Der Krieger

Porträt Senator John McCain würden manche Republikaner gern zum Gegen-Trump ausrufen
Der Krieger
John McCain stellte die Weichen für Donald Trump, als er 2008 Sarah Palin zu seiner Vizepräsidentin machen wollte
Foto: Chip Somodevilla/AFP/Getty Images

Er steht im Ruf eines aufrechten Republikaners, denn John McCain (80) pflegt das Image von einem, der sagt, was er für richtig hält, auch wenn er aneckt. Ein Konservativer des alten Schlages, so wie Republikaner waren, bevor Donald Trump auftauchte.

Arizonas Wähler schicken McCain seit 1982 nach Washington, vier Jahre als Abgeordneten des Repräsentantenhauses, danach als Senator. Talkshows lieben diesen Mann, Sicherheitskonferenzen ebenfalls. In München erteilte McCain im Februar eine Absage an „America first“: McCains Vereinigte Staaten sind eine ordnende Macht zum Wohle der Welt. Der Senator kritisierte auch Trumps Angriffe auf die Medien und seine Einreisesperre für Bürger muslimischer Staaten.

Manche Gegner von Donald Trump hoffen auf McCain als konservativen Gegenspieler des Präsidenten. Einen Monat vor der Wahl hatte McCain nach dem frauenfeindlichen Skandalvideo erklärt, er werde nicht für Trump stimmen. Im Dezember besuchte McCain FBI-Direktor James Comey mit den in politischen Kreisen zirkulierenden „Russland-Dossiers“, wonach die Regierung in Moskau „kompromittierendes Material“ über Trump besitze. Buzzfeed.com hatte die Papiere online gestellt. McCain drängte auf gründliche Untersuchung. Viele Parteifreunde hielten sich zurück oder sie stimmten ein in Trumps Verteidigungsreden gegen die „Hexenjagd“. Doch als Anliegen eines Vorsitzenden des Militärausschusses im Senat hat McCains Forderung Gewicht. Der stets schick gekleidete kanadische Sänger Leonard Cohen (1934 – 2016) witzelte einst über sich selber, er sei wohl schon im Anzug geboren worden. John McCain kam in der Uniform auf die Welt. Vater und Großvater brachten es bis zum Admiral, McCains Geburtsort ist der Coco-Solo-Marinestützpunkt in der Panamakanalzone.

Senator McCain kritisiert Trump, weil dessen 54-Milliarden-Dollar-Erhöhung des Militärhaushalts nicht ausreiche in einer „brennenden Welt“. Putin sei ein Schlägertyp, KGB-Agent und Killer, twitterte McCain; die USA bräuchten „Frieden durch Stärke“. Ende 2016 bereiste McCain die Ukraine. Ein Youtube-Video zeigt ihn mit Präsident Petro Poroschenko und ukrainischen Soldaten vier Kilometer von der Demarkationslinie im Donbass entfernt. McCain wird zitiert: „Ich bin überzeugt, ihr werdet gewinnen. Ich danke euch, weil Wladimir Putin hier nicht gewinnen darf. Wenn er hier Erfolg hat, wird er auch in anderen Ländern Erfolg haben.“

Fünfeinhalb Jahre Kriegsgefangenschaft in Vietnam müssen McCains Weltsicht geprägt haben. Es war der 26. Oktober 1967. Der junge Marineoffizier mit dem Dienstgrad Lieutenant Commander lenkte seinen A-4-Skyhawk vom Flugzeugträger Oriskany in Richtung der nordvietnamesischen Hautpstadt Hanoi. Bombenziel sei ein Elektrizitätswerk gewesen, schrieb die Zeitung Arizona Republic. Seit Frühjahr 1965 warfen US-Streitkräfte bei der Operation „Rolling Thunder“ Bomben auf Nordvietnam. McCain erinnerte sich 1973 im Magazin US News & World Report, er sei über dem Herzen von Hanoi gewesen, „als eine russische Rakete so groß wie ein Telefonmast meinen rechten Flügel wegschoss“. Er sei in einem See gelandet, von Vietnamesen aus dem Wasser gezogen, verprügelt und mit Gewehrkolben verletzt worden. McCain beschreibt eine Leidensgeschichte als Gefangener, die Rede ist von Isolationshaft, Schlägen und manchmal toleranten Bedingungen. Das durch die Bomben angerichtete Leid bleibt in dem Gespräch ausgeklammert.

Im März 1973, die US-Amerikaner mussten sich aus dem Vietnamkrieg zurückziehen, wurden McCain und 107 weitere Gefangene ausgeflogen. Die Männer seien blass gewesen, doch im Allgemeinen hätten sie einen gesunden Eindruck gemacht, berichtete die New York Times. McCain, dessen Haar stellenweise fast weiß gewesen sei, habe sich beim Verlassen des Flugzeuges am Geländer festgehalten. Die Agentur AP schrieb von McCain als einem „amerikanischen Helden“, der schließlich 1981 aus dem US-Militär ausscheidet.

Nach einem Intermezzo als Manager im Biervertrieb des Vaters seiner zweiten Ehefrau in Arizona stieg McCain in die Politik ein. Der Bundesstaat war ein konservatives Pflaster und 1964 die Domäne des weit rechts angesiedelten Präsidentschaftskandidaten Barry Goldwater. McCain setzte sich da gern als unabhängiger Denker in Szene. Der Politblog fivethirtyeight.com hat nachgeforscht: Im Senat hat er in der Regel mit seiner Partei abgestimmt.

Fest steht, McCain und Trump können sich nicht ausstehen. Das dürfte auch persönliche Gründe haben. Trump war wegen „Fersenspornen an den Füßen“ von der Wehrpflicht befreit. Im Wahlkampf 2016 tat er dann den berühmten Ausspruch, McCain sei gar kein Held, denn er, Trump, schätze Menschen, „die nicht gefangen genommen worden sind“. Allerdings: Unter dem Strich hat McCain vor neun Jahren geholfen, die Weichen für Trump zu stellen. McCain wollte 2008 Präsident werden gegen die Lichtgestalt Barack Obama.

Es sah seinerzeit nicht gut aus für den alten Mann. Also berief er Sarah Palin, die Gouverneurin aus Alaska und Tea-Party-Aktivistin, als seine Kandidatin für die Vizepräsidentschaft, mit Prinzipientreue hatte das wenig zu tun. Eher mit Gewinnenwollen. Palin war anders als McCain, der vermeintliche Garant der politischen Ordnung. Palin stellte sich beim Republikaner-Konvent mit der Ansage vor: Sie sei „kein Mitglied des permanenten politischen Establishments“ und mache Wahlkampf gegen die „verlogenen Medien“ als Kämpferin für die „wirklichen Amerikaner“. Nach der Trump-Kampagne 2016 kommt einem dies sehr bekannt vor. Und John McCains Ordnung entschwindet.

06:00 12.03.2017

Kommentare 8

Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community
Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community
Dieser Kommentar wurde versteckt
Avatar