf keines Genies - es müsste schlicht jeder Mensch ganz simpel seinen Verstand benutzen, nicht um dummes Zeug anzuhäufen und sich in debile Systematiken einzufügen, sondern um zu versuchen ein kluges Dasein zu fristen, das seinen Nachkommen auch noch die Möglichkeit zur Fortpflanzung und Existenz auf ebensolche Art erlaubt.

Absehbar ist, dass der Massenmensch vollends zum instrumentalisierten, totalabhängigem Wesen wird, ohne jedes Recht an die Gnade der Delete - Taste gekoppelt.

Von den "äußeren" Lebensbedingungen gar nicht zu sprechen.....

Das "Tafelsystem" ist im Grunde schon eine Art Massenfütterung derjenigen, die das Delete ereilte - man wird nicht sofort kompostiert, sondern darf als Müllkonsument noch kriechen, auch als Drohkulisse für diejenigen dienend, die so gerade noch ihre gesellschaftlichen Kaufkraftpflichten erdienen können.

Der Mensch ist entweder als Individuum politisch und sozial - oder aber er ist ein gnadenloser "Wettkämpfer" - als erfolgreicher wird er ebenso "politisch" sein, der er die Regeln gerne bestimmen wird, als erfolgloser wird er schlicht zum Stimmvieh, oder zum Teil der tyrannisierten Horde - ängstlich und demütig sein Leben im Kriechgang zu Ende schleimend.

Ein Weichtier das im Rotz der Mächtigen die letzten Nährstoffe aufnimmt, damit es nicht vorzeitig krepiert!

Solange die Masse feige ist, wird sie hin- und hergetrieben, nach Belieben!

....... schön, die Hälfte der Kriecher hat derzeit noch einen Luxusstall....................... - wirklich schön, wenn man sich so als mündiges Wesen empfinden kann -

witzig, ihr scheint gar nicht zu bemerken, dass schon morgen schlagartig der kleine Wohnzimmerluxus in eine dreckige Baracke umschlagen kann..................... - jenen die es mitmachen mussten, ist das wohl bis heute nicht klar - kaum einer reflektiert, es ist seine eigene Schuld - und wenn sich einer schuldig fühlt, dann nicht, jene Schuld Mitläufer gewesen zu sein, sonder die Schuld nicht gut genug mitgelaufen zu sein!

In diesem Sinne, viel Spaß noch, mögen eure kleinen Wohlstandswaben nicht geschlossen werden - möget ihr jeweils zu den glücklichen gehören, die weiter "feiern" dürfen.

... und ja lesen und nachdenken macht viel Spaß - das kann ich nachempfinden - doch an der simplen Lösung, ändert das nichts.

pinats 17.03.2016 | 19:11

nicht nur der von ihnen als massenmensch bezeichnete homo sapiens wird instrumentalisiert, der reiche und machtvolle handelt auch nach nicht von ihm selbst erdachten mustern, ein herr winterkorn oder müller ist alles andere als mündig. er bekommt (sic!) nur mehr geld, soviel mehr, dass er es an seine unmündige sippe vererben muss.

und zu ihrem wettkämpferdasein: warum glauben sie denn, dass bspw. eine anarchische aktionsgruppe nicht nach wettkampfprinzipien handelt, nicht die gleichen ellenbogenmentalitäten in meeting austrägt?

es geht um verteilungskämpfe, und nennen sie mir mal eine zeit in der geschichte der menschheit, in der es nicht darum ging.

pleifel 17.03.2016 | 19:37

"Infam ist jeder Mensch, der glaubt, ihm stünden mehr Privilegien als anderen Menschen zu!"

Wissen Sie noch wer das geschrieben hat?

"witzig, ihr scheint gar nicht zu bemerken, dass schon morgen schlagartig der kleine Wohnzimmerluxus in eine dreckige Baracke umschlagen kann (...)

Sie langweilen! Ihr Modell mit asketischer Lebensweise (ob das wenigstens zutrifft?) und der Nutzung anderer Wohnungen ist auch nur möglich, weil die "feigen Massen", wie Sie sich erheben über sie zu Urteilen, Ihnen diese zur Verfügung stellen. Oder sollten sie tatsächlich ständig unter freiem Himmel campieren?

Wenn Sie weiter nicht beizutragen haben, dann leben Sie halt ihren "Hippistatus". Ich kann Ihnen da Formentera empfehlen. In der Hauptstadt San Francisco gibt es wenigstens noch die Originale, die mit intelligenten Alternativen neue Formen der Lebensweisen für sich gefunden haben.