Der Kommunismus ist ...?

Fragebogen Nora Gomringer möchte von Hundewelpen umgeben sterben und hat 68 Apps auf ihrem Smartphone
Der Kommunismus ist ...?

Illustration: Susann Massute

Nora Gomringer (geb. 1980) fiel zuletzt durch eine kluge Verteidigung des „Avenidas“-Gedichts ihres Vaters auf. Sie arbeitet als Direktorin des Künstlerhauses Villa Concordia Doloreet in Bamberg. Es gibt acht Lyrikbände von ihr. Zahlreiche Preise. Zuletzt gab sie mit Martin Beyer die Anthologie #Poesie heraus.

Was mögen Sie an Angela Merkel?

Dass sie Akademikerin ist, man ihr Common Sense anmerkt und dass sie „uns alle“ erträgt.

Welches Buch haben Sie zuletzt nicht zu Ende gelesen?

Konstantin Küsperts rechtes denken. Da war nach wenigen Sätzen klar: Der weiß, was er tut.

Welchen linken Politiker, welche linke Politikerin bewundern Sie?

Willy Brandt. Gregor Gysi und Sahra Wagenknecht sagen die wahrsten Dinge.

Welches Auto gefällt Ihnen am besten?

Ich mag Bumblebee, den Transformer.

Kommt es vor, dass Sie „p.c.“ oder „nicht p.c.“ sagen?

Nein. Ich sage „politically correct“.

Welche Drogen sollten Ihrer Meinung nach legalisiert werden?

Ich nehme keine, kenn mich mit Rauschmitteln nicht aus, trinke keinen Alkohol. Hab ich noch nie. Meine Droge ist wohl Zucker, das ist auch Mist. Gut, dass Lyrik bereits legalisiert ist.

Ist Alkohol eine Droge?

Ja.

Darf man in Ihrem Schlafzimmer rauchen?

Nein. Dann geht sofort der Alarm los. Ich wohne ja in einem denkmalgeschützten „Wasserschloss“ von 1717.

Wer oder was hätten Sie gerne sein mögen?

Choreografin, Ärztin, Regisseurin, Schauspielerin. Peggy Guggenheim.

Wie viele Apps sind auf Ihrem Smartphone?

68.

Und welche benutzen Sie am meisten?

Whatsapp, Bahn Navigator, Facebook, Instagram, Pokemon Go, Tinder, Netflix, Sobotta Anatomie Atlas.

Töten Sie Insekten?

Ich vermeide es und bin eine, die Kinder anmault, die das mit System und Akribie tun.

Ihr Lieblingsvogel?

Ich mag Big Bird aus der Sesamstraße.

Haben Sie einen Lieblingsfisch?

Dori.

Offene Grenzen sind ...?

Verpflichtend.

Ist die Lüge ein legitimes Mittel in der Politik?

Nein, aber ein probates.

Sollte man Gehälter öffentlich machen?

Meines in Staatsanstellung ist öffentlich. Meines als Künstlerin … hm, mal überlegen. Vermutlich ruinierte es den Ruf von Kultureinrichtungen.

Der Kommunismus ist ...?

... historisch. Eine Auffrischung im Sinne von Karl Marx täte wohl.

Welchen Song würden Sie auf die einsame Insel mitnehmen?

John Cages Stück 4:33 in Dauerschleife.

Toskana oder Krim?

Krim. Ich bin zwar eher feige, will aber sehen, was da passiert.

Haben Sie geweint, als die Berliner Mauer fiel?

Ich war neun. Ich war irritiert. Ich hab geheult, weil wir keine Erdbeeren mehr essen durften nach Tschernobyl, insofern … unberechenbar, dieses Kind. Die Wiedervereinigung war ein einziges großes Gefühlskuddelmuddel, aber viele Neuerungen fand ich cool. Und Trabis recht geräumig.

Kaufen Sie bei Amazon?

Ja, meist aus Notwehr.

Sollte der Kapitalismus überwunden werden?

Wäre dann FB weg? Dann nicht.

Haben Sie Aktien?

Hahahaha.

Haben Sie manchmal Angst, etwas Falsches zu sagen?

Ja, weil ich ja meinem Gewissen verpflichtet bin und weil einem ja auch ständig gesagt wird, dass man etwas Falsches gesagt hätte.

Welche Verschwörungstheorie halten Sie für wahr?

Alles um George Lucas, Cher und Barbara Streisand ist sicher wahr.

Gehen Sie zu sorglos mit Ihren Daten im Netz um?

Die Erfahrung zeigt: ja.

Welchen Rat würden Sie der SPD-Parteivorsitzenden geben?

Mehr Willy Brandt.

Haben Sie schon einmal einen Abend mit einem Flüchtling verbracht?

Ja. Ich wurde als „haram“ beschimpft, der junge Mann konnte sich nicht helfen. Ich habe ihn in mein Herz geschlossen.

Sind einige Ihrer besten Freunde Muslime?

Nein. Himmel, ich bin in Oberfranken aufgewachsen. Das bedeutet: erster Jude mit 18, erster dunkelhäutiger Mensch mit sechs in Los Angeles. Mein Versicherungsberater ist Moslem, sieht blendend aus und kann politisch mitreden.

Wie möchten Sie sterben?

Von Hundewelpen umgeben, perfekt manikürt, auf einem nicht zu weichen Bett.

Nespresso oder Filterkaffee?

Eher: ein Espresso am Bamberger Rondo.

06:00 14.05.2018

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