Esther Ricksen
Ausgabe 0316 | 22.01.2016 | 06:00 47

Das passiert nur anderen

Albtraum Wenn Frauen Gewalt erfahren, ist der Täter häufig der eigene Partner. Aber wieso trennen sie sich dann nicht sofort? Eine Betroffene erzählt

Ich würde Ihnen das auch unter meinem echten Namen erzählen, weil ich mittlerweile weiß, dass es nicht an mir ist, mich zu schämen. Und ich weiß heute, wie häufig es auch bei uns in Deutschland vorkommt, dass eine Frau von ihrem Partner geschlagen wird. Dass das in allen gesellschaftlichen Schichten passiert, dass auch starke, gebildete, emanzipierte Frauen von häuslicher Gewalt betroffen sein können. Und dass niemand vorhersehen kann, ob der Partner, in den frau sich verliebt, irgendwann im Verlauf der Beziehung zum Täter wird. All das habe ich früher nicht gewusst. Mein Weltbild war ein einfaches: Wenn ein Mann eine Frau schlägt, dann verlässt sie ihn. Alles andere war für mich undenkbar.

Warum schreibt sie dann unter Pseudonym*?, werden Sie sich fragen. Damit sind wir schon mitten im Problem. Denn unser Rechtsstaat nimmt den Täterschutz sehr ernst. Und das nicht nur, solange nicht bewiesen ist, dass der Beschuldigte ein Täter ist, was bei sexualisierter Gewalt in der Ehe und sogenannten Familienstreitigkeiten sehr schwierig ist. Sogar wenn, wie in meiner Geschichte, der Vorfall, der zur Trennung führte, bei der Polizei aktenkundig ist und die schweren Verletzungen, die mein damaliger Mann mir zufügte, auf dem Dokumentationsbogen vom Vertrauensarzt festgehalten wurden. Auch, wenn der Täter die Tat nicht abgestritten hat und in der Gefährdungsansprache durch die Polizei verwarnt wurde. All das spielt keine Rolle, wenn es darum geht, ob ich erzählen darf, was mir passiert ist.

* Richtiger Name der Redaktion bekannt

Die Persönlichkeitsrechte des Täters stehen über meinem Recht, mit meiner Geschichte an die Öffentlichkeit zu gehen. Mein Ex-Mann könnte mir eine Unterlassungsaufforderung zustellen lassen und diese Zeitung verklagen. Und das ist symptomatisch für unseren Umgang mit den Opfern von häuslicher und sexualisierter Gewalt. Wer das Trauma hat, soll auch noch den Mund halten.

Mein Mann war kein Schläger. Er war feinsinnig, humorvoll und charismatisch. Ein Mann, der andere beeindruckte und genau wusste, was er wollte. Er wollte mich, und er bekam mich – sein Werben um mich war hartnäckig und charmant. Er war liebenswert, hatte eine sympathische Familie, wir heirateten und waren glücklich. Und doch mutierte genau dieser Mann im Verlauf unserer elfjährigen Beziehung zu einem gefährlichen Pulverfass.

Es fing damit an, dass ihm nie irgendetwas gut genug sein konnte. Mangelnde Perfektion brachte ihn in Rage. Das verstand ich, auch ich habe einen Hang zum Perfektionismus. Allerdings gestand ich meinem Mann zu, nicht perfekt zu sein. Umgekehrt galt das nicht: Je länger wir ein Paar waren, desto perfekter sollte ich sein. Ich gab mir immer mehr Mühe, seinen Anforderungen zu entsprechen, damit er wieder so liebenswürdig wie am Anfang oder einfach nur normal sein würde. Ein vergebliches Unterfangen, wie ich heute weiß.

Humorvoll und charismatisch

Wir bekamen drei Kinder, wir arbeiteten viel, wir waren ein super Paar. Nach außen. Innen gärte es. Oft flogen Teller oder Gläser durch die Wohnung, wenn er wegen Nichtigkeiten „die Wut“ bekam. Ich nahm das nicht so ernst, auch wenn es mich störte. Der Mann hatte einen anstrengenden, fordernden Job, da war es doch klar, dass er gestresst war. Ich fing ihn auf, so gut ich das konnte, und oft gelang mir das auch. Ich fühlte mich stark, nicht als Opfer – mein Selbstbild sah nicht vor, dass ich mich in einer missbräuchlichen Beziehung befinden könnte. Opfer, das waren andere. Ich war eine Frau, die viel aushielt.

Irgendwann, nach über acht Jahren Beziehung, fing ich mir erstmalig eine Ohrfeige ein – ich dachte, das sei ein Ausrutscher gewesen, es tat ihm ja auch leid. Weitere Jahre blieb es bei fliegendem Geschirr und Beleidigungen. Allerdings traten die Wutanfälle immer häufiger auf. Es flogen auch ganze Möbelstücke, er trat Scheiben ein – die Grenzen dessen, was ich für erträglich hielt, verschoben sich unmerklich.

Und dann entschuldigte er sich stets reuig, wie das Klischee es will, mit üppigen Blumensträußen und erlesenen Geschenken. Er ließ mich auch sexuell für eine Weile in Ruhe. Das war mir sehr angenehm, denn der Mann begehrte mich im Prinzip von früh bis spät. Was mir zu Beginn der Beziehung als Kompliment und körperliche Freude erschienen war, hatte sich über die Jahre längst zur ehelichen Pflicht gewandelt. Unser Versöhnungssex bestand also quasi in einer Pause, auch dies ganz anders, als man sich das bei Beziehungen, in denen Gewalt eine Rolle spielt, vorstellt.

Ich verzieh ihm immer wieder. Nicht der Geschenke wegen, sondern weil er so geknickt war, weil er sich selbst anklagte, es sei besser, er wäre tot, er sei ein schlechter Mensch. Nein, das war er nicht, davon war ich überzeugt. Auch, weil wir mittlerweile drei Kinder hatten. Die brauchten ihn doch, ich konnte ihn nicht verlassen. Wie sollte das denn gehen?

Dabei dachte ich oft daran, ihn zu verlassen. Wirklich getan habe ich es aber erst, als ich verstand, dass er mich eines Tages aus Versehen töten würde, wenn ich bliebe. Da lag ich rücklings mit einem Messer am Hals auf dem Ceranfeld unseres Herdes, der Mann hielt mich im Würgegriff. Vorher hatte er mich schon an den Haaren durch die Wohnung gezerrt und mit dem Hinterkopf gegen eine Wand geknallt. Meine Brille war zerknüllt, ich war völlig ausgeliefert. Zum Glück haben die Kinder das nicht gesehen. Ich will mir nicht vorstellen, wie sich diese Bilder in ihren Seelen festgebrannt hätten.

Es war das zweite Mal, dass er so austickte. Der letzte Vorfall lag zu diesem Zeitpunkt fast ein Jahr zurück, und ich war sicher gewesen, dass das nie wieder vorkommen würde. Heute weiß ich, dass wer ein Mal schlägt und die Grenze zur körperlichen Gewalt überschreitet, das wieder tun wird. Und es wird jedes Mal schlimmer werden. Gewaltspirale nennt man das. Es ist ein fataler Zyklus, aus dem der Ausstieg nicht nur schwierig, sondern auch gefährlich ist.

Wie besessen

Der gefährlichste Moment in einer Beziehung mit einem gewaltbereiten Mann ist die Trennung, sagen Fachleute. Und so war es auch bei mir an jenem Abend. Ich hatte ihm gesagt, dass ich mich trennen wolle, in aller Fairness. Dann ging alles ganz schnell. Das Gesicht des Mannes, den ich geliebt hatte, verzog sich zu einer dunklen Fratze. Seine Augen wurden schwarz, er war wie ein Fremder im vertrauten Körper des Mannes. Wie besessen, anders kann man das wirklich nicht sagen. Als sei er nicht die Person, mit der man seit vielen Jahren das Leben und das Bett teilt. Ich schrie nicht, ich wehrte mich nicht, ich war starr vor Schock. Das aber, sagten mir hinterher die Polizei und auch meine Therapeutin, habe mir in der Situation vielleicht das Leben gerettet. Oder mich vor Schlimmerem bewahrt. Denn wer sich wehrt, wird oft weiter angegriffen. Auch das ein symptomatischer Schwachpunkt bei unseren Gewaltschutzgesetzen, speziell im Fall von Vergewaltigungen, wo ein Nein nicht ausreicht und der Gesetzgeber findet, die Frau müsse sich aktiv wehren. Als ob das einfach so auf Knopfdruck ginge, wenn die Reflexe einsetzen und man erstarrt.

Ich habe ihn nicht angezeigt, sondern nur verwarnen lassen. Ich wusste, dass eine Anzeige wenig bringt. Maximal wäre eine Vorstrafe auf Bewährung dabei herausgekommen. Schneller und sicherer losgeworden wäre ich ihn durch eine Anzeige nicht. Ich wusste auch, dass er in der Zeit nach der polizeilichen Vorladung akut selbstmordgefährdet war.

Aber zur Polizei zu gehen war gut, ebenso wie zur Gewaltberatungsstelle und zur Therapeutin. Die Aufarbeitung dauerte Jahre. Albträume, in denen ich vom Ex-Mann verfolgt und ermordet wurde, plagten mich bis zu drei Jahre nach unserer Trennung. Ich hatte Angst vor Männern, wachte nachts mit Panikattacken auf, fühlte mich nur noch in der Öffentlichkeit sicher, weil mein Zuhause „verbrannt“ war. Und gleichzeitig musste ich mich um die Kinder kümmern, die er nach der Trennung kaum noch sehen wollte.

Für meinen Ex-Mann ist die Welt schon lange wieder in Ordnung. Es war ja meine Schuld, dass er so ausrastete. Ich hätte das verhindern müssen – so sah er das. Und so sehen es viele Leute, die sich mit häuslicher Gewalt nicht auskennen: „Zum Streiten gehören immer zwei“, „Ich wäre sofort gegangen!“ und: „Was hast du denn getan, dass er so wütend wurde?“ Das sind die gängigsten Reaktionen, wenn ich vom Ende meiner Ehe erzähle. „Es war nicht meine Schuld. Er war es ganz allein“, sage ich dann. Und füge hinzu, dass es fast jeder Frau passieren kann, weil der Täter nicht als Täter erkennbar ist. Man kann es nicht sehen. Behalten Sie das bitte im Kopf, falls Ihnen jemand von hässlichen Szenen aus seiner Ehe erzählt. Was nach außen aussieht wie das perfekte Paar, kann in den eigenen vier Wänden die Hölle sein. Glauben Sie nicht nur, was Sie sehen. Der Schein trügt.

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 03/16.

Kommentare (47)

Comparse 22.01.2016 | 08:51

Vielen Dank für diesen Beitrag.

Ja, der Schein trügt. Auch mein Mann wurde in der Öffentlichkeit von den Frauen bewundert ob seine Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft.

Ich habe seine Gewalt für mich so erklärt: Dieser Mensch brauchte viel Liebe, so wie ein Verdurstender viel Wasser benötigt. Über mehr als 20 Jahre habe ich ihm den Wasserkrug gereicht, bis er zerbrach und ich ihm kein Wasser mehr reichen konnte.

Heute hat er eine neue Familie und meine 3 Kinder, ich und mein neuer Mann haben ein freundschaftliches Verhältnis zu ihnen.

Zu Weihnachten sitzen wir gemeinsam unter dem Tannenbaum.

Ich und meine Kinder haben ihm verziehen.

Doch die seelischen Narben trage ich noch heute mit mir rum - das merke ich ganz besonders in Konfliktsituationen. Egal wie groß der Konflikt ist - ich verfalle schnell in Selbstzweifel oder bin den Tränen sehr nah.

Moorleiche 22.01.2016 | 10:30

Hallo Esther Ricksen.

Es war nicht meine Schuld. Er war es ganz allein“, sage ich dann. Und füge hinzu, dass es fast jeder Frau passieren kann, weil der Täter nicht als Täter erkennbar ist. Man kann es nicht sehen.“

Das würde ich gerne präzisieren und zwar aus drei Gründen.

Vorausschicken möchte ich, dass es mir hier nicht um eine Schuldfrage geht. Wir sind, aus einer Vielzahl von Gründen, nicht sehr souverän m Umgang mit Opfern. Die eine Tendenz ist Opfer zu entwerten, oft aus der Angst, selbst eines werden zu können. Wenn das Opfer in unserer Phantasie jedoch irgendwas „falsch“ gemacht, dann könnten wir es besser manchen und fühlen uns sicherer.

Der andere Fehler im Umgang mit Opfern, ist das Opfer auf sein Opfersein zu reduzieren. Das wirkt immerhin noch nett gemeint und ist in der Frühphase eine echte Option. Schutz, Rückzug, jemanden haben, der einem über die erste Zeit hilft. Es kippt in dem Moment, wo man dem Opfer für alle Zeiten nichts mehr zutraut und meint es nur noch schützen zu müssen. Ein Bärendienst.

Nun zu meinen Begründungen.

1) Inhaltlich:

Als ich Ihren Text las, den oberen Teil, schrillte es sofort bei mir, weil Sie eigentlich alle Schlagwörter beschrieben haben, bei denen man hellhörig werden könnte. Ich füge sofort hinzu, bei hinreichender Kenntnis, die man nicht allgemein voraussetzen darf.

Mein Mann war kein Schläger. Er war feinsinnig, humorvoll und charismatisch. Ein Mann, der andere beeindruckte und genau wusste, was er wollte. Er wollte mich, und er bekam mich – sein Werben um mich war hartnäckig und charmant.“(Fettdruck: Moorleiche)

Man darf es sich nicht zu einfach machen. Wer möchte keinen charmanten Partner und Charisma, das prickelt, funkelt ist sexy und so isoliert auch noch kein Problem. Aber das trat nicht isoliert auf.

Es fing damit an, dass ihm nie irgendetwas gut genug sein konnte. Mangelnde Perfektion brachte ihn in Rage. Das verstand ich, auch ich habe einen Hang zum Perfektionismus. Allerdings gestand ich meinem Mann zu, nicht perfekt zu sein. Umgekehrt galt das nicht: Je länger wir ein Paar waren, desto perfekter sollte ich sein.“(Fettdruck: Moorleiche)

Sie haben selbstständig den entscheidenden Unterschied beschrieben: Er brauchte nicht perfekt zu sein, Sie schon, aus je partnerschaftlicher Sicht. D.h. Sie haben hohe Selbstansprüche, er hatte hohe Fremdansprüche.

Exakt das macht den Unterschied zwischen einem zwanghaften und narzisstischen Perpektionismus aus. Beide teilen „ein hohes Ich-Ideal, ein ausgeprägtes Kontrollbedürfnis und einen geradezu getriebenen Charakter im Verhältnis zu ihrer Arbeit“.

Doch dann kommen die Unterschiede:

- Der Zwanghafte ist: detailverliebt, respektiert Autoritäten, entwertet andere nicht, ist bescheiden und hat rigide Moralvorstellungen.

- Der Narzisst: missachtet gewöhnlich Details, hat Probleme mit Autoritäten, ist entwertend, anmaßend und korrumpierbar.“

(Quelle: Salman Akhtar, Deskriptive Merkmale und Differentialdiagnose der Narzisstischen Persönlichkeitsstörung, 1989, in Otto F. Kernberg und Hans-Peter Hartmann (Hrsg.), Narzissmus: Grundlagen Störungsbilder Therapie, Schattauer 2006, S. 252 f)

Nach Ihrer Beschreibung zeigt Ihr Ex-Mann Züge eines narzisstischen Perfektionismus. Charme und Charisma würden diesen Verdacht gut ergänzen.

Oft flogen Teller oder Gläser durch die Wohnung, wenn er wegen Nichtigkeiten „die Wut“ bekam.“(Fettdruck: Moorleiche)

Ein weiteren Klassiker der narzisstischen Pathologie.

„In ähnlich fataler Weise wirken sich Bezugspersonen auf die Entwicklung des Kindes aus, die ihre Zuneigung zum Kind an Leistungsbedingungen knüpfen und bei Nichterbringung von Leistung ihre Liebe zurücknehmen. Infolgedessen kann das Kind kein stabiles und autarkes Selbstwertgefühl entwickeln und wird immer auf narzisstische Zufuhr von außen angewiesen bleiben. Wenn im späteren Leben bestimmte Objekte ihre Wertschätzung oder Bewunderung nicht leisten oder aber mindern, dann werden diese Objekte gnadenlos entwertet. Dieser Vorgang wird als narzisstische Wut bezeichnet.[1]

(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Entwertung_%28Psychologie%29 )

Weitere Jahre blieb es bei fliegendem Geschirr und Beleidigungen.“(Fettdruck: Moorleiche)

Noch schlimmer sind eigentlich die Beleidigungen, weil sie aggressive Entwertungen darstellen.

Als Laie kann und muss man das nicht erkennen, aber glücklicherweise nimmt das Wissen in der Breite heute immer mehr zu. Bei der Kombination dieser Punkte sollten auch andere Menschen hellhörig werden.

Wichtig ist folgendes zu sagen. Es gibt unterschiedliche Formen des Narzissmus, auch solche, die nur grandios sind, ohne aggressiv zu sein. Richtig problematisch wird es erst wenn stärkere aggressive Elemente den narzisstischen Charakter durchdringen, die in Formen von Lügen, Stehlen, Korruption, vor allem aber harter Entwertung, Gewalt, kontrollierende bis sadistische Machtdemonstration und einer Vorliebe für macht- oder gewaltbetonte sexuelle Praktiken vorliegen. Also bitte auch kein Generalverdacht hinsichtlich narzisstischer Pathologien, die meisten Narzissten neigen nicht zur Gewalt. Und damit gleich zum nächsten Punkt.

2) Gesellschaftlich:

Die Botschaft, dass man es nicht vorher wissen kann, ist irgendwie so richtig, wie brisant. Richtig, weil es weltfremd und auch zu pauschal misstrauend wäre, bei einer Partnerschaft noch vorher schnell Psychologie zu studieren oder vom Partner eine Therapie zu verlangen. Und doch lautet die vielleicht noch bedrohlichere Alternative: Das Problem sind nicht bestimmte Männer, sondern alle Männer. Weil Männer eben so sind, wie Männer nun mal sind. Damit sind alle Frauen immer in Gefahr (sobald sie sich mit Männern abgeben) und zudem ständige Opfer. Wenn auch heute noch alles in Ordnung ist, schon morgen kann es anders sein, oder übermorgen. So würde ich nicht leben wollen, weder als Mann, noch als Frau und es ist auch keine Grundlage für eine Beziehung.

Leider geht der Trend, auch im Freitag – ich nehme Sie und Frau Bücker hier aus –, im Moment in Richtung eines aggressiven femistischen Sexismus, der alle Männer unter Generalverdacht stellt. Das kann es nicht sein. Insofern, lieber die Alarmsignale ernst nehmen, dann auch richtig und sich dann Strategien überlegen, gerne auch mit professioneller Hilfe.

3) Therapeutisch:

Der dritte Punkt ist mir wichtig, hat aber nur bedingt mit Ihrem Beitrag zu tun, vor allem deshalb, weil es im Konkreten nicht die Öffentlichkeit gehört. Er beinhaltet die therapeutischen Konsequenzen. Ich will ihn nicht zu sehr ausbreiten, weil er kompliziert ist, aber im Kern geht es um folgende therapeutische Erkenntnis. Es gibt im Grunde zwei Arten von Opfern: Zufällige Opfer und Opferidentitäten. Zufällige Opfer sind einfach zur falschen Zeit am falschen Ort und was sie erleiden, ist in aller Regel ein Trauma. Eine kurze, überwältigende Situation, die man nicht integrieren kann. Schlimmer sind ganze Opferbiographien, die in einem psychologischen Sinne kein Zufall mehr sind (aber auch keine Absicht, das Opfer trifft keine Schuld, die hat immer der Täter). Und doch bringt es bei diesen Serienopfern (Faustregel: Je eher und je öfter die Ereignisse, desto schlimmer) therapeutisch nichts, sie nur als Opfer zu behandeln. Die ziemlich kuriose therapeutische Erkenntnis ist, dass die beste Hilfe jene ist, in der es dem Opfer gelingt, den Täter und seine Gefühle in sich, sein Selbst oder Ich, zu integrieren. Wo das nicht gelingt, bleibt das Opfer weiterhin „nur“ Opfer und wenn man es auch in bester und respektvollster Absicht in Watte packt – wie gesagt, in der ersten Zeit kann das angezeigt sein – verfestigt man die Opferrolle oder Opferidentität und im Opfer eine psychische Spaltung, die verheerend ist. Und tragischerweise obendrein die Gefahr, dass wider alle Statistik das Opfer demnächst wieder eines wird.

Diesen Kommentar habe ich in der Absicht geschrieben, dass er hier und da helfen möge, ich hoffe, er wird auch so gelesen.

schna´sel 22.01.2016 | 11:04

Für meinen Bedarf wird das Thema sexuelle Gewalt generell viel zu sehr nur aus einer einzigen Sicht heraus, dem Blickwinkel der sexuellen Gewalt gegen Frauen diskutiert. Sexuelle Gewalt ist eine Folge der gesellschaftlichen Verhältnisse. Und die werden von Frauen und Männern gemeinsam erzeugt. Nicht erst seit gestern. Ein strukturelles Problem, das aus gesellschaftlichen Strukturen heraus entsteht, für die beide Geschlechter gleichermaßen verantwortlich sind. Das spricht nicht gegen solche Beiträge, aber es drückt ein Mißverhältnis aus. Eine Verzerrung der Wahrnehmung, die m.E. Erachtens grundsätzlich ist und in der Form dazu beiträgt, die Probleme um die es hier geht dort anzupacken, wo sie gelöst werden könnten: Indem man die Beziehungen der Geschlechter wirklich gleichberechtigt analysiert. Was neben der Darstellung, die sich zu den speziellen Formen und Situationen, in denen sich Gewalt gegen Männer äußert auch gleichberechtigte Stimmen von Fallbeispielen Betroffener mit einschließen müsste.

na64 22.01.2016 | 12:40

Danke an Schna'sel für den Einstieg. Interessante Folgen gesellschaftlicher Verhältnisse und mir stellt sich die Frage, an einem Beispiel. Was sind die Ursachen von Missbildungen in der Schwangerschaft? Ich finde es erschreckend das scheinbar alle in Ihre Gesundheit an Umweltgifte leiden. Tragen diese Gifte dazu bei das mehr Fehlgeburten erlebt werden und oder ist das dabei sein bei den Geburten von diesen "Resterampenbabies" ansteckend und die Psyche verleitet Frauen, wie Männer z. B. zu Gewichtszunahme, bzw. zu anderen Maßnahmen, damit man selbst nicht diesem Schicksal einer misslungenen Schwangerschaft ausgesetzt ist, da man dazu unattraktiv erscheint. Die ist ein Beispiel für eine Gewaltform. Oder sind die Ernährungs- und Umweltbedingungen schon so extrem in Ihrem Einfluss auf uns Menschen, dass Männer sich schon eine andere Identität suchen sollten, da Ihr Sperma nur noch bedingt Zeugungsfähig ist? Selbst dieses Wort "Resterampenbabies" ist im Grunde Sexistisch und Rassistisch auslegbar und schon bin ich auch bei einem anderen Phänomen, was die Sprache zur Zeit und die in Ihr ausübenden Gewaltformen mit uns anstellt. Ich selbst kann ja nicht mal mehr im elektronischen Sprachverkehr eindeutig erkennen, ob nicht ein Bot mit einem Sprachprogramm diesen Text verfasst hat und so Meinungsäußerungen im Internet nicht mehr frei von Manipulationen stattfinden können, obwohl ich ja selbst mit meinem verfassten Kommentar Manipulation ausübe. Alles deutet daraufhin, dass sich der Mensch neue Orientierungen sucht und die Gefahr dabei ist, dass einige dies schamlos in wirtschaftlichen und auch politischen Sinne ausnutzen werden. Eine denkwürdige gefährliche Zeit die wir gerade haben. Wir stehen schon kurz davor, das durch gefakete Texte irgendwelche Hetze entsteht und Personen durch die Straßen gejagt werden.

Moorleiche 22.01.2016 | 14:23

Hallo NA64.

und doch hat Europa null Zuwachs an Bevölkerung und 2100 einen Rückgang und alle anderen Nationen sind im positiven Bereich. Woran liegt das?“

Gunnar Heinsohn finde ich hier immer aufschlussreich:

Was ist wirklich abgelaufen? Frauen, die ihre Jungfernschaft bewahren, haben über ein paar Jahrhunderte europäischer Geschichte eben dadurch Aussichten auf einen ehelichen Versorger. Dieser benötigt eine eindeutige Beziehung zum Erbsohn und deshalb die Garantie, dass der einzige Sexualpartner seiner Gattin er selbst ist. Das weibliche Geschlecht muss sich Sexualunterdrückung gefallen lassen, aber im Gegenzug gib es – ungeachtet der Vertragsunmündigkeit – einen Status als versorgte Frau. "Der Kontrakt "züchtige Hausfrau" gegen Versorgung unterminiert schon seit Anfang des 19. Jahrhunderts die Transformation des europäischen Arbeitslebens in eine mehrheitlich von Lohnabhängigen bestimmte Welt. Diese haben kein Eigentum bzw. keine eigene Wirtschaft, die ihnen im Erbkontrakt mit dem übernehmenden Sohn Alters- und Krankheitsversorgung einträgt. Rein "ökonomisch" verliert diese zur Mehrheit werdende Schicht das Motiv zur Fortpflanzung, die sich nun in eine bloß noch emotionale und biographische Option verwandelt. Entsprechend beginnt gegen 1875 in Europa der moderne Geburtenrückgang. Da auch bei „nur“ drei oder vier, statt bisher sechs oder acht Kindern pro Mutter eine Bevölkerung weiter kräftig zunimmt, bedarf es gegen 1900 eines regelrechten Entdeckers (Wolf, 1931, 61), um das Phänomen ins öffentliche Bewusstsein zu heben, indem es bis heute eine gänzlich ungebrochene Rolle spielt. Seit den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts zeigen Untersuchungen, dass zunächst die höheren Angestellten nach einer Partnerin suchen, die bereit ist, selbst zu verdienen und bei der Fortpflanzung in der Tendenz gegen Null zu gehen. Da diese Berufsgruppe um die attraktivsten Arbeitsplätze kämpft, versuchen ihre Mitglieder sich dadurch Konkurrenzvorteile zu verschaffen, dass sie Zeit, Energie und Geld nicht für Familien, sondern für Qualifikation einsetzen. In dem Maße in dem diese Gruppe wächst, nimmt die Zahl männlicher Versorgungsangebote an potenzielle Ehefrauen ab. Wollen diese Frauen gleichwohl überleben, müssen sie selbst erwerbstätig werden können, also Arbeits-, Miet- und Kaufverträge abschließen dürfen. Dafür ist die Gleichberechtigung zu erkämpfen. Sie besagt nichts anderes, als dass Frauen dieselbe Vertragsmündigkeit gewinnen wie Männer. Dieser Prozess wird in der Ersten Welt noch im 20. Jahrhundert weitgehend abgeschlossen. Seitdem entwickeln Frauen zunehmend dasselbe Verhaltensmuster wie Männer. Um Konkurrenten – jetzt beiderlei Geschlechts – für attraktivere Karrieren ausstechen zu können, suchen sie eher bestmögliche Qualifikationen als eheliche Versorger. Dieser Kampf um materielle Gleichberechtigung – begonnen von den sozial ranghöheren Frauen – ist ungebrochen im Gange. Von 1875 (Deutsches Reich) bis 1975 (Westdeutschland) sacken die Geburtenzahlen pro 1000 Einwohner von 40 auf 8 herunter. (...) Der überkommene weibliche Verzicht auf voreheliche Sexualität wird mit dem Entfallen männlicher Versorgungsangebote hinfällig. Für eine Jungfernhaut bietet kaum noch jemand etwas. Also rebellieren die Mädchen gegen die herkömmlich Sexualerziehung und die Jungen profitieren ebenfalls davon. Das gegenwärtige Paradox, von den reichsten Territorien der Erde, die nicht imstande sind, sich aus eigener Fortpflanzung zu reproduzieren, löst sich also darin auf, dass Erwerbsquoten von Männern und Frauen von über 80 Prozent zwar den Reichtum steigern, aber die Verausgabung gerade der konkurrenztüchtigsten Lebensjahre für Vermehrung und Erziehung so gut wie unmöglich machen.“
(Gunnar Heinsohn, Söhne und Weltmacht, 2003, Orell-Füssli, S.44ff)

Ansonsten gibt es eine starke Korrelation zwischen einer religiösen Kultur, die ausreichend Nachkommen produziert und einer atheistischen, die das nicht tut.

Natürlich spielen auch weitere Faktoren eine Rolle und neuerdings wächst Gesamteuropa auch wieder moderat.

drummy-b 22.01.2016 | 16:11

Guter Artikel und guter Kommentar von Ihnen. Auf der Individualebene sind Sie in ihrem Element, das merkt man ;-)

Wegen des Sexismus: Die Betonung des Dominanten Narzissmusses bei Männern wie des masochistischen bei Frauen sind einer der Hauptmotoren des Konsums (in der post-utilitaristischen Zeit). Aufgrund dieser historischen Perspektive bin ich geneigt, "feministischen Sexisnus" eher als (notwendige) Gegenposition zu vestehen, wiewohl Sie natürlich Recht haben, absolut gesehen.

Moorleiche 22.01.2016 | 16:23

"Guter Artikel und guter Kommentar von Ihnen. Auf der Individualebene sind Sie in ihrem Element, das merkt man ;-)"

Danke, auf der anderen übe ich noch. ;-)

"Wegen des Sexismus: Die Betonung des Dominanten Narzissmusses bei Männern wie des masochistischen bei Frauen sind einer der Hauptmotoren des Konsums (in der post-utilitaristischen Zeit). Aufgrund dieser historischen Perspektive bin ich geneigt, "feministischen Sexisnus" eher als (notwendige) Gegenposition zu vestehen, wiewohl Sie natürlich Recht haben, absolut gesehen."

Ich würde den Konsumismus (und alles was damit zusammen hängt: Neoliberalismus, Kapitalismus ...) nicht als Ursache für den Narzissmus sehen, sondern beide als Schnittmengen zu- und füreinander. Das ist meine Hauptbotschaft hier, weil ich glaube, dass der Neoliberalismus der falsche Baum ist, den man anbellt. Man kann und sollte den schon begrenzen, aber den Blick auf die Innenwelt zu richten, tut Not.

Reinhold Schramm 22.01.2016 | 17:01

Erfahrungen im Rückblick:

I.) Als ich der häufig geschlagenen Frau meine Hilfe in Gegenwart ihres Schlägers anbot, leugnete sie seine Täterschaft und verschob den Gewaltvorgang an (unbeteiligte) Nachbarn. Die körperliche und psychische Gewalt erfolgte häufig unter Drogen.

II.) Über Stunden hatte ich versucht eine häufig von ihrem Partner verprügelte Frau von einer gesicheren Unterbringung in einem Frauenhaus zu überzeugen. Erfolglos. Nach Stunden teilte Sie mir ihre Rückkehr zu ihrem Schläger mit. {...}

namreH 22.01.2016 | 18:37

Auf die Retourkutsche habe ich schon gewartet: Die armen, armen Männer. Damit will ich nicht sagen, dass der umgekehrte Fall nicht auch professionelle Hilfe braucht, wenn er nicht durch die Partner zu lösen ist.

Um diese professionelle Hilfe geht es aber ab einer gewissen Eskalationsstufe wo man/frau sich nicht mehr selber am Schopf aus der Misere ziehen kann,

Aus meiner Erfahrung war es in der Regel so, wenn es um die Frage eines gemeinsamen professionellen Beratungsangebots ging, dass die Männer öfter blockierten - wenn die Frauen die Hauptleidtragenden waren. (noch gravierender war die Blockade, wenn es um eine Ehepaaar - oder Familientherapie ging.

Ich denke, dass neben anderen Blockaden (was sollen die andern von uns denken, wenn das bekannt wird) der Hauptgrund dafür der unterschiedliche Leidensdruck ist, der ja beim Hauptleitragenden naturgemäß stärker ist.

Möglicherweise bockieren aber sogar die Männer mehr, wenn sie die Hauptleidenden sind. Warum? Nun, das hängt dann sicher am patriarchalen Leit - Bild unserer Gesellschaft ….ob als Positiv oder Negativ.

CS Spuhr 23.01.2016 | 03:17

Danke für diesen Einwurf.

Auch mich hat es nicht gewundert, unter diesem Artikel, dieser mutigen und schrecklichen Geschichte, wieder lesen zu müssen "nicht alle Männer" und "uns Männern aber auch"...

Es fällt uns sehr schwer mal einfach die Klappe zu halten und zuzuhören /zu lesen. Wir können nicht umhin, wenn eine Frau, wie die Autorin hier, ihre Leidensgeschichte aufschreibt, uns persönlich und als Kollektiv, als Mann angegriffen zu fühlen. Warum?

Es ist nicht nötig, wie Moorleiche es tat, wieder bestätigen zu müssen, daß "nicht alle Männer" so sind, wie der Ex der Autorin. (Obwohl ich die psychologische Analyse des Täters als Narzissten sehr aufschlussreich fand). Das versteht sich doch von selbst.

Es ist auch noch weniger nötig, wie Schnarcherin es tut, unter so eine Dokumentation einen Fall zu stellen, in dem es andersrum war. Es ist nicht nur nicht nötig, sondern es zeugt davon, daß man absolut nichts verstanden hat.

Ja, klar gibt es auch gewaltätige Frauen in Partnerschaften, diese sind genauso anzuzeigen wie Männer, und diese sollten ebenso zu einer Therapie gezwungen werden wie Männer.

Es ist jedoch eine sehr unangenehme Reflexreaktion, jedes Mal, wenn Frauen von Gewalt erzählen, die Ihnen angetan wurde, schreien einige auf: "Aber Männern auch!" und "Aber nicht alle Männer". Und das beste: "wir Männer sind viel öfter Opfer von Gewalt als Frauen". Mal ganz davon abgesehen, daß das bezweifelt werden kann: Männer sind (fast) nie Opfer von sexueller Gewalt wegen ihrer Geschlechtszugehörigkeit, so wie es Frauen, Inter- oder Transsexuelle sind.

Wieso fällt es uns so schwer zu akzetieren, daß (sexuelle) Gewalt gegen Frauen (nur wegen ihres Geschlechts), nun einmal Endemisch ist, (sexuelle) Gewalt gegen Männer, nur wegen ihres Geschlechts dagegen eher sehr selten? Warum können wir, wenn eine Frau, oder wenn viele Frauen, uns ihre Realität erzählen, nicht einfach mal die Klappe halten, Empathie zeigen und uns überlegen was wir tun können, damit Frauen sich als gleichwertige Bürger in unserer Gesellschaft so sicher fühlen können wie wir Männer? Warum müssen wir uns immer wieder in den Vordergrund setzten mit dem "nicht alle Männer" und speziell mit dem "aber uns Männern auch"?

Es fällt uns höllisch schwer mal nicht Protagonisten der Welt, oder einer Geschichte, zu sein. Selbst in der Opferrolle wollen wir noch vor den Frauen gecastet werden.

Dazu empfehle ich mal die Beiträge zu lesen unter #NotAllMen und danach mal zu vergleichen mit #YesAllWomen dann verstehen sie, was ich meine.

Frieda Baum 23.01.2016 | 08:20

CS Spuhr

Danke !!! Tut einfach gut. Zur Gesprächskultur gehört zuhören und sich durch die Lebenserfahrung des Anderen bereichern zu lassen, sie auf sich wirken zu lassen, sich einzufühlen, wie wäre es in seiner/ihrer Haut zu stecken.

Es zeugt übrigens davon, wenn immer sofort über das eigenen

"Schicksal" geklagt wird, das wenig Fähigkeit da ist, einen anderen als gleichwertigen zu nehmen. Deswegen steigen viele Frauen bei diesem Schmarrn auch aus, sie merken genau, der dreht sich um sich selbst und sein eigenes Ego.

Moorleiche 23.01.2016 | 09:43

Hallo CS Spuhr.

Es ist nicht nötig, wie Moorleiche es tat, wieder bestätigen zu müssen, daß "nicht alle Männer" so sind, wie der Ex der Autorin. (Obwohl ich die psychologische Analyse des Täters als Narzissten sehr aufschlussreich fand). Das versteht sich doch von selbst.“

Das ist Ihre Wahrnehmung, nicht meine. Hätte ich es nicht für notwendig gehalten, hätte ich es nicht geschrieben. Ich kann auch gut zuhören und tue das sogar sehr gerne. Ich hielt es für notwendig, es als einen von drei Punkten zu erwähnen, weil hier mitunter – beabsichtigt oder nicht – Stimmung gemacht, sexistisch, gegen Männer. Das hilft einfach niemandem, nicht einmal den Opfern, warum es ihnen nicht hilft, habe ich, im obigen Text, unter 3) dargestellt.

Es schadet aber noch viel mehr der Stimmung und ist hoch widersprüchlich. Es wird hier versucht (ich vermute, oftmals eher aus einem Gewohnheitsreflex, denn aus böser Absicht), hochsensibel zu sein, um den vermeintlich überall grassierenden Rassismus zu verurteilen und zu bekämpfen. Nicht, weil man meint, Ausländer (man darf das Wort komischerweise neuerdings wieder sagen) seien alle Engel, sondern, weil man meint, man dürfe nicht von einigen Fällen, auf eine ganze Rasse, Klasse, Ethnie, Kultur hochrechnen. Außer, wenn es um Männer geht. Es versteht sich eben gerade nicht von selbst, dass nicht alle Männer gemeint sind, sondern es wird suggeriert, es seien durchaus alle Männer so.

Du kannst dir als Frau nicht sicher sein. Jeder Mann eine tickende Zeitbombe. Explodiert er heute nicht, tut er es morgen. Männer sind so. Es sind ihre Hormone, die können nicht anders. Besonders bescheuert ist die Aussage, jeder Mann sei ein potentieller Täter, da verunsichernd und nichtssagend. Jeder Mann ist im logischen Sinne (= gehört zur Menge der grundsätzlich möglichen Kandidaten) natürlich potentieller Täter, aber auch potentieller Lottomillionär oder Nobelpreisträger (de facto ist sogar jeder europäische Mann Friedensnobelpreisträger, aber das nur am Rande), aber wir wissen, es ist nicht logisch, sondern psychologisch gemeint. Frau muss aufpassen, in seiner Nähe. Das gibt einem doch ein gutes Gefühl, nicht? Beiden Geschlechtern!

In der Version von Frau Schrupp nahm das dann die von mir zugespitzte Wendung: Darum soll der westliche Mann mal schön die Fresse halten. Wir wissen, er ist auch nicht anders (weil eben alle Männer so sind), es ist ihm ja nie gelungen „seine“ Frauen zu schützen und wenn, dann war das wieder nur eine Form der Unterdrückung. Ziemlich harter Stoff, nicht? Würde ich Frau Schrupp nicht mal krumm nehmen, weil sie die erste war, die hier auf die Ereignisse von Köln und die hitzigen Debatten reagiert hat, es wäre nur schön gewesen, von Frau Schrupp noch ein paar erläuternde Zeilen zu lesen. Die kamen leider nicht. Statt dessen unterzeichnete sie den #ausnahmslos Aufruf, der hier vorgestellt und nicht weiter diskutiert wurde, gleiches Muster.

Dann noch was. Was soll es bringen, wenn wir alle hier betroffen schweigen und weinen? Man schreibt das nicht in ein explizit kommunikatives Medium, wenn man genau das erreichen will und wenn es wirklich darum ginge, würde ich die Kommentarspalte dicht machen, idealerweise mit einem erläuternden Hinweis. Und es ist ja keiner gezwungen, das Wort zu ergreifen. Wen der Text in der Weise berührt, dass er sich ausschließlich nur berühren und die Eindrücke auf sich wirken lassen will, kann das ja tun. Was mich zum Widerspruch reizt – und vermutlich mehr den Demokraten als den Mann, den Unrecht Empfindenden, als den Beleidigten in mir anspricht – ist der triefende Sexismus dieser gesamten (Nicht-)Diskussion. Wer jetzt sagt, das seien keine Unterstellungen, sondern es gäbe da genügend dokumentierte Fälle, der kann nicht gleichzeitig das Pferd im Galopp wechseln und im Fall vermeintlich rassistisch motivierter Aussagen, nämlich dann, wenn es darum geht, was Ausländer/Migranten/Flüchtlinge (offenbar auch von ihnen einige) da getan haben, sagen: Moment, ob das überhaupt alles so stimmt? Nichts hoch kochen. Wer behauptet das überhaupt und was könnte das eigene Interesse dahinter sein? Und bitte auf gar keinen Fall pars pro toto, also, von einigen auf alle schließen, das geht gar nicht Das ist mal eben eine komplette Umkehr der Argumentationsstrategie, man hat das Pferd nicht nur im Galopp gewechselt, sondern es reitet auch noch in die andere Richtung.

Brüderles plumpes Geseier als sexuellen Übergriff zu bezeichnen, der einen riesen #aufschrei wert ist, das mag jeder einordnen, wie er will. Es aber gleichzeitig nicht weiter erwähnenswert zu finden, wenn Mann Frau zwischen die Beine fasst, also in die Hose mit dem Finger in die Vagina, aber ihnen, Gott sei Dank, eigentlich nur Geld und Handy klauen wollte… Höi. Na da hamm wa doch nomma Glück gehabt, das zum sexuellen Übergriff auch noch Raub kommt, hätte Brüderle wissen müssen, oder? Bleichgesicht redet mit gespaltener Zunge.

Wer sagt, man möge bitte nicht auf die Herkunft oder kulturelle Abstammung eines Menschen schauen, sondern darauf, ob er tatsächlich Täter oder kein Täter ist, der kann das tun, aber man kann nicht gleichzeitig sagen, wenn es um sexistisch motivierte Übergriffe geht, man solle genau das nicht tun, sondern erst mal alle wahlweise „die Männer“ oder zumindest „den westlichen Mann“ in den großen Sack packen.

Und was an Kommentaren gekommen ist, war teilweise offene Verachtung. Stört nur keinen, ging gegen das eingeübte Feindbild, den weißen, westlichen, heterosexuellen Mann.

Dann noch was, wenn hier schon die Frage der Ehre - also, na, da fühlt sich ja wohl jemand angepisst, muss wohl ein Volltreffer sein – angesprochen wird, dann nehme ich mir sehr wohl das Recht heraus, im Zweifel besser zu wissen, was ich will, auch wirklich und tatsächlich will, als dass ich einer Autorin, die mich nicht kennt, zutraue, mich viel besser zu kennen, als ich mich selbst. Ist das nicht sonst Stammtischniveau? Isch kenn se alle, man weiß ja wie die Weiber sinn und wat die wolln.

Letzter Punkt. Ich mache auch pauschale Aussagen, über „die Männer“ und „die Frauen“ und finde das eigentlich auch nicht weiter schlimm, denn in aller Regel ergibt sich aus dem Kontext, wie es gemeint ist und ich traue dem wohlmeinenden und gebildeten Leser zu, das sofort einordnen zu können. Nur, weiß ich eben auch, an welcher Stelle man genau und vorsichtig werden und ins Detail gehen sollte. Und hey, das sind Porfis, die hier schreiben, die kriegen Geld dafür, das ist deren Beruf zu schreiben und mit Sprache umgehen zu können. Die wissen das auch. Wenn man jemand im Affekt über die Stränge schlägt, geschenkt, aber einen Text, den man als bezahlten Artikel veröffentlicht, den schaut man sich in der Regeln noch mal an und dann meistens noch mal.

Moorleiche 23.01.2016 | 10:22

Hallo Namreh.

Möglicherweise bockieren aber sogar die Männer mehr, wenn sie die Hauptleidenden sind. Warum? Nun, das hängt dann sicher am patriarchalen Leit - Bild unserer Gesellschaft ….ob als Positiv oder Negativ.“

Teils teils, würde ich sagen. Genau genommen ist es glaube ich keine Frage des Patriarchats sondern, wenn schon, dann eines bestimmten Männerbildes innerhalb des Patriarchats. Im Zeitalter der Romantik hatten wir auch kein Matriarchat, sogar deutlich weniger als heute – falls wir heute überhaupt noch eines haben – und doch war die Rollendefinition der Männer vollkommen anders. Männer durften und sollten Gefühle zeigen, sich herzen und sogar küssen und emotional berührbar sein, heute würde man das vermutlich hysterisch nennen.

Das sind kulturelle Rollenbilder, was zeigt, wie stark der Einfluss der Kultur ist und wie wenig sinnvoll es ist, auf die Biologie der Männer und Frauen allein abzuzielen, wie der oft grauenhaft plumpe Biologismus es tut. Dennoch, und auch das ist bezeichnend, gibt es einen Trend die Biologie nahezu völlständig zu verleugnen und man schüttet erneut das Kind mit dem Bade aus, wenn man das tut. Ich habe dazu bereits einen eigenen Text unter den #ausnahmslos Text von Frau Löffler gestellt, der diesen Punkt kritisch aufgreift: https://www.freitag.de/autoren/juloeffl/ende-der-leerstelle#1452675175281173

Man trennt das heute einfach nicht mehr, weil Kultur und Natur aufs Engste wechselwirken und miteinander verbacken sind, so dass man wirklich nicht mehr zuordnen kann, was woher kommt. Aber dennoch gibt es natürlich weiterhin kultur-biologische Strömungen und entsprechende Rollenbilder. Vom Romantiker zum Soldaten zum schweigsamen Mann der Wiederaufbauzeit, zum immer bewegteren, zum entwerteten Mann, zum Mann, der eigentlich gar keine feste Rolle mehr hat, haben wir so ziemlich alles durch.

Und doch scheint es mindestens mal in den letzten Jahrzehnten und hier so zu sein, dass Männer (die übrigens nicht selten dominierend von Frauen erzogen werden) in der Tat Hilfe als eine Demütigung empfinden, wenn sie Hilfe annehmen müssen, aber es als eine Auszeichnung empfinden, wenn sie helfen können/dürfen. Hilfe benötigen heißt für Männer zuweilen, es selbst nicht hinzukriegen und das deuten sie oft als Niederlage. Manche begründen das kulturell, andere hormonell. Und wenn Männer Männern helfen ist da vermutlich immer auch(!) noch etwas von „Soll ICH dir mal zeigen, wie man das richtig macht?“ dabei.

Frauen lassen sich hingegen gerne helfen und betrachten Zuspruch und Sorge in aller Regeln als Auszeichnung und nicht als Demütigung. Es gibt ja noch andere recht gut bekannte Unterschiede, die alle tendenziell und nicht absolut sind. Frauen wollen lieber über Dinge reden und eine Problem (mit)teilen und es hilft ihnen oft zu wissen, dass andere ähnliches erleben, Männer wollen tendenziell Lösungen für Probleme finden, ein Klassiker unter den Missverständnissen, wenn sie sagt: „Du hörst mir überhaupt nicht zu“ und er sagt: „Du änderst ja nichts.“ Wie gesagt, tendenziell, die Reihe ließe sich fortsetzen.

Schachnerin 23.01.2016 | 11:18

Die Finazberaterin Helma Sick, die als kaufmännische Leiterin eines Frauenhauses gearbeitet hat, sagt in einem Interview:

Dort waren entgegen gängiger Vorurteile Frauen aus allen Schichten. Aber Keine hatte Geld, wusste, was ihr Mann verdient oder wie sie an Geld kommen konnte. Sie wussten nicht, wie sie ohne einen Mann existieren können. Obwohl sie seelisch und körperlich misshandelt wurden, machte das Vertraute, auch die Gewalterfahrung, vielen weniger Angst als das Unbekannte, ein eigenständiges Leben.

http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/recht-und-gehalt/frauen-finanzberaterin-helma-sick-informierte-frauen-sind-risikofreudiger-11070066.html

schna´sel 23.01.2016 | 12:29

"Es fällt uns sehr schwer mal einfach die Klappe zu halten und zuzuhören /zu lesen. Wir können nicht umhin, wenn eine Frau, wie die Autorin hier, ihre Leidensgeschichte aufschreibt, uns persönlich und als Kollektiv, als Mann angegriffen zu fühlen. Warum?"

Gute Frage. Vielleicht, weil das eine kollektive Reaktion auf eine ebenso kollektive Vorgabe ist? Weil wir mit unserem Anliegen in diesem Zusammenhang niemals wirklich gehört werden, niemals wirklich ein Forum bekommen und immer nur die eine Seite dargestellt wird und sich darstellen darf? Ich bin bin davon überzeugt, dass es so ist und dass sich bei einer statistischen Auswertung der Artikel, Interviews, Hintergrundinformationen, Fallbeispiele zum Thema eine ganz eindeutige, sehr verzerrte Darstellung der Situation zeigen würde. Das Wort Retourkutsche ist reine Polemik und hat in dem Zusammenhang keine andere Funktion, als von einem berechtigten Interesse abzulenken, dem in dieser Debatte ansonsten kaum Raum gegeben wird.

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Ehemaliger Nutzer 23.01.2016 | 12:45

Ich kann auch gut zuhören und tue das sogar sehr gerne.

Nein, das können Sie definitiv nicht. Denn dazu benötigen Sie zum einen Unterscheidungsfähigkeit:

weil hier mitunter – beabsichtigt oder nicht – Stimmung gemacht, sexistisch, gegen Männer.

und zu anderen:

Allgemein Stimmung gegen Männer, incl. der herkunftsbedingten Stigmatisierung, das betreibt z.B eine Alice Schwarzer. An diese Stelle ist ein Ruf nach Differenzierung auch notwendig.

Die Autorin aber schildert ihr ganz persönliches Erlebnis mit ihrem Mann und das, was sie persönlich dann im Rahmen ihrer Hilfesuche erfahren hat.

Sie unterscheiden, das habe ich bein Ihnen schon mehrfach festgestellt, einfach nie zwischen konkreten Anlässen und abstrakten Verallgemeinerungen. Das zu können ist aber für eine menschliche, auf Empathie und Achtsamkeit basierende Kommunikation unabdingbar.

Sie kommunzieren in dem Sie (wie einige andere auch) undifferenzierend schwadronieren, belehren und ihrem Gegenüber damit signalisieren - ich nehme dich als Subjekt, als individuellen Menschen, mit deinen ganz persönlichen Empfindungen und Erfahrungen weder wahr, noch ernst.

Nehmen Sie meine Kritik jetzt nicht all zu persönlich. Empathielosigkeit und Unachtsamkeit gegenüber dem einzelnen Individuum ist ein allgemeines Phänomen unserer Zeit. Ich finde, das ist ein Punkt, über den wir alle nicht nur Mal nachdenken sollten, sondern unser Verhalten dahingehend selbst kritisch prüfen sollten.

Überlegen Sie Mal, angenommen ein Mann, der von seiner Frau verprügelt wird, liest, wie es einer Frau ergeht, die ihr persönliches Schicksal und ihre Erfahrungen der Öffentlichkeit preisgibt. Zumal das Thema Gewalt gegen Frauen ja "salonfähig" ist, Gewalt gegen Männer durch Frauen aber nicht.

Denken Sie ernsthaft, dass ein Mann sich unter diesen Umständen hinstellen und sein persönliches Schicksal schildern würde?

Und was ist denn der Sinn der Schilderung von persönlichen Gewalterfahrungen? In erster Linie um zu signalisieren, hallo du da, du bist nicht allein. So wie dir ist es mir auch ergangen. Es gibt da Menschen, die dich in deiner Situation verstehen und dich ernst nehmen, du brauchst dich weder zu schämen noch schuldig zu fühlen. Hier ist eine Hand, die kannst du greifen, wenn du das möchtest.

Darum geht es bei persönlichen Erfahrungsberichten, nur darum.

Moorleiche 23.01.2016 | 13:19

Hallo Angelia.

Ich kann auch gut zuhören und tue das sogar sehr gerne.

Nein, das können Sie definitiv nicht. Denn dazu benötigen Sie zum einen Unterscheidungsfähigkeit:

weil hier mitunter – beabsichtigt oder nicht – Stimmung gemacht, sexistisch, gegen Männer.

und zu anderen:

Allgemein Stimmung gegen Männer, incl. der herkunftsbedingten Stigmatisierung, das betreibt z.B eine Alice Schwarzer. An diese Stelle ist ein Ruf nach Differenzierung auch notwendig.

Die Autorin aber schildert ihr ganz persönliches Erlebnis mit ihrem Mann und das, was sie persönlich dann im Rahmen ihrer Hilfesuche erfahren hat.“

Stimmt.

Aber da ich bereits im ersten Kommentar, unter 2) schrieb:

Leider geht der Trend, auch im Freitag – ich nehme Sie und Frau Bücker hier aus –, im Moment in Richtung eines aggressiven femistischen Sexismus, der alle Männer unter Generalverdacht stellt.“

dürfte sich der Vorwurf wohl erledigt haben.

Sie unterscheiden, das habe ich bein Ihnen schon mehrfach festgestellt, einfach nie zwischen konkreten Anlässen und abstrakten Verallgemeinerungen. Das zu können ist aber für eine menschliche, auf Empathie und Achtsamkeit basierende Kommunikation unabdingbar.“

Doch, ich kann das und tue das sehr wohl. Die Seximus-Debatte ist an wen gerichtet?

Nehmen Sie meine Kritik jetzt nicht all zu persönlich.“

Wie sonst?

Empathielosigkeit und Unachtsamkeit gegenüber dem einzelnen Individuum ist ein allgemeines Phänomen unserer Zeit. Ich finde, das ist ein Punkt, über den wir alle nicht nur Mal nachdenken sollten, sondern unser Verhalten dahingehend selbst kritisch prüfen sollten.“

Genau das ist meine Motivation. Nicht draufdreschen, erst nachdenken.

Überlegen Sie Mal, angenommen ein Mann, der von seiner Frau verprügelt wird, liest, wie es einer Frau ergeht, die ihr persönliches Schicksal und ihre Erfahrungen der Öffentlichkeit preisgibt. Zumal das Thema Gewalt gegen Frauen ja "salonfähig" ist, Gewalt gegen Männer durch Frauen aber nicht.

Denken Sie ernsthaft, dass ein Mann sich unter diesen Umständen hinstellen und sein persönliches Schicksal schildern würde?“

Unter den von mir initiierten Umständen, oder unter denen, die hier allgemein vorherrschen?

Und was ist denn der Sinn der Schilderung von persönlichen Gewalterfahrungen? In erster Linie um zu signalisieren, hallo du da, du bist nicht allein. So wie dir ist es mir auch ergangen. Es gibt da Menschen, die dich in deiner Situation verstehen und dich ernst nehmen, du brauchst dich weder zu schämen noch schuldig zu fühlen. Hier ist eine Hand, die kannst du greifen, wenn du das möchtest.“

Unter 3) habe ich dargestellt, warum ich meine, dass das als „erste Hilfe“ richtig und wichtig ist, als echte Hilfe aber unzureichend und zuweilen kontraproduktiv. Mit „Ganz, schön schlimm, komm' wir trinken mal nen Tee und dann erzählst du mir alles“ ist oft viel gewonnen, ich will das nicht kleinreden, aber da gibt es Grenzen und die will ist auch nicht kleinreden.

Darum geht es bei persönlichen Erfahrungsberichten, nur darum.“

Mein einleitender Teil war die Reaktion auf einen Satz aus dem Text, ich habe weder die Qualität, noch Berechtigung des Textes un Abrede gestellt, im Gegenteil. Es ging so los:

„„Es war nicht meine Schuld. Er war es ganz allein“, sage ich dann. Und füge hinzu, dass es fast jeder Frau passieren kann, weil der Täter nicht als Täter erkennbar ist. Man kann es nicht sehen.“

Das würde ich gerne präzisieren und zwar aus drei Gründen.“

Vielleicht lesen Sie meinen ersten Text nochmal? Idealerweise mit etwas mehr Achtsamkeit und Empathie. ;-)

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Ehemaliger Nutzer 23.01.2016 | 14:14

Vielleicht lesen Sie meinen ersten Text nochmal? Idealerweise mit etwas mehr Achtsamkeit und Empathie. ;-

Ich habe mich, um mir einen Eindruck von Ihnen zu machen, bereits achtsam und empathisch durch Ihre 700 Kommentare gelesen, die Sie seit Ihrer Anmeldung vor 3 Monaten geschrieben haben :-) .....

Genau das ist meine Motivation.

:-) Ja, die habe ich sehr gut verstanden :-) .... ich, ich , ich, mein, mein, meine, meine,mir, mir, mir .... :-) ... Es geht hier aber nicht um Sie und Ihre Motivation, um Ihren unbedingten Willen Recht zu haben und zu bekommen. Es geht darum zu verstehen, warum Frauen, die im persönlichen Umfeld Gewalt durch ihren Mann erfahren haben, genau Ihren Belehrungen nicht folgeleisten konnten.

Moorleiche 23.01.2016 | 14:36

"Es geht hier aber nicht um Sie und Ihre Motivation, um Ihren unbedingten Willen Recht zu haben und zu bekommen."

Hier stimme ich Ihnen zu. In dieser Diskussion, geht es mir in der Tat darum Recht zu haben. Weil es gerade keine isolierte persönliche Darstellung ist, sondern eine Serie von Artikeln darstellt. Und der implizite Sexismus ist einer den ich verurteile und darin beanspruche ich richtig zu liegen.

Moorleiche 23.01.2016 | 19:44

gut, dann lassen wir diese Ihre Motivation mal so stehen und fragen an dieser Stelle, aber worum ging es der Autorin?“

Puh. Ein kleiner Übergriff, aber andererseits, hätten Sie mir auch die Tür vor der Nase zuknallen können.

Da schreibt eine Frau, die Schlimmes erlebt hat, das so „gut“ es geht verarbeitet hat, sich damit an die Öffentlichkeit traut, vielleicht um sich weiter zu befreien, vielleicht um anderen Mut zu machen, sich auch auf diese oder jene Weise zu trauen, am meisten hatte ich jedoch den Eindruck, dass sie sich solidarisch mit den Frauen erklärt, die Gewalt in der Partnerschaft erleben, was eigentlich ab einem bestimmten Grad der Kultiviertheit ein „no go“ sein sollte – aber, wie sehr viele wissen, nicht ist – und dann auf einmal vor vollendeten Tatsachen steht. Mit einem blauen Auge und den Scherben einer Beziehung, allein, verängstigt und fassungslos in der Küche und vor allem einer ganz großen Leere. Eine Frau in dieser Situation sucht vielleicht Gründe, warum es sich doch noch lohnt; denkt an die Kinder, falls vorhanden; sucht die Schuld vermutlich im Viertelstundentakt abwechselnd bei ihm und dann wieder bei sich; hat das Gefühl dass ihre Welt untergeht, untergegangen ist, fragt sich wie es weitergehen soll … kann und wartet tatsächlich vermutlich erst mal ab.

Ein Ausrutscher. Kann ja mal passieren. Wieviel Angst ist nun da, auf einmal, wo vorher vielleicht nicht mal der Gedanke daran vorhanden war? Wieviel Liebe ist jetzt noch da, Trauer und Wut kommen dazu? Bestimmt hatte er irgendwo Stress. Das kommt mir alles typisch vor, nicht seltsam. Es gibt andere Szenarien, aber bleiben wir bei dem. Die Autorin sprach von den verschobenen Grenzen. Schwer, das vor sich selbst zu verkaufen, aber wer will schon bei einem „Ausrutscher“ gleich sein erträumtes Leben durchs Klo spülen? Und er hat ja auch immer noch diese andere Seite. Die man bis vor ein paar Stunden noch, oder wenigstens irgendwann mal geliebt hat. Aber bleibt es bei dem einen Ausrutscher? Er hat es ja eingesehen, nur nach dem zweiten, dritten, zehnten Mal nutzen sich die Tränen, die Einsicht, die Erklärungsversuche und die Blumen dann auch ab (wenn das nicht ein festes Ritual der Beziehung ist, was hier nicht der Fall war).

Irgendwann ist man an dem Punkt, wo man sich selbst nicht mehr erkennt. Bin das noch ich? Verständnis und die Angst vor Verlust, die Unsicherheit darüber, was kommen mag und ob man in der Lage ist das jemals allein zu schaffen ringen mit Selbstachtung, gesunder Wut und vermutlich wird in dem einen oder anderen Fall immer wieder die Frage aufkommen, ob man denn selbst etwas falsch gemacht hat, was es war und was man fortan besser machen könnte. Immer mehr Verständnis kann manchmal so aufgehäuft werden und ja, natürlich, irgendwann trifft man dann auf sein früheres Ich in Form der Umwelt, die dann sagt, dass das doch alles ganz einfach, da gibt’s halt Grenzen und wenn die überschritten werden ist eben kategorisch Schluss, selbst würde man nie, niemals so mit sich umspringen lassen, aber zum Glück ist das bei uns auch überhaupt kein Problem. Gerede, das, wie so vieles in die breite und tiefe Kluft zwischen Theorie und Praxis fällt.

Manchmal gibt’s ein sehr böses Erwachen, manchmal schaffen Frauen den Absprung nicht und es gibt bestialische Szenen („Aber ich weiß, ganz sicher, wie er wirklich ist. Echt, wenn er so ist, das … das ist einfach nicht er.“), manchmal trifft es wortwörtlich auch Männer und viel zu oft die Kinder. Das muss reichen.

M.E. ging es der Autorin primär um eine Solidaritätserklärung mit Frauen, die Ähnliches erleben und auch um den Appell, den sie selbst formuliert hat, nicht alles zu glauben, was man sieht.

THX1138 24.01.2016 | 18:32

Ich habe beruflich sehr viel mit Gewalttätern zu tun. Ganz speziell Täter aus dem Bereich häusliche Gewalt (u.a. Nötigung, Drohung, Vergewaltigung, Gefährdungesdelikte aller Arten, Körperverletzung, Tötung bis hin zu Mord, etc.) haben für mich, subjektiv betrachtet, in der Regel ein elementares Problem mit ihrer Männlichkeit auf irgend einer Ebene. Grob betrachtet, sind das (subjektiv, wie gesagt) meistens 'halbe Männer', die sich, sowohl im Auftreten als auch ihrer Art- täuschenderweise nicht selten sehr empathisch, gebildet und sensibel wirkend!- von anderen Straftätern deutlich unterscheiden. Meistens sind das Männer- nicht wie im Beispiel erwähnt- aus einfachen Verhältnissen, in denen Gewalt u. a. die Konsequenz von Alkohol- und Drogenmissbrauch sind. Die Gewalt geht, zumindest im Regelfall, von beiden Seiten aus. Nicht selten sind diese Paare a) bereits schon Jahrelang zusammen, arbeiten b) in Tätigkeitsfeldern mit stark repetitivem Charakter und sind c) kaum oder gar nicht imstande, Probleme in der Beziehung angemessen zu artikulieren, weshalb es dann auch häufig zu Gewalt kommt, die von beiden Seiten ausgeht. Akademiker sind da sehr selten vertreten.

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Ehemaliger Nutzer 25.01.2016 | 00:56

Wenn eine Mutter, trotz eines gewaltätigen Übergriffes ihres Mannes auf sie, bei ihm bleibt, ist das hinsichtlich der Gefahren für die Kinder unverantwortlich.

Den Kindern wird ein späteres, „Es war nicht meine Schuld. Er war es ganz allein“, der Mutter, nicht viel nützen, wenn sie mit den Folgen dieses miterlebten Grauens zu kämpfen haben. Selbst wenn diese die Gewalt nicht unmittelbar miterleben, so sind sie emotional in diese fürchterliche Situation verstrickt. Die Mutter, die die Verantwortung für die eigenen Kinder in diesem Moment nicht übernimmt, und sei es aus Gutgläubigkeit ihrem Mann gegenüber, und die Kinder nicht nimmt und geht, macht sich, ob sie es will oder nicht mitschuldig. Dem Text ist leider das genaue Alter der Kinder nicht zu entnehmen aber ich nehme den paar Eckdaten nach an, dass sie wahrscheinlich in jüngeren Jahren in irgendeiner Form Zeugen der Geschehnisse wurden.

"Der gefährlichste Moment in einer Beziehung mit einem gewaltbereiten Mann ist die Trennung, sagen Fachleute. Und so war es auch bei mir an jenem Abend. Ich hatte ihm gesagt, dass ich mich trennen wolle, in aller Fairness."


Ich frage mich ob die Kinder währenddessen im Hause waren.

Wenn dem so war fehlen mir einfach die Worte!

CS Spuhr 25.01.2016 | 06:38

Ja, klar wäre es in so Situationen besser für die Kinder, wenn die Mutter stark genug wäre sich zu trennen. Aber genau darum geht es doch: Das die Frau eben das nicht hat: Kraft, Mut, Selbstbewusstsein. Wenn sie selber gerade so ums überleben kämpft, dann ist da vielleicht kein Platz daran zu denken, was mit den Kindern ist. Oft können die Kinder auch ein Grund sein, eben nicht zu gehen, weil der Mann die Macht hat sie der Frau wegzunehmen. Weil die Frau nicht weiß, wie sie sich finanziell um die Kinder kümmern kann. Weil die Angst da ist, daß der Mann die Trennung der Frau an den Kindern auslässt. Lesen Sie einfach mal Berichte zu solchen Situationen, dann verstehen Sie es vielleicht besser.

Und meistens sind die Kinder dann letztendlich doch ein Grund, warum die Frauen sich Trennen können, und die Kraft aufbringen können. Wenn der Mann anfängt auch den Kindern etwas anzutun.

Nur weil eine Frau, die selber ums Überleben kämpft, nicht zu allererst dem gesellschaftlichen Mutterideal entspricht, nämlich der Mutter die ihr eigenes Leben riskiert, um ihre Kinder zu beschützen, muss man sie deswegen noch lange nicht verurteilen, oder gar der Mitschuld bezichtigen.

Auch hier sehr viel fehlende Empathie, und absolut gar kein psychologisches Verständnis.

uebung 25.01.2016 | 08:30

Vielen Dank für diesen Artikel. Besonderes Augenmerk lag bei mir auf die Einlassung, dass der 'Andere' plötzlich ein 'Anderer' wurde. Man kann sich diesen Moment nicht erklären und die nachträglichen Erklärungen helfen nicht weiter, da es keinen Resonanzraum im 'veränderten' anderen gibt, der einem das erklären könnte oder wollte.

Wenn man ehrlich mit sich wäre, würde man auch bei sich selbst solche Tendenzen des 'Anderssein' feststellen. Ich kenne sie zumindest von mir. Nur sind sie eben nicht aggressiv auf andere gerichtet.

Ein Beispiel aus meiner näheren Umgebung, die durch dünnere Wände geprägt ist, zeigt aber, dass die zur Gewalt Neigenden tatsächlich auch leiden unter ihren 'Austickern'. Ich bin, nachdem ich mitbekam, dass die Spirale anzog, zu den Nachbar gegangen und fragte direkt, mit dem Telefon in der Hand und der schon eingegebenen Nummer, ob ich jetzt die Polizei holen sollte. Der noch sehr junge 'Täter' stimmte zu. So war es dann auch. Gefährdungsansprache und Abstandsvorgabe.

Ich denke, die beiden konnten frühzeitig aus der Spirale entkommen (ich denke auch, weil sie noch jung waren), da 'Soziale Kontrolle', also in diesem Fall ich als aufmerksamer Mitmensch, reingegangen bin.

Ich finde es schwierig, festzustellen, ob man (Esther Ricksen) hätte was anders machen können, oder ob es eine rein 'pathologische' Disposition im anderen ist. Sicher ist aber auch, dass sich Prioritäten nach solchen Erlebnissen verschieben. Der Wunsch, ein Ideal von Familie zu leben, wird wohl dem Wunsch nach Selbst-Sicherheit und Dominanzmöglichkeiten im eigenen Leben weichen.

uebung 25.01.2016 | 08:39

Ihre Aussagen zeigen das Ausmaß ihrer Unkenntnis.

Nichts für Ungut - moralische Zeigefinger helfen hier überhaupt nicht.

Ihnen ist noch nicht mal klar, dass diese Entscheidungsfindung - gehen, bleiben, wehren, helfen usw. - ein zutiefst schwerer sein kann, eben weil verschiedene Moral- und Wertvorstellungen auf einmal kollidieren. Und zurück bleibt häufig immer ein Vorwurf, egal, wie man/ frau sich nun entschieden hat.

Gehen - oh, die Kinder haben ihren Vater nicht mehr

Bleiben - oh, die Kinder werden gefährdet

Wehren - oh, man hat den anderen verletzt

Helfen - oh, das verschlimmert doch alles nur.

Niemand kann in diesem Moment in die Zukunft blicken und wissen, wie die Geschichte tatsächlich weiterlaufen wird.

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Ehemaliger Nutzer 25.01.2016 | 19:08

Bevor ich sie ins offene Messer laufen lassen - ich habe diese Situation als Kind selbst miterlebt. Da damals weder Nachbarn, Verwandte, Lehrer, "Psychotherapeuten" oder Freunde der Eltern sich zum Schutz meiner Geschwister und mir eingemischt haben ist mir ihre zurückhaltende und abwägende Einstellung nur allzugut bekannt. So ist das eben jeder hat seine "moralische" Meinung zu allem und jedem, gehandelt wird nicht. Fast mein gesamtes Leben habe ich für und mit meiner Mutter für das was uns mein Vater angetan hat gelitten bis ich ohne politisch korrekte pseudotherapeutische hilfe aus mir selbst heraus verstanden habe, dass meine Geschwister und ich uns im Gegensatz zu unserer Mutter(es gibt in unserem Land keinen Ausrede, jeder kann gehen, es reicht ein Anruf bei der Polizei und im Frauenhaus)nicht dazu entscheiden konnten ob wir uns dieser Situation entziehen oder nicht. Manchmal sind die eigemtlichen Opfer erst auf den zweiten Blick zu erkennen. Oder um es mit den Worten der Autorin zu sagen:"Gauben Sie nicht nur, was Sie sehen. Der Schein trügt."

uebung 25.01.2016 | 21:53

Opfer trifft auf Opfer und meint, mehr Opfer zu sein.

So geht das nicht.

Du hast nicht mehr Rechte als deine Mutter. Und deine Mutter nicht mehr Rechte als Du.

Sie hat das gemacht, was sie damals konnte.

Für dich und deine Geschwister war es das Falsche. Logisch . Aus der Retrospektive sehr leicht feststellbar.

Kannst Du mir erklären, wie jedwede Mutter, jedweder Vater der Welt im Vorherein wissen kann, wie die Geschichte ausgeht?

Hat Deine Mutter vor der Erfahrung gewusst, was sie und euch erwarten wird? Und wenn sie es wusste, woher?

uebung 26.01.2016 | 10:45

Wie auch anders. Reden (hier Schreiben) und das öffentlich (zeigen).

Ich habe Deinen Standpunkt (sofort raus aus der gewaltätigen Situation) verstanden. Und danke Dir dafür.

Habe aber eine weitere Perspektive dazu und argumentiere entsprechend.

Was Frau Esther R. beschrieben hat, ist die Erwachsenen-Sicht. Dann das Beispiel mit dem jungen Paar, dass hier wohnte. Der 'Täter' wurde regelmäßigst von seinem Vater als Kind geschlagen. Einfachste Kausalität. Er wollte nicht Täter sein, wusste aber offenbar keinen Ausweg aus dem innersten Dilemma. Deren Baby war noch zu klein, um die Erlebnisse sprachlich zu kommunizieren. Die Frau hat über ihr Erlebnisse mit mir nicht gesprochen. Die Scham konnte man riechen.

Das einzige, was ich sage, es gibt mehre Beteiligte und alle haben ihre Version.

"Kannst Du mir erklären, wie jedwede Mutter, jedweder Vater der Welt im Vorherein wissen kann, wie die Geschichte ausgeht?
Hat Deine Mutter vor der Erfahrung gewusst, was sie und euch erwarten wird? Und wenn sie es wusste, woher?
" - Diese Fragen sind auf deine Forderung bezogen: sofort raus aus der Situation. Wer weiß woher, wie es laufen wird? Die Geschichte oben zeigt doch das Dilemma prototypisch. Da ist eine Beziehung. Es läuft erstmal gut. Man versucht sich in Kompromissen, will nicht wegen alles rummäkeln, sucht Glück, Liebe, Hoffnung, Sicherheit, Zukunft in der Gegenwart. Man/ frau hat Ansprüche: gute Eltern, guter Job, gutes Feeling, gute Erziehung, gute Schule, gute Freundschaft, gute Liebe - alles soll irgendwelchen Erwaruntungen entsprechen, die auch noch überquer liegen.

Ja, man sollte die Kinder sofort aus solch einer Situation heraus holen: auch eine Erwartung. Doch offenbar geht das gar nicht so einfach: Realität. Was habe ich von einer Forderung, die offenbar nicht einfach realisiert werden kann? Wie wird das langfristig innerhalb der Person, der Familie, der Umgebung, der Gesellschaft umsetzbar sein? Vorschläge?

uebung 26.01.2016 | 11:11

nochmal, da es mich bewegt und mich erinnern lässt:

Ich war nur zufällige 'dritte' Beteiligte. Die Streitereien ließen mich erstarren - fast jedes Mal. Das Paar mit Baby wohnte unter mir. Und obwohl ich nicht mittendrin war, war ich fast jedesmal von einer Starrheit erfasst. Wie, wodurch ich diese Starrheit lösen und an dem Abend runter gehen konnte, weiß ich nicht. Ich wusste nur, dass die Spirale sich bei den beiden bedrohlich hochgeschraubt hatte, dass konnte ich der Frenquenz, der Erhöhung der Dichte der Ereignisse entnehmen und der hörbaren Zunahme des 'Ausrastens' selbst. Ich erinnere mich, dass meine Beine breiig waren, leicht zitterten, in meinem Kopf hatte ich kaum Klarheit, griff aber nach dem Telefon. Es war ein Hin und Her der Entscheidungsfindung - was ist richtig? was hilft? Was kann ICH tun, um diese Situation positiv zu beeinflussen. Wen spreche ich wie an? Darf ich mich einmischen? Wie muss ich mich einmischen?

Es hatte sich also eine kleine Strategie gebildet, der bin ich mehr oder weniger kopflos mit dem Telefonhörer in der Hand und einem mächtig schlagendem Herzen gefolgt. Ich wusste nicht, was mich erwarten wird. Wie die Beiden drauf sind, wer wie reagieren wird. Ich habe geklingelt. Meine Worte weiß ich nicht mehr. Ich weiß auch nicht, warum der Mann auf mich so 'sanft' und 'einsichtsvoll' reagiert hat. Es war so und darüber bin ich heilfroh.

Nun meine Ableitung daraus: Wenn ich, als eigentlich Unbeteiligter, schon diese enorme Starrheit fühle, was ist mit den dirket Beteiligten? Ich kann nicht erklären, wie ich aus dieser Starrheit zur Aktion umgeschaltet habe. Wie kommen die direkt Beteiligten dann da raus? Wodurch lässt sich der Schalter umlegen?