Harald Welzer
19.05.2011 | 08:00 127

Das gute Leben – vorbei?

Wachstum Der Atomausstieg müsste zum Einstieg in die nachhaltige Gesellschaft ­werden. Ohne die Bereitschaft, weniger Energie verbrauchen zu wollen, nutzt er wenig

Das Atomzeitalter hat – in Deutschland – seine Zukunft hinter sich. Das verrät auch jede Äußerung der schwarz-gelben Regierung zum kommenden Ausstiegskonzept. Wirklich? Ist mit der Abkehr von der Atomenergie schon mehr eingeläutet als der Austausch einer Technologie durch eine andere? Stehen die neuen Befürworter der Energiewende auch für die Einsicht, dass unsere energiefressende Lebens- und Wirtschaftsweise nicht zukunftsfähig ist? Wer nimmt den Ausstieg aus der Atomenergie als Einstieg in die Postwachstumsgesellschaft wahr?

Von der Einsicht, dass man eine bestimmte Sorte Energie nicht will, führt ja noch kein Weg zu der Bereitschaft, weniger Energie verbrauchen zu wollen. Im Gegenteil: alle umweltpolitischen Veränderungen seit dem Erscheinen der Grenzen des Wachstums (1972) haben nichts daran geändert, dass sich Ressourcenverbrauch und Emissionsmenge beständig erhöht haben. Das Bewusstsein, durch eifriges Mülltrennen den Planeten schon ganz ordentlich zu retten, schützt vor der Erkenntnis, dass sich zum Beispiel die Menge an gekauften Möbeln in Zehnjahreszeiträumen um 150 Prozent steigert.

Langlebige Gebrauchsgüter wie Möbel sind zu kurzlebigen Modeartikeln geworden. Die Ikearisierung der Lebenswelt lässt unseren Materialverbrauch und unsere Müllmengen beständig wachsen. In den USA werden etwa 40 Prozent aller Lebensmittel nur noch gekauft und weggeworfen, in Europa sind es mehr als 20 Prozent. Das ist Entsorgungswachstum, die bloße Umwandlung von Ressourcen in Dreck.

Die Umweltwissenschaftler rechnen unermüdlich „carbon footprints“ von Produkten aus, also die in sie investierte Energie. Sie geben die Hektoliter „virtuellen Wassers“ an, die in Kaffee und Steaks stecken, kalkulieren die „ökologischen Rucksäcke“ aus Landschaftsverbrauch und Umweltschäden. Sie übersehen dabei aber völlig, dass dieser ganze Aufwand immer mehr in Produkte fließt, die umstandslos in Müll verwandelt werden, weil ihre Gebrauchsdauer radikal sinkt.

Der Ökonom Nico Paech weist nach, dass es nur ein grüner Traum ist, den Ressourcenverbrauch vom Wirtschaftswachstum entkoppeln zu können. Wachstum lässt sich nicht entmaterialisieren. Eine Wachstumswirtschaft funktioniert nur, wenn Menschen immer neue Dinge haben wollen, obwohl ihre Bedürfnisse nach Nahrung, Kleidung und Wohnung abgedeckt sind. Das Argument, man brauche Wachstum, um Wohlstand zu sichern, entbehrt jeder Logik, denn nichts ist einer Wachstumswirtschaft feindlicher als das Erreichen und Sichern eines Wohlstandsniveaus. Genau darüberhinaus muss es immer weitergehen, und deshalb fließen unsere Ressourcen immer mehr in Dinge, die sich von Konsum- in reine Kaufgüter verwandelt haben.

In dieser Entwicklung manifestiert sich die angeborene Grenzenlosigkeit der Wachstumsgesellschaften: Sie können nur dann an eine Grenze kommen, wenn es nichts mehr zu konsumieren gibt, weil alle Ressourcen verbraucht sind – aber niemals aus sich heraus. Jetzt auf andere Wege der Energieerzeugung zu setzen, auf nachhaltigere Produkte, ist zwar gut, führt aber noch aus keinem einzigen der Probleme heraus, in die uns die parareligiös gewordene Ökonomie des Wachstums geführt hat. Denn die Gesamtbilanz ist so einfach, wie es das Modell vom Earth-Overshoot-Day vorführt: eine nachhaltige Wirtschaft würde in einem Jahr nur soviel Ressourcen verbrauchen, wie nachwachsen können. 2010 fiel der Tag, an dem diese Ressourcen rechnerisch verbraucht waren, auf den 21. August, in diesem Jahr wird er in der ersten Augusthälfte liegen. So schreitet die Übernutzung voran, in Richtung Kollaps.

Das zeigt jedes beliebige Symptom der Pathologie des Wirtschaftswachstums – vom Rückgang der Biodiversität über die Klimaerwärmung zur Überfischung der Meere. Unser Wirtschaftsmodell vernichtet die Voraussetzungen, auf die es gebaut ist. Warum stellt kaum jemand die Verbindung her zwischen der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko, dem nuklearen Desaster in Japan, den Überschwemmungen in Pakistan und den überglücklich verkündeten Wachstumsprognosen der Wirtschaftsforscher?

Weil wir keinen Plan B haben. Zukunft, daran wird auch der Atomausstieg nichts ändern, beschränkt sich auf die Vorstellung „Wie jetzt, nur besser.“ De facto wird daraus aber nur ein „wie jetzt, nur schlechter“ werden, weil die Gesellschaften künftig ökonomisch wie ökologisch mehr und mehr unter Stress geraten werden. Gesellschaften, ja ganze politische Systeme, explodieren nicht in einem großen Knall, sondern ihre Funktionen erodieren unter wachsendem Ressourcenstress immer schneller, so dass sie am Ende einfach ganz unspektakulär implodieren.

Wachstum ist auf gar nichts eine Antwort, schon gar nicht auf die Frage, wie man leben möchte. Zukunftsfähigkeit besteht in der Herstellung von Bedingungen, mit denen es sich in einer offenen Zukunft erwartbar gut leben lässt. Aber die globalisierte Wachstumswirtschaft offeriert das gute Leben nicht. Sie zerstört es.

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Harald Welzer ist Direktor des Center for Interdisciplinary Memory Research am Kulturwissenschaftlichen Institut in Essen

Kommentare (127)

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lisaschwert 19.05.2011 | 12:02

Dieser Artikel ist einfach treffend und (man muss es so sagen) mutig. Denn er geht ans Eingemachte, an die Wurzel, da wo es weh tun könnte. Da wo sich manch einer um seinen Wohlstand beraubt fühlen könnte.

Der Aufschrei war groß als Kretschmann weniger Autos forderte, obwohl er damit vollkommen recht hat. Der Aufschrei ist groß bei Windrädern, weil sie die Sicht trüben. Und der Aufschrei ist groß, wenn das Fleisch teurer werden soll, das Benzin usw.
Dass die Erdressourcen nicht nur uns gehören und endlich sind, wir sie aber in kurzer Zeit verbrauchen, daran will einfach keiner denken, denn es lebt sich viel ungestörter im sogenannten Wachstum. Schaut man sich aber mal den wirklichen Wert an, dann ist der bei Billigfleisch, schwedischen Holzregalen (IKEA steht ja überdem in Verruf illegales Holz zu verwenden), ja, bei der ganzen Wachstumsblase überhaupt nicht vorhanden, er ist eine Illusion, oder wird mit Quantität verwechselt. Dieses Wachstum, was soll das nun sein, ein stetes Wachstum; das ist unlogisch und unmachbar, denn wir hängen von auch von endlichen Ressourcen ab. Das wird immer ignoriert, denn momentan gibt es ja noch so viel davon.

Woran liegt es nun, dieses Nichthandeln? Daran, dass der Mensch ein Gewohnheitstier ist? Oder sind wir inzwischen alle so "verdorben", dass wir die Zähne fletschen sobald einer am status quo rüttelt? Keine Ahnung.

Fakt ist, solange wir immer noch fragen, ob wir einen Neuanfang (=Ausstieg) machen können oder wollen und keiner begreift, dass wir diesen machen MÜSSEN, solange sind wir typisch deutsch immer noch beim Reden, nicht beim Handeln, im schlimmsten Falle solange bis uns das MÜSSEN überrollt hat.

Nietzsche 2011 19.05.2011 | 12:39

Sehr guter Artikel!
Das Grundproblem heißt Mensch: Jeder erwartet, dass "die Gesellschaft" - die Regierung, auf jeden Fall: die ANDEREN - sich ändern müsse, damit die Erde/die Welt erhalten wird. Dass der Einzelne frohgemutes der Bedürfnismanipulation anheim fällt (sofern er es überhaupt noch merkt), wird mit dem Verweis auf den ANDEREN kaschiert. Auf diese Weise gehen Bereitschaft zur Demo - gegen AKW, gegen Bahnhöfe, gegen Krieg etc. - und Ressourcenvernichtung Hand in Hand.

bilderstuermer 19.05.2011 | 13:45

guter Artikel,
Daraus ergibt sich jedoch eine Abkehr von unserer Erziehung nach immer höher, schneller und weiter, was eine möglichst schnelle Umerziehung einer ganzen Geselschaft voraussetzen würde, um wohl das schlimmste noch zu verhindern, da nur die paar selbständig denkenden Menschen bei weitem nicht ausreichen um den drohenden kollaps zu verhindern.
Genug Beispiele mit den Komunisten/Sozialisten hatten wir ja schon, wie es nicht gemacht werden sollte. Wie soll man Menschen zur einsicht bringen, die nicht in der Lage sind selbst zu sehen?

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lisaschwert 19.05.2011 | 13:54

Bedürfnismanipulation: da schwingt mit, dass die Bedürfnisse durch andere hervor gerufen werden, dem ist aber nicht unbedingt so, wie Sie selber sagen ist das Problem der Mensch, der Bedürfnisse hat, die über reinen Überlebensbedürfnissen liegen, möglich gemacht durch einstige Erfindungen wie die Technisierung usw. Ganz platt würde ich sagen "irgendwas läuft schief bei uns Menschen", so schief, dass wir uns um unsere Existengrundlage bringen, sehenden Auges. Oder anders gesagt, das einzig unvernünftige Wesen auf der Erde sind wir, nennen uns aber Homo sapiens sapiens, und erzeugen dabei reichlich Kollateralschäden.

Popkontext 19.05.2011 | 14:45

Vielen Dank für den Artikel - er spricht mir aus dem Herzen. Nur muss man das Kind beim Namen nennen: "Postwachstumsgesellschaft" heißt auch Postkapitalismus, whatever that is. Kapitalismus ist untrennbar mit Wachstum verbunden, das ist sein Grundprinzip.

Das gleiche gilt im Übrigen auch für die Diskussion über die Zukunft der Arbeit, zu dem der Freitag letztlich einen sehr interessanten Salon veranstaltet hat, für den ich mich nochmal bedanken will (www.freitag.de/community/blogs/jaugstein/freitag-salon---arbeit) Auch hier hilft kein Herumdoktern an Symptomen - will man vermeiden, dass die Mehrheit der Gesellschaft in absehbarer Zeit von dieser abgehängt wird, müssen grundlegend neue Konzepte her, die eigenlich mit dieser Gesellschaftsordnung unvereinbar sind.

j-ap 19.05.2011 | 14:46

Wer es schon immer wissen wollte, was es ist, das die Ökos mit den Konservativen und den Reaktionären einte, der kann es in diesem Artikel nachgerade exemplarisch nachlesen — es ist die Entdeckung eines scheinbar ganz neuen, tatsächlich aber uralten Wertsinns, der seinen kategorischen Imperativ aus der Natur bezieht.

Der einzige Unterschied zwischen Harald Welzer, Donoso Cortés und Adam Müller ist, das letztere immerhin sprachlich das Niveau des Schlußsegens am Ende eines katholischen Gottesdienstes erreicht haben.

gweberbv 19.05.2011 | 15:09

"Zukunftsfähigkeit besteht in der Herstellung von Bedingungen, mit denen es sich in einer offenen Zukunft erwartbar gut leben lässt. Aber die globalisierte Wachstumswirtschaft offeriert das gute Leben nicht. Sie zerstört es."

Es läßt sich auf diesem Planeten aktuell nur dann gut (=so wie ich jetzt) leben, wenn die Ressourcen geplündert werden. Das ist zwar kein nachhaltiges Leben, aber eben ein gutes, bequemes, erfüllendes Leben.

Wollte man sich tatsächlich auf das beschränken, was in absehbarer Zeit erneuert wird und auf das, was nicht erneuerbar ist, verzichten, müsste man von nahezu allen technsichen Errungenschaften der letzten 100 Jahre Abschied nehmen.

Das dicke Ende (Verknappung der Resourcen) kommt so oder so. Wer sich heute einschränkt, der ermöglicht seinem Nachbarn ein etwas längeres Wohlleben. Das ist alles.

tlacuache 19.05.2011 | 15:17

Hernán Cortés (UrUrUrOpi) von Donoso wäre wenigstens gegen die AKW's gewesen...

..."Macht kaputt was euch kaputt macht"...
Der hatte zwar nach dem Gebet nur den Ablasshandel im Hirn, aber sonst war er ein prima Pragmatiker.

Zum virtuellen Wasser des Autors:
Natuerlich braucht man 150 Liter Wasser fuer eine Tasse Kaffee, aber es regnet halt in den hochlagen um die 800 Meter, ob das Wasser alsbald "gesund" ist, darueber kann man sich bald noch streiten...

Reinard 19.05.2011 | 15:25

Ein schwächerer Artikel von Harald Welzer hätte mich enttäuscht. Aller Zynismus hilft nicht viel weiter als allenfalls bis zum eigenen Todestag. Ratschlag: Selbstmord, einer weniger. Aber im Ernst: Die Politik weiss ja um das Problem, alle wissen es, wenn sie zwei Minuten innehalten, nur der Mensch lebt im Jetzt, nur manche im Jenseits. Er wird nur durch Fakten gebremst, dann aber ist es zu spät. Diese Perspektive ist wahrlich beschissen.

Popkontext 19.05.2011 | 15:34

Warum so aggressiv? Ich versuch Ihnen einfach zu folgen, verstehe aber nicht, worauf Sie hinaus wollen. Dass Ökologiebewußtsein quasi-religiös und damit irrational ist? Übrigens würde ich mich in der Beziehung, obwohl politisch klar links, zumindest im Wortsinn tatsächlich als "konservativ" begreifen. Reaktionär ist etwas anderes.

Unsere Gattung sollte den Recourcenverbrauch nachhaltig einschränken bzw. verändern (eben auf *nachhaltige* Recourcen umstellen), weil sie dabei ist, den Planeten derartig zu verändern, dass sie sich ihrer eigenen Lebensgrundlage beraubt. Das ist nicht quasi-religiös, sondern hochwissenschaftlich belegt. Interessante Lektüre dazu (u.a.): www.bbc.co.uk/news/science-environment-13335683

gweberbv 19.05.2011 | 15:39

@Popkontext

Ich habe in meinem kurzen Leben schon ein paar Orte besucht: San Francisco, Lissabon, Kairo, Shanghai.

Überall ähnliche Menschen, die ähnliche Dinge anstreben: Mehrung/Erhalt des materiellen Besitzes für sich und ihre Angehörigen.

Freilich hätte ich mich auch an anderen Orten umschauen und dort vielleicht ein paar Prozent Menschen finden können, die als Einsiedler, Mönche oder Amish People anderen, weniger ressourcenfressenden Lebenszielen anhingen. Insofern war meine Aussage übertrieben.

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ignaz-w 19.05.2011 | 15:41

hinzu kommt, lieber harald welzer, die funktion der ästhetik. nicht nur in form von (völlig unnützen) verpackungen, die den hunger buchstäblich und bildlich befördern sollen. sondern bei jeglichem anderen substantiellen gehalt, der seiner selbst enthoben werden soll.

beispiel gefällig? bahn, die individualverkehr einbremsen könnte, verhakt sich in stuttgart in einem schlossgarten, in münchen an plänen, die sich auf funktionalität beschränken. pkw, die immer mächtiger und schwerer werden und kraft dessen strukturell mehr verbrauchen (nicht zuletzt der neuen lancierten rundumverglasungen zuzüglich air condition). häuser, die über jahrzehnte nicht mit kollektoren versehen werden durften, weil es in nicht in das orts- oder landschaftsbild passe.

ich bin ein gnadenloser befürworter von windrotoren. mit ihnen bekommt jeder (!) bildlich vor die nase gesetzt, wieviel strom er tatsächlich verbraucht. er kann dann wählen. zumindest kann er nicht mehr behaupten, er hätte von nichts eines ahnung gehabt.

j-ap 19.05.2011 | 16:04

Ich bin nicht aggressiv, sondern nur etwas in Eile, das ist alles.

Okay, also hier:

»Unsere Gattung sollte den Recourcenverbrauch nachhaltig einschränken (...), weil sie dabei ist, den Planeten derartig zu verändern, dass sie sich ihrer eigenen Lebensgrundlage beraubt. Das ist nicht quasi-religiös, sondern hochwissenschaftlich belegt.«

Wissenschaftlich belegt — verstehe.

In den Kreis anerkannter Weltbildprovider reiht sich die »Ökologie« dadurch ganz nahtlos ein, daß sie aus ihrem Berufsstandpunkt ein Erklärungsmuster für die Probleme, mit denen sie betraut ist, und für die Gesellschaft überhaupt macht.

Dabei macht es gerade den Witz dieser Pseudowissenschaft aus, daß sie die ökonomischen Knappheits- und Haushaltsvorstellungen, die sie der »Natur« überhaupt erst angedichtet hat, am Ende wieder auf die gesellschaftlichen Verhältnisse zurücküberträgt und mit dem ganzen wissenschaftlichen Material über den unerfreulichen Zustand der »Lebensgrundlagen« bebildert:

Hornverbrannter Schmarrn ist das deshalb, weil es sich hierbei eben nicht um die Lebensgrundlagen des Menschen, sondern um die Produktionsgrundlagen des Kapitals handelt!

Aber statt sich einmal dieses ideologischen Zusammenhangs anzunehmen, hinter dessen Kulissen das Kapital ganz zauberhaft exmittiert wird, hält mans halt lieber mit der Moral und schützt Wale und Singvögel.

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lisaschwert 19.05.2011 | 16:14

Mein lieber Mann, sie spulen hier eine Stammtischrede ab ohne sich wirklich mit dem Text beschäftigt zu haben oder mit dem Thema, ohne Tiefgang.

Sie fallen hier rumpelns ein in eine bisher sachliche Diskussion mit Ihrer Aggression um imgrunde nur gegen den Text zu motzen, um sich dann zu erklären, und dann wiederum nichts im Sinne zu erzählen.

Sie trennen Kapital vom Leben, sagen aber selbst es sei eine Einheit. Fällt Ihnen der Widerspruch nicht auf?

Wenn Sie das Thema so ätzend finden oder die Tragweite nicht verstehen (dann frage ich mich wo Sie leben), dann lassen Sie doch dieses Rumgeknurre und verlustieren sich woanders.

Wertesinn passt Ihnen nicht, Ihr Problem.

Popkontext 19.05.2011 | 16:30

OT: "Aber dann lügt euch und den andern nicht ständig etwas vor, indem ihr es so darstellt, es ginge es um etwas anderes als euer Seelenheil, ihr Funktionsmonaden." Nein, "ich bin nicht aggressiv". NEIN, "ICH BIN NICHT AGGRESIV." NEIN, "ICH BIN NICHT AGGRESIV."

Könnten Sie sich bitte an inhaltliche Sachlichkeit halten, und nicht weil Ihnen die Felle davonschwimmen oder Sie einen schlechten Tag haben oder in Eile sind oder warum auch immer anderen Diskussionsteilnehmern Dinge unterstellen und sie beleidigen? Herzlichen Dank auch. Ich komme im nächsten Post auch aufs Thema zurück.

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ignaz-w 19.05.2011 | 16:32

@ Popkontext

du schreibst: "Unsere Gattung sollte den Recourcenverbrauch nachhaltig einschränken bzw. verändern (eben auf *nachhaltige* Recourcen umstellen), weil sie dabei ist, den Planeten derartig zu verändern, dass sie sich ihrer eigenen Lebensgrundlage beraubt"

ich antworte: na und? was wäre an unserer gattung derart erhaltenswert, dass sie sich eines anderen besinnen sollte? mal ein ganz normales beispiel aus der versicherungsbranche, abteilung großschäden: die münchner rück hat bereits vor jahren darauf aufmerksam gemacht, dass nicht wegen klimaveränderung mehr schäden entstehen, sondern weil immer mehr besiedelte gebiete davon betroffen sind.

es gibt hinreichend belege dafür, dass kulturen sich ihrer eigenen lebensgrundlagen beraubt haben und damit ausgestorben sind. davon wird, nach menschlichem ermessen, die derzeit sog. globalisierte keine ausnahme machen. eines der paradigmen hat der artikel aufgezeigt. eine ganze reihe weiterer wird es zu knacken geben, wollte man es ernst meinen, die lebensgrundlagen zu erhalten. nicht zuletzt das der geburtenkontrolle. auch da müsste der mensch an sich halten. aber das, so sagt man, sei zu katholisch. was zu beweisen wäre.

tlacuache 19.05.2011 | 16:42

..."ich bin ein gnadenloser Befürworter von Windrotoren. mit ihnen bekommt jeder (!) bildlich vor die nase gesetzt, wieviel Strom er tatsächlich verbraucht"...

DAS unterschreibe ich ihnen, da gibt es so ein paar "Oekos" die sich dann noch ueber ihr "Landschaftsbild" aufregen...

Regenerative Energien ja, aber bitte nicht in meinen Garten (Ausblick)...
Auch auf Gefahr hin dass ich die gelbe Karte bekomme, aber DA kann ich wirklich den Dumpfbacken auf's M... h....

Uebrigens, Landschaftsbildlich, ich kenne einen Windpark mit ca. 500 "Windrad" Monstern in traumhafter Umgebung, so ca. 10 000 km von Deutschland entfernt, das hat auch was, reine Natur gepaart mit "regenerativen" Zukunftslösungen, sehr schoen anzusehen...

tlacuache 19.05.2011 | 16:42

..."ich bin ein gnadenloser Befürworter von Windrotoren. mit ihnen bekommt jeder (!) bildlich vor die nase gesetzt, wieviel Strom er tatsächlich verbraucht"...

DAS unterschreibe ich ihnen, da gibt es so ein paar "Oekos" die sich dann noch ueber ihr "Landschaftsbild" aufregen...

Regenerative Energien ja, aber bitte nicht in meinen Garten (Ausblick)...
Auch auf Gefahr hin dass ich die gelbe Karte bekomme, aber DA kann ich wirklich den Dumpfbacken auf's M... h....

Uebrigens, Landschaftsbildlich, ich kenne einen Windpark mit ca. 500 "Windrad" Monstern in traumhafter Umgebung, so ca. 10 000 km von Deutschland entfernt, das hat auch was, reine Natur gepaart mit "regenerativen" Zukunftslösungen, sehr schoen anzusehen...

Popkontext 19.05.2011 | 16:48

"Wissenschaftlich belegt — verstehe."
Ob Sie das verstehen oder nicht ist es so.

Ökologie ist vielleicht in Ihrem Weltbild eine Pseudowissenschaft, aber auch wenn Sie das zehnmal behaupten ist das nur in Ihrem Weltbild so - und im Weltbild einiger Leute, mit denen Sie sich ganz bestimmt nicht ins Bett legen wollen, von wegen konservativ und reaktionär. Die Evangelikalen in den USA könnte ich Ihnen da z.B. als Brüder und Schwestern im Geiste empfehlen.

"ökonomischen Knappheits- und Haushaltsvorstellungen, die sie der »Natur« überhaupt erst angedichtet hat,"
Natur ist qua Definition durch den Menschen interpretiert (www.freitag.de/kultur/1026-natur-macht-einsam)

"Hornverbrannter Schmarrn ist das deshalb, weil es sich hierbei eben nicht um die Lebensgrundlagen des Menschen, sondern um die Produktionsgrundlagen des Kapitals handelt!"
Nein, es *sind* die Lebensgrundlagen des Menschen, um die es geht. Hätten Sie sich die Mühe gemacht, einen Kommentar über Ihrem zu lesen, wüßten Sie, was ich zum Thema Kapital denke: Das Wachstum, bis alle Ressourcen verbraucht sind, ist dem Kapitalismus inherent. Deshalb ist diese Gesellschaftsordnung das Problem, das die Recourcen gefährdet. Aber es sind nicht die Ressourcen des Kapitalismus, sondern er eignet sie sich an.

"Aber statt sich einmal dieses ideologischen Zusammenhangs anzunehmen, hinter dessen Kulissen das Kapital ganz zauberhaft exmittiert wird, hält mans halt lieber mit der Moral und schützt Wale und Singvögel."
Plumpe Unterstellung, um Leute, die anderer Meinung sind zu diskreditieren und als Idioten darzustellen. Mehr ist dazu nicht zu sagen. Lieber @j-ap, mit diesen Äußerungen (und auch dem Ton) haben Sie sich ganz gewaltig bei mir diskreditiert. Auch wenn Ihnen persönlich das völlig egal ist. Leben Sie weiter in Ihrer Ignoranz.

Popkontext 19.05.2011 | 16:53

@ignaz.w

Was Sie schreiben ist einfach eine Frage der Grundeinstellung. Sie meinen: Soll die menschheit doch untergehen, so what. Ist nur leider sehr egoistisch, weil es nicht alle so sehen, sondern das nur eine Minderheit ist, die diejenigen, die leben wollen, die auch wollen, dass ihre Nachkommen ein gutes Leben haben, in den Untergang mitnehmen. Das ist weniger eine Frage der Fakten, die j-ap bestreite, als eine Frage der Philosophie.

j-ap 19.05.2011 | 16:59

»Die Evangelikalen in den USA könnte ich Ihnen da z.B. als Brüder und Schwestern im Geiste empfehlen.«

Achja? Warum denn? Die wollen ja dasselbe wie ihr, nämlich die Schöpfung bewahren; der Unterschied zu euch ist nur ein methodischer, bein qualitativer.

Und am Ende sagen sie allen, die nicht an der Messe teilnehmen wollen, dasselbe wie lisaschwert zu mir.

»Das Wachstum, bis alle Ressourcen verbraucht sind, ist dem Kapitalismus inherent.«

Ja warum wollte ihr dann nicht wie ich das Kapital abschaffen, sondern die Welt in einen Devotionalienladen für planetarische Substanzen verwandeln (denn auf nichts anderes läuft es hinaus)?

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ignaz-w 19.05.2011 | 17:02

ach komm tlacuache, gib nicht an. es weiß jeder, dass das die wüste von nevada ist. und es sind nicht 500, sondern etliche tausend mehr.

am liebsten sind mir aber die globalisierungsgegner, die von autarkie eines jeden nestes in dieser republik träumen. schade nur, dass die meisten "speicher" dafür im ausland sind.

ich hab's mir bis hierher verkniffen: aber der artikel hat einen entscheidenden schwachpunkt - die hochindustrie, insb. die metallverarbeitende. also gerade die, in der deutschland die absolute führungsposition mit ihren stahl-, alu- und buntblechen inne hat. sie ist stromfresser nr. 1 und kann ohne weiteres abgelesen werden an der lichtbogentechnik bei der verarbeitung dieser spezialitäten.

dem konsumenten ein schlechtes gewissen einreden, wie es der artikel tut, ist zwar schön und gut, aber nur die halbe wette. denn selbst wenn ich die selbstgenügsamkeit einführte (was mittels sozialgesetzgebung ohnehin passiert), was passiert dann mit dem ensemble? das zu beantworten traut sich niemand, auch nicht die zeichner von utopien seit thomas morus.

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ignaz-w 19.05.2011 | 17:13

@ Popkontext

genau, es ist eine frage der einstellung. was du als egoismus bezeichnest (deswegen bin ich dir nicht gram, auch wenn du dich damit als altruistisch überhöhst) ist die schlichte erkenntnis, dass alles vergänglich ist. nachhaltigkeit ist in dieser hinsicht eine schlichte lüge: lüge, weil es ewigkeit suggeriert, schlicht, weil jeder darauf reinfällt.
der artikel ist da wesentlich näher an der realität dran. er stellt die frage nach sinn! und der kann nicht darin liegen, die beliebig austauschbaren vokabeln von ego- oder altruismus zu konkretisieren. denn genau da kommen wir in den (quasi)religiösen diskurs hinein, den j-ap angesprochen hat.

j-ap 19.05.2011 | 17:14

Jetzt kommen wir langsam zum Punkt — war aber auch eine schwere Geburt, muß ich sagen:

».... dass ihre Nachkommen ein gutes Leben haben«

Ganz genau — eben das ist nämlich der Zusammenhang, den Sie und auch Herr Welzer bisher nicht ausgesprochen haben, obwohl Sie ihn genauso axiomatisch voraussetzen wie die Ökonomen das grenzenlose Wachstum: es ist das andere, ebenfalls unbeschränkte, ewige Wachstum, nämlich das der Gattung durch ihre ewige und nicht enden dürftende Fortzeugung in die immer nächste Filialgeneration.

Lassen Sie mich mal die Frage ergänzen:

Was wäre denn, wenn unsere Gattung den Planeten innerhalb der nächsten fünfzig Jahre bis aufs allerletzte ausplündern würde? Dann hätten vielleicht sechs, sieben Milliarden Menschen ein schönes, ein gutes Leben. Und hernach? Da wäre niemand mehr da, dem etwas fehlen könnte.

Eben weil Sie das genauso wissen wie ich und jeder andere auch, müssen Sie sich auf die noch ungezeugten Kinder als Manöveriermasse für Ihr Ansinnen kaprizieren.

Eben dieser Umstand macht Sie übrigens für das Kapital so nützlich und brauchbar: denn das Kapital ist es, das ohne die ewige Fortzeugung der Gattung sowie ihre nach Möglichkeit friedlich-schiedliche Ausbeutung nicht sein kann.

Popkontext 19.05.2011 | 17:21

Vielleicht sollten Sie sich mal genauer mit den Evangelikalen beschäftigen. Die argumentieren in Bezug auf den Klimawandel exakt wie Sie. oder auch gewisse konservative US-Think Tanks. Ich glaube, Sie sind da sehr oberflächlich - aber haben eine feste (Stammtisch-)Meinung zu den "Ökos".

Das unterstreichen Sie damit, dass Sie offenbar nicht mal meine Kommentare richtig lesen, wenn Sie schreiben "warum wollte ihr dann nicht wie ich das Kapital abschaffen." Was habe ich *zweimal* zu dem Thema geschrieben? Bitte mal nach oben scrollen und sich auch allgemein zu "den Ökos" informieren, ehe Sie hier rumpoltern.

Rüdiger Kalupner 19.05.2011 | 17:38

Es gibt einen evolutionslogische Exoduspfad aus dem 2%Wachstumszwang-Regime. Er ist selbstdurchsetzend, global - und schon projektfähig erkannt wie auch machtpolitisch getestet. Unter dem Stichwort EPIKUR-Projekt ist es auf www.die-kreativen-partei.de veröffentlicht.

Wenn das Exodus- und Übergangsprojektwissen in die öffentliche Diskussion kommt, dann reagieren die Finanzmärkte mit Aktienkurs-Crashs. Dann ist das Ancien Régime gestürzt.

Es liegt nur am Exodus-Wissen und an der Öffnung der Medienmauer, die gegen dieses Wissen aufgebaut wurde.

tlacuache 19.05.2011 | 17:39

Lieber ignaz.w,
Die reden da in Wiki noch von "La Venta I" von 104 Windschlaegern, das war 1994, jetzt bei der "La Venta II", eigentlich heisst es "La Ventosa".
Da werden uebrigens bei zu starken Wind die Fluegel abgeschaltet, sonst haut es sie aus dem Boden. Ab und zu stemmt die Autobahnpolizei mal eine schwarze Fahne, also Weiterfahrt verboten. Da werden nämlich mal ab und zu 40 Tonner umgeworfen...
Mir ist es schon bei 7.5 Tonnern passiert, dass ich nur noch mit 20 Km/h weiterfahren konnte...
LG

j-ap 19.05.2011 | 17:44

Herrje, Popkontext: Das Kapital gehört doch nicht deshalb abgeschafft, weil es zuviel Strom braucht, sondern weil es Milliarden Menschen vom schönen (nicht: »guten« — damit beschäftigen sich nur Berufsmoralisierer wie Sie, Herr Welzer und der Papst) Leben abhält.

Und mit Ihrer ewigen Feinderklärung an den berühmten Stammtisch, die nichts anderes ist als ständischer Elitismus — wer will sich schon zu den bierseligen Volldeppenprolos in die Dorfschänke setzen, nicht wahr? — gehen Sie bei Gelegenheit selber zu Rate, ich muß jetzt nämlich wirklich weg und erstmal den Planeten füsilieren.

Rüdiger Kalupner 19.05.2011 | 17:46

Was Sie und alle anderen nicht wissen, ist, dass es seit 25 Jahren das machtpolitisch übermächtige Exoduswissen aus dem 2%Wachstumszwang-Regime in projektfähiger und steuerungssystemischer Form gibt.

Das 2%Wachstumszwang-Regime hat sich zu einer Art Rumpelstilzchen-Absolutisten entwickelt. Es umfasst alle politischen Parteien samt IGM und alle anderen Groß- und Kleingewerkschaften. Die halten zusammen und erpressen jeden, der nicht von sich aus schweigt.

Wenn das Evolutionsprojekt-Wissen in die folgende Weltordnung des KREATIVEN bekannt wird, muß sich dieses 2%Regime zerreißen - wie im Märchen das Rumpelstilzchen. Der Start des Exodus ist denkbar einfach. Es bedarf nur ein Startszenario für das Bekanntwerden der Rumpelstilzchen-Herrschaft.

Popkontext 19.05.2011 | 18:02

"Das Kapital gehört doch nicht deshalb abgeschafft, weil es zuviel Strom braucht, sondern weil es Milliarden Menschen vom schönen...Leben abhält."
Das ist nicht nur eine völlig substanlose Phrase, sondern auch wieder ihre rein persönliche Auffassung. Was ist das "schöne Leben"? Wie können wir es uns schaffen (oder fällt es uns zu, sobald das böse Kapital weg ist - ich erinnere mich, Sie sind der Herr mit den tollen Ideen zur Abschaffung der Arbeit)? Und natürlich gehört der Kapitalismus auch deshalb abgeschafft, weil er aufgrund seiner inneren Logik die Ressourcen, die die Grundlage des menschlichen Lebens - ob schön oder nicht - bilden, bis aufs Letzte aufbrauchen wird.

Es mag elitär sein, dass ich stolz darauf bin, gebildet und belesen zu sein und mir auf dieser Grundlage auch nicht nur eine Meinung, sondern eine qualifizierte Meinung bilden zu können. Das ist mir aber auch nicht zugefallen, sondern das habe ich mir erarbeitet. Wenn andere hohle, (unqualifiziert) meinungsstarke Sprüche klopfen, alles besser wissen, aber nichts nachlesen wollen, erlaube ich mir da eine gewisse Arroganz.

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ignaz-w 19.05.2011 | 18:18

ich kann das wort "stolz" nicht mehr lesen! worauf denn? wär schon schön, wenn es eine nummer kleiner ginge, nämlich das glück gehabt zu haben, umstände anzutreffen, die derlei belesenheit zeitlich, örtlich und personell überhaupt ermöglicht haben.
an stammtischen finde ich oft und gerade in dem zusammenhang mehr weisheit als dieses in der tat arrogante gehabe. und das ist eine keine lust "nach unten", sondern volkes sprache. die zu lernen täte so manchem linguistikakrobaten gut anstehen, statt sich etepetete gegen was-weiß-ich-was zu verwahren.

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lisaschwert 19.05.2011 | 18:21

@ignaz.w:
Diese Lücke Hochindustrie hat am Montag die Sendung "Unter den Linden" aufgenommen, um die Frage zu klären, was mit den Arbeitsplätzen wird, wenn WIR grün werden.
Ich finde jetzt keinen Podcast dazu, aber es dürfte Sie interessieren, dass durch ökologische Projekte auch Arbeitsplätze geschaffen werden.
Grüne und Linke gehen von etwa gleichen oder sogar mehr aus, wie durch Ökologisierung wegbrechen würden. Gut, da kann einer kommen und sagen es sind die Linken und die Grünen, die müssen sowas erzählen. Aber mal ehrlich, wenn wir beim Thema sind, was sind denn nun die Prioritäten? Alles beim alten? Das wird bald nicht mehr funktionieren. Oder sich der Wirklichkeit anpassen, auch wenn wir da mit Einschränkungen rechnen müssen? Ja, da haben wir es, es sind die Einschränkungen. Andererseits haben wir auf Kosten nachfolgender Generationen ordentlich die Sau rausgelassen, da wäre ab jetzt etwas Demut und Einschränkung nur gerecht.

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ignaz-w 19.05.2011 | 18:25

das kommt davon, wenn du nur in wiki.de nachschaust :D

da erfährst du natürlich auch nichts, was im januar für neue verträge geschlossen worden sind für los angeles oder darüber, welche neuen speicherformen ebenda erforscht werden.

aber bevor wir uns hier beweisen, wer den längeren ... atem hat, es ist nicht nur eine lektion in geographie. sondern darüber, was so in den köpfen herumspukt, nicht wahr? und ich glaube, wir sind uns einig, dass mit spuk und romatik noch nie wirklich ein problem gelöst worden ist.

seriousguy47 19.05.2011 | 18:25

1) "Das gute Leben – vorbei?"

Welches gute Leben denn? Was, bittesehr ist mit "gut" gemeint? Ist es gut, wenn ich beim Discounter kommunikationslos irgendwelche "Sonderangebote" kaufe, die ich eigentlich nur brauche, um meiner Psyche eine Kompensation für die mangelnde zwischenmenschliche Kommunikation in meinem Leben anzubieten?

Ist es gut, wenn ich zusätzlich stundenlange Ersatzkommunikation am PC betreibe und mir dafür eine Venenthrombose einfange?

Ist es gut, wenn ich mit dem PKW zum Discounter fahre, um meine Füßchen zu schonen und mir dabei die gesundheitlichen Folgen von Bewegungsmangel einfange?......

Oder, abstrakter formuliert: ist es gut, wenn ich meine Bedürfnisse am wirtschaftlichen Angebot orientiere? Oder wäre es besser, das wirtschaftliche Angebot würde sich an meinen Bedürfnissen orientieren? Aber, wie kann ich meine Bedürfnisse überhaupt kennenlernen, wenn ich schon von Geburt an als Konsumenrt programmiert werde und nicht als Mensch?

Verstehe ich es deshalb richtig, wenn das hier gemeinte "gute Leben" sich nicht auf ein am Menschen ausgerichtetes Leben versteht, sondern auf ein am Konsumenten ausgerichtetes? Weshalb aber fehlen dann die Anführungszeichen?

2) Wie es scheint, leben wir nicht als "Menschen", sondern als "Konsumenten" ein vermeintlich "gutes" Leben. Aber selbst dieses beruht auf Lüge und Verdrängung - wie in der Energiedebatte aufscheint. Denn die Horrorszenarien von hohen Energiepreisen und "Verspargelung der Landschaft" durch Windräder sind ja nur Ausdruck einer Angst vor dem Sichtbarwerden einer bislang verdrängten Wahrheit.

3) Die Art der Produktion, der wir als Konsumenten ein "gutes" Leben verdanken, sofern wir die wahren Kosten verdrängen, ist eine, die auf Zentralisierung und Macht- und Reichtumskonzentration setzt. Wir sind also nicht "König", sondern willfähriger, süchtiger Sklave in diesem System- Und das soll gut sein?

Dies ist keine Wortklauberei, vielmehr ein Hinweis darauf, dass bereits der Titel auf die Tricks der Herrschaftssprache hereingefallen ist. Und dieser Herrschaftslogik folgt auch die Argumentation des Textes: es wird "Verzicht" gepredigt und schlechte Laune erzeugt. Zu fragen wäre aber stattdessen, ob ein anderes, am Menschen und seinen Bedürfnissen orientiertes Wirtschaften nicht bessere Laune erzeugen und ein Gewinn sein würde - allerdings für ie Menschen und nicht für einige Heuschrecken, denen natürlich daran gelegen ist, Angst vor Anderem zu haben und bei anderen zu erzeugen......

Womit nun hoffentlich endlich die Frage beantwortet ist: "Wer nimmt den Ausstieg aus der Atomenergie als Einstieg in die Postwachstumsgesellschaft wahr?" (Ich, zum Beispiel.)

Popkontext 19.05.2011 | 18:43

@lisaschwert
Apopos Arbeitsplätze: Die werden aufgrund der derzeitigen wirtschaftlichen und texhnischen Entwicklung sowieso immer weniger, egal was. Das ist nur ein Argument, um den gegenwärtigen Status Quo abzusichern. Das zieht natürlich immer, weil es Menschen und ganze Familien in ihrer Existenz bedroht. Aber diese (verständliche) Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes versperrt auch den Blick auf neue Konzepte, die sowieso früher oder später hermüssen.

j-ap 19.05.2011 | 18:53

(Popkontext schrieb am 19.05.2011 um 16:02)

Ja was kann ich denn dafür, daß Sie noch nicht einmal den Hegel gelesen haben (falls Sie es noch tun wollen: Enzyklopädie. Ja, komplett, kann nicht schaden!), andernfalls Sie nämlich wüßten, weshalb mein Satz von weiter oben alles andere als »substanzlos« gewesen ist?

Was geht's mich an, daß hinter all Ihrem Quiritenstolz, Ihrer sagenhaften Belesenheit, Ihrer selbstgefälligen Fleißschweißattitüde nichts anderes aufscheint als mindere Soziologie?

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ignaz-w 19.05.2011 | 18:54

@ lisaschwert

keine frage: jede innovation bringt arbeitsplätze.

aber ist das das thema? ich schrieb vom energieverbrauch von hochtechnologie. und an die setzt ein ganzer kreislauf von zulieferern und abnehmern an, die ihrerseits energie verbrauchen. als da wären: minen, extraktion, beförderung und am anderen ende flugzeugbau, zugbau, automobilbau (um nur einige zu nennen). selbst wenn ich es also reduzierte (sic!) auf arbeitsplätze - eine grüne energiewirtschaft alleine wird diese stellen niemals ausfüllen. vor allem aber die produktion als solche nicht.

verwechsle also bitte nicht (arbeitsplätze im sektor der) energieproduktion mit (denen) der güter herstellenden.

Tycho 19.05.2011 | 19:11

Der Griff einer AK 47 ist biologisch vollständig abbaubar. Wer einmal eine AK 47 hat, wird diese nicht freiwillig hergeben und wenn doch, leistet er nach Meinung des Artikel Autors indirekten Umweltschutz.

Das ist das Problem mit den Torben und Kevins dieser Welt. Ein bisschen Bildung wird mit der Einbildung verwechselt, eine schöne neue friedliche Welt vor den Läufen jener gestalten zu können, die nur darauf warten.

Wenn die Ästhetik der Ökologie (mich schüttelt es,..habe ich das wirklich gerade geschrieben) wenigstens feine, massive Holzschränke hergeben würde,..durch Meisterhand geschaffen..und die locker mal 800 Jahre überdauern können...nur leider wird so ein FairTradeFairAidFairFuckMist, mit Zähldrücker in der großen Ökodiktatur kommen, wo der Kot auf eventuelle Spuren carnivorer Ernährung untersucht wird und man ab halb zehn sich der Aphoxy nähert für sein persönliches Bilanzziel, während der Nachbar denunziert, wo nicht mehr fürs Gemeinwohl aller Kreaturen gestrampelt wird. Schließlich will es der Igel im Winter auch schön warm haben und leider hat es mit den Pullis aus Menschenhaar im letzten Winter nicht so recht geklappt.

Popkontext 19.05.2011 | 19:13

@ignaz.w
Nur mal kurz zur Klärung: Verstehe ich dich richtig, dass du meinst, nur mit regenerativer Energie lasse sich nicht genügend Strom produzieren, um diese Hochtechnologie aufrecht zu erhalten, oder habe ich das missverstanden?

Und klar lassen sich gerade in der Forschung und Produktion auch im Sektor der regenerativen Energieproduktion sehr viele Arbeitsplätze schaffen, besonders wenn Deutschland sich hier zum innovativen Vorreiter macht.

Mit Arbeitsplätzen im klassischen Sinne wird es in Zukunft eh ganz mau aussehen. Da müssen generell andere Konzepte her als die derzeitigen, das ist aber eine andere Baustelle. Ich warte ja immer noch auf die Zusammenfassung vom Herrn Verleger zum letzten Freitagssalon zu genau dem Thema, den ich sehr interessant fand (www.freitag.de/community/blogs/jaugstein/freitag-salon---arbeit).

gweberbv 19.05.2011 | 19:25

"Welches gute Leben denn? Was, bittesehr ist mit "gut" gemeint? Ist es gut, wenn ich beim Discounter kommunikationslos irgendwelche "Sonderangebote" kaufe, die ich eigentlich nur brauche, um meiner Psyche eine Kompensation für die mangelnde zwischenmenschliche Kommunikation in meinem Leben anzubieten?"

Klingt ziemlich übel. Vielleicht solltest du mal raus in die Sonne gehen und ein Eis essen. Solange wir uns den unverantwortlichen Energieeinsatz für dessen Herstellung noch leisten können, natürlich.

Und wenn wir dann endlich in einer nachaltigen Gesellschaft leben, in der wir alle derart verarmt sind, dass man beim Nachbarn klopfen (für die Klingel gibt es seit Jahren keinen Strom mehr, außerdem hat man die Kupferkabel schon lange aus der Wand gerissen und auf dem Dorfmarkt gegen einen Sack Weizen eingetauscht) muss, ob der vielleicht einen passen Stofffetzen für das Loch im eigenen Hosenboden vorrätig hat, spätestens dann werden die Leute sogar mit solchen Miesepetern wie dir wieder das Gespräch suchen.

Also, stay cool, goldene Zeiten warten auf uns.

paulart 19.05.2011 | 19:40

Mehr Sicherheit durch Verzicht?

Ob das künftige Leben auf diesem Planeten besser wird, kann nur schwerlich vorausgesagt werden. Herman Kahn ("Ihr werdet es erleben" - Voraussagen der Wissenschaft bis zum Jahre 2000. Molden, 1968; Rowohlt, 1971, ISBN 3-499-16677-1) hat vor vielen Jahrzehnten prophezeit, der Mensch würde in Zukunft weniger arbeiten müssen und trotzdem zu mehr Wohlstand gelangen. Für einen Teil der Menschheit hat sich diese Prophezeiung bewahrheitet, für ganz viele Menschen (in ganz vielen Ländern) ist dieser Traum aber bisher nicht in Erfüllung gegangen.

Was wir aber definitiv sagen können, um beim eigentlichen Thema zu bleiben: Das künftige Leben auf der Erde wird ohne Atomkraftwerke sicherer werden. Wohlgemerkt, damit sind alle AKW weltweit gemeint. Es reicht nicht, dass Deutschland beispielsweise komplett abschaltet, aber direkt hinter den Grenzen - in Frankreich und Tschechien z.B. - wird weiter Atomstrom produziert. Das würde u.a. auch für Deutschland keine Sicherheit bedeuten.

Aber ein Land muss mit dem "Abschalten" beginnen! Das könnte beispielgebend sein. Und natürlich muss man sich in diesen Vorreiter-Staaten besonders um alternative (und fossile) Energie-Quellen bemühen. Und, hier hat Harald Welzer natürlich recht, man muss auch gewillt sein, in den kommenden Jahren Abstriche in der Lebensqualität und u.U. in der ganz individuellen Lebensführung in Kauf nehmen.

_
www.alteich.com/links/kahn.htm
www.zeit.de/1999/01/Ihr_werdet_es_erleben
www.newyorker.com/archive/2005/06/27/050627crbo_books

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ignaz-w 19.05.2011 | 19:40

@ Popkontext

du fragst: "Nur mal kurz zur Klärung: Verstehe ich dich richtig, dass du meinst, nur mit regenerativer Energie lasse sich nicht genügend Strom produzieren, um diese Hochtechnologie aufrecht zu erhalten, oder habe ich das missverstanden?"

die modelle, die derzeit auf wissenschaftlicher ebene diskutiert werden, sagen voraus,
www.umweltrat.de/DE/Publikationen/publikationen_node.html
dass das ziel, die gesamte stromgewinnung auf regenerative mittler umzustellen möglich ist. erstens: auf eine prognose bis 2050 zweitens: bei einer signifikanten reduzierung des stromverbrauchs drittens: realistischer weise nur in vernetzung mit den ressourcen anderer länder

das paradigma des stromverbrauchs (auch da derzeit diskutiert wird, unsere mobilität stärker auf strom statt auf benzin zu gründen) interessiert mich. hierzu gibt es in den publikationen bestenfalls vage aussagen bzw. vorschläge.

ich betone das nicht, weil ich da zunächst die industrie in der pflicht sehe, sondern weil es auch vom artikel postuliert wird, die bevölkerung sei als erste in der pflicht. und weil, das kommt dabei immer zu kurz, hochindustrialisierung vöölig unabhängig der couleur des jeweiligen systems seit je her ein fetisch war und ist!

das schlachtroß für diese anschauung ist der arbeitsplatz, die dem arbeitnehmer neben seiner eigenen haut auch noch aufträgt, diese haut sozialverträglich (nämlich im sinne des gemeinwohls) zu markte zu tragen. in dem verschmiemelten "back to nature" frei nach rousseau vermag ich keine durchbrechung dieser logik erkennen.

ich finde, der mensch sollte mit den konsequenzen seines tuns unmittelbar konfrontiert werden. bei pellets bedeutet das abgeholzte wälder, bei ölförderung verpestete meere, bei atomkraft wie bei co2-injektionen verbuddeltes gift. stellt ihm seinen energiehunger vor die nase, vor die fabrik, in den garten .. und dann schaun mer mal, wie er sich entscheidet.

Popkontext 19.05.2011 | 20:01

Haha, ausgerechnet der Großmeister des verschwurbelten Satzes, der auch noch mit Hegel kommt wirft mir "Quiritenstolz" vor.

"Was kann ich denn dafür, daß Sie noch nicht einmal den Hegel gelesen haben."
Abgesehen davon, dass Lesen und Verstehen nicht notwendiger Weise Hand in Hand gehen, hat Hegel das kaum so gesagt. Ich bezog mich auf Ihren gesamten Satz mit der hohlen Phrase. Und das ist er, so wie er da steht, mit oder ohne Anspielung auf Hegel.

Und ich kann nichts dafür, dass Sie sich offenbar mit bestimmten aktuellen Diskussionen nicht näher befasst haben, sich aber dazu äußern müssen, und zwar abfällig. Von wegen Quiritenstolz.

"Mindere Soziologie" ist für Sie alles, was sie nicht wissen oder verstehen oder was Sie anders sehen oder wie kommen Sie darauf?

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ignaz-w 19.05.2011 | 20:02

@ Popkonzert

du schreibst: "Wer lesen kann ist klar im Vorteil"

probe aufs exempel - dein text am 19.05.2011 um 15:21: "Ich glaube, Sie sind da sehr oberflächlich - aber haben eine feste (Stammtisch-)Meinung zu den "Ökos"."

das maß, dass du anziehst, hat seine häßliche entsprechung genau in der eben zitierten wendung. und: du weißt, dass ich lesen kann, du selbst hast es mir attestiert (an anderer stelle). mit diesen halsbrecherischen volten kommst du einfach nicht weiter.

die schwierigkeiten fangen im ganz einfachen an: schneisen für stromleitungen finden, jeden verfügbaren quadratmeter für regenerative enegriegewinnung nutzbar machen, flüsse und bäche aufstauen, erdwärme anzapfen - das sind alles dinge, die wir in dienst stellen (wollen). wofür?

ich gönne dir deine belesenheit. aber das wofür? das ich dir hinwerfe, zielt genau darauf ab: damit es nach uns die menschen besser haben. aber sind die bedingungen, unter denen du dir deine belesenheit erworben hast überhaupt verbesserbar und wenn ja, wie? nur unter der form einer anderen form von energiegewinnung?

du hast eine sehr romantische vorstellung davon, was besser sein könnte. ich empfehle dir,so wie einst es rousseau den notablen seiner zeit tat, eine zeit dort zu verbringen, wo selbst künstliches licht am abend keine selbstverständlichkeit ist. und dann unterhalten wir uns darüber weiter, wie man unter solchen bedingungen belesenheit und darauf stolz sein kann erwirbt.

Fro 19.05.2011 | 20:08

Da kann ich vielem zustimmen seriousguy

Das gefiel mir besonders:

„...es wird "Verzicht" gepredigt und schlechte Laune erzeugt. Zu fragen wäre aber stattdessen, ob ein anderes, am Menschen und seinen Bedürfnissen orientiertes Wirtschaften nicht bessere Laune erzeugen und ein Gewinn sein würde...“

M.E. wird von interessierter Seite auch gerne über Ressourcenknappheit gejammert, um die hohen Preise zu rechtfertigen.
Es werden täglich neue Möglichkeiten gefunden, Energie zu gewinnen oder Materie zu verwerten. Da habe ich überhaupt keine Sorge.
Und wahrscheinlich könnten wir mit 15 Std Arbeitszeit pro Woche alles produzieren, was man so braucht und womit man sein Leben erheitern kann.
Die Zeiten sind nicht schlecht – nur die Machtverhältnisse behindern Innovationen, die das Wohlbefinden steigern. Da müsste man mal ran...;-)

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lisaschwert 19.05.2011 | 21:04

Ich bezieh mich auf folgenden Absatz:

"ich hab's mir bis hierher verkniffen: aber der artikel hat einen entscheidenden schwachpunkt - die hochindustrie, insb. die metallverarbeitende. also gerade die, in der deutschland die absolute führungsposition mit ihren stahl-, alu- und buntblechen inne hat. sie ist stromfresser nr. 1 und kann ohne weiteres abgelesen werden an der lichtbogentechnik bei der verarbeitung dieser spezialitäten."

Ich rede von einem Kontext, dem der Grünisierung, bei dem eben solche Hochleistungsverbraucher abgebaut werden oder eingeschränkt, das bedeutet Arbeitsplatzverlust, der auf der anderen Seite wieder aufgefangen wird oder werden soll. Davon rede ich. Ich dachte nicht es wäre nötig das noch durch Fußnoten erklären zu müssen.

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nil 19.05.2011 | 21:12

Ja, handeln ist angesagt! Ich bin vor 6 Jahren zu Naturstrom gewechselt und gehe möglichst wenig einkaufen und wenn, möglichst nur Produkte aus der direkten Umgebung und möglichst Bio. Aus alt mach neu, Fleisch nur sehr sehr selten, u.s.w. Wir Menschen müssen umdenken, bescheidener und bewusster leben. Nicht darüber reden, wir müssen das Wahre Schöne Gute vorleben.

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lisaschwert 19.05.2011 | 21:12

Nein, ignaz.w, Sie haben eine apokalyptische Vorstellung von Einschränkung und Demut. Haben Sie Angst wer will Ihnen etwas weg nehmen? Es geht um eine Einstellung zu sich und zum Leben und zu anderen, nicht um Faktendrescherei.

Reden wir doch von echter Qualität, die es längst nicht mehr gibt, davon, wie verdreckt die Luft ist oder wie mies die Lebensmittel oder sollen wir zu schlimmeren Dingen kommen wir verstrahlte Fukushima-Arbeiter (ja, es ist ja soweit weg, sollen die doch sterben). Das ist keine Lebensqualität. Lebensqualität ist nicht immer mehr kaufen für immer weniger Geld. Das heißt nämlich Turbokapitalismus. Also lassen Sie Ihren Frust doch an denen aus, die es verdienen. Wir sind doch nicht im Kindergarten.

Popkontext 19.05.2011 | 21:25

@ignaz.w
Danke für die Ausführungen. ich kenne mich da auch bisher recht wenig aus, auch wenn ich versuche, mich da im Verlauf der gegenwärtigen Diskussion etwas einzulesen. Da kommt ja gerade viel aus der Richtung. Die Unterscheidung zwischen Versorgung für die Industrie (allgemein) und die Bevölkerung finde ich auch wichtig. Aber auch für die Industrie gibt es ja Konzepte, nur wie schnell umgesetzt werden können ist für Laien schwer zu beurteilen. Und ob sie überhaupt umgesetzt werden ist eine Frage des politischen Willens - wenn der früher da gewesen wäre, wären wir schon viel weiter. Da aber nicht nur in D, sondern in vielen Industrienationen Atomkraft gefördert wurde, sind viele Sachen, die es z.T. schon lange gibt, entweder in den Kinderschuhen stecken geblieben oder ganz untergegangen.

Columbus 19.05.2011 | 21:41

Diesen kurzen Artikel fand ich sehr schlüssig, auch wenn er kaum eines der unzähligen Beispiele, an denen sich die Thesen beweisen lassen, ausführlich aufzählen kann. - Es reichte der Platz nicht.

Er passt zu einer Woche, in der gefährliche Trends, die unsere Kanzlerin schon anno dazumal, 1992, am Zuckerhut, für endgültig und ausreichend zum Guten umgekehrt hielt, sich nun als ungebrochen fortschreitend und verheerend erweisen.

Im tropischen Regenwald Brasiliens oder Indonesiens geschieht, was Ökospinner und Gutmenschen (Akademiker und Selbstlerner) vor Jahren prognostizierten. - Die kleinen Bauern und mittleren Farmer weichen auf neu gerodete Flächen aus, die zwar weniger ertragreich sind und stark aufgearbeitet werden müssen, aber das Überleben und einen minimalen Wohlstand sichern, während in den besseren Bodenlagen Biosprit, angeblich nachhaltig, in Konkurrenz zu Nahrungs- und Futterpflanzen produziert wird. Letztere sind nachweislich nicht nachhaltig, weil sie für das europäo-amerikanische Superrind (demnächst aus zwei, drei Klonen nach Zuchtleistungswert, global aufgestellt) angebaut wurden.

Es existiert ein globaler und kultureller Nahrungsmittel- und Energieproduktions-Einheitsraum auf christlich- jüdisch- heidnischer, sprich, krude materialistischer Basis, der für sich produziert und unbedingten Anschluss jedes Winkels der Erde verlangt.

Weil da reine Ökonomieprozesse wirken und die Steuerung über Marktbörsen und Finanzwirtschaft und große Anleger läuft; weil das ein erklärtes Ziel aller Wirtschaftsagenturen (IWF, Weltbank) und der Großstaaten seit Jahrzehnten ist; weil das dafür sorgt, dass am Prenzlberg- und im engeren Wohlfühlviertel um die Regierungen auch in der mittelfristigen Zukunft noch zarte Steaks und ausreichend Müslijoghurt zur Verfügung stehen, wofür Wiederwahl und Macht sicher sind, ändert sich bisher wenig, obwohl das andere Wissen längst vorhanden ist.

Die kürzeren Zyklen bei Konsumgütern und langlebigen Haushaltsgegenständen führen nicht nur zu einer Degradation in der Qualität der Massenprodukte, sondern auch zu einer ästhetischen Beliebigkeit (Tycho), weil diese Produktion nicht mehr neben oder zu bestehenden Alltags- und Lebensweltobjekten kommen, sondern den alten "Kram" zu Müll erklären oder die alte Welt der Objekte mit Volumen, Stückzahl und Verfügbarkeit einfach erdrücken. Daher brauchen wir auch so viele Museen, die in ihrem Aussehen entweder Sakralräumen oder Einkaufscentern sehr ähnlich werden (man denke nur an das Lieblingsspielzeug der Museumsarchitekten, die Rampe), um wenigstens die Erinnerung mit schönen Gedanken am Sonntag zu versorgen. - Klassisch kann man das also auch am (Städte-)Bauwesen der Moderne abhandeln, die Maßstäblichkeit, Dauerhaftigkeit und Ästhetik die mehr als ein paar Jahrzehnte aushält, nicht mehr risikiert, sondern den Ersatz nach Abschreibung grundsätzlich schon einrechnet (bestes Beispiel, der Regierungssitz unserer Kanzlerin).

Gerade die Ikea-Produkte, zu denen die Schaufronten der Kanzleramts übrigens sehr gut passen, sind ein guter Indikator, weil sie nicht aufgebaut und gekauft werden, um vererbbar zu sein.

Eines allerdings, lasse ich mir nicht einreden. - Harald Welser schreibt, es gebe keinen Plan B. Das halte ich für einen Ausdruck tiefer intellektueller Resignation. Dabei wird doch gerade auf diesen Sozialpsychologen, dazu mit einiger Berechtigung, gerne gehört.

Die "Spinner" kennen viele B-Pläne, weg vom Wachstum an börsennotierten Märkten, die sowieso längst von Anbietern, nicht von Verbrauchern bestimmt sind.

Die Konsumenten hingegen, werden knapp gehalten an Löhnen, damit man ihnen billige Produkte und Massenware verkaufen kann und sie kaufen müssen. Über Marketing entsteht das passende Bewusstsein dazu. Der Druck wirkt sogar in Nachbarschaften und engen Freundeskreisen (Distinktionswillen) den "Dreck" alle paar Jahre raus zu werfen und komplett neu einzurichten.

Global funktioniert das, und daher sehen in Delhi, Dubai oder Shanghai die Plakatmodelle des so genannten, besseren Lebens nicht mehr grob anders aus, als heute in Berlin.

Selbst jetzt, zum hoffentlich endgültigen Ausstieg aus der Kernenergie, sprachen diejenigen, die sich seit Jahren ernsthaft damit beschäftigen, -sie sitzen nicht in Regierungen-, gefragt was als Ersatz tauge, vor allem von einem verborgenen Reservoir, nämlich Energie einzusparen. Man solle nicht darauf hoffen, wie so mancher Ingenieur es immer noch glaubt, eine technische Lösung bringe unbegrenzte Wachstumschancen.

Die regenerativen Energien werden aber nun entdeckt von Großkonzernen, die sie als Marktchance zum Austausch und Ersatz für das gescheiterte Monopol mit dem Atom-Strom betrachten.
Dazu greifen nun zwei stark konzentrierte und durchorganisierte Wirtschaften ineinander Agrarwirtschaft und Energiewirtschaft.
Die wollen weltweit Anlagen (an)bauen, verwalten und den Profit einnehmen. Ob Roundup-Patentweizen oder Energiesoja mit Totalherbizidresistenz, ist im Geschäftsplan kein großer Unterschied, weil beide Male auf Dauer eine Lizenzgebühr fällig wird.

Eine große Falle ist z.B. die Schaffung großer Infrastrukturen in den Netzen, die Energieerzeugung und Transport auch im neuen, regenerativen Markt stark monopolisieren. - Der Plan B heißt Dezentraliserung und Energieproduktion nach Bedarf, nicht auf Halde, nicht unter hohem Verlust. So könnte auch die Grundlast deutlich kleiner werden, was Verschwendung reduzierte und die Zahl der notwendigen Speicher reduzierte.

Dezentral regenerativ und selbst produziert, nicht angeliefert, ist auch ein Konzept in den Ländern, die endlich Wohlstand wollen, der ihnen doch bisher vorenthalten wurde.

Eine Weile werden wir noch Markt-Kapitalismus und simple Wachstumswünsche in der Wirtschaft haben (J.-A.P.), das ist sicher und zudem eine notwendige Anerkenntnis des Jetzt. Eine solche gigantische globalen Maschine, die mit Eigentum in Form von Anteilen und Verträgen auch Macht verleiht, kann nicht einfach abgestellt werden. Aber das Wissen für eine Änderung liegt, wenn auch nicht sehr systematisch, längst bereit.

Grüße
Christoph Leusch

Popkontext 19.05.2011 | 21:46

@ignaz.w

du schreibst: "Wer lesen kann ist klar im Vorteil"
Ja, schon wenn es um Namen geht ;)...

probe aufs exempel - dein text am 19.05.2011 um 15:21: "Ich glaube, Sie sind da sehr oberflächlich - aber haben eine feste (Stammtisch-)Meinung zu den "Ökos"."

Wo war das Problem mit der Aussage? Ich kann gerade nicht forlgen.

"du weißt, dass ich lesen kann, du selbst hast es mir attestiert (an anderer stelle)."
Du weißt, das es eine ironische Redewendung ist?

"die schwierigkeiten fangen im ganz einfachen an: schneisen für stromleitungen finden, jeden verfügbaren quadratmeter für regenerative enegriegewinnung nutzbar machen, flüsse und bäche aufstauen, erdwärme anzapfen - das sind alles dinge, die wir in dienst stellen (wollen). wofür?"
Wo war hier nochmal der Kontext - ich kann gerade leider wieder nicht folgen.

"ich gönne dir deine belesenheit."
Besten Dank.

"aber das wofür? das ich dir hinwerfe, zielt genau darauf ab: damit es nach uns die menschen besser haben."
Wer sagt das? Das ist deine Interpretation.

"aber sind die bedingungen, unter denen du dir deine belesenheit erworben hast überhaupt verbesserbar und wenn ja, wie? nur unter der form einer anderen form von energiegewinnung?"
Ja, zumindest wenn es für kommende Generationen um Leben oder Tod geht. Natürlich auch in anderen Dingen - davon sprachen wir zumindest was den großen Überbau angeht bereits (Kapitalismus). Da du lesen kannst, hast du das sicher getan ;)...

"du hast eine sehr romantische vorstellung davon, was besser sein könnte."
Woher weißt du das? Kennen wir uns?

"ich empfehle dir,so wie einst es rousseau den notablen seiner zeit tat, eine zeit dort zu verbringen, wo selbst künstliches licht am abend keine selbstverständlichkeit ist. und dann unterhalten wir uns darüber weiter, wie man unter solchen bedingungen belesenheit und darauf stolz sein kann erwirbt."
Du sprichst mit jemandem, der sich auch sehr für internationale gesellschaftliche Zusammenhänge interessiert und sich da durchaus auskennt, auch wenn ich - wie die meisten von uns - höchstselten an einem Ort war, wo es keinen elektrischen Strom gibt. Das ich darüber aber nicht nachdenke und mir das nicht klar ist, ist schon eine fast unverschämte Unterstellung (die zudem wie gesagt auch ganz und gar nicht zutrifft - mir ist unklar, wie du darauf kommst.) Ich habe nicht einem afrikanischen Bauern aus einer abgelegenen Gegend vorgeworfen, er würde Stammtischparolen verbreiten, sondern einem Menschen, der vermutlich in Deutschland aufgewachsen ist und zu dem - ohne es so zu formulieren - mit seiner vermeintlichen klassischen Bildung deutlich mehr angibt als ich. Mir geht es nur darum, dass man auch Ahnung von einem Thema haben sollte, wenn man sich dazu äußert - zudem noch derart abfällig -, oder sonst auch zugeben, dass man sich nicht so auskennt.

Popkontext 19.05.2011 | 21:53

Wenn letzteres übrigens eine Anspielung auf Klasse sein soll (da war ich zumindest relativ im Vorteil, wiel ich zum Lesen angeregt wurde und Abi machen durfte, aber hochintellektuell war mein Umfeld auch nicht gerade) - ich habe das auch niemandem, der offensichtlich aus einer bildungsfernen Schicht kommt vorgeworfen. Das hatte ich aber in anderen Worten schon ein paar Posts vorher klar gemacht.

j-ap 19.05.2011 | 22:20

»... dass man auch Ahnung von einem Thema haben sollte, wenn man sich dazu äußert - zudem noch derart abfällig -, oder sonst auch zugeben, dass man sich nicht so auskennt.«

Es versteht sich von selbst, daß das ein deutliche Ansage an die hier Lesenden und Kommentierenden ist, die lautet: Wer sich nicht auf Ihre Art der Bescheidwisserei einläßt, der ist ein Stammtischbruder und soll am besten die Schnauze halten, denn er hat hier und zu diesem Thema nichts Qualifiziertes beizutragen; keinefalls soll er allerdings die Fakten, Fakten, Fakten bestreiten oder da liegen lassen, wo sie ansonsten mundgerecht serviert werden — nämlich im Focus und in den anderen Enthirnungsblättern des grassierenden Schwachsinns —, sonst würde er nämlich glatt auf Idee kommen, daß sich hinter all diesem goldbeborteten Budenzauber der fleißigen Bildungsbürgerzunft nichts anderes verberge als gute, alte, blöde Ideologie, wie man sie kennt.

Deshalb nehmen Sie's, wenns denn drauf ankommt, auch mit der Wahrheit nicht so genau und kehren zB unter den Tisch, wer es hier war, der mit dem Maunzen anfing: das war nicht ich, sondern die Frau mit Schwert, die ungetrübt von jedem Themenbezug hereingeflogen kam und ebenjenes zog.

Mir ist das freilich genauso wurscht wie Ihre Bildung, Popkontext, denn die ist hier genauswenig Thema wie der geistige Horizont von Frau Schwert — genau deshalb sind Sie ja darauf zu sprechen gekommen, denn wenn erstmal alles in nickelige Befindlichkeitsprosa, einzelwissenschaftliche Fakten»analyse« und gschaftlhuberische Aufplusterei auseinandergelegt worden ist, dann braucht man über das nicht mehr zu reden, worum es hier eigentlich geht: über die Gesellschaft als ganze.

Aber das wäre natürlich schon nicht mehr ganz »wissenschaftlich«.

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ignaz-w 19.05.2011 | 22:33

@ lisaschwert

nehme ich die berichtigten zahlen für die automobilbranche plus die metallproduzierende industrie
www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,625945,00.html
www.bmwi.de/BMWi/Navigation/Wirtschaft/branchenfokus,did=171734.html?view=renderPrint
komme ich alleine auf rund 850.000 arbeitsplätze, ohne bahn-, fugzeug- und maschinen- bzw. anlagenbau. nicht enthalten sind die arbeitsplätze in der stromerzeugenden industrie selbst. dagegen stehen bisher rund 150.000 stellen im regenerativen bereich. mit "grünisierung" kannst du mir bitte nicht bei dergleichen disparitäten nicht kommen, sondern allenfalls, wo du die menschen hinschicken willst, denen die arbeit anbhanden kommt. auf großbaustellen für die nächste staustufe an der donau?

Popkontext 19.05.2011 | 23:19

@ignatz.w sorry, zum thema arrgont ist das jetzt aber eine steilvorlage: Wieso muss ich "zugeben", dass ich mir zu einem thema, wo ich mich nicht auskenne, noch "wissen aneignen will". Das ist doch selbstverständlich. Das kritisiere ich ja gerade: Leute, die keine ahnung haben, aber ihre meinung in der gegend rumposaunen, als wäre es die einzige wahrheit. Daher kam der verweis mit der bildung ja her. Bitte nochmal nachlesen.

Popkontext 19.05.2011 | 23:39

@j-ap
Darf ich mal zusammenfassen.
Wer darauf Wert legt, in einer Diskussion auch Ahnung von den Grundlagen des Themas zu haben, pflegt "Bescheidwisserei" Nur weil der Focus sich das Wort Fakten als werbeslogan angeeignet hat befindet sich gleich jede/r, der / die Wert auf Fakten legt auf Focus-Niveau.

"goldbeborteten Budenzauber der fleißigen Bildungsbürgerzunft"
Ich dachte den Pflegen Sie mit ihrer Hegel-Lektüre.

"nichts anderes verberge als gute, alte, blöde Ideologie, wie man sie kennt."
Welche Ideologie im speziellen? Die von Ihnen ausgemachte Öko-Ideologie, die sie gleich allen unterstellen, die sich um Nachhaltigkeit scheren? Oder gefallen Ihnen einfach die Worte? Oder ist das wieder ein unverstandenes bzw. ohne Kontext unverständliches Hegelzitat?

"wer es hier war, der mit dem Maunzen anfing"
ganz klar Sie, worauf ich mich bezog, das ist ganz leicht am Thread nachlesbar. Aber Sie lenken gut ab und machen andere schlecht.

"gschaftlhuberische Aufplusterei"
Besser hätte ich ihre Auslassungen nicht charakterisieren können. Einsicht ist der beste Weg zur Selbsterkenntnis, sagte meine Mutter immer.

"worum es hier eigentlich geht: über die Gesellschaft als ganze."
Darüber haben wir doch am Anfang, als es noch um Inhalte ging, mehrfach gesprochen.

"Aber das wäre natürlich schon nicht mehr ganz »wissenschaftlich«."
Was jetzt nochmal?

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richard-der-hayek 19.05.2011 | 23:47

Es liegt ganz einfach daran, daß die 10%, die die Macht und das Geld haben und sich von den anderen 90% bedienen lassen, amen, auf diese Tour immer noch reicher werden. Um das abzustellen, können die 90% nichts machen außer einer Art Revolution: es müssen genügend diese Tatsachen erkennen, so daß sich international genügend dagegen wehren.
Das ist fast aussichtslos, deshalb geht es solange weiter bis es nicht mehr geht und wir hier auch so arm sind wie die Menschen aus den armen Ländern, die wir ab und zu in den Nachrichten sehen.
Profit Heil !

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Ehemaliger Nutzer 20.05.2011 | 00:12

@ J-AP

Ich mag Ihre Texte in diesem Thread. Gern gelesen.

Da hat der Heine geglaubt, die Schwaben-Häuslebauer wären Dank Hermann keine Quiriten geworden, er irrte.

"Wenn Hermann nicht die Schlacht gewann,
Mit seinen blonden Horden,
So gäb es deutsche Freiheit nicht mehr,
Wir wären römisch geworden!

In unserem Vaterland herrschten jetzt
Nur römische Sprache und Sitten,
Vestalen gäb es in München sogar,
Die Schwaben hießen Quiriten!"

j-ap 20.05.2011 | 00:41

Guten Abend, Herr Leusch.

Ich glaube, daß Sie dem Artikel zuviel Ehre antun, wenn Sie ihn und seine Mängel des fehlenden Platzes wegen entschuldigen.

Denn wenn wir uns einmal ansehen, was im Zentrum dessen steht, was hier in aller Kürze von Herrn Welzer vorgetragen wurde, dann ist das doch etwas, was wir schon länger kennen: Die Diagnose, daß »wir Menschen« (ich vergesse die Anführungszeichen auch immer wieder, die hier erforderlich sind, weils nämlich schon hier mit der Abstraktion losgeht) grundsätzlich verschwenderisch umgehen würden mit der Natur wegen unserer Unersättlichkeit, wegen unserer Gier, wegen unserer Maßlosigkeit usw. usf.: Immer mehr haben wollen wir, und das auch noch ohne Sinn und Verstand ... — früher, als ich noch klein war, stand für diese Kritik der plakative Begriff »Wegwerfgesellschaft«; ein Bild, das auch dem Artikel von Welzer zugrundeliegt.

Dagegen will ich, auch in aller Kürze, folgende Einwände erheben:

Dazu mal folgende Einwände:

1. Die Rede vom »maßlosen Bedürfnis« ist blanker Unsinn, schon seinem Begriffe nah (deshalb auch: Hegel, weiter oben). Das Bedürfnis hat sein Maß schlicht am Inhalt dessen, wonach es verlangt. Genauso widersinnig die Vorstellung, es würde laufend produziert, um anschließend alles wegzuwerfen. Da braucht's noch nicht einmal Praxeologie, um auf die Frage zu kommen: Wie um alles in der Welt soll so ein Zustand zustandekommen, von dem keiner nix hat?

2. Wenn alles produziert werden würde, damit die Leute dann konsumieren, wozu braucht's denn dann den Gewinn als Kriterium und Grund der Produktion? Denn im Kapitalismus ist eben weder der Konsum noch irgendein Bedürfnis, sondern nur und ausschließlich der Gewinn der Grund zur Produktion. Wenn Sie, Herr Leusch, fünftausend Sachertorten haben wollen, dann müssen Sie nur die Diner's durch den Automaten ziehen und Sie bekommen fünftausend Sachertorten. Ob Sie die auch essen, verbrauchen, »konsumieren«, interessiert niemanden. Entscheidend ist, daß Sie bezahlen. — Das aber müssen Sie, denn ohne Schotter keine Torten, das Bedürfnis als solches ist genauswenig ein Grund zur Veranlassung wie Konsum.

Aber nun soll ausgerechnet der Gewinn, die Vermehrung des Geldes also, dem die ganze irrsinnige Veranstaltung gilt, ein Indiz dafür sein, daß es um nichts als Konsum gehe? Das versteh, wer will.

3. Wenn's denn tatsächlich so wäre, daß produziert würde zum Zwecke des Konsums, also der Bedürfnisbefriedigung — was wäre daran so schlimm? Eine universelle, planetarische Vergiftung käme dabei jedenfalls nie und nimmer heraus, denn die wäre ein Widerspruch zur Bedürfnisbefriedigung.

5. Wenn das Bild stimmen würde und es ein unbeschränktes, zahlungsfähiges Bedürfnis gäbe, für das immerfort produziert werden würde, würde sich der Gewinn als Produktionsgrund glatt durchstreichen. Nur: bekanntermaßen läuft die Mehrzahl der Leut' mit einem monatlichen verfügbaren Einkommen von ungefähr 1000 EUR durch die Gegend, die Schranke der Bedürfnisbefriedigung steht also ziemlich fest (»Budgetrestriktion«), weil nämlich der Reichtum — den es nicht zu knapp gibt! — , erstmal ganz gründlich dem Konsum entzogen ist (denn mit Aktien, Derivaten, Anleihen, aber auch Maschinenparks und Gebäuden, also kurz: Anlagevermögen, das in der Hauptsache den ganzen Reichtum ausmacht, kann ja niemand irgendwas bezahlen!) und nur insoweit zur Verfügung steht, als er sich zuvor in Geld verwandelt, um zu bezahlen.

Zum Stichwort (mündiger, unmündiger, verantwortlicher, guter, böser, gepreßter usw.) »Konsument«:

So zu tun, als seien sämtliche Chemiewerke, Autofabriken, AKW usw. ein einziger Dienst an den Konsumbedürfnissen der Leute, die deswegen auch verantwortlich seien für die Ruinierung der armen Natur, ist eine ziemlich miese Moralpredigt.

Diejenigen, die diese Moral der Bescheidenheit pflegen, schwingen sich mal eben und ganz locker auf zum Richter über wahre und falsche Bedürfnisse und tun so, als hätte es ausgerechnet der sog. Verbraucher in der Hand, die Plünderung des Planeten zu unterbinden. Darauf stellen ja alle Konsumänderungskampagnen auch ab.

Beispiele: Die Autofahrer sind »schuld« am Waldsterben. Die Fleischesser sind verantwortlich für die Tierquälerei in der Schweinefabrik. Die Turnschuhträger sind »schuld« an den Sweatshops in Bangladesch. Die Büffetgäste vom Hotel Vierjahreszeiten sind »schuld« am Dioxin-Ei. ...

Die Verwechslung: Seit wann bastelt denn der Autofahrer die Motoren oder hätte sie sich genau so bestellt? Wann hätte je irgendeiner ein Ei mit Dioxin bestellt? Oder Turnschuhe aus Sklavenhand? Oder BSE-
Steaks?

Den berühmten KAT im Auto, das Biosiegel beim Saubauern oder die Fairtrade-Sneakers gibt's ja nicht deshalb, weil ganz urplötzlich die Vernunft in den Kapitalistenwahnsinn gefahren wäre, sondern weil der Staat dem Konkurrenzkapital bei immer weiter gesättigten Märkten und bei immer wahnwitzigerer Konkurrenz um die immer geringere Zahlungsfähigkeit ein neues Datum setzt, damit die jüngste »Innovation« an den Mann und die Frau gebracht werden kann.

Beim Herrn Welzer oben genau wie seinen Groupies ist das kapitalistische Interesse längst und locker als Sachzwang abgehakt, als Ding, das man nunmal leider nicht ändern kann. Bei denen, die diesem Interesse nachkommen müssen, weil sie keine andere Wahl haben, da entdecken die Naturfreunde nichts als übermäßige Freiheiten, da wollen sie sortieren zwischen dem, was sein muß (zB: Autofahren zur Arbeit) und dem, was völlig überflüssig sein soll (zB: Autofahren zum Briefkasten, aus reiner Bequemlichkeit).

Zu mehr als diesem moralischen Kommentar zum kapitalistischen Alltag ist diese ganze pseudoradikale Gesellschaftskritik nicht gut. Und ausgerechnet das, der Verzicht auf die oder jene Autofahrt, auf dieses Stück Fleisch, jenen Schuh und das Frühstücksei, soll dann die ganzen angeprangerten Umweltzerstörungen aus der Welt schaffen?

Noch ein Wort zur Ökologie generell, weil auch die hier Thema war:

Die Ökologie, wo sie sich heute als Grundlagenwissenschaft präsentiert, interpretiert die Naturgesetze um in dem Sinne, daß aus ihrem Ideal der Bewahrung der Natur der Zweck der Natur schlechthin gemacht wird.

Sie will unbedingt nachweisen, daß der heutige Umgang mit der Natur ein Widerspruch zu dem allgemeinen Gesetz der Natur sein solle; ein Unterfangen, das den gar nicht so kleinen Haken hat, daß dann dieser Umgang mit der Natur gar nicht möglich wäre. In diesem Ansinnen hat die Ökologie Urteile über die Natur in die Welt gesetzt, die heute jedermann im Munde führt, ohne je in ein Biologiebuch geschaut zu haben.

Da ist die Rede von Natur als einem Ökosystem: Landschaften, Tiere, die in ein zufälliges Verhältnis mit diesen Umständen gestellt sind, sich wechselseitig fressen oder auch nicht, die durch ihren Stoffwechsel wieder Grundlage für andere Lebewesen oder auch Landschaften sind — all diese naturhistorisch entstandenen Verhältnisse werden in eine funktionelle Einheit transformiert, bei der auf einmal jedes Element als Teil dem System als Ganzem dienen soll. Alle existierenden Wirkungsverhältnisse werden als »Belege« dafür angeführt, daß da und zwischen all den Elementen ein Systemzusammenhang existiere, eins fürs andere da sei und das System auch einen Zweck habe, nämlich: durch seine Teile sich selbst zu erhalten.

So soll dann schlagend »bewiesen« sein, daß die Benutzung der Natur ein Eingriff in sie sei, eine Störung des Gleichgewichts, die zu unterbleiben habe.

Dabei hat die tatsächliche Naturwissenschaft all das, was an der Natur systematisch ist, längst erforscht! Und die Naturwissenschaft hat dabei auch noch nie darüber geklagt, daß ein Tier fehle, eins dazugekommen sei oder auf einmal »zuwenig« Arten vorhanden sein sollen.

Ökologen tun so, als ob alles, was es in der Natur gibt, auch unverzichtbar für sie als System wäre. Dabei hat die Natur selbst schon ganz ohne den störenden Eingriff des Menschen die eine oder auch andere Tier- und Pflanzenart zum Verschwinden gebracht. Manche Tiere sollen sogar andere Tiere fressen, ganz ungeachtet dessen, daß die auch Teile des Systems sind.

Und was das Systemische am System namens Ökosystem betrifft: dafür ist es doch völlig wurscht, wie das Stück Natur beschaffen ist. Hat man ein Feuchtbiotop und legt es trocken, hat man ein Trockenbiotop. System ist es so und anders.

Ökologen wissen selber ganz genau, daß sich in der Natur ständig alles ändert. Nur sollen die ganzen Veränderungen nun auf einmal angeblich dem Zweck der Natur dienen, sich in irgendeinem Gleichgewichtszustand zu halten. Auch hier wieder: völlig egal, worin der genau bestehen soll. Gesagt soll damit sein, daß der Mensch, wo er Natur anwendet, alles aus dem Lot bringt.

Dasselbe kann man auch ausdrücken mit dem Bild vom Haushalt. Es soll nämlich die Natur auszeichnen, daß es bei ihr hauptsächlich um Energie und Stoffe gehe — wodurch so ziemlich alles gleichgemacht, äquivalent ist; nebenbei bemerkt: auch hier wieder nichts anderes als Geldanwendung in der Denkform, siehe Sohn-Rethel nebenan bein Herrn Jäger — und daß sie mit ihren knappen Energien und Stoffen vernünftig haushalten würde.

Der angebotene Beleg dafür ist so simpel wie blöd: Knapp sollen die Mittel der Natur deshalb sein, weil sie nicht unendlich, sondern endlich sind. Also daß sie überhaupt vorhanden sind, ist der Beleg dafür, daß sie beschränkt, daß sie knapp sind. Die bloße Existenz von Stoff und Energie soll den Mangel haben, daß nicht noch viel mehr davon da ist. Und mit diesem Mangel ist die Natur vorbildlich dadurch fertig geworden, daß sie glatt nicht mehr »verbraucht« in der Energie- und Stoffumsetzung als sie eben verbraucht.

Auf diese Weise wird die Natur zum Vorbild einer anspruchslosen Zweckmäßigkeit, in der jedes Teilchen sein Plätzchen hat und alle miteinander auskommen und auch noch zu sparen verstehen — solche Bilder sind in Zeiten der Krise, der sinkenden Reallöhne und der verloren gehenden Arbeitsplätze stets höchst willkommen! — im Unterschied zu jenem Ökosystem, in dem der Mensch sich herumtreibt.

Völlig unabhängig von der Tatsache, daß die Natur schon längst komplett gesellschaftlich bestimmt, weil längst auf ganz großer Skala umgemodelt ist, erhalten oder auch nicht erhalten wird, zerstört und wieder aufgebaut wird, pflegt man die Vorstellung von lauter natürlichen Zusammenhängen in der Welt und daneben und getrennt davon soll's dann das Ökosystem des Menschen geben. Da wird glatt auch noch der kapitalistische Umgang mit den Produktionsbedingungen in das Modell eines in sich ruhenden Naturzusammenhangs einsortiert, als eine dann halt besondere Sorte Naturverhältnis. Und darüber lautet die Auskunft: auch der Mensch ist Teil der natürlichen Umwelt, selbst wenn er sich darüber hinausheben will.

Die kapitalistische Produktion mit ihrer technologischen Naturbeherrschung (vgl. Günter Anders!), mit Armut und Reichtum, die politischen Machtverhältnisse — all das löst sich auf und verflüchtigt sich in ein natürliches Haushaltssystem. Bei dem taucht dann konsequenterweise all das als negative Eigenschaft auf, was vorher bei den sogenannten »natürlichen« Systemen als vorbildlicher Umgang der Natur mit ihren knappen Mitteln angepriesen wurde.

Menschliche Ökosysteme zeichnen sich dann durch unausgeglichene Energiebilanzen aus, durch lauter Verfahren, mit denen er, der Mensch als Teil eines Ökosystems, sich über es erhebt, einfach nicht in ihm aufgehen will. Das soll dann aber nicht für die Weltfremdheit dieses Gedankens sprechen, sondern gibt den Maßstab, der da von Ökologen angelegt wird und der dafür sprechen soll, daß der Mensch sich gefälligst als das Element im Naturganzen aufführen soll, das er angeblich ist.

Kurzum:
Meiner Auffassung nach handelt es sich hier bei dem, was von Herrn Welzer (et al.) vorgetragen wurde, um eine ganz verkehrte Gesellschaftskritik, die begründet wird mit einer noch viel problematischeren Naturtheorie.

Und damit viele Grüße zum Abend,
J. A.-P.


(Jetzt ist es wieder mal länger geworden, als ich ursprünglich vorhatte und ich bitte um Verzeihung, falls sich jemand gelangweilt haben sollte.)

Columbus 20.05.2011 | 01:18

ad Emjay187 schrieb am 19.05.2011 um 22:15

Das ist eine kluge Idee, das mit dem Neorealismus, Emjay187.

Dazu gibt es einen Film von Roberto Rosselini, der in dieser Beziehung Maßstäbe setzt. "Paisà" schildert in Episoden die Befreiung Italiens vom Faschismus und vom Nationalsozialismus der Besatzer. Die Hauptcharaktere der einzelnen Geschichten tun meist erstmals etwas Aktives und Gutes, und sie scheitern damit. Aber darin liegt auch ihre Würde.

Der Verstand mag sagen, du spielst gegen alle Odds an, aber die Vernunft sagt, versuch´ es trotzdem. Nebenbei ist das auch die Antwort auf jeglichen Zynismus. Denn, so wie im Film zwar die kleinen Helden sterben, war Italien bald darauf wieder ein freies Land.

Was für die Moral im Film gilt, das gilt auch für die erkannten Schwächen des schier übermächtigen Wirtschaftssystems, das nämlich auch die globale Konkurrenz unter den Schwächsten und den Beeinflussbaren enorm vergrößert. Am Ende ist der Einzelne so nackt, dass er, von der Gesellschaft als gescheitert verurteilt, sich diese Zuschreibung, ausgerichtet an den kollektiven Erfolgsmythen zu eigen macht und dann von sich selbst keine gute Meinung mehr hat.

Das produziert ein Heer von kleinen Zynikern, die so sind, weil sie die Entwertung nicht verkraften und deren Herkunft nicht lokalisieren können. - Man könnte das auch das Spinnennetzsyndrom der globalisierten Welt nennen, bei der die noch lebenden, aber gut eingesponnenen Beutetiere, immer wenn die Spinne einmal Hunger hat wild gestikulieren und auf den gefangenen Nachbarn deuten, "Freß´ den da drüben und vorerst nicht mich. Das reicht mir"

Grüße
Christoph Leusch

I.D.A. Liszt 20.05.2011 | 02:00

>Eine Wachstumswirtschaft funktioniert nur, wenn Menschen immer neue Dinge haben wollen, obwohl ihre Bedürfnisse nach Nahrung, Kleidung und Wohnung abgedeckt sind. Das Argument, man brauche Wachstum, um Wohlstand zu sichern, entbehrt jeder Logik, denn nichts ist einer Wachstumswirtschaft feindlicher als das Erreichen und Sichern eines Wohlstandsniveaus. Genau darüberhinaus muss es immer weitergehen, und deshalb fließen unsere Ressourcen immer mehr in Dinge, die sich von Konsum- in reine Kaufgüter verwandelt haben. - Vor gut 150 Jahren äußerte sich bereits ein kluger Mann mit Rauschebart aus Trier diesbezüglich, daß Dinge/Waren Fetischcharakter annehmen, und auch, daß das Wirtschaftssystem, das auf Wachstum und immer mehr Wachstum beruht, im Grunde davon lebt, daß es seine eigenen Grundlagen zerstört. Lange Zeit nannte man das Wirtschaftssystemnoch bei seinem richtigen Namen: Kapitalismus.

Es gab auch einmal Rezepte, wie man dieses Wirtschaftssystem und all seine häßlichen Nebenwirkungen überwindet - nur sind die leider seit 1989 unter den Teppich der Geschichte gekehrt worden.
Darum fängt man heute je wieder aufs neue an, dieselben, bereits beantworteten Fragen zu stellen.

gweberbv 20.05.2011 | 02:07

@lisaschwert

"Ich rede von einem Kontext, dem der Grünisierung, bei dem eben solche Hochleistungsverbraucher abgebaut werden oder eingeschränkt, das bedeutet Arbeitsplatzverlust, der auf der anderen Seite wieder aufgefangen wird oder werden soll. Davon rede ich. Ich dachte nicht es wäre nötig das noch durch Fußnoten erklären zu müssen."

Windparks, PV-Analgen und Pumpspeicherkraftwerke setzen freilich eine hochentwickelte Industrie voraus. Aber kümmern wir uns mal nicht darum.

Fragen wir stattdessen, mit was man die Arbeitnehmer und Unternehmer der "grünisierten" Wirtschaft zu entlohnen gedenkt. Baut da der freundliche PV-Monteur, dem Windmüller eine PV-Anlage aufs Dach, auf dass dieser ihm dann eine WKA hinters Haus stellt? Oder wird es vielmehr so sein, dass sich beide für ihren Dienst stattdessen Auto, Einbauküche, Urlaubsreise und iPhone wünschen? Sprich: Gerade (Konsum-)Produkte jener Hochleistungsverbrauchindustrie, auf die wir - Gott sei's gedankt - Zugriff haben.

Tycho 20.05.2011 | 02:13

lieber Christoph,
die Globalisierung war durchaus ideologisch gedacht als Ausbruch aus der historischen Verklammerung der ersten mit der Dritten Welt. INTER + NET.
Wie hat sich das nur entwickelt?
Geht es den Chinesen, den Indern, den Chilenen besser? Geschwindigkeiten und Örtlichkeiten?
Gab es nicht zuvor Schlagwörter, die es bis in die Sekundarstufe geschafft hatten? Terms of Trade..?

gweberbv 20.05.2011 | 02:37

@Christoph Leusch

"Der Plan B heißt Dezentraliserung und Energieproduktion nach Bedarf, nicht auf Halde, nicht unter hohem Verlust. So könnte auch die Grundlast deutlich kleiner werden, was Verschwendung reduzierte und die Zahl der notwendigen Speicher reduzierte."

Dass passt doch hinten und vorne nicht, was du schreibst.

(Groß-)Verbraucher:
wallstreetmeeting.de/s8yard/wp-content/uploads/2009/11/frankfurt.jpg
www.hima.de/Presse/Downloads/Bild3_BASF_LU_abends.jpg

Große Wasserkraftwerke:
www.kraftwerke-online.de/frames/deutsch/100karte.html
Verteilung der Windgeschwindigkeiten:
www.wind-energie.de/typo3temp/pics/266c02280b.jpg
Sonneneinstrahlung:
www.pv-ertrag.com/bilder/einstrahlung_karte.jpg

Weder Stromverbraucher noch die möglichen Quellen für Ökostrom sind dezentral über Deutschland verteilt. Strom wird auch nicht "auf Halde" produziert, da es bis heute keine nennenswerten Speichermöglichkeiten, also "Halden", gibt. Das ist ja gerade das Problem, wenn in Zukunft Wind und Sonne die Versorgung zu großen Teilen gewährleisten sollen.

Nach Bedarf produzieren vor allem fossile Kraftwerke, wo die im Brennstoff eingeschlossene Energie tatsächlich (näherungsweise) "auf Zuruf" freigesetzt werden kann. Solche Anlagen kann man auch in unmittelbarer Nähe zum Verbraucher aufstellen.

Demgemäß lautet Plan B: Weiter so wie bisher!

Columbus 20.05.2011 | 03:23

Lieber J.A.-P., ich will Welser nicht in allen Aussagen verteidigen, aber Artikel die die 5000 Zeichen überschreiten, sollen, wie man hört, selbst gestandenen dF-Redakteuren als heikel, bzw. als unlesbar, gelten.

Ad 1. Wäre die Gier und Verschwendungssucht nur auf gerade Vorhandenes gerichtet und der Bedürftige, Befallene, Betroffenen könnte sein individuelles Maß benennen, dann wäre wohl die Sache gesellschaftlich und sozial halb so schlimm, weil er sich ja an den Bedürfnissen anderer bald stieße.

Aber das gierige Bedürfnis als Prinzip und Motto der Gesellschaften ist nicht auf ein Ziel hin ausgerichtet, so wenig wie die Ökonomie andere Ziele als die des Besitzes und des Profits akzeptiert. Früher galt es als Moral der Politik diese externen Schranken des Wirtschaftens gegen die Claimabstecker zu verteidigen.

Heute wollen genügend Politiker und Persönlichkeiten die Schranken noch mehr entfernen und die Märkte entfesseln, auf denen, wie Sie weiter unten ja klug andeuten, die Macht und die Möglichkeiten zu handeln nicht fair verteilt sind und Natur nicht vorkommt. Die Gründe dieser Unfairness sind manches Mal banal und durch den Zufall der Geburt gegeben, häufig aber, liegen sie in dieser allgemeinen Aufforderung, genau das, nämlich unfair zu sein, damit der Markt funktioniert, dazu verschwenderisch und gierig aufzutreten, zu tun.

Ad 2. Also, die Sachertorte wäre es nicht, davon bekomme ich immer Sodbrennen, spätestens wenn die leckere und hoffentlich nicht allzu trockene Fünftausendste, das nächste Stück gibt es dann Gratis (Verzehr-Bon(us)), im Magen landete. Aber schlimmere Versuchungen, für die ich teuer zahle, sind diese Produkte aus niedergelegten, zerstampften und gewalzten Wäldern.

Welser schreibt, „In dieser Entwicklung manifestiert sich die angeborene Grenzenlosigkeit der Wachstumsgesellschaften: Sie können nur dann an eine Grenze kommen, wenn es nichts mehr zu konsumieren gibt, weil alle Ressourcen verbraucht sind – aber niemals aus sich heraus.“

Ich finde das gut beschrieben, aber etwas einseitig, weil nicht nur das Ende der Ressourcen, sondern, so hoffe ich doch, Einsicht und dem Wirtschaftssystem nicht inne wohnende Bedürfnisse, z.B. die Sicherheit, dass Seelen doch nicht käuflich sind, Gesetze und Schranken entstehen lassen, die Fairness wenigstens als Widerstand sichern. Dass Bedürfnisse nach einem Eigenwert der Umwelt und der Individuen, fern von Angst, etc., zu einer Außenkontrolle der Ökonomie führen.

Ad 5. So ganz stimmt das ja nicht, mit den Anlagen. Denn gehören ihnen viele „Anlagen“, nebst der Profitmöglichkeit, dann werden sie in der Ökonomie sehr einseitig und fortwährend bevorzugt, weil sie, egal wie und warum sie auftreten, als Gläubiger, als Schuldner, als Konsument, sich immer besser stellen. Ganz kluge Zeitgenossen, z.B. die kleine Riege der Fernsehmoderatoren bei unseren ö. r. Anstalten, haben das Prinzip so gut verstanden, dass schon ihr Name, nach dem TV-Auftritt was wert ist und sie daher einkaufen ohne wirklich zu zahlen. Der Ausfall für die Produzenten oder Händler steckt also ebenso im Produkt, für das nur Arme wirklich etwas zahlen.

Ich denke, so einfach wollte es sich Welser mit der Industrieproduktion nicht machen. Er schreibt hier wenig dazu. Aber auch nicht absolut im Sinne ihrer Interpretation. Sie bringen aber gute Beispiele dafür, wie schnell global ausgedehnte Produktionen und Vertriebe von relativ wenigen und nur in ihrer Vervollkommnung kreativen Produkten, die Spielräume einengen und Ressourcen kosten.

Das hat, z.B. was das Automobil und den Individualverkehr angeht, auch eine massive sozialpsychologische Komponente, weil nämlich z.B. in unserer Kultur der empfundene Freiheitsgrad nicht etwa an der Mobilitätsmöglichkeit, wenn sie denn benötigt wird, sondern an die Freiheit ein Auto überhaupt zu erwerben, selbst zu fahren und zu bewegen geknüpft ist. Das ist ohne Zweifel eine seltsame und auch enorm Ressourcen fressende Art Freiheit, denn die fast sofortige Mobilitätsgarantie wäre anders organisiert durchaus viel günstiger und schonender denkbar. Die autistische Freiheit zählt aber mehr und bringt im gegenwärtigen Ökonomiesystem viel mehr ein, als z.B. die Freiheit an politischen Entscheidungen mitzuwirken, oder z.B. in allen möglichen Medien selbst kreativ zu sein. Diese automobile Freiheit bindet auch regelmäßig einen Großteil der Ingenieurs- und Technikerleistung bei uns. Zuletzt z.B., für das optimale Türschlaggeräusch zur Wiedererkennung bestimmter edler Automarken.

Was aber sozialpsychologisch und sogar ideologisch zählt, das ist die schnelle und beinahe uferlose Ausdehnung von Schein-Sachzwängen. Wer dagegen redet, wie dezent der neue B.-W.-MP Kretschmann, der bekommt eine öffentliche Abreibung und die dazu gehörige Aufregung zu spüren.

Ihre Bewertung der Ökologie, besser eines Teils der Ökologiebewegung trifft sich ja mit Welsers Betrachtung zum ökologischen Fußabdruck und mit einer gängigen Diskursmünze von gewissen Linken, wie Konservativen.

Aber die Ökologie will ja nur die Leistungsfähigkeit der biologischen Systeme erhalten, nicht aber deren Nutzung abschaffen. Ein kleines Beispiel von heute, betreffs besserer Nahrungsmittelproduktion: „Weniger Blattläuse auf Öko-Feldern“, titelt die BZ und beschreibt schön, wie erstaunt selbst die im Produktionstrott gefangenen konventionellen Bauern sind, die doch näher an der Natur sein müssten, als fast jeder beratende Wissenschafltler: www.berlinonline.de/berliner-zeitung/wissenschaft/detail_dpa_30456694.php .

Grüße und gute Nacht
Christoph Leusch

Columbus 20.05.2011 | 03:42

ad Tycho schrieb am 20.05.2011 um 00:13

Stimmt auffällig, Tycho. Da hielt ich auch Helmut Schmidt noch für einen Weltökonomen und nicht nur für den letzten richtlinienkompetenten Bundeskanzler, der noch einer war. Der konnte "T of T" auch so prononciert aussprechen.
Heute weiß ich weder mit DSK, noch mit Bernanke, noch mit dem Schnellsprech Steinbrück etwas anzufangen.

Müssten wir nun, wg. Erdachse und Erdbeben, daran gehen, eine Rotationselipsoiden Halte-und Bewahrungsindustrie aufbauen?

Das Internet kann vielleicht für die Teilnehmer in einigen weiten Bereichen ein hierarchieloses und die Teilnehmer nicht ausbeutendes System bleiben, so wie ich das hier beim dF/dFC so außerordentlich schätze, ohne Ansehen der Person diskutierten zu können. Aber diese ökonomische Globalisierung bevorzugt nicht unbedingt die Millionen Netzknoten, sondern jene, die den Fischfang abschöpfen.

Herzlichst und gute Nacht
Christoph Leusch

Fro 20.05.2011 | 03:58

@gweberbv
Im Mittel wird mit so einer Anlage genügend Strom erzeugt.
Wenn man wirklich autark sein, und original Solarstrom verbrauchen möchte, braucht es natürlich Speicher (Akkus) im Keller – das macht aber kaum jemand. Zur Zeit wird der von den Haushalten produzierte Strom meist gewinnbringend vergütet ins Netz geleitet und des Nachts wird Strom aus regionalen Speicheranlagen (von denen es zur Zeit noch zu wenige gibt) oder anderen Kraftwerken bezogen. Durch intelligente Vernetzung, die auch europaweit funktionieren kann, könnten regionale Schwankungen ausgeglichen werden. Aber es gibt mittlerweile etliche energieautarke Gemeinden, in denen eine 24 Std-Versorgung mit erneuerbaren Energien geleistet wird: Solar, Wind, Biogas. Der weitere Ausbau der lokalen Energieversorgung würde Konzernunabhängigkeit fördern und auch viele Überlandleitungen überflüssig machen - außerdem wird der Strom kostengünstiger.

Tycho 20.05.2011 | 04:13

@Popkontext
Stolz ist so eine Sache...
ich verstehe das für mich selbst! zur Zeit! so:
Wenn ich etwas leisten musste, um etwas zu erreichen, erfüllt es mich weniger mit Stolz, sondern, schielend auf weitere Leistung meiner selbst oder jener von anderen, mit etwas Demut. Achtung. Respekt.
Stolz ist so retrospektiv. Irgendwie ausruhend. (was okay ist, aber da trifft es für mich persönlich Zufriedenheit mehr)

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ignaz-w 20.05.2011 | 10:58

@ Popkontext schrieb am 19.05.2011 um 21:19

ich mache dich auf einen umstand aufmerksam, der dir -trotz penibelster lektüre- möglicherweise entgangen ist: die frage, die ich oben gestellt hatte

"was wäre an unserer gattung derart erhaltenswert, dass sie sich eines anderen besinnen sollte?"

wird so oder ähnlich von praktisch allen gestellt. denn wenn es nicht so wäre, würde der artikel, über den wir diskutieren, nicht geschrieben worden sein.

ich habe dir gerne vorschub geleistet, damit du freie wahl hast, wie du dem entgegnen willst, vor allem aber kannst. irritierend an deinen antworten ist daher nicht per se, dass du die frage als egoistisch oder anders abqualifizierst. sondern dass du dich eigentlich mit ihr gar nicht beschäftigst.

was du kindern hinterlassen willst (oder den nächsten generationen, ganz nach gusto), ist das, was andere ebenfalls kindern hinterlassen wollen. und da hat jeder so seine ganz eigenen vorstellungen, was das sei. wo aber wäre da der gedanke an erhaltung der "gattung"? und nota bene: den begriff gattung hast du hier eingeführt, ich habe ihn lediglich aufgenommen und weiter entwickelt.

in dem zusammenhang habe ich auch versucht, die kulturellen unterschiede in der möglichen auslegung meiner frage näher zu bringen. alles sehr provozierend natürlich.

das ergebnis: vorhaltungen zu egoismus, zu unbelesenheit, eine lektion darin, wie dann, wenn argumente ausgehen, mokant ein text zerpflückt wird. für mich, liebe popkontext, ist das zu keinem zeitpunkt ein problem. aber was ist mit deinem altruismus? was ist von dem übrig geblieben? und vor allem: ist er das rezept, um meine frage, die so viel brast hervorgebracht hat, zu beantworten?

ich fürchte nein.

aber du willst dich kundig machen. das ist mehr, als was ich von anderen lese. vielleicht tust du das auch mal zu haiti: bevölkerungszahl, verfügbare ressourcen, verwendung der ressourcen.

la borsa 20.05.2011 | 11:30

Ein 2-Personen-Haushalt verbraucht 2800 Kilowatt an Strom. Diesen Wert zu unterbieten, würde bedeuten, dieser Haushalt würde seinen Ausstattungsstandard reduzieren und zu Verhaltensweise zurückkehren, die wir noch bis 1911 hatten. Wir leben aber jetzt in 2011 und werden diese Verhaltensänderungen nicht durchsetzen können.

Strom ist für die Industrie die entscheidende Grundlage für die Leistungserstellung. Strom ist nicht durch menschliche Muskelarbeit zu ersetzen. Deshalb kommt es darauf an, Strom hinreichend zur Verfügung zu haben.

Das Wachstum der Gütererzeugung hat dort seine Grenzen, wo die Tragfähigkeit des Standortes im Umweltsinne erreicht wird. Die Belastungsgrenzen des Standortes BRD sind erreicht, wie anders wäre der Erfolg der Grünen zu erklären. Weltweit aber noch nicht.

Die Fahrzeugproduktion sieht sich nach anderen Standorten weltweit um. Was grundsätzlich immer bleibt, das ist die sektorale Veränderung der Gütererzeugung. Was dem einen sin Uhl, das ist dem anderen sin Nachtigal. Was soviel bedeutet: Innovation und Schaffenskraft sind die Triebfedern von Arbeitsplatzsicherheit.

Der Wachstumsbegriff des Kapitalismus ist eine pauschale Zielsetzung, er ist aber in der Praxis uninteressant. Das Wachstum vom BIP her zu denken, führt also in die Irre.

Was wir also in der BRD erreichen müssen, dass ist der unverkrampfte Umgang mit dem pauschalen Wachstumsbegriff.

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ignaz-w 20.05.2011 | 11:33

@ j-ap schrieb am 19.05.2011 um 22:41

lass es mich bitte kurz machen und deine thesen illustrieren: haiti

der teil der insel, der sich so nennt, ist praktisch kahl gefressen. das begriffspaar "hunger" und "revolte" ist dort genauso konnotiert wie zu den klimatischen zwischentiefs mit katastrophalen ernteausfällen in der mitte europas 1570-1630. der 30-jährige krieg lässt sich unter diesem blickwinkel ebenso betrachten wie die haitikrise, zuzüglich aller nebenerscheinungen wie "glaubensbedingten" verfolgungen - hexenverfolgung hier, tonton-macoute dort.

es wäre beobachtbar, wie menschen sich verhalten, wenn es um das wirklich substantielle geht - lebensmittel haben oder nicht, und zwar buchstäblich von der hand in den mund. dieser zustand ist rekurrierend in vielen teilen afrikas, asiens und mittlerweile auch südamerikas. aber nirgends unter dem brennglas so deutlich wie auf einer insel, einer geographisch isolierten entität, auf der entwicklungen beispielhaft ablaufen.

anhand haiti (das aufgrund von wind, meereskraft und sonneneinstrahlung längst autark sein könnte) lassen sich sämtliche merkmale der diskussion wie auf einer check-liste abhaken oder mit fragezeichen versehen lassen.

was sich nicht zu ändern scheint, ist die tatsache, dass die menschen dort einfach krepieren. und so wird die check-liste zu einer des todes. und wer schaut sich sowas schon gerne und näher an ...

salvo 20.05.2011 | 14:46

Dieses Kommentar habe ich zu einem Beitrag zum selben Thema auf dem Blog M. Jägers abgegeben und da ich ohnehin auch diesen Artikel kommentiereen wollte, füge ich kurzerhand das hier ein:

"ich kann jetzt aus Zeitmangel keine fundierte Kritik des Textes abgeben. Mir fallen spontan einige Widersprüche auf, die ich in Form von Fragen aufnehmen möchte. Wachstumszwang und Kapitalismus. Der Ansatz scheint davon auszugehen, den kapitalismus von diesem Wachstumszwang trennen zu können. Gibt es einen Kapitalismus ohne Wachstum? Warum wird der Kapitalismus als Sachzwang abgehackt? Wenn man den Kapitalismus als gegeben hinnimmt, ihn aber um den Wachstum sozusagen reinigen will, wo findet denn die Akkumulation statt? Nur noch virtuell auf den Finanzmärkten? Selbst wenn nur noch eine virtuelle Akkumulation stattfindet, während der materielle Wachstum stagniert oder gar zurückgeht, ändert das nichts an der daraus resultierenden Machtverteilung. D.h. das ändert nichts daran, dass die als endlich also im ökonomischen Sinne (das hat der Ökologismus mit dem Ökonomismus gemein) bestimmten natürlichen Ressourcen auch ohne Wachstumszwang dennoch den Charakter der Ware erhalten, d.h. als Waren dem Markt unterworfen werden und so der kapitalistischen Verwertungsmaschinerie. Wer hat aber den Zugang zum Markt?
Das entscheidet die diefferentielle Marktmacht. Und die bleibt im Ökologismus prinzipiell unanagetastet. Der Ökologismus will ja den Massenkonsumenten abschaffen und den Menschen sozusagen sich selbst oder der Gemeinschaft überlassen. Diese scheinbare Befreiung vom Marktzugriff ist aber zugleich ein Ausschluss aus dem Marktzugang. Ganz einfach. Und wenn Natur aber selbst zum Marktgut geworden ist, als endliches und knappes Gut, steht sie dem vom Markt zugleich befreiten und ausgeschlossen Menschen nicht mehr offen. So frage ich mich: Was tut denn der vom Konsum- und Wachstumszwang befreite Mensch in einer Gemeinschaft von solchen 'freien' menschen, wenn ihre materielle Grundlage mehr denn je eine Ware ist, zu der er, wenn überhaupt, auf grund geringer Marktmacht einen noch eingeschränkteren Zugang hat?
Im grund genommen ist der Diskurs des Ökologismus auf Grund seines impliziten Wertbegriffs mit der kapitalistischen Verwertungslogik kompatibel, wenn nicht sogar ihr immanent. Und die elitäre Attitüde, mit dem er geführt wird, versärkt bei mir den Verdacht, dass es sich dabei um eine ideologische Ausdifferenzierung herrschaftlichen Diskurses handelt: Eine der vielen Formen des Klassenkampfes, den derzeit das Oben gegen das Unten führt, diesmal in gestalt des Massenkonsumenten.
Eine persönliche Note, damit man mich nicht böswillig etwas unterstellt: Ich habe mich selbst, soweit es materiell und symbolisch möglich ist, sowohl vom Marktzugriff als auch vom Marktzugang 'befreit' - ich habe kein Auto, kein Handy, kein Fernseher, kein ipad, nicht einmal einen Armbanduhr usw .. und brauche auch nichts davon, um Selbst zu sein. Auf der anderen Seite kommen mir diese stetigen Verzichtpredigten von Seiten von im System Angekommenen als mehr als nur heuchlerisch vor, sondern als Teil einer perfiden Strategie, den Klassenkampf gegen die unten weiter zu verschärfen."

So die Frage zu der Frage 'das gute Leben -vorbei' ist weiterhin mE: abhängig von der Macht-Position des Individuums auf dem Markt zu beantworten, gerade dann wenn Natur als Ganzes eine Ware geworden ist.

wwalkie 20.05.2011 | 15:43

Ich ziehe meinen Hut, cher j-ap, dass Sie diese besserwisserischen Aufschreie so lange ausgehalten haben, zeigt Tugend. Ich hatte bei dieser 'Diskussion" eine Art Daumier-Karikatur vor Augen: ein Kreis von kleinbourgeoisen Gemeinplatzern um einen armen Radikalen mit offenen Mündern. Titel: Wartet nur, gleich sagt er wieder so 'was!

Es ist schade: Welzer hat als Historiker interessante mentalitätsgeschichtliche Bücher verfasst ("Opa war kein Nazi"). Als Zukunftsforscher schwimmt er anscheinend im verschmutzen Mainstream. Einen appellativen Text über die Notwendigkeit, auf Wachstum zu verzichten, ohne auch nur einmal den Begriff "Kapitalismus" zu gebrauchen, geschweige denn, ihn analytisch zu verwenden, dafür aber dauernd von einer öminösen "Bereitschaft" zu reden, die (wem eigentlich?) fehle, ist arg unpolitisch. Er sollte als Historiker wissen, dass nicht nur die Deutschen sehr schnell zu fast allem "bereit" zu machen sind. Zum Beispiel zu einer Ökodiktatur. Die religiösen Fundamente sind ja anscheinend schon gemauert. Doch nur zu, es ist noch einiges zu tun, "soll das Werk den Meister loben, doch der Segen kommt von oben" (deutscher Dichter, nein, der andere).

Columbus 20.05.2011 | 20:59

ad gweberbv schrieb am 20.05.2011 um 00:37

Teils, teils, stimmt es hinten und vorn nicht. Auf "Halde", das war entschieden zu flapsig, zumal ich nicht zwischen versch. Energiebedarfen unterschied.

Trotzdem gilt, wie bei der Nahrungsmittelfrage, dass die größten Potentiale in Einsparmaßnahmen und Reduktion der Verschwendung liegen.

Die Windenergie wird, nach politischen Anlaufschwierigkeiten, nun auch in BW (Grün-SPD) und Bayern (CSU) an Bedeutung gewinnen. Ich kann ja aus eigener Anschauung sagen, dass auf ähnlich ausgeräumten Kultursteppen und im Umland der Gewerbezonen des Siedlungsbereichs in Rh.Pf. Anlagen stehen, in Hessen und BW nicht. Die Windhöffigkeit unterscheidet sich nicht wesentlich.

www.wind-energie.de/de/themen/windpotenzial-deutschland/

Die dezentrale Versorgung hat auch einen Service-Vorteil. Kleine BHKWs, kleine Kraftwerke für energieintensive Betriebe, lassen sich vor Ort warten und betreuen.

Bisher ist die Solarenergie (Photovoltaik) nur mit Subventionen rentabel, aber das ändert sich von Jahr zu Jahr, zugunsten der Anlagen und wenn sie auch noch nicht so effektiv sind, um von einem signifikanten Beitrag zu reden, so liegt da für die Zukunft ein großes Potential, weil mit Solarenergie auch Wasserstoff, dann Methan, produziert werden kann.

Von Hausbesitzern wird zudem die Möglichkeit zur solaren Wärmeproduktion unterschätzt, die mit einfachen Systemen, Energie und Kosten schnell wieder einfährt.

Wo wir wahrscheinlich sogar einer Meinung sind. Über längere Zeit werden fossile Energieträger noch dringend benötigt. Aber auch hier bieten kleinere Anlagen Vorteile, bis auf das Problem mit der Kohle, die aufgrund der komplexen Abgas-Nachbehandlung besser in großen Kraftwerken eingsetzt wird. Ideal natürlich mit einer Kraft-Wärme-Kopplung.

Grüße
Christoph Leusch

Onkel Wanja 20.05.2011 | 22:08

"Woran liegt es nun, dieses Nichthandeln? Daran, dass der Mensch ein Gewohnheitstier ist? Oder sind wir inzwischen alle so "verdorben", dass wir die Zähne fletschen sobald einer am status quo rüttelt? Keine Ahnung."

Aber nein! Wir haben uns nur ein totalitäres System geschaffen, dass eine Veränderung der Grundlagen des Raubbaus verhindert, dass seine Verantwortungsspuren verwischt und sich als alternativlos verkauft! Überwinden wir den Kapitalismus nicht, wird wohl die Romanfigur Tyler Durden recht behalten:

">>Recycling und Geschwindigkeitsbegrenzungen sind Quatsch, sagte Tyler. >>Das ist, wie wenn jemand auf dem Torenbett das Rauchen aufgibt."

"An diesem Morgen erfand Tyler das Projekt Chaos.
Tyler fragte , wogegen ich in Wirklichkeit kämpfte. Was Tyler darüber sagte, das wir die Scheiße und die Sklaven der Geschichte seien, das ist genau das, was ich empfand.
Ich wollte all das Schönde zerstören, das ich nie haben würde.
Die Regenwälder am Amazonas niederbrennen. FCKW in die Athmosphäre pumpen. Die Klappen von Supertankern öffnen und Oölquellen vor der Küste entstöpseln.
Ich wollte all die Fische töten, die ich mir nicht leisten konnte, und die französischen Strände verunreinigen, die ich nie sehen würde.
Ich wollte, dass die Welt ganz unten ankommt.
Als ich auf dieen Jungen einschlug, wollte ich in Wirklichkeit jedem vom Aussterben bedrohten Panda, der nicht rammeln wollte, um seine Art zu retten, eine Kugel verpassen, und jedem Wahl und Delphin der aufgab und sich an Land warf.
Betrachten Sie es nicht als Auslöschen. betrachten Sie es als Personalabbau.
Tausende von Jahren haben die Menschen diesen Planeten kaputtgemacht und versaut, und jetzt erwartet die Geschichte von mir, dass ich hiner ihnen sauber mache. Ich muss meine Suppendosen auswaschen und plattmachen. Und über jeden Tropfen Motoröl Rechenschaft ablegen, den ich verbrauche.
Und ich muss die Zeche bezahlen für Atommüll, vergrabene Benzintanks und Giftschlamm, der einer Generation vor meiner Geburt abgeladen wurde.
(....) Ich wollte Rauch einatmen.
Vögel und Hirsche sind ein kindischer Luxus, und alle Fische sollen mit dem Bauch nach oben treiben.
Ich wollte den Louvre niederbrennen. Ich wollte die Elgin Marbles mit einem Vorschlaghammer bearbeiten und mir mit der Mona Lisa den Arsch abwischen. (...)
Nur das Projekt Chaos wird die Welt retten. Eine kulturelle Eiszeit. Ein vorzeitig herbeigeführtes dunkles Zeitalter. Das Projekt Chaos wird ide Menschheit zwingen, so lange untätig zu sein, bis sich der Erde erholt hat.(...)
So wue es der Fight Club mit den Angestellten und Kassierern tut, wird das Projekt Chaos die Zivilisation zerschlagen, damit wir etwas besseres aus dieser Welt machen können.
>> Stell dir vor, sagte Tyler, >>hinter Elchen herpirschen vorbei an Kaufhausfenstern, an stinkenden Regalen voll wunderschönder, vor sich hin faulender Kleider und Txedohütten am Harken; du trägst Lederkleidung, die für den Rest deines Lebens hält, und kletterst an den armdicken Kudzuraranken hoch, die den Sears Tower überwuchern. Du kletterst durch das tropfende Blätterdach des Waldes, und die Luft ist so klar, dass du die winzigen Gestalten erkennst, die Mais dreschen und Streifen von Wildbret aud der leeren rechten Spur eines verlassenen Superhighways zum Trocken auslegen, eines Highways, der sich acht Spuren lang eintausend Meilen weit in der Augusthitze erstreckt.
das sei das Ziel des Porjekt Chaos, sagte Tyler, die vollständige und sofortige Zerstörung der Zivilisation."

Aus "Fight Club" von Chuck Palahniuk

Hat man nicht das Gefühl, dass man schon fleisig am Porjekt Chaos arbeitet? Was ist dran schon absurder als daran zu glauben, man könne die Klimaerwärmung noch stoppen?

Onkel Wanja 20.05.2011 | 22:08

"Woran liegt es nun, dieses Nichthandeln? Daran, dass der Mensch ein Gewohnheitstier ist? Oder sind wir inzwischen alle so "verdorben", dass wir die Zähne fletschen sobald einer am status quo rüttelt? Keine Ahnung."

Aber nein! Wir haben uns nur ein totalitäres System geschaffen, dass eine Veränderung der Grundlagen des Raubbaus verhindert, dass seine Verantwortungsspuren verwischt und sich als alternativlos verkauft! Überwinden wir den Kapitalismus nicht, wird wohl die Romanfigur Tyler Durden recht behalten:

">>Recycling und Geschwindigkeitsbegrenzungen sind Quatsch, sagte Tyler. >>Das ist, wie wenn jemand auf dem Torenbett das Rauchen aufgibt."

"An diesem Morgen erfand Tyler das Projekt Chaos.
Tyler fragte , wogegen ich in Wirklichkeit kämpfte. Was Tyler darüber sagte, das wir die Scheiße und die Sklaven der Geschichte seien, das ist genau das, was ich empfand.
Ich wollte all das Schönde zerstören, das ich nie haben würde.
Die Regenwälder am Amazonas niederbrennen. FCKW in die Athmosphäre pumpen. Die Klappen von Supertankern öffnen und Oölquellen vor der Küste entstöpseln.
Ich wollte all die Fische töten, die ich mir nicht leisten konnte, und die französischen Strände verunreinigen, die ich nie sehen würde.
Ich wollte, dass die Welt ganz unten ankommt.
Als ich auf dieen Jungen einschlug, wollte ich in Wirklichkeit jedem vom Aussterben bedrohten Panda, der nicht rammeln wollte, um seine Art zu retten, eine Kugel verpassen, und jedem Wahl und Delphin der aufgab und sich an Land warf.
Betrachten Sie es nicht als Auslöschen. betrachten Sie es als Personalabbau.
Tausende von Jahren haben die Menschen diesen Planeten kaputtgemacht und versaut, und jetzt erwartet die Geschichte von mir, dass ich hiner ihnen sauber mache. Ich muss meine Suppendosen auswaschen und plattmachen. Und über jeden Tropfen Motoröl Rechenschaft ablegen, den ich verbrauche.
Und ich muss die Zeche bezahlen für Atommüll, vergrabene Benzintanks und Giftschlamm, der einer Generation vor meiner Geburt abgeladen wurde.
(....) Ich wollte Rauch einatmen.
Vögel und Hirsche sind ein kindischer Luxus, und alle Fische sollen mit dem Bauch nach oben treiben.
Ich wollte den Louvre niederbrennen. Ich wollte die Elgin Marbles mit einem Vorschlaghammer bearbeiten und mir mit der Mona Lisa den Arsch abwischen. (...)
Nur das Projekt Chaos wird die Welt retten. Eine kulturelle Eiszeit. Ein vorzeitig herbeigeführtes dunkles Zeitalter. Das Projekt Chaos wird ide Menschheit zwingen, so lange untätig zu sein, bis sich der Erde erholt hat.(...)
So wue es der Fight Club mit den Angestellten und Kassierern tut, wird das Projekt Chaos die Zivilisation zerschlagen, damit wir etwas besseres aus dieser Welt machen können.
>> Stell dir vor, sagte Tyler, >>hinter Elchen herpirschen vorbei an Kaufhausfenstern, an stinkenden Regalen voll wunderschönder, vor sich hin faulender Kleider und Txedohütten am Harken; du trägst Lederkleidung, die für den Rest deines Lebens hält, und kletterst an den armdicken Kudzuraranken hoch, die den Sears Tower überwuchern. Du kletterst durch das tropfende Blätterdach des Waldes, und die Luft ist so klar, dass du die winzigen Gestalten erkennst, die Mais dreschen und Streifen von Wildbret aud der leeren rechten Spur eines verlassenen Superhighways zum Trocken auslegen, eines Highways, der sich acht Spuren lang eintausend Meilen weit in der Augusthitze erstreckt.
das sei das Ziel des Porjekt Chaos, sagte Tyler, die vollständige und sofortige Zerstörung der Zivilisation."

Aus "Fight Club" von Chuck Palahniuk

Hat man nicht das Gefühl, dass man schon fleisig am Porjekt Chaos arbeitet? Was ist dran schon absurder als daran zu glauben, man könne die Klimaerwärmung noch stoppen?

Tom Bombadil 23.05.2011 | 22:51

@Popkontext

Auch mir spricht der Artikel vom Tenor her aus dem Herzen, wiewohl er Schwächen hat. ...

Verzeihen Sie die Prinzipienreiterei, aber

>>>Kapitalismus ist untrennbar mit Wachstum verbunden, das ist sein Grundprinzip.

ist nur teilweise zutreffend. Aus meiner Sicht ist das Wachstum des Kapitalismus zwar untrennbar mit K. verbunden, aber kein Grundprinzip im Sinne von Voraussetzung; sondern eine zwingende Folge.

Das Grundprinzip, das Wesen, oder wenn man so will, die 2 Säulen des Kapitalismus sind der Kredit und der Zins.

Gruß
Tom

-------------------------
Kein Projekt nirgends

lebowski 24.05.2011 | 17:30

"Weil wir keinen Plan B haben."

Die Vorstellung, man könne die Wirtschaft nach einen Plan umgestalten,ist naiv. Vielmehr sollten ökonomische Experimente gefördert werden. Vielleicht schälen sich dann aus dem kreativen Chaos vieler Experimente die brauchbarsten heraus. Es gibt ja genug Regionen, auch in D, die mittlerweile ökonomisch abgehängt sind und wo man nichts riskieren würde, wenn man neue Wege beschreiten würde.

lebowski 24.05.2011 | 17:40

"Was tut denn der vom Konsum- und Wachstumszwang befreite Mensch in einer Gemeinschaft von solchen 'freien' menschen, wenn ihre materielle Grundlage mehr denn je eine Ware ist, zu der er, wenn überhaupt, auf grund geringer Marktmacht einen noch eingeschränkteren Zugang hat?"

Wieso muss die materielle Grundlage eine Ware sein. Sie kann ja auch eine Entität sein, die man nicht mehr besitzen kann, sondern nur noch zeitweilig benutzen darf.

Tom Bombadil 24.05.2011 | 21:55

@j-ap

>>>ich bitte um Verzeihung, falls sich jemand gelangweilt haben sollte.

Mitnichten haben Sie gelangweilt. Das Gegenteil ist der Fall. Zumindest für diejenigen, die noch in der Lage sind, sich gedanklich außerhalb der, wie auch immer gearteten und gerade angesagten, Gedankenmodelle zu stellen.

(Selten in letzter Zeit so einen hervorragenden Artikel zum Thema gelesen...)

Gruß
Tom

Canabbaia 27.05.2011 | 09:51

Fangen wir mal mit dem Kölner Dom an. Der muss - ich schätze mit Millionenaufwand - von einer eigenen Dombauhütte ständig gehegt und gepflegt werden.
Brauchen wir diesen Plunderkram aus dem Mittelalter bzw. 19. Jahrhundert? Natürlich nicht.
Also: Ressourcen sparen, Kölner Dom verfallen lassen!

Natürlich gibt es Dinge, die noch entbehrlicher sind. Z. B. ein "Center for Interdisciplinary Memory Research". Also weg damit: Steuern sparen, schrumpfen: überall!

Canabbaia 27.05.2011 | 22:07

Neben der Abschaffung der Denkmalsklaverei von uns Steuerzahlern hätte ich noch eine weitaus bessere Idee, wie wir unser Konsumpotential kurzfristig und massiv reduzieren können:
Frauen zurück an den Herd!

Ich meine, die ganze Emanzipation ist doch ohnehin nur ein Mechanismus im Interesse der Realkapitalbesitzer, um das komplementäre Humankapital besser auszuschöpfen. Wenn wir das durchschauen (und z. B. unser Familienverständnis islamisieren), können wir unseren Ressourcenverbrauch rasch reduzieren.

Daher mein Appell an alle Frauen (die dann ja auch viel mehr Zeit hätten, ihre Gesundheit, ihre Psyche, ihre Männer und ihre Kinder zu pflegen):
"Und jetzt wird wieder in den Kochtopf geguckt,
Wir senken das Bruttosozialprodukt ...".

Nicht einverstanden? Dann kann ich nur hoffen, dass Sie noch nicht soweit islamisiert sind, um mich nun zu steinigen ... .