Daniel Kofahl
29.08.2012 | 09:24 41

Der Preis ist zu heiß

Weltenretter So etwas können sich nur Elite-Ökos ausdenken: Teure Energie und Rohstoffe gehen zulasten der Ärmsten

Der Preis ist zu heiß

Illustration: Otto für der Freitag (nach Joahim Beuckelaer)

Die Preise müssen steigen! Nur hohe Preise können die Welt retten!“ Nicht nur Ernst Ulrich von Weizsäcker propagiert diese Position – zuletzt im Freitag vom 26. Juli 2012. Auch der ebenfalls aus altem Adel stammende Felix Prinz zu Löwenstein, seines Zeichens Vorstandsvorsitzender des Bundes Ökologischer Lebensmittelwirtschaft und Vorsitzender des Ökoanbauverbands Naturland, fordert Preissteigerungen.

Während ersterer das Klima und eine nicht näher definierte Natur durch erhöhte Preise für Energie und Rohstoffe schützen will, fordert Löwenstein die Preise für Lebensmittel und hier vor allem für Fleisch zu steigern. Verteilungspolitische Maßnahmen können sich beide – Löwenstein explizit, Weizsäcker implizit – nicht vorstellen. Somit laufen ihre politischen Vorschläge zunächst immer auf folgendes Szenario hinaus: Steigen die Preise, ohne dass sich die Einkommenssituation und Vermögensverteilung der Gesamtgesellschaft zuvor irgendwie verändert, können sich zwar Wohlsituierte immer noch alles leisten, was sie wollen – jeden Tag Steak, das Licht die ganze Nacht brennen lassen, durch die Welt fliegen. Doch alle anderen müssen sich im ökologisch korrekten Zwangsverzicht üben.

Gleichzeitig wird die Argumentation auch dadurch halbseiden, dass Löwenstein als Lebensmittelproduzent und -händler selber von steigenden Preisen direkt profitieren würde. Interessant wäre nun zu wissen, ob Weizsäcker vielleicht irgendwo Geld in erneuerbare Energiequellen angelegt hat.

Es stellt sich zudem die Frage, „wessen Natur“ hier eigentlich geschützt werden soll. Wenn die zur Verfügung stehenden Ressourcen über Preisbildung an den Meistbietenden verkauft werden und die Masse vom Zugang zur marktwirtschaftlich regulierten und privatisierten Natur ausgeschlossen wird, warum sollte dann die Mehrheit der Menschen einer kaufkräftigen Öko-Elite auf diesem Weg folgen? Nach dem Motto: Hauptsache man macht die Umwelt nicht kaputt, während man versucht, im Schichtdienst in einer Reihe prekärer Beschäftigungsverhältnisse die Rente im Greisenalter zu erreichen, um dann in einem Pflegeheim dritter Klasse das In-die-Welt-Geworfensein abzuschließen.

Argumentation der Angst

Slavoj Zizek hat in seinem Buch Auf verlorenem Posten sehr gut beschrieben, wie sich durch eine „Ökologie der Furcht“ eine äußerst konservative hegemoniale Ideologie etabliert. Eine kleine Öko-Elite diktiert, vermittelt durch eine Argumentation der Angst, der Mehrheit der Menschen, was sie zu tun und was sie zu lassen haben, um die Welt vor der Öko-Apokalypse zu bewahren. Soziale und demokratische Fragen müssen sich aufgrund vermeintlichen Zeitdrucks unterordnen und werden auf der politischen Agenda nach hinten verschoben.

Dazu kommt, dass die Forderungen nach Preissteigerungen bei so grundlegenden, alltäglichen Verbrauchsgütern wie Lebensmitteln und Energie mit weiteren konservativen Überzeugungen kombiniert werden. Weizsäcker bemüht das nationalistische Argument der gefährdeten Souveränität der ökonomischen Volksgemeinschaft, wenn er davor warnt, sich nicht von Energieexporten aus dem Ausland abhängig zu machen. Nur einen Satz später hofft er, Deutschland durch seine Pläne als noch stärkeren Wettbewerber am globalisierten Markt auftreten lassen zu können.

Löwenstein wiederum philosophiert in einem Interview mit der jesuitischen Stellaner-Vereinigung schon mal darüber, dass der Adel „eigentlich die einzige soziologisch definierbare gesellschaftliche Gruppe ist, die identifizierbar geblieben ist“ und dort, wo er „immer eng mit der Treue zum christlichen Glauben und an die Kirche verknüpft ist“, eine treibende Rolle im ethischen Erneuerungsprozess der Gesellschaft einnehmen könnte.

Aber warum fällt es der sich sorgenden Bourgeoisie eigentlich so schwer, konsumistische Freiheiten zugunsten einer übergeordneten ökologischen Verantwortung aufzugeben? Der Kabarettist Volker Pispers hat in seinem Stück Die grünen Revoluzzer eine richtige Erkenntnis auf den Punkt gebracht: Der ökobewegte, grüne Bourgeois möchte die Welt gerne ein bisschen besser machen, aber eigentlich auf nichts verzichten. Er ist gut situiert und liebt den modernen bürgerlichen Wohlstand. Selbstbezügliche Verzichtsforderungen, sofern er denn je solche artikuliert hat, gibt er auf, sobald er „im Arsch der Institutionen angekommen“ (Zitat Pispers) ist.

Er erinnert sich an seine christlich-kirchliche Tradition und daran, dass dort sündigen toleriert wird, wenn man nur anschließend Reue inszeniert. Zwar kann man für soziale Ökosünden nicht so recht zum Priester gehen, um dort zu beichten. Aber man kann sich eines anderen Tricks bedienen: dem Drehen an der Preisschraube. Weizsäcker, Löwenstein und die gesamte Öko-Schickeria, die sie im Gefolge haben, bitten um Vergebung, indem sie selbst etwas mehr zahlen wollen.

Selbstverständlich nicht so viel, dass sie auf einmal zum Mittelmaß oder gar zu den sozial Schwächeren gehören. Nein, nur so viel, dass es ein Zeichen ist. Ein Teelicht, das sie in der dunklen Weltkirche vor der Gottesmutter Erde entzünden. Sie können es sich leisten. Und wenn mal ein größeres Bankett ins Haus steht, gut, dann muss eben eine Altarkerze gespendet werden. Man wird die Presse informieren, so viel ist sicher.

Abkehr vom Profitstreben

Ganz im Sinne christlich-konservativer Wertlogik, werden die Ärmsten auch nicht völlig ignoriert. Wie die Kirche will man bei aller Hierarchie, bei allem Prunk für die höheren Klassen und allen Entbehrungen für die Basis freilich niemanden direkt hungern und frieren lassen. So nimmt sich Weizsäcker auch schon mal heraus, auf dem Evangelischen Kirchentag gegen den ausufernden Kapitalismus staatlich kontrollierte „Anstandsregeln“ zu fordern. In seinem Beitrag im Freitag investiert er immerhin im letzten Abschnitt einen ganzen Satz, um darauf hinzuweisen, dass „für sozial schwächere Familien (sic!) […] ein Sozialtarif vereinbart werden“ sollte. Keine Debatte darüber, wo hier die Messlatte liegt, was mit sozial schwächeren Singles ist, wie der Sozialtarif aussehen sollte und wie mit Grenzfällen umgegangen wird. Das sind aber Fragen, die sich nicht von alleine beantworten in Zeiten, in denen der monatliche Hartz-IV-Regelsatz 374 Euro beträgt und das Verfassungsgericht höchstrichterlich beschließen muss, dass der Mindestsatz für Asylbewerber im Monat nicht nur 224 Euro betragen darf.

Wirklich ökosozial nachhaltig wäre vor allem eine andere Form des Wirtschaftens, die sich nicht mehr bedingungslos dem Profitstreben unterwerfen muss. Das würde bedeuten, dass nur so viel und vor allem das produziert würde, was die Mehrheit der Menschen wirklich braucht und nicht so viel, dass die Gewinnmargen genau so weit plus x ansteigen, dass Firmenbesitzer, Aktionäre und andere Anteilseigner schöne Renditezahlungen erhalten.

Dazu würde es aber gehören, über eine demokratische Wirtschaft zu diskutieren. Dies würde fraglos ungleich mächtigere Lobbyverbände auf den Plan rufen, als die Interessenvertreter der sozial Schwächeren. Ökosozial nachhaltig wäre es auch, über die Verschwendung der besseren Kreise zu diskutieren, die sich, egal wie viel was kostet, einen Lebensstil gönnen, den sich Milliarden Menschen nie werden leisten können und der die Verschwendung von Ressourcen – früher mal „Dekadenz“ genannt, bis dieser Begriff auf vom Arbeitsmarkt ausgeschlossene Menschen umdefiniert wurde – als Distinktionsmerkmal verwendet. Aber auch hier würde wieder die unangenehme „sozialistische Umverteilungsfrage“ zum Thema werden.

So dürfen die Fragen nach ökologischem Umweltschutz und Ressourcenproduktivität nie von der sozialen Frage getrennt werden. Wer eine, fraglos notwendige, radikalreformerische Ökologiepolitik betreiben will, die demokratisch und gerecht ist, muss den Mut aufbringen, diese mit der Forderung nach strenger egalitärer Gerechtigkeit zu verknüpfen.

Daniel Kofahl ist Soziologe. Er arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Kassel und beschäftigt sich primär mit Fragen der Agrarpolitik und Ernährungskultur

 

Lesen Sie in dem Artikel „Zwanzig Mal so gut wäre besser“ die Position des Naturwissenschaftlers Ernst Ulrich von Weizsäcker, ein Plädoyer für mehr „Ressourcenproduktivität“. Erreicht werden solle dies, so Weizsäcker, über eine stetige Steigerung der Preise

Kommentare (41)

Querdenker 29.08.2012 | 13:13

Mit Verlaub: Der Artikel ist linker Quatsch mit Soße.

Jeder "Firmenbesitzer und Aktionär" würde sich freuen, wenn "nur so viel und vor allem das produziert würde, was die Mehrheit der Menschheit wirklich braucht", das wäre nämlich hoch effektives Wirtschaften für einen Massenmarkt, und damit gut für die Gewinnmarge. Das Problem ist aber: Die Mehrheit der Menschheit hat keine Ahnung, was sie wirklich braucht und was gut für Mensch & Natur ist. Es ist letztlich das anspruchslose Prekariat, für welches der ganze Kitsch & Plunder produziert wird, und die Ressourcen der Welt verschwendet werden, verramscht auf Basaren und an Krabbeltischen. Das Prekariat erwartet täglich neues Brot & Spiele - und die Eliten liefern.

Wenn man den Eliten etwas vorwerfen kann, dann dass sie das Bevölkerungswachstum auf der Welt bei der Durchbringung des Prekariats nicht im Blick hatten. Bevor man über eine "demokratische Wirtschaft" diskutiert, sollte man darüber diskutieren. Alles andere ist sekundär. Die Zeitbombe tickt.

Tiefendenker 29.08.2012 | 13:24

Ich stimme SISYPHOS BOUCHER absolut zu. Den im Artikel zitierten Volker Pispers finde ich auch sehr gut.

Der letzte Absatz sagt im Grunde aus,d ass man nur mit einem ganzheitlichen Denkansatz eine Lösung finden kann. Die liegt letztendlich außerhalb der Warenform, wenn ich keine halbherzigen (und damit nicht ganzheitlichen) Kompromisse eingehen will. Also müsste man versuchen ohne Geld zu wirtschaften. Das geht bestimmt.

Nur Gewinn fällt dann also Größe und Kriterium völlig weg. Der arme Herr Ernst Ulrich von Weizsäcker - postuliert noch immer genau das Gegenteil - höhere Preise. Warum erzeugen denn die Märkte, die angeblich alles so toll wie von selbst regeln, für ein hochwertiges und aufwendig (Wasserverbrauch, Futter) zu produzierendes Produkt wie Fleisch, keine entsprechend hohen Preise???

Nun, weil es bewusst so gemacht wird (Massenproduktion, Ausbeutung der Natur, unwürdige Tierhaltung), dass es so billig ist wie nur möglich. Das ist das Kriterium. Das bestimmt letztlich den Marktpreis. Die Forderung nach höheren Preisen ist typischer Populismus und schlichtweg Leuteverdummung, um das System weiter am Laufen zu halten, anstatt es in Frage zu stellen.

Tiefendenker 29.08.2012 | 13:32

@QUERDENKER

Natürlich ist an diesem Argument was dran. Die Leute sind aber ALLE auf Konsum geeicht wie die Stechuhren. Nicht nur das "Prekariat". Gerdae die Reichen lieben "shopping" und geben Unsummen für den großten Schwachsinn aus. Die prekäre Masse hat hingegen gar nicht das nötige Kleingeld dafür und muss eher sehen wie es über die Runden kommt.

Das ist Ausdruck einer zutiefst fetischkonstituierten Gesellschaft. Die Werbeindustrie und ausgefeilte psychologische Tricks (Anordnung von Artikeln im Supermarkt, Beleuchtung, Promies in der Werbung usw.) sorgen dafür, dass es weiter so bleibt. Konsum ist des Bürgers zweite Pflicht (nach Arbeit)!

l.lorenzen 29.08.2012 | 15:35

@verquertdenker

"Jeder "Firmenbesitzer und Aktionär" würde sich freuen, wenn "nur so viel und vor allem das produziert würde, was die Mehrheit der Menschheit wirklich braucht", das wäre nämlich hoch effektives Wirtschaften für einen Massenmarkt, und damit gut für die Gewinnmarge."

Was du beschreibst nennt sich Planwirtschaft.

"Wenn man den Eliten etwas vorwerfen kann, dann dass sie das Bevölkerungswachstum auf der Welt bei der Durchbringung des Prekariats nicht im Blick hatten. Bevor man über eine "demokratische Wirtschaft" diskutiert, sollte man darüber diskutieren. Alles andere ist sekundär. Die Zeitbombe tickt"

Das sogenannte Prekariat verbraucht Ressoursen, welche ihm nicht zustehen?

Oder wie soll man dich jetzt verstehen??

EnidanH 29.08.2012 | 15:52

Ich würde das jetzt nicht Quatsch mit Soße bezeichnen, aber es geht schon die Richtung. Die Hauptsache einer erwähnt mal das Wort Elite, ganz im Sinne der 80iger, "viel Feind viel Ehr".

Was wäre denn die Alternative des Autoren? Ressourcen und Rohstoffe vertickern? So nach dem Motto, je wertiger desto preiswerter?

Oder wie soll das Geschäftsmodell aussehen? Die, die am meisten verbrauchen sollen mehr zahlen, die, die mehr auf dem Konto haben sollen mehr zahlen (wer legt dann fest, was "mehr" ist? Frau Kipping?)?

Meiomei, wir verpuffen eine begrenzte Ressource bis zum Gehtnichtmehr und dann ist das auch noch zu teuer.

Gerecht wäre, wenn die Stromkonzerne die Umstellung auf Alternativen zahlen, ja, das wäre gerecht. Aber das passiert nicht, und das liegt nicht an sogenannten Öko-Eliten, sondern an Wirtschaftseliten.

Wie gesagt, die Hauptsache mal die alten Feindbilder ausgegraben, immerhin ist ja auch bald Wahlkampf. Sorry Freitag, ich kann dich einfach nicht ernst nehmen, traurig, ist das, das Potential, was da nicht ausgeschöpft wird.

Sisyphos Boucher 29.08.2012 | 16:15

Sie haben den Artikel in seinen tatsächlichen Dimensionen nicht verstanden. Die Konsequenz aus der richtigen Problematisierung ist gerade ein Modell, dass kein Geschäftsmodell ist.

Es werden außerdem keine Feindbilder aufgemacht, sondern es wird verständlich dargestellt, dass man Ökologie nicht ohne das Soziale und dieses nicht ohne das Ökonomische denken kann. Weizäcker und andere Protagonisten der ökologischen Eliten denken das Soziale, wenn sie es denken, in abgrenzenden und ausgrenzenden Kategorien.

Es geht schlichtweg um eine andere Art des Wirtschaftens, die nicht um irgendeines Geschäfts wegen veranstaltet wird, sondern um der Deckung elementarer und daraus folgender sekundärer, sich aus tatsächlicher Fortschrittsnotwendigkeit ergebender Bedürfnisse.

Können Sie mir einen vernünftigen Grund dafür nennen, dass es in deutschen Großstädten innerhalb eines Quadratkilometers acht bis zehn Supermärkte geben muss?

Oberham 29.08.2012 | 16:54

Meiner Meinung nach geht es schlicht um nichts weiter als die Etablierung radikaler Möglichkeitsgrenzen.

Dem Gewinner soll alles gewärht sein, was irgend darstellbar ist.

Die Verlierer sollen gefälligst dafür sorgen, dass es ihm zur Verfügung gestellt wird - dabei dürfen sie aber künftig nicht mehr die Umwelt wie bisher belasten.

Die schöne neue Welt der Gewinner sieht einen freien Luftraum für Privatjets, menschenleere, saubere Gefilde dorf wie sich die Natur am schönsten zeigt - inklusive einer perfekten Infrastruktur für Sport, Erholung und Individualmobilität - kurz - das Paradies soll gefällist gegen den Mob abgeschottet werden und zwar gründlich.

Der Mensch mit Möglichkeiten denkt nicht darüber nach, wie er eine ökologisch nachhaltige und ökonomisch gerechte Welt schaffen könnte, sondern er reflektiert, wie er das ultimative Event genannt Luxusleben, einer kleinen Elite ermöglichen kann.

http://oberham.wordpress.com/2012/07/10/die-welt-der-halbgotter-warum-mensch-ungleich-mensch-ist/

Giuseppe Navetta 29.08.2012 | 17:00

Querdenker marginalisiert meines Erachtens verteilungstheoretische Aspekte/Probleme zugunsten einer vermeintlich oder tatsächlich vorhandenen "demographischen Frage" - eine häufig anzutreffende Argumentation, um das Problem relativer Ausbeutung zu umgehen, die, ob man sie nun systemimmanent oder nicht diskutiert wird, als Tatbestand bestehen bleibt. Es ist immer dieselbe Art letztendlich auch von Selbstbetrug, ähnlich wie z.B. jede Art von verteilungsneutraler Lösung der Finanzkrise.

Oberham 29.08.2012 | 17:28

diese andere Art des Wirtschaftens könnte auf wohl mehr als die Hälfte der heutigen Prozesse verzichten - würde man stattdessen diese Kraft in globale Lebensqualität lenken - eine der vielen positiven Utopien würde wohl Realität.

Alleine für Überwachung, Kontrolle, Exekutive Feuerkraft müssen wir ca. 30 % unserer Lebensleistung aufbringen - damit erarbeiten wir sozusagen die Gitterstäbe des Käfigs in dem die Mehrheit gefangen ist - einige ganz wenige schaffen es geistig so gelenkig zu werden auszubrechen - andere dürfen sich freikaufen dank ihres Reichtumgs.

Eine vernünftige ökologisch-ökonomische Sozietät aller Menschen bedürfte keiner Armeen, keiner Verwaltungsarmada, keiner Politschranzen, keiner Juristenheere, keiner Finanz- Steuer- Wirtschaftberaterheere, wir hätten keinerlei Hunger, würden gesund und vielfältig Essen und Trinken, würden die Erde alle als etwas spannendes und zu achtendes erleben, wären uns selbst nicht mehr ganz so wichtig, dafür würden wir aber einander wichtiger nehmen - ich bin sicher wir könnten 7 Mrd Menschen oder mehr mit Individualmobilität, Freiheit, Forschung, Entwicklung, gesundem und sicherem Wohnen, Kommunizieren, Erleben und Genießen auf der Erde antreffen, die wohl wesentlich rascher die Welt der Natur durchdringen könnten, als dies jetzt geschieht - angesichts dessen, dass wir nicht annähernd das Potential unserer Intelligenz nutzen, bleibt man doch einfach perplex stehen und schüttelt den Kopf - warum ändert der Mensch sich nicht - warum schlägt er all diese Chancen aus - wozu - um sich mit perfiden Dingen die Hölle auf Erde zu schaffen, damit einige wenige die Dummheit der Verschwendung auf die Spitze treiben können.

pleifel 29.08.2012 | 19:09

"Dazu würde es aber gehören, über eine demokratische Wirtschaft zu diskutieren."

Das ist einer der "Knackpunkte". Feindbilder brauchen wir aber nicht. Allein aus der Beobachtung der Wirtschaftskrisen, der ungerechten Vermögensverteilung, der Klimaentwicklung, der Desertifikation, der Umweltverseuchung, der Überfischung der Meere, der Artenvernichtung, der Monokulturen, der Enthumanisierung des Menschen über die neuen Mechanismen von Arbeitszwang und Manipulation, der Rüstungshaushalte, der Aushöhlung der Menschenrechte usw.. Die Liste lässt sich fortsetzen.

Eines ist klar: so kann es nicht weitergehen. Wir werden die Krise aber nicht über die Preise, über individuelle Ökoverhaltensweisen, über Rückzug in die Alternative, über meditative Einkehr und Appelle an die Tugenden lösen können.

Da bei der Bezeichnung Planung immer bei einigen die "rote Lampe" angeht, möchte ich doch mal auf die Tatsache aufmerksam machen, dass wir schon längst in einer neuen Planwirtschaft angekommen sind. Jeder Konzern mit Hunderttausenden von Angestellten, verteilt über die Welt, kommt ohne Planung überhaupt nicht aus. Diese Konzerne haben nur die "Freiheit" der kleinen "Führungselite" ggf. Milliarden in den Sand zu setzen. Das nennt man dann die "Selektion des Marktes". Und das soll nicht besser gehen?

Im Buch von "W. Paul Cockshott/Allin Cottrell: Alternativen aus dem Rechner, für sozialistische Planung und direkte Demokratie ist sehr gut ausgearbeitet worden, wie in einer neuen demokratischen Wirtschaft die Vorteile von Planung und Markt verbunden werden können.

Es ist ja nicht der Ressourcenmangel (es gibt genügend Menschen, die das berechtigt so sehen), der uns in die Krise treibt. Es sind die Mechanismen unseres Systems mit Wachstumszwang und Produkterneuerung, die unabhängig von unseren Bedürfnissen ablaufen.

In einer neuen geplanten, demokratischen Wirtschaft, wo elementare physische Bedürfnisse der Menschen abgedeckt werden und damit erst die individuelle Menschenwürde eine Grundlage bekommt, ist eben keine neue "Zwangskollektivierung".

Wer jetzt die Frage stellt, "Wer bestimmt denn über die Grundbedürfnisse?, dem antworte ich: bei Hartz IV und bei dem leistungslosen Einkommen der oberen zehn Prozent ist das heute kein Problem!

Mich erinnert diese Diskussion eher an: "Und täglich grüßt das Murmeltier".

karamasoff 29.08.2012 | 19:39

und wieder werden lösungen 1.ordnung vorgeschlagen und der diskurs geordnet und alle, die das spiel "wir spielen kein spiel" nicht mitspielen wollen und darauf hinweisen was falsch läuft, werden als schwachmaten und störenfriede abgekanzelt und ausgegrenzt und der homoöstat kapitalismus hochgejubelt als einzige "lösung, obwohl die lösung das problem darstellt und die familie "gesellschaft" verlagert fleissig ihre invarianzen und nullelemente und spielt und spielt und spielt...wie das ameisenvolk, das fleissig durch die welt geht mit glücklichen elementen ohne probleme, die nur nicht merken, daß sie längstt im kreis wandern und wandern und wandern und nicht merken, daß sie alngsam alle sterben, weil keiner mehr merkt, welches metasystem da gegangen wird.....

da hör ich jarvis cocker "cunts r still running the world" und lache alle aus...

ujanssen 29.08.2012 | 20:10

Was soll die billige Polemik in dem Artikel - Adel etc. und der Hinweis darauf, dass Löwenstein am Verkauf seiner Erzeugnisse verdient? Ich dachte der Stil der UZ aus den 1980er Jahren wäre langsam out.

Ich empfehle, das Buch von Löwenstein, Food Crash, zu lesen. Dann wird klar, dass es bei der Forderung, Fleisch müsse teurer werden, nicht um soziale Benachteiligung geht, sondern darum, alle Menschen auch künftig ernähren zu können. Ohne eine ökologische Wende wird nur die Gentechnik- und Junk food Industrie überbleiben, die dann mit ihrem Junk die Massen abfüllt.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 29.08.2012 | 21:27

Zum Grundtenor des Beitrags Zustimmung!

Kritik an der Gleichsetzung der in der Tat verlogenen Ökoreligion (deren Lobbyverbände wir die hochgiftigen und in den Sondermüll wandernden "Energiesparlampen" verdanken) mit Religion per se. Gehören der Ablasshändler Tetzel und der Mystiker Eckhart wirklich in eine Schublade?Wahrscheinlich doch eher nicht. Ein wirklich ökologisch lebender Selbstversorger will sicherlich auch nicht mit den Snobs aus grünen Bundestagsfraktion in einem Atemzug genannt werden.

Kulturhistorisch falsch ist es, wenn Sie über die Überreste des alten Adels schreiben, dann aber mit dem Wort "die Bourgeoisie" zum nächsten Gedanken überleiten. (Ehemaliger) Adel und Großbürgertum sind schon zwei paar Schuhe. Außer für Marxisten natürlich.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 30.08.2012 | 11:44

Das ist gefährlich unkonkret:

"Das würde bedeuten, dass nur so viel und vor allem das produziert würde, was die Mehrheit der Menschen wirklich braucht"

Ich habe in jüngster Vergangenheit schon viele Diskussionen dazu geführt: Fazit, der Gedanke eine Planwirtschaft sei eine sinnvolle Alternative zur Marktwirtschaft, ist nicht ausgestorben, leider.

Planwirtschaft funktioniert nicht, auch nicht demokratisch. Wer will schon wirklich darüber abstimmen welche Tampon-Größe und Saugkraft angemessen ist? Wer will die sich ständig ändernden Bedürfnisse korrekt vorhersagen? Davon abgesehen, dass das einen Großteil der (absolut notwendigen) technischen Entwicklungen abwürgen würde und viele Nischen nicht mehr bedient würden.

Vielleicht sollten wir erstmal die Politik demokratisieren, dann können wir alle gemeinsam auch Vorgaben für die Umweltpolitik beschliessen, ebenso soziale Standards. Man muss das Kind ja nicht immer gleich mit dem Bade ausschütten, auch wenn wir Deutschen zur Prinzipienreiterei und krankhaften Perfektionismus neigen.

Wie man marktwirtschaftskonform das fatale Diktat des Wachstumszwangs beseitigt, dazu hat der Langweilerblog einen Vorschlag:

http://langweilerblog.wordpress.com/2012/06/19/utopia4-vollbeschaftigung-zweiter-anlauf/

karl-polanyi 30.08.2012 | 11:47

Die Preise für Ressourcen und Energie spielen nicht die wahren Preise wider und sollten daher schrittweise steigen, bis die "externen Kosten" (Schäden für Mensch und Natur) eingepreist sind. Die aktuelle Debatte um den Strompreis bietet ein gutes Beispiel: Erneuerbare seien viel zu teuer. Addiert man jedoch die externen Kosten zu Strom aus Kohle und AKWs dazu, sind erneuerbare schon heute viel günstiger!

Natürlich ist es wichtig, dass Energie auch für sozial schwache Schichten bezahlbar bleibt. Aber (!) das ändert nichts an der Tatsache, dass Energie heute immer noch zu billig ist und damit verschwenderisch umgegangen wird. Es bestehen kaum Anreize zum Strom sparen. Kaum jemand weiß überhaupt wie viel er überhaupt für Strom bezahlt. Zudem verfügen die meisten Menschen immer noch über genug Geld um sich die Wohnung mit elektronischem Wohlstandsschrott vollzustellen.

Natürlich sind von höheren Energiepreisen Besserverdienende weniger stark betroffen. Man sollte die Frage der wahren Energiepreise aber nicht mit der Frage, ob es sozial gerecht ist, vermengen. Es spricht schließlich nichts dagegen hier einen Ausgleich (Umverteilung) zu schaffen. Das Konzept des ökologischen Grundeinkommens ist dafür sehr geeignet.

Also bitte: Allen Bürgern - egal wie Einkommenstark/-schwach - einen Anreiz geben Energie zu sparen.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 30.08.2012 | 12:01

Mit Verlaub: Blödsinn.

"dass wir schon längst in einer neuen Planwirtschaft angekommen sind. Jeder Konzern mit Hunderttausenden von Angestellten, verteilt über die Welt, kommt ohne Planung überhaupt nicht aus."

Äpfel und Birnen? Oder wie war das? Wieso dieser unsägliche Vergleich so populär ist, verstehe ich nicht.

Natürlich plant ein Konzern, der Unterschied zu einer Planwirtschaft ist jedoch, dass diese Planung auch in die Hose gehen kann und der Marktteilnehmer dann uU als Anbieter verschwindet oder seine Planung sehr zeitnah umstellen muss, während in der Zwischenzeit ein anderer einspringt.

DIE Grund-Probleme bei Planwirtschaften:

1) mangelnde Redundanz und Kettenreaktion bei Ausfall (und damit extreme Ineffizienz)

2) mangelnde Geschwindigkeit bei der Problembeseitigung und Änderung der Bedürfnisse (da kein wirtschaftlicher Druck)

3) mangelndes Interesse an (auch an sinnvoller) Weiterentwicklung (viel Aufwand für die Entwicklung und Produktionsumstellung, wenig Lohn dafür)

4) kein Interesse effizient zu arbeiten und z.B. zu automatisieren

"In einer neuen geplanten, demokratischen Wirtschaft, wo elementare physische Bedürfnisse der Menschen abgedeckt werden"

Ja Danke. Leere Regale, Mode von vor 10 Jahren. Veraltete Technik. Obwohl, wer braucht überhaupt Mode und wer Technik? Kartoffeln und Mehl reichen um "die existentiellen Bedürfnisse" zu stillen.

"Wer jetzt die Frage stellt, "Wer bestimmt denn über die Grundbedürfnisse?, dem antworte ich: bei Hartz IV und bei dem leistungslosen Einkommen der oberen zehn Prozent ist das heute kein Problem!"

Alle auf das Niveau von H4-Empfängern? Und das wäre ein Fortschritt? Dass H4 eine Missgeburt ist, keine Frage, aber mit einer Fehlentwicklung eine andere argumentativ zu stützen, dazu gehört schon was.

Oberham 30.08.2012 | 12:06

Es würde schon genügen offensichtliche Obsoleszenz abzuschaffen, offensichtliche Lügen im Marketing zu sanktionieren, kurz wahre Verbrauchermündigkeit herzustellen.

State of the Art ist der flächendeckende Versuch, die Verbraucher zu manipulieren, gar sie zu belügen und zu betrügen.

Wir wünschen uns die Mündigkeit, doch angesichts des Trommelfeuers das unsere Sinne von allen Seiten traktiert, ist es wahrlich schwer, sich diesem Wahnsinn zu entziehen - wohl möglich - nur - ein klein wenig Bequemlichkeit und Entspannung braucht ein normal Werktätiger eben - gerade dann greift die Marketingmaschine an.

Was hier oft fehlt, ist die Empathie mit Menschen die in der Mühle eines gnadenlos stumpfsinnigen Prozesses ihr Geld verdienen müssen - das dürften wohl weit mehr als die Hälfte der Berufstätigen sein - die sind eben leichter verwundbar, als der Herr Dozent an der Uni - nur - die Masse bestimmt das Konsumverhalten (wobei die privilegierten meist genauso ignorante und dümmliche Konsumenten abgeben - denen kann man es nun wirklich vorhalten!)

exkoelner 30.08.2012 | 12:09

Gemeinwohl Ökonomie - könnte eine Antwort sein. Was Felber in seinem Buch beschreibt, zeigt ziemlich deutlich das solange keine Änderung der Bilanz im Wirtschaften erfolgt, ist das System mit dem wirtschaftet egal - es wird immer das Gleiche dabei rauskommen - Ungerechtigkeit und dem Gemeinwohl widersprechendes. Wenn eine Unternehmung Gewinn in Anhäufung von Zahlungsmitteln definiert, wird sie immer bestrebt sein zu Recht und auch zu Unrecht es jemanden weg zu nehmen - wenn dabei zufällig ein Teil der Gesellschaft profitiert, hübsch, wenn nicht - auch egal. So ist die Definition derzeitigen wirtschaftens. Wenn ich gesellschaftliche Ziele mit der praktizierten Wirtschaft unterstützen, befördern will, muß das in die Bilanz mit einfliessen - woher sollte sonst die Bestrebung dieses Ziel zu erreichen sonst kommen?

Also als eine seiner Ideen, Zinslose oder Zinsgünstigere Kredite an Unternehmen, die hohe Bilanzwerte erreichen, die beinhaltet den positiven Umgang mit den Mitarbeitern, eine gute Umwelt-Bilanz und Produkte die der Gesellschaft nutzen unmd nicht schaden (als einige der in der UN mal beschlossen Ziele von Wirtschaften) und höhere Zölle oder höhere Kreditzinsen für Unternehmungen, den die Prosperität der Gesellschaft in der sie verkaufen oder produzieren wollen, egal ist.

Ein noch so ambitioniertes wirtschaften mit alten Regeln, die stumpfsinnig die blosse quantitative Anhäufung von abstrakten Zahlungsmitteln, dessen Wert dann wieder von dubiosen Wertpapier-Börsen und Ratingagenturen bestimmt wird, wird immer zum gleichen führen - aber sicher nicht zum Wohle aller.

Das man so auch im heutigen Umfeld wirtschaften kann zeigt nicht nur die Cooperative Mondragon, das 7. größte Unternehmen Spaniens, sondern wenn man mal nachliest, warum und wie die Raiffeisenbanken, Sparkassen, etc. gegründet worden sind, wird man sehen das diese Gedanken in Deutschland schon vor über 100 Jahren in die Realität gebracht worden sind - jeder Großstadt-Mieter der in Zeiten der Gentrifizierung in "ach so spießigen" Wohnungsgenossenschaften moderate Miete und i.d.R. vernünftigen Wohnraum in zentraler Lage auf absehbar lange behalten kann, ist froh über die 100 Jahre alten Ideen ... wir müssen nicht jeden Tag das Rad neu erfinden.

Oberham 30.08.2012 | 12:51

... stimmt - die Ideen gibt es längst - viele sind sogar schon mehr als 2000 Jahre alt - schon bei Aristoteles kann man vieles zum gemeinnützigen Wirtschaften und Handeln finden und erlesen - die Überlieferungen eines Diogenes sind in etwa genauso alt.

Der Genossenschaftsgedanke lebt - nur leider wurden die meisten Genossenschaften im Zeitgeist zerrieben und die genannten Banken agieren wie der Mainstream - sie betrügen ihre Kunden allenthalben - lediglich die globalen Spielhallen sind wohl nicht - oder nur rudimentär in den Zentralen vorhanden.

.... das Traurige ist ja, es wäre so leicht - so vieles möglich - als Individuum kann ich ja hierzulande praktisch von heute auf morgen die meisten dümmlichen Prozesse verweigern - alleine der gesamtpolitische Wille ist wohl nirgends auf diesem Planeten vorhanden - wie absurd dies doch ist.

pleifel 30.08.2012 | 13:30

So ist das halt, wenn man unter Planwirtschaft die alten Bilder im Kopf hat. Um mit dem Ende anzufangen, Hartz IV war als Zuspitzung gemeint und nicht als akzeptierte Variante.

Es wird eben nicht vorgeschrieben, was ich individuell verbrauche und was es im Einzelnen ist. Die Produktionsmöglichkeiten können heute schon so variabel gestaltet werden, dass sie individuellen Vorstellungen gerecht werden. Es wird aber kein Problem sein, denn Grundbedarf an Lebensmitteln, Verschleißartikel (wird minimiert) zu ermitteln und effizient abzudecken.

Es wird genau das Gegenteil eintreten, was sie aufzählen:

Vorweg, es wird uns nichts mehr aufgeschwatzt an unnötigen Artikeln, die wir dann auch noch als wichtig und modern empfinden.

1) überflüssige Redundanz wird nicht benötigt, da unwirtschaftlich,

2) anderes Verständnis von Bedürfnis, dass sich durch Anforderungen von der Verbraucherseite ins Produkt und nicht umgekehrt entwickelt,

3) Weiterentwicklung richtet sich nicht mehr am Profit aus, sondern unterliegt den Interessen demokratischer Prinzipien des Gemeinwohls,

4) Ihr letzter Punkt ist eine Behauptung, die es noch zu beweisen gilt! Bis jetzt ist mir noch kein gelungenes Wirtschaftssystem untergekommen, wo der Mensch nicht im Druck des Systems zu Dingen gezwungen war, die nicht seinen Lebensbedürfnissen entsprechen. Mit anderen Worten, es wurden Systeme entwickelt, denen sich die meisten unterordnen müssen und nicht umgekehrt.

Wie ich schon mal am Anfang sagte, sie operieren mit alten Bildern von Planwirtschaft. Ich bin sicher, in einer Runde kreativer Köpfe (vis-a-vis), würden wir in überschaubarer Zeit ein theoretische Modell entwickeln, wo wir die Vorteile von Marktwirtschaft und Planwirtschaft verbinden können.

Solange wir uns im Schwarz- Weiß-Denken der alten Ideologien aufhalten, wird es auch nichts werden.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 30.08.2012 | 13:35

"Wir wünschen uns die Mündigkeit, doch angesichts des Trommelfeuers das unsere Sinne von allen Seiten traktiert, ist es wahrlich schwer, sich diesem Wahnsinn zu entziehen - wohl möglich - nur - ein klein wenig Bequemlichkeit und Entspannung braucht ein normal Werktätiger eben - gerade dann greift die Marketingmaschine an."

Das ist die Folge des Wachstumszwangs, den auszuschalten oder stark zu mindern, halte ich für sinnvoll. Der Langweilerblog macht dazu einen Vorschlag (siehe obiger Kommentar von mir). Es gibt sicher auch noch andere oder bessere.

Allein Planwirtschaft halte ich nicht für ein probates Mittel, da man dafür gleichzeitig viele der tatsächlich existenten (wenn auch gewohnten) Vorteile der Marktwirtschaft verliert.

"Was hier oft fehlt, ist die Empathie mit Menschen die in der Mühle eines gnadenlos stumpfsinnigen Prozesses ihr Geld verdienen müssen"

Keine Frage. Noch dazu, weil in D mittlerweile viele nur noch fürs Ausland arbeiten (Exportüberschüsse) ihren eigenen Wohlstand durch ihre Arbeit also kaum steigern. Auch halte ich eine 40+h Woche heutzutage nicht mehr für zeitgemäss (ich arbeite selbst auch nicht so viel), wenn man plötzlich mehr Zeit fürs eigene Leben hat, erscheint einem auch die Arbeit nicht mehr als so trostlose Zeitverschwendung.

Oberham 30.08.2012 | 13:58

... oh ich wollte kein Statement für die Planwirtschaft abgeben - mein Ansatz war - einzig einige Regeln zu ändern - meiner Meinung nach - würde dies schon genügen.

Problem: die Gesetzgeber sind eben nur Marionetten der Konzerne - die keinerlei Interesse an einer Veränderung - hin zu mehr Vernunft - haben zu scheinen. (... was ich unter Vernunft verstehe...)

Maximale Geldrendite ist in meinn Augen das Gegenteil von Vernunft (ich glaube die meisten hier sehen das so - ...)

Planwirtschaft ist, denke ich zumindest - immer zu unflexibel - selbst wenn man sie auf den Bereich des Grundbedarfs beschränken würde.

So oder So - ich fürchte wir haben als Menschen den Kampf gegen die Halbgötter längst verloren.

Zynisch würde ich sagen, lasst sie endlch den Kelch der Unvergänglichkeit leeren, auf dass sie die Milliarden von leidvollen Leben nicht mehr vorhalten müssen und ihre Dyspotie vom irdischen, immewährendem Zellhaufen implementieren.

Momentan ist für niemanden, als den Plutokraten der Tod ein schlimmerer Besucher ;-)......

Avatar
Ehemaliger Nutzer 30.08.2012 | 14:12

"dass sie individuellen Vorstellungen gerecht werden. Es wird aber kein Problem sein, denn Grundbedarf an Lebensmitteln, Verschleißartikel (wird minimiert) zu ermitteln und effizient abzudecken."

Und was ist *Grundbedarf*? Wer legt den fest? Was ist mit allen die andere Bedürfnisse haben? Wie gehst du mit Leuten um, die die anderen Bedürfnisse kommerziell befriedigen (in der DDR z.B. Pornos herstellten)? Demokratie, also das Mehrheitsprinzip, ist schon ein schmerzhafter Kompromiss in der Politik, aber bei den Produkten: danke nein. Die Marktwirtschaft ist dem bei weitem überlegen, man muss ihr nur sinnvolle Grenzen setzen.

Eine Planwirtschaft erledigt sich über kurz oder lang schon deshalb, weil die Dynamik fehlt. Der Osten konnte auch die Grundbedürfnisse befriedigen, im Vergleich zum Zustand von 1930 war er echt top, nur im Vergleich mit den Konkurrenzsystemen fiel er in allen Belangen (auch Umweltschutz und Arbeitsbedingungen) immer weiter zurück.

"Vorweg, es wird uns nichts mehr aufgeschwatzt an unnötigen Artikeln, die wir dann auch noch als wichtig und modern empfinden."

Was nötig und unnötig ist, kannst du kaum einschätzen, nicht? Die Generation 50+ findet vermutlich auch das Internet als verzichtbare Mode, ich nicht. Es hat die Welt verändert, und das überwiegend positiv.

1) überflüssige Redundanz wird nicht benötigt, da unwirtschaftlich,

Es sei denn eine Produktionskette fällt aus, nicht? Dann liegen im halben Land die Betriebe still, weil irgendein Teil fehlt. Und wehe einer der vielen Zulieferer hat keine richtigen Ambitionen, Alternativen gibts dann nicht mehr.

"2) anderes Verständnis von Bedürfnis, dass sich durch Anforderungen von der Verbraucherseite ins Produkt und nicht umgekehrt entwickelt,"

Naiv. Warum? Weil das eine Machtfrage ist. Heutzutage übt der Verbraucher eine gewisse Macht aus, indem er Geld ausgibt. In deiner Vorstellung ist er Bittsteller, im besten Fall kann er ein Volksbegehren starten, wenn er ein neues Produkt will oder ein altes ihm nicht mehr gefällt. Kanonen auf Spatzen.

"3) Weiterentwicklung richtet sich nicht mehr am Profit aus, sondern unterliegt den Interessen demokratischer Prinzipien des Gemeinwohls,"

Zum einen ist das jetzt größtenteils auch der Fall, schliesslich honorieren viele Verbraucher das aktionistische Innovationskarussell, ob dir das gefällt oder nicht. Zum anderen könnte man auch jetzt Forschung und Entwicklung viel stärker staatlich forcieren, etwa medizinische Entwicklung, dazu braucht man keine Planwirtschaft.

"wo der Mensch nicht im Druck des Systems zu Dingen gezwungen war, die nicht seinen Lebensbedürfnissen entsprechen."

Ein solches System gibt es auch nicht. Es gibt immer Arbeiten die niemand machen will, die aber benötigt werden. In der präindustriellen Phase ist das nur nicht so aufgefallen, wie das in einer arbeitsteiligen Wirtschaft der Fall ist.

Die Planwirtschaft der DDR deckte übrigens den "Grundbedarf" ab, zumindest das, was man an maßgeblicher Stelle dafür hielt. Gleichzeitig war sie derart ineffektiv, dass man Vollbeschäftigung (Männer und Frauen und mind. 40h Woche) benötigte, um das zu erreichen, wobei vieles (etwa Bausanierung) ständig hinten runterfiel (ein Betonklotz reicht zum wohnen).

"würden wir in überschaubarer Zeit ein theoretische Modell entwickeln, wo wir die Vorteile von Marktwirtschaft und Planwirtschaft verbinden können."

Dann mach mal und dann reden wir nochmal.

Es ist nicht so, dass ich ähnliche Ideen nicht auch hatte. Etwa eine genossenschaftlich organisierte Wirtschaft usw. man stößt immer an den Punkt, wo man entschieden muss, welche Firma/Genossenschaft etc. WIEVIEL (Geld, Arbeitskräfte, Rohstoffe) bekommt. DAS ist der Punkt, an dem die Prioritäten gesetzt werden. Im heutigen System ist das hochdynamisch und geschieht übers Käufervotum automatisch. Ich kann mir keine Planwirtschaft vorstellen, die das länger als nur kurzfristig überbietet.

"Solange wir uns im Schwarz- Weiß-Denken der alten Ideologien aufhalten, wird es auch nichts werden."

Planwirtschaften funktionieren in einer Welt begrenzter Ressourcen und Produktionskapazitäten nicht, das hat nichts mit alter Ideologie zu tun. Sie funktionieren auch demokratisch und mit viel Prozessorpower nicht (zumindest nicht auf absehbare Zeit). Die Gründe sind vielseitig: jeder befriedigte Wunsch führt idR zu einem neuen, die Menschen wollen Abwechslung und Auswahl, Innovationen sind nicht planbar, sondern treten sporadisch und unvorhersehbar auf (z.B. seinerzeit Computertechnik). Die Geschmäcker sind so verschieden wie die Ansprüche usw. usw.

Oberham 30.08.2012 | 14:17

... oh - ich denke so weit seid ihr gar nicht voneinander entfernt - (R.Rauch u. Du/Sie)...

Regularien sind ja im Prinzip auch schon Planungsinstrumente - das perfide am IST-Zustand ist - wir planen die völlige Vernichtung unserer sozialen Möglichkeiten, unserer Intellektualität sowie unserer Umwelt - fragt sich nur an welchen Faktoren wir zuerst zerschellen.

Die machtvollen Stimmen, sprechen eine komplett andere Sprache als viele hier - die leider ohnmächtig zusehen müssen - bestenfalls ihre kleine unmittelbare Welt anders gestalten.

Effizienz bedeutet - möglichst viel Output zu möglichst wenig Kosten - bei maximaler Rendite.

Die ökologischen Kosten werden weiterhin ignoriert.

Der Bedarf wird in völlig perfide Richtungen manipuliert - hier vergnügt mich sehr die weit verbreitete Manie seinen Körper zu modifizieren, ist es nicht wunderbar anzusehen wie manche lebenden Kreaturen eklektischen - sehr misslungenen - Skulpturen gleichen - wobei statt der Stilmischung die Mischung der Alterserscheinungen die Eklektizität bestimmt - herrlich - schauerlich - gruselig -....

ist es nicht eine Metapher für die Dummheit und den ewigen Wahn nach dem längerem Leben?

...(in vielen anderen Kommentaren und Texten wurde ja schon darüber geschrieben....)

Avatar
Ehemaliger Nutzer 30.08.2012 | 15:01

Na ja.

"Regularien sind ja im Prinzip auch schon Planungsinstrumente"

Ja, nur eben mit dem Unterschied, dass sie dem chaotischen Wirtschaftsprozess eine Leitplanke setzen, statt ihn gleich komplett auszutauschen. Ein minimalistischerer und demokratisch verwirklichbarer Ansatz.

"das perfide am IST-Zustand ist - wir planen die völlige Vernichtung unserer sozialen Möglichkeiten, unserer Intellektualität sowie unserer Umwelt - fragt sich nur an welchen Faktoren wir zuerst zerschellen."

Das perfide ist m.E., dass alle derart in ihrer Ideologie gefangen sind, dass sie glauben man dürfe und könne überhaupt nicht mehr regulieren (Globalisierung! Konkurrenz!). Imho eine vorübergehende Geistesschwäche.

Freihandel und Kapitalfreizügigkeit streben ja gerade den großen RESET an, der zu einem nationalen Rollback führen und auch der Demokratie wieder Geltung verschaffen wird. Hoffentlich nicht ganz so blutig wie beim letzten Mal (zweiter WK).

"Effizienz bedeutet - möglichst viel Output zu möglichst wenig Kosten - bei maximaler Rendite."

Was kein Problem ist, solange man der daraus resultierenden Ungleichverteilung konsequent entgegenwirkt. Effizienz kann außerdem auch bedeuten: mit weniger Einsatz die selbe Quantität erreichen (=weniger arbeiten, bei gleichem Wohlstand), nur stellt sich das eben nicht automatisch ein, dazu braucht es politische Vorgaben.

"Der Bedarf wird in völlig perfide Richtungen manipuliert - hier vergnügt mich sehr die weit verbreitete Manie seinen Körper zu modifizieren, ist es nicht wunderbar anzusehen wie manche lebenden Kreaturen eklektischen - sehr misslungenen - Skulpturen gleichen - wobei statt der Stilmischung die Mischung der Alterserscheinungen die Eklektizität bestimmt - herrlich - schauerlich - gruselig -...."

:-)

ZDF kultur? Gestern abend? Aber mit "perfide" und "überflüssig" muss man vorsichtig sein. Eine freiheitliche Gesellschaft zeichnet sich eben auch dadurch aus, dass man Minderheiten ihre seltsamen Neigungen leben lässt.

"ist es nicht eine Metapher für die Dummheit und den ewigen Wahn nach dem längerem Leben?"

Nein, nur für den Wahn zu glauben, man wisse was sinnvoll ist und was nicht. Denn gerade die Körper-Modifizierer sind eine Gegenreaktion aufs langweilige Angepasstsein.

Und längeres Leben wird es spätestens mit der noch ausstehenden Gentechnik-Revolution geben und uns vor ganz neue Herausforderungen stellen. Wir werden weiter Getriebene unseres eigenen Fortschrittes bleiben, wenn ihr uns auf diesem Weg nicht zufällig mal selbst auslöschen...

Oberham 30.08.2012 | 15:54

... ups - ein paar Missverständisse haben sich da eingeschlichen.

bezüglich Effizienz - ich wollte die derzeit vorherrschende - meiner Meinung nach fehlgeleitete - Interpretation dieses Begriffs darlegen.

Natürlich gäbe es völlig andere Auslegungsmöglichkeiten - wie ja von Dir kurz erwähnt.

Bodymodification (wie sie die Jugend und manche Erwachsene betreiben - als Ausdruck von individueller Lebensanschauung - ) meinte ich nicht.

Ich dachte vielmehr an Menschen der sogenannten Upper-Class, die mit 80 so aussehen, als hätten sich in ihren Körpern Teile von 10 - 70 jährigen Menschen eingenistet (von den Innereien ganz zu schweigen....).

Es gibt mittlerweile nicht wenige Menschen in diesen Kreisen die fast schon monströs daherkommen.

Vom materiellen Wahn, den diese Kreise vorleben ganz zu schweigen.

pleifel 30.08.2012 | 20:14

@Rupert Rauch und Oberham

Ich gehöre zur Generation 50+ und möchte aufs Internet auch nicht verzichten! Selbst Lochkarte und Lochstreifen sind mir noch bekannt.

Ich muss wohl Planwirtschaft in einen anderen Begriff transformieren. Und ich hatte gesagt, wir brauchen die Kombination von Markt- und Planwirtschaft. Ferner gehe ich von dem Fakt aus, dass es aufgrund unserer Produktivität keine Arbeit mehr für jeden geben wird. Was allerdings nicht bedeutet, dass es keine sinnvolle Beschäftigung für jeden gibt.

Ich versuche mal ein Beispiel: Im politischen Parlament wird nach gesellschaftlicher Diskussion entschieden, unser Verkehrssystem umzubauen. Dafür wird ein Großprojekt mit zeitlichem Horizont definiert, was den jetzigen Automobilfirmen die Möglichkeit bietet, sich umzustellen, bzw. ggf. zu schließen (Konversion). Die jetzigen Straßen werden mit Stromabnehmern verbaut, die über lokale, regionale und überregionale Schnellverbindungen verbunden werden. Jeder kleine Ort hat einen Platz, wo die "Kabinentaxis" geparkt sind und individuell genutzt werden können. Ziel wählen und einschlafen. LKW-Verkehr komplett auf die Schiene, bzw. in unterirdische Transportröhren (nur Container).

Das Projekt wird ausgeschrieben und das überzeugendste Konzept wird umgesetzt. Die beste technische Konzeption wird ohne Patentschutz von allen Firmen erstellt. Wir brauchen hier nicht hunderte von verschiedenen Automodellen, sondern standardisierte, komfortable Modelle in modularer Bauweise. Nach Einsatz des Systems gibt es noch Wartung und Austausch der Teile. Sollte es weitere technische Innovationen geben, wird über Veränderungen entschieden. Ansonsten zählt Langlebigkeit, Sicherheit und Umweltschutz. Das neue System verbindet Individualität mit Ressourcenminimierung.

Diese Form von Planung und Produktion ist nicht vom Markt und Konkurrenz getrieben, sondern von einer Zukunft, die allen gleiche Angebote und hervorragende Abdeckung individueller Mobilität ermöglicht. Keine tausende von Toten mehr im Jahr, keine Staus und keine Freaks, die sich im Straßenverkehr austoben können.

Meine Vorstellung bedeutet eben nicht das Abwürgen individueller Kreativität, genau das Gegenteil. Ich beabsichtige den Druck der Ökonomie aufzuheben, die die kreativen und gesunden Elemente des Menschen behindern. Jeder hat für irgendetwas ein Interesse oder Anliegen, wo er sich gerne einbringen möchte. Und die "Scheißjobs", die gemacht werden müssen, sind möglicht durch Technikeinsatz abzudecken, der Rest wird eben in verteilter "Ehrenarbeit" erledigt. Auch ich mit qualifizierter Ausbildung kann mal Müll fahren, Kloh putzen und was noch so anfällt. Wir sollten mal von unserem hohen Ross der "Unzumutbarkeit" absteigen. Da steckt der Bazillus des kapitalistischen Denkens drin.

Subsidiarität hat im neuen System absoluten Vorrang. Aber es wird großtechnische Projekte geben, die erst die Grundlage dafür schaffen müssen. Das wird aber nicht einfach wie in Stuttgart durchgedrückt, sondern demokratisch entschieden. Das allerdings muss erst noch gelernt werden und es wird nicht gelingen, solange das Kapital das Sagen hat.

Es geht nicht um Planung jeder kleinsten Produktionseinheit, wohl aber um die Grundstrukturen der Produktion und der optimalen Nutzung der Ressourcen. Letzteres möchte ich eben nicht privaten Kapitalinteressen überlassen.

Oberham 31.08.2012 | 08:23

... kann ich Dir zustimmen - unser Ökonomie müsste sich nicht Rendite zum Ziel setzen sondern schlicht vorgegebene Bedürfnisse (was ist unter Berücksichtigung einer gerechten, nachhaltigen Versorgung mit den gegebenen Resourcen machbar - im Prinzip ganz simpel die Transformationskurve - ohne Umverteilungskomponente) ermöglichen und immer weiter den Biosphärenprozessen anpassen (Bionik ist ja schon eine etnsprechende Idee).

Realität und Traum - leider kommen sie in größeren Gruppen nicht zusammen:http://oberham.wordpress.com/2012/07/31/von-der-realitat-gefressen/

pleifel 31.08.2012 | 11:26

Ich habe deinen Text im Link gelesen und stimme in allem zu. Ich hatte erst einen längeren Beitrag dort eingetragen, mich aber dann anders entschieden. Es ist genau dieses Problem der Zersplitterung vieler Menschen mit den richtigen Erkenntnissen und Erfahrungen, die allein oder im kleinen Kreis kämpfen, aber nur geringe Wirkungen erzielen (?? vielleicht ist es doch mehr, wir wissen es nicht).

Also was ich sagen wollte, betrachte mich als Gleichgesinnten. Ich wünsche Ihnen/ ihnen viel Glück bei ihrem eingeschlagenen Weg!

Ernst Ulrich von Weizsäcker 03.09.2012 | 11:50

Gestatten Sie mir, den Artikel von Daniel Kofahl kurz zu kommentieren.

Unzutreffend ist vor allem seine Behauptung, Weizsäcker könne sich verteilungspolitische Maßnahmen nicht vorstellen. In meinem Entwurf zum Fortschrittsforum und im viel ausführlicheren Kapitel 9 des Buches Faktor Fünf steht ausdrücklich ein Plädoyer für einen Sozialtarif. Mit diesem würden sich Wenigverdiener prozentual sehr viel besser stellen als die „Elite-Ökos“, zu denen Kofahl mich fälschlich zählt. Ferner sage ich, dass der Preisauftrieb nur gerade so rasch sein soll, wie die durchschnittliche Effizienzerhöhung. Das heißt: monatlich zahlt man im Durchschnitt immer gleichviel für Energie. Außer man gehört zu den Blöden, die ständig Steaks essen und die ganze Nacht Licht brennen lassen. Kofahl’s gesamter Artikel basiert auf seinen unzutreffenden und sinnentstellenden Behauptungen. Ich stelle mich sehr gern einer öffentlichen Diskussion, wenn der Autor den Mumm dazu hat.

Ernst Ulrich von Weizsäcker, Emmendingen

Tai De 11.09.2012 | 19:24

Sehr geehrter Herr von Weizsäcker,

Ihre Verärgerung glaube ich nachvollziehen zu können. Ich zweifle auch nicht daran, dass Sie ein kluges Buch geschrieben haben. Aber kluge Bücher haben wir schon viele. Eine kluge Energiepolitik - bisher jedenfalls - noch nicht, und das ist eine Frage an die Politik, an die Eliten, und auch an Sie.

Es ist gut, wenn Eliten und Normalbürger miteinander kommunizieren. Bedauerlich ist allerdings, wenn auch Menschen, von denen man Besseres erwarten würde, sich Prekariatsbeschimpfungen an die "Blöden, die ständig Steaks essen" leisten.

Und mit einem "Wer-hat-den-längsten"-Fehdehandschuh an einen Wissenschaftler, der sich - so vermute ich - auf dünnerem Eis bewegt als Sie, gewinnt auch keiner. Nicht einmal Sie.