Der Retter der Welt

Im Gespräch Der indische Schriftsteller Kiran Nagarkar über Indien als IT-Land, das Vorbild des Westens und gefährliche Selbstgerechtigkeit

Kiran Nagarkar ist der Verwandlungskünstler unter Indiens Schriftstellern. Ein Autor in zwei Sprachen, Marathi und Englisch. Ein eleganter Stilist, der mit spielerischer Leichtigkeit ernste Themen wie Fundamentalismus, Spiritualität und Moral verhandelt und die intellektuelle Provokation liebt. Nagarkar schreibt über die freie Liebe im schamhaften Indien und über islamische Wurzeln einer hinduistisch dominierten Gesellschaft. Er führt in mittelalterliche Paläste Rajasthans, in schäbige Mietshäuser von Bombay oder in ein kalifornisches Trappistenkloster. Fulminant ist sein 700-Seiten-Epos Krishnas Schatten, ein nur scheinbar historischer Roman über Liebe, Religion, Korruption und Reformstau. Und wer könnte amüsanter über Wassernot in einer Megalopolis schreiben als Kiran Nagarkar in Ravan und Eddy, einer Nachbarschaftsgeschichte im Bombay der siebziger Jahre. Gottes kleiner Krieger heißt sein neuer Roman, die Geschichte des gescheiterten Rushdie-Attentäters und Extremisten Zia.

FREITAG: Es ist verblüffend, vier Romane haben Sie geschrieben, drei sind auch auf Deutsch zu lesen, und jeder dieser Romane ist gänzlich anders als der vorige. "Ravan und Eddy" beginnt mit dem dramatischen Bild von einem stürzenden Kind. "Krishnas Schatten" mit einer vergessenen historischen Figur, dem fürstlichen Gatten der berühmten Dichterin Mirabai. Was stand am Anfang von "Gottes kleiner Krieger"?
KIRAN NAGARKAR: Ich wollte über Idealismus schreiben, über die Suche nach dem Perfekten, dem Absoluten, nach Utopien, die zu den seltsamsten Resultaten führen können. Ich begann also mit einer Figur, einem Idealisten, einem Absolutisten, der von der Idee der Perfektion besessen ist und von Gott als Symbol für Perfektion. Idealismus ist so etwas Rares heute, und dabei brauchen wir ihn dringend. Aber ich musste mich damit auseinandersetzen, dass er sich ins Negative wenden kann, und dann ist es weitaus verhängnisvoller, Idealismus zu haben als keinen zu haben.

Zia, die Hauptfigur des Romans, ist ein Extremist in allem, was er tut: in seinem Idealismus, seinem religiösen Glauben, anfangs als orthodoxer Moslem und hochtalentierter Mathematiker, dann als Trappistenmönch und erfolgreicher Börsenmakler. Was ist seine wahre Motivation? Welcher Motor treibt Zia von einer Idee zur nächsten?
Ein Motiv ist die Suche nach Reinheit, das ist der Moment, in dem sein Gott ins Spiel kommt. Zudem sieht er sich als jemand, der die Welt verändern kann, jemand, der die Führung an sich zieht, und es gibt einen Moment im Buch, als ein Guru, die graue Eminenz Shakti Muni, zu ihm sagt: Du bist der Retter der Welt, aber wer rettet die Welt vor ihrem Retter? Das ist, denke ich, eine der zentralen Fragen, die das Buch stellt.

Und die gilt für alle Weltverbesserer. Haben Sie eine Antwort?
Nein, ich glaube nicht. Meine einzige Antwort ist: Wenn Gerechtigkeit der Mühe lohnt, dann ist Selbstgerechtigkeit das gefährlichste, was es gibt. Wenn Zia in Glaubensfragen intolerant ist, dann ist mein Problem, dass ich intolerant gegenüber Intoleranz bin, und ich weiß nicht, was schlimmer ist. Letzten Endes sah ich mich beim Schreiben wirklich mit den eigenen Dämonen in mir konfrontiert, und hoffentlich findet auch der Leser Gemeinsamkeiten zwischen sich und Zia. Solche Spiegelbilder sind wichtig für mich in diesem Buch.

Obwohl er voller realistischer Elemente, voller aktueller Anspielungen auf Schlagzeilen, Filme und dergleichen ist, mutet dieser polyglotte Roman mit seinen Schauplätzen Indien, Afghanistan, Kaschmir und Kalifornien manchmal wie ein Märchen an.
Aber ja, ich bin ein Geschichtenerzähler! Ich will das Interesse meiner Leser fesseln, hoffe aber doch, dass hinter dem Märchen, etwas anderes hängen bleibt, dass sie meine Besorgnis, meine Fragen teilen. Aber wenn ich meine Leser nicht unterhalte und packe, dann habe ich wirklich versagt, dann wird alles andere irrelevant. Ich schreibe ja kein Traktat, ich erzähle eine Parabel ohne Botschaft. Ich habe absolut keine Botschaft. Ich weiß nur um die Zweideutigkeit und Ambivalenz allen Lebens. Das Buch ist von vielen Themen durchzogen, und wenn es irgendetwas gibt, was man daraus ziehen kann, dann hoffentlich das, was Amanats Romanfigur Kabir sagt, der heilige Dichter Indiens: Amanat stellt sich das Leben Kabirs vor und der sagt: Es gibt nur einen Gott und der Name ist: Leben. Nur das ist anbetungswürdig, alles andere ist unwichtig. Ich mag keine Botschaften, aber wenn irgendetwas die Welt retten kann, dann die Wertschätzung des Lebens.

Amanat, der Bruder Zias, wird Schriftsteller und Architekt, er arbeitet mit dem Vater. Er ist der Zweifler, der Gegenpart zu Zia. Wieviel von Ihrer eigenen Biographie, Ihrer eigenen Person steckt in diesem Bruder?
Jetzt haben Sie mich ertappt. Sie haben recht, ich baue, wie Amanat, auf den Zweifel, den Zweifel an der Welt und mehr noch an mir selbst. Eine britische Autorin machte eine interessante Bemerkung. Als ich sagte, Amanat scheint von Zweifeln verzehrt zu werden, antwortete sie: Nein, er wird befreit durch den Zweifel. Zia dagegen scheint unfähig, sich selbst in Frage zu stellen. Zweifel kann einen Menschen lähmen, aber ich denke, es ist besser, ein Zweifelnder zu sein als ein Wissender. Wenn Menschen glauben, alles zu wissen, was natürlich so viel heißt wie: Gott zu spielen, dann haben wir ein ernsthaftes Problem, und ich sehe, wie das geschieht: Auf der einen Seite haben wir jemanden wie BinLaden und auf der anderen das andere Extrem, Leute wie Bush Co, die alles wissen. Ich weiß nicht, was da besser ist.

Ein Hauptthema Ihres Romans ist religiöser Fundamentalismus, ist religiöse Gewalt. Brachte Sie die weltweite Rückkehr der Religion auf diesen Stoff? Oder das säkulare moderne Indien, das zeitweise zu einem Hindu-Staat zu werden schien, als die nationalistische BJP an der Regierung war?
All das vermutlich. Der wachsende Fundamentalismus der Hindus in Indien und auch der islamische Fundamentalismus. Heute gibt es in der indischen Politik fast eine Art Wettbewerb nach dem Motto: Welche Gemeinde kann ich für mich gewinnen? Selbst die Christen sehen sich gezwungen, ihre Stärke zu testen und fordern Zensur. Denken Sie an den Film "Der Da Vinci Code". Dazu gab es in Indien eine heftige Kontroverse. Es ging hin und her, und nach zwei Monaten hieß es schließlich: Der Film kann freigegeben werden, wenn er sich auf einen Roman beruft und nicht auf die Bibel. Er wurde also in ganz Indien erlaubt, aber binnen weniger Tage hatten ihn sieben oder acht Provinzregierungen verboten. Es wurde wirklich zu einer Affäre zwischen rivalisierenden politischen Gruppen.

Und ein paar Jahre vor dem "Da Vinci Code" sorgte die Hindu-Gemeinde dafür, dass Filme von Deepa Mehta verboten wurden.
Genau. Die Hindus übertrumpfen jeden. Aber vergessen Sie nicht, dass wir in einer Provinz einen muslimischen Minister hatten, der mehrere Millionen Dollar als Belohnung für den Kopf des dänischen Cartoonisten aussetzte. Die indische Bundesregierung unternahm rein gar nichts dagegen. Ich denke, das Ganze nimmt einen äußerst gefährlichen Verlauf.

Die Konflikte zwischen Hindus und Moslems sind wieder akut. Auf der anderen Seite zeigt sich Indien als ein Land, in dem fünf Weltreligionen verwurzelt sind und weitgehend friedlich koexistieren - Hinduismus, Islam, Buddhismus, Christentum und Judentum. Trügt dieses Bild?
Nein, es stimmt. Aber Politiker, die auf Stimmenfang sind, tun verheerende Dinge. Für mich ist die Rivalität zwischen Hindus und Moslems nichts als ein politischer Akt. Sehen Sie, wir hatten über tausend Jahre, um uns aneinander zu gewöhnen, wir haben so viel voneinander übernommen. Die Briten hatten allen Grund, die hinduistischen und islamischen Führer gegeneinander auszuspielen. So lange wir nicht vereint waren, konnten sie uns leichter beherrschen. Aber nun haben wir fast sechzig Jahre Unabhängigkeit hinter uns und unsere Lektion noch immer nicht gelernt, dass nämlich mit den Briten auch ihre Politik des "teile und herrsche" gehen muss. Wir gießen immer noch Öl in ein Feuer, das seit langem erloschen sein sollte.

Ist das der Grund, weshalb es im Juli zu den Anschlägen auf Vorort-Züge in Bombay-Mumbai kam?
Es ist keine Frage, dass die Terroristen dieser Anschläge verfolgt und aufs härteste bestraft werden müssen. Aber ist es nicht genauso wichtig zu fragen, wo wir einen falschen Weg einschlugen? Damals, vor vier Jahren, beim Massaker an Moslems in Gujarat? Oder bei der Zerstörung der Babri Moschee? Oder wenn wir jungen Kaschmiris zwar eine gute Ausbildung ermöglichen, sie dann aber ohne Jobs und ohne Perspektiven lassen? Unsere Polizei kann in ihren Häusern ein und aus gehen und sie haben keine Chance, dieses schreckliche Eindringen in ihre Privatsphäre zu verhindern. Aber nehmen wir einmal an, diese Bomben-Explosionen waren tatsächlich das Werk von Agenten oder Förderern aus Pakistan, was durchaus vorstellbar ist, sollten wir nicht auch dann alles tun, um die Klagen und Resentiments der Moslems zu beheben? Sollten wir nicht endlich das ins Gegenteil wenden, was die Briten ganz bewusst mit ihrer Politik des "teile und herrsche" anrichteten?! Das mag nicht alle Anschläge sofort stoppen, aber wir könnten schrittweise versuchen, das Vertrauen der Moslems zu gewinnen, nicht mit leeren Sprüchen, sondern mit konkretem Handeln. Ich bin nicht Narr genug zu glauben, das könnte die Terroristen bremsen, aber zumindest hätten wir dann die Gemäßigten auf unserer Seite. Allerdings muss ich betonen, dass auch die friedlichen Moslems dringend eine führende Rolle spielen und sich mit den säkularen Hindus verbünden müssen, damit wir irgendwann einmal lernen, einander zu vertrauen.

Sie sagten einmal, Gandhi führte uns mit seiner Idee von der Gewaltlosigkeit in die Irre, was meinten Sie damit?
Das ist natürlich ironisch gemeint. Ich bezweifle, dass es vor Gandhi eine größere menschliche Seele gegeben hat, höchstens Buddha. Mit irreführen meine ich, dass er uns ein paar Jahrzehnte lang glauben ließ, wir seien zum gewaltlosen Widerstand fähig und bereit, für den Glauben an die Kraft des Rechts anstelle der Macht, gewaltige Opfer auf uns zu nehmen. Aber schon vor seiner Ermordung haben wir uns abgeschlachtet. Gandhi verfolgte die Wahrheit mit den Mitteln der Gewaltlosigkeit, wir haben uns längst Lüge und Korruption zueigen gemacht.

Der Guru, eine dubiose Figur in Ihrem Roman, beklagt die Dominanz des Englischen, das jetzt in Indien wieder stärker wird, das heißt Englisch als die neokoloniale Sprache der Globalisierung, die indische Sprachen wie Hindi, Malayalam zurückdrängt. Wie sehen Sie die Koexistenz der vielen ethnischen Gruppen, sprachlichen und kulturellen Eigenheiten in Indien?
Ich sehe die Vielfalt als enorme Kraftquelle. Ich wurde von den Leuten meiner Muttersprache Marathi bedrängt und gefragt, weshalb ich ins Englische gewechselt habe. Und meine Antwort lautete immer: Warum fragt Ihr nicht, weshalb ich nur in zwei Sprachen schreibe? Obwohl mein Land 24 Sprachen hat, spreche ich nicht mal vier davon. Würden wir wenigstens vier Sprachen pflegen, aus dem Süden, dem Osten, wäre ich vielleicht in der Lage, in vier Sprachen zu schreiben. Aber mir ist klar, dass ich in keiner Sprache gut genug schreibe (lacht).

Ihr erstes Stück, ihr erster Roman entstanden auf Marathi, die letzten drei Romane auf Englisch, Sie haben also aufgehört, auf Marathi zu schreiben, weshalb?
Meine Mutter sprach fließend Marathi, Gujarati und Englisch, mein Vater fühlte sich im Englischen wohler. Zuhause unterhielten wir uns manchmal in zwei Sprachen, Marathi und Englisch. Nach den ersten vier Schuljahren ging ich in eine englischsprachige Schule und redete kaum noch Marathi, und das gilt bis heute. Als ich meinen ersten Roman schrieb, lernte ich Marathi neu. Nie zuvor war ich so tollkühn gewesen, mich schreibend an eine Sprache zu wagen, die ich mit fünf Jahren gelernt und später fast völlig ignoriert hatte. Vielleicht kamen meine Syntax, meine Ausdrücke, die stakkatoartigen Rhythmen, das fragmentarische Erzählen, die Rückblenden und Elipsen, die den Roman ausmachen, daher, dass ich in einer ungewohnten Sprache mit meinen Muskeln spielte. Heute kann ich nur schreiben, wenn ich eine Leserschaft habe. "Krishnas Schatten" zum Beispiel gewann den nationalen Literaturpreis der Sahitya Akademi und wurde in den letzten dreieinhalb Jahren oft übersetzt, doch kein Verleger in Marathi nimmt ihn auf. Aber ein Buch ist ohne Leser ganz und gar unvollkommen. Ich bin ja wirklich kein fordernder Mensch, aber ich will die ganze Welt als meine Leserschaft.

Wissen ist Macht. Wissen wird heute in Indien vor allem auf Englisch vermittelt, in diesem Wunderland Indien mit seiner New Economy. Mich würde Ihr Blick auf die gesellschaftlichen Entwicklungen interessieren, auf die Veränderungen der letzten fünfzehn, sechzehn Jahre, seit Indien sich von sozialistischen Konzepten abgewandt und wirtschaftlich geöffnet hat.
Ich glaube es war der Westen, der entschied, Indien solle sich lösen von seinem alten Image als extrem armes Land, in dem Menschen auf der Straße verhungern; ein Land, in dem Tiger, Kühe, Elefanten auf der Straße herumrennen und so weiter. Man beschloss, aus Indien ein IT-Land mit einer boomenden Wirtschaft zu machen. So schafft man, neben der amerikanische Hegemonie, ein machtvolles Gegenüber zu China, Indien ist immerhin die größte Demokratie der Welt. Ja, Indien hat sich verändert. Es gab eine gewisse Liberalisierung im Land, ein neues Selbstvertrauen. Aber gleichzeitig frage ich mich: Wen versuchen wir damit zu narren? Uns selbst? Es gibt den großen schleichenden Tod, die Unterernährung. Die Zahl unterernährter Kinder steigt. Hunderte von Bauern begingen Selbstmord, weil die genetisch manipulierten Baumwoll-Samen nicht so wie versprochen wuchsen und sie keine Ernte hatten. Das sind krasse Vorkommnisse, ich will das gar nicht vertiefen. Indien ist ein riesiges Land. Die Alphabetisierung, der Kampf gegen furchtbare Krankheiten, all das braucht Zeit. Der Westen hat manchmal Patent-Rezepte wie den Stop der Kinderarbeit, aber dann hungern die Familien.

Ich glaube nicht an Allheilmittel über Nacht. Ich wünsche mir nur, dass wir endlich aufhören so zu tun, als seien wir schon im Goldenen Zeitalter. Mir ist auch gleichgültig, was der Westen von uns denkt. Wir müssen für unsere Welt eine eigene Perspektive entwickeln. In der Literatur zum Beispiel haben die Inder überhaupt kein Selbstvertrauen, für uns geht die Sonne noch immer im Westen auf. Wir blicken immer auf den Westen und fragen: Hey, haben wir das gut gemacht?

Aber das betrifft nicht nur die Literatur, sondern auch den Alltag. Ich hatte den Eindruck, es gibt eine neue konsumfreudige Mittelschicht, aber die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander. Es gibt immer mehr Arme ohne jede Chance. Es gibt diesen Fortschritt, aber viele geraten völlig ins Hintertreffen.
Oh Gott, ich bin froh, dass Sie denen die Geschichte vom glitzernden Indien nicht abkaufen. Andererseits möchte ich nicht unterschlagen, dass auch positive Dinge geschehen. Aber, was Sie sagen ist wahr: Die Armen werden immer ärmer. Das Geld sollte in Bildung gesteckt werden. Doch statt große Summen in Erziehung und Bildung zu stecken, gibt es irgendwelche Quoten, damit diejenigen, die seit Jahrhunderten unterdrückt werden, Zugang zu besserer Bildung erhalten und nicht mehr auf Almosen angewiesen sind. Aber die Regierung legt kein Geld beiseite zur Verbesserung der Bildung oder der Wasser-Versorgung zum Beispiel.

In Ihrem Roman gibt es ein Reihe interessanter Fälle von Korruption, Immobilienspekulationen und ähnliches. Sie leben in Bombay, ein teures Pflaster und sicher ein gutes Feld, solche Veränderungen zu beobachten, die mit der Entwicklung der letzten 15 Jahre einhergingen. Können Sie da ein Beispiel nennen?
Oh ja, ein desaströses Beispiel. Sie wissen, mein Roman "Ravan und Eddy" handelt von den Chawls, den fünf-, sechsstöckigen Mietshäusern, die von den Briten errichtet wurden, und viele indische Industrielle der Textilbranche folgten diesem Modell. Nun aber sehen Sie, was in den letzten zehn Jahren geschah: Es kam kein Geld mehr herein, die Armen, die in den Chawls geblieben waren, litten unvorstellbar. Jetzt hat die Regierung die Erlaubnis erteilt, diese riesigen Flächen zu verkaufen. Ursprünglich war ausgehandelt worden, dass mindestens ein Drittel für die Armen zurückbehalten werden sollte, für Wohnungen und für die Infrastruktur, Bildungseinrichtungen, Sportplätze und dergleichen. All das ist jetzt vergessen. In Bombay, wo der Quadratmeter doppelt so teuer ist wie in Manhattan und Tokio, hat man nun riesige Freiflächen für die Reichen, um noch mehr Geld zu machen. Und natürlich wärmen die Politiker ihre Hände daran.

Aber Sie leben, trotz mancher Kontakte im Ausland, bewusst in Indien?
Ja, es ist wie eine Hassliebe. Letztlich denke ich, Indien überlebt Gott sei Dank all die Spaßvögel, die sich darin bewegen, mit mir angefangen.

Das Gespräch führte Cornelia Zetsche

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00:00 06.10.2006

Ausgabe 42/2021

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