Der Kommunismus ist …?

Fragebogen Deborah Feldman fährt nicht mehr gerne Bahn und hatte schon mal einen Aschenbecher ins Bett eingebaut
| Ausgabe 31/2019
Der Kommunismus ist …?

Illustration: der Freitag

Ihr Bericht über eine Kindheit und Jugend in einer ultraorthodoxen jüdischen Gemeinde in New York wurde ein Bestseller: Zurzeit wird Unorthodox sogar in Deutschland verfilmt, und Deborah Feldman (geb. 1986) kann den Dreharbeiten beiwohnen, denn sie lebt heute in Berlin, wo sie an neuen Büchern arbeitet.

Was mögen Sie an Angela Merkel?

Dass die sonst so arroganten Amerikaner sie verehren.

Welches Buch haben Sie zuletzt nicht zu Ende gelesen?

Laurie Pennys Unspeakable Things. Eigentlich mag ich sie sehr, aber da ich alle ihre anderen Bücher schon gelesen hatte, bekam ich irgendwann das Gefühl, dass sich zu viel wiederholt.

Welchen linken Politiker, welche linke Politikerin bewundern Sie?

Zählt Anke Domscheit-Berg? Ich hatte mal ein persönliches Treffen mit ihr, wir haben sehr offen gesprochen, ich habe viel gelernt und bewundere sie eher als engagierte Bürgerin. Aber sie ist eben auch Politikerin.

Würden Sie gerne öfter Fahrrad fahren?

Meine derzeitige Herausforderung ist das Fahren mit Hund.

Welche Drogen sollten Ihrer Meinung nach legalisiert werden?

Marihuana.

Darf man in Ihrem Schlafzimmer rauchen?

Mein erstes Berliner Bett hatte sogar Aschenbecher eingebaut. Ich war zur Untermiete, der Besitzer hatte das Zimmer wie in einem Porno aus den 1970ern gestaltet.

Welches Auto gefällt Ihnen am besten?

Diese Station Wagons oder Kombis aus den 1990ern, wo die Kinder hinten im Kofferraum sitzen konnten. In meiner Gemeinde sah man oft Familien mit zehn Kindern in so was.

Wann sind Sie zuletzt U-Bahn gefahren?

Seit ich das letzte Mal in der Bahn sexuell belästigt wurde, fahre ich extrem ungern Bahn.

Zahlen Sie eigentlich gern GEZ-Gebühren?

Ich versuche, viel Radio zu hören, damit es sich lohnt.

Ihr Leben wird verfilmt. Welche Schauspielerin sollte das tun?

Es wird tatsächlich gerade verfilmt. Ich finde es großartig, dass Shira Haas diese Rolle spielt.

Sollte das generische Maskulinum abgeschafft werden?

Bitte nicht, ich habe mich in den letzten Jahren so bemüht, diese Sprache zu lernen. Sprache ist an sich schön, deshalb fühle ich mich selten durch sie beleidigt.

StudentInnen oder Studierende?

Ich habe immer automatisch Studierende gesagt. Ich frage mich, ob das aus dem Jiddischen kommt, da gibt es selten weibliche Geschlechtsbezeichnungen bei Substantiven.

Wie viele Apps sind auf Ihrem Smartphone?

50.

Und welche benutzen Sie am meisten?

Maps, Google Translate, Weather Radar, Podcasts ...

Haben Sie ein Zeitungsabo?

Zu viele. Mehr als ich lesen kann.

Wenn Sie eine Zeitmaschine hätten, in welches Jahrhundert würden Sie reisen?

Ich glaube, ich würde in der letzten Minute Schiss kriegen, denn ich möchte als jüdische Frau nie rückwärts reisen müssen.

Wo haben Sie zuletzt Urlaub gemacht?

Rügen, zwei Mal im letzten Monat.

Offene Grenzen sind ...?

... ein Traum, den wir uns leisten müssen.

Ist die Lüge ein legitimes Mittel in der Politik?

Pfui.

Sollte man Gehälter öffentlich machen?

Ja!

Der Kommunismus ist ...?

... mit der Natur des Menschen unvereinbar.

Welchen Song würden Sie auf die einsame Insel mitnehmen?

Miserere von Górecki.

Welche Verschwörungstheorie halten Sie für wahr?

Die 9/11-Geschichte hat mich nie losgelassen. Ich schäme mich ein bisschen dafür und spreche nie darüber.

Was schätzen Sie an der chinesischen Kultur?

Ehmmm ... das ist jetzt eine Falle, oder?

Welchen Rat würden Sie der SPD-Parteivorsitzenden geben?

Therapie hilft!

Haben Sie schon einmal einen Abend mit einem Flüchtling verbracht?

Mehrmals.

Sind einige Ihrer besten Freunde Muslime?

Ich habe muslimische Freunde, die ich sehr schätze.

Wem würden Sie das Bundesverdienstkreuz geben?

Peter Lilienthal.

Ihr Lieblingsfilm?

Hmmm. Schwierig, ich gucke so selten Filme. Vielleicht István Szabós Ein Hauch von Sonnenschein.

Ihr Lieblingsjournalist?

Gustav Seibt.

Kaufen Sie im Bio-Laden?

Ab und zu, wenn er auf dem Heimweg liegt.

Wo ist Ihr Zuhause?

Wahrscheinlich nirgendwo. Berlin ist mein Gezelt.

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