Nibelungenfestspiele: Blutbad am Pool

Theater Krieg, Untergang, Vergewaltigung: Ferdinand Schmalz bürstet in Worms das „Nibelungenlied“ auf feministisch und apokalyptisch. Das ist erschreckend aktuell
Exklusiv für Abonnent:innen | Ausgabe 29/2022
Ferdinand Schmalz' „hildensaga“ endet, wie könnte es anders sein, im Blutbad
Ferdinand Schmalz' „hildensaga“ endet, wie könnte es anders sein, im Blutbad

Foto: David Baltzer

Vor dem salisch-staufischen Dom, Originalschauplatz des Nibelungenlieds, eine schillernde Wasserfläche: Nebel, Eismeer, Brünhilds Welt. Siegfried taucht auf, Goldfetzen auf der Schulter. Er will Brünhild freien. Die gewährt dem Drachentöter, dem sie auf Augenhöhe zu begegnen glaubt, eine Liebesnacht: heftige Beinschläge, Wasser schäumt, während die Nornen das dahintreibende Paar beäugen. Genija Rykovas Brünhild schwimmt, taucht, kämpft mit dem Wasser wie Siegfried, dessen Heldentum Felix Rech in einem poetischen Monolog dekonstruiert. Großartig, wie Rech das Retardierende des Schmalz’schen Sounds – Sätze werden nicht zu Ende geführt, werden wiederholt und variiert – umsetzt. Die Nornen, stimmgewalt