Dann lieber Schwarzarbeit

Online-Putzfrau? Neuerdings kann man sich bei Amazon auch eine Putzfrau in den Warenkorb legen. Ein Plädoyer gegen Entfremdung und den digitalen Vermittlungswahn
Dann lieber Schwarzarbeit
Nein, David Hasselhoff kann man leider nicht buchen - er wirbt nur für Putzmittel

Foto: Cindy Ord/Getty Images

Mein Verhältnis zu „haushaltsnahen Dienstleistungen“ ist altmodisch und schlicht. Ich gebrauche sie nicht. Ich habe noch nie eine Putzfrau beschäftigt. Aber jetzt komme ich ins Grübeln.

Es gibt diese Vermittlungsagenturen für Putzangebote, diese „Start-ups“ mit Perspektive, die immer häufiger gegründet werden. Sie führen Konkurrenzkämpfe, fusionieren und bereinigen damit den Reinigungsmarkt. Nun kann man sich auch bei Amazon die Putzfrau in den Warenkorb legen: In den USA bietet der Online-Händler neuerdings Homeservices aller Art an, neben Haushaltshilfen werden Handwerker, Musiklehrer oder Yoga-Kurse vermittelt. Putzmittel kann man bei Amazon schon lange erwerben, warum nicht auch gleich die Fachkraft, die diese segensreich einsetzt? Wo man eine Waschmaschine kaufen kann, sollte auch der Monteur nicht weit sein. Das Unternehmen will als Vermittler zwischen Handwerkern oder Dienstleistern fungieren – und kassiert dafür.

Wenn der Service digital wird, bleiben die analogen Anbieter auf der Strecke oder werden ein Bestandteil der digitalen Vermittlungswelt. Das Einstellen von Putzfrauen war bislang – wer weiß das nicht? – Schwarzarbeitsgebiet. Vor einigen Jahren noch kamen manchmal polnische Frauen durch unser Quartier und boten – so sagten die Nachbarn – ihre Reinigungsdienste an. Die sieht man schon lange nicht mehr. Vielleicht sind die Putzfrauen längst „Vermittlungsgüter“ bei einem Portal wie Helpling oder bookatiger.com. Und dort sind die Preise nicht verhandelbar.

Für servicegewohnte Kunden mag ein solches Angebot reizvoll sein, deren Bedürfnisse steigen unentwegt. Und ist man als Nutzer nicht besser dran, wenn man alles – weg vom Persönlichen – in die digitale Verwertungsgesellschaft wirft? Anonymität entlässt aus zu viel zwischenmenschlichem Aufwand. Die „Perle“, eine Putzfrau, der man sich verpflichtet fühlte, die gibt es nicht mehr. Dafür weiß Amazon bald, wie oft ich welche Dienstleistungen buche und was ich dafür noch gebrauchen kann.

Dann mache ich bei Bedarf lieber auf schwarz. Wenn schon eine Putzfrau, dann möchte ich bitte eine, die mir von den Nachbarn empfohlen wurde. Da setze ich auf Mund-zu-Mund-Propaganda. Auf Empfehlung putzen zu lassen, das wäre ein Akt des reinen Widerstands – es wäre meine Demonstration gegen Entfremdung und den digitalen Vermittlungswahn.

Magda Geisler bloggt seit vielen Jahren als Magda auf freitag.de

06:00 10.04.2015
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