Dä Nobbät

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Die Spendenaffäre macht's möglich - Norbert Blüm ist wieder da! Freunde des hessischen Sprachwitzes und "Humors ohne doppelten Boden" haben lange auf diesen Moment warten müssen. Endlich, und gleich wieder mit einem tollen Satz: "Wenn die Sonne scheint, muss man sich genauso verhalten wie wenn's regnet oder schneit." Gemeint war, er wolle seinen Freund Helmut nicht im Regen stehen lassen (der dann zum Monsun geriet). Sehen Sie demnächst also jemanden, der sich in der Badehose durch den Schnee kämpft oder im Solarium den Schirm aufspannt, dürfen Sie mit Recht hoffen, auf "Nobbi" zu treffen.

Der Mann spielt nicht, schon gar nicht mit Sprache; der Mann erleidet Sprache, und das war immer wieder verblüffend und auch sympathisch. Darauf angesprochen, hat er stets erwidert, er rede so, wie ihm der Schnabel gewachsen sei. Gut so, und es war beruhigend zu sehen, dass auch Facharbeiter in der CDU ihren Platz finden konnten. Kein nationalkonservatives Hofpredigertum à la Hintze, kein machtlüsternes Gesabber à la Rüttgers, sondern schlichte menschliche Größe, die sprachlich immer zu klein geriet, einfach nicht einzukleiden war. Analyse? Schnittpunkt zweier Traditionsstränge unterschiedlicher Länge. Einerseits ein Traditionsüberhang aus den achtziger Jahren, denn mit Kohl wurden sprachliche Armut und Armseligkeit politik- und gesellschaftsfähig; das war die Substanz der "geistig-moralischen Wende". Die staatsmännischen Leistungen der Ära Kohl seien unvergessen - die sprachlichen leider auch! Andererseits atmeten durch Blüm stets die gute alte katholische Soziallehre und das mildere Klima eines rheinischen Kapitalismus. Wenn er von "Abbeit" und "sischeren Renden" sprach, dann fühlte sogar ich Bequemling mich vollwertig aufgenommen in die (damals noch größere) Gemeinschaft der Werktätigen, und das nicht nur zur Karnevalszeit.

Ja, so war das damals, und der persönlichen Erinnerung tut es gut, den "Nobbät" noch einmal getroffen zu haben. Ich weiß, im Augenblick ist es nicht eben fein, über CDU-Politiker, am Rande des Abgrunds, zu witzeln. Darum nun ganz unverblümt: Bleib sauber, Nobbi!

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00:00 11.02.2000

Ausgabe 42/2021

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