Antisemitismus auf der Documenta: Eine gedankliche Leerstelle

Documenta 15 Wie kann die internationale Kunstschau einen Dialog über Antisemitismus führen, ohne dass dies wie eine deutsche Erziehungsmaßnahme wirkt?
Exklusiv für Abonnent:innen | Ausgabe 25/2022
Erst wurde das Gemälde des Künstlerkollektivs Taring Padi verhüllt, später dann abgebaut
Erst wurde das Gemälde des Künstlerkollektivs Taring Padi verhüllt, später dann abgebaut

Foto: picture alliance/dpa/Uwe Zucchi

Nun ist er also da, der Skandal, der GAU: Auf einem großformatigen Werk des indonesischen Künstlerkollektivs Taring Padi auf dem Kasseler Friedrichsplatz ist an einer Stelle ein Mann mit blutunterlaufenen Augen, spitzen Zähne und einer gespaltenen Zunge zu sehen, Schläfenlocken und ein Hut identifizieren ihn als jüdischen Menschen. SS-Runen sind darauf abgebildet. An anderer Stelle trägt ein Soldat mit Schweinsgesicht ein Halstuch mit einem Davidstern und einen Helm mit der Aufschrift „Mossad“ – die Bezeichnung des israelischen Auslandsgeheimdienstes. Abbildungen im Stil antisemitischer Karikaturen, wie sie im deutschen Nationalsozialismus üblich waren, werden ausgerechnet auf der Documenta gezeigt, der größten deutschen Schau