Das sind unbeherrschbare Wesen

ALEXANDER KLUGE In seiner gerade erschienenen »Chronik der Gefühle« will Alexander Kluge eine Art Eröffnungsbilanz des 21. Jahrhunderts vorlegen: Er mokiert sich über die Untreue von oben nach unten, sieht das Zwerchfell als Zentrum der Aufklärung und interessiert sich dafür, wie man Emanzipation erzählt
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FREITAG: In der »Chronik der Gefühle« haben sie ihre bisherigen erzählerischen Arbeiten integriert. Die »Schlachtbeschreibung« zum Beispiel ist von 1964. Zehn Jahre nach der APO haben Sie das Buch dann überarbeitet und sich jetzt, kurz nach dem Jugoslawien-Krieg wieder damit befasst. Wie lesen Sie Ihre frühen Texte heute?

AlEXANDER KLUGE: Die Texte ändern sich. Die »Schlachtbeschreibung«, die Ereignisse von Stalingrad, habe ich 1964 in ganz strenger dokumentarischer Form beschrieben, weil ich noch diese starke Propaganda-Wirkung im Gefühl hatte, diese Lügen über Stalingrad. Das saß mir noch richtig in den Knochen. 1978 war eine ganz andere Situation. Durch die Protestbewegung ist ein großer Abstand in die Ü