Ausgemachte Luwincherei

Sportplatz Kolumne

Fußballfans sind konservativ. Sie mögen es nicht, wenn ihr Stadion umbenannt wird oder, schlimmer noch, ihr Verein. Investoren und die ihnen nur allzu gewogenen Vereinsmeier interessiert das wenig: Da wird ein Frankenstadion zum easyCredit-Stadion, und der SV Austria Salzburg mutiert plötzlich zu Red Bull Salzburg. Die Fans wehren sich und haben trotzdem keine Chance.

Als sich vor zwei Jahren der notorisch erfolgreiche Schweizer Damenfußballclub Sursee in SC LUwin.ch umbenannte, rührte sich niemand. Ja, nun! LUwin.ch: was für ein Name! Breitbatzigste Dummdöseligkeit! Indolentes Wortgeschredder! Afferei! In einem! Bis dahin dreimal Meister und zweimal Pokalsieger in Folge, wollte man nun offensichtlich mehr und das auch zeigen - Internet, Obendrein, Firlefranz: LUwin.ch eben. Punkt zwischendrin. Und SC vorne dran. Und keiner regte sich auf.

Ein unglaublich blöder Name, wohl von einem ehrgeizigen Nachtmütz aus dem Vorzimmer, der gerade das ganz, ganz neue Internet entdeckt hatte, oder einer überbelichteten schwützer Schwatzdrohne zusammengedacht, macht der SC LUwin.ch aber auch weiter Furore: als Dauermeister der Schweizer Liga. Und wird da immer nur Erster. Der merkwürdige Sportclub der Luwinche ist also tatsächlich ernst zu nehmen.

Nur wollen das die Chefs des Unternehmens offensichtlich verheimlichen. Im Internet verbreiten sie geballten Unfug (ab heute Luwincherei zu nennen). Der Hokuspokus um den Namen mag ja noch hingehen: "LU" soll für die Stadt Luzern stehen, "win" für die Gewinnermentalität der gern auch als Frauschaft titulierten Kickerinnen, "ch" für die "Schweiz und den Anspruch des Vereins, das Aushängeschild im Schweizer Frauenfußball zu sein". Der Punkt bleibt unerklärt. Aber dann, in den "Leitsätzen" des Vereins wird Tacheles geredet, wird klar gemacht, worum es eigentlich geht: Jeder Luwinch, besser gesagt jede Luwinchin "will auch gute Beziehungen zu den Mitbewerberinnen auf nationaler Ebene wie mit allen Frauen-Mannschaften der ganzen Innerschweiz pflegen." Auch "gute Beziehungen zu den Mitbewerberinnen auf nationaler Ebene." Und dann AUCH noch die Beziehungen zu ALLEN Frauenmannschaften der GANZEN INNERschweiz. Wie soll das gehen? Ein schier unerreichbar wirkendes Ideal - auf sportlicher Ebene, auf menschlicher Ebene, auf allen Ebenen der innersten Innerei. Ein in blödester Schwurbeligkeit zusammengehauenes Pathosgelümmel, eine gänzlich hirnlose Brabbelei aus der Innerschweiz. Aber alles mit: Beziehungen.

Andererseits hat die komische Umbenennung ja auch was für sich. Man weiß nun, bei jeder Umwidmung eines Stadions, einer Mannschaft: Es hätte auch noch weitaus schlimmer kommen können. Die Sprachguerilleros aus der Innerschweiz haben Maßstäbe gesetzt, so verheerend wirkt nach ihnen wohl niemand mehr. Der SC LUwin.ch ist anerkanntermaßen: der Weltmeister der Vereinsnamensverhunzer.

Schön sich auch vorzustellen: der Schlachtgesang der fanatisierten Luwinche - ein wild hingeröhrtes "LU" (natürlich in Großbuchstaben), ein mild hingehauchtes "win" (in Kleinbuchstaben), ein tief aus dem Rachen kommendes, kratziges Schwützer "ch" (mit vorher gedachtem Punkt), gefolgt vom "chchch" des Chors der Schnarcher, schließlich "luwin" und "chchch" im fröhlichen, trunkenen Wechselgesang. Die stets anwesenden 43 Fans machen das bloß allzu selten. Eigentlich nie.

Schweizer Fußballfans sind nicht konservativ, sie haben keine Ahnung. Sie finden eine leidlich begabte Mädchenmannschaft im Internet "wirklich echt gut", die laut Internet-Leitsatz "die Beziehungen zu Politik und Wirtschaft und zur ganzen Gesellschaft entwickeln und fördern" will. Was soll man dazu noch sagen. Vielleicht am besten gar nichts mehr.

www.LUwin.ch


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00:00 12.01.2007

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