Das böse Molekül

CO2 Kohlenstoffdioxid nimmt nur 0,04 Prozent der Atmosphäre ein, doch sein Anteil steigt und bedroht so unsere Lebensgrundlagen. Was gibt es noch zu wissen über CO2?

Farblos

Kohlenstoffdioxid ist ein farb- und geruchloses Gas, chemisch betrachtet eine Verbindung aus Sauerstoff und Kohlenstoff mit der Summenformel CO₂. Das Kohlenstoffatom ist an die beiden Sauerstoffatome durch Doppelbindung gebunden, die Sauerstoffatome besitzen zwei freie Elektronenpaare. CO₂ entsteht durch Verbrennung von kohlenstoffhaltigen Brennstoffen, insbesondere von fossilen Energieträgern. CO₂ ist wasserlöslich, sauer und nicht brennbar.

Sportlich

Muskulöse Menschen atmen mehr CO₂ aus als Menschen mit mehr Fettgewebe und weniger Muskeln. Das liegt daran, dass Muskeln einen höheren Energiegrundumsatz haben. Dazu kommt: Wer viel Sport macht, atmet schneller und stößt deshalb auch mehr CO₂ aus. Jeder Mensch atmet zwischen 168 und 2.040 Kilogramm Kohlendioxid pro Jahr aus, je nachdem wie viel Hochleistungssport man betreibt und wie viele Ruhephasen man einlegt. Endlich steht fest: Couchpotatoes for Future!

Aufstößig

Kühe furzen Methan – deswegen gelten Kuhpupse als Quelle von Treibhausgasen. Doch eigentlich sind Kuhrülpser viel schlimmer: Rund 90 Prozent aller Gase verlassen den Kuhmagen durch den Mund. Forscher*innen entwickeln zurzeit ein Kuhfutter, das die Rülpser weniger schädlich macht.

Klein, oho

CO₂ macht nur rund 0,04 Prozent der Luft in der Erdatmosphäre aus, viel weniger als Stickstoff (circa 78 Prozent) oder Sauerstoff (circa 21 Prozent). Aber: CO₂ ist ein Treibhausgas, das heißt, es absorbiert einen Teil der von der Erdoberfläche abgegebenen Wärmestrahlung, die sonst im All verschwinden würde.

Eruptiv

Manchmal wird behauptet, Vulkane würden mehr CO₂ ausstoßen als der Mensch, alles halb so schlimm also. Doch das stimmt nicht: Vulkane pusten pro Jahr höchstens ein Hundertstel dessen in die Atmosphäre, was wir Menschen jährlich an CO₂ produzieren: 360 Millionen Tonnen vs. 36 Milliarden Tonnen.

Schmutzig

Die fünf umweltschädlichsten DAX-Konzerne des Jahres 2018 waren fünf Großkonzerne mit Fußabdrücken, groß wie Ozeandampfer: RWE voran mit 125 Millionen Tonnen CO₂, Heidelberg Cement mit 82 Millionen, Lufthansa mit 33 Millionen, Thyssen-Krupp mit 24 Millionen und BASF mit 21 Millionen.

Hitzig

Der Treibhauseffekt wurde 1824 erstmals beschrieben: als ein natürlicher Effekt, der die Wärmeabstrahlung ins All verringert und dadurch Leben auf der Erde, wie wir es kennen, ermöglicht. Der anthropogene Treibhauseffekt wirkt als Verstärkung des natürlichen. Eine deutliche Zunahme von Treibhausgasen (wie Wasserdampf, CO₂) führt zur Erderwärmung. Der volle Erwärmungseffekt des Ausstoßes von Treibhausgasen macht sich erst nach zehn Jahren bemerkbar, vielleicht sogar nach Hunderten.

Teuer

Wie schmutzig ist eigentlich das deutsche Bruttoinlandsprodukt? Jeder Euro an Wertschöpfung hierzulande, produziert 277 Gramm CO₂. Je nach Sektor machen Energieerzeugung (311 Millionen Tonnen) und Industrie (196) den Löwenanteil aus. Es folgen Verkehr (162), Gebäudewirtschaft (117), Landwirtschaft (70).

Rasant

Der CO₂-Anteil in der Atmosphäre schwankte seit Entstehung der Erde stark, in den letzten 800.000 Jahren blieb er allerdings relativ stabil: Während der Eiszeiten bewegte er sich zwischen 180 und 210 parts per million (1 ppm = 0,0001 Prozent), während Heißzeiten zwischen 280 und 300 ppm. Erst seit 200 Jahren steigt er kontinuierlich an: Von 280 ppm im Jahr 1800 auf rund 320 ppm im Jahr 1965. Im Mai 2019 wurden zum ersten Mal 415 ppm überschritten.

Mineralisch

CO2 ist nicht Kohlensäure. Tatsächlich ist im Mineralwasser vor allem CO2, das dem Wasser zur Herstellung von Sprudel mit Druck zugefügt wird; ungefähr 0,2 Prozent davon reagiert und wird zu Kohlensäure (H2CO3), der Rest bleibt als CO2 im Mineralwasser enthalten und erzeugt durch Prickeln Erfrischung.

06:00 08.01.2020

Ausgabe 15/2020

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