Karl-Heinz Heinemann
01.09.2009 | 14:10 29

Auslese mal ganz anders

Replik auf Füller Wie sollte die Bildungsrepublik von morgen aussehen? Christian Füller hat in seinem Beitrag „Lasst die Schulen los“ ein streitbares Modell geliefert. Eine Entgegnung

Christian Füller führt uns die Kultusminister und Ministerpräsidenten vor, die im kleinlichen Kompetenzgerangel ihre föderalen Kleingärten pflegen, und wir kennen selbst die Schulbehörden, die Lehrern verbieten, keine Noten zu geben. Grundschullehrerinnen müssen in der vierten Klasse sortieren, Hauptschullehrer können sich mühen, wie sie wollen – für die meisten ihrer Zöglinge wartet nur das „Übergangssystem“. Kurz: da oben begegnet uns Ignoranz und Zynismus. Eine Qual für den ständigen Beobachter, den Journalisten also, der darüber und dagegen schreiben muss. Ich bin ein Füller-Versteher. Mehr Lehrer, gebührenfreies Studium, vergiss es. Es hört doch keiner mehr hin. Die einschlägigen GEW-Pressekonferenzen sind auch nicht prickelnder als die der KMK.

Da freut man sich an jeder Bewegung von unten. Man muss nicht einmal, wie Christian Füller, einen der Gnadenorte deutscher Schulreform, wie die Wartburg-Grundschule in Münster oder die Gesamtschule in Bonn-Beuel besuchen, um Lehrerinnen und Lehrer zu treffen, die mit Empathie und Engagement Kindern und Jugendlichen zeigen, was sie selbst können, die ihnen helfen, ihre Beziehungen zu anderen Menschen und Gegenständen zu entwickeln, kurz, sich zu bilden. Doch halt, da verlassen wir schon die Füllersche Argumentation, denn von Bildung ist bei ihm keine Rede. Er ist auf der Suche nach „modernem Lernen“, das „fit macht“ für die „Lern- und Arbeitswelt von morgen“.

Gnadenlose Qualitätsmanager

Aber wollen wir nicht auch die Schulen aus dumpfer staatlicher Zwangsverwaltung befreien? Und mit Christian Füller nach einem „intelligenten Design von zentraler und lokaler Verantwortung“ suchen, ohne Staat. Stattdessen mit dem von ihm herbeigewünschten „starken zentralen Schul-TÜV“?

Wieso eigentlich? Das TÜV-Paradigma hat längst Einzug gehalten: Output-Steuerung, schlanke Lehrpläne, mehr Freiheit bei der Personaleinstellung, in etlichen Bundesländern hat die, in diesem Zusammenhang muss der Name nun mal fallen, Bertelsmann-Stiftung dafür gesorgt. Aber weniger Bürokratie? Jetzt sitzen nicht mehr bräsige Schulräte hinten im Klassenzimmer, sondern Qualitätsmanager, 4Q-Inspektoren, und wie sie sonst noch heißen, huschen mit ihren Checklisten im Viertelstundentakt durch die Klassenzimmer. In Berlin bastelt ein KMK-Institut an Standards, und die Kultusminister machen sich längst anheischig, dicke Lehrpläne durch dünne Kompetenzkataloge zu ersetzen. Aber auf die pochen sie dann auch, und im engmaschigen Netz von Selbst- und Fremdevaluationen, Schulinspektionen, Vergleichs- und zentralen Abschlussarbeiten werden sie jeden erwischen, der da noch in einer Nische seine Sonderwege gehen will. Die dicken Lehrpläne von früher hatten gerade mal zehn Prozent der Lehrerinnen und Lehrer jemals in der Hand gehabt.

Wer legitimiert den Schul-TÜV?

Ja, jetzt braucht es starke und geschulte Manager in den Schulleitungen, mit Erfahrungen aus der „Wirtschaft“ und den besten Governance-Schools, wie sie sich Christian Füller wünscht. Allein schon, um die diversen zentralen Prüfungen, Vergleiche und Tests in ein ordentliches Zeitraster zu kriegen, und den TÜV-Inspektoren ihre Berichte zu schreiben. Da müssen dann auch schon mal Klassenfahrten, Exkursionen und sonstige pädagogische Luxusveranstaltungen ausfallen, um den Anforderungen der „Schul-TÜVs“ gerecht zu werden.

Drei große Prüf-Konzerne firmieren heute unter dem Label TÜV, die, privatwirtschaftlich organisiert, technische Standards überwachen. Auf dem Bildungsmarkt haben die großen Evaluationsfirmen PISA organisiert und abgerechnet – im Auftrag und auf Rechnung der OECD: CITO in den Niederlanden, das ETS aus den USA und das Australian Council of Educational Research, um nur die Größten zu nennen. Sie wurden von niemandem gewählt. Sie sind nur der Statistikabteilung der OECD rechenschaftspflichtig. Das unterscheidet sie von den Kultusministern. Zugegeben, von den derzeit amtierenden würde ich persönlich jetzt niemanden wählen. Trotzdem ist mir diese Form von öffentlicher Kontrolle noch geheurer als eine Legitimation durch die Macht auf dem Markt der Schul-TÜVs.

Zur Stiftungsidee

Und das ist nur einer der Gründe, weshalb ich Füllers Idee einer Bundes-Bildungsstiftung als Steuerungsinstanz anstelle von Parlamenten und Ministerien für schlichten Unfug halte. Keine demokratische Legitimation, sondern Legitimation über Geld und Markt. Die Schulen bewerben sich, da sitzt ein – von wem gewähltes? – Auswahlgremium und entscheidet – nach welchen Gesichtspunkten? – über die Vergabe von Geld an die wie auch immer ausgewiesenen Besten. Das ist die Exzellenzinitiative für die Schulen. Schluss mit der Gleichmacherei – die Guten werden belohnt, die Müden bestraft. Der starke Schulleiter wird sich nicht nur die besten Lehrerinnen aussuchen, sondern auch die Schüler, die ihn beim TÜV gut aussehen lassen. Das konnte man schon an den thatcherisierten Schulen in England studieren. Und wenn er von der starken Stiftung seine Boni kassiert hat, dann hat er auch genug Geld, um weiter bessere Lehrer von den Schulen abzuwerben, die sich nach Duisburg-Rheinhausen, Berlin-Neukölln oder Köln-Kalk verirrt haben. Das kann man alles durch irgendwelche Regeln steuern? Ganz unbürokratisch?

Bildung als Grundrecht

Christian Füller möchte Vertragsschulen statt Staatsschulen. Sie hätten die Freiheiten von Privatschulen, kombiniert mit sicherer und angemessener Bezahlung der Lehrer. Aber das ist gar nicht das Problem. Der Staat wird doch nicht (nur) gebraucht, um den Lehrern das Gehalt zu garantieren. Sondern weil er erstens den Anspruch jedes Bürgers, jeder Bürgerin auf eine angemessene Bildung sichert, und zweitens weil ein öffentliches Bildungswesen zur Integration der Gesellschaft beitragen muss – keine Parallelgesellschaften, gestiftet in der Kiezschule oder der International School. Der Anspruch steht zumindest hinter dem Artikel 7 des Grundgesetzes, der die staatliche Schulaufsicht als Grundrecht fixiert. Geschenkt, dass die Realität dem Hohn spricht. Aber deswegen kann ich doch den Anspruch darauf nicht preisgeben!

Statt Fitness: Teilhabe als Ziel

Genug des Lamentierens über Füllers Modell. Bleibt noch seine „Schlüsselfrage“, nämlich: wie sieht modernes, selbstständiges Lernen aus? Schulen (und Schüler) „…fit machen… auf die Lern- und Arbeitswelt von morgen“ – ist es das? Irgendwie schon. Fit – also passend – machen, selbst das erreicht die Schule von heute nicht. Aber das ist nicht genug. Selbstständig werden Menschen erst, wenn nicht mehr sie für die Lern- und Arbeitswelt fit gemacht werden, sondern umgekehrt, wenn sie sich ihre Welt „fit machen“, also passend gestalten können. Zumindest diesen Anspruch sollten Schule und Bildung bewahren. Und dann kommen wir wieder auf ganz langweilige Themen.

Der erste Punkt: Alle Kinder und Jugendlichen haben einen Anspruch darauf, dass sie die Schule mit den Fähigkeiten verlassen, die sie brauchen, um nicht nur an der Arbeit, sondern auch am öffentlichen Leben teilnehmen zu können – also die Beherrschung einer elaborierten Sprache, Wissen darum, wo sie herkommen und wo die Welt hingehen kann, die Fähigkeit, darüber zu reflektieren, wo sie hingehen sollte. Dafür sind Standards und Kontrollen notwendig – demokratisch legitimiert, nicht von einer Stiftung oder einem TÜV.

Der zweite Punkt: Wir brauchen eine öffentliche Schule für alle, statt Exzellenzwettbewerben. Eine Schulwelt, in der die Schwachen (Schüler, Schulen und Lehrer) besonders gefördert werden, damit jeder, und nicht nur eine Elite, seine Eigenarten ausbilden kann. Also Gemeinschaftsschule, Ganztagsschule statt Aussonderung und dem Primat der Vererbung von Status und kulturellem Kapital.

Der dritte Punkt: Schulleiter sollten nicht nur Manager sein, sondern Pädagogen. Notwendig sind Freiräume für Lehrerinnen und Lehrer, die Beziehungen stiften können, zu anderen Menschen und zu den wichtigen Gegenständen. Das konnten die skurrilen Typen in der Feuerzangenbowle, die Füller so schlimm findet, auf ihre Art auch.

Kommentare (29)

wwalkie 01.09.2009 | 18:03

Zunächst ist es Balsam für die verwundete Paukerseele, die Antithese zur Füllerschen Bildungstheorie der Anpassung zu lesen und doch: die drei Essentials am Textende sind merkwürdig (oder bezeichnend?) vage. Provokant formuliert: Füller ist die rechte, Heinemann die linke Hand des kapitalpädagogischen Komlexes.

Punkt 1: Was heißt denn "an der Arbeit teilnehmen"? Anweisungen des Chefs im Team (natürlich) zu befolgen oder autonom und ohne (Selbst-) Ausbeutung Arbeitsprozesse kollektiv organisieren? Was sind denn "demokratisch legitimierte Standards und Kontrollen"? Nach tendeziell herrschaftsfreiem Diskurs demokratisch festgelegte Minimals des Wissens (würde - hoffentlich - Heinemann sagen), die von selbst wieder zu kontrollierenden - und jetzt wird's spannend - Qualitätsinspektoren überprüft werden.Was er vorher ironisiert hat. Auch hier also - wie bei Füller - das Misstrauen den Unterrichtenden gegenüber.

Zu Punkt 2:Hier ist sich Heinemann sicher mit Füller einig. Nun, Gemeinschaftsschule sagt man heute, um das Terrorwort "Einheitsschule" zu vermeiden.Gemeinschaftsschulen werden von allen politischen Parteien gefordert - neben dem Gymnasium, neben! Heydorn nannte schon 1969 diese Form der Schule "das System der effizientesten kapitalistischen Gesellschaft", in welcher "das autonome Indiviuum mit dem staatsbürgerlichen Verantwortungsleitbild" produziert werde: "der aus der Kiste gezauberte Eduard Spranger ist wieder da."Wie recht er hatte! Mit anderen Worten: Die Gemeinschaftsschule ist in jeder Gesellschaft funktionabel, selbst in einer faschistischen (mit Eliteschulen, versteht sich ideologisch).

Zu Punkt 3:"Freiräume für Lehrerinnen und Lehrer" hört sich gut an. Und in der Tat hat man diesen die "pädagogische Freiheit" genommen. Heinemann hält diese "Freiräume" für notwendig, damit die Lehrer ihre Funktion erfüllen können. Und da runzele ich schon die Stirn! Immer diese Instrumentalisierung! "Freiräume" sind notwendig, damit die Lehrer wieder sich selbst bestimmende Menschen werden können. Ich habe den Eindruck, Heinemann möchte, dass das Pädagogen-Hamsterrad sich weniger schnell dreht. Aber drehen soll es sich schon möglichst schnell, gell?

Und damit komme ich zu meiner Kritik an beiden (in aller Kürze): Es ist die Erkenntnis, die der alte Liebknecht schon unnachahmlich formuliert hat und die bei beiden nicht zu finden ist: Die Bildungsfrage ist eine Machtfrage. Als Machtfrage ist sie eine gesellschaftliche Frage. "Wer da will, dass das Wissen allen gleichmäßig zuteil werde, muss daher auf die Umgestaltung des Staats und der Gesellschaft hinwirken" (Wissen ist Macht - Macht ist Wissen, 1872)

Also mehr politischer Mut, meine Herren!

Bildungswirt 01.09.2009 | 19:36

Bildungswirt schrieb am 01.09.2009 um 16:45 [ comments 1 von J.Kabisch] bei Füller-Artikel:

@ alle
Ich hadere mit mir selbst, ob das hier noch einen Sinn hat zu diskutieren. Das Terrain ist dermaßen ideologisch überfrachtet, ja geradezu vermint, das eine freie Diskussion, die um neue Erkenntnisse und Selbstverständnisse ringt, kaum noch möglich erscheint.

"Chryslerer schrieb am 29.08.2009 um 17:20
Hallo Bildungswirt,

alles interessante Themen, aber ich glaube, dass das hier jetzt nicht mehr geht. Da kommt zuviel Stimmung dazwischen, die hier ja ihre eigene Geschichte hat."

Dann hatte ich mich mit Chryseler darauf verständigt, die Diskussion etwas zu strukturieren, d.h. nicht "alles zu gleich und zwar sofort", sondern sich zuerst genauer mit dem engen Kern von Schule - alltäglicher Unterricht und dessen Verbesserung - zu beschäftigen.(Halte ich für einen wirklichen Lichtblick, nachdem Chryseler massiv C.Füller kritisierte und ich ihn in einigen Punkte dezent verteidigte). Dann von hier aus, immer diesen Kern im Blick, sollten die sog. übergeordneten und nebengeordneten "Bildungsfragen" (Bildungstheorien, Hintergrundtheorien,Bildungsphilosophien,Bildungspolitiken,Förderalismusgestrüpp, Finanzierungsmodelle, Organisationsentwicklung, Lehraus- und -fortbildung, Demokratie in der Schule, Schulrecht, zentrale Prüfungen, Bildungsstandards, Schulinspektion etc.etc.)erörtert werden. Das übersteigt normalerweise auch das Niveau von Bildungsjournalisten in den Massenmedien.
Alles sollte so sein, dass auch ein interessierter Laie mit Durchhaltevermögen folgen kann, sich mit seinen Fragen und momentanen Standpunkten und subjektiven Erfahrungen einbringen kann - eben nicht ständig ins Fachchinesisch ausweicht.

Nun, ich hadere, ob sich dieses Engagement rentiert?
Chyseler, was meinst du?
Was meint die Gemeinde zum geplanten Weg und zur Möglichkeit, mal fast ohne Polemik solch eine Diskussion der Teilgebiete zu beginnen?

Gruß BW
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Jörn Kabisch schrieb am 01.09.2009 um 17:05
Ich bin nicht die Gemeinde, deswegen muss ich mich dieser Frage anschließen. Ich unterstütze das Anliegen sehr. Deshalb haben wir heute auch die Replik von Heinemann eingestellt.

Lieber Bildungswirt, vielleicht sollte man die Frage auch noch mal dort stellen, weil da der Thread noch nicht so lang ist und ein paar mehr die Frage mitbekommen.
Grüße, JK

h.yuren 01.09.2009 | 20:36

wwalkie sagt: "Die Bildungsfrage ist eine Machtfrage. Als Machtfrage ist sie eine gesellschaftliche Frage."
daran führt kein weg vorbei. das ist die wahre kernfrage, nicht das kleinklein des alltäglichen unterrichts.
aber die bildungsfrage ist auch noch in einem anderen sinn eine machtfrage: soll der lehrer, der allein vor oder in der klasse unterrichtet, seine herrschaftliche rolle behalten? oder sind nicht andere formen des lernens zu postulieren, die der menschenbildung eher entsprechen? (teamteaching, regie)
schließlich zum dritten die machtfrage:
muss nicht der staat seine pädagogische aufgabe vor allem darin sehen, die regionale und globale vernetzung und kooperation der schulen ohne grenzen zu fördern? (schüler/innen-, lehrer/innen-austausch, vergleich und angleichung der inhalte und methoden z.b. nach dem muster des eckert-instituts, keine menschheitsvergessene bildung mehr, die weltweite pädagogische provinz, nicht fit für die wirtschaft, sondern fit für die zukunftsfähige welt werden etc.)

wwalkie 01.09.2009 | 22:09

Inhaltlich bin ich mit Ihnen d'accord. "Menschheitsvergessene Bildung" ist ein treffender Ausdruck. Kalter Antihumanismus. Das beste Gegenmittel ist: die jungen Menschen als MENSCHEN (d.h., nicht als "Kids", als künftige Arbeitskräfte, als "Material", deren "Sozialverhalten" zu benoten ist, als "Träger von angeblich wissenschaftlich diagnostizierbaren Defiziten", deren "Kompetenzen" auf Diagnostikbögen angekreuzt werden, und dergleichen mehr)zu akzeptieren - aber auch zu sehen, dass das Schüler-Lehrer-Verhältnis asymmetrisch ist. Dann erledigt sich die hoch gepuschte, interessegeleitete Methodenfrage (Klippert, Green und Consorten) von selbst. Wie Sie sagen: "IN der Klasse sein", das impliziert allerdings auch oft "VOR der Klasse sein", was nicht undemokratisch sein muss (!), von den Bertelsmännchen aber gerne so dargestellt wird.

"In der Klasse sein", das heißt aber auch: humane Arbeitsbedingungen für die Lehrenden zu schaffen (erkämpfen, leider auch gegen die Gewerkschaften). Nur ausgeruhte Lehrer, Zeit für Muße (scholè) und Regeneration haben, nur Lehrer mit Prestige (da kann wohl wirklich von anderne Ländern lernen, will aber aus "guten" Gründen nicht), nur Lehrer, die Zeit und Raum für Autonomie (Selbstmächitgkeit) haben, können im humanistischen Sinne Vorbilder sein.

Aber bevor ich pathetisch werde: Um die Machtfrage kommen wir alle nicht herum.

Bildungswirt 01.09.2009 | 22:41

"Die Bildungsfrage ist eine Machtfrage. Als Machtfrage ist sie eine gesellschaftliche Frage."
Das ist doch so formuliert - banal. Was, bitte schön, ist im politischen Raum keine Machtfrage?

Ich bin gern bereit, das mit euch zu diskutieren. Dazu legt ihr dann mal Unterthemen und Operationaliserungsvorhaben vor, d.h. wie soll das diskutiert werden ohne im Nebel der Abstraktion herumzustochern?
z.B."Demokratie in der Schule - Erwartungen, Visionen, empirische Resultate",
"starke Schulleiter" - zwischen Notwendigkeit und Ideologie?
Elternbeteiligung - eine Mär?
Arbeitsweisen der Kultusbürokratie konkret?
Einfluss der KMK und praktischer "Föderalismus, z.B. beim Landesabitur ...
Wissenschaftler als Berater und Gutachtenproduzenten

Weitere Unterthemen von euch???? Ich freue mich auf eutre Beiträge und Strukturierungsvorschläge.

"Das ist die wahre kernfrage, nicht das kleinklein des alltäglichen unterrichts." Mein Lieber, da irrst du dich gewaltig. Das sog. "Kleinklein" ist der Olymp der Praxis, nicht die allgemeine Machtfrage in Berlin, in Wiesbaden oder Kleinrinderfeld.

Mein Hadern habt ihr dadurch nicht gerade reduziert. Wollt ihr die pädagogisch-didaktische Diskussion gar nicht?
Gruß BW

Chryselers 01.09.2009 | 23:29

Wenn ich es recht erinnere, hat Heydorn die Gesamtschule nicht wegen ihrer Organisation kritisiert, als Einheitsschule oder wie auch immer, sondern weil er aus den Texten, die zu ihr führten, herauslas, dass dort jenes, was er unter Bildung verstand - der sich und seine Umwelt reflektierende Mensch mit dem Ziel von Mündigkeit - nicht vorgesehen gewesen sei, stattdessen sah er diese Schule als eine Anstalt, die der affirmativen Anpassung in neue Zeiten dienen soll. Weshalb er dann zum Ärger der Gesamtschulbewegung das Gymnasium lobte, weil in ihm eine an den Griechen und der Aufklärung orientierte Bildung immerhin ab und zu noch mal möglich sein. Das Gymnasium, so gesehen, deutete für ihn über sich hinweg, die Gesamtschule dagegen nur auf sich selbst in schnöder Gegenwart.

Ich weiß nicht, ob seine Kritik stimmt, ich habe da keine Erfahrung.

Aber festzuhalten ist wohl der Gedanke, dass Bildung auf etwas verweist, was noch nicht ist, aber werden muss, damit der Mensch, und zwar jeder, voll und ganz Mensch werde, nicht nur Rädchen.

So ideologisch-unsinnig dieser Gedanke in gegenwärtigen Westerwelle-Zeiten klingt, dieser Fernsehbild gewordenen Einschränkung jeder Gedankenfreiheit, so selbstverständlich ist er doch: Demokratie lebt von der Fiktion, dass die, die da abstimmen und sich beteiligen, nicht nur die kleinen Dummdösels sind, die wir ja öfter geben, sondern aufgeklärter, gebildeter Souverän. Kontrafaktisch, aber notwendig, weil es sonst an der Legitimität der gewählten Herrschaft knackt.

Schule also, die nur ans Fitte will, frisst deshalb an der Demokratie. Bildung ist hier Arbeit am Kontrafaktischen, damit es werde.

Die Machtfrage muss dazu nicht gestellt werden, es ist schon viel, mit den Schülern den Sokrates einzuüben. Durchaus eine Sache, die auch momentan Ärger eintragen kann.

Wenn Heinemann diesen Freiraum meinte, dann Zustimmung.

HL

Bildungswirt 02.09.2009 | 00:03

Chryseler, danke für deinen Hinweis auf Heydorn und seiner Distanz zur Gesamtschule. Heydorns pädagogisches Credo würde m.E. heute noch lauten: "Ungleichheit für alle" (nur formale Gleichheit vor dem Gesetz)
Das Gymnasium ist heute die moderne Volksschule. Bildungspolitisch brauchen wir bis 2020 eine 75%ige Abiturientenquote, d.h. Kampf um mehr Integration statt Selektion.
Ob wir den anderen Schulzweig Gesamtschule, Gemeinschaftsschule, Neue Schule, Stadtteilschule nennen, das ist Etikette.(Immerhin wäre dadurch das viergliedrige Schulssytem geknackt)

Ludwig v.Friedeburgs (hess. Kultusminister 1069-74) Ansinnen, Anfang der 70er Jahre (mit Unterstützung der damaligen FDP, Hamm-Brücher war Staatssekretärin, war aufklärerisch. Er wollte die Gesamtschule schnell, mehr Chancengleichheit, mehr Bildungsgerechtigkeit. 15% Gesamtschulen hatte er flächendeckend geschafft, dann war der Gegenwind zu groß.

Wer heute die Abschaffung des Gymnasiums fordert, ist nicht nur pädagogisch, sondern auch machtpolitisch blind.

Gruß BW

micha74 02.09.2009 | 00:22

Bildungswirt:
„"Das ist die wahre Kernfrage, nicht das kleinklein des alltäglichen Unterrichts." Mein Lieber, da irrst du dich gewaltig. Das sog. "Kleinklein" ist der Olymp der Praxis, nicht die allgemeine Machtfrage in Berlin, in Wiesbaden oder Kleinrinderfeld."

Dem kann ich nur zustimmen. Nicht weil die Machtfrage unwichtig wäre, sondern weil es eine Illusion ist zu glauben, dass die Machtfrage schon den Rest nach sich ziehen wird.

Mich erinnern diese Diskussionen immer an mein Studium. Was wurde da nicht alle besprochen und diskutiert! Praxiswert? Sehr beschränkt. Die Flucht in die großen Fragen, dieser Drang aus allem eine gesellschaftspolitische Grundsatzdiskussion zu veranstalten, diese Suche nach dem allumfassenden Konzept scheint mir im Bildungsbereich besonders ausgeprägt zu sein.
Mein Vorschlag für die Themenliste:
- Zentralabitur für ganz Deutschland oder Öffnung der Unis für alle (z.B. über Eignungstests)

micha74

Chryselers 02.09.2009 | 01:40

Nein, Bildungswirt, "Ungleichheit für alle" war nicht Heydorns Credo, sondern seine Diagnose: Die Gesamtschule als jene tagtägliche Sortieranlage mit dem genauesten Resultat. (Und so haben sie auch unser gesamtschulfreundlichen Freunde erlebt und ihr zweites Kind dann auf das Gymnasium geschickt, damit der Alltag von der täglicher Bedrohung, wohin man denn gehört, befreit ist.)

Spätestens seitdem habe ich keine Lust mehr, über Organisationsreformen als Kern von Bildungsreform zu diskutieren. Auch nicht über die hochumstrittenen gegenwärtigen Organisationsreformen in HH, die nun wieder fast als Bürgerkrieg ablaufen.

Die neolib Reformen gehen dagegen über Organisationsreformen hinaus, sie sind Operationen an der lebenden Seele. In ihnen geht es darum, die Arbeit der Herrschaft den Beherrschten selbst aufzuerlegen, wobei sie keinen Unterschied zwischen Erwachsenen und Kindern mehr kennen: Individualisiertes Lernen als Variante der Herrschaft mit Ziel- und Leistungsvereinbarungen, der Schüler soll die Arbeit der Disziplinierung, die bislang der Lehrer angestrengt mit zu übernehmen hatte, selber machen.

HL

Bildungswirt 02.09.2009 | 09:51

Stimmt, war so verkürzt.Einverstanden, dass es Heydorn um die fortschreitende Befreiung des Menschen zu sich selbst ging, Schule ein umkämpftes politisches Feld sei, das permanent Widersprüche produziert etc.pp ?
Trotzdem: Bei der Einschätzung der Gesamtschule übertreibst du, auch Heydorn halte ich da nicht mehr für zeitgemäß. Können wir an dieser Stelle aber nicht diskutieren. Bitte später, nachdem wir uns übehaupt verständigt haben, um was es im Unterricht gehen soll.

Christian Füller 02.09.2009 | 10:30

lieber karl-heinz,
vielen dank für deine antwort. habe mich sehr gefreut, als jörn mir sagte, dass nun nicht irgendwer antworten wird, sondern einer von denen, welche die neuesten exzellenten schulen kennen und verstehen. ich sag gerne noch was zu deiner replik. will aber zugleich den diskutanten hier platz lassen.
für erste habe ich bei pisaversteher die depressive freitagdebatte zusammen gefasst. www.pisa-versteher.de/
best, christian

Kalla 02.09.2009 | 14:43

Lieber Christian,
freut mich, dass Du nicht gleich beleidigt reagiert hast. Es ist nun aber nichts freitag-Spezifisches, dass der Ton in solchen Diskussionsgruppen manchmal recht grottig wird. Nun bin ich ja auch schon als immerhin linker Protagonist des "kapitalpädagogischen Komplexes" entlarvt.
Ich bin auf Deine Antwort gespannt und hoffe, wir können den Ball flach halten,
Grüße aus Köln
KH

mklingma 02.09.2009 | 15:06

Hallo Herr Füller,
nachdem ich mich an der Disussion über Ihren Artikel ein wenig beteiligt habe, bin ich doch etwas überrascht, über die Art und Weise, wie Sie diese Diskussion auf der Seite pisa-versteher zusammenfassen.
Ich finde es immer sehr hilfreich, wenn auch schwierig, sachlich zu diskutieren und zu versuchen, Zusammenhänge, auch in der Argumentation anderer wahrzunehmen. Es wird hier ja kein Wahlkampf geführt, die Diskussion könnte also auch dazu dienen, Sachverhalte und Standpunkte tatsächlich zu erhellen und seine eigene Position zu klären.

Wenn ich sinngemäß gesagt habe, dass die Frage der Unterrichtsform wenig darüber aussagt, ob ein Lehrer erfolgreich unterrichtet, dann will ich damit keineswegs den Frontalunterricht "hochleben lassen" oder glorifizieren. In meiner eigenen Unterrichtspraxis ist es mir ein Anliegen, durch offene Aufgabestellungen Anreize zu schaffen, damit SchülerInnen Schritt für Schritt dazu kommen, individuelle Lösungen für Problemstellungen zu entwickeln. Das verträgt sich mit Frontalunterricht nur sehr begrenzt; dennoch gibt es auch bei mir Phasen, bei denen ich mich bemühe, relevante Informationen prägnant zu vermitteln; besser ist es natürlich, wenn diese Leistung wiederum von SchülerInnen erbracht werden kann.

Hier gibt es sehr unterschiedliche Präferenzen, aber ich wehre mich dagegen, wenn so getan wird oder auch nur der Anschein erweckt wird, als gebe es eine allgemeingültige Pauschallösung auch im Bereich Unterrichtsmethoden; zumal hier noch an keiner Stelle die Frage des Lebensalters berücksichtigt wurde, so als sei eine Form für alle das einzig Wahre.

Was nun noch die Bertelsmänner betrifft, deren Wirken Sie für vernachlässigbar zu halten scheinen: Das Wirken dieser Stiftung ist nach meinem Eindruck mitverantwortlich dafür, dass über die Schulen eine riesige Menge von bürokratischen Regelungen und rein formalen Diskukssionen hereingebrochen ist, alles unter dem Deckmantel der Schulentwicklung und Evaluation. Wer sich seit Jahren mit Steuergruppen und Evaluationsbemühungen auseinandersetzen muss, die so sinnreich eingerichtet sind, dass beim Waschen garantiert niemand nass wird, der wird vielleicht sogar etwas überempfindlich, wenn irgendetwas danach 'riecht'.

Wenn das eine "verstockt-dogmatische" linke Position sein sollte, dann ist mir mit dieser Etikettierung zwar nicht wirklich geholfen, aber ich hoffe, dass wenigstens Sie sich dadurch besser fühlen.

wwalkie 02.09.2009 | 16:23

Lieber Herr Heinemann, ich bin aber auch ein Stalinist. Dabei habe ich, als ich Sie mit ironischer Textmarkierung als "linke Hand des kapitalpädagogischen Komplexes" "entlarvte", mich in vermeintlich textlichem Einverständnis auf den großen Pierre Bourdieu bezogen, der 1992 in einem Interview mit der Monde (abgedruckt in Contre-feux, 1998) von der "linken Hand des Staates" sprach, worunter er Sozialarbeiter, Lehrer usw. verstand, während die "rechte Hand" von den Enarchen des Finanzministeriums, den öffentlichen Banken und den Ministgerialkabinetten gebildet wurden. Bourdieu erläuterte dies im Bild der Revolte der kleinen gegen die große Staatsaristokratie.Gebildete Franzosen sind halt sehr geschichtsbewusst. Das Etikett war also mit einem Text zwinkernd ironisch (auch selbstironisch) zu verstehen. Ich hatte wohl nicht bedacht, dass wir in der Epoche der Schnelllesigkeit leben.

Allerdings: auf die Gefahr hin, weiterhin als "grottiger" preußischer Frontallehrer mit Betondialektik zu gelten. Je mehr ich darüber nachdenke, desto besser finde ich den Begriff: "kapitalpädagogischer Komplex" ist so wunderbar mehrdeutig.

Chryselers 02.09.2009 | 18:53

Das ist in der Tat ne depressive Zusammenfassung. Aber vielleicht täuschen Sie sich über die Ursachen der Depression.

Ich geb ja so gerne Literaturhinweise, Frontalunterricht - neu entdeckt: Integration in offene Unterrichtsformen (Uni-Taschenbücher M) von Herbert Gudjons (Broschiert - 1. Juli 2007)

Exzellentes Buch, hervorragend geeignet, Kenntnis und Urteil zum Frontalunterricht zu sortieren und zu prüfen.

Und was individualisierenden Unterricht angeht, schauen Sie sich mal das Beispiel in www.gemeinsamlernen.at/Download/Individualisierung%20im%20Unterricht_Hofmann.pdf an, ein grauslich Ding, das deutlich macht, dass hier der Refa-Mann die Linie vorgibt und nicht etwa die Liebe zum lernenden Kind.

Ihr Problem ist nun, dass Ihr Konzept patentig daher kommt, den Plastikjargon nicht vermeidet und daher als unterkomplex erscheint. Sie mögen manches Kundige über Managementtechniken sagen können, der Gegenstand des hier zu managen scheint Ihnen jedoch zu fern, als dass Sie da überzeugen könnten.

Vielleicht noch ein Hinweis: Wer ein paar Jahrzehnte in der Schule war, hat schon zigmal von Professoren, Ministerialen und Journalisten die definitive Patentlösung aller Probleme vernommen. Zigmal. Und immer hat es nur genervt. Da ist unendlich viel zerschlagen worden. In solch einer Situation kann ein Artikel wie Ihrer nur auf Abwehr stoßen: Schon wieder ein Patentrezept von einem, der kaum weiß, wie man vor der Klasse steht.

Das muss man anders angehen.

Beleidigtsein hilft da nun gar nicht. Auch ein Journalist sollte den Grundsatz der Taxifahrerdidaktik kennen; "Die Leute abholen, wo sie sind." Und nicht hinterher schimpfen, wenn sie woanders stehen. Was er hätte wissen können.

HL

Chryselers 02.09.2009 | 19:09

@Bildungswirt:

Es gibt in diesen Diskussionen viele Spezialöffentlichkeiten. Die Frage nach dem Verhältnis von Standards, Unterricht und Prüfung etwa interessiert keinen Lehrer. Der nimmt da in der Pause irgendeinen Text entgegen, den irgendein Institut dazu verfasst hat und legt es wieder beiseite. Und dann hat sich das.

Lehrer sind an den Diskussionen der letzten Jahre vielmehr so gut wie gar nicht beteiligt. Weder werden sie gefragt, weder von "oben" noch von der Presse, noch melden sie sich selbst zu Wort.

Da sehe ich es als sehr schwierig an, die Frage, das Thema so zu finden, dass es eine Brücke beschreitbar macht.

HL

Bildungswirt 02.09.2009 | 21:27

@ chryseler
"Es gibt in diesen Diskussionen viele Spezialöffentlichkeiten."
Stimmt, zerfasert. Spezialöffentlichkeiten haben eben ihr Eigenleben, Wissenchaft als Lebensform und Reproduktionsquelle.

"Die Frage nach dem Verhältnis von Standards, Unterricht und Prüfung etwa interessiert keinen Lehrer. Der nimmt da in der Pause irgendeinen Text entgegen, den irgendein Institut dazu verfasst hat und legt es wieder beiseite. Und dann hat sich das."
Sehe ich nicht so pessimistisch. Sollten wir diesen Punkt diskutieren, erkläre ich gern warum.

"Weder werden sie gefragt, weder von "oben" noch von der Presse, noch melden sie sich selbst zu Wort."
Stimmt. Die Kultusbürokratie ist wesentlich mit sich selbst beschäftigt, erstickt durch immer schnellere Eigenproduktionen im Mail-Meer und in roten, gelben, grünen, blauen Aktendeckeln der Mitzeichnungsschleifen. Gegen die CC-Seuche ist bisher kein Kraut gewachsen.
Presse/Journalisten? Naja, sind sind eben, wie sie sind. Man will doch noch ein moderates Interview beim Minister, sonst gibts Druck in der Redaktion.
Stummheit der Lehrer, Selbstentmündigung - verwunderlich bei der Unkündbarkeit im Beruf. Max Weber dreht sich da im Grab.
Gruß BW

rama 04.09.2009 | 15:57

Dank an Karl-Heinz Heinemann dafür, dass er einige elementare demokratische Standards zurecht gerückt hat. Das Recht auf Bildung durchzusetzen: da liegt weiterhin die primäre bildungspolitische Aufgabe. Der Weg zum Abschied von kapitalistischer Zurichtung in den Schulen geht über die Politik und den Staat - nicht über Vermarktlichung. An dem Punkt unterscheidet sich die Bildung nicht von der Bahn - oder der Umweltpolitik.

Christian Füller 05.09.2009 | 00:22

hallo rama,
@ bildungshumanisten,

klar, "das recht auf bildung durchsetzen", das ist eine schmucke formel, hinter der sich hier alle möglichen blogger versammeln.
nur, darf ich mal fragen, wo dieses recht in der herrschen staatschule denn überhautop vorgesehen ist? pardon, ich finde es naiv, eine staatliche schule zu vergotten - die als nachfolgerin der preußisch selektiven zweiklassenschule dieses recht nie kannte und immer nicht kennt.
auf den trümmern der versesemmelten schulreformen von 1860, 1890, 1920, 1945, 1960ff lässt sich eine demokratsiche schule nicht errichten.

lieber karl-heinz,
vielen dank für deinen schön geschriebenen text. ich bin trotzdem nicht deiner meinung, macht ja ooch nix. und habe drüben auf "lasst die schulen los!" den bogen nochmal geschlagen.

Das Potenzial einer demokratischen Selbstreformschule #
Wer frei-öffentliche Schulen mit Bertelsmännern verwechselt, hat wenig von der älteren und neueren Reformpädagogik verstanden VON CHRISTIAN FÜLLER#

www.freitag.de/positionen/0935-landtagswahl-bildung-bildungswesen

beste grüße
christian

Chryselers 05.09.2009 | 14:14

Das Recht auf Bildung dürfte sich in der Präambel eines jeden Landesschulgesetzes finden, in HH beispielsweise:

§ 1 Recht auf schulische Bildung
Jeder junge Mensch hat das Recht auf eine seinen Fähigkeiten und Neigungenentsprechende Bildung und Erziehung und ist gehalten, sich nach seinen Möglichkeiten zu bilden. Dies gilt ungeachtet seines Geschlechts, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen oder einer Behinderung. Das Recht auf schulische Bildung und Erziehung wird durch ein Schulwesen gewährleistet, das nach Maßgabe dieses Gesetzes einzurichten und zu unterhalten ist. Aus dem Recht auf schulische Bildung ergeben sich individuelle Ansprüche, wenn sie nach Voraussetzungen und Inhalt in diesem Gesetz oder aufgrund dieses Gesetzes bestimmt sind.

Schöner kann es eine Schule in anderer Trägerschaft auch nicht reinschreiben. Zumal auch sie an die Landesschulgesetze gebunden ist.

Nur, es macht keinen Sinn, sich auf dieser Ebene was um die Ohren zu hauen.

Wie macht man Schule konkret und begründet besser? Das ist die Frage.

Und nicht so'n Gedöns.

HL

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rainer-kuehn 12.09.2009 | 01:15

Ich lese bei Heinemann wie bei Füller eigentlich dasselbe: Der eine will für die Wirtschaft bilden lassen, der andere für die Integration in die Gesellschaft. Beide befürworten im Sinne tatsächlicher Politik die Zurichtung der Schüler für eine je tolerierte Gemeinschaftsidee.
Ein mal mehr akut neoliberal, ein andermal mehr im Sinne des vergangenen sozialdemokratischen Jahrhunderts. Beides hat partiell Argumente, aber:
Noch nie gehört von Schwarzer Pädagogik, von einer Erziehung zur Mündigkeit, von Schulgeschichte als Disziplinierung in die falsche Gesellschaft hinein, gar einer Dialektik der Verschulung bis ins Studium hinein, damit das Werktätige komplett dumm wird?
Natürlich wissen das beide, aber, wir reden ja professionell, also nur und allein im Sinne des Machbaren bzw. schon Gemachten. - Ich nicht bzw. ohne mich. Ich lehne Besserungen des gesamt Falschen ab.