Katharina Nocun
30.04.2014 | 15:00 25

Datenaskese wird uns nicht retten

Überwachung Statt politisch neue Weichen zu stellen, wird Nutzern empfohlen, weniger Daten im Netz zu hinterlassen. Das ist der falsche Weg, findet Piratin Katharina Nocun

Datenaskese wird uns nicht retten

Foto: Josep Lago/ AFP/ Getty Images

Das Internet war ihnen schon immer suspekt. Die digitale Demenz haben sie bereits seit Jahren kommen sehen. Und statt des Smartphones schwören sie noch immer auf ihr Nokia-Handy im handlichen Backstein-Format. Es gibt diese Menschen, bei denen eine gehörige Portion Genugtuung mitschwingt, wenn sie über Überwachung sprechen. Sind diejenigen ohne Facebook-Zölibat selbst schuld, wie es aus der Ecke der Daten-Asketen tönt? Ersticken wir zu Recht an unserem eigenen Datenmüll?

Auf Öko-Strom umzusteigen ist etwas ganz anderes als Datenaskese zu leben. Der Vergleich zur Umweltbewegung hinkt: Das Netz ist nicht voll und muss auch nicht wegen Übermüllung schließen. Die Entscheidung, 2014 als Digital Native aufzuwachsen, ist ungefähr genauso frei wie die Entscheidung, 1990 einen Fernmeldeanschluss bei der Deutschen Bundespost zu beantragen. Einige wenige können sich den Luxus leisten auf den vernetzten Alltag verzichten zu können. Auf alle anderen wirkt es in weiten Teilen überheblich.

Technikpessimisten stilisieren die Geheimdienst-Überwachung fast zu einer Art Strafe Gottes für den kollektiven Exhibitionismus einer ganzen Generation. Mitschuld durch Datenfreizügigkeit? Das erinnert mich an eine Ohrfeige, die ich in jungen Jahren mit folgenden Worten austeilte: "Den Minirock habe ich nicht für dich angezogen, elender Grabscher." Es macht eben doch einen Unterschied, ob man dem eigenen Partner Nacktbilder von sich schickt, oder der britische Geheimdienst sich in die Schreibtisch-Webcam von Millionen Nutzern einklinken kann. Das zu vermischen ist klassisches Victim-Blaming.

Ein Realitätscheck würde nicht wenigen sonntäglichen Moralpredigern der digitalen Abstinenz neue Perspektiven eröffnen. Klar müssen Jugendliche nicht bei Facebook sein. Auf Partyeinladungen des weiteren Freundeskreises hätten die besorgten Eltern mit 14 bestimmt auch schulterzuckend verzichten können. Altklausuren und Hausaufgaben werden heute in Facebook-Gruppen getauscht. Wird man älter, ändern sich die Zwänge. Doch es bleiben Zwänge. Wer hier bei der Wahl des sozialen Netzwerks oder des Betriebssystems freie Entscheidungen herbeifantasiert, redet den Interessen der Monopolisten das Wort. Als Wissenselite hat man leicht reden.

Wer die Gruppe der Otto-Normal-Nutzer als debile Masse von Klicktivisten skizziert, die weder über Technik- noch Politikkompetenz verfügen, täuscht sich gewaltig. Es sind gerade die jungen Nutzer, die besonders stark die Privatsphäre-Einstellungen in Sozialen Netzwerken nutzen. Die neue Öffentlichkeit ist ihr Alltag. Wer nicht weiß, ob die Eltern mitlesen, der hat eben Fake-Identitäten und tauscht sich über Freundeskreis-Insider und Codes aus, die selbst der britische Geheimdienst nicht entschlüsseln könnte. Die digitale Pubertät haben die meisten im Alter von 14 schon hinter sich. Ein Internetführerschein ist nicht das, was sie brauchen. Aber manchmal wünscht man sich doch einen für diejenigen Bundestags-Mitglieder und ihre Wähler, die "das Internet schon vor der NSA verdächtig" fanden und hinter jeder Ecke Cyberterrorismus wittern und „Killer-Spiele“ schon seit "Duke Nukem 1" verbieten wollen.

Es geht ein Riss durch die Gesellschaft. Zu glauben, die digitale und analoge Welt könnten weiter getrennt betrachtet werden, ist naiv. Wir gehen nicht ins Internet, das Internet geht mit uns – abrufbereit in unserer Hosentasche. Vorratsdatenspeicherung ist in erster Linie eine elektronische Fußfessel für die Gegner der Datenaskese. Alle paar Minuten wird "nach Hause" gefunkt, wo wir uns digital und analog befinden. Wir sind nicht von zu Hause ausgezogen, damit Vater Staat nun weiß, wie lange wir freitags mit Freunden unterwegs sind. Wem wir unser Herz ausschütten und wo wir uns melden, wenn es ernst wird. Bei Netzpolitik – darin liegt der große Irrglaube – geht es nicht ums Internet: Netzpolitk ist Gesellschaftspolitik. 

Wo hilft Datenaskese, wenn die Große Koalition die Vorratsdatenspeicherung doch wieder ausrollen will? Statt Politiker davon zu überzeugen, Internet-Monopolisten und Geheimdienst-Machenschaften einen Riegel vorzuschieben, erscheint selbst verordnete Technik-Abstinenz eher wie die ultimative Kapitulation. Natürlich kann man Alternativen zu Facebook und Google nutzen. Doch wenn sich die intellektuelle Avantgarde auf die überwachungsresistente Neuordnung der eigenen Festplatte und den erhobenen Zeigefinder beschränkt, stiehlt sie sich aus der Verantwortung. "Wer nicht verschlüsselt muss damit leben, dass nichts mehr privat ist." Wer will schon in so einer entsolidarisierten Welt leben?

Computer und Netzwerke sind die neuen Werkzeuge zur Überwindung der eigenen Unvollkommenheit. Wer keine geschlossene Gesellschaft will, in der wenige digitale Monopole das Sagen haben, muss politisch Weichen stellen. Und daher sollten wir weiter an Werkzeugen feilen. In dreißig Jahren, will ich 57-jährig über die digitalen Faustkeile von heute lachen können. Und ich will dann Google-Glass ohne Überwachungsschnittstelle von Google oder des Staates als Lesehilfe nutzen.

Natürlich ist es bequemer, sich zurückzulehnen und zu stöhnen, das Internet sei kaputtgespielt worden. Natürlich ist es einfacher, über den Atlantik zu zeigen als bei den eigenen Geheimdiensten anzufangen. Und selbstverständlich ist es am bequemsten, den Nutzern die Schuld zu geben. Ohnmachtsfantasien und Selbstmitleid werden den Karren nicht aus dem Dreck ziehen. Während Politik und Wirtschaft sich in philosophischen Abhandlungen über den digitalen Wandel und seine Gefahren suhlen, sind andere schon einige Level weiter. Tausende Programmierer der Freien-Software-Bewegung entwickeln preiswerte Computer-Hardware und freie Betriebssysteme ohne Hintertüren für Geheimdienste. An ihren Verschlüsselungsalgorithmen scheitern NSA und Co.. Die 500 Millionen Euro Steuergelder, die in Projekte für flugunfähige Drohnen versenkt wurden, würden in der Forschung für Technikalternativen einen echten Unterschied machen. Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit.

Auf den ACTA-Demos waren die Aktivisten dank der Mobilisierung im Netz im Schnitt extrem jung – und alles andere als politikverdrossen. Als Konsequenz auf Snowden die totale Datenaskese zu fordern, bedeutet so ziemlich jeder neuen sozialen Bewegung das Wasser abzugraben. Nur weil Protest anno '68 ach so gut mit Sitzkreis statt Internet funktioniert hat, bedeutet das doch nicht, dass man sich freiwillig der mächtigsten Waffe entledigt, die man als Zivilgesellschaft hat. Datenaskese spielt denjenigen in die Hände, denen die neue Macht der Zivilgesellschaft ein Dorn im Auge ist.

Snowden hat das Tschernobyl der Netzgemeinde eingeläutet. Wir können nun alle in technischer Askese leben. Aber der Atomausstieg wurde nicht durch den massenhaften Verzicht auf Strom erzwungen, sondern durch politischen Druck und neu entwickelte Alternativen bei der Energieerzeugung. Das Ziel eines Protests sollte nicht darin bestehen, auf Technik zu verzichten. Insbesondere dann nicht, wenn wir eigentlich Technik wollen, die für uns statt gegen uns arbeitet. In der Türkei posten währenddessen Jugendliche Selfies mit Polizeiaufgeboten im Hintergrund. Das ist keine Dummheit, das ist ein Statement: Wir haben keine Angst. Wir haben vielleicht keine Chance. Aber wir werden uns das mächtigste Werkzeug, das wir jemals hatten, nicht von ein paar alten Männern mit Allmachtsphantasien wegnehmen lassen.

Katharina Nocun war bis November 2013 politische Geschäftsführerin der Piratenpartei Deutschland

Kommentare (25)

Wolfgang Ksoll 30.04.2014 | 16:11

Genauso ist es! Datenaskese zu predigen ist genauso blödisnnig als wenn man Deutschalnd fit machen wollte, Gestapo und Stasi gesellschaftlich zu akzeptieren, obwohl beide geholfen haben, das jeweilige Deutschalnd explodieren zu lassen.

Ausch Verschlüsselung hilft nicht. Bei ungehemmten, kriminellen Geheimdiensten gilt wie beim Roulette: der perverse Spanner gewinnt immer (wie die Bank beim R.)

Der einzige Weg ist es, die Geheimdienste zurück in Rechtsstaat und Demokratie zu holen. Wir können es uns nicht leisten, rechtsfreie Räume aus Steuergeldern finanziert zu erlauben. Unsere Gesellschaften würden daran kaputt gehen wie das Deutsche Reich, die DDR, die Sojetunion, Rumänien usw.

Wie so etwas aussehen kann, habe ich hier aufgeschrieben:
http://wk-blog.wolfgang-ksoll.de/2014/04/26/geheimdienste-mussen-global-durch-un-reguliert-werden/

miauxx 30.04.2014 | 22:59

"Und daher sollten wir weiter an Werkzeugen feilen. In dreißig Jahren, will ich 57-jährig über die digitalen Faustkeile von heute lachen können."

Es ist keine Frage der Technik selbst, sondern das Problem ist die Menschheit als Ganzes und an sich. Zuerst haben wir es mit einem sozialen Problem zu tun. Wenn das nicht im Ganzen gelöst wird, ändert sich nichts grundlegend. Freie Software und OS werden nicht unsere "digitalen Probleme" lösen; sie bleiben höchstens Insellösungen. Alles fängt beim Menschen selbst an - Technik selbst kann nicht gut oder böse sein. Ergo ist der, der heute Open Source oder Verschlüsselungstechniken mitentwickelt nicht damit automatisch der Gute.

Und dass NSA & Co. an nicht propietären IT-Systemen scheitern, mag eine Momentaufnahme sein. Ich bin mir sicher dass das nicht hinreichend verfiziert ist und v.a. noch gar nicht verifiziert werden konnte. Der Anteil von Nutzern, die solche Produkte nutzen ist wohl einfach noch derart marginal, dass es sich für Behörden und Geheimdienste nur einfach noch nicht gelohnt hat, genug Power dahin zu orientieren. Dass sie tatsächlich daran scheitern würden, kann ich mir nicht vorstellen.

tlacuache 30.04.2014 | 23:07

Ich hab' das grad' irgendwo anders geschrieben, ich mache hier noch mal gerne copy - paste:

Es schrieb X:

..."Für Europa bedeutet das, das die Sicherheit und die Beziehungen der Staaten untereinander ein Netzwerk von wirtschaftlichen, kulturellen und privaten Verknüpfungen sein wird. Da ist eine zentralstaatliche Bevormundung wenig hilfreich ...

... was dabei herauskommen wird, weiß ich nicht und das weiß heute noch keiner, es wird aber etliche Zeit dauern (?????), bis die fest sitzenden Überzeugungen von "Politik-Eliten" überwunden sein werden"...

Antwort von mir:

Aus Spass wird Heinz, ääh, Ernst.

Jetzt mache ich mal Ernst, ohne Witzchen wie es bei mir bei Heinz üblich ist, da vergeht sogar dem Berlin das Lachen:

Wenn du in einem Land X ohne grossen Datenschutzbeauftragten bzw. Verbraucherschutzgesetzgebungen ein "haftender Gesellschafter" einer GmbH bist, MUSSTdu ein Gmail - Konto haben (Google).

Wenn du ein kleiner Handwerksbetrieb bist, also Kleinstunternehmer, MUSST DU Internet Explorer 9+X haben um deine monatlichen Steuererklärungen zu machen, trotz international bekannter Sicherheitslücken.

Kann man sich in Ungefähr vorstellen, wieviel Schmiergeld da geflossen ist?

..."was dabei herauskommen wird"..., ist ein totaler Überwachungsstaat, das kann ich dir jetzt schon sagen, ob dass dann 2025 oder 2035 bei uns passiert, kann uns dann egal sein, aber es wird kommen...

Da ist die Volkszählung 1982 schon längst vergessen...

Gruss

mcmac 30.04.2014 | 23:51

Ich verstehe denn Furor des Beitrags nicht ganz. Irgendwie werden Alle und Alles dabei in einen Sack gesteckt und anschließend drauf gehauen.

Bei der "Datenaskese" kommt es doch wohl auch in einem nicht unerheblichen Maße darauf an, wer diese "predigt" - und was jeglicher "Prediger" jeweils damit verbindet. Inklusive der "Schweinepriester".

Es ist doch ein Unterschied, einer ganz anderen Intention geschuldet, wenn z.B. ein Edward Snowden (oder u.a. auch eine Constanze Kurz) sagen, dass Verschlüsseln wichtig und hilfreich ist, als wenn bspw. ein BMI als Quasi-Kapitulation vor dem Rechtsstaatprinzip dieses von der eigenen Bevölkerung einfordert.

Solange persönliche Informationen originär und vor allem privatkapitalistischem Macht- und Profitstreben dienen, ist eine gewisse Datensparsamkeit nicht die schlechteste aller Ideen. Datenmissbrauch ist darüber hinaus weniger ein politisches Problem, als dass es ein im Grunde ökonomisch bedingtes ist. Es ist ein systemisches Problem: Im real existierenden Kapitalismus geht es derzeit (und künftig) gar nicht ohne diesen Missbrauch.

Und, btw., wenn ein Bundesinnenminister als einer der höchsten Vertreter eines Staatswesens (welches ja kein Selbstzweck ist, sondern eine von allen Bürgerinnen und Bürgern geschaffene und unterhaltene Institution, welche u.a. Schutz- und Sicherheitsgarantien für diese übernimmt) den Bürgerinnen und Bürgern nassforsch sagt, dass sie sich mal doch schön selber schützen sollen, ist das in etwa so, als wenn er sagte: Besorgt euch mal selber (und auf eigene Kosten) schusssichere Westen und auch Knarren, weil die Polizei kann da leider auch nichts machen. (Wohingegen es in genau dieser Kaste einen vernehmlichen Aufschrei gibt, ist diese selbst betroffen. Da wird dann auch schon mal der Stasi-Vergleich aus der Rhetorikkiste geholt; selbst wenn es um den Waffenbruder über'n Großen Teich geht...).

Statt Grundsatzwüten hätte ich mir sehr gewünscht, wenn in diesem Beitrag deutlicher auch auf (tatsächlich bestehende, technische) Alternativen verwiesen worden wäre. Und auch auf den (technischen) Umstand, dass die (vermutlich gemeinte) realitätsferne und lächerliche Form der Datenaskese einiger Zeitgenossen völlig hilf- und sinnlos ist, weil z.B. derzeit schon jeder versendete Brief digital erfasst wird (mit smarten Stromzählern will ich erst gar nicht anfangen)...

Nichts für ungut - gutes Thema; mehr Zorn, weniger Wut.

MfG-mcmac

mcmac 01.05.2014 | 00:37

Das bringt mich auf einen weiteren Gedanken: Es ist ein absolutes Unding, dass hierzulande öffentliche Einrichtungen i.d.R. mit proprietärer Software und Netzwerekerei (DLF/ARD/ZDF: "... diskutieren Sie mit uns auch auf Facebook" - ich glaub' ja wohl, es hackt!) herummachen. (Dass das in einem nicht unerheblichen Land wie D so Praxis ist, hat natürlich auch letztlich erhebliche Auswirkungen auf Land X.) Würde dagegen OpenSource-Software grundsätzlich eingesetzt, hätte das Einiges, ziemlich Positives zur Folge (natürlich nicht so sehr Positives für privatwirtschaftliche und zentralstaatliche Datenkraken). LiMux ist so ein positiver Ansatz, der zeigt, dass das möglich sein könnte.

lg-mcmac

tlacuache 01.05.2014 | 00:58

Ich bin kein Compufreak wie du, aber ich wette, der Empfänger der automatisch Rechnungen ausstellen soll(te) erkennt sofort das der IE auf "getürkt" läuft, insbesondere, wenn man im ganzen Land X Hilfsprogramme kaufen muss damit man seine Rechnngen in Echtzeit erstellen kann,

Man nennt das auch "Programmierbuchhaltermafia"...

Ja, das sind so Sachen die kennt ihr nicht in Deutschland...

mcmac 01.05.2014 | 01:17

Nee, eine virtuelle Maschine hat nichts mit Fälscherei zu tun. Das ist etwas ganz Offizielles. Das geht z.B. auch umgedreht: Du kannst auf einem Windows-system auch ein Linusx in einer VitualBox laufen lassen. Technisch emuliert die virtuelle Maschine (wie der Name schon sagt) lediglich einen zweiten Computer mit einem anderen Betreibssystem (Deiner Wahl), der aber, Oh Wunder der Technik, eben keinen tatsächlichen zweiten Computer benötigt.

lg

Sikkimoto 01.05.2014 | 02:00

>Das Internet war ihnen schon immer suspekt.<

Der Text bleibt leider über weite Strecken das als was er anfängt: Eine Polemik gegen Menschen deren Motivation sie nicht nachvollziehen können und wohl auch nicht wollen. Diese Lücke füllt man mit Unterstellungen.

Dazu gesellen sich einige argumentative Schnitzer dieser Art:

>Wer die Gruppe der Otto-Normal-Nutzer als debile Masse von Klicktivisten skizziert, die weder über Technik- noch Politikkompetenz verfügen, täuscht sich gewaltig. Es sind gerade die jungen Nutzer, die besonders stark die Privatsphäre-Einstellungen in Sozialen Netzwerken nutzen.<

Wo bitte ist die Täuschung? Erst kontruieren sie eine Nichtvorhandende Behauptung (Strohmannargument) und dann wird die wiederum mit einer recht gewagten Gleichsetzung (Otto-Normal-Nutzer = junge Nutzer) gefällt. Fantasieren sie bitte keinen Generationenkonflikt herbei wo keiner ist. Dazu wird lustig durch die Ebenen gesprungen. Was genau ist jetzt "Datenaskese"? Muss es der Verzicht auf einen Facebookaccount sein? Oder ist das Nutzen der Privatsphäre-Einstellungen nicht eher genau im Sinne derer die sie hier kritisieren? Apropos Facebook: Da wird erklärt, ein Jugendlicher müsse keinen Account halten. Noch im Selben Absatz dann: Wer eine Entscheidungsfreiheit "herbeifantasiert"(!) redet Monopolisten das Wort. Logik? Falls sie sich bei dieser Passage etwas gedacht haben wären ein paar erklärende Worte mehr wohl angebracht gewesen.

Grundsätzlich hätte dem Text eine inhaltliche Trennung gut getan. Nämlich in Geheimdienstliches (und in der Regel auch widerrechtliches) Datensammeln auf der einen Seite und privaten (völlig legalem) Datensammeln unter Einwilligung der Nutzer. Bei ersterem gehe ich völlig d'accord. Opfer-Täter-Verkehrung. Wunderbar! Aber wer sich eine Googlebrille ohne Überwachungschnittstelle wünscht und dies zur "Gesellschaftspolitik" erklärt hat etwas an der Vertragsfreiheit zwischen mündigen Bürgern nicht verstanden.

Und schließlich: Nein, Datenaskese ist keine Ohnmacht. Sie ist umgekehrt der einzige Weg die Macht über seine eigenen Daten zu behalten wenn man nicht auf wundersame Rettung durch den Gesetzesgeber hofft. Datenaskese ist auch definitiv nicht der "einfache" Weg. Einfach ist seine Daten in erst in die Welt zu schleudern und dann die Gesellschaft zu verteufeln weil die Daten gemäß der selbst abgesegneten AGBs verwertet werden.

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Ehemaliger Nutzer 01.05.2014 | 13:13

Weiter oben kannst du nachlesen, wie das auch ganz einfach im Browser ginge, eben, wie eine email.

Bisher hat nur noch keiner die Nagelprobe gemacht und sich geweigert, extra wegen der Dummheit der Staatsbeamten so ein Virus-Soft zu kaufen.

Ich bin überzeugt, diese Praxis hätte vor einem Bundes- oder Europa-Gericht keine Chance.

Als Rentner bin ich von so viel Blödsinn nicht mehr betroffen, auch ein Vorteil.

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Ehemaliger Nutzer 02.05.2014 | 10:00

Besorgt euch mal selber (und auf eigene Kosten) schusssichere Westen und auch Knarren, weil die Polizei kann da leider auch nichts machen.

Das ist aber genau der Ansatz, den die Gesetzgebung und Rechtsprechung letztendlich fahren.

Man kann sich über eine völlige weltfremde Rechtsprechung wundern und es einfach der IT-Fremdheit der Juristen anlasten. Wenn man sich jedoch die Entscheidungen zu virtuellen Gegenständen genauer ansieht, wird ein Grundprinzip erkennbar, das zumindest ein wenig misstrauisch macht:

digitale "Gegenstände" werden in Konsequenz nicht als solche behandelt, SIND unter allem rechtstheoretischen Filz rechtsfrei. Und wer sich mit den Handelsabkommen beschäftigt, wird auch finden, dass die Wirtschaft die entsprechenden Probleme ohnehin künftig verstärkt unter sich und unter Ausschluss der Öffentlichkeit in ihrem Sinne löst.

Insofern ist der adressierte Selbstschutz, der technische, durchaus das Mittel der Wahl, weils auf absehbare Zeit keine anderen Möglichkeiten gibt in einem effektiv rechtsfreien Raum.

Sägerei 03.05.2014 | 10:28

Ein unfassbares Stück schmieriger Rabulistik ad Hominem gegen diejenigen, die zwar unendlich mehr von der Materie verstehen aber aus irgendwelchen "Ecken" hervorgekrochen sind. Es sind digital Natives der ersten Stunde auf die wir unsere wohlwollende Aufmerksamkeit richten sollten. Erfinder, Protokolldesigner, Programmierer, Hochschullehrer.

Nein, das Internet wird nicht voll, aber behauptet das irgendjemand? (Ich verabscheue diesen billigen Trick). Überraschende Schnittmengen zur Ökobewegung gibt es dennoch zuhauf aber darüber müsste man ja was schreiben können.

Sägerei 03.05.2014 | 12:05

Oh, nein! Jetzt erst lese ich grade aus welcher Ecke die Autorin gekrochen kommt. Eine Piratin! Diejenigen, die stolz darauf waren, nicht zwischen links und rechts unterscheiden zu können, um dann ihrer eigenen Propaganda auf den Leim zu gehen.

Ein wenig abendländische Philosophie (links-rechts) mit naturwissenschaftlicher Allgemeinbildung (einschließlich so Computersachen und Strom) hätte grüne Wähler zu Millionen weggesaugt und jede Menge Beifang dazu.