Das kann doch weg

Action In „Terminator Genisys“ kämpft Arnold Schwarzenegger wieder gegen Geräte und sich selbst. Dass man darauf gewartet hätte, lässt sich nicht sagen
Andreas Busche | Ausgabe 28/2015 1

Arnie macht Witze. „Ich bin alt, aber nicht obsolet“, meint der Terminator über seine Rolle als Auslaufmodell in Terminator Genisys, dem fünften Film im – nach Star Wars und Alien – ältesten Franchise des modernen Blockbusterkinos. Und auch wenn sich selbst James Cameron, Regisseur der ersten beiden Terminator-Filme, bemüßigt fühlte, seinen offiziellen Segen für das Projekt zu geben: Lange nicht mehr fiel die Diskrepanz von Anspruch und Wirklichkeit in einer Hollywoodproduktion so eklatant aus wie im Fall von Terminator Genisys, der mit „obsolet“ noch freundlich beschrieben ist. Alan Taylors Reboot ist genau genommen hochgradig dysfunktional: Angefangen beim Drehbuch, das so hirnrissig ist, dass man es für eine Parodie halten könnte, über die sinnlos montierten Action-Sequenzen in 3-D bis zu den Darstellern, die sich mit terminatorenhafter Anmutung durch den Film bewegen. Der Arnie-Satz wird bezeichnenderweise ein paar Mal im Film aufgegriffen. Es ist der klägliche Versuch eines Running Gags als mantraartige Einschwörung auf die Hoffnung, dass an dieser Katastrophe von einem Film wenigstens irgendetwas Verwertbares hängen bleibt, um ein weiteres Sequel zu rechtfertigen.

Schwarzenegger darf sich nach Terminator Genisys zudem berechtigte Sorgen machen, dass sein Vermächtnis in Hollywood zukünftig noch weniger Glanz abstrahlen könnte als seine zwei Amtszeiten als Gouverneur von Kalifornien. Nach bescheidenen Comebackversuchen auf die kumpelhafte Selbstironietour mit geriatrischen Actionvehikeln wie The Expendables, Escape Plan und Sabotage stimmt seine Rückkehr als Terminator alte Fans traurig. Da hilft es auch nicht, dass Terminator Genisys getreu der Blockbuster-Überbietungslogik Schwarzenegger in gleich dreifacher Ausführung präsentiert. Selbst die Idee, den bösen Arnie-Terminator des ersten Films und den guten Arnie-Terminator aus dem zweiten Film mano a mano aufeinander losgehen zu lassen, ist nicht neu. „Arnie versus Arnie“ gab es bereits vor 15 Jahren in The 6th Day, und auch da war der Witz nur mäßig lustig.

Globale Besetzung

Interessant ist Terminator Genisys allenfalls als Marketingstrategie für zukünftige Franchise-Modelle. Taylor und seine Autoren Laeta Kalogridis und Patrick Lussier haben die Chronologie der vorherigen Filme komplett zerlegt und neu zusammengesetzt. Das hat Robert Zemeckis mit seiner Zurück-in-die-Zukunft-Trilogie zwar schon origineller gemacht – und J.J. Abrams mit seinem Star Trek-Reboot um einiges intelligenter. Aber Taylor setzt sein Reboot-Konzept konsequent um.

Terminator Genisys ist zu gleichen Teilen Hommage, Umdichtung (in der Pop-Literatur heißt das Fan-Fiction) und Reenactment. Der ikonische Anfang des ersten Films wird Szene für Szene nachgestellt: Im Jahr 1984 landet der nackte Terminator (Arnies perfekter Steroidkörper sieht dank CGI noch grotesker aus als im Original) mit viel Getöse in Los Angeles, um Sarah Connor, die Mutter des zukünftigen Revolutionsführers John Connor, zu töten. Dort wird er schon erwartet und zwar von seinem Terminatoren-Alter-Ego aus dem zweiten Film, der mit Hilfe von Sarah (Drachenmutter Emilia Clarke aus Game of Thrones) den Old-School-Terminatoren und den plötzlich auftauchenden Formwandler-Terminatoren T-1000 (weltmarktdemografisch besetzt mit dem koreanischen Actionstar Lee Byung-hun) ausschaltet und danach den verblüfften Terminatoren-Jäger Kyle Reese (Jai Courtney in der Rolle von Michael Biehn) erst mal über den aktuellen Stand des Franchise in Kenntnis setzt. Denn Kyles Zeitreise hat einen Riss im Zeitgefüge verursacht, der die Geschichte der bisherigen Filme umschreibt.

Erklärtes Reisen

Geredet wird in Terminator Genisys viel. Selbst Schwarzenegger bekommt mehr Redezeit, als für seine markigen Oneliner nötig wäre. Darin liegt ein wesentliches Problem des Films, dessen Handlung so verworren ist, dass die Protagonisten jede Wendung im Film ausführlich erklären müssen. Zeitreisefilme kranken naturgemäß an ihrer inhärenten Logik, trotzdem verwendet Taylor viel Energie darauf, die Mechanik der Zeitreise auf fast rührende Weise zu rationalisieren; als handelte es sich um eine ernst zu nehmende Wissenschaft. Die Dialoge dienen allerdings lediglich als Überleitung zum nächsten Schauplatz, an dem die Logik der Erzählung dann auf die nächste Probe gestellt wird. Im Jahr 2017 plant Skynet, der Konzern hinter den zukünftigen Maschinenkriegen, die Inbetriebnahme der ultimativen Waffe: einer globalen Super-App namens Genisys, die den „Judgement Day“, bislang einziger Fixpunkt in der Terminator-Mythologie, auslösen wird. Als Sarah, Kyle und der 30 Jahre ältere Arnie-Terminator in der Zukunft zusammentreffen, erwartet sie dort bereits ein zum Terminator mutierter John Connor (Jason Clarke).

In geistige Unkosten hat sich beim Verfassen des Drehbuchs niemand gestürzt. Terminator Genisys beruht auf der dünnen Prämisse, die Handlung der ersten beiden Filme konsequent umzuschreiben – auch wenn ein höherer Sinn (ganz zu schweigen vom gesunden Menschenverstand) dabei auf der Strecke bleibt. Über Konsistenz hat das Terminator-Franchise ohnehin nie verfügt. Verlass war immer nur darauf, dass ein neues Sequel in die Kinos kam, wenn niemand mehr damit rechnete (zuletzt vor sechs Jahren). Dabei hat George Miller mit Mad Max: Fury Road, einem vierten Teil nach 30 Jahren, gerade wieder bewiesen, dass die brutalistisch-eingängigen Formen des 80er-Jahre-Actionkinos auch in digitaler Ästhetik einiges hermachen. Terminator Genisys erinnert dagegen eher daran, wie sich das Blockbusterkino in den 90er Jahren seine schlechte Reputation erwarb.

Info

Terminator Genisys Alan Taylor USA 2015, 126 Minuten

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