Buchpreise: Schluss mit 14,99 Euro

Handel Endlich zeigt Wirkung, was der Börsenverein des Deutschen Buchhandels in Frankfurt vor Jahren das „99-Cent-Ärgernis“ nannte. Bücher haben jetzt immer öfter glatte Preise
Der Reclam-Verlag ist für seine niedrigen Preise bekannt – und kommt trotzdem meistens ohne 99 Cent-Beträge aus
Der Reclam-Verlag ist für seine niedrigen Preise bekannt – und kommt trotzdem meistens ohne 99 Cent-Beträge aus

Foto: Imago / Chris Emil Janßen

Buchpreise gibt es mal so, mal so. Etwa den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels oder den Deutschen Buchpreis, zwei der begehrtesten Buchpreise. Oder als Preis, den man für Bücher zahlt. Um den soll es hier gehen.

Sie kennen das sicher aus anderen Bereichen: Da kostet der Joghurt 49 Cent, ein Pullover 19,99 Euro, ein Strauß Rosen 4,95 Euro. Diese massenhaften 9er sollen den Eindruck fördern, derlei Ware sei günstig und scharf kalkuliert, da sie vor der nahen Zehnerhürde stoppen. Wer kauft schon einen Joghurt für 51 Cent?

Doch wie ist es damit in der Welt der Bücher? Vielleicht ist es Ihnen auch schon aufgefallen: Seit einiger Zeit sind viele Titel für eine glatte Summe zu haben. Endlich zeigt Wirkung, was der Börsenverein des Deutschen Buchhandels in Frankfurt vor Jahren das „99-Cent-Ärgernis“ nannte. (Mit dem sehr sinnvollen Buchpreisbindungsgesetz hat das nichts zu tun.)

Der maßgebende Verband der Branche verwies damals darauf, dass in den Roman- und Sachbuch-Bestsellerlisten „70 Prozent der Titel auf 99 enden“ und zitierte viele Händler, die dieses „Discount-Preismarketing als eine Entwertung der Bücher“ kritisierten. „99-Cent-Beträge abschaffen. Kunden mokieren sich darüber. Mit glatten Euro-Beträgen würde Buchhandel Seriosität transportieren.“ „Leser sind durchaus in der Lage zu erkennen, dass 99 Cent fast ein Euro sind, wir sollten unserer Kunden nicht für dumm verkaufen!“

Buchhändler mit runden Preisen zufrieden

Da schauen wir doch mal, wie es gegenwärtig mit den Bestsellern bestellt ist. Die „Spiegel“-Liste enthielt zum Beispiel am 10. September 2022 bei den Sachbüchern auf allen 20 Plätzen von Autoren von Brianna Wiest über Marietta Slomka bis Florian Illies 18 Titel mit runden Eurobeträgen (bei 12 bis 28 Euro); die zwei übrigen mit 19,99 und 22,99 Euro stammen von Ullstein. Bei der Belletristik findet sich unter den momentan 20 gefragtesten Büchern nur eines mit einem xx,99er-Preis, ebenfalls von UIlstein. Der große Rest ist für glatte Euro-Beträge zu haben.

Zu denen, die mit den runden Preisen sehr zufrieden sind, gehört Jens Schmandt, ein Bonner Buchhändler. „Da wir ja die gesetzlich geregelte Preisbindung haben, ist der Sinn einer ,psychologischen Preisgestaltung‘ durch Schwellenpreise ad absurdum geführt“, sagt er gegenüber dem Freitag. „Doch was nützen die, wenn der Artikel überall dasselbe kostet?“ Schmandt sieht darin zulasten der Kundschaft generell eine „Beleidigung deren Intelligenz und eine Schnapsidee“. Sie gehe wohl auf Betriebswirte zurück, nicht aber auf Kulturschaffende.

Also, da hat sich nach langem Hin und Her etwas getan. Haben es alle im Publikum gemerkt? Ist es nicht wegweisend, dass das drei Monate lang stark verbilligte Ticket für den Nah- und Regionalverkehr pro Monat 9 Euro geradeaus kostete und nicht 9,99 Euro?

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