Der Weg ist sein Ziel

Alltagskommentar Ein Roboter namens hitchBOT trampt gerade allein durch Kanada. Gut gelaunt und mit Klugscheißerqualitäten
Ausgabe 31/2014
Erschaffen wurde hitchBOT von der deutschen Robotikforscherin Frauke Zeller und einem Team der Ryerson University in Toronto
Erschaffen wurde hitchBOT von der deutschen Robotikforscherin Frauke Zeller und einem Team der Ryerson University in Toronto

hitchbot/Screenshot: der Freitag

Es muss ja nicht immer gleich die Galaxis sein – wie wäre es stattdessen mit Kanada? Ein Roboter namens hitchBOT reist gerade per Anhalter von Halifax bis Vancouver Island. Ein Roboter? Wir leben im Jahr 2014, also: Ja, ein Roboter.

Erschaffen wurde er von der deutschen Robotikforscherin Frauke Zeller und einem Team der Ryerson University in Toronto. Neben einem künstlichen Gehirn verpassten sie ihm einen liebenswürdigen Look, schließlich sollte er nicht bedrohlich wirken. Nun trägt er Styroporarme, eine leuchtende und lachende LED-Anzeige als Gesicht sowie quietschgelbe Gummistiefel an den Füßen – obwohl er nicht laufen kann. Muss er aber auch nicht. Er wartet einfach von Tankstelle zu Tankstelle auf neue Fans und Fahrer, die ihn ein Stück mitnehmen. Immerhin kann er tramperkonform Arm und Daumen heben.

Seit vergangenem Sonntag ist er unterwegs. Und als Wesen des 21. Jahrhunderts telefoniert er nicht wie E. T. nach Hause, sondern nutzt alle erdenklichen Social-Media-Kanäle, um Angehörige in Toronto und Fans auf der ganzen Welt auf dem Laufenden zu halten. Twitter, Facebook, Instagram – alles wird von der reisenden Blechtonne gefüttert. Ihn selbst sollen Menschen aber nur mit Strom füttern: Das Team bittet darum, hitchBOT an den Zigarettenanzünder anzuschließen, sobald er auf dem Beifahrersitz Platz genommen habe. Nur so könne er weiterleben. Und reden.

Nur über was redet man so mit einem Roboter? Über alles! Denn hitchBOT ist stetig gut gelaunt und verfügt dank Wikipedia-Vernetzung über ein unglaubliches Allgemeinwissen. Klugscheißen auf hohem Niveau, sozusagen. Keine Angst also vor Übergriffen wie jenen des killenden Replikanten Roy Batty aus Blade Runner. Oder vor den manisch-depressiven Gefühlsschwankungen von Roboter Marvin aus Per Anhalter durch die Galaxis, der mit seinen Monologen über die Sinnlosigkeit allen Seins ein Raumschiff in den Selbstmord treibt.

Nein, hitchBOT soll den Menschen ein gutes Gefühl geben. Denn neben den technischen Wow-Effekten und dem Kunstaspekt geht es bei diesem Experiment auch um eine Art Sozialstudie. Mensch und Maschine – wie funktioniert das zusammen? Kann es zwischen ihnen so etwas wie Vertrauen, Hilfsbereitschaft und gute Gespräche geben? Am Ende der Reise weiß man vielleicht mehr.

Hier können Sie die Reise von hitchBOT weiterverfolgen.

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