Der Kommunismus ist …?

Interview Oliver Reese postet nichts im Netz und würde gerne ins Elisabethanische Zeitalter reisen
| Ausgabe 39/2019
Der Kommunismus ist …?

Illustration: der Freitag

Als Intendant am Schauspiel Frankfurt brachte er die Auslastung auf ein Rekordniveau. Sie ist auch am Berliner Ensemble, das Oliver Reese (geb. 1964) seit 2018 in der Nachfolge Claus Peymanns leitet, mehr als ordentlich.

Was mögen Sie an Angela Merkel?

Dass sie immer noch da ist.

Welches Buch haben Sie zuletzt nicht zu Ende gelesen?

Bei dem ich es bedauere? Uwe Johnson Jahrestage.

Welchen linken Politiker, welche linke Politikerin bewundern Sie?

Politiker bewundere ich in den seltensten Fällen.

Würden Sie gerne öfter Fahrrad fahren?

Ich fahre seit Jahren sowieso fast nur noch Rad.

Welches Auto gefällt Ihnen am besten?

Ich finde, die Idee des eigenen Autos ist einer der größten Städte ruinierenden Irrtümer.

Zahlen Sie eigentlich gern GEZ-Gebühren?

Da Theater auch von den Steuern aller finanziert wird …

Welche Drogen sollten legalisiert werden?

Kokain (weil dem brutalen Handel sonst wohl nicht beizukommen ist) und Marihuana (weil wir mit der anderen Droge Alkohol so hemmungslos umgehen).

Wer oder was hätten Sie gerne sein mögen?

Ein Romanautor.

Ihr Leben wird verfilmt. Welcher Schauspieler/welche Schauspielerin sollte das tun?

Woody Harrelson.

Sollte das generische Maskulinum abgeschafft werden?

Wir sind da doch auf einem guten Weg.

StudentInnen oder Studierende?

Studierende, auch wenn’s falsch ist.

Haben Sie ein Zeitungsabo?

Unser Theater hat ganz viele. Zwei der Zeitungen lese ich jeden Morgen so ziemlich durch, eine dritte jeden Donnerstag.

Töten Sie Insekten?

Motten ja – Spinnen und Käfer trage ich raus.

Ihr Lieblingsvogel?

Die Singvögel, wenn die Schauspielerin Bettina Hoppe sie so treffend nachpfeift.

Wenn Sie eine Zeitmaschine hätten, in welches Jahrhundert würden Sie reisen?

Zu den Elisabethanern, in Shakespeares Globe, eine Premiere gucken.

Offene Grenzen sind …?

Kein Wenn und Aber.

Ist die Lüge ein legitimes Mittel in der Politik?

Nennen wir sie doch Diplomatie.

Sollte man Gehälter öffentlich machen?

Meines hat man mal gehackt, war sehr lehrreich.

Der Kommunismus ist …?

Eine nachvollziehbare Idee.

Welchen Song würden Sie auf die einsame Insel mitnehmen?

Leise flehen meine Lieder von Songwriter Schubert.

Toskana oder Krim?

Krim – sehr neugierig.

Sushi oder Schnitzel?

Das echte Wiener Schnitzel.

Haben Sie geweint, als die Berliner Mauer fiel?

Ich habe es damals vor allem verpasst, rasch in die DDR zu reisen.

Welche Verschwörungstheorie halten Sie für wahr?

Dass der Selbstmord von Jeffrey Epstein sozusagen politisch gewünscht war.

Gehen Sie zu sorglos mit Ihren Daten im Netz um?

Wenigstens poste ich nichts.

Ihre Lieblingsgewerkschaft?

Die, welche die Sache, um die es geht, nicht aus den Augen verliert.

Sollte der Kapitalismus überwunden werden?

Komische Frage, was „soll“ denn schon?

Waren Sie schon mal auf einer Demonstration?

Zuletzt vor einigen Monaten, bei „Die Vielen“ in Berlin.

Haben Sie Aktien?

Keinerlei Interesse.

Wo haben Sie zuletzt Urlaub gemacht?

Aufregenden? In Burma, Indien und auf Hawaii.

Welchen Rat würden Sie der/dem (kommenden) SPD-Parteivorsitzenden geben?

Bloß nicht schon wieder so schnell hinschmeißen.

Haben Sie schon einmal einen Abend mit einem Flüchtling verbracht?

Aber ja.

Wem würden Sie das Bundesverdienstkreuz geben?

Den deutschen Seenotrettern.

Ihr Lieblingsfilm?

Le Mépris von Jean-Luc Godard, Harold and Maude von Hal Ashby, Die Kinder des Olymp von Marcel Carné.

Ihr Lieblingsmaler?

Vilhelm Hammershøi und Arnulf Rainer.

Jan Fleischhauer oder Margarete Stokowski?

Margarete Stokowski, inklusive des Darüber-Ärgerns.

Ihr/-e Lieblingsjournalist/-in?

Joan Didion und Mely Kiyak.

Kaufen Sie im Bio-Laden?

Na klar, aber nicht nur.

Wo ist Ihr Zuhause?

Endlich da, wo ich jetzt auch wohne.

Wie möchten Sie sterben?

Ich möchte mich verabschieden können.

Liebe Leserin, lieber Leser,

dieser Artikel ist für Sie kostenlos.
Unabhängiger und kritischer Journalismus braucht aber auch in diesen Zeiten Unterstützung. Wir freuen uns daher, wenn Sie den Freitag hier abonnieren oder 3 Ausgaben gratis testen. Dafür bedanken wir uns schon jetzt bei Ihnen!

Ihre Freitag-Redaktion

Geschrieben von

Kommentarfunktion deaktiviert

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert. Deshalb können Sie das Eingabefeld für Kommentare nicht sehen.

Kommentare