Magnus Klaue
31.03.2010 | 09:50 31

Das Ende des Zölibats rettet die Kirche nicht

Missbrauchsdebatte Eine der Säulen der katholischen Moraltheologie steht zur Disposition. Aber der Forderung nach Abschaffung des Zölibats liegt eine perfide Geschlechtermoral zugrunde

Die Berliner Republik scheint es wirklich ernst zu meinen mit ihrem Bekenntnis zu Modernität und Weltoffenheit. Alle alten Zöpfe, deren Konservierung noch vor nicht allzu langer Zeit vornehmste Aufgabe der christdemokratischen Parteien gewesen ist, werden mittlerweile erbarmungslos abgeschnitten. Wo das Sprachrohr der gesunden Volksvernunft aus Anlaß der Verwandlung von Ratzinger in Benedikt gestern noch „Wir sind Papst“ in die Welt posaunte, will angesichts der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche mit demselben Papst heute niemand mehr etwas zu tun haben. Mit dem Zölibat steht sogar eine der wichtigsten Säulen der katholischen Moraltheologie zur Disposition.

Die Frage, wie es möglich ist, dass eine vorgeblich so einflussreiche Institution wie die katholische Kirche innerhalb weniger Wochen per Konsensprinzip zum kollektiven Feindbild der Nation erklärt werden kann, hat sich merkwürdigerweise bisher kaum jemand gestellt. Dabei könnte ihre Beantwortung einiges über die psychische Disposition einer Bevölkerung aussagen, deren journalistische Leitmedien die Jagd auf „Kinderschänder“ schon immer wichtiger fanden als die Verteidigung eines klerikalen Altherrenvereins, dessen Mitglieder den Bürgern wegen ihrer skurrilen Rituale, ihrer Klandestinität und ihrer Lateinkenntnisse zutiefst verdächtig sind.

All diese Anachronismen scheinen im Zölibat zusammenzufinden, in dem die öffentliche Meinung den wichtigsten Grund dafür zu erkennen glaubt, dass Priester ihren ungestillten Trieb an unschuldigen Knaben ausgelebt haben.

Die Frau als Versuchung

Die Lösung der Missbrauchsfrage scheint dieser Logik zufolge einfach zu sein: Befreit man die Betroffenen von ihrer Versagungspflicht und bietet ihnen qua Ehefrau ein stabiles Objekt sexueller Befriedigung, hat man die wichtigste Ursache des Missbrauchs beseitigt und nebenher ein kirchliches Ornament geschliffen, dessen Fortbestand zum modernen Deutschland ohnehin nie recht passen wollte. Was für eine perfide Geschlechtermoral diesem Lösungsvorschlag zugrunde liegt, scheint niemandem aufzufallen.

Fungiert doch die Frau, deren sündhafter Leib in der katholischen Morallehre als potentielle Versuchung auf verquere Weise immerhin auch eine gewisse Autonomie besaß, in solcher Sexualhygiene nur noch als austauschbares Objekt einer entindividualisierten Triebabfuhr. Dass die bürgerliche Ehe seit ihrer Existenz noch nie ein guter Schutz vor sexueller Gewalt gewesen ist, dass Kindesmissbrauch und Vergewaltigung im Binnenbereich der Kleinfamilie sogar besonders häufig vorkommen, all das scheint angesichts der Möglichkeit, die katholische Kirche als Ansammlung potentieller Triebverbrecher hinzustellen, nicht mehr der Rede wert zu sein.

Als wäre nicht der wichtigste Ort von Versagung gerade die Familie, als wäre die Ehe nicht eine Agentur zur Unterdrückung von Frauen, sondern eine zur Selbstbefreiung des Mannes. Und als wäre der Zölibat einfach eine Negation von Sexualität – und nicht eine, wenngleich kritikwürdige, Form des Umgangs mit dieser. Aber in die Köpfe von Menschen, für die der Sexualtrieb etwas ist, das erledigt werden muss wie ein Stuhlgang, werden solche Erkenntnisse wohl nie hineingehen.

Kommentare (31)

Lethe 31.03.2010 | 18:24

Ist mir etwas entgangen? Wo steht das Zölibat zur Debatte? Stürzt der Himmel ein?

Lernt doch endlich mal was. Deutschland ist nicht der Nabel der Welt, und wenn es hier 30 Millionen Kirchenaustritte geben sollte, wird die RK als Ganzes auf Grundlage ihrer lateinamerikanischen und sonstigen überseeischen Kolonien lächelnd darüber hinwegschreiten und warten, bis diese Generation in Deutschland Vergangenheit ist. Die sind doch schon seit ewigen Zeiten Global Player.

Zölibat als eine Form des Umgangs mit Sexualität, hmm. Ja, so kann man es sehen, wenn man muss. Auf der Grundlage einer freiwilligen Entscheidung würde ich das unter Umständen akzeptieren. Tatsächlich bezweifele ich, dass es weltweit auch nur einen Priester, einen Mönch und nur sehr wenige Nonnen gibt, der/die nicht regelmäßig masturbieren, und wieviel Geld von Priestern im Rotlichtmilieu ausgegeben wird, dürfte eine eigene Studie wert sein. Soviel zur Freiwilligkeit des "Umgangs", die wohl eher die Freiwilligkeit der Zustimmung zur Aufrechterhaltung einer Lebenslüge sein dürfte. Die Privilegien, die das mit sich bringt, sind schließlich nicht ohne.

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rainer-kuehn 01.04.2010 | 00:11

"demütigenderes" hätte Adorno großgeschrieben, insgesamt hätte er sich aber wohl nicht bemüßigt gefühlt, auf einen Satz wie dem von Dreamtimer mit mehr als kenntnisreiches Kopfschütteln zu reagieren.

Der Beitrag von Klaue zeigt bestens, wie Diskussionen und "Brennpunkte" fürs Belassen beim Alten verschoben werden. Bewußt-unbewußt reicht sich das Ideologiesystem die Hände beim Skandalisieren für den nächsten Skandal.
"Kulturindustrie mißbraucht die Rücksicht auf die Massen dazu, ihre als gegeben und unabänderlich vorausgesetzte Mentalität zu verdoppeln, zu befestigen, zu verstärken. Durchweg ist ausgeschlossen, wodurch die Mentalität verändert werden könnte." (Résumé über Kulturindustrie)

dame.von.welt 01.04.2010 | 00:26

'Dabei könnte ihre Beantwortung einiges über die psychische Disposition einer Bevölkerung aussagen, deren journalistische Leitmedien die Jagd auf „Kinderschänder“ schon immer wichtiger fanden...'

Die psychische Disposition der Bevölkerung decouvriert sich hier ganz genau so wie bei der Berichterstattung zu Amstetten.
Es wird voyeuristisch und mit geschwollenem Schritt an einen möglichst von der eigenen Person weit entfernten und eng umgrenzten Ort geglotzt und die sexualisierte Gewalt in der nächsten Umgebung auch weiterhin ignoriert, billigend in Kauf genommen, ausgeübt.

Die berichterstattenden Medien hingegen machen sich ohne den Hauch eines Schamgefühls über die von sexualisierter Gewalt Betroffenen her und vergewaltigen sie ein weiteres Mal. In der aktuellen Berichterstattung gilt neben der Kirche und dem Zölibat das ganz besondere Augenmerk jedoch dem 'Pädophilen', ganz ungeachtet der Tatsache, daß nach verschiedenen Studien bei den Verbrechen der sexualisierten Gewalt an Kindern durch Männer in lediglich etwa 12-20% Prozent der Fälle tatsächlich Pädophile pädokriminell werden.

Sehr viele Pädophile fassen aber entgegen ihrer sexuellen Prägung (manche Wissenschaftler sprechen sogar von sexueller Identität) in ihrem ganzen Leben nicht ein einziges Mal ein Kind an - auch eine Form von Zölibat, hm? Es scheint aber niemanden zu interessieren, daß hier einer Gruppe von etwa 1% aller Männer vorauseilend jedes Menschenrecht abgesprochen wird, von einer Unschuldsvermutung mal ganz zu schweigen.

Das einzige Forschungs- und Therapieprojekt in Deutschland 'Kein Täter werden' ist so chronisch unterfinanziert, daß bis 2008 von über 700 Bewerbern nur etwa 150 ein Therapieplatz angeboten werden konnte.
www.kein-taeter-werden.de/start2.php
Würde die Volkswagenstiftung nicht die Forschungsarbeit in Vollständigkeit finanzieren, hätte sie schon lange abgebrochen werden müssen.

Der ganze große Rest von etwa 80-88% der Vergewaltigungen von Kindern durch Männer (in etwa 10-16% aller Fälle sind Frauen die Täter) entfallen auf ganz 'normale', überwiegend heterosexuelle Männer, die sich in ihrer Sexualität eigentlich an Erwachsene richten würden, wäre ihnen denn eine Augenhöhe möglich. Leichter fällt ihnen aber, MACHT und GEWALT auszuüben. Also dann eben auch mal ein Kind vergewaltigen. Oder nach Thailand zum Ficken fliegen. In der Tat, 'wie ein Stuhlgang'. Und nun lese man nochmal von vorn.

Vielen Dank an Markus Klaue für den guten Artikel.

Magda 01.04.2010 | 11:08

"Sehr viele Pädophile fassen aber entgegen ihrer sexuellen Prägung (manche Wissenschaftler sprechen sogar von sexueller Identität) in ihrem ganzen Leben nicht ein einziges Mal ein Kind an - auch eine Form von Zölibat, hm? "

Ich habe so ähnlich in meinem Blog argumentiert.
Pädophil veranlagt zu sein ist ein lebenslanges Verhängnis für den Betroffenen und viele versuchen, dann andere Wege zu finden, ich glaube manchmal auch mit Partnerin oder Partner.

Die ganze Zölibatsdebatte hat so ihre Seiten. Und es ist sicherlich sehr merkwürdig gedacht, wenn man die Ehe als Heil ansieht.
Auch das evangelische Pfarrhaus hat seine dunklen Stellen und Konfliktseiten. Der Pfarrer - immer im Mittelpunkt, immer belastet, immer gefragt. Seine Frau - in einem offenen Pfarrhaus mit wenig Privatheit lebend - oft überfordert, wenig geachtet oder manchmal angefeindet. Es gab einen sehr spektakulären Mordfall vor einigen Jahren. Da hat ein Pfarrer seine Ehefrau ermordet. www.theologe.de/luther_geyer.htm
In seiner Geschichte spiegeln sich ebenfalls Konflikte, die "Kleriker" generell betreffen.

Ich habe mir dieser Tage mal wieder diesen dicken Wälzer von Eugen Drewermann vorgeholt, den ich vor Jahren mit großem Interesse gelesen habe.
Kleriker - Psychogramm eines Ideals heißt er Und da nimmt er diesen "Berufungsstand" restlos auseinander. Im Kapitel über die "evangelischen Räte" Armut, Gehorsam und Keuschheit" beschäftigt er sich logischerweise mit der Zölibatsfrage umfassend und psychoanalytisch,wie es seine Art ist.
Gleich im Inhaltsverzeichnis fand ich das schöne Zitat von Leon Bloy Weil sie niemanden lieben, glaubten sie schon, sie liebten Gott.

Ich glaube, ich werde das Buch mal vorstellen in der Community.

Michael Jäger 01.04.2010 | 14:21

Ich wollte hier schon gestern kommentieren, die Technik hatte nur wieder mal nicht geklappt. Um zu sagen, daß ich den Artikel so gut doch nicht finde. Warum das keine gute Idee sein soll, statt des Zölibats die Ehe zu ermöglichen, ist mir nämlich völlig schleierhaft. Vor allem das Argument: Ehe heißt, dem Mann "ein stabiles Objekt sexueller Befriedigung zu geben". Da reibe ich mir die Augen. Gilt das für alle Ehen? Z.B. für deine, Magda? Oder sind Kleriker besondere Männer, für die es ganz bestimmt gelten würde? Ist es nicht eine Lebenserfahrung, daß auch Männer, die zwar keine Gewalttäter sind, aber in Frauen nur Sexualobjekte sehen, in jeder realen Beziehung sofort begreifen müßten, daß sie sich irren? So daß diese Beziehung entweder gar nicht zustandekommt oder keine zu einem "Sexualobjekt" wird? Eine andere Lebenserfahrung sagt mir, daß so eine Argumentation vielleicht dadurch zustandekommt, daß viele Linke glauben, alles, was im Bereich der 30 Millionen der rechten statt linken Bevölkerungshälfte geschieht, m ü s s e einfach verkehrt sein. Das Zölibat ist verkehrt und das Zölibat abschaffen ist auch verkehrt! Na großartig. Es ist wie bei der absurden Rechtschreibreform: Die FAZ hatte sie angegriffen, also mußte sie richtig sein.

NM 01.04.2010 | 17:28

Ich glaube hier hat der Autor den Sinn der Maßnahme der Zölibatsaufhebung nicht ganz verstanden. Es geht doch darum Menschen mit einem "normalen" Sexualleben nicht durch den Zölibat vom Priesteramt abzuschrecken. Die offensichtliche Häufung von Pädophilen unter Priestern steht meiner Meinung nach im Zusammenhang mit dem Zölibat, weil jene durch den Zölibat eben NICHT abgeschreckt werden, da sie auch nicht an einem Eheleben interessiert sind. Außerdem geht es wie ich denke nicht darum irgendwelchen Triebtätern Frauen zur Ablenkung unterzujubeln, sondern, wie gesagt, darum die Priesterschaft IN ZUKUNFT mit mehr "normalen" Menschen aufzufüllen.

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rainer-kuehn 01.04.2010 | 18:14

Magnus Klaue schreibt: "Die Lösung der Missbrauchsfrage scheint dieser Logik zufolge einfach zu sein: Befreit man die Betroffenen von ihrer Versagungspflicht und bietet ihnen qua Ehefrau ein stabiles Objekt sexueller Befriedigung, hat man die wichtigste Ursache des Missbrauchs beseitigt".

Die Wendung "in dieser Logik" ist dabei wichtig. - Den weiteren Ausführungen Klaues zur Ehe ist hoch anzurechnen, daß er sie als aus einer Welt von Herrschaft herrührend nicht romantisch betrachtet. Die Ehe ist wie das Zölibat kein Schutz vor Mißbrauchstaten. Nachdenklich machende Zahlen hat Dame.von.Welt in einer anderen Diskussion genannt.

dame.von.welt 01.04.2010 | 19:21

@NM
Ich möchte sehr bezweifeln, daß es eine 'offensichtliche Häufung von Pädophilen unter Priestern' gibt. Nach meinem Eindruck sind die Fälle sexualisierter Gewalt durch Priester eher auf eine verdrängte, unreife und unreflektierte Sexualität, gepaart mit aus der Position abgeleitetem Machtwahn zurück zu führen.

Das Zölibat, sieht man von den Gründen für seine Einführung ab - nämlich die Verunmöglichung der Vererbung von Besitz auf eigene Nachkommen - zielt auf die Wandlung der sexuellen Energie zum Glauben an Gott. Ist also, wie im Artikel völlig zutreffend dargelegt 'eine, wenngleich kritikwürdige, Form des Umgangs mit' Sexualität.

Was den bewußten Verzicht auf Sexualität zugunsten einer Handlung/Leistung/Bewußtseinsebene angeht, so bedienen sich dessen ja auch z.B. Künstler und Sportler. Und zwar ganz freiwillig, wenn auch meist nicht lebenslang.

So sehr ich geneigt bin, Ihren Wunsch nach der Auffüllung der RKK mit 'normalen' Menschen nachzuvollziehen, so wenig glaube ich, daß Priester automatisch krank, unnormal, pädophil oder von fremden Mächten gezwungen wären, wenn sie das Zölibat wählen. Nach meiner Meinung wäre die RKK aber sehr gut beraten, würde sie das Zölibat z.B. für Ordensbrüder erhalten, für z.B. Gemeindepriester aber freistellen. Ein anderes Kapitel sind nämlich die Nachwuchssorgen, noch ein weiteres die Glaubwürdigkeit eines auf Sexualität verzichtenden Seelsorgers bei menschlichen und alltäglichen Fragen und Probleme mit eben u.a. auch Sexualität.

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Es scheint den Kommentatoren aber allseits außerordentlich schwer zu fallen, den bösen Sarkasmus in Markus Klaues Artikel zum Thema Ehe und zum katholischen Frauenbild zu begreifen, was sich ja sehr weit auch in die bürgerliche Gesellschaft erstrecken?

Dann eben noch einmal den letzten Satz:
'Aber in die Köpfe von Menschen, für die der Sexualtrieb etwas ist, das erledigt werden muss wie ein Stuhlgang, werden solche Erkenntnisse wohl nie hineingehen.'

Ist das denn bei Ihnen allen so? Nein? Warum also ziehen Sie sich dann diesen Schuh an?

Magda 01.04.2010 | 19:39

"Da reibe ich mir die Augen. Gilt das für alle Ehen? Z.B. für deine, Magda?"

Huch, lieber Michael Jäger, wie kommst Du jetzt auf mich? Ich bin ja vollinhaltlich Deiner Meinung und verweise auf mein Posting, in dem es u.a. heißt:

"Und es ist sicherlich sehr merkwürdig gedacht, wenn man die Ehe als Heil ansieht."

Vielleicht hast Du mich ja nur so allgemein als Beispiel genommen, dann ist auch gut, aber ich bin im Ganzen nicht Magnus Klaue gefolgt.
Ansonsten: Mein Mann benutzt stabile Objekte zum Nägel einschlagen. :-))

Dreamtimer 01.04.2010 | 20:36

Fazit: Kindersex ist schlimm, aber noch schlimmer ist das falsche Leben der bürgerlichen Eheleute. Aberglaube ist schlimm, aber noch schlimmer ist die Wissenschaft. Sklaverei ist schlimm, aber noch schlimmer ist es, Geld verdienen zu müssen. Unbildung ist schlimm, aber noch schlimmer ist die Schule mit ihrem Leistungsprinzip usw.

Warum ist das ganz gewöhnliche Leben so viel schlimmer, als das qualvolle? Nun, weil es uns der Hoffnung auf ein Jenseits beraubt, dem Erlösungswunsch und all diesen schönen Dingen, mit denen schöne Seelen, schöne Befindlichkeiten pflegen.

Michael Jäger 01.04.2010 | 20:59

Lieber Rainer, wenn der freie Waffenverkauf verboten wird, ist das auch kein Schutz davor, daß nicht trotzdem gemordet wird, aber das würde mich nicht hindern, ein solches Verbot zu begrüßen, erstens: ganz unabhängig davon, aus welcher Logik heraus die Verbieter handeln - denn ich urteile nach meiner eigenen Logik -, und zweitens: ohne daß ich mir gleich so sicher wäre, daß die Logik der Verbieter darin besteht, daß sie nur die Methode des Mordens austauschen wollen. Klaue unterstellt Zölibatsgegnern die Logik, daß sie den Betroffenen stabile Sexualobjekte bieten wollen. Woher weiß er das?

Magda 01.04.2010 | 21:50

Na, das klärt die Sache natürlich.

Nebenbei: ich hatte ja einen Klerikerfreund, der sich sehr in der Basisbewegung für das Recht auf Ehe engagiert hat, aber nie im Leben selbst geheiratet hätte. Es geht da eher um Optionsfreiheit, um die Auflösung eines Zwanges, der ja auch Kontrolle und Entmündigung bedeutet.

"Eine andere Lebenserfahrung sagt mir, daß so eine Argumentation vielleicht dadurch zustandekommt, daß viele Linke glauben, alles, was im Bereich der 30 Millionen der rechten statt linken Bevölkerungshälfte geschieht, m ü s s e einfach verkehrt sein. Das Zölibat ist verkehrt und das Zölibat abschaffen ist auch verkehrt! "

Ha, vielleicht ist das die linke Dialektik.

Gruß

Michael Jäger 02.04.2010 | 02:31

Liebe Magda, genau, Optionsfreiheit müßte es geben. Auch im Sinne von Dame-von-Welt unten: Wenn einer das Zölibat will, bitte schön. Nur vorgeschrieben dürfte es nicht werden. Lieber Rainer, ich kann das natürlich selbst nicht beurteilen, ob ich etwas so lese, wie es gemeint ist, oder nicht. Vielleicht hast du recht, hoffentlich hast du recht. Es wäre wirklich schön, wenn es diese "linke Dialektik" gar nicht gäbe.

Leif 05.04.2010 | 20:52

Ich meine, dass die Missbrauchsfrage in der katholischen Kirche nicht systemimmanent ist. Der Missbrauch an den Kindern fand statt mit dem 'Instrumentarium' der Kirche: Notwendigkeit der Beichte, detaillierte Beschreibung "sündigen" Verhaltens, Erteilung der Absolution unter bestimmten Bedingungen...Die Religion/der Glaube wurde als Instrument benutzt, der den Missbrauch erst möglich machte. Es sind diese Praktiken der Kirche, dieses Machtinstrumentarium, welche in den Fokus der Diskussion gestellt werden sollten.

NM 06.04.2010 | 04:33

Der Machtwahn und die schwache Position der Opfer mögen eine Rolle spielen, dass sich heterosexuell Veranlagte an Kindern vergreifen. Der Ausdruck "Pädophiler" mag zu undifferernziert sein, aber wo ist am Ende der Unterschied? Menschen, die hinter dem Schutzschild des Zölibats kein einigermaßen befriedigendes Sexual- bzw. Liebesleben entwickeln und später herausfinden müssen, wie stark diese Triebe eigentlich sind, sollten in keine Position mit solcher Verantwortung. In nicht-kirchlichen Einrichtungen dieser Art gab es solche Fälle wahrscheinlich in ähnlichem Ausmaß. Aber aufgrund meiner Vermutung, dass wir gerade erst die Spitze des Eisbergs sehen, glaube ich schon an eine Häufung solcher potentiellen Täter innerhalb der Kirche. Und aus welchem Grund es den Zölibat nun auch gibt, seine Schattenseiten treten nun erstmals seit hunderten von Jahren in größerem Ausmaß ans Tageslicht und ich finde es mehr als legitim ihn deswegen nun grundsätzlich in Frage zu stellen. Aber ich muß Ihnen recht geben, dass das nicht ausreichen wird. Internate und dergleichen müssten besser kontroliert und mit Psychologen versorgt werden.
Ordensbrüder Zölibat, Pfarrpriester und Seelsorger Zölibat-optional, halte ich übrigens für eine gute Lösung.

dame.von.welt 08.04.2010 | 15:11

Der Unterschied liegt in der Endsilbe. Pädophil bedeutet mitnichten pädokriminell. Sie sind damit auch nicht allein, die gesamte Presse spricht zur Zeit Pädophilen vorauseilend jedes Menschenrecht, jede Unschuldsvermutung ab (wie auch bereits am 31.3. geschrieben).

Bitte lesen Sie sich selbst etwas Grundwissen darüber an, wo mehrheitlich sexualisierte Gewalt stattfindet - in Familien nämlich. Die Ehe ist nicht eben die für sexuelle Enthaltsamkeit prädestinierte Institution, hm? Möchten Sie nun Familien auch stärker kontrollieren?

Ich glaube wirklich nicht, daß das der Weg zu weniger sexualisierter Gewalt wäre. Der einzige, mir sinnvoll erscheinende Weg ist, Kinder zu stärken, sie dazu zu ermutigen, 'NEIN' zu sagen, ihnen eine Autonomie über ihren Körper einzuräumen. Desweiteren - niedrigschwellige Hilfe für Eltern anzubieten. Das Jugendamt zu reformieren und mit ausreichend Geld und Personal auszustatten, wie auch deren Arbeit zu kontrollieren. Und - das Notruftelefon für Kinder rund um die Uhr erreichbar zu machen und nicht nur von Mo-Frei von 15-19h.