Jürgen Busche
19.06.2017 | 13:11 31

Der Spieler

Helmut Kohl Den Bundeskanzler der deutschen und der europäischen Einheit haben viele unterschätzt

Der Spieler

Helmuth Kohl war ein begnadeter Spieler – auch und gerade in der Politik

Foto: imago/Sven Simon

Von Konrad Adenauer, dem großen Vorbild Helmut Kohls, gibt es die Bemerkung, ein guter Politiker müsse ein Spieler sein. Der erste und der sechste Bundeskanzler waren hervorragende Spieler. Kohl bewies dies nie erfolgreicher als beim Herbeiführen der Wiedervereinigung, die den Deutschen mitnichten einfach in den Schoß fiel. Er hatte es auch bewiesen, als er nach einem ersten vergeblichen Anlauf, Bundeskanzler zu werden, seinen Konkurrenten, den heute schon legendären CSU-Vorsitzenden Franz Josef Strauß ausmanövrierte. Nach dessen Scheitern hatte er freie Bahn. Doch um diesen Aspekt ganz zu würdigen, lohnt es sich, der Reihe nach vorzugehen.

Kohl, der nicht aus einem wohlhabendem Elternhaus kam, studierte im Hauptfach Geschichte, verzichtete aber darauf, wie viele politisierende Studenten, ein Lehramt zur Absicherung einer unsicheren Karriere anzustreben, und nahm einen Job in der Industrie an, der ihm Zeit für die Parteiarbeit ließ. In der CDU strebte er jede mit Abstimmungen verbundene Position so früh wie möglich an. Als er 1971, schon Ministerpräsident in Mainz, Bundesvorsitzender seiner Partei werden wollte, unterlag er Rainer Barzel. Doch als der mit seinem konstruktiven Misstrauensvotum gegen Willy Brandt scheiterte und hernach die Bundestagswahl verlor, rückte Kohl sofort vom zweiten auf den ersten Platz vor. Er hatte ein Spiel verloren, nicht die Partie.

Kohl galt damals als der reformfreudigste Länderchef in der Bundesrepublik und mit den Veränderungen, die er den Rheinland-Pfälzern zugemutet hatte, war er manches Wagnis eingegangen. Aber er gewann. Als er 1976 Kanzler werden wollte, erzielte die Union bei der Bundestagswahl ein gigantisches Wahlergebnis, aber es reichte nicht aus. Kohl ging trotzdem nach Bonn, und das schien ein Fehler gewesen zu sein. Denn gegenüber dem perfekten Kanzlerdarsteller Helmut Schmidt hatte er in der Performance keine Chance. Kohl wurde zur Witzfigur in der deutschen Politik. Dann begann er ein besonders riskantes Spiel. Für die Bundestagswahl 1980 – Gegner Helmut Schmidt – brachte er den niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht ins Gespräch, einen smarten aber dennoch blassen Politiker. Das trieb die Bayern auf die Zinnen. Sie, aber auch viele CDU-Leute in Kohls Bonner Fraktion wollten stattdessen Franz Josef Strauß. Kohl wechselte die Rolle vom Protagonisten zum Moderator und am Ende kämpferischer Tage sah sich der stets zögernde CSU-Matador als Kanzlerkandidat ausgerufen. Er verlor die Wahl deutlich. Und wieder rückte Kohl vom zweiten Platz auf den ersten vor. Nach zwei Jahren scheiterte Schmidt an seiner SPD und Kohl wurde mit Hilfe der FDP Kanzler.

Meisterstück Mauerfall

In diesem Amt schien Kohl lange Zeit glücklos zu agieren und so kam es dass 1989 auf dem Bremer Parteitag die Parteifreunde einen Putsch gegen ihn versuchten. Kohl brachte den schon im Ansatz zum Scheitern, weil er zuvor dessen Hauptakteur, seinen alten Freund Heiner Geissler, als CDU-Generalsekretär absetzte. Geissler hatte das nicht für möglich gehalten, denn er war in der Partei beliebter als Kohl. Aber jetzt fehlte in Bremen der Kopf der Bewegung und als es Kohl auch noch gelang, sich mit dem ungarischen Außenminister über das passende Timing für die Öffnung der ungarischen Grenze für DDR-Flüchtlinge zu einigen, war schon am Vorabend der Parteitages für Kohl alles klar.

Das Meisterstück gelang ihm wenige Monate später. Die Mauer fiel, die Nachfolger Erich Honneckers gerieten ins Schwimmen, alles wollte die Wiedervereinigung. Kohls europäische Partner wollten sie mit wenigen Ausnahmen nicht. Aber der Kanzler wusste, dass die USA bei den sich abzeichnenden Verwerfungen in Mittel- und Osteuropa nicht riskieren würden, die treuen Deutschen zu verärgern. Kohl musste nur aufpassen, dass die Europäer keine Gründe fanden, sich gegen Bonn zusammenzuschließen. Man braucht nur einige Seiten in den Memoiren der englischen Premierministerin Margaret Thatcher zu lesen, um zu begreifen, womit er es zu tun hatte. Aber es gelang Kohl, Thatcher vom französischen Präsidenten zu trennen – und die Gegner einer Wiedervereinigung zu isolieren.

Er durfte allerdings den Amerikanern nicht zu viel zumuten und er musste bei Michail Gorbatschow die Überzeugung wach halten, dass der sich für die marode Sowjetunion von den Deutschen mehr versprechen könnte, als von Franzosen, Engländern, Italienern und wem sonst noch zusammen. Zudem musste er unauffällig aufs Tempo drücken, weil die Situation in der DDR zu kippen drohte. Kohl gewann auch dieses Spiel. Und als Mitterand dafür die Abschaffung der D-Mark und die Einführung einer europäischen Gemeinschaftswährung forderte – gegen den wütenden Protest von Maggie Thatcher – war das für den Europäer Kohl kein Preis, den er zu zahlen hatte, sondern ein Bonus, den er oben drauf bekam.

Mit dem Versprechen an die Bürger in den neuen Bundesländern, dort würden demnächst überall blühende Landschaften entstehen, schien sich Kohl verzockt zu haben, denn diese kamen nicht über Nacht. Und wer schon immer den Kanzler verhöhnt oder verlacht hatte, fand jetzt Gelegenheit, den alten Umgang mit Kohl wieder aufzunehmen. Hinzu kam der Vorwurf, mit dem Versprechen gelogen zu haben. Tatsächlich gibt es seit langem in Sachsen oder Brandenburg oder Thüringen mehr blühende Landschaften als etwa im Ruhrgebiet oder Ostniedersachsen.

Im letzten Spiel die bitterste Niederlage

Aber als es so weit war, damit aufzutrumpfen, war Kohl schon nicht mehr Kanzler. Er hatte 1998 die Wahl gegen einen anderen vorzüglichen Spieler verloren: Gerhard Schröder. Erst hatte Schröder seinen Konkurrenten Oskar Lafontaine ausmanövriert, dann hatte er – von der Wirkung dieses Coups getragen – Kohl als alten Mann aussehen lassen, dessen Zeit vorbei sei. Dagegen hatte dieser keine Chance. Er musste abtreten.

Das letzte Spiel, das er wagte, verlor Helmut Kohl danach auf die bitterste Weise. In der Parteispendenaffäre, die seine Partei auf Ärgste belastete, glaubte er damit durchzukommen, dass er von einem Ehrenwort sprach, dass er einigen Spendern, die dem Kanzler Geld überreicht hatten, gegeben habe: ihre Namen sollten nicht genannt sein. Für die Plausibilität dieser Behauptung gab es einen Grund: Die SPD griff Spendengeber an die CDU stets massiv an. Aber jetzt gab es doch etliche in der Union, die Kohl nicht mehr folgten – und darauf beharrten, dass er sein Wort nicht über das Gesetz stellen dürfe. Alte Weggefährten wandten sich von ihm ab. Als dann noch sein Nachfolger als CDU-Vorsitzender, Wolfgang Schäuble , in den Spendensumpf geriet, erlebte er eine Überraschung.

Angela Merkel, eine junge Frau aus dem Osten, die Kohl zur Ministerin gemacht hatte, jetzt Generalsekretärin der CDU, zeigte, dass sie das Spiel, das ein Politiker beherrschen muss, inzwischen gut gelernt hatte. Sie erfasste die Gunst der Stunde und veröffentlichte in der FAZ einen Artikel, in dem sie die CDU aufforderte, sich von Kohl, der 25 Jahre lang der Vorsitzende gewesen war, zu emanzipieren. Damit war der Bann gebrochen. Wenig später war Kohl auch nicht mehr Ehrenvorsitzender seiner Partei. Er schied grollend aus Berlin.

Kohl war eine mutige Spielernatur. Aber er hatte sich – anders als andere Spieler – stets im Griff. Dabei half ihm, dass er hochgebildet war. Man übertreibt kaum, wenn man ihn den belesendsten Kanzler seit Adenauer nennt. Das Studium, das er bei bedeutenden Gelehrten mit der Promotion abschloss, war das anspruchsvollste im Vergleich zu dem seiner Politiker-Kollegen. Aber er vermochte nicht, das anderen zu zeigen. Gregor Gysi sagte, „die meisten Menschen können ja besser reden als denken. Bei Kohl ist das umgekehrt“. Ihn habe immer fasziniert, wie Kohl hinnimmt, „dass die meisten das nicht durchschauen.“ Da hat Gysi recht.

Kommentare (31)

Joachim Petrick 19.06.2017 | 14:28

Ob Helmut Kohl ein Spieler war?, vermg ich nicht einzuschätzen. Was er offensichtlich vermochte, menschliche und politische Fehler anderer in gewiefter Mainer des Belesenen, des Moderators als seinen Erfolg abzustauben als wäre nichts gewesen.

Den weltpolitischen Fehler Bundeskanzler Helmut Schmidts mit seinem Raketen- Nato-Doppelbeschlüss Pershing II, Cruise Missiles vs SS20/SS 22 Aufrüstungstick hat Kohl so gewieft abgstaubt, als geistig moralische Wende kommuniziert, dass davor verblasste, dass er genau diesen Nato- Doppelbeschluss im Vollbild exekutierte und so anfänglich vermeinte, er könne sich selber im ganzen Drumherum aufgewirbelten Staubs und blockübrgreifend friedensbewegten Tumuilts und FD-P. Mannen voran Hans-Dietirch Genschen, Graf Lambsdorff u. a. als verdächtige Partei-Spendensünder durch ein durchregiertes Amnestiegesetz Zuflucht vor staatsanwaltlichen Ermittlungen sein. Was dank SPD Linken im Bundestag misslang

https://www.freitag.de/autoren/joachim-petrick/walter-kohls-mut-zur-offentlichkeit-als-akt-der-versohnung
Joachim Petrick
14.07.2011 | 17:51 9
Walter Kohls Mut zur Öffentlichkeit als Akt der Versöhnung!

CDU, dank Helmut Kohl, vom Kanzlerwahlverein zur Volkspartei per Echternacher Springprozession, zwei Schritte vor, drei Schritte zum Kanzlerwahlverein zurück.

balsamico 19.06.2017 | 15:19

Die Wiedervereinigung war nicht sein Verdienst, er war nur gerade da. Man denke nur an seine grandiose Fehleinschätzung über "blühende Landschaften." Auch die Peinlichkeit der "Gnade der späten Geburt" ist unvergessen. Und sein „System Kohl,“ mit Bimbes und Spendenaffäre, war eines demokratischen Rechtsstaats unwürdig. Auch was Europa anbetrifft, so war er alles andere als ein Visionär. Europa ist eine teure Bruchbude mit deutlichen Zerfallserscheinungen (Brexit, sog. Flüchtlingspolitik). Die politische Einigung liegt in weiter Ferne. Der Euro ist eine künstliche Währung mit geringer Akzeptanz; die von Kohl geopferte Bundesbank nur noch ein Schatten ihrer selbst, neben einer EZB, welche die wirtschaftlich schwachen Südländer päppelt und Sparer kujoniert. Alles in allem hätte man Kohl in der deutschen Nachkriegsgeschichte und auch in der europäischen Geschichte gut entbehren können. Wenn der Hype um seine Beisetzung vorbei sein wird, interessiert sich nur noch die Regenbogenpresse für seine Familiengeschichten. Die anderen müssen sehen, wie sie mit seiner verkorksten politischen Hinterlassenschaft fertig werden.

anne mohnen 19.06.2017 | 16:50

Im Beitrag aus 2011 fädeln Sie die Koh-Ära nochmals auf. Nicht als Abrissbirne à la Schröder kam erzu Fall, die 'Birne' wurde f'aul' und 'ungenießbar' qua Ehrenwort.

Für ist diese 'bleiernd' lange Zeit eine der Hauptgründe, warum sich das Land so entintellektualisieren konnte, steht für mich H.Kohl. 1998 stank der Stillstand wie grüne Algensauce zum Himmel.Inzwischen hatte sich die SPD schon so entkernt , dass jemand wie Schröder gewählt wurde.

anne mohnen 19.06.2017 | 18:05

Meine Schwester und ihre Freunde, erinnere ich mich dumpf, haben mal nach seiner Doktorarbeit gefahndet. Vergeblich! ;)

Mit seinen Kindern ist Kohl wohl so umgegangen wie mit seinen “Feinden“. Da hing ihm seine eigene Sozialisation arg in den Knochen. Immerhin soll Kai Diekmann dem Sohn die Türe geöffnet haben. Das war anständig und klug auch in Hinblick darauf, dass die Beerdigung nicht diesen Makel bekommt, der auf der Brandt-Beerdigung lastet(Ausladung von Ruth Brandt)

Holmgard 19.06.2017 | 21:34

Helmut Kohl war ein großer Diplomat, sowohl handwerklich als auch vom Ergebnis her. Er hat ohne einen Schuß abzugeben und unter wohlwollend bis zähneknirschender Zustimmung aller Beteiligter, darunter sämtlicher Siegermächte und Frankreichs vereinigt, was von Bismarcks Kleindeutschland übrig war und West- und Osteuropa verbunden. Das ist schlicht und einfach eine Jahrhundertleistung. Er ist völlig zu Recht Ehrenbürger Europas. Dass seine äußerliche biedere Strickjackigkeit linke Spießer und Antideutsche hierzulande provozierte, ändert daran nichts. Er war ihnen turmhoch überlegen konnte ebenfalls von Herzen verachten.

apatit 20.06.2017 | 08:19

"Er hat ohne einen Schuß abzugeben"... UND "Dass seine äußerliche biedere Strickjackigkeit linke Spießer und Antideutsche hierzulande provozierte, ändert daran nichts. Er war ihnen turmhoch überlegen konnte ebenfalls von Herzen verachten."

"Und diejenigen DDR-Buerger die die Waffen zur Erhaltung des ungeliebten Systems besassen waren zurueckhaltend genug auf deren Anwendung zu verzichten. Und dieses sollte, so meine ich, bei ihrer kuenftigen Beurteilung zumindest mit in Betracht gezogen werden."
1994-11-10 Rede des Alterspraesidenten Stefan Heym zur Konstituierung des 13. Deutschen Bundestages Stefan Heym

.... Das sollte aber auch gesagt und nicht unterschlagen werden!

Es gibt auch noch andere GROßE DEUTSCHE und oft sind es die "kleinen Leute" und nicht nur die " Elite " !!!

Joachim Petrick 20.06.2017 | 13:03

"Meine Schwester und ihre Freunde, erinnere ich mich dumpf, haben mal nach seiner Doktorarbeit gefahndet. Vergeblich! ;)"

Gab es in Zeiten mittelalterlicher Ordinarien Universitäten , dem Zunftwesen zum Bilde, in denen helmut Kohl noch studiert hat, womöglich Doktortitel per Akklamation "Alles weitere mündlich" wie Heiner Müler zu Lebzeiten in ganz anderen Zusammenhängen gerufen haben würde?

Holmgard 20.06.2017 | 14:45

Da haben Sie nicht Unrecht. Allerdings geht es in diesem Artikel aus der Feder des Herrn Busche doch wohl und aus einem bestimmten Anlass um Helmut Kohl. Und zu Helmut Kohl habe ich mich geäußert. Seine innenpolitischen Gegner waren übrigens westdeutsche Linke, und die innenpolitischen Gegner der von Ihnen beschriebenen Leute in der DDR waren der bösartige Teil der DDR-Spitze (will allerdings nicht mal die über einen Kamm scheren, so einer wie Stoph war bspw. kein widerwärtiger Verbrechertypus wie Mielke, Honecker vor allem erbärmlich, aber nicht genuin abartig, Schabowski ist sogar später zum bösen "Klassenfeind" in die CDU eingetreten, in der ein typischer Faschist wie Norbert Blüm den Sozialstaat ausbaute...)

Akzeptiere ich was Sie anmerken, durchaus, möchte mich allerdings dennoch gegen etwas verwehren, was man das "DDR-Volksniederschlagungsnichterfolgtseinsheldentum" nennen könnte, sprich: gewissermaßen aus dem nicht erfolgten Schießbefehl des Jahres 1989 ex post und seitens derer eine Heldengeschichte zu machen, die den Schießbefehl befolgt hätten. Ich weiß nicht, ob das in Ihrem Fall zutrifft, aber Sie klingen fast so. Sie dürfen mich gerne korrigieren.

Und wenn man sich die Geschichte von DDR und BRD objektiv- gesamtdeutsch anschaut, dann doch bitte unter dem Hinweis, dass beides Besatzungskonstrukte waren und sind und unter gedanklicher Einbeziehung des gesamten kulturdeutschen Raumes, sprich: Österreichs, was ich mit der Formulierung "was von Bismarcks Kleindeutschland übrig war" oben ja gestreift habe.

Insofern würden Sie mir Unrecht tun, wenn Sie mich für einen "transatlantischen Hardcorewessi" halten würden, nur weil mir Helmut Kohl als Patriot und destructor ostblocki sympathisch ist.

Er gehört zu den gutartigen deutschen Patrioten, die den Kommunismus, in seinem Fall notwendigerweise von Außen (Natodoppelbeschluss etc.) wegbekommen haben - nicht vergessen, die westdeutsche SPD wollte die DDR als Tatsache anerkennen... - und in Europa Frieden aus Ausgleich verbreitet, nachdem irregelaufene deutschen Patrioten und Patridioten zwei große Kriege angezettelt haben und die seelenlose verwanzte Plattenbauwelt verbrochen haben, indem sie erst Lenin nach Russland geschickt und dann ins rotstalinistische Wespennest nochmal hineingestachen.

Helmut Kohl ist die gutartige Variante eines deutschen Patrioten und man muss ihn durchaus (wenn auch nicht im Freitag) auch hier und da mal gegen die äußere Rechte verteidigen, die deutschland- und europapolitisch nur Mist gebaut hatten.

Dass der Freitag auch das Fachmagazin der DDR-Nostalgiker der letzten Tage ist, ist mir natürlich bewusst. Es hilft, mit dem Fernrohr auf das Geschehen zu blicken.

apatit 20.06.2017 | 16:18

Danke für Ihre Erläuterung der ich teilweise widersprechen muss. Leider ist das der Ton – den ich von Herrn Dr. Kohl zu gut kenne aber auch von Schäuble. Das kommt nicht gut an- – zugegeben man ist vielleicht auch oft zu empfindlich, aber zu oft haben einige “Wessis“ ihr freundliche Maske nur dann gezeigt, wenn`s sich`s ordentlich gerechnet hat. ( Treuhand ) auch so ein Ding … Und bei Patrioten habe ich auch so mein Problem, da halte ich mich an H. Heine gerne … Und lieber Diskutant, was haben Sie gegen die “seelenlose verwanzte Plattenbauwelt “ - die habt doch Ihr genau so und der Asbest schmeckt wo bei euch cremiger? Ich war erst kürzlich in Bonn und Köln usw. “Dass der Freitag auch das Fachmagazin der DDR-Nostalgiker der letzten Tage ist, ist mir natürlich bewusst. Es hilft, mit dem Fernrohr auf das Geschehen zu blicken.“ Das kann man auch nicht so sagen oder sehen – ich kenne Presseerzeugnisse, die mich tatsächlich an DDR Zeiten erinnern – da verdächtig Zentralorganmäßig CDU oder noch schlimmer … Und das der Herr Kohl sich gut mit Bimbes auskennt und einzusetzen weiß – zeigt wie er das im Kaukasus ( ca.

50 Milliarden oder 80 Milliarden ) den sowjetische Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow … beeindruckt hat … mal diplomatisch zu bleiben … der auch weiterhin nach 1989 verarschte Ossi bliebt da gelernt misstrauisch!

Holmgard 21.06.2017 | 18:27

Was da aufeinanderprallt sind eben realsozialistisch ostdeutsche Prägung und konservativer Antikommunismus (den es solange gibt, bis auch Kuba und das ganz wunderbare Nordkorea geknackt sind). Vermutlich konnte man allerdings auch in der DDR irgendwie Patriot sein und das verdient auch Respekt. Mir ist die DDR sogar weniger unsympathisch als soch manches, was sich heute "links" nennt. Ordnung herrschte ja. Und sie konnte mit Moskau.

Der Punkt ist nur: Sie erwarten nicht ernsthaft Tränen des Bedauerns, wenn im ZDF Ceausescus Erschießung gezeigt wurde?

Leider ist das der Ton – den ich von Herrn Dr. Kohl zu gut kenne aber auch von Schäuble.

Wenn schon, dann ist der doch wohl auch promoviert. ;)

Das kommt nicht gut an- – zugegeben man ist vielleicht auch oft zu empfindlich

Jaja. Was fehlte, war die Übersetzungsleistung vom realsozialistischen ins schwarzrotgoldene Wir (ohne Ähren und Hammer) - zumal die Arschlöcher von der Treuhand auch noch ganze Arbeit geleistet haben. Und zu wenig "sich mal in die anderen Hineinversetzen." Man hat im Westen unterschätzt, das man mit den Amerikanern noch dasselbe machen muss wie die Ostdeutschen mit den Sowjets. Eigentlich verdrängt man es bis heute. Trump ist ein Elfmeter. Wird man ihn nutzen?

Und lieber Diskutant, was haben Sie gegen die “seelenlose verwanzte Plattenbauwelt “ - die habt doch Ihr genau so und der Asbest schmeckt wo bei euch cremiger?

Er schmeckt genauso schlecht. Nur hat niemand den Wohnungsbau der 60er Jahre als realsozialistische Symbolik gefeiert und es wurden keine Wanzen eingebaut, als die Werktätigen auf der Arbeit waren... Das war, lieber Diskutant, keine architekturhistorische Anmerkung, wiewohl sie das AUCH war...

Ich war erst kürzlich in Bonn und Köln

Deswegen wollen die einen ja den Soli umleiten, die anderen abschaffen...

ich kenne Presseerzeugnisse, die mich tatsächlich an DDR Zeiten erinnern

Das kann ich mir vorstellen. Allerdings liegt das nicht "an der BRD", sondern an der Machtübernahme der 68er. Dieser Geruch ist nicht westlich oder konservativ. Er ist links. Was die Merkel-CDU heute übrigens auch ist. Man traut sich a gauche ja kaum noch, die größte anzunehmende Kanzlerin zu kritisieren. Sie hat den "demokratischen Zentralismus" ja voll drauf. ;)

verdächtig Zentralorganmäßig CDU oder noch schlimmer

durchaus, durchaus - nur ist das heute kompatibel mit 68er-Geist. Früher haben die sich rings um Springer-Hochhaus Straßenschlachten geliefert.

Und das der Herr Kohl sich gut mit Bimbes auskennt und einzusetzen weiß – zeigt wie er das im Kaukasus ( ca.

50 Milliarden oder 80 Milliarden ) den sowjetische Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow … beeindruckt hat

Ja, hätte er besser nicht gemacht. Eine selbstständige DDR wäre heute ein Visegradland und würde von einer Art AfD in Richtung Paradies regiert. ;)

der auch weiterhin nach 1989 verarschte Ossi bliebt da gelernt misstrauisch!

Recht hat er! Aber wenigstens bauen Sie Euch jetzt das Preußenschloß wieder hin.

apatit 21.06.2017 | 20:03

Das war doch gar nicht so schlecht … Grins! Aber bei einem Punkt muss ich Ihnen deutlich widersprechen bezüglich den Tränen! “ Der Punkt ist nur: Sie erwarten nicht ernsthaft Tränen des Bedauerns, wenn im ZDF Ceausescus Erschießung gezeigt wurde? “ Wissen Sie wo wir beide hoffentlich vereint heulen können? Na? Als dem Diktator Ceausescu den höchsten deutschen Orden am 17. Mai 1971 von Bundespräsident Gustav Heinemann bekam – Bundesverdienstkreuz – Träger und Bärentöter Nicolae UND da war mit sicherlich nicht die Stasi Schuld aber wer weiß, wann da auch noch den Genossen in die Schuhe geschoben wird! Ja … “Recht hat er! Aber wenigstens bauen Sie Euch jetzt das Preußenschloß wieder hin.“ Da haben Sie so was von Recht – die Pickelhaube wird herausgeholt, neu geölt und poliert! Fruchtbar! “Dem Geist ist jederzeit die souveräne Verachtung der jeweils Regierenden sicher. Entfällt sie, wird entweder nicht regiert oder nicht gedacht.“ Gerhard Zwerenz

MaLck 22.06.2017 | 08:57

Apropos Stefan Heym: Bei aller Lobhudelei für die Verdienste Kohls sagt sein Umgang mit dem Alterspräsidenten des Bundestages viel über seinen Charakter. Man muß schon einmal daran erinnern, daß er einen integren Mann wie Heym mit falschen Beschuldigungen und falschen Stasi-Akten, an deren Beschaffung wohl Gauck nicht ganz unbeteiligt war, daran hindern wollte, die Eröffnungsrede zu halten. Er witterte in Heym einen politischen Gegner, denn der hatte auch nach dem Anschluß der DDR an die BRD eine eigene Meinung.

Auch sollte man nicht vergessen, daß Kohl und Genscher ganz maßgeblich auf die Destabilisierung und letztendlich Zerschlagung Jugoslawiens hingewirkt haben und damit Verantwortung tragen für das, was dann dort passierte.

Tragisch ist, daß Kohls politische Erben das Europa, um das er zweifellos Verdienste hat, jetzt mit ihrer deutschen Hegemonialpolitik wieder einstampfen.

Aussie42 24.06.2017 | 13:57

Diese Lobhudelei auf Kohl ist erstaunlich.

Er war offensichtlich kaeuflich, das haben die Millionen auf den schwarzen Konten gezeigt.

Er hatte eine grosse Zahl einflussreicher Leute der BRD, die er jederzeit anrufen konnte, um sich sagen zu lassen, wo's lang geht.

Und zur Wiedervereinigung musste er von den Amis gestossen werden. Er wollte nur eine Konfoederation, weil die Wiedervereinigung nach dem GG ein "Aufbrechen" der BRD forderte.

Richtig ist, dass Merkel ihn schnell durchschaute. Sie kam von aussen und hat Kohl und die BRD-Fuehrungs-Cliquen sehr schnell durchschaut.

Selbst als Nicht-Jurist konnte man an seiner Diss. schnell erkennen, dass der Autor ein Duennbrettbohrer war.

usw.