Dieter Meier
04.11.2011 | 08:00 13

Besiegt die zweite Natur!

Fette Beute Unser System beruht auf dem „Lachsprinzip“: Der Schweizer Bankierssohn, Künstler und "Yello"-Gründer Dieter Meier über das Wesen des Hyper-Kapitalismus

Karl Marx, einer der präzisen Analysten des Kapitalismus, hat festgestellt, dass das Kapital als solches mit zunehmender Globalisierung die Welt beherrschen wird und der Homo sapiens zu einem Objekt verkommt, der dem System ausgeliefert ist wie einer „zweiten Natur“.

Von der gegenwärtigen Finanzkrise, die Europa in einem noch nie dagewesenen Ausmaß beherrscht, kann man nicht isoliert sprechen. Selbstverständlich ist sie ein Geschwür des Kapitalismus und als solche keine vorübergehende Erscheinung, sondern systemischer Auswuchs einer Krebserkrankung, die längst nicht mehr nur organspezifische Metastasen bildet. Begleitet und wechselseitig bedingt wird diese von einer Wirtschaftskrise, einer Eurokrise und aber auch einer Krise der EU.

Ökonomen verschiedenster Glaubensbekenntnisse versuchen, die „zweite Natur“ in pseudorationale Systeme zu zwängen, sie so zu erklären und mit ihrer Schein-Wissenschaft zu verhindern. In Tat und Wahrheit sind sie hohe Priester, die in ihren Tempeln mit Stoßgebeten das goldene Kalb zu domestizieren versuchen, wenn es mit seinen Bocksprüngen, die weder vorauszubestimmen noch einzudämmen sind, die Welt terrorisiert. Die bestehende Krise gleicht einem Tsunami, der über die Kontinente hinwegfegt wie ein Krieg, in dem das Kapital eigendynamisch um seine imperialistische Bedeutung ringt.

Zuerst ein paar Worte zur Wirtschaftskrise, die Deutschland nur deshalb noch nicht trifft, weil es im Einheitswirtschaftsraum als weitaus effizientester Produzent alle andern europäischen Nationen mit einer neuen Ausrichtung des Imperialismus, der nicht mehr mit Waffen vorgetragen wird, überrollt, und so als Exportweltmeister den germanischen Wirtschaftsraum einigermaßen über die Runden bringt. 

Wachsende Überproduktion

Wie dünn das Eis ist, auf dem unser Wirtschaftssystem steht, lässt sich mit dem Lachsprinzip erklären. Im atlantischen Ozean bis hinunter zu den Küsten Feuerlands jagt der Lachs seine Beute und findet dann nach Jahren zurück zum kleinen Fluss, wo er in einem Bergsee das Licht des Wassers erblickte. Wenn er sich gegen den Strom hochkämpft zum Tümpel seiner Herkunft, nimmt er keine Nahrung mehr auf, weil er für die beschwerliche Reise zu seiner Reproduktion sich im großen Ozean so stark und fett gefressen hat, dass er sich durch keine Beute verführen und ablenken lässt vom Kampf gegen Wasserfälle und Stromschnellen, zum einzigen Ziel seines Daseins, der Erhaltung seiner Art. So ist es denn die große Kunst des Fischers, seine Fliege so geschickt tanzen zu lassen, dass der satte und futterabstinente Fisch einzig aus schierem Fressreflex zuschnappt, wenn ihm die Beute virtuos vors Maul gehalten wird.

Seit die ausbeuterische Pfründewirtschaft der Aristokratie vom beweglichen Kapital überrollt und der Mensch zu mobiler handelbarer Arbeitskraft im Industriezeitalter neu entmündigt wurde, war es eine große Herausforderung für das kapitalistische System, das Proletariat möglichst kostengünstig zu versorgen.

Während der letzten Jahrzehnte nun verschob sich das Problem der ausreichenden Versorgung dramatisch zum Problem des Absatzes einer durch Technologie wachsenden Überproduktion, die dem Konsumenten wie einem satten Lachs zu haptischem Schnappen vors Maul geworfen wird.

Werbung, Marketing und Promotion sind die Fliegenfischer der Neuzeit und werden zu immer wichtigeren Überlebensfaktoren des Kapitalismus, der, wie Marx das vorausgesagte, längst zu unserer „zweiten Natur“ geworden ist, der wir ausgeliefert sind wie die Höhlenbewohner der ersten.

Kommt der Konsum der Überproduktion auch nur in einstelligen Prozentzahlen ins Stocken, gefährdet das die Wirtschaft in hohem Maße und schafft riesige Heere von Menschen, deren Arbeit nicht mehr gefragt ist, weil die Ware, die sie produzieren, keinen Absatz mehr findet. Was erstens die Herstellung der Ware verteuert und zweitens die dringend nötige Kaufkraft der Konsumenten verringert.

Werbe- und Marketingkosten sind oft teurer als die Produkte selbst. So kommt den Fliegenfischern in dieser Phase des Kapitalismus eine immer größere Bedeutung zu, und wenn das Lachsprinzip nicht mehr funktioniert, torkelt die Wirtschaft vor allem in den schwächeren Nationen systemisch von einer Krise in die nächste und hängt dauerhaft an einem Tropf, der auch von der EU nicht mehr finanzierbar sein wird.

Das System selbst ist das Geschwür

Die Finanzkrise ist als Folge auch der Wirtschaftskrisen ein seit Jahrzehnten sich immer schneller entwickelnder Schwelbrand, der international geleugnet und mit kriminellen Bilanzfälschungen camoufliert wird. Er ist auch eine Folge der Einheitswährung Euro und verbreitet sich wegen der fehlenden Brandmauern der Nationalstaaten ungehemmt. Der Umgang mit der Währung, der Staatsverschuldung, dem Notendruck, der Inflation und der Abwertung ist Ausdruck des Charakters und der Befindlichkeit einer Nation und ihrer Bürger, der sich über Jahrhunderte entwickelt hat. Keine noch so gut strukturierte Vorschrift zur Qualifizierung zum Euro lässt sich gegen den Charakter einer Nation durchsetzen. Nicht einmal die wirtschaftlich Stärksten sind in der Lage, die EU-Bedingungen zu erfüllen.


Zur Finanzkrise gehört aber auch die Entwicklung der Banken- und Finanzwelt, die, längst von ihrer ursprünglichen Bedeutung als Dienstleister der realen Wirtschaft abgekoppelt, wie Casino-Satelliten um die Erde kreisen und eine Eigendynamik entwickelt haben, die für den real existierenden Menschen zur Bedrohung geworden ist, in einem Ausmaß, dass notabene mit Steuergeldern zur Verhinderung der totalen Katastrophe ihr Absturz verhindert werden muss. Jahrelang sind die Casinokapitalisten, die auch nichts mehr sind als Sklaven des System der permanenten Forderung nach Gewinnmaximierung, völlig unterkapitalisiert, verantwortungslose Risiken eingegangen (Subprime-Krise) und haben unter anderem auch davon profitiert, den schwächsten Nationen zu Wucherzinsen Geld auszuleihen. Keine Ordnungsmacht dieser Welt wird je in der Lage sein, solche Finanzgeschwüre zu verhindern, da sie nicht als einzelne Unglücksfälle zu behandeln sind. Vielmehr ist das System selbst das Geschwür, an dem die verschiedensten Vivisekteure lediglich kosmetische Operationen ausführen. 

Wir haben den oft beschworenen Spätkapitalismus überwunden und befinden uns im Endstadium der Implosion, was dank dem Bewusstsein und der Fähigkeit des Erkennens, die dem Homo sapiens noch nicht vollständig aus dem Hirn gebrannt sind, hoffentlich dazu führt, dass wir gerade im Angesicht des Untergangs eines Systems, das die Erde seit Jahrhunderten terrorisiert, zu einem radikalen Umdenken fähig sind und aus der Ohnmacht des Daseins als Objekte der von uns geschaffenen „zweiten Natur“ zu eigenbestimmten Subjekten werden können, die sich den Sinn ihres Daseins neu definieren. 

Dieter Meier, Bankierssohn und Künstler

Ich verstehe unter Punk (...) einen individuellen Anarchismus, eine Auflehnung, eine Weigerung. Mit diesen Worten im Fanzine No Fun trat Dieter Meier 1978 auf den popkulturellen Plan. Es folgte die Bekanntschaft mit dem Soundtüftler Boris Blank, man gründete Yello und schrieb Welthits wie The Race, aber man muss vor die Sängerkarriere des 1945 in Zürich geborenen Bankierssohn gehen, um obigen Text einordnen zu können. Schon als Kind führte ich faulen Zauber vor und kopierte Jahrmarktsverkäufer, schreibt Meier in seinem wunderbaren autobiografischen Bilderbuch Out of Chaos (Edel Germany 2011). Nach einer ersten Etappe als Berufszocker fand Dieter Meier zur Aktionskunst, die in der Teilnahme an der documenta 5 gipfelte. Am 23. März 1994 von 15.00 bis 16.00 Uhr wird Dieter Meier auf dieser Platte stehen. Kassel Juni 1972. Was dann auch geschah. Heute züchtet Meier Rinder in Argentinien (siehe Freitag 34/2009), ist zweitgrößter Einzelaktionär der Orell Füssli Holding, die die Schweizer Banknoten druckt, und schreibt gelegentlich Texte, todernste Texte eines begnadeten Spielers und Ironikers. (MA)

Kommentare (13)

Tiefendenker 04.11.2011 | 12:17

Ein äußerst interessanter Beitrag!

Der zentrale Verweis auf die "Zweite Natur" deckt sich übrigens mit der Argumentation der modernen Wertetheorie / Wertabspaltunsgtehorie, die ebenfalls an die Arbeiten von Marx anknüpft, aber eben anders als z.B. es die Marxisten tun.

Diese "Zweite Natur" ist nichts weiter als die "Warenform", der "menschliche Produkte" unterliegen sollen, als wenn das eben ein festgeschiebener "Naturzustand" wäre bzw. sich aus so einem Naturzustand irgendwie ableiten ließe.

Alle Beteuerungen und Bücher der BWL/VWL laufen hinaus, diesen angeblichen "Naturzustand" als solchen darzustellen und zu behaupten. Man untersuche demnach auch "Naturgesetze". Richtig ist lediglich, dass ökonomische Gesetze ebenso objektiv wirken wie Naturgesetze. ABER es sind natürlich keine "Naturgesetze", sondern gesellschaftliche Gesetze, nämlich die Funktionsgesetze des Kapitals und der Warenform, die sich aus der kaufmännischen Begleitung und Abrechnung aller stofflich-energetischen, betrieblichen und personellen Prozesse (z.B. Arbeitsmarkt) ergeben.

Dieter Meier ist ein Denker alter Schule. Ihm sind diese grundlegenden Zusammenhänge noch bewusst. Er hat sich als kritischer Künstler, Beobachter und "Zeitgeist" bis ins heute bewegt, ohne dieses bewusste SEIN in der Welt zu verlieren. Die ganzen ideologischen Bemühungen des Liberalismus ihm dieses Bewusstsein zu nehmen, sind offensichtlich gescheitert. Das wiederum ist der beste Beleg dafür, dass Kunst und Musik, wenn sie nicht nur beabsichtigen den "Soundtrack zur BILD-Zeitung" zu bilden, kritisches Bewusstsein bewahren oder sogar herausbilden können.

Für mich ist dieser Artikel der beste Beitrag hier seit Monaten, weil er endlich eine Adlerperspektive einnimmt und sich den ganzen Sinn und Unsinn unseres Tuns mal aus der Draufsicht anschaut!!!
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Inhaltlich gibt nur wenig hinzuzufügen:

1. die Einführung des EURO war bereits eine Folge der inneren Krise des Kapitals; er sollte es den "Anglern der Lachse" ja gerade erleichtern, ihre Geschäfte reibungslos zu tätigen; er erscheint also nur oberflächlich als Ursache, ist in Wirklichkeit aber selbst eine Folge der Wertschöpfungskrisen der 1970er und 80er Jahren, in den der Keynianismus scheiterte (deshalb kam dann ja als Antwort darauf der Neoliberalismus mit seiner "Globalisierung", d.h. Flucht des Kapitals auf die Weltmärkte sowie der Deregulierung der Finanzmärkte, WTO, Weltbank, Freihandelszonen usw.)

2. das sich aufgrund mangelnder Verwertungsmöglichkeiten (Anlagenotstand) nun in die fiktiven Geschäfte der Spekulation und des Verkaufens von reinen Finanzprodukten flüchtende, überschüssige Industriekapital, ließ die Unternehmensbilanzen wieder als gewinnbringend erscheinen - SCHEINEN wohl gemerkt! In Wahrheit ist der dabei gebildete "Mehrwert" kein "echter Mehrwert" mehr, sondern er ist sozusagen kaufmännisch "ungültig", bildete nur "fiktives Kapital". Damit wurden die kapitalistische Arbeitswelt und dessen Mehrwertproduktion quasi simuliert (vgl. SCHWARZBUCH KAPITALISMUS und DAS WELTKAPITAL - beide vom Autor Robert Kurz)

3. Die daraus entstehende Gewinnanteile aus "fiktivem Kapital" flossen in kleinen Dosen als Einkommen und somit als Kaufkraft (Konsum) auf die Märkte der Waren zurück. Die Unternehmen freuten sich über noch mehr Gewinne, die aber nun erst recht "ungültig" und "fiktiv" waren usw. Daran lässt sich erkennen, dass es, genauso, wie Dieter Meier es darstellt, ein Problem der kapitalistischen Produktionsweise ist und nicht allein des Finanzkapitals. Ganz im Gegenteil! Der "simulierte Mehrwert" ist das, was die "Realwirtschaft" noch die letzten 30 Jahre getragen hat!!!

4. Würde man ernsthaft diese tragende Säule, die augenblicklich nur noch notdürftig von Staatskrediten mit der heißen Nadel zusammengehalten wird, stoppen, dann würde die längst entwertete "Realwirtschaft" auf ihren tatsächlichen Restanteil an "realer Mehrwertproduktion" zurückgeworfen werden. Genau deshalb reicht die Kritik am Banken- und Finanzkapital heute auch nicht mehr aus! Reine "Spekulationsschelte" verfehlt schlichtweg die historische Ablaufreihenfolge und damit tatsächliche Ursache des Problems.

Fazit: die ganze "zweite Natur" der "Warenform aller Produkte" und der "abstrakten Verwertung des Wertes" müssen historisch überwunden werden!!!!! Im Klartext: Geld, Ware und Erwerbs- und Lohnarbeit abschaffen zugunsten der "ersten Natur"!

Dazu gibt es bereits eine symbolische Aktion, die jeder unterstützen kann:

www.moneygoodbye.org/index.cgi?view=idea=de

Mehr zur Analyse der Wirtschaft sowie zum wissenschaftlichen Stand und zur Diskussion moderner Geselschaftskritik:

www.hh-violette.de/2011/10/das-netzwerk-des-kapitals/

Fro 04.11.2011 | 21:43

Sehr schön zusammengefasst, worum es geht. Aufmunternd der letzte Absatz:

„Wir haben den oft beschworenen Spätkapitalismus überwunden und befinden uns im Endstadium der Implosion, was dank dem Bewusstsein und der Fähigkeit des Erkennens, die dem Homo sapiens noch nicht vollständig aus dem Hirn gebrannt sind, hoffentlich dazu führt, dass wir gerade im Angesicht des Untergangs eines Systems, das die Erde seit Jahrhunderten terrorisiert, zu einem radikalen Umdenken fähig sind und aus der Ohnmacht des Daseins als Objekte der von uns geschaffenen „zweiten Natur“ zu eigenbestimmten Subjekten werden können, die sich den Sinn ihres Daseins neu definieren.“

Tiefflieger 05.11.2011 | 01:20

Was war die erste Natur noch gleich? Hab ich die Definition oder Vorstellung in den obigen Texten schon wieder vergessen oder die Autoren (mal zu schreiben, was das denn sein soll)?

Vielleicht fehlt mir auch die Atem- oder Denktechnik, um so lange in der Tiefe zu denken. Wenn wir bei der schlecht eingeführten Analogie des tiefen Wassers bleiben, muss ich vor der Taucherkrankheit und dem fehlenden Sauerstoff dort unten warnen. So wie es scheint, führt das zu verwirrtem Handeln i.S.v. wirre Gedanken ins sog. Netz (sozusagen elliptisch für Internet) ejakulieren.

Ich bitte um Rückmeldung, wenn wirklich alle BWL- und VWL-Bücher gelesen wurden. Aber in diesen Schriften wird man wahrscheinlich nichts finden zu der einzigen Chance, die man hat und die genau in der abstrakten Verwertung des Wertes liegt.

Tiefendenker 06.11.2011 | 10:38

@Tiefflieger
zu den ersten beiden Absätzen:
Schön wenn man die für sich selbst zutreffenden Fragen so zielsicher findet und formulieren kann. Ob der geistige Sauerstoffmangel einer der Gründe dafür ist, dass das bürgerliche Bewusstsein gewisse Denkblockaden hat, vermag ich nicht zu sagen. Mag sein. Am besten Sie beobachten es sich selbst an sich. Dann lässt sich die Frage empirisch vom lebenden Subjekt selbst beantworten.

zum dritten Absatz:
Die Verwirrtheit des tieffliegenden Geistes bestätigt sich durch diesen, in sich selbst widersinnigen Satz, auf gerade beispielhafte Weise. Danke für diese Bestätigung!

goch 06.11.2011 | 13:14

@ Dieter Meier:
aus der Ohnmacht des Daseins als Objekte der von uns geschaffenen „zweiten Natur“ zu eigenbestimmten Subjekten werden können, die sich den Sinn ihres Daseins neu definieren.

Eine kleine Präzisierung : Wir müssen den Sinn unseres Daseins nicht neu definieren ,
sondern als eigenbestimmte Subjekte den Sinn unseres Daseins leben.
Niemand muss den Sinn des Daseins neu definieren.
Wir müssen vom Objekt zum Subjekt der gesellschaftlichen Verhältnisse werden.

Tiefendenker 10.11.2011 | 23:21

@goch
Ich vestehe Dieter Meier so, dass er die Beobachtung beschreibt, dass vom Gros des bürgerlichen Bewusstseins genau diese Daseinsbestimmung als "Objekt" eben nicht erkannt ist und somit auch nicht existiert, aber subjektiv dennoch unbewusst kollektiviert wird und regelrecht gewollt erscheint. Deshalb muss subjektiv gesehen tatsächlich die Daseinsbestimmung neu verstanden (definiert) werden, gerade weil sie ja unverstanden ist bzw. vielmehr anders ausgerichtet ist (Konsum als Lebensinhalt).

Nur so lässt es sich nämlich erklären, dass es eine "unsichtbare Hand des Marktes" (Adam Smith) gibt, die uns alle in die abstrakte Verwertungslogik und eben deren Objekte zu sein, zwingt. Es erscheint so, als gäbe es da ein Subjekt, welche diese Hand führt. Wer dieses Subjekt ist? Wir selbst. Unser Kollektivbewusstsein sorgt dafür, dass wir uns selbst in dieser Formbestimmung halten. Karl Marx realisiertes das sogar noch besser und fand einen noch treffenderen Ausdruck dafür: das "automatische Subjekt".

konyhakert 11.11.2011 | 13:03

nur so viel: schön daß es andwere als "die marxisten" gibt, die sich dem marxschen erbe annehmen. es ist nämlich deutlich zu erkennen, daß die "marxisten" ihren marx gar nicht verstanden haben. sie hängen bloß an seinem wortlaut und im übrigen sind sie mit ihren vorstellungen irgtendwo im wohlstandskapitalismus hängen geblieben, wo alles noch irgendwie mit spd und gewerkschaften zu regeln war. das ist heute längst vorbei. aber statt weiter zu denken, beharren sie wie trotzige kinder auf ihrem alten marx, ohne ihn sich wirklich angesehen zu haben.

seit jahr und tag wiederhole ich ebreits: leute guckt euch den marx an, aber bleibt nicht bei ihm stehen1 marx ist über 100 jahre tot. er hat uns eine gute grundlage gegeben. aber was heute sein wird, konnte auch marx nicht ahnen. und wir haben zwar noch den alten kapitalismus in den grundzügen, wie ihn marx verstanden hat, doch hat er sich in eine völlig neue form verwandelt. diese zu erkennen und mit der neuen situation umzugehen, daß aber bleibt UNSERE aufgabe. wir müssen die alten fragen neu stellen, neue fragen ebenso. und nach und nach die antworten darauf finden.

sozialismus und kommunismus, so schön diese begriffe vllt. einmal gewesen sind - doch so "verbrannt" sind sie heute. nicht zu unrecht, denn ihnen wohnt ein verständnis inne, vor allem verbunden mit einem autoritären gesellschaftsverständnis, welches heut so nicht mehr mehrheitsfähig ist. dieses gilt es zu überwinden. und neue begriffe zu finden ... für eine bessere welt.

(die wir vermutlich so nicht mehr erleben werden. denn dies wird ein langer kampf. der kapitalismus ist zäh, er wird sich nicht ohne weiteres überwinden lassen, bisher ist er noch immer aus jeder krise gestärkt wie phönix aus der asche gestiegen. doch jetzt hat er vermutlich sein ende tatsächlich erreicht. denn das prinzip totale konkurrenz etc. hat ausgedient. die zukunft liegt in der kooperation. aber diese kultur neu zu entwickeln und zu etablieren, das braucht zeit. und wie gesagt: wir werden das sicherlich nicht kampflos hinbekommen. dafür haben einige hier viel zu viel zu verlieren. sie werden zäh daran festhalten. und zudem ist deren "kultur" einfach total stark verankert. wie gesagt: zeit, geduld und kampf...)

konyhakert 11.11.2011 | 13:10

alles ist nie gesagt. schopn deswegen, weil alles fließt und sich damit fortentwickelt. mit jeder fortentwicklung aber entsteht neues, über das wieder erneut zu reden ist. alles gesagt ist stillstand. die welt und das leben aber stehen nicht still...

(sorry, konnte ich mir nicht verkneifen, denn mir liegt daran, die leute, die denken, auch zum WEITERdenken zu bewegen, nicht stehenzubleiben bei einmal erkanntem... ist also nicht bös gemeint ;-) )