Thorsten Hild
20.07.2011 | 11:40 25

Das Erbe von Hartz IV

Lohnentwicklung Die Einkommen von Geringverdienern sinken weiter. Schuld sind der Zwang, jeden noch so schlechten Job anzunehmen, und eine ungesunde Symbiose von DGB und SPD

„Gehälter sinken im Aufschwung“, so überschreibt die Berliner Zeitung einen Bericht über bisher unveröffentlichte Daten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DiW) zur Lohnentwicklung seit der Jahrtausendwende. Besonders betroffen sind die unteren Einkommensgruppen. Sie haben heute 16 bis 22 Prozent weniger in der Tasche als noch vor zehn Jahren. Bei einem monatlichen Nettoeinkommen von 1000 Euro ist dies ein Verlust von rund 200 Euro. Die Realeinkommen der Besserverdienenden sind hingegen leicht gestiegen, Vermögenseinkommen sogar kräftig.

Woran liegt's? Erstens: An der Hartz-IV-Gesetzgebung, die unter Regierungsverantwortung von SPD und Grünen eingeführt wurde. Die entscheidende Wirkung: Angst. Angst, nach einem Jahr Arbeitslosigkeit jeden Job annehmen zu müssen – und sei er noch so schlecht bezahlt.

Zweitens: Die Gewerkschaften schwächeln. Eine durch Hartz IV unter Druck geratene Arbeitnehmerschaft ist natürlich keine gute Basis für selbstbewusste Lohnverhandlungen. Das allein wäre aber zu kurz gegriffen. Die Gewerkschaften selbst haben bis heute zu wenig unternommen, um diese Hartz-IV-Angst zurückzuschlagen.

Zunächst sind sie selbst auf die neoliberale Logik hereingefallen: Auch sie hofften, dass man Arbeitsplätze sichern oder gar schaffen könne, wenn die Produktivität stärker wächst als die Löhne. Diese Position wurde zwar mittlerweile aufgegeben, allerdings ohne Erfolge bei Lohnverhandlungen.

Drittens: Noch immer gibt es eine ungesunde Symbiose zwischen Gewerkschaften und der SPD, die sich bis heute nicht zu einer Aufarbeitung und Neujustierung ihrer Politik durchringen konnte.

Manche Gewerkschafter haben die Zeichen der Zeit immer noch nicht erkannt: DGB-Chef Michael Sommer hat dieses Jahr in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung einen Beitrag zum 1. Mai verfasst – gemeinsam mit SPD-Chef Sigmar Gabriel. Darin stellt Sommer weder Hartz IV grundsätzlich in Frage, noch weist er seinen Ko-Autor auf dessen Verantwortung für die Misere im Niedriglohnbereich hin. Bevor diese Schönfärberei nicht aufhört, wird es keine starken Gewerkschaften geben.

Mageres Durchschnittswachstum

Bleibt die Frage: Kann es überhaupt eine Aufschwung bei sinkenden Gehältern geben?

Die Arbeitnehmerentgelte belaufen sich mit rund 1.260 Mrd. Euro auf rund 66 Prozent des deutschen Volkseinkommens. Keiner anderen Größe unserer Volkswirtschaft kommt eine vergleichbare Bedeutung zu. Zum Vergleich: Die Unternehmens- und Vermögenseinkommen haben mit 642 Mrd. Euro nur halb so viel Gewicht. Während aber die Arbeitnehmerentgelte im vergangenen Jahr lediglich um 2,8 Prozent gewachsen sind, steigen die Einkommen der Unternehmen und Vermögenden um über 13 Prozent.

„Die Wirtschaft ist seit der Jahrtausendwende ordentlich gewachsen“, zitiert die Berliner Zeitung den DIW-Verteilungsforscher Markus Grabka. Legt man die oben aufgezeigte Bedeutung der Arbeitnehmerentgelte und die von Grabka selbst problematisierte Lohnentwicklung zugrunde, sind Zweifel angebracht. Das Statistische Bundesamt weist dann auch in einer seiner aktuellsten Veröffentlichungen zum „Bruttoinlandsprodukt 2010 für Deutschland“ nur ein mageres Durchschnittswachstum von 0,9 Prozent pro Jahr für den Zeitraum 1999 bis 2009 aus. Gleichzeitig relativiert es das Wachstum von über 3,6 Prozent im vergangenen Jahr, war die Wirtschaft im Jahr zuvor doch um 4,7 Prozent eingebrochen.

Thorsten Hild ist Volkswirt und schreibt regelmäßig auf www.wirtschaftundgesellschaft.de

Kommentare (25)

SchmidtH. 20.07.2011 | 13:58

Also diese auffallende Tatenlosigkeit der Gewerkschaften damit zu entschuldigen, bzw. zu erklären, sie seien zunächst auf die neoliberale Logik hereingefallen, halte ich schon für eine sehr steile These.
Nur hier ging es nicht um fahrlässiges, grob fahrässiges Verhalten, naiven Glauben, nein, hier war Vorsatz im Spiel, bewußt und gewollt haben sich der DGB und seine Gewerkschaften in die passive, begleitende Partnerschaft begeben, zulasten der Arbeitnehmer.

nimzowisch 20.07.2011 | 14:08

Ein großes Problem wurde gar nicht erwähnt:
Durch die im Artikel genannte Politik konzentriert sich das Vermögen in immer weniger Händen, während die Masse der Bevölkerung immer mehr arbeiten und Steuern zahlen muß, um die Zinsen dafür zu erwirtschaften. Dazu ist sie aber immer weniger in der Lage, siehe die aktuelle Finanzkrise. Als Folge wird ein "Haircut", eine Streichung der Schulden kommen, also eine Umverteilung von oben nach unten.

TH 20.07.2011 | 14:38

Lieber Leser,

das kann man so sehen; ich bin da etwas "rücksichtsvoller" bzw. zurückhaltender und gewichte es hoch, dass die in Deutschland brutal und einseitig verbreitete monotone "Lehre" (bei gleichzeitiger Leere) vom niedrigen Lohn bzw. der Lohnkostenkonkurrenz, die losgelöst von dem Verhältnis des Lohnes zur Produktivität geführt wurde und wird, die Köpfe schon ordentlich vernebelt hat; das ist keine Entschuldigung für die Versäumnisse der Gewerkschaften - aber eine Erklärung. Und um Erklärungen geht es mir - nicht um Be- oder Anschuldigungen, denn das hilft aus meiner Sicht nicht weiter, sondern blockiert. Allerdings habe ich bei Gewerkschaftern auch schon eine gehörige Portion Selbstgefälligkeit und mangelnde Einsicht kennengelernt. Unter dem Strich ist aber für mich nur wichtig, dass die Einsicht in jene falsche Sicht vom Lohn sich weiter verbreitet und entsprechendes Handeln nach sich zieht. Da ist allerdings zur Zeit noch einiger Zweifel angebracht, wie nicht zuletzt der in meinem Beitrag oben erwähnte und kritisierte gemeinsame Beitrag von Sommer und Gabriel in der FAZ belegt: www.faz.net/artikel/C31853/fremde-federn-michael-sommer-und-sigmar-gabriel-der-arbeit-ihren-wert-zurueckgeben-30335607.html

Ich problematisiere vor diesem Hintergrund im übrigen ja auch im Beitrag oben gerade die enge Symbiose zwischen SPD und Gewerkschaften.

Chali 20.07.2011 | 16:06

"Zunächst sind sie selbst auf die neoliberale Logik hereingefallen: Auch sie hofften, dass man Arbeitsplätze sichern oder gar schaffen könne, wenn die Produktivität stärker wächst als die Löhne. "

Zunächst: eine "neoliberale Logik" gibt es nicht.
Was es gibt, ist "neoliberale Propaganda" oder "neoliberale Gehirnwäsche" oder dergleichen; aber mit Logik hat das nichts zu tun.

Zum Eigentlichen:
Ich liebe Sätze mit "kann" und "könnte"! (Oder, wie hier, "könne")
Es ist ja ganz richtig,
"Man kann Arbeitsplätze sichern oder gar schaffen, wenn ..."
Nur tun tut man nicht. Und wenn doch, dann nicht hier.

Warum auch. Fragen Sie Herrn Sarrazin.

Tiefendenker 20.07.2011 | 19:50

@nimzowisch

Das Stichwort "Vermögensumverteilung" ist völlig richtig. Das sollte man ruhig ergänzend benennen dürfen.

Das liegt und passiert aber nicht nur etwa durch die Zinsen, sondern durch die Logik der Wertschöpfung ganz allgemein.

Davon abgesehen sind ja gerade die die Kredite (Finanzwirtschafts- plus Staatskredite), welche wertmäßig die Wirtschaft noch tragen. Das wird oft völlig übersehen, weil nur auf der Oberflächenbewegung des Geldes nachgedacht wird, jedoch nicht auf der Wertebene, die dem zugrunde liegt.

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Ehemaliger Nutzer 20.07.2011 | 21:30

Nun, sicher gibt es auch in der SPD und den SPD-Gewerkschaftern jede Menge volkswirtschaftlich Unbedarfte. Nur ist es das nicht allein, denn es gibt gerade aus diesem Lager etliche, die ordentlich für ihre Politik belohnt wurden und werden (AWD-Gazprom Gerd, Privatrenten Walter (Riester) und PPP Rudolf (Scharping)), um nur einige wenige zu nennen. Diese Leute mit ihren Seilschaften darf man nie unterschätzen. Das ist ein schwerer politischer Fehler. Dazu kommt noch, dass viele SPD-Funktionäre und Gewerkschaftsfunktionäre sich schon immer als Sachwalter der Unternehmer verstanden haben und verstehen. Die von diesen SPDlern und Gewerkschaftern vertretene "trickle-down" Theorie war schon immer eine hündische Theorie für das sich Ergeben in die Lohnsklaverei (Wenn es den Unternehmen gut geht, fällt auch etwas für die Arbeiter ab, sickert also von oben durch.). Damit wurden und werden die Arbeitnehmer schon immer auf Brosamen eingestimmt, mehr sei halt nicht drin, so die Argumentation der rechten SPDler in der SPD und den Gewerkschaften. An diese Auffassung schließt sich dann nahtlos die ökonomische Unbedarftheit der SPDler in SPD und Gewerkschaften an. Schließlich kann natürlich von denen jetzt niemand zurückrudern, ohne dass sie Gefahr laufen, dass man sie mit Knüppeln durch die Straßen prügelt.

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Ehemaliger Nutzer 21.07.2011 | 13:50

Die Gewerkschaften haben in den letztem Jahren immer konsequenter die Interessen der Arbeitnehmer schon fast gewohnheitsmäßig verraten, die SPD die ihrer Wähler und keiner will's gemerkt haben? Es wundern sich manche Leute über das klare wirtschaftliche Ergebnis gegen das nicht vorhandene " Vermögen" der Arbeitnehmer?

Nur was hinten 'raus kommt, ist das, worauf es ankommt und da ist die Lage der deutschen Arbeitnehmer so schlecht wie seit 20 Jahren nicht. Die Arbeitnehmer gehen Arbeitsverträge jenseits der ökonomischen Sinnhaftigkeit ein, die Gewerkschaften sehen nur sich selbst und ihre eigenen hauptamtlichen, gut bezahlten Funktionäre im Zentrum ihres " Kampfes" um die Lage der arbeitenden Menschen im Land und seit SPD/ Grüne zusammen regierten, ist die Ausnahme von der Regel, die Leiharbeit inzwischen in weiten Berufsfeldern die Regel. Das alles hätten die SPD und die Gewerkschaften verhindern müssen!

Gab es nennenswerte Kampfmassnahmen der Gewerkschaft, hat die SPD ihre Mitschuld an der Misere der Arbeitnehmer zugegeben? Selbstzufriedene Behördenapparate mit Tausenden Quadratmetern Bürofläche taugen nicht dazu, die Interessen der arbeitenden Menschen wirksam zu unterstützen.

Wenn sich die Parteien und die Gewerkschaften selbst kostendeckend über ihre Mitglieder zu finanzieren hätten, gäbe es nicht Tausende Funktionäre und riesige Bürokomplexe in Berlin, aber vielleicht die Chance, dass man sich da wieder auf das Wesentliche, die Verbesserung der Lage der deutschen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer konzentriert. Weder SPD noch Gewerkschaft bilden derzeit ein natürliches und deshalb durchaus gesundes Gegengewicht zur Macht des Arbeitgeberlagers.

Maxi Scharfenberg

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Ehemaliger Nutzer 22.07.2011 | 00:03

Nun, es geht einem immer größer werdenden Teil der Arbeitnehmer schlecht, das ist leider wahr. Wahr ist aber auch, dass es den Leuten in Betrieben mit Tarifvertragsbindung und eigener langjähriger Berufstätigkeit recht gut geht. Dazu kann man mal in die Tarifverträge der IG-Metall, IG-Chemie und Verdi reinschauen. Das sind eben auch die Leute, für die sich die hauptamtlichen Gewerkschafter zuständig fühlen.

Bei den hauptamtlichen Gewerkschaftern ist die Angst vor "ungesetzlichen" Streiks und einem Verbot der Gewerkschaften so groß, dass sie darüber nicht denken oder diskutieren wollen und schon Ansätze dafür im Keim ersticken. Das ist die alte sozialdemokratische Obrigkeitshörigkeit, welche durch das deutsche positive Recht und ein schwaches Grundgesetz noch verstärkt wird.

Andererseits darf man die Möglichkeiten der Gewerkschaften auch nicht überschätzen, denn für die knapp über 6 Millionen Gewerkschaftsmitglieder gibt es ca. 9000 hauptamtliche Gewerkschaftsmitarbeiter, vom Pförtner über die Schreibkräfte bis hin zu den eigentlich für die Gewerkschaftsarbeit zuständigen Gewerkschaftssekretären.

Die Gewerkschaften finanzieren sich übrigens aus Mitgliedsbeiträgen. Nur die politischen Parteien bekommen Steuergelder und Spenden neben den Mitgliedsbeiträgen.

Den hauptamtlichen Gewerkschaftssekretären stehen weit mehr als 50.000 hauptamtliche Mitarbeiter der Arbeitgeberverbände gegenüber, und zwar vorwiegend akademisch ausgebildete Kräfte (BWLer, VWLer, Juristen usw.). Das Verhältnis versteht man erst richtig, wenn man von ca. 2 Millionen Einzelunternehmern ausgeht. Auch dann, wenn man weiß, dass die Unternehmer zu 100% organisiert sind, in ihren vielen Verbänden und Lobbyorganisationen.

Hätten die Gewerkschaften annähernd gleichviele Kräfte, müssten sie über 150.000 hauptamtliche Mitarbeiter haben. Soviel hatten die nie in ihrer ganzen Geschichte. Etwas ausgeglichen wird das für die Gewerkschaften schlechte Kräfteverhältnis durch die ehrenamtlichen gewerkschaftlichen Vertrauensleute und die meist den Gewerkschaften angehörenden Betriebsräte. Nur sind letztere leider häufig weder den Unternehmern noch den Unternehmervertretern aus den Arbeitgeberverbänden gewachsen.

Um richtig machtvoll zu sein müssten die Arbeitnehmer bundesweit in allen Betrieben zu mindestens 60% organisiert sein. Das wäre dann 2,5 mal soviel wie jetzt. Dann hätten die Gewerkschaften 15 Millionen Mitglieder, die aber alle vernünftig in wirtschaftlichen und arbeitsrechtlichen Angelegenheiten zu informieren und schulen wären. Da fangen schon die Schwierigkeiten an, weil man sich mit allen Mitgliedern noch über die Inhalte gewerkschaftlicher Positionen einigen müsste. Aus der Praxis weiß ich, das ist die reinste Sysiphosarbeit. Egal wie schlecht es den Leuten geht, sie gehen nicht in die Gewerkschaften. Manche Gewerkschafter wie Michael Sommer vom DGB und Berthold Huber von der IG Metall schwächen die Gewerkschaften dadurch, dass sie ureigenste Aufgaben der Gewerkschaften der SPD zuordnen: "Da muss die Politik was machen". Das ist natürlich ein Armutszeugnis und ein Aufruf an alle Arbeitnehmer, nicht in die Gewerkschaften einzutreten. Wozu auch, wenn solche Gewerkschafter nach der "Politik" winseln.

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Ehemaliger Nutzer 22.07.2011 | 14:19

Da stimme ich gern zu, was die Ergänzung zur Situationsbeschreibung betrifft. Allerdings denke ich, dass die Gewerkschaften die Schuld tragen, wenn ihre Mitglieder heute nicht annähernd so viel Einfluss haben wie in den Siebzigern.

Die kleinen und grossen Gewerkschaftsfunktionäre haben sich korrumpieren lassen, Posten wie Aufsichtsratsmandate angenommen, gut bezahlt und mit bester Reputation, denn sie wollten gern zum Establishment gehören, haben sich in feinen Hotels wochenlang zur Weiterbildung verkrümelt und waren für das " einfache Volk" nicht mehr erreichbar. Nun sind sie finanziell so abgesichert, das sie das Gewerkschaftsmitglied nicht mehr brauchen, sie sind vereinnahmt, verbürokratisiert und korrumpiert.

Die Gewerkschaften werden nun tatsächlich nicht mehr gebraucht und sollten sich auflösen. Wenn sie morgen weg wären, keinen Menschen würde das interessieren. Fort mit dem Quatsch! Leider bleiben sie da, denn die vielen warmen Stuben sind gut eingerichtet. Natürlich gebe ich Ihnen Recht, dass grundsätzlich die Sache so gedacht ist, dass sich die Gewerkschaften aus Mitgliedsbeiträgen finanzieren. Rechentechnisch funktioniert das aber nicht. Flächenanmietung und Personalkosten sind höher als diese Einnahmen. Sie werden unterstützt und haben Einkünfte der ganz urkapitalistischen Art.

Maxi

TH 22.07.2011 | 15:39

Eine "kleine Beobachtung", aber feine Beobachtung: Das Foto, das die FREITAG-Redaktion für den Beitrag ausgewählt hat, hat mir auch sehr gut gefallen, weil es aus meiner Sicht doch eine gewisse Satt- und Selbstzufriedenheit ausdrückt - die ja aufgrund der im Beitrag skizzierten Zusammenhänge so gar nicht gerechtfertigt erscheint. Was allerdings den Kleidungsstil allein anbelangt, würde ich da nicht zu viel hineininterpretieren wollen, weil ich doch immerhin einige engagierte, im Arbeitnehmerinteresse handelnde Personen kenne, die nun einmal im Anzug ihrer Tätigkeit nachgehen. Äußerlichkeiten allein sollten in die eine wie in die andere Richtung keine Rolle spielen. Viel interessanter finde ich daher das Auftreten der beiden, das für mich durch das Foto hindurchscheint.

Interessant auch der Link zu labournet.de dazu vielleicht auch zum Nachdenken anregend, mein Lied vom "Arbeiterführer" und die dazu erzählte Geschichte:

thorsten-hild.bloggospace.de/136471/Arbeiterfuhrer/

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shalako 22.07.2011 | 18:44

Nur mal so am Rande.

"Der Gewerkschaftschef Michael Sommer hätte das alles billiger und schneller exekutieren können. Mit Zyankali. In ausreichenden Gaben verteilt an Bundesvorstand, Bezirks- und Ortsvorstände und schließlich auch an die übriggebliebenen Mitglieder des DGB hätte sich das Problem nachhaltig lösen lassen. Doch Sommer hat den noch effektiveren Weg gewählt. Er hat sich McKinsey ins Haus geholt."

www.sopos.org/aufsaetze/42349c57d158f/1.phtml

claudia 25.07.2011 | 16:37

Nicht alle wollen mit McSchlimmsey in die herrlichen Zeiten gehen:
www.gewerkschafter-aktiv.de/7.html

Eine Gewerkschaft kann niemals besser sein als ihre ihre Mitglieder.

---
Gerhard Gazprom übrigens wurde von Roland Berger geschult. Damit die SPD schon 1998 nicht wählbar, ausser man hätte ein paar Milliönchen irgendwo angelegt.
Aber eine Regierung ist halt auch niemals besser als ihre Wähler.

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Ehemaliger Nutzer 25.07.2011 | 20:01

Die Lösung:

Alle Fernsehsender abschalten!
Alle Menschen auf sich selbst zurückschleudern!
Jedem die Möglichkeit geben, über sich selbst nachdenken zu lassen!
Dann löst sich dieses Problem von selbst ... wenn auch sehr blutig!
Doch das soll über die Vorratsdatenspeicherung verhindert werden. Das System versucht seinen Selbsterhalt

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Ehemaliger Nutzer 26.07.2011 | 02:49

Na ja, ganz so einfach ist das vielleicht nicht. Es gab einerseits eine von der SPD betriebene intellektuelle und ideologische Entwaffnung der Gewerkschaften bereits in den 50er und 60er Jahren als man viele unabhängige sozialistisch-marxistische Gewerkschafter aktiv bekämpfte und die antikommunistischen Hatz der Adenauer-Regierung nutzte, diese Kollegen aus der Bildungs- und Leitungsarbeit der Gewerkschaften zu drängen.

Die Besetzung der den Arbeitnehmern zustehenden Aufsichtsratsmandate der der Mitbestimmung unterliegenden Betriebe durch Gewerkschafter geschieht ja nach den mehr und mehr geschliffenen Mitbestimmungsgesetzen und hat weniger etwas mit dem Willen der Gewerkschafter zu tun, der bürgerlichen Schicht zuzugehören zu wollen. Dass manch einer nicht mehr weiß, wo er wirklich hingehört, kommt sicherlich auch vor, die meisten beugen sich einfach der Kapitallogik und natürlich den von bürgerlichen Kräften verunstalteten Mitbestimmungsgesetzen.

Seit der 1982 mit dem Lambsdorff-Tietmeyer-Papier eingeleiteten Gegenreform durch die Kapitalvertreter sind die Gewerkschafter natürlich weiter geschwächt worden. Das macht sie nicht verzichtbar, ganz das Gegenteil. Wer heute glauben machen will, man könne ganz auf die Gewerkschaften verzichten und sie für überflüssig erklärt, verkennt dramatisch die gesellschaftliche Wirklichkeit und den verzweifelten Abwehrkampf der Gewerkschafter, schwächt die Gewerkschafter und betreibt das Geschäft der Gegenreformatoren der Neoliberalen. Es sei denn, er wäre in der Lage, eine wirksame betriebliche und politische Interessensvertretung als Ersatz zu bieten. Das kann heute niemand. Die SPD aus intellektueller Armut und ideologischer Schwäche nicht, die Grünen wegen ihrer Zugehörigkeit zum bürgerlichen Lager nicht, die Partei die Linke nicht, weil sie zu schwach ist und sich politisch noch nicht eindeutig formiert hat, da es auch dort bereits jede Menge opportunistischer Spaltpilze gibt. Es sieht nicht so gut aus.

Die fortschrittlichen Kräfte können die Gewerkschaften stärken, wenn sie auf jeglichen verbalradikalen und pseudomarxistischen Jargon verzichten und anstelle dessen die freiheitlichen Traditionen der Aufklärung des 18.-19. Jahrhunderts sowie des ursprünglichen Grundgesetzes von 1949 und des wirklichen liberalen und sozialen Bürgertums nutzen.

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Ehemaliger Nutzer 26.07.2011 | 20:42

Na ja. Den " verzweifelten Abwehrkampf der Gewerkschaften" kann man sich am besten als eingeschlichener Gast in einer Bezirksverwaltung von VERDI morgens anschauen, wenn auf den Gängen sooo langsam alles in die Gänge kommt, dass man denkt, vielleicht habe ich mich nur geirrt und das ist hier eine Weiterbildungsstätte der SED - Bezirksleitung, der man nicht erzählt hat, dass der kalte Krieg aus ist. Ich bleibe als früherer Tarifpartner und Freund sinnvoller Tarifverhandlungen dabei, dass der heutige Zustand der Gewerkschaften, man braucht sich nur den Häuptling Sommer anschauen, nicht dafür geeignet ist, die berechtigten Interessen der Arbeitnehmerschaft durchzusetzen. Die haben es einfach zu gut und sind nicht einmal dankbar dafür. Dass sie nicht bösartig sind, ist zwar anzuerkennen, aber für die Sache des Arbeitnehmers nur " zu sein ", das reicht nicht. Frei nach Lenin, sind sie jetzt der Transmissionsriemen von sich selber.

Maxi

lebowski 26.07.2011 | 21:18

Es kommt noch ein Punkt dazu, wieso Gewerkschaften nicht gegen Hartz-IV kämpfen: die Weiterbildungsindustrie, die im Zuge von Hartz-IV entstanden ist, ist für die Gewerkschaften ein prima Geschäft. Mit Hartz-IV ist der Arbeitslose schuld an der Arbeitslosigkeit geworden. Es fehlen also nicht die Arbeitsplätze sondern Bildung, Motivation oder die richtige Einstellung bei den Arbeitslosen.

Und für alles gibt es einen passenden Kurs, den ua gewerkschaftsnahe oder -eigene Bildungsstätten anbieten.
Nicht, dass es an Weiterbildung prinzipiell etwas auszusetzen gäbe, aber mindestens 50 % aller Weiterbildungen sind nichts anderes als Scheißdreck.

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Ehemaliger Nutzer 27.07.2011 | 11:27

Nun, auf ein Letztesmal. Der Abwehrkampf der Gewerkschafter findet vorwiegend im Betrieb statt, wo die Kolleginnen und Kollegen von Arbeitgebern und ihren Kräften (Vorstände, Geschäftsführer, Prokuristen, Personalleiter, Handlungsbevollmächtigte, Abteilungsleiter) behindert, bedrängt, bedroht und eingeschüchtert werden. Wo geltendes Recht tausendfach gebrochen wird, wo die Rechtsauffassung der Herrenmenschen mal sachlich-nüchtern, freundlich, paternalistisch, kaltschnäuzig und rabiat den Kolleginnen und Kollegen aufgenötigt wird. Außerhalb des Betriebes findet der Abwehrkampf nur noch selten statt, da die Statthalter der Unternehmer (Richter, Bundestagsabgeordnete, Regierungsmitglieder) dank des positiven Rechts der Bundesrepublik das Streikrecht nahezu ausgehebelt und gebrochen haben, denn über die Versammlungsfreiheit, dem eigentlichen Streikrecht, entscheidet nicht mehr das Verfassungsgericht sondern nachgeordnete Arbeitsgerichte.

Der Abwehrkampf findet tagtäglich in und vor den Arbeitsgerichten statt, wo die Kolleginnen und Kollegen die Reste ihrer dann auch noch vorenthaltenen Rechte verteidigen müssen. In den Parlamenten findet der Abwehrkampf kaum noch statt, da es kaum Gewerkschafter gibt, die dort ihre Stimme geltend machen können, zumal ja einige auch der Auffassung waren und sind, diese Stimme an die SPD delegieren zu können, womit sie dann verraten und verkauft sind.

Womit sich der Kreis dann schließt, wenn man zu dem Züchtigungs-, Zurichtungs- und Verwertungsgesetz der SPD und der Grünen kommt (Hartz I-IV). Denn dank dieses Gesetzes sind ja nicht nur die materiellen Verhältnisse vieler Millionen Menschen nachhaltig verschlechtert worden; sie können eben aufgrund dieses Gesetzes wieder mit Arbeitslosigkeit und Gosse bedroht werden. Und das ist ganz real und gilt für alle Lohnabhängigen und die wissen und spüren das auch.

Das alles mag in der bürgerlichen Presse und sogar im öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht oder nur in Form der sattsam bekannten Hartz IV-Kampagnen erscheinen, wo die deklassierten Menschen auch noch vorgeführt werden. Aber die Gewerkschafter haben dort kaum eine Möglichkeit, ihre Sicht der Dinge ungestört vorzutragen, ohne dass sich der Hohn der Herrschenden über sie ergießt. Da werden die Gewerkschafter mal schnell der Lächerlichkeit preisgegeben oder sie werden, wie eben auch hier, als die Gewerkschaftsbonzen dargestellt, die es zu bekämpfen gilt, oder die schlicht überflüssig wären. In einer von den Unternehmern geschaffenen und dominierten Marktgesellschaft der alternativlosen Sachentscheidungen (Globalisierung) erscheinen die ihre Rechte fordernden Gewerkschafter dann als überflüssig und von vorgestern. Nur ist dies eben das Ergebnis eines langen Prozesses der intellektuellen und ideologischen Entwaffnung und nicht einer tatsächlichen Überflüssigkeit der Gewerkschafter.

Mit dem Rot-Grünen Ermächtigungsgesetz (weil die Behörden damit ermächtigt wurden, Ankläger und Richter zugleich zu sein) wurde eben auch der soziale Rechtsstaat abgeschafft und durch einen Almosen-, Suppenküchen- und Willkürstaat ersetzt. Das ist das eigentliche Ziel der Gesetze zur Neuordnung des Arbeitsmarktes. AWD-Gazprom Gerd verkündete 2005 ja genau dies auf dem Forum der Besitzbürger in Davos, dass er den größten Niedriglohnarbeitsmarkt Europas geschaffen habe.

Ideologisch wurde dies übrigens von Giddens, Blair, Glotz und anderen Propheten der Ungleichheit vorbereitet. Von denen stammt auch das Motto der Reformen: Help and Hassle. Helfe und schikaniere/drangsaliere. Bei Schröder wurde dann daraus Fordern und Fördern, was zugleich eine Verballhornung und Verhöhnung der russischen Reformpädagogik des Forderns und Achtens (M. Pawlowa und A.S. Makarenko) war, das nur so am Rande und zum Schluss.

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Ehemaliger Nutzer 27.07.2011 | 11:27

Nun, auf ein Letztesmal. Der Abwehrkampf der Gewerkschafter findet vorwiegend im Betrieb statt, wo die Kolleginnen und Kollegen von Arbeitgebern und ihren Kräften (Vorstände, Geschäftsführer, Prokuristen, Personalleiter, Handlungsbevollmächtigte, Abteilungsleiter) behindert, bedrängt, bedroht und eingeschüchtert werden. Wo geltendes Recht tausendfach gebrochen wird, wo die Rechtsauffassung der Herrenmenschen mal sachlich-nüchtern, freundlich, paternalistisch, kaltschnäuzig und rabiat den Kolleginnen und Kollegen aufgenötigt wird. Außerhalb des Betriebes findet der Abwehrkampf nur noch selten statt, da die Statthalter der Unternehmer (Richter, Bundestagsabgeordnete, Regierungsmitglieder) dank des positiven Rechts der Bundesrepublik das Streikrecht nahezu ausgehebelt und gebrochen haben, denn über die Versammlungsfreiheit, dem eigentlichen Streikrecht, entscheidet nicht mehr das Verfassungsgericht sondern nachgeordnete Arbeitsgerichte.

Der Abwehrkampf findet tagtäglich in und vor den Arbeitsgerichten statt, wo die Kolleginnen und Kollegen die Reste ihrer dann auch noch vorenthaltenen Rechte verteidigen müssen. In den Parlamenten findet der Abwehrkampf kaum noch statt, da es kaum Gewerkschafter gibt, die dort ihre Stimme geltend machen können, zumal ja einige auch der Auffassung waren und sind, diese Stimme an die SPD delegieren zu können, womit sie dann verraten und verkauft sind.

Womit sich der Kreis dann schließt, wenn man zu dem Züchtigungs-, Zurichtungs- und Verwertungsgesetz der SPD und der Grünen kommt (Hartz I-IV). Denn dank dieses Gesetzes sind ja nicht nur die materiellen Verhältnisse vieler Millionen Menschen nachhaltig verschlechtert worden; sie können eben aufgrund dieses Gesetzes wieder mit Arbeitslosigkeit und Gosse bedroht werden. Und das ist ganz real und gilt für alle Lohnabhängigen und die wissen und spüren das auch.

Das alles mag in der bürgerlichen Presse und sogar im öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht oder nur in Form der sattsam bekannten Hartz IV-Kampagnen erscheinen, wo die deklassierten Menschen auch noch vorgeführt werden. Aber die Gewerkschafter haben dort kaum eine Möglichkeit, ihre Sicht der Dinge ungestört vorzutragen, ohne dass sich der Hohn der Herrschenden über sie ergießt. Da werden die Gewerkschafter mal schnell der Lächerlichkeit preisgegeben oder sie werden, wie eben auch hier, als die Gewerkschaftsbonzen dargestellt, die es zu bekämpfen gilt, oder die schlicht überflüssig wären. In einer von den Unternehmern geschaffenen und dominierten Marktgesellschaft der alternativlosen Sachentscheidungen (Globalisierung) erscheinen die ihre Rechte fordernden Gewerkschafter dann als überflüssig und von vorgestern. Nur ist dies eben das Ergebnis eines langen Prozesses der intellektuellen und ideologischen Entwaffnung und nicht einer tatsächlichen Überflüssigkeit der Gewerkschafter.

Mit dem Rot-Grünen Ermächtigungsgesetz (weil die Behörden damit ermächtigt wurden, Ankläger und Richter zugleich zu sein) wurde eben auch der soziale Rechtsstaat abgeschafft und durch einen Almosen-, Suppenküchen- und Willkürstaat ersetzt. Das ist das eigentliche Ziel der Gesetze zur Neuordnung des Arbeitsmarktes. AWD-Gazprom Gerd verkündete 2005 ja genau dies auf dem Forum der Besitzbürger in Davos, dass er den größten Niedriglohnarbeitsmarkt Europas geschaffen habe.

Ideologisch wurde dies übrigens von Giddens, Blair, Glotz und anderen Propheten der Ungleichheit vorbereitet. Von denen stammt auch das Motto der Reformen: Help and Hassle. Helfe und schikaniere/drangsaliere. Bei Schröder wurde dann daraus Fordern und Fördern, was zugleich eine Verballhornung und Verhöhnung der russischen Reformpädagogik des Forderns und Achtens (M. Pawlowa und A.S. Makarenko) war, das nur so am Rande und zum Schluss.