Bei Soldatenmangel hilft auch kein Hort

Bundeswehr Durch das Ende der Wehrpflicht gehen der Armee die Soldaten aus. Die Verteidigungsministerin will den Beruf daher attraktiver für Familien machen. Ob das klappt?
Jürgen Busche | Ausgabe 03/2014 18

Die Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat ein Problem: Der Bundeswehr gehen die Soldaten aus. Junge Menschen kommen kaum noch. Und diejenigen, die sie hat, wollen weg – nicht alle sofort, aber immer mehr möglichst bald. Die Vorzüge der Wehrpflichtarmee sind andere als die einer Berufsarmee. Das wusste man immer schon und man glaubte, damit klarzukommen. Die Wehrpflicht erzwang die Präsenz eines Teils der Bevölkerung unter Einschluss fast aller Schichten für einen gewissen Zeitraum. Einige blieben dann immer in ihren Reihen hängen und das war gut so. Eine Berufsarmee kann nichts erzwingen. Wer nicht zum Barras will, bleibt weg. Und wer will heute noch zum Barras?

Ursula von der Leyen hofft, dem Problem dadurch zu begegnen, dass sie den Soldatenberuf attraktiver macht, besonders für Familien. Das ist sympatisch, aber es sind Zweifel angebracht, ob es auch klappen kann.

Sollen Kinder zwischen Panzern spielen?

Militärische Einsätze sind nicht familienkompatibel, und auch wenn solche Einsätze die Ausnahme im Alltag eines Soldaten sein sollten, so sind sie doch in extremer Weise belastend. Der Dienst in der Kaserne oder im Manövergelände verlangt von den Bundeswehrsoldaten weniger Mut, als ihn eine Kellnerin im Berliner Wedding braucht. Der Dienst in umkämpften Gebieten indes erfordert nicht nur viel Mut, sondern auch die Fähigkeit, sich auf die damit gegebenen Bedingungen einzustellen. Dazu braucht es Ausbildung und Prägung.

Ob es eine gute Idee ist, in solcher Umgebung Kindergärten einzurichten, darf immerhin gefragt werden. Sicherlich, es gab Frauen und Kinder bei den römischen Legionen des Varus ebenso wie in Wallensteins Lager. Aber vorbildlich ist das nicht. Kriegsspielzeug für Kinder ist tabu, aber sie sollen zwischen Panzern und Haubitzen spielen. Teilzeitarbeit für Soldaten, wenigstens wenn sie in Deutschland stationiert sind, soll legerer geregelt werden, auch das Pendeln zwischen Kaserne und Wohnsitz.

Darüber spottete man schon in Zeiten des ärgsten Ost-West-Konflikts: Wenn der Warschauer Pakt die NATO an einem Sommerwochenende angreift ... Damals hieß es – möglicherweise nicht ganz zu Unrecht – die technische Überlegenheit bei der Bewaffnung der NATO-Truppen sei so groß, dass da wenig zu befürchten wäre.

Nun hat die Verteidigungsministerin aber auch gesagt, sie wolle technische Überlegenheit bei der Bewaffnung nicht gerade zum Markenzeichen der Bundeswehr machen. So soll der Einsatz von Kampfdrohnen verpönt bleiben, weil das Töten ohne unmittelbare Gegenwart des Tötenden der Ministerin – oder der Bevölkerung? – nicht zumutbar erscheint. Kampf also nur von Angesicht zu Angesicht? Der Soldat befindet sich nicht im Boxring. Die familienfreundlichen Vorstellungen der CDU-Politikerin werden offenbar begleitet von lausbubenhaften Cowboy-und-Indianer-Phantasien.

Warum gehen der Truppe die Soldaten aus? Weil die Familien zu klein geworden sind. Wer da aufwächst, weiß besseres, als ein Soldat zu werden.

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