Auch Stuckrad unter den Pflichtlektüren

Umfrage Wir wollten von zehn Personen des öffentlichen Lebens wissen, welche Bücher sie im Urlaub lesen und wo
Redaktion | Ausgabe 28/2016 2

Katja Kipping

Welche Bücher nehmen Sie in den Sommerurlaub mit?

Jede Saison dabei: aktuelle Krimis aus der Ariadne-Reihe des Argument-Verlags, feministisch und spannend zugleich.

Wählen Sie die Lektüre passend zum Ferienort aus?

Manchmal. Manchmal schaue ich auch vorher landestypische Filme. Dieses Jahr geht es nach Südkorea. Da hab ich mir vor kurzem den Film Frühling, Sommer, Herbst, Winter … und Frühling angesehen. Zur Einstimmung im Vorfeld.

Ist speziell was für den Strand dabei?

Ob Zug, Strand oder Berge – stehend oder liegend –, da mache ich keine Unterschiede.

Und auch Pflichtlektüre?

So was kenne ich nicht. Lektüre ist doch Genuss und nicht Pflicht.

Wie viele Stunden täglich planen Sie zu lesen?

Mit Kind hab ich mir abgewöhnt, das zu planen. Immer wenn es passt. Manchmal, wenn das Buch sehr spannend ist, wird halt die Nacht durchgelesen.

Lesen Sie E-Books oder schleppen Sie die Bücher mit?

Ich schleppe.

Welches war Ihre schönste Urlaubslektüre?

Peter Weiss: Die Ästhetik des Widerstands.

Katja Kipping ist Vorsitzende der Partei Die Linke

Martin Schulz

Welche Bücher nehmen Sie in den Sommerurlaub mit?

Als gelernter Buchhändler bin ich ja ein manischer Leser, deswegen wird das ein ganzes Bündel sein: unter anderem die Biografie über den türkischen Präsidenten Erdoğan von Çiğdem Akyol. Das aktuelle Buch von Juli Zeh, Unterleuten, die ich nicht nur literarisch schätze, sondern auch wegen ihres Engagements für Bürgerrechte im digitalen Zeitalter, habe ich auch dabei. Dann lese ich nochmals Die Welt von Gestern von Stefan Zweig, weil dort vortrefflich der Epochenbruch im Übergang vom 19. ins 20. Jahrhundert beschrieben ist und vieles hochaktuell klingt. Dann habe ich noch die Geschichte des Westens von meinem Lieblingshistoriker Heinrich August Winkler dabei, der mit dem aktuellen Band nun ja in der Gegenwartsgeschichte angelangt ist.

Wählen Sie die Lektüre passend zum Ferienort aus?

Ja, ich versuche das. Allerdings ist es in meinem Alltag oft so, dass ich an einem Tag in mehreren Ländern bin, und dann klappt das natürlich nicht. Denn an einem Vormittag José Saramago lesen, wenn ich in Lissabon bin, und nachmittags dann Jorge Semprún, wenn ich in Madrid lande, wäre doch etwas zu anspruchsvoll und mindert auch den Lesegenuss.

Ist speziell etwas für den Strand dabei?

Ich gestehe: Strandurlaub entspricht nicht meinem Urlaubsideal. Ich schlafe im Urlaub gern lang, gehe spazieren und gucke mir Museen oder alte Kirchen an. Und dann lese ich jeden Tag viele Stunden, oft, bis mir abends die Augen zufallen.

Lesen Sie E-Books oder schleppen Sie die Bücher mit?

Ich habe überhaupt kein E-Book. Für mich ist es ein sinnliches Erlebnis, ein gedrucktes Buch in den Händen zu halten und es zu Hause im Bücherregal wiederzufinden und auch nach Jahren noch einmal darin stöbern zu können.

Was war Ihre schönste Urlaubslektüre?

Mein Lieblingsbuch ist Jenseits von Eden von John Steinbeck. Aber ich liebe auch Früchte des Zorns, in der aktuellen Flüchtlingskrise ein Buch, das in einer sehr aufwühlenden Art zeigt, mit welchen Entbehrungen und Demütigungen Flüchtlinge konfrontiert sind. Und dieses Buch handelt von Binnenflüchtlingen, die innerhalb der USA umsiedeln. Wie viel schwerer muss es sein, in einen anderen Kulturraum mit einer fremden Sprache und anderen Traditionen zu flüchten? Ein tolles Buch!

Martin Schulz ist Präsident des Europäischen Parlaments

Cem Özdemir

Welche Bücher nehmen Sie in den Sommerurlaub mit?

Bin noch am Ringen mit mir: eher schwere Kost oder was Leichtes. Wahrscheinlich García Márquez, um ihn mit meiner Frau zusammen nochmals zu lesen.

Wählen Sie die Lektüre passend zum Ferienort aus?

Was die Reiseführer angeht, auf jeden Fall. Finde es gut, wenn man die Reise zum Anlass nimmt, mehr über die Geschichte eines Landes oder einer Region zu erfahren.

Ist speziell was für den Strand dabei?

Wohl Asterix, dann kann ich meine Kinder motivieren, auch zu lesen.

Und auch Pflichtlektüre?

Marcel Fratzscher: Verteilungskampf. Warum Deutschland immer ungleicher wird.

Wie viele Stunden täglich planen Sie zu lesen?

Wunsch: zwei Stunden. In Wirklichkeit dann wahrscheinlich eine Stunde.

Lesen Sie E-Books oder schleppen Sie die Bücher mit?

Freue mich immer riesig, wenn ich den Buchdeckel zuklappen und das Buch schon mal in den Koffer zurücklegen kann. Gibt mir ein Erfolgserlebnis, da kann kein E-Book mithalten.

Was war Ihre schönste Urlaubslektüre?

Als Jugendlicher: Yaşar Kemals Ararat-Legende. Vor einigen Jahren: Joseph Roths Hiob.

Cem Özdemir ist Bundesvorsitzender der Grünen

Philipp Felsch

Welche Bücher nehmen Sie in den Sommerurlaub mit?

Ich recherchiere gerade für ein Buch über die großen Erzählungen der Nachkriegszeit. Daher werde ich wahrscheinlich den Fehler machen, gleich ein paar davon in den Urlaub mitzunehmen: Hans Blumenbergs Legitimität der Neuzeit, Herbert Marcuses: Der eindimensionale Mensch, Alexandre Kojèves Einführung in die Lektüre Hegels und so weiter. Unmöglich, das zu lesen. Vielleicht klappt es mit Didier Eribons Rückkehr nach Reims. Das Buch erklärt, warum Eribons Verwandte aus der Arbeiterklasse bis in die 80er Jahre noch Sozialisten waren, jetzt aber Le Pen wählen. Ein Thema nicht nur von französischer Aktualität.

Wählen Sie die Lektüre passend zum Ferienort aus?

Den Wunsch gibt es immer, aufgrund schlechter Erfahrungen lasse ich das inzwischen aber sein.

Ist speziell was für den Strand dabei?

Knausgård steht bei mir noch aus.

Und auch Pflichtlektüre?

Wie gesagt.

Wie viele Stunden täglich planen Sie zu lesen?

So viele wie möglich.

Lesen Sie E-Books oder schleppen Sie die Bücher mit?

Die Bücher.

Was war Ihre schönste Urlaubslektüre?

Tom Wolfes Electric Kool-Aid Acid Test, in London. Ein Lieblingsbuch. Es hatte nichts mit der Stadt zu tun. Ich saß auf einer Bank im Hyde Park, bekam sonst nichts von London mit und konnte nicht aufhören, bis ich fertig war.

Philipp Felsch ist Historiker und Kulturwissenschaftler

Frank Spilker

Welche Bücher nehmen Sie in den Sommerurlaub mit?

Sven Reckers Krume Knock Out, Reiner Stachs Kafka, Michael Chabons Telegraph Avenue.

Wählen Sie die Lektüre passend zum Ferienort aus?

Eigentlich nicht. Eher den Ferienort passend zur Lektüre.

Ist speziell etwas für den Strand dabei?

HF Coltellos Einige Abenteuer und seltsame Begegnungen im Leben des stillen Kommandeurs. Und der neue Stuckrad-Barre.

Und auch Pflichtlektüre?

Der Stuckrad-Barre.

Wie viele Stunden täglich planen Sie zu lesen?

Im Urlaub halte ich es mit den Sozialdemokraten: acht Stunden lesen, acht Stunden saufen. Zwölf Stunden schlafen. Zeitverschiebung inklusive.

Lesen Sie E-Books oder schleppen Sie die Bücher mit?

Ich plane, dieses Jahr meinen dritten Kindle zu zerstören, indem ich ihn in die Gesäßtasche stecke und mich anschließend hinsetze. Im Grunde ist mir aber der Text doch wichtiger als das Medium, in dem er transportiert wird. Und ich schleppe schon allein deshalb Bücher mit, weil ich sie geschenkt bekommen oder gekauft habe.

Was war Ihre schönste Urlaubslektüre?

Der Lanzarote-Band von Michel Houllebecq. Den habe ich auf Lanzarote gelesen, das war dann so eine schöne Verdopplung und außerdem konnte ich die Pornos zu Hause lassen. Im Ernst, am schönsten finde ich, dass man im Nachhinein den Urlaub mit einem Buch verbindet und man sich eher an diese Verknüpfung erinnert als an das Jahr.

Frank Spilker ist Sänger der Band Die Sterne und Schriftsteller

Herfried Münkler

Welche Bücher nehmen Sie in den Sommerurlaub mit?

Schillers Darstellung des Dreißigjährigen Kriegs und Schillers Wallenstein-Trilogie. Mich beschäftigt der Dreißigjährige Krieg als ein „ferner Spiegel“ zum Ordnungszerfall im Nahen Osten.

Wählen Sie die Lektüre passend zum Ferienort aus?

In diesem Fall nicht, aber es wird sicherlich etwas dabei sein, was sich mit Südtirol, seiner Landschaft und seiner Kultur beschäftigt.

Ist auch Pflichtlektüre dabei?

Ich fürchte, dass ein, zwei Bachelor- oder Master-Arbeiten im Gepäck sein werden. Das wird sich vermutlich nicht vermeiden lassen.

Wie viele Stunden täglich planen Sie zu lesen?

Urlaub zeichnet sich bei mir dadurch aus, dass Planvorgaben reduziert sind. Letzten Endes hängt die Zeit für Lektüre vom Wetter und von den Plänen für die Tagesgestaltung ab. Es kann also sein, dass einmal ein halber Tag gelesen wird – und dann auch wieder gar nicht. Das macht die Differenz zwischen Urlaub und regulärem Arbeitsleben.

Lesen Sie E-Books oder schleppen Sie die Bücher mit?

Ich gehöre zu denen, die Bücher mitnehmen und denen das Gewicht der Bücher durchaus nicht unangenehm ist. Bücher begrenzen letzten Endes die Optionen, E-Books machen alles möglich.

Was war Ihre schönste Urlaubslektüre?

Offenbar hatte ich viele „schönste“ Urlaubslektüren, denn es gibt kein Buch, das mir in diesem Zusammenhang spontan einfallen würde. Es kann aber auch sein, dass die seit 30 Jahren immer mitgeführte Lektüre studentischer Abschlussarbeiten eine besonders euphorische Erinnerung an ein Buch blockiert hat.

Herfried Münkler ist Professor für Politikwissenschaft an der Humboldt-Universität Berlin

Marcel Reif

Welche Bücher nehmen Sie in den Sommerurlaub mit?

Das weiß ich noch nicht – entscheide ich kurzfristig nach Gemütslage. Aber sicher Biografien.

Wählen Sie die Lektüre passend zum Ferienort aus?

Nein – nur nach dem voraussichtlichen „Zeitbudget“.

Ist speziell was für den Strand dabei?

Nicht speziell.

Und auch Pflichtlektüre?

Die Autobiografie von Carlo Ancelotti.

Wie viele Stunden täglich planen Sie zu lesen?

Eine Stunde, nach Möglichkeit, am Tag. Abends je nachdem.

Lesen Sie E-Books oder schleppen Sie die Bücher mit?

Schleppe, brauche das haptische Erlebnis.

Was war Ihre schönste Urlaubslektüre?

Karl May als Zwölfjähriger.

Marcel Reif ist Sportkommentator

Nermina Kukic

Welche Bücher nehmen Sie in den Sommerurlaub mit?

Das Walnusshaus von Miljenko Jergović, 613 Seiten lang. Außerdem den Gedichtband Abzeichen aus Fleisch von Faruk Šehić. Beide Bücher empfahl mir ein Freund, der auch Schriftsteller ist und dessen Meinung ich als Freund und Fachmann schätze. Zum Runterlesen und Entspannen werde ich das neue Buch von Johanna Adorján kaufen, habe den Titel vergessen.

Wählen Sie die Lektüre passend zum Ferienort aus?

Ich, Gastarbeiterkind, fahre nach Montenegro und nehme tatsächlich zwei Bücher von Schriftstellern aus Jugoslawien mit. Vergangenes Jahr hat sich das mit Saša Stanišićs Wie der Soldat das Grammophon repariert und Danijela Pilics Sommer vorm Balkan bereits bewährt. Der erste Roman, weil er mir in der Sommerferienidylle die größte Wunde meiner Heimat in derselben noch mal vor Augen führte – ich habe sehr geweint. Und der zweite hat mir aufgezeigt, dass die Emigration einer Altersgenossin von Jugoslawien in das Deutschland der 70er Jahre bis auf die Sprachbarriere wenig mit einem zu tun hat, wenn das eine Mädchen die Tochter eines berühmten Tennisprofis ist und das andere ein Arbeiterkind. Aber vielleicht bin ich da zu oberflächlich.

Ist speziell was für den Strand dabei?

Nein. Letztes Jahr habe ich sowohl Les Misérables von Victor Hugo als auch die Biografie von Nelson Mandela gelesen, am Strand und überall. Ich glaube, ich fahre gar nicht an den Strand in diesem Jahr. Mal sehn.

Und auch Pflichtlektüre?

Ich nehme zwar A Passion for Acting – Exploring the Creative Process mit, aber es ist Fachliteratur, keine Pflichtlektüre. Ich habe es geschenkt bekommen. Es ist auf Englisch, mal sehn, ob ich wirklich Lust darauf habe.

Wie viele Stunden täglich planen Sie zu lesen?

Keine Ahnung. Immer nach dem Aufwachen und vor dem Einschlafen. Viele.

Lesen Sie E-Books oder schleppen Sie die Bücher mit?

Isch ahbe gah kein E-Book!

Was war Ihre schönste Urlaubslektüre?

Das weiß ich nicht mehr, aber definitiv meine schlimmste war Fifty Shades of Grey! Es war Pflichtlektüre (ich schwöre), weil man mich um eine „Trash-Lesung“ des Stoffes gebeten hatte. Traurigere Nachmittage als die in den Osterferien im Jahre 2014, an einem Pool in Bra, umgeben von Haselnussbäumen, gab es nie. Ich musste – ich schwöre –, und es war furchtbar! Der Theaterabend selber, im Rottstr-5-Theater in Bochum, ist allerdings unvergessen und war sehr lustig.

Nermina Kukic ist Schauspielerin und Regisseurin

Angela Richter

Welche Bücher nehmen Sie in den Sommerurlaub mit?

Julian Assange: The Wikileaks Files,

Ram Dass: Be Here Now, James Risen: Pay Any Price – Greed, Power and Endless War (zum zweiten Mal), William M. Kunstler: The Emerging Police State, David Langum: William M. Kunstler – The Most Hated Lawyer in America, Slavoj Žižek: Antigone (zum x-ten Mal), Joan Schenkar: Die talentierte Miss Highsmith, Rupert Sheldrake: Der Wissenschaftswahn.

Wählen Sie die Lektüre passend zum Ferienort aus?

Hat keinen Sinn, da ich jeden Sommer in Kroatien verbringe, dem Land, aus dem ich stamme. Meine Auswahl ist zusammenhanglos, das Einzige, was alle Bücher gemeinsam haben, ist, dass es keine Belletristik ist und fast alle auf Englisch sind, aber das ist dem Zufall geschuldet. Ich habe in den letzten Jahren die Fähigkeit verloren, Fiktion zu lesen, mein Gehirn erträgt nur noch Sachbücher. Früher las ich viel Literatur, von Dostojewski bis Pynchon. Warum hat das aufgehört? Ich vermute, dass mein Gehirn keine Lust mehr hat, sich mit Problemen zu befassen, die von Schriftstellern ausgedacht wurden, egal wie gut geschrieben sie sind. Eine Ausnahme war Johann Holtrop von Rainald Goetz.

Ist auch Pflichtlektüre dabei?

Ich mache keinen Unterschied zwischen Pflicht und Vergnügen, ich lese nur, was mich dringend interessiert. Allerdings werde ich in der nächsten Spielzeit eine neue Fassung von Antigone inszenieren, der Žižek wäre dann, wenn man so will, der Pflichtteil. Aber auch das ist mir ein Vergnügen.

Lesen Sie E-Books, oder schleppen Sie die Bücher mit?

Beides, je nachdem.

Was war ihre schönste Urlaubslektüre?

Auf das meiste, was ich lese, trifft „schön“ eigentlich gar nicht zu.

Angela Richter ist Theaterregisseurin

Trystan Pütter

Welche Bücher nehmen Sie in den Sommerurlaub mit?

Panikherz (von Stuckrad-Barre), Geteiltes Vergnügen (Adorján), Momente der Klarheit (Thomae), Marx lesen (Kurz).

Wählen Sie die Lektüre passend zum Ferienort aus?

Ich fahre dieses Jahr nach Portugal, kein Portugiese unter den Autoren – oh nein.

Ist speziell was für den Strand dabei?

Alle! Wobei, vielleicht bleibt der Kurz im Zimmer.

Und auch Pflichtlektüre?

Adolf Hitler. Das Zeitalter der Verantwortungslosigkeit – Ein Mann gegen Europa von Konrad Heiden.

Wie viele Stunden täglich planen Sie zu lesen?

Ich fahre mit meinen vier Mädchen in den Urlaub …

Lesen Sie E-Books oder schleppen Sie die Bücher mit?

Bücher muss man schleppen.

Was war Ihre schönste Urlaubslektüre?

Jonathan Franzens Freiheit in einem Berliner Sommer.

Trystan Pütter ist Schauspieler

06:00 20.07.2016

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