Der Kommunismus ist …?

Fragebogen Ina Hartwig wäre gern für einen Tag Sigmund Freud gewesen und hat geweint, als die Mauer fiel
Der Kommunismus ist …?

Illustration: Susann Massute für der Freitag

Sie hat eine reiche journalistische Karriere hinter sich: Redakteurin bei der Frankfurter Rundschau, Herausgeberin des Kursbuches. Sie hatte Gastprofessuren an verschiedenen Unis und schreibt Bücher (zuletzt Wer war Ingeborg Bachmann? Eine Biographie in Bruchstücken). Seit drei Jahren ist Ina Hartwig (geb. 1963 in Hamburg) Kulturdezernentin von Frankfurt am Main.

Was mögen Sie an Angela Merkel?

Ihre Selbstkontrolle.

Welches Buch haben Sie zuletzt nicht zu Ende gelesen?

Lesen ist lebensnotwendig, zu Ende zu lesen nicht.

Welchen linken Politiker, welche linke Politikerin bewundern Sie?

Willy Brandt.

Würden Sie gerne öfter Fahrrad fahren?

Ja.

Welches Auto gefällt Ihnen am besten?

Ich mag alte, schwere, schnelle Kombis.

Wann sind Sie zuletzt U-Bahn gefahren?

Im Juli in Paris.

Halten Sie es für möglich, dass die ganze Welt eine Fiktion ist?

Nein.

Wer oder was hätten Sie gerne sein mögen?

Für einen Tag wäre ich gern Sigmund Freud gewesen.

Ihr Leben wird verfilmt. Welcher Schauspieler oder welche Schauspielerin sollte das tun?

Woody Allen? Stadtneurotikerin vor zittriger Kamera. Die Waldszenen könnte dann Godard übernehmen.

StudentInnen oder Studierende?

Egal, Hauptsache Studieren!

Haben Sie ein Zeitungsabo? Wenn ja, welches?

SZ, FAZ, taz, FR, Spiegel, Die Zeit.

Wie viele Apps sind auf Ihrem Smartphone?

Keine Ahnung.

Töten Sie Insekten?

Aber klar!

Ihr Lieblingsvogel?

Der fast ausgestorbene Spatz.

Wenn Sie eine Zeitmaschine hätten, in welches Jahrhundert würden Sie reisen?

Ins 17. Jahrhundert, allerdings als Mann.

Offene Grenzen sind …?

... eine Herausforderung, eine Bedrohung, ein Rausch, je nachdem, wo und zu welcher Zeit. Fest steht, die offenen Grenzen innerhalb der EU sind die Errungenschaft in meiner bisherigen Lebenszeit.

Ist die Lüge ein legitimes Mittel in der Politik?

Lüge nein – Kalkül ja.

Der Kommunismus ist …?

... vorbei. Es wäre gut, wenn das die CDU endlich begreifen würde, anstatt dass weiterhin das Gespenst einer furchtbar gefährlichen Linken an die Wand gemalt wird. Die Gefahr kommt von rechts.

Welchen Song würden Sie mit auf eine einsame Insel nehmen?

Hearts and Bones von Paul Simon.

Sushi oder Schnitzel?

Sushi, definitiv.

Haben Sie geweint, als die Berliner Mauer fiel?

Und wie! Ich stand damals auf der Westberliner Seite, es war alles unfassbar bewegend, die reine Geschichtsgewalt.

Welche Verschwörungstheorie halten Sie für wahr?

Wahrheit und Verschwörungstheorie schließen einander kategorisch aus.

Sollte der Kapitalismus überwunden werden?

Der globale digitale Managerkapitalismus mit seiner obszönen Gier und schreienden Ungerechtigkeit demoralisiert die Menschen und muss im 21. Jahrhundert reguliert werden.

Welchen Rat würden Sie dem kommenden SPD-Parteivorsitz geben?

Nehmt Menschen mit Migrationsgeschichte mit, gebt dem Generationenwechsel eine echte Chance. Und vergesst nicht die Kultur als unverzichtbaren Raum für Feierlichkeit, Teilhabe und öffentliche Auseinandersetzung.

Sind einige Ihrer besten Freunde Muslime?

Die meisten muslimischen Freunde hatte ich an der Uni in Südfrankreich, wir hatten viel Spaß miteinander. Das ist 30 Jahre her, und ich wüsste gern, was sie heute machen.

Wem würden Sie das Bundesverdienstkreuz geben?

Wäre sie noch am Leben: Katharina Rutschky. Ihre ordnende Vernunft und ihr Witz fehlen in den hypermoralischen, regressiven, aggressiven Aufwallungen unserer Gegenwart ungemein.

Ihr Lieblingsfilm?

To Be or Not to Be von Ernst Lubitsch. Wieder hochaktuell!

Ihr/-e Lieblingsmaler/-in?

Velázquez, Manet, Shirley Jaffe, Lois Dodd und viele andere.

Toskana oder Krim?

In Begleitung von Olga Martynova: Krim. Sonst lieber Toskana (lange nicht da gewesen).

Welche Ausstellung haben Sie zuletzt besucht?

Hannah Ryggen in der Schirn Kunsthalle Frankfurt.

Kaufen Sie im Bioladen?

Ja.

Wo ist Ihr Zuhause?

Frankfurt am Main.

Nespresso oder Filterkaffee?

Lieber einen ordentlichen Cappuccino.

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